29. Juni 2016 – Ein Ausflug ohne mich

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08.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und rolle mich voller Elan aus dem Wasserbett. Unterdessen erzähle ich dem Vierbeiner, dass wir in der kommenden Woche eventuell die Kinder im Sonnenscheinstaat begrüssen werden.
08.30 Uhr Nachdem ich auf der Terrasse die Morgengymnastik bei schweisstreibenden 87°F (31°C) absolviert habe, greife ich zum Telefon und lasse es mir nicht nehmen, im fernen Kanada anzurufen. Schon nach wenigen Augenblicken bin ich mit Amanda verbunden und lerne, dass die jungen Leute am übernächsten Samstag tatsächlich nach Florida ausfliegen werden. James Ehefrau kommt kaum aus dem Plappern heraus und bestätigt, dass ich sie am 9. Juli gerne in Miami in Empfang nehmen kann – das ist die beste Nachricht des Tages.

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Die Kinder kommen nach Florida

09.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, die Seele bei einem Wirbelbad baumeln zu lassen. Während sich Hund Dixon in den Garten verabschiedet, lasse ich Wasser in die Wirbelbadewanne laufen. Ausserdem rufe ich bei meinen Verwandten im Lowbank Drive an und lasse sie wissen, dass ich gleich den Wocheneinkauf erledigen werde. Georg freut sich für mich und sagt, dass er währenddessen mit seiner Ehefrau nach St. Petersburg krusen und dort die Nacht verbringen wird. Als ich genauer nachfrage, rückt mein Bruder mit der Wahrheit heraus und beteuert, dass am Nachmittag ein Besuch des „Weedon Island Preserve“ ansteht. Als ich mich kurzerhand bereit erkläre, die lieben Leute zu begleiten, erhalte ich eine Absage und höre, dass Georg mit Maria alleine sein möchte – das ist wieder typisch.
10.00 Uhr Ich beende den Badespass und erinnere mich, dass sich Frau Gomez heute nicht um den Hausputz kümmern wird. Kopfschüttelnd stelle ich die DeLonghi Kaffeemaschine ein und spiele mit dem Gedanken, nach dem Frühstück selbst zum Staubwedel zu greifen.
10.30 Uhr Wenig später stattet mir der Professor einen Besuch ab. Der schlaue Mann legt beste Laune an den Tag und lädt mich ein, ihn zum PUBLIX Supermarkt zu begleiten. Selbstverständlich deute ich sofort auf die unzähligen Teller, die sich in der Spüle angesammelt haben und gebe zu Protokoll, dass ich mich zuerst im Haushalt nützlich machen muss. Edelbert schnappt sich eine Kaffeetasse und verspricht, mir zur Hand zu gehen – wie schön.
11.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 11 zugeht, trudelt auch noch Frau Pontecorvo in der kleinen Villa ein. Meine Nachbarin schnäuzt kraftvoll in ein Taschentuch und erzählt, dass sie sich eine Erkältung eingefangen hat. Ich blicke skeptisch drein und ermutige die Dame, schnell kehrt zu machen und sich ins Bett zu legen. Anstatt meinem Ratschlag nachzukommen, setzt sich die kleine Frau an den Küchentisch und stibitzt sich eine geröstete Weissbrotscheibe (unlöblich: Toast) von meinem Teller – gleich platzt mir der Kragen.

