11. Oktober 2018 – Blutrote Rosen

08.00 Uhr Beschwingt durch ein besonders schönes Lied hüpfe ich aus dem warmen Bett und lerne, dass der englische Gesangsstern Rod Stewart vor wenigen Tagen ein neues Studioalbum veröffentlicht hat. Darüber hinaus meldet der WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Sprecher, dass sich das besagte Werk in den Vereinigten Staaten wie geschnittenes Brot verkauft und sich bald auf Platz 1 der nationalen Hitparade wiederfinden wird.


Rod Stewart – Blood Red Roses

08.30 Uhr Nach der schweisstreibenden Morgengymnastik verabschiede ich mich in die Nasszelle und fälle die Entscheidung, etwas Geld locker zu machen und mir den Silberling “Blood Red Roses” (löblich: Blutrote Rosen) zu kaufen. Ruckzuck lasse ich die Wirbelbadewanne mit lauwarmen Wasser volllaufen und erinnere mich, dass Frau Pontecorvo heute nach Jacksonville krusen und dort ihre Freundin Blanche besuchen wird. Um die Abreise nicht zu verpassen, greife ich augenblicklich zum Schwamm und wasche mich ordentlich heraus.
09.15 Uhr Kurz nach dem Neunuhrläuten werde ich am Nachbarhaus vorstellig und betätige beherzt die Klingel. Meine Nachbarin öffnet prompt die Pforte und gibt vor, gegen halb Elf losfahren zu wollen. Weil noch etwas Zeit bleibt, winkt mich die kleine Frau in die Küche und zögert nicht, brühfrischen Bohnenkaffee sowie hausgemachte Pfannkuchen aufzutischen. Während ich kraftvoll zubeisse, berichtet Frau Pontecorvo, dass sie ihren Aufenthalt in der 880.000 Einwohner zählenden Gemeinde nutzen wird, um den weltbekannten “Fort Clinch State Park” sowie den “Jacksonville Zoo” zu besuchen. Ferner schwärmt meine Tischnachbarin in den höchsten Tönen und freut sich, auch einen Ausflug nach “Amelia Island” unternehmen zu können – das hört sich langweilig an.
10.15 Uhr Nachdem ich mir die Wampe vollgeschlagen habe, ziehe ich mir die NY YANKEES Kappe tief ins Gesicht und wünsche meiner Bekannten eine sichere Reise. Im Anschluss stosse ich die Haustüre auf und halte Hund Dixon an, mir zum SUV zu folgen. Voller Elan klemme ich mich hinters Lenkrad und schicke mich an, der Airport Pulling Road gen Süden zu folgen und die “Galleria Mall” an der Vanderbilt Beach Road anzufahren – wie schön.


Meine praktische Schwarzbeere

11.00 Uhr Am Ziel angekommen, laufe ich zielstrebig in ein Musikgeschäft und lote aus, ob das aktuelle Rod Stewart Album vorrätig ist. Der hochnäsige Heini hinter dem Verkaufstresen nickt eifrig und beteuert, dass er heute bereits siebzehn Exemplare verkaufen konnte. Ich mache grosse Augen und überreicht dem Knecht 14 Dollars in Bar. Anschliessend schlendere ich an den anderen Geschäften vorbei und nutze die Gelegenheit, um Georgs Handtelefonnummer in die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) einzutippen. Mein Bruder meldet sich nach dem zweiten Tuten und gib mir zu verstehen, dass er sich mit Herrn Wang auf dem Golfplatz vergnügt. Als ich nach Maria frage, erhalte ich die Auskunft, dass seine Ehefrau nach Fort Myers gekrust ist, um einen neuen DeLonghi Kaffeevollautomaten zu kaufen – das wird teuer.
12.00 Uhr Pünktlich zum Mittagsläuten kehre ich in die gutbesuchte “Philly Pretzel Factory” (löblich: Philadelphia Brezen Fabrik) ein und nehme mit drei “Pretzel Dogs” Vorlieb. Dazu gibt es Kartoffelstäbe sowie eine durstlöschende Pfirsich Limonade – schmeckt gar nicht schlecht.
12.45 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, die Heimfahrt anzutreten und in der Villa eine kleine Pause einzulegen. Mit letzter Kraft schleppe ich mich zum Chevrolet und bringe das Fahrzeug sicher in den Willoughby Drive zurück. Ausserdem fröne ich dem neuen Rod Stewart Album und registriere, dass dem 73jährigen mit “Blood Red Rose” ein wahres Meisterwerk gelungen ist.


