5. Juli 2017 – Nach dem Independence Day

08.00 Uhr Der Radiowecker klingelt und ich habe mit schrecklichen Kopfschmerzen zu kämpfen. Weil auch meine Kehle ganz ausgetrocknet ist, stehe ich umgehend auf und fülle ein Tom-Collins Glas mit durstlöschender Diät Cola auf. Danach lasse ich mich im Ohrensessel nieder und erkläre Hund Dixon, dass ich gestern zu viel getrunken habe. Der Vierbeiner stellt prompt seine Ohren auf und schlendert mit wedelnder Rute zur Terrassentüre.


Ich lasse mir eine Diät Cola schmecken

08.30 Uhr Nachdem ich die Pforte geöffnet und dem Haustier einen Kauknochen ins Maul gesteckt habe, falle ich erschöpft aufs Kanapee und schliesse die Augen.
09.00 Uhr Dummerweise wird die Ruhe wenig später durch schrilles Telefonläuten unterbrochen. Zu meiner Freude meldet sich Maria in der Leitung und gibt zu Protokoll, dass Georg immer noch im Reich der Träume verweilt. Ich gähne ausgiebig und erwidere, dass die gestrige Independence Feier völlig aus dem Ruder gelaufen ist. Meine Schwägerin gibt mir Recht und mutmasst, dass ich ebenfalls einen Kater habe – das kann man laut sagen.
09.30 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, in der Nasszelle zu verschwinden und die Seele bei einem Wirbelbad baumeln zu lassen. Wie es sich gehört, schwinge ich auch den Nassrasierer und rücke den Bartstoppeln zu Leibe.
10.30 Uhr Gegen halb Elf schlüpfe ich in modische Freizeitkleidung und ringe mich dazu durch, die wichtigste Mahlzeit des Tages ausnahmsweise sausen zu lassen. Stattdessen giesse ich mir eine weitere Cola ein und spüle meinen Hals auf der Terrasse mit kräftigen Schlucken durch – das tut gut.


Frau Melody stammt aus dem Grossen Apfel

10.45 Uhr Just als ich es mir in der Hollywoodschaukel bequem mache, werde ich auf eine brünette Schönheit im Nachbarsgarten aufmerksam. Natürlich winke ich dem feschen Hasen freundlich zu und komme zu dem Schluss, dass es sich hierbei um Herrn Booths Nichte Melody handelt. Die 33jährige wünscht mir einen schönen Morgen und erzählt, dass sie sich seit Montag im Sonnenscheinstaat aufhält und bis August bleiben wird. Darüber hinaus bringe ich heraus, dass die aus New York stammende Karikaturistin ihren Urlaub zum Anlass nehmen wird, um Freunde in Miami zu treffen und an Zeichnungen zu feilen. Ich schnalze mit der Zunge und lege der Maid nahe, sich nicht zu lange in der Sonne zu aalen. Danach mache ich kehrt und bette mich in der Schaukel zur Ruhe.
11.30 Uhr Während Dixon mit dem Nachbarshund am Teich spielt, blättere ich in der Zeitung und lerne, dass sich in zwei Tagen Abraham Lincolns Ermordung zum 207 mal jährt. Ich überfliege den Bericht mit grossem Interesse und erfahre ausserdem, dass der im Collier County lebende Regisseur Stephen Spielberg seit vielen Jahren mit der Idee spielt, den Mordanschlag durch John Wilkes Booth auf die grosse Kinoleinwand zu bringen – das hört man gerne.
12.00 Uhr Pünktlich zum Mittagsläuten trifft Edelbert in der kleinen Villa ein. Mein Bekannter gibt sich deprimiert und beteuert, dass er am Morgen ebenfalls mit hämmernden Kopfschmerzen zu kämpfen hatte. Ich nicke eifrig und nehme mir das Recht heraus, zwei Coladosen aus dem Kühlschrank zu holen und dem Professor redlichst zuzuprosten. Ferner richte ich vitaminreiche Wurstbrote an und ermutige Edelbert, sich eine Stulle schmecken zu lassen. Der schlaue Mann lässt sich nicht zweimal bitten und meint, dass er ab sofort dem Alkohol abschwören wird. Ich schlage in die gleiche Kerbe und mache auf den Umstand aufmerksam, dass wir gestern nicht nur fünf Flaschen Wein und drei Sechserpacks Budweiser, sondern auch eine Halbe Flasche Bourbon getrunken haben.