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Mein Zuhause unter Palmen

11.30 Uhr Nachdem sich Frau Pontecorvo endlich verabschiedet hat, räumen wir das Geschirr in die Spülmaschine und machen es uns zur Aufgabe, in der Küche für Sauberkeit und Ordnung zu sorgen. Da Hygiene sehr wichtig ist, wische ich auch den Boden durch und vergesse auch nicht, den Wohnzimmerläufer auszustauben.
12.30 Uhr Nach sechzig Minuten beenden wir die schwere Arbeit und genehmigen uns eisgekühlte Budweiser. Ich nippe zufrieden an der braunen Flasche und erkläre Edelbert, dass wir nun abschoppen sollten.
13.00 Uhr Völlig verschwitzt scheuche ich Dixon zum Auto und nehme mir das Recht heraus, die Klimaanlage auf die höchste Stufe einzustellen. Anschliessend presche ich hupend von dannen und erfreue mich am stimmungsvollen Radioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land).
13.30 Uhr Am Ziel angekommen, machen wir einer störrischen Seniorin einen Einkaufswagen streitig und flanieren durch die breiten Gänge. Während ich Waren des täglichen Bedarfs einlade, berichte ich Edelbert von meinem Telefonat mit Amanda. Natürlich komme ich auch auf die Ankunft der Kinder zu sprechen und merke an, dass ich in 10 Tagen nach Miami rasen und die jungen Leute vom Flughafen abholen werde.
14.30 Uhr Weil das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, schlendern wir nach dem Bezahlvorgang in die benachbarte Dairy Queen (löblich: Molkereikönigin) Gaststätte und sind überrascht, Scherriff Bradfort an einem Fenstertisch anzutreffen. Als wir Hände schütteln, verrät uns der Polizist, dass er derzeit mit einem heiklen Fall beschäftigt ist. Wir geben uns sehr interessiert und erfahren weiter, dass sich in Südwestflorida seit einigen Monaten ein Serienvergewaltiger herumtreibt. Der Scherriff präsentiert uns etliche Photografien und unterbreitet, dass der Ganove äusserst brutal vorgeht und seine Opfer bewusstlos schlägt – das ist ja kaum zu glauben.

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Steckt der Zodiac Killer hinter den Taten?

15.30 Uhr Nach der Jause wünschen wir dem Scherriff viel Erfolg und ziehen es vor, den Heimweg anzutreten. Ich bringe Edelbert sicher in den Willoughby Drive zurück und mutmasse während der Reise, dass womöglich der berüchtigte Zodiac Killer hinter den Taten stecken könnte. Prof. Kuhn tippt sich an die Schläfe und setzt mich darüber in Kenntnis, dass der Zodiac Killer in den späten 1960er Jahren in San Francisco, CA aktiv war und nie ausserhalb des Goldenen Staates in Erscheinung trat – papperlapapp.
16.00 Uhr Endlich bin ich wieder dahoam und kann den Eiskasten auffüllen. Edelbert gähnt ausgiebig und sagt, dass er sich nun verabschieden wird. Ich nicke eifrig und wünsche meinem Bekannten einen schönen Abend.
16.30 Uhr Nachdem ich eine Hopfenkaltschale getrunken habe, bette ich mich auf dem Sofa zur Ruhe und schliesse die Augen. Bereits nach wenigen Sekunden döse ich ein und sehe mich im Traum auf den Appalachian Trail versetzt – das waren noch bessere Zeiten.
17.30 Uhr Sechzig Minuten später werde ich durch meinen knurrenden Magen geweckt. Um nicht vom Fleisch zu fallen, begebe ich mich ruckzuck in die Küche und bereite unter den fordernden Blicken meines tierischen Mitbewohners ein leckeres Omelette zu. Im Anschluss fülle ich Dixons Napf mit ROYAL CANIN Trockenfutter auf und lasse mir das Abendessen auf der schattigen Terrasse schmecken.
18.30 Uhr Nachdem ich die Geschirrspülmaschine ausgeräumt habe, schalte ich die Glotze ein und schaue mir die FOX Nachrichten an. Ich informiere mich aus erster Hand über den Bürgerkrieg in Syrien und dem Irak und komme zu dem Schluss, dass die arabische Welt längst verloren ist.

19.00 Uhr Zur Prime Time (löblich: Hauptfernsehzeit) wechsle ich auf den Filmkanal AMC und fröne dem Kriminalfilm „Trespass“, der von einer Familie erzählt, die von maskierten Männern überfallen wird. Ich staune Bauklötze und fresse während des Fernsehabends eine Packung Lay’s Kartoffelchips.
21.00 Uhr Nach zweistündigem Nervenkitzen schalte ich den Flachbildschirm aus und begleite Dixon noch einmal in den Garten. Danach verschliesse ich Fenster und Türen sorgsam und lege mich schlafen. Gute Nacht.

