17. November 2017 – Frühstück mit Verwandten

08.00 Uhr Schon zur frühen Stunde bimmelt das Telefon und ich habe das Vergnügen, mit Maria plaudern zu können. Meine Schwägerin wünscht mir einen schönen Morgen und setzt mich darüber in Kenntnis, dass wir uns gegen 10 Uhr in “Julies Restaurant” zum Frühstück treffen werden. Ich juchze laut und verspreche, pünktlich zu sein und grossen Hunger mitzubringen – da kommt besonders grosse Freude auf.
08.30 Uhr Nach dem Frühsport stecke ich Dixon einen Kauknochen ins Maul und gebe vor, dass ich mich nun bei einem lustigen Wirbelbad entspannen werde. Der Rüde flitzt wie von Sinnen ins Wohnzimmer und nimmt das Recht heraus, das Büffelhautschmankerl auf dem Kanapee zu verzehren – das ist ja allerhand.


Dixon bekommt einen Kauknochen

09.30 Uhr Sechzig Minuten später präsentiere ich mich in legerer Freizeitkleidung und fordere das Haustier auf, sein Nickerchen zu beenden und mir zum Chevrolet zu folgen. Dixon gehorcht mir aufs Wort und hüpft im hohen Bogen auf die Ladefläche des PS-strotzenden SUVs. Anschliessend gleite ich hupend vom Grundstück und kann es kaum noch erwarten, eine reichhaltige Mahlzeit im Kreise meiner Liebsten einzunehmen – das wird ein Spass.
10.00 Uhr Pünktlich auf die Minute erreiche ich mein Ziel und treffe Georg und Maria, sowie Robert und Jessica Pfaffenberg an unserem Stammtisch an. Wie es sich gehört, begrüsse ich die Herren per Handschlag und lote aus, wer für das Frühstück bezahlen wird. Mein Grosscousin meldet sich prompt zu Wort und beteuert, dass er heute die Spendierhosen angezogen hat und für Speis und Trank einstehen wird. Ich fackle nicht lange und bitte Frau Julie, neben einer Kanne Kaffee ausserdem ein grosses Frühstück sowie etwas Speck für Dixon aufzutischen.


Ich sage NEIN zu Handtelefonen

10.30 Uhr Meine Tischnachbarn folgen dem Beispiel und tratschen angeregt über ihren gestrigen Theaterbesuch. Unter anderem bringe ich heraus, dass das Stück “Maple & Vine” von einem frustrierten Ehepaar handelt, das sich einer Sekte anschliesst und sich fortan von Handtelefonen und anderem neumodernen Schnickschnack lossagt. Als ich mich Robert zuwende, schüttelt er den Kopf und unterbreitet, dass er von der ordinären Sprache der Protagonisten ganz und gar nicht angetan war – das ist wieder typisch.
11.15 Uhr Schlussendlich bringt Wirtin Julie eine ellenlange Rechnung an den Tisch und knöpft Robert 80 Dollars ab. Der Texaner macht grosse Augen und meint, dass er in der Kleinstadt Boerne für 80 Dollars eine ganze Footballmannschaft verköstigen könnte. Ich klopfe mir schmunzelnd auf die Schenkel und weise auf die Tatsache hin, dass Naples ein teures Pflaster ist. Trotz der Nackenschläge lassen wir uns die Laune nicht verderben und brechen mit Hund Dixon zu einem kleinen Spaziergang entlang der Vanderbilt Beach Road auf. Bei angenehmen Temperaturen passieren wir die angrenzenden Reinigungsfirmen und ich verrate Jessica, dass im Collier County viele Einwanderer aus Indonesien leben. Um meinen Aussagen Nachdruck zu verleihen, deute ich in Richtung von “Joo Cleaning” und merke an, dass ein Grossteil der Asiaten in der Reinigungsbranche beschäftigt sind.
12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, stehen wir wieder vor “Julies Restaurant”. Robert wischt sich mit dem Handrücken über die nasse Stirn und kündigt an, dass er Morgen mit seiner Ehefrau nach Coconut Grove krusen wird, um seine Tochter Kimberly zu besuchen. Ich wünsche Robert viel Vergnügen und vernehme, dass die Texaner erst am kommenden Mittwoch zurück sein werden – wie schade.