Das Bier floss in Strömen

13.00 Uhr Wir beenden die Brotzeit und entschliessen uns, nach Dixon zu sehen. Während wir zum Teich spazieren, deutet Edelbert plötzlich zum Nachbarsgarten und freut sich, Frau Melody wiederzusehen. Bevor ich mich versehe, zückt der gute Mann sein Telefon und knipst ungeniert ein Foto. Ich strafe den Professor mit skeptischen Blicken ab und stelle klar, dass es sich nicht gehört, ein Weibsbild beim Sonnenbaden zu knipsen.
13.30 Uhr Nachdem sich Prof. Kuhn zum Auto verabschiedet hat, fülle ich Dixons Napf mit Trockenfutter auf und schaue etwas fern. Unter anderem sehe ich mir die Wiederholung der gestrigen „Big Brother“ (löblich: Grosser Bruder) Sendung auf CBS an und ärgere mich über die dummdreisten Protagonisten – gleich platzt mir der Kragen.
14.30 Uhr Um nicht ganz zu verblöden, schalte ich den modernen Flachbildschirm aus und ziehe es vor, die Augen zu schliessen und etwas zu dösen.
15.30 Uhr Ich erwache ausgeruht und beschalle mein Zuhause mit prima George Strait Musik. Zudem rufe ich bei Frau Pontecorvo an und vernehme, dass die Dame bis zum Sonntag in Jacksonville bleiben wird – wie schön.
16.00 Uhr Nachdem ich der Perle viel Vergnügen gewünscht habe, beende ich das Gespräch und arbeite etwas im Garten. Ausserdem werfe ich Dixon einen Tennisball zu und fordere ihn auf, selbständig Gassi zu gehen.


Dixon spielt mit einem Tennisball

17.00 Uhr Nach der schweisstreibenden Gartenarbeit kehre ich ins kühle Haus zurück und kümmere mich um das Abendessen. Da ich noch immer keinen grossen Hunger habe, nehme ich mit einer im Ofen aufgebackenen Thunfischpizza Vorlieb. Dazu gibt es einen farbenfrohen Beilagensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen.
18.00 Uhr Ein besonders nervenaufreibender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Zu guter Letzt sorge ich in der Küche für Ordnung und rufe dann Dixon ins Haus. Da ich stets auf dem Laufenden bleiben muss, fröne ich im Anschluss den Nachrichten auf FOX und mache mich über die tagesaktuellen Geschehnisse in der Welt schlau.

19.00 Uhr Zur besten Sendezeit gesellt sich Dixon zu mir aufs Sofa und gibt sich an meiner Seite dem amerikanischen Märchenfilm „Miss Peregrine’s Home for Peculiar Children“ (auf deutsch: Die Insel der besonderen Kinder) hin. Während ich gesunde Maischips (unlöblich: Nachos) knabbere, werde ich Zeuge, wie ein unterbelichteter Jugendlicher (16) mit seinem Vater nach Wales reist, um das Waisenhaus zu besuchen, in dem sein verstorbener Opa viele Jahre gelebt hat – diesen Unsinn muss man gesehen haben.
21.00 Uhr Kopfschüttelnd beende ich den Fernsehabend und begleite den Vierbeiner noch einmal in den Garten. Danach reguliere ich die Klimaanlage und lege mich schlafen. Gute Nacht.

4. Juli 2017 – Independence Day

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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Tagebuchleser,

weil heute mit dem „Independence Day“ (löblich: Unabhängigkeitstag) einer der wichtigsten Feiertage des Jahres begangen wird, habe ich mich kurzerhand entschlossen, ausnahmsweise keinen Tagebucheintrag zu verfassen. Stattdessen möchte ich ihnen den amerikanischen Nationalfeiertag näher bringen.

Wie jedes Kind weiss, wird der 4. Juli als Geburtstag der Vereinigten Staaten angesehen. Besagtes Datum soll an die Unterzeichnung der Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776 erinnern. Zu dieser Zeit führten die Bürger der neuen Kolonien an der amerikanischen Ostküste einen erbitterten Krieg gegen das britische Königshaus. Viele fühlten sich ungerecht behandelt, weil das englische Parlament die Steuern erhöht hatte, um damit die immensen Kriegskosten zu finanzieren.