16. Februar 2016 – Ganz viel Stress

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08.00 Uhr Ich werde durch eigenartige Laute geweckt. Mit dem entsicherten Revolver im Anschlag schleiche ich in die Küche und sehe, wie Hund Dixon mit seinen Vorderpfoten auf die Anrichte springt und sich einen Kauknochen stibitzen möchte. Natürlich erhebe ich den Zeigefinger und erkläre dem Rüden, dass er vor dem Frühstück keine Leckereien bekommt. Danach scheuche ich das Haustier auf die Terrasse und absolviere den Frühsport.

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Lustige Kauknochen

08.30 Uhr Weil es schwülwarm ist, ziehe ich mich nach der Morgengymnastik ins Bad zurück und wasche mich redlichst. Unterdessen lege ich meine Stirn in Falten und komme zu dem Schluss, dass ich das Gästebett beziehen und die Fugenabdichtung am Fenster erneuern muss – immerhin soll sich Sandra in meinem Zuhause wohl fühlen.
09.30 Uhr Pfeifend beende ich den Badespass und werfe mich in Schale. Da ich viel zu tun habe und nicht auch noch das Frühstück vorbereiten kann, statte ich meiner Nachbarin einen Besuch ab. Frau Pontecorvo begrüsst mich überschwänglich und plappert, dass sie sich gleich in der Küche nützlich machen und Pancakes (löblich: Pfannkuchen) zaubern wird. Ich lasse mich seufzend im klimatisierten Esszimmer nieder und nehme mir das Recht heraus, die Tageszeitung aufzuschlagen. Nebenbei schimpfe ich in einer Tour und merke an, dass ich Mieterin Sandra in vier Tagen vom Flughafen abholen muss.
10.00 Uhr Wenig später kredenzt Frau Pontecorvo ein prima Frühstück und kündigt an, dass sie mich am kommenden Samstag zum „Southwest International Airport“ begleiten wird. Ich zucke mit den Schultern und streue etwas Puderzucker über die köstliche Süssspeise – schmeckt gar nicht schlecht.
10.45 Uhr Just als ich die Kaffeetasse auffülle, surrt die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) besonders laut. Zu meiner Freude meldet sich Edelbert im Rohr und möchte wissen, ob wir heute an den Strand krusen wollen. Ich schüttle entschieden den Kopf und entgegne, dass ich viel um die Ohren habe. Bevor der Professor antworten kann, klappe ich das Schnurlostelefon zu und verfrachte einen weiteren Pfannkuchen auf meinen Teller.

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Die Schwarzbeere surrt

11.30 Uhr Redlichst gestärkt reiche ich der Pontecorvo die Hand und informiere, dass ich nun nach Hause zurückkehren muss, um Vorbereitungen bezüglich der Ankunft meiner unterbelichteten Mieterin zu treffen. Ruck zuck werfe ich die Pforte ins Schloss und eile schnaufend nach nebenan.
12.00 Uhr Um keinen Hitzschlag zu bekommen, stelle ich die Klimaanlage höher und vergesse auch nicht, nach dem stressigen Vormittag ein kühles Bier zu trinken. Darüber hinaus greife ich zum Telefon und rufe kurzerhand in der alten Heimat an. Sandra meldet sich prompt und lässt mich wissen, dass sie just im Moment die Arbeit im Münchner Kreisverwaltungsreferat beendet hat. Ich fackle nicht lange und erwidere, dass ich die Nachmittagsstunden ausnutzen werde, um das Gästebett frisch zu beziehen. Ferner erinnere ich die Maid, dass sie mir mehrere Tafeln ROMY Schokolade, BRISK Haarschmiere sowie echten Jacobs Kaffee aus Europa mitbringen muss. Meine Mieterin beruhigt mich sofort und beteuert, dass sie die gewünschten Produkte am Wochenende eingekauft hat – wie schön.