Mein Zuhause im Willoughby Drive

13.00 Uhr Wieder zurück im Willoughby Drive, versorge ich Dixon mit Trockenfutter und rufe dann bei Prof. Kuhn an, um ihn über meine Aktivitäten in Kenntnis zu setzen. Der schlaue Mann freu sich und entgegnet, dass er den Vormittag im “Coastland Center” verbracht und Socken eingekauft hat – das hört man gerne.
13.30 Uhr Nach dem Telefonat schlüpfe ich aus den Kuhjungenstiefeln und falle erschöpft aufs Kanapee. Bereits nach wenigen Sekunden döse ich ein und träume vom bevorstehenden Weihnachtsfest.
14.30 Uhr Da es sich nicht gehört, den ganzen Nachmittag zu verschlafen, rapple ich mich auf und komme meinen Pflichten als Anschnurseelsorger nach. Mit flinken Fingern navigiere ich durchs Internetz und studiere Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher. Natürlich gebe ich auch Ratschläge ab und animiere die Erziehungsberechtigten, mit der jungen Generation nicht zu zimperlich umzugehen.
15.30 Uhr Zum Abschluss der Beratungsstunde schalte ich noch die neuen Einträge im Gästebuch frei und nehme meine persönliche Korrespondenz in Augenschein. Im Anschluss sehe ich mich im Garten um und spiele mit Dixon etwas Ball – was kann es schöneres geben.


Hund Dixon spielt Ball

16.30 Uhr Wegen der Hitze ziehe ich mich bald in die klimatisierte Stube zurück und richte mir eine kalte Wurstplatte mit hauchdünn aufgeschnittenem Capocollo an. Ferner giesse ich mir ein Bier ein und studiere während des Abendessens lesenswerte Berichte in der “Naples Daily News” (löblich: Naples aktuelle Neuigkeiten).
17.30 Uhr Bevor ich mich in den Feierabend verabschiede, schalte ich die leistungsstarke Geschirrspülmaschine ein und vergesse auch nicht, den Küchenboden zu wischen – Sauberkeit ist mir nämlich besonders wichtig.
18.15 Uhr Völlig erschöpft schleppe ich mich ins Wohnzimmer und lege die Beine hoch. Nebenher folge ich den FOX Nachrichten und lerne, das Donald Trump erneut die amerikanischen Medien gescholten und ihnen vorgeworfen hat, sogenannte “Fake News” (löblich: Falschmeldungen) zu verbreiten.

19.00 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, wechsle ich auf den Filmsender HBO, um mir den abendfüllenden Spielfilm “Cafe Society” anzuschauen. Die amerikanische Komödie ist in den 1930er Jahren angesiedelt und erzählt aus dem Leben eines jungen New Yorkers, der sein Glück in Hollywood sucht – wie aufregend.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Im Anschluss lösche ich sämtliche Lichter und gehe ins Bett. Gute Nacht.

28. Mai 2013 – Eine neue Schwarzbeere

pfaffenbergkl

07.30 Uhr Ich werde durch ohrenbetäubendes Telefonläuten geweckt. Zu allem Überfluss meldet sich meine Schwester Hildegard und teilt mir mit, dass sie operiert werden muss. Die 80jährige bricht in Tränen aus und plappert davon, dass sie am “grauen Star” leidet und sich in der “Augenklinik der Universität München” einem komplizierten Eingriff stellen muss. Ich seufze laut und entgegne, dass dieser Makel heutzutage im Handumdrehen behoben werden kann. Um meinen Aussagen Nachdruck zu verleihen, verweise ich auf einen Aufsatz, den ich vor wenigen Wochen in der Tageszeitung gelesen habe und informiere, dass bei einer altersbedingten Trübung des Auges ein einfacher Lasereingriff erfolgt. Hildegard jammert in einer Tour und sagt, dass sie trotzdem eine Nacht im Krankenhaus bleiben muss.
08.15 Uhr Nachdem ich meiner Schwester sämtliche Selbstmordgedanken ausgeredet habe, hüpfe ich aus dem Wasserbett und absolviere die Morgengymnastik – das tut gut.
08.45 Uhr Während Dixon im Garten bleibt und mit einer altersschwachen Möwe spielt, ziehe ich mich in die Nasszelle zurück. Ich lasse mir ein löbliches Wirbelbad einlaufen und rufe während des Badevergnügens bei Elsbeth in der Hansestadt Hamburg an. Meine liebe Schwester meldet sich nach dem dritten Tuten und bestätigt, dass Hildegard mit den Nerven am Ende ist. Elsbeth macht sich die grössten Sorgen und sichert zu, noch heute eine Zugfahrkarten zu lösen und am Wochenende nach Eichstätt zu fahren – wie schön
09.45 Uhr Just als ich der Guten eine entspannte Zugfahrt wünsche, gleitet mir das NOKIA Handtelefon aus der Hand und plumpst ins Badewasser. Obgleich ich das Schnurlostelefon mit einem Frotteehandtuch abwische, verweigert es sämtliche Dienste – wie unlöblich.