Mein Zuhause unter Palmen

13.30 Uhr Zurück im kultivierten Zuhause, schlüpfe ich aus den Schuhen und bette mich im klimatisierten Wohnzimmer zur Ruhe. Bereits nach wenigen Augenblicken döse ich ein und träume von meiner spannenden Wanderschaft entlang des Appalachian Trails – das waren noch bessere Zeiten.
14.30 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und setze mich an den Schreibtisch, um mit der Anschnurseelsorge zu beginnen. Während Rod Stewart das schöne Lied “Who Designed the Snowflake” (löblich: Wer erschuf die Schneeflocke) trällert, warne ich besorgte Erziehungsberechtigte vor gefährlichen Handtelefonen und stelle klar, dass besagte Schnurlosgeräte krank machen können – wie furchtbar.
15.15 Uhr Zu guter Letzt schalte ich die neuen Einträge im Gästebuch frei und vergesse auch nicht, den Warenbestand im beliebten Andenkenladen zu überprüfen. Da die T-Hemden mit meinem Konterfei vergriffen sind, verfasse ich sogleich einen elektronischen Brief an meinen indonesischen Grosshändler Bambang und gebe eine Grossbestellung auf – das macht Spass.
16.00 Uhr Nach der Arbeit genehmige ich mir im Garten ein kühles Bier und tratsche angeregt mit Herrn Booth. Natürlich erzähle ich meinem Nachbarn von Frau Pontecorvos Ausflug nach Jacksonville und gebe zu Protokoll, dass die Dame erst in der kommenden Woche zurück kommen wird.


Ich beisse kraftvoll zu

17.00 Uhr Nach einer Stunde kehre ich ins Haus zurück und kümmere mich um ein gesundes Abendessen. Unter den fordernden Blicken meines Haustieres, schwenke ich Butterschmalz in einer Pfanne und brate ein Minutenschnitzel an. Dazu gibt es Bohnen sowie im Ofen aufgebackene Kartoffelstäbe – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nach dem Essen lege ich im Wohnzimmer die Beine hoch und folge den Nachrichten auf FOX. Weil keine brechenden Neuigkeiten (unlöblich: Breaking News) vorliegen, schalte ich auf AMC um, wo gerade der Krimi “Dirty Harry” anläuft. Um endlich zur Ruhe zu kommen, lehne ich mich bierschlürfend zurück und tauche in das Leben eines Polizisten ein, der in San Franzisko nach einem gefährlichen Massenmörder fahndet – wie aufregend.
21.00 Uhr Ein nervenaufreibender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu und ich begleite Dixon noch einmal in den Garten. Nachdem der Rüde sein Beinchen gehoben hat, lösche ich sämtliche Lichter und lege mich schlafen. Gute Nacht.

1. Oktober 2018 – Das Konzert war knorke

08.00 Uhr Ich hüpfe am ersten Tag des Weinmonats Oktober freudig aus dem Bett und zögere nicht, die Terrassentüre schwungvoll zu öffnen. Während sich Dixon gähnend streckt, trete ich nach draussen und absolviere die Morgengymnastik. Als ich mir den Armen rudere und eine schöne Melodie pfeife, kommt plötzlich Herr Booth an die Grundstücksgrenze und erkundigt sich, ob das Lady Antebellum Konzert in Tampa meinen Erwartungen entsprochen hat. Ich nicke eifrig und lasse den hochdekorierten Vietnamveteran wissen, dass das aus Nashville, TN stammende Trio sämtliche Hits (unlöblich: Schläge) zum Besten gegeben hat. Ferner merke ich an, dass es eine Gaudi war, auch den neuen Kompositionen zu frönen – da kam besonders gute Stimmung auf.