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Sandra muss BRISK Haarschmiere mitbringen

12.30 Uhr Nach dem Gespräch spucke ich in die Hände und mache es mir zur Aufgabe, die Silikonkartusche aus der Garage zu holen. Bevor ich die Fuge erneuere, schabe ich mit einem scharfen Messer die verschimmelte Acryldichtung ab. Zu guter Letzt setze ich die Silikonspritze fachmännisch an und verschliesse die Fuge mit wasserabweisender Dichtmasse – das soll mir erst mal einer nachmachen.
13.15 Uhr Als nächstes ziehe ich das Bettlaken von der Matratze und gebe Hund Dixon zu verstehen, dass wir bald Sandra im Sonnenscheinstaat begrüssen werden. Das brave Haustier springt aufgeregt auf und ab und zieht es vor, bellend auf die Terrasse zu laufen – da kommt besonders grosse Freude auf.
14.00 Uhr Nach getaner Arbeit gönne ich mir ein Schinkensandwich (unlöblich: Wurstbrot) und trinke dazu eine weitere Hopfenkaltschale. Zudem nehme ich den hochgewachsenen Rasen ins Visier und fasse den Entschluss, morgen die Wiese zu mähen – mir bleibt wirklich gar nichts erspart.
15.00 Uhr Da ich mich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten kann, verabschiede ich mich ins Haus und falle erschöpft aufs Kanapee. Bereits nach wenigen Sekunden döse ich ein und träume von meiner letztjährigen Appalachian Trail Wanderung – das war ein Vergnügen.

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Ich sehe mich in den Green Mountain Forest versetzt

16.00 Uhr Ich erwache redlichst ausgeruht und registriere, dass es sich gar nicht mehr lohnt, die Anschnurseelsorge in Angriff zu nehmen. Stattdessen lasse ich die Seele in der Hollywood Schaukel baumeln und schmökere in der nervenaufreibenden Stephen King Kurzgeschichtensammlung „Basar der bösen Träume“. Nebenher beobachte ich Dixon, wie er nach nebenan rennt und Nachbarshund Joey einen Besuch abstattet.
17.00 Uhr Schlussendlich kehre ich in die klimatisierte Stube zurück und sorge für ein nahrhaftes Abendessen. Ich schwenke etwas Butterschmalz in einer Pfanne und zaubere im Handumdrehen vitaminreiche Bratkartoffeln mit Zwiebeln und Speck. Danach beisse ich kraftvoll zu und löse das grosse Kreuzworträtsel in der „Naples Daily News“ (löblich: Naples tägliche Neuigkeiten) – das macht Spass.
18.00 Uhr Pünktlich zum Sechsuhrläuten beende ich die Hausarbeit und schalte den Fernseher ein. Um auf den neuesten Stand zu kommen, fröne ich den FOX Nachrichten und informiere mich über die in Europa vorherrschende Flüchtlingskrise – wo soll das nur hinführen.

19.00 Uhr Anschliessend wechsle ich auf HBO und gebe mich dem amerikanischen Spielfilm „The Reach“ (auf deutsch: In der Schusslinie) hin. Die Erfolgsproduktion aus dem Jahre 2014 erzählt aus dem Leben eines Färtenlesers, der einen schwerreichen Geschäftsmann zu einem Jagdausflug in die Mojave Wüste begleitet.
21.00 Uhr Nach zwei nervenaufreibenden Stunden betätige ich den „OFF“ (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung und rufe den Vierbeiner ins Haus. Danach lösche ich sämtliche Lichter und gehe ins Bett. Gute Nacht.

3. Januar 2016 – Happy Birthday Reinhard Pfaffenberg

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Happy Birthday to You, Happy Birthday to You, Lieber Reinhard, Happy Birthday …

Hallo Leute,
wie ihr sicher wisst, feiert mein Vermieter heute Geburtstag. Obwohl er zu Weihnachten reich beschenkt wurde, hat er auch heute viele Präsente von seinen Verwandten, Frau Pontecorvo und Edelbert erhalten. Seine Nachbarin hat ihm sechs Flaschen Wein sowie edle Gläser geschenkt. Ausserdem hat von Prof. Kuhn eine Wanderkarte für das letzte Teilstück des Appalachian Trails überreicht bekommen 🙂

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Prof. Kuhn möchte auf den Trail zurückkehren

Anscheinend ist Reinhards Bekannter nach der letztjährigen Appalachian Trail Wanderung durch den „Green Mountain National Forest“ auf den Geschmack gekommen und möchte im Sommer 2016 den Bundesstaat Maine erkunden. Das letzte Teilstück des zweilängsten Wanderweges auf dem nordamerikanischen Kontinent führt nämlich durch den nordöstlichen Bundesstaat der Vereinigten Staaten und endet auf dem 1606 Meter hohen Mount Katahdin.