nokiahandtelefon

10.15 Uhr Ich raufe mir die Haare und lasse Hund Dixon wissen, dass ich nun für meine Freunde und Bekannten nicht mehr erreichbar bin. Da ich als staatlich anerkannter Experte auf ein Handtelefon angewiesen bin, ringe ich mich dazu durch, gleich zum WAL MART zu krusen und ein neues Telefon zu kaufen.
11.15 Uhr Nach einer spärlichen Mahlzeit eile ich mit Hund Dixon im Schlepptau zum frisch aufpolierten Chevrolet, um mit durchdrehenden Reifen zum Ferienhaus meiner Liebsten zu preschen.
11.45 Uhr Kurz vor der Mittagszeit läute ich an der Villa meiner Verwandten und werde von Georg herzlich begrüsst. Ich fackle nicht lange und gebe meinem Bruder zu verstehen, dass mir das NOKIA Handtelefon in die Badewanne gefallen ist. Mein Gegenüber krümmt sich vor Lachen und meint, dass es an der Zeit wäre, auf das nagelneue BLACKBERRY Q10 umzusteigen.
12.30 Uhr Nachdem wir mit Maria Kaffee getrunken haben, steuern wir den WAL MART am Collier Boulevard an. Während der Fahrt versorgt mich Georg mit Fakten und verdeutlicht, dass das aktuelle Blackberry Telefon über eine praktische Tastatur sowie eine prima Kamera verfügt – wie aufregend.
13.00 Uhr Am Ziel angekommen, schlendern wir durch das Geschäft und statten der Elektronikabteilung einen Besuch ab. Prompt werden wir fündig und lernen, dass besagte Schwarzbeere 635 Dollars kosten soll. Ein freundlicher Verkäufer macht mich mit der Funktionsweise des Telefons vertraut und behauptet, dass dieses Gerät neben einer 8 Megapixel Kamera auch über einen Doppelkern-Prozessor der neuesten Generation verfügt. Weil ich schnellstmöglich wieder erreichbar sein muss, zücke ich meine Meisterkarte (unlöblich: Mastercard) und lege ein Exemplar in den Einkaufswagen.
14.00 Uhr Um ein kleines Vermögen erleichtert, verlassen wir das Geschäft und kehren in die benachbarte Dairy Queen (löblich: Molkerei Königin) Wirtschaft ein. Während wir Hamburger verzehren, legt Georg die Telefonkarte in die Schwarzbeere ein und erklärt, dass ich nun wieder auf meine Anruferliste zurückgreifen kann – wie schön.

schwarzbeere

14.45 Uhr Im Anschluss bringe ich Georg sicher in den Lowbank Drive zurück und kann es gar nicht mehr erwarten, mit meiner Neuanschaffung das erste Telefonat zu führen. Ich wünsche Georg einen schönen Tag und trete zu stimmungsvoller WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radiomusik die Heimfahrt an.
15.30 Uhr Zurück in der kleinen Villa, mache ich es mir auf der schattigen Terrasse gemütlich und studiere budweiserschlürfend die Gebrauchsanweisung. Unter anderem verfasse ich eine Kurzdepesche an meine unterbelichtete Mieterin und füge einen Schnappschuss meines Petersilienbeetes an.
16.15 Uhr Anschliessend tippe ich Prof. Kuhns Nummer ein und habe nach wenigen Sekunden das Vergnügen, mit Edelbert sprechen zu können. Natürlich berichte ich von meinem Missgeschick und erwähne, dass ich knapp 700 Scheine in ein neues Handtelefon investieren musste. Der Professor wird sogleich hellhörig und sagt, dass er meinem Beispiel folgen und sich auch eine Schwarzbeere zulegen wird – das ist typisch.
17.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 5 deutet, lasse ich das Telefon in meine Hosentasche gleiten und bereite ein nahrhaftes Abendessen zu. Während sich Dixon über gesundes Trockenfutter aus dem Hause ROYAL CANIN freuen darf, nehme ich mit vitaminreichen Langnudeln mit Pesto Vorlieb. Um der Spezialität eine besondere Note zu verleihen, träufle ich etwas Olivenöl über die Teigwaren – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Zum Abschluss des Tages telefoniere ich noch einmal mit Georg und bringe heraus, dass meine Verwandten am Abend ein Theaterspiel im örtlichen “Off the Hook Comedy Club” (löblich: Aus dem Schneider Komödienstadl) besuchen wollen. Ferner höre ich, dass Georg morgen mit Herrn Wang nach Miami fahren wird, um die “CONEXPO SOUTH” Baumaschinenmesse zu besichtigen – das soll mir auch Recht sein.

19.00 Uhr Nachdem ich die Küche geputzt habe, lege ich im Wohnzimmer die Beine hoch und schalte die Glotze ein. Ich wähle das Qualitätsprogramm von HBO aus und erfreue mich an der englischen Komödie “Angels Share”. Der abendfüllende Spielfilm entführt mich nach Schottland und ich werde Zeuge, wie vier arbeitslose Jungspunde den teuersten Whiskey der Welt stehlen wollen. Ich amüsiere mich köstlich und genehmige mir während des Fernsehabends einige Jack Daniels – das schmeckt.
21.00 Uhr Der Abspann flimmert über den Flachbildschirm und ich reguliere die Klimaanlage. Nach einem kleinen Gassigang durch den Garten, lösche ich das Licht und lege mich schlafen. Gute Nacht.