08.30 Uhr Nachdem mein Nachbar versprochen hat, während des Vormittages meinen Rasen zu mähen, beende ich die Plauderei und verabschiede mich ins Badezimmer. Weil gutes Aussehen heutzutage sehr wichtig ist, wasche ich mich mit einem Schwamm heraus und vergesse auch nicht, mir die Bartstoppeln abzurasieren.
09.30 Uhr Gegen halb 10 beende ich den Waschvorgang und erkenne beim Blick nach draussen, dass der alte Depp von nebenan noch immer mit dem Mähen beschäftigt ist. Augenrollend lasse ich die Rollos nach unten gleiten und lotse den Vierbeiner in die Küche, um ihm gesundes Trockenfutter zu kredenzen. Darüber hinaus nehme ich selbst mit einer Schüssel Kelloggs Zerealien sowie vitaminreichen Rühreiern Vorlieb – das schmeckt prima.
10.00 Uhr Da im Eiskasten kaum noch Lebensmittel vorrätig sind, fasse ich nach dem Frühstück den Entschluss, zum Supermarkt meines Vertrauens zu krusen. Ruckzuck verfrachte ich die schmutzigen Teller in die Spülmaschine und schicke mich an, geschwind zum PS-strotzenden SUV zu laufen und Dixon auf die Ladefläche zu helfen. Danach lasse ich den Motor aufheulen und gleite hupend vom Grundstück – da kommt Freude auf.


Hund Dixon wartet im SUV

10.45 Uhr Am Ziel angekommen, lasse ich das Haustier bei laufendem Motor im Auto zurück und schlendere in die klimatisierte Markthalle, um Produkte des täglichen Bedarfs in einen Einkaufswagen zu verladen. Ausserdem werde ich auch am BluRay Regal vorstellig und registriere, dass der Lichtspielhauserfolg “Gotti” mittlerweile in den regulären Verkauf gelangt ist. Weil ich Mafiafilme sehr gerne sehe, schnappe ich mir ein Exemplar und lege die blaue Scheibe zu den anderen Einkäufen.


Eine neue Scheibe für meine Sammlung

11.30 Uhr Um insgesamt 97 Dollars erleichtert, kehre ich zum Auto zurück und berichte dem Vierbeiner, dass nun ein Mittagessen nicht schaden kann. Zungeschnalzend rase ich zur nahegelegenen “Bob Evans” Gaststätte und stelle meinen tierischen Begleiter eine kleine Brotzeit in Aussicht.
12.00 Uhr Mit knurrendem Magen finde ich mich in der gutbesuchten Wirtschaft ein und ordere einen vitaminreichen “Baconburger” (löblich: Speckburger) mit Kartoffelstäben und Salat. Selbstverständlich lasse ich Dixon von der Semmel abbeissen und serviere ihm ausserdem etliche Erdäpfelstäbe mit Ketchup – das schmeckt.
13.00 Uhr Zurück im Willoughby Drive, schleppe ich die schweren Einkaufstüten in die gute Stube und freue mich, auf einen ruhigen und besinnlichen Nachmittag. Weil ich längst nicht mehr der Jüngste bin, schlüpfe ich aus den Schuhen und bette mich auf dem Wohnzimmersofa zur Ruhe – das tut gut.
14.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und sehe mich auch heute genötigt, am Schreibtisch Platz zu nehmen. Weil sich irgendwer um verzweifelte Erziehungsberechtigten kümmern muss, rufe ich kurzerhand elektronische Depeschen ab. In meiner Funktion als staatlich anerkannter Anschnurseelsorger, lese ich mir die Hilferufe ganz genau durch und schrecke nicht davor zurück, den leidgeprüften Menschen mit hilfreichen Ratschlägen zur Seite zu stehen.


Bier ist sehr gesund

15.00 Uhr Nachdem ich einer alleinerziehenden Mutter aus Brandenburg geraten habe, ihre vorlaute Tochter (5) ins Heim zu stecken, gehe ich von der Leine und sehe im Garten nach dem Rechten. Wohlwollend stelle ich fest, dass Herr Booth seine Ankündigung mittlerweile in die Tat umgesetzt und die Wiese auf ein rechte Mass gebracht hat. Ich atme tief durch und nehme mir das Recht heraus, den Rasensprenger in Betrieb zu setzen und die hochgewachsene Petersilie zu bewässern.
16.00 Uhr Fix und foxi kehre ich in die gute Stube zurück und kann es kaum erwarten, die neue Filmanschaffung in das Abspielgerät zu stecken. Um mich über das Leben des Mafiosos John Gotti schlau zu machen, schalte ich den leistungsstarken Heimrechner erneut ein und recherchiere auf Wikipedia über die Machenschaften des aus dem grossen Apfel (unlöblich: Big Apple) stammenden Kriminellen. Währenddessen lässt sich Dixon etliche Kauknochen schmecken und quietscht unentwegt mit seinen Spielzeugen – gleich platzt mir der Kragen.