Übrigens haben die alten Leute Reinhards Geburtstag zum Anlass genommen, um einen Ausflug zu Thomas Alva Edisons und Henry Fords Winterdomizil zu unternehmen. Das „Edison and Ford Winter Estate“ in Fort Myers bietet Besuchern einen Botanischen Garten, das Wohnhaus der beiden Erfinder sowie das sogenannte „Rubber Laboratory“, in dem zwischen 1914 und 1918 Latex und Gummi hergestellt wurde 🙂

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Naja, ich wünsche Reinhard auf diesem Weg alles Gute und viel Glück in seinem neuen Lebensjahr. Am 20. Februar werde ich sowieso nach Florida düsen und den Rentner nachträglich mit einem tollen Geschenk überraschen.

Sandra

9. September 2015 – Schmerzender Knöchel

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08.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und registriere, dass mein Knöchel immer noch weh tut. Trotz aller Widrigkeiten lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und hüpfe aus dem Bett. Danach schmiere ich Schmerzsalbe auf meinen Fuss und erkläre Hund Dixon, dass ich heute ausnahmsweise auf den Frühsport verzichten werde.
08.30 Uhr Während der Vierbeiner in den Garten rennt, um mit Nachbarshund Joey zu spielen, ziehe ich mich ins Badezimmer zurück. Voller Elan lasse ich die Wanne mit Wasser volllaufen und zögere nicht, bei Georg und Maria anzurufen. Mein Bruder meldet sich prompt und erinnert, dass wir uns bald wiedersehen werden. Ich werde augenblicklich hellhörig und erfahre, dass meine Verwandten bereits am 18. September nach Florida ausfliegen werden – das ist phantastisch.

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Georg und Maria kommen bald nach Florida

09.30 Uhr Juchzend beende ich den Badespass und nehme am Küchentisch Platz, um Kelloggs Maisflocken mit frischer Muh zu fressen. Wenig später schliesst meine Zugehfrau die Haustüre auf und wünscht mir einen guten Morgen. Die Perle legt besonders schlechte Laune an den Tag und behauptet, dass der erste Arbeitstag nach einem dreiwöchigen Urlaub kein Vergnügen ist. Ich gebe der kleinwüchsigen Mexikanerin Recht und informiere, dass im Bad ein grosser Wäschehaufen wartet. Darüber hinaus tippe ich auf meine goldene ROLEX und gebe zu Protokoll, dass ich nun zum PUBLIX Supermarkt fahren werde.
10.00 Uhr Weil ich wegen der Fussverletzung unmöglich die schweren Einkaufstüten zum Auto schleppen kann, tippe ich kurzerhand Edelberts Nummer in die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und lade meinen Bekannten ein, mich im Supermarkt zu treffen. Der Professor zeigt sich einverstanden und meint, dass er in einer Stunde am Tamiami Trail sein wird – wie schön.
10.30 Uhr Nachdem ich Frau Gomez geholfen habe, das schmutzige Geschirr in die Spülmaschine zu verfrachten, scheuche ich Dixon zum Auto. Mit quietschenden Pneus rase ich aus dem Wohngebiet und lausche nebenbei den Kompositionen der aktuellen Alan Jackson Kompaktscheibe „Angels and Alcohol“ (löblich: Engel und Alkohol).