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Thomas Jefferson

Letztendlich wurde die grösstenteils von Thomas Jefferson und Benjamin Franklin verfasste und vom Zweiten Kontinentalkongress verabschiedete Unabhängigkeitserklärung von allen Anführern der Kolonien unterzeichnet. Damit betonten die freiheitsliebenden Amerikaner zum ersten Mal, dass sie unabhängig sein und nicht mehr unter dem Zepter des britischen Königshaus stehen wollen – wie aufregend.

Viele Amerikaner veranstalten am 4. Juli lustige Picknicks oder besuchen patriotische Paraden in den Stadtzentren. Selbstverständlich hissen die Hausbesitzer – genauso wie am Memorial Day – die amerikanische Fahne und bringen damit zum Ausdruck, dass sie stolz auf die Vereinigten Staaten sind.

Um meinen Verwandten und Bekannten eine Freude zu bereiten, werde ich sie am heutigen Abend zu einem kleinen Umtrunk in den Willoughby Drive eingeladen. Neben Georg und Maria, Herr Wang und Prof. Edelbert Kuhn, haben ausserdem die Porellos ihr Kommen angekündigt – da kommt besonders grosse Freude auf.

Hochachtungsvoll
Reinhard Pfaffenberg

3. Juli 2017 – Partyvorbereitungen

08.00 Uhr Der Radiowecker springt an und der WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Morgenmoderator kündigt ein neues Jason Isbell Lied an. Während der aus Green Hill im Bundesstaat Alabama stammende Sangeskünstler eine Hymne auf die schöne Gemeinde Tupelo zum Besten gibt, rolle ich mich aus dem Wasserbett und verrate Hund Dixon, dass wir gleich zum Supermarkt krusen werden.


Katze Land – der beste Radiosender

08.30 Uhr Nach dem Frühsport entspanne ich mich bei einem Wirbelbad und rufe kurzerhand bei meinen Verwandten an. Maria ist ganz aus dem Häuschen und setzt mich darüber in Kenntnis, dass Georg im Laufe des Vormittages zum HOME DEPOT krusen und eine Propanflasche für den neuen Gasgrill besorgen wird. Ich nicke zustimmend und lasse die Perle wissen, dass ich nach dem Frühstück zum PUBLIX rasen werde. Meine Schwägerin ist begeistert und erinnert, dass wir für die bevorstehende Independence Day Grillfeier Kartoffeln, einen Salatkopf, Eier, Mayonnaise sowie Ketchup benötigen – das kann ja heiter werden.
09.30 Uhr Nachdem ich mit Prof. Kuhn gesprochen und ihn gebeten habe, mich gegen 11 Uhr vor dem Supermarkt unseres Vertrauens zu treffen, beende ich den Badespass.
10.00 Uhr Während ich eine Portion Kelloggs Zerealien mit frischer Muh verzehre, schrillt plötzlich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry). Ich halte mir die Kommunikationsgerät ans Ohr und freue mich, Frau Pontecorvos Stimme zu hören. Meine Nachbarin lässt ihren Aufenthalt in Jacksonville Revue passieren und berichtet, dass sie sich in Frau Blanches Gesellschaft sehr wohl fühlt. Ferner vernehme ich, dass die Weibsbilder gestern eine BINGO Veranstaltung besucht und Königsgarnelen im „Shrimp Shack“ Restaurant gefressen haben. Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, wünsche ich der kleinen Frau einen schönen Aufenthalt und ziehe es vor, das Telefonat zu beenden – immerhin kann ich mich nicht um alles kümmern.


Hund Dixon ist sehr brav

10.30 Uhr Anschliessend scheuche ich den Vierbeiner zum Auto und schicke mich an, hupend vom Grundstück zu brettern. Unterdessen rede ich auf meinen tierischen Begleiter ein und verdeutliche, dass ich diesem Stress kaum mehr gewachsen bin und bald ins „Shady Pines“ Seniorenwohnheim umziehen werde.
11.00 Uhr Endlich treffe ich vor dem PUBLIX ein und kann Edelbert herzlich begrüssen. Wie es sich gehört, lasse ich den Motor laufen und fordere den Rüden mit erhobenem Zeigefinger auf, während meiner Abwesenheit brav zu sein. Im Anschluss mache ich einer störrischen Rentnerin einen Einkaufswagen streitig und folge dem Professor in den Flachbau. Weil wir bereits gestern auf dem Wochenmarkt vitaminreiches Grillfleisch eingekauft haben, lassen wir die Metzgerei links liegen und streben plaudernd zur Gemüseabteilung. Ruckzuck verfrachten wir saftige Tomaten, Salatkopf sowie Avocados in den Wagen. Zudem kommen wir überein, dass wir zur Feier des Tages einen besonders edlen Rebentrunk auftischen sollten.