17.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, das Abendessen vorzubereiten. Um nicht Hunger leiden zu müssen, brate ich ein lustiges T Knochen Schnitzel im heissen Fett heraus. Ausserdem zaubere ich einen farbenfrohen Beilagensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nach dem Nachtmahl schalte ich die Glotze ein und gebe mich dem am 15. Mai 2018 auf dem Filmfestival in Cannes welturaufgeführten Spielfilm “Gotti” hin. Alsbald wird mir jedoch klar, dass dieses langweilige Machwerk keineswegs meinen hohen Ansprüchen genügt. Laut lachend trinke ich etliche Biere und komme zu dem Schluss, dass Regisseur Kevin Connolly gut beraten wäre, seinen Tschob an den Nagel zu hängen.
20.00 Uhr Als nach zwei Stunden endlich der Abspann über die Mattscheibe flimmert, betätige ich kopfschüttelnd den AUS Knopf auf der neumodernen Fernbedienung. Im Anschluss lösche ich sämtliche Lichter und lege mich schlafen. Gute Nacht.

28. September 2018 – Jerry Lee Lewis & Elsbeth

jerryleelewis

Hochgeschätzte Internetzgemeinde,

der amerikanische Musikant Jerry Lee Lewis feiert morgen seinen 83. Geburtstag.
Wie jedes Kind weiss, wuchs der aus Ferriday in Louisiana stammende Bube in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Trotzdem war es den Eltern möglich, etwas Geld abzuzweigen und den Jüngling auf eine Musikschule zu schicken. Dort erlernte der kleine Jerry das Klavierspielen und schrieb es sich auf die Fahnen, gemeinsam mit seinen Cousins Jimmy Lee Swaggert und Mickey Gilley eine Gospelkapelle zu gründen.

Mit 21 Jahren ging Jerry Lee nach Memphis, TN und schloss sich der örtlichen Musikszene an. Prompt bekam der begabte Klavierspieler eine Anstellung in einer Biertränke und knüpfte Kontakte zu anderen Musikern. Im Herbst 1956 stellte sich Jerry Lee Lewis bei der bekannten Plattenfirma “Sun Records” vor und gab zu Protokoll, dass er in Elvis Presleys Fussstapfen treten und ebenfalls berühmt werden wolle.

Wenige Wochen später wurde er vom “Sun Records” Besitzer Sam Phillips unter Vertrag genommen und feierte mit “Whole Lotta Shakin’ Goin’ On” und “Great Balls of Fire” seinen internationalen Durchbruch. Doch während einer umjubelten Tournee durch England im Jahre 1958 wurde bekannt, dass Jerry Lee Lewis seine erst dreizehnjährige Cousine Myra geheiratet hatte. Wegen dieses Skandals wurde die Musikreise durch Europa abgebrochen und seine Platten kurzerhand aus den Radioprogrammen genommen.

Erst in den 1960er Jahren kam seine Karriere wieder in Schwung und Jerry Lee Lewis stieg zu einem der bekanntesten Rock’n Roll Musiker seiner Zeit auf. Bis heute ist der gute Mann seiner Liebe zur Musik treu geblieben und veröffentlicht in regelmässigen Abständen hörenswerte Studioalben.

geburtstag

Darüber hinaus feiert morgen auch meine liebe Schwester Elsbeth ihr Wiegenfest.
Natürlich werde ich am Samstag bei der guten Frau in der Hansestadt Hamburg anrufen, um ihr die besten Glückwünsche zu übermitteln.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg

26. September 2018 – Am Strand

08.00 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und lausche auf der Frequenz von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) einem schönen Lied der aus Texas stammenden Sängerin Sunny Sweeney. Weil Morgenstund’ sprichwörtlich Gold im Mund hat, hüpfe ich spornstreichs aus dem Bett und lerne, dass Frau Sweeney im kommenden Frühjahr nach Florida kommen wird, um mehrere Konzerte in Tampa zu spielen – wie aufregend.