Alan Jackson – Angels and Alcohol

11.00 Uhr Ich parke den PS-strotzenden SUV direkt neben Edelberts JEEP und begrüsse meinen Bekannten freundlichst. Der gute Mann macht sich grosse Sorgen und legt mir nahe, einen Facharzt aufzusuchen und den lädierten Knöchel untersuchen zu lassen. Ich winke gelangweilt ab und antworte, dass die Verstauchung spätestens am Abend abgeklungen sein wird. Um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen, mache ich einer dumm dreinschauenden Kundin (44) einen Einkaufswagen streitig und lotse Edelbert durch die breiten Gänge. Bei dieser Gelegenheit berichte ich, dass Georg und Maria in neun Tagen zu Besuch kommen werden. Edelbert ist hellauf begeistert und meint, dass drei Tage später auch Robert Pfaffenberg samt Ehefrau im Sonnenscheinstaat eintreffen wird.
12.00 Uhr Nachdem wir einer Kassiererin ein kleines Vermögen beschert haben, kehren wir mit Hund Dixon im Schlepptau in die benachbarte „Dairy Queen“ (löblich: Molkereikönigin) Wirtschaft ein. Da unsere Mägen laut knurren, werden wir spornstreichs an der Essensausgabe vorstellig und ordern vitaminreiche Cheeseburger with Fries (löblich: Käseburger mit Fritten). Dazu gibt es durstlöschende Dr. Pepper Limonade sowie gebratenen Schinken für den fiependen Rüden.

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Dr. Pepper schmeckt prima

12.30 Uhr Als wir kraftvoll zubeissen, bringe ich Admiral a.D. Bürstenbinders Anruf ins Spiel. Edelbert kommt aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und sagt, dass wir bald unseren Heimaturlaub buchen sollten – wie wahr.
13.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, die Heimfahrt anzutreten. Mit leichten Schmerzen humple ich zum Auto und wünsche dem Professor einen ruhigen Nachmittag. Edelbert bedankt sich und sagt, dass wir morgen eventuell einen Strandspaziergang unternehmen könnten – das soll mir Recht sein.
13.45 Uhr Zurück im Willoughby Drive, finde ich die Villa herausgeputzt vor. Weil Frau Gomez bereits verschwunden ist, sehe ich mich genötigt, die Einkäufe selbst in den Eiskasten zu räumen – mir bleibt wirklich gar nichts erspart.
14.30 Uhr Nach der schweisstreibenden Arbeit falle ich gähnend aufs Kanapee und schliesse die Augen. Bereits nach wenigen Augenblicken döse ich ein und sehe mich im Traum auf den Appalachian Trail versetzt.

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Ich sehe mich auf den „Trail“ versetzt

15.30 Uhr Um nicht den ganzen Nachmittag zu vertrödeln, rapple ich mich auf und kümmere mich um die Anschnurseelsorge. Ich arbeite elektronische Briefe besorgter Heimseitenbesucher ab und rate einem Rentner aus dem Saarland, seinem pubertierenden Enkel Louis (13) kein Handtelefon zum Geburtstag zu schenken. Stattdessen animiere ich den 80jährigen, in einer Buchhandlung vorstellig zu werden und einen spannenden Abenteuerroman zu kaufen.
16.15 Uhr Ich beende die Anschnursitzung und nehme mir das Recht heraus, in der Hollywoodschaukel etwas zu tschillen und ein Budweiser zu trinken. Ausserdem schlage ich die Zeitung auf und erfahre im politischen Teil, dass Präsidentschaftskandidat Donald Trump wegweisende Eckpunkte seines Wahlprogramms veröffentlicht hat. Angeblich würde der 69jährige im Falle eines Wahlerfolgs die Steuern massiv umgestalten. In einem Interview (löblich: Zwischenschau) erklärte der Politiker, dass er nicht nur die Körperschaftssteuer für Unternehmen kippen, sondern auch die Einkommensteuer für Arbeitnehmer radikal senken würde – wie aufregend.
17.00 Uhr Nach der dritten Hopfenkaltschale lege ich die Lektüre beiseite und mache mich in der Küche nützlich. Ich schwenke Butter in einer Pfanne und brate gesunde Fischstäbe mit Kartoffelspalten heraus – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Ein anstrengender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Ich setze mich nach der Brotzeit zu Dixon aufs Kanapee und gebe mich den FOX Nachrichten hin – immerhin muss man stets auf dem Laufenden bleiben.

19.00 Uhr Zur besten Sendezeit wechsle ich auf den Serienkanal AMC und schaue mir drei Folgen des neuen Fernsehspiels „Fear the Walking Dead“ (löblich: Fürchte die wandelnden Toten) an. Ich staune nicht schlecht und werde Zeuge, wie eine Familie den Ausbruch einer verheerenden Seuche miterlebt – wie unlöblich.
21.00 Uhr Nach dreistündigem Nervenkitzel schalte ich die Glotze aus und unternehme mit dem Vierbeiner einen kleinen Rundgang durch den Garten. Danach lösche ich sämtliche Lichter und gehe ins Bett. Gute Nacht.