Ich schoppe bei PUBLIX ab

11.30 Uhr Nach langem Überlegen wählen wir sechs Flaschen Vigilance Chardonnay aus und erfahren beim Blick auf das Etikett, dass die verwendeten Trauben im kalifornischen Lake County gereift sind – wie schön.
12.15 Uhr Kurz nach dem Zwölfuhrläuten verlassen wir den Supermarkt und kehren tütenbepackt zu den Autos zurück. Ich verfrachte die Einkäufe schnaufend auf der Ladefläche des SUVs und gebe Edelbert zu verstehen, dass nun eine Brotzeit nicht schaden kann. Mein Begleiter schlägt in die gleiche Kerbe und meint, dass er mich gerne in das benachbarte „Subway“ (löblich: U Bahn) Schnellessgasthaus einladen würde – das soll mir Recht sein.
13.00 Uhr Zurück im Willoughby Drive, schleppe ich die Lebensmittel ins Haus und sortiere sie sorgsam in den Eiskasten ein. Danach falle ich erschöpft aufs Wohnzimmersofa und döse im Handumdrehen ein.
14.00 Uhr Eine Stunde später werde ich durch lautes Türeschellen geweckt. Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen und treffe meine Verwandten vor der kleinen Villa an. Georg präsentiert stolz den neuen Gasgrill und berichtet, dass er in der Zwischenzeit auch eine Propanflasche besorgt hat. Bevor ich mich versehe, schiebt der gute Mann den Grill ins Haus und macht es sich zur Aufgabe, das futuristische Ungetüm auf der Terrasse aufzubauen.


Morgen wird gegrillt – wie schön

14.30 Uhr Unter meinen skeptischen Blicken verbindet Georg die Flüssiggasflasche mit dem Grill und plappert, dass dieses hochwertige Gerät auch über eine pyrolytische Selbstreinigungstaste verfügt. Ich staune Bauklötze und lerne, dass man den Grillrost auf über 900°F (=480°C) aufheizen kann – das ist ja allerhand.
15.15 Uhr Während ich an einem kühlen Bier nippe, blättert Georg in der Gebrauchsanleitung und beteuert, dass Gasgrillgeräte kaum qualmen und auch keine krebserregenden Stoffe freisetzen. Ich reibe mir die Hände und bin mir sicher, dass die anstehende Feier ein voller Erfolg werden wird.
16.00 Uhr Nachdem mir meine Verwandten einen ruhigen Abend gewünscht haben, setze ich mich in die Hollywoodschaukel und werfe Dixon einen Tennisball zu. Das Haustier apportiert die Filzkugel am laufenden Band und nimmt sich sogar das Recht heraus, die handzahme Echse Billy im Teich anzubellen – da kommt Freude auf.


Das kulinarische Wohl darf nicht zu kurz kommen

17.00 Uhr Weil das kulinarische Wohl nicht zu Kurz kommen darf, kehre ich bald in die Küche zurück und richte das Abendessen an. Ich schwenke gesunde Butter in einer Pfanne und brate leckere Fischstäbe heraus. Dazu gibt es eine Portion Kartoffelbrei sowie vitaminreiches Karottengemüse – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Redlichst gestärkt schalte ich die Geschirrspülmaschine ein und verabschiede mich in den wohlverdienten Fernsehabend. Um auf dem Laufenden zu bleiben, fröne ich den FOX Nachrichten und mache mich über die anstehenden 4-Juli-Feierlichkeiten in den grossen Metropolen der Vereinigten Staaten schlau.
19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit wechsle ich auf den Film- und Serienkanal HBO, um mir den preisgekrönten Liebesfilm „Days of Heaven“ (auf deutsch: In der Glut des Südens) anzuschauen. Obwohl ich den Streifen schon einige Male gesehen habe, zieht er mich auch heute in seinen Bann – wie aufregend.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung schalte ich den Flachbildschirm aus und trete auf die Terrasse, um sicherzustellen, dass der Hahn der Propangasflasche zugedreht wurde. Zu guter Letzt scheuche ich den Rüden ins Haus und lege mich schlafen. Gute Nacht.