Katze Land – der beste Radiosender

08.30 Uhr Just als ich die Morgengymnastik absolvierte, kommt Frau Pontecorvo an die Grundstücksgrenze und lotet aus, ob ich ihr auch heute beim Frühstück Gesellschaft leisten möchte. Ich willige prompt ein und verspreche, nach dem Waschvorgang nach nebenan zu kommen und grossen Hunger mitzubringen.
09.00 Uhr Weil man sich nicht ungewaschen an den Esstisch setzen sollte, ziehe ich mich ins Bad zurück und wasche mir ordentlich aus. Während ich die Seele bei einem prima Wirbelbad baumeln lasse, telefoniere ich mit Edelbert und vernehme, dass wir uns gegen halb 12 mit meinen Verwandten am Strand treffen werden. Ich stimme uneingeschränkt zu und unterbreite, dass ich auch meine Nachbarin mitbringen werde – da kommt Freude auf.
09.45 Uhr Um nicht zu spät zu kommen, beende ich den Badespass und statte Frau Pontecorvo mit Hund Dixon im Schlepptau einen Besuch ab. Die Perle heisst mich herzlich Willkommen und serviert vitaminreiche KELLOGGS Zerealien mit lauwarmer Muhmilch. Dazu gibt es köstliche Rühreier sowie im Ofen aufgebackene Croissants (löblich: französische Hörnchen) – schmeckt gar nicht schlecht.
10.15 Uhr Als ich während der Jause auf das Telefonat mit Edelbert verweise, fällt mir meine Tischnachbarin ins Wort und gibt freudig zu Protokoll, dass sie mich selbstverständlich an den Strand begleiten wird. Ich schenke meiner Bekannten ein Lächeln und mutmasse, dass uns Georg sicher in ein schickes Restaurant einladen wird.


Meine goldene Rolex

11.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 11 zugeht, hüpfen wir in den Chevrolet Suburban und schicken uns an, mit quietschenden Pneus vom Grundstück zu brettern. Weil ich meine Zeit nicht gestohlen habe, bringe ich die Lichthupe zum Einsatz und schrecke ausserdem nicht davor zurück, zu waghalsigen Überholmanövern anzusetzen.
11.30 Uhr Nach einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt erreichen wir endlich unser Ziel und registrieren, dass der Professor sowie Georg und Maria auch schon vor Ort sind. Da der örtliche “Vanderbilt Beach” (löblich: Vanderbilt Strand) zu den schönsten Strandabschnitten in Südflorida zählt, fackeln wir nicht lange und folgen dem Boardwalk (löblich: Strandweg) gen Süden. Unterdessen plaudern wir angeregt über das anstehende Lady Antebellum Konzert in Tampa und kommen überein, dass wir Hund Dixon zu diesem Konzertspektakel kaum mitnehmen können. Prompt meldet sich Frau Pontecorvo zu Wort und bietet an, dass sie während meiner Abwesenheit gerne auf den Vierbeiner aufpassen kann – wie beruhigend.


Wir tummeln uns am Golf von Mexiko

12.30 Uhr Um nicht Hunger leiden zu müssen, kehren wir nach einem sechzigminütigen Marsch in eine einladende Strandgaststätte ein und nehmen einen Tisch mit Ausblick auf den azurblauen Ozean in Beschlag. Nach wenigen Sekunden wird eine freundliche Kellnerin namens Bobbie (33) vorstellig und erkundigt sich, ob wir etwas von der Tageskarte bestellen wollen. Nach kurzem Zögern willigen wir ein und ordern saftige Cheeseburger (unlöblich: Käseburger) mit Fritten und Krautsalat – schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.
13.00 Uhr Als ich kraftvoll zubeisse, kommt der Professor plötzlich auf meine Schwester und sprechen und erinnert, dass Elsbeth am kommenden Samstag Geburtstag feiert. Ich nicke zustimmend und entgegne, dass ich mit der guten Seele am vergangenen Samstag telefoniert habe. Darüber hinaus kündige ich an, dass ich meiner Schwester einen Amazon Gutschein zukommen lassen werde.
14.00 Uhr Nach der Stärkung setzen wir den Spaziergang fort und werfen Dixon Stöckchen zu. Ausserdem löchere ich meine Schwägerin mit Fragen und bringe heraus, dass meine Verwandten auch den goldenen Oktober in Florida verbringen wollen. Ich freue mich und ermutige meinen Bruder, seine Zelte im kalten Kanada abzubrechen und kurzerhand ins Rentnerparadies zu immigrieren – immerhin scheint in Florida an über 300 Tagen die Sonne.