3. August 2015 – Neue Filter für die Klimaanlage

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08.00 Uhr Ich läute die 32. Woche des Kalenderjahres mit dem Frühsport auf der schattigen Terrasse ein. Während ich meine rostigen Glieder lockere, spähe ich zum Radieschenbeet und komme zu dem Schluss, dass ich mich heute trotz der grossen Hitze im Garten nützlich machen muss – mir bleibt wirklich gar nichts erspart.
08.30 Uhr Nach der Morgengymnastik plaudere ich mit Frau Pontecorvo und gebe zu Protokoll, dass ich gleich zum „Home Depot“ krusen und Filtereinsätze für die Zentralklimaanlage besorgen muss. Meine Nachbarin späht auf ihre Armbanduhr und meint, dass sie mich begleiten und Blumenerde einkaufen wird.
09.00 Uhr Verschwitzt verabschiede ich mich in die Nasszelle und erfrische mich bei einem lustigen Wirbelbad. Währenddessen telefoniere ich mit Edelbert und bringe in Erfahrung, dass mein Bekannter den Vormittag nutzen wird, um ein Antiquitätengeschäft in Fort Myers anzusteuern. Als ich genauer nachfrage, rückt der gute Mann mit der Wahrheit heraus und sagt, dass er nach einem Geburtstagsgeschenk für Frau Pontecorvo Ausschau halten wird. Ich kratze mich am Haaransatz und erinnere mich, dass die Dame in zwei Wochen ihr Wiegenfest feiert.

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Barack Obama feiert Morgen Geburtstag

10.00 Uhr Bevor ich zum Baumarkt fahre, nehme ich das Frühstück ein. Unterdessen blättere ich in der Zeitung und lerne, dass Barack Obama Morgen seinen 54. Geburtstag feiern wird. Ich nehme die Photografien argwöhnisch in Augenschein und freue mich, weil der Heini im kommenden Jahr aus dem Amt scheiden wird.
10.30 Uhr Wenig später schelle ich am Nachbarhaus und lasse Frau Pontecorvo wissen, dass wir nun losfahren können. Die Perle folgt mir plappernd zum PS-strotzenden SUV und informiert, dass das schwülwarme Klima sogar den stärksten Rentner aus der Bahn wirft. Ich winke demonstrativ ab und entgegne, dass ich mich bei Temperaturen jenseits der 100°F Grenze pudelwohl fühle.
11.00 Uhr Endlich fahre ich auf den Parkplatz auf und kann das Auto unter einer schattenspendenden Palme abstellen. Da Dixon im Fahrzeug warten muss, ringe ich mich dazu durch, den Motor laufen zu lassen. Im Anschluss schlendere ich mit Frau Pontecorvo in den Flachbau und sehe mich nach geeigneten Filtereinsätzen um. Nach wenigen Sekunden gesellt sich ein hochnäsiger Marktmitarbeiter an meine Seite und beteuert, dass die gängigen Klimaanlagenhersteller Standartfilter in der Grösse 11×11 ft. (löblich: 30×30 Zentimeter) verwenden. Ich nicke eifrig und entschliesse mich, ein Exemplar zum Preis von 45 Dollars und 70 Cent auszuwählen.

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Freundliche HOME DEPOT Mitarbeiter

11.30 Uhr Danach lotst mich Frau Pontecorvo in die Gartenabteilung und setzt mich darüber in Kenntnis, dass sie ihren hochgewachsenen Vicus Alii umtopfen wird. Ich gähne ausgiebig und animiere meine Begleiterin, einen Sack Gartenerde aus dem Hause „Miracle Gro“ zu erwerben. Die kleine Frau schüttelt entschieden den Kopf und wirft ein, dass der Vicus Alii eine sehr empfindliche Grünpflanze ist. Letztendlich verfrachtet meine Nachbarin eine Tüte torffreie und atmungsaktive Bio-Blumenerde in den Einkaufswagen – gleich platzt mir der Kragen.
12.15 Uhr Nach dem Bezahlvorgang kehren wir zum Auto zurück und werden von Hund Dixon stürmisch begrüsst. Ich streichle dem Racker über den Kopf und ziehe es vor, schnell auf den Fahrersitz zu hüpfen und die Heimreise anzutreten. Um zu Hause nicht stundenlang am Herd stehen zu müssen, fahre ich kurzerhand eine McDonalds Schnellgaststätte an und ordere am Drive-Thru (löblich: Fahr hindurch) Schalter schmackhafte Burger, vitaminreiche Fritten (unlöblich: Fries) sowie einen köstlichen Smoothie – das gibt ein Festessen.