30. Juni 2017 – Frau Pontecorvo verabschiedet sich

08.00 Uhr Der letzte Junitag bricht an und ich rolle mich gähnend aus dem Wasserbett. Weil ich längst nicht zum alten Eisen zähle, laufe ich in den Garten und nutze das sonnige Wetter, um meine Glieder bei der Morgengymnastik zu lockern – was kann es schöneres geben.
08.30 Uhr Nach der sportlichen Betätigung poche ich an Frau Pontecorvos Terrassentüre und lote aus, wann sie nach Jacksonville fahren wird. Die Gute tippt auf ihre Armbanduhr und informiert, dass die Abreise für 11 Uhr geplant ist. Zudem schenkt mir die Dame ein Lächeln und sagt, dass wir vorher frühstücken werden – wie schön.


Frau Pontecorvo fährt nach Jacksonville

09.00 Uhr Beschwingt kehre ich in die kleine Villa zurück und lasse Hund Dixon wissen, dass ich vor den Gaumenfreuden ein Wirbelbad nehmen werde. Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, ziehe ich mich in die Nasszelle zurück und lasse die Wanne mit Wasser volllaufen. Unterdessen tippe ich die Nummer meiner Verwandten in die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) ein und bringe heraus, dass Georg und Maria nach Fort Myers gerast sind, um hemmungslos in einschlägigen Kaufhäusern abzuschoppen – das ist wieder typisch.
09.45 Uhr Kurz vor dem Zehnuhrläuten werde ich erneut an Frau Pontecorvos Pforte vorstellig und freue mich, von der Dame des Hauses mit einem Bussi begrüsst zu werden. Ich folge meiner Bekannten spornstreichs ins Esszimmer und gebe Dixon zu verstehen, dass die nette Frau sogar etwas Schinken vorbereitet hat. Meine Gastgeberin streichelt dem Rüden über den Kopf und plappert davon, dass sie echten Virginia Schinken in die Schüssel verfrachtet hat – da läuft einem doch glatt das Wasser im Munde zusammen.


Am Dienstag wird der Unabhängigkeitstag gefeiert

10.30 Uhr Als wir kraftvoll zubeissen, kommt meine Tischnachbarin auf den Independence Day (löblich: Unabhängigkeitstag) zu sprechen und behauptet, dass sie den Feiertag zum Anlass nehmen wird, um mit Blanche das „Liberty Fest“ in Jacksonville zu besuchen. Meine Nachbarin schwärmt in den höchsten Tönen und vertellt, dass entlang der Strandpromenade unzählige Musikgruppen aufspielen werden – das ist prima.
11.15 Uhr Weil der Perle eine fünfstündige Autofahrt bevorsteht, beende ich die wichtigste Mahlzeit des Tages und nehme mir das Recht heraus, beim Abwasch zu helfen. Unterdessen flitzt Dixon kläffend an die frische Luft und stattet dem Nachbarshund Joey einen Besuch ab. Ich komme aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und erkläre Frau Pontecorvo, dass ich am 4. Juli eine kleine Grillfeier im heimischen Garten abhalten werde. Darüber hinaus stelle ich klar, dass ich nicht nur Prof. Kuhn sowie meine Verwandten, sondern auch Herr Wang und Familie Porello in den Willoughby Drive einladen werde – das gibt ein rauschendes Fest.
12.00 Uhr Wenig später erhalte ich den Schlüssel zum Nachbarhaus und werde von Frau Pontecorvo beauftragt, regelmässig die Pflanzen zu giessen und den Briefkasten zu leeren. Ich nicke eifrig und helfe der kleinen Frau, ihren zentnerschweren Reisekoffer zum FORD MUSTANG zu schleppen.
12.30 Uhr Nachdem meine Nachbarin hupend davon gefahren ist, lotse ich den Vierbeiner ins Haus und bette mich auf dem Kanapee zur Ruhe. Leider wird mein Nickerchen bald durch ohrenbetäubendes Telefonschellen unterbrochen. Zu allem Überfluss meldet sich Georg in der Leitung und berichtet, dass er im Miromar Outlet Store ein Schnäppchen ergattern konnte. Ich staune Bauklötze und vernehme, dass mein Bruder einen WEBER Gasgrill für 700 Dollars erstanden hat. Bevor ich antworten kann, rechnet der gute Mann vor, dass besagtes Produkt im Fachhandel das Doppelte kostet.