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Mein Zuhause unter Palmen

12.45 Uhr Zurück im Willoughby Drive, lade ich Frau Pontecorvo in die kleine Villa ein und frage nach, ob sie mir nach dem Mittagessen im Garten helfen möchte. Meine Bekannte beisst kraftvoll in einen Filet O Fish und meint, dass sie gegen halb Zwei einen Anruf von ihrer Freundin erwartet – das ist wieder typisch.
13.30 Uhr Nachdem sich meine Nachbarin verabschiedet hat, trinke ich einen Schluck Diät Cola aus der Flasche und mache es mir zur Aufgabe, die Gartenarbeit zu erledigen. Mit einem scharfen Messer ausgerüstet, eile ich nach draussen und ernte die Knospen des Kreuzblütlergewächs redlichst ab.

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Ich ernte Radieschen

14.15 Uhr Nach fünfundvierzig Minuten haben sich dreissig Knollen in einer praktischen Tupper Schale angesammelt. Ich wische mir den Schweiss von der Stirn und kehre zufrieden in die Villa zurück.
15.00 Uhr Fix und foxi falle ich aufs Kanapee und strecke die Beine aus. Bereits nach wenigen Augenblicken döse ich ein und sehe mich im Traum auf den Appalachian Trail in Vermont versetzt – das war eine Gaudi.
16.00 Uhr Ich öffne die Augen und habe eine ganz ausgetrocknete Kehle. Weil Flüssigkeitszufuhr besonders im hohen Alter sehr wichtig ist, giesse ich mir ein eiskaltes Budweiser ein. Anschliessend setze ich mich an den Schreibtisch und komme meinen Pflichten als staatlich anerkannter Seelsorger nach. Nebenbei öle ich meine ausgetrocknete Kehle und essen Radieschen am laufenden Band – das schmeckt.
17.00 Uhr Nachdem alles abgearbeitet ist, greife ich zum Telefon und rufe bei Edelbert an. Natürlich berichte ich von der schweisstreibenden Gartenarbeit und lasse den Professor wissen, dass die Radieschen vorzüglich munden.
17.30 Uhr Ich beende das Ortsgespräch und laufe spornstreichs in die Küche, um einen bunten Salat vorzubereiten. Ferner schiebe ich eine Thunfischpizza ins Rohr und genehmige mir ein Gläschen Schaumwein – wie das perlt.

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Thunfischpizza – schmeckt gar nicht schlecht

17.30 Uhr Ich lasse mir das Nachtmahl in der guten Stube schmecken. Ausserdem ringe ich mich dazu durch, den Klimaanlagenfilter erst morgen zu wechseln – immerhin kann ich mich nicht um alles kümmern.
18.15 Uhr Zum Abschluss des langen Tages lasse ich im Wohnzimmer die Seele baumeln und folge den Abendnachrichten auf FOX. Der Moderator berichtet über Barack Obamas anstehenden Geburtstag und mutmasst, dass der Präsident Morgen zu einer grossen Feier ins Weisse Haus einladen wird – wie aufregend.
19.00 Uhr Zur Prime Time (löblich: beste Fernsehzeit) schalte ich auf den „History Channel“ (löblich: Geschichtskanal) um und gebe mich einer spannenden Dokumentation über den blutigen Koreakrieg hin.
21.00 Uhr Als der Abspann über die Mattscheibe flimmert, betätige ich den „OFF“ (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung und scheuche Dixon noch einmal in den Garten. Danach lösche ich das Licht und lege mich schlafen. Gute Nacht.