Am 4. Juli wird gegrillt

13.15 Uhr Nach dem Telefonat lege ich die Beine hoch und schliesse die Augen. In wenigen Augenblicken döse ich ein und sehe mich im Traum an die amerikanische Westküste versetzt.
14.15 Uhr Um nicht den ganzen Nachmittag zu verschlafen, rapple ich mich hoch und nehme am Schreibtisch platz. Pflichtbewusst rufe ich Depeschen ab und erfahre vom Forschungszentrum Kuschmelka (München), dass es in Deutschland angesichts der vielen Asylanten drunter und drüber geht. Weiter lerne ich, dass jeder Flüchtling den Steuerzahler im Durchschnitt 450.000 Euros kostet – das ist ja allerhand.


Amazon Kindle ist prima

15.15 Uhr Nachdem ich das Betriebssystem heruntergefahren habe, greife ich zum Telefon und kontaktiere Prof. Kuhn. Ich treffe Edelbert in einer „Barnes & Noble“ Filiale an und höre, dass der schlaue Mann mit dem Gedanken spielt, 129 Dollars in ein NOOK Lesegerät zu investieren. Natürlich lache ich laut und weise auf die Tatsache hin, dass das Amazon Lesegerät KINDLE lediglich 60 Dollars kostet. Mein Bekannter nimmt sich den Ratschlag zu Herzen und meint, dass er am Abend Anschnur gehen und die Amazon Modellpalette in Augenschein nehmen wird. Ich atme tief durch und unterbreite, dass wir morgen Besorgungen für die bevorstehende Independence Day Feier tätigen müssen. Mein Gesprächspartner zeigt sich einverstanden und meint, dass wir uns gegen halb Elf in Julies Restaurant zum Frühstück treffen könnten – dazu sage ich nicht nein.
16.00 Uhr Während Dixon faul auf dem Kanapee liegt, laufe ich in den Garten und nehme den Rasensprenger in Betrieb. Ausserdem dünge ich das Petersilienbeet und vergesse auch nicht, Unkraut zu jäten.
17.00 Zum Abschluss des langen Tages bereite ich das Abendessen zu und nehme mit einer Wurstplatte Vorlieb. Dazu gibt es vitaminreiches Weissbrot sowie ein Glas Weisswein aus dem sonnigen Kalifornien – das tut gut.

19.00 Uhr Nach den FOX Nachrichten schalte ich auf AMC um und schaue mir das Drama „This Is Where I Leave You“ (auf deutsch: Sieben verdammt lange Tage) an. Die Filmumsetzung des bekannten Jonathan Tropper Romans handelt von einem Mann, der seine Ehefrau in flagranti beim Fremdgehen erwischt und in eine Sinnkrise verfällt.
20.45 Uhr Nach 100minütiger Langeweile flimmert endlich der Abspann über die Mattscheibe. Ich rolle demonstrativ mit den Augen und lösche sämtliche Lichter. Zu guter Letzt rufe ich Dixon ins Haus und lege mich schlafen. Gute Nacht.

15. Juni 2017 – Fronleichnam

bussbettag

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Tagebuchleser,

in meiner weissblauen Heimat wird heute das Fronleichnamsfest gefeiert. Dabei handelt es sich um ein Hochfest im Kirchenjahr der katholischen Kirche. An Fronleichnam finden sich fromme Menschen zu Prozessionen zusammen, um die leibliche Gegenwart Jesu zu feiern – wie schön.

Obgleich Fronleichnam zu den wichtigsten Kirchenfesten zählt, wird der Festtag lediglich in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz sowie im Saarland als gesetzlicher Feiertag begangen. Die Schnösel in den neuen Bundesländern sowie in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Berlin, Hamburg und Bremen ziehen es vor, Fronleichnam Aussen vor zu lassen und stattdessen zu arbeiten – das ist wieder typisch.

Fronleichnam spielt in den Vereinigten Staaten kaum eine Rolle. Trotzdem werde ich es mir nicht nehmen lassen, gemeinsam mit Frau Pontecorvo, meinen Verwandten und Prof. Kuhn das Gotteshaus zu besuchen. Anschliessend steht mit Hund Dixon ein lustiger Zoobesuch dem Plan – das wird ein Spass.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Feiertag
Reinhard Pfaffenberg