Im Sonnenscheinstaat lässt es sich leben

14.30 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, die Heimfahrt anzutreten. Zum Abschied schütteln wir Hände und vereinbaren für Morgen ein gemeinsames Frühstück in Julies Restaurant. Im Anschluss halte ich Frau Pontecorvo als Kavalier der alten Schule die Beifahrertüre auf und rase zügig von dannen.
15.15 Uhr Zuhause angekommen, schleppe ich mich mit letzter Kraft in die klimatisierte Stube und falle erschöpft aufs Kanapee – das tut gut.
16.15 Uhr Ich öffne die Augen und sehe, dass sich der Nachbarshund im Garten eingefunden hat. Um Dixon etwas Gutes zu tun, öffne ich die Terrassentüre und werfe den Hunden einen Tennisball zu. Ferner stelle ich den Rasensprenger an und vergesse auch nicht, die hochgewachsene Petersilie zu giessen.


Ich spiele mit den Hunden

17.00 Uhr Nach getaner Arbeit mache ich mich in der Küche nützlich und sorge für ein nahrhaftes Abendessen. Da ich auf meine schlanke Linie achten muss, nehme ich mit einem Salat sowie einem klitzekleinen Schnitzel (unlöblich: T Bone Steak) Vorlieb.
18.00 Uhr Nachdem ich die Hausarbeit erledigt habe, verabschiede ich mich in den Feierabend und schaue mir biertrinkend die Nachrichten auf FOX an. Ich informiere mich aus erster Hand über die Geschehnisse und stelle wohlwollend fest, dass ausnahmsweise keine Breaking News (löblich: brechende Neuigkeiten) vorliegen.
19.00 Uhr Redlichst informiert wechsle ich auf den Filmkanal AMC, um dem Western “The Timber” zu frönen. Die amerikanische Produktion aus dem Jahre 2015 handelt von zwei Brüder, die sich auf eine gefährliche Reise ins eisige Alaska begeben – da kommt Spannung auf.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung beende ich den Fernsehabend und putze mir die Zähne. Danach lösche ich sämtliche Lichter und wünsche Dixon süsse Träume. Gute Nacht.

25. September 2018 – Happy Birthday Edelbert

08.00 Uhr Ich öffne die Augen und lasse es mir nicht nehmen, zum Telefonhörer und greifen und bei Edelbert anzurufen. Selbstverständlich meldet sich der gute Mann bereits nach dem ersten Tuten und ich habe das Vergnügen, meinem Bekannten alles Gute zu seinem Geburtstag zu übermitteln. Darüber hinaus erfahre ich, dass mich der Professor gegen 17 Uhr im “Sails Restaurant” erwartet – das wird eine Gaudi.
08.30 Uhr Nachdem ich das Telefonat beendet habe, ziehe ich mich ins Bad zurück und recherchiere während der Morgenwäsche über die besagte Gaststätte an der 5th Avenue. Alsbald wird mir klar, dass das “Sails Restaurant” eines der führenden Fischwirtshäuser in Florida ist – da kommt besonders grosse Freude auf.


Im “Sails” wird Fisch serviert

09.30 Uhr Redlichst nach Eukalyptus duftend, steige ich aus der Wanne und mache es mir zur Aufgabe, Hund Dixon nach draussen zu scheuchen und meiner Nachbarin mit einem Besuch zu beglücken. Frau Pontecorvo freut sich und möchte wissen, ob ich ihr beim Frühstück Gesellschaft leisten möchte. Ich nicke eifrig und bitte die Dame, mir einen starken Kaffee aufzubrühen. Ferner nehme ich mit etlichen Weissbrotscheiben (unlöblich: Toast), Rühreiern mit Speck sowie mit herzhaftem Cheddarkäse Vorlieb – das schmeckt.
10.00 Uhr Während ich kraftvoll zubeisse, komme ich auf Edelberts Geburtstag zu sprechen und bringe heraus, dass uns die Perle auch ins “Sails” begleiten wird. Meine Tischnachbarin leckt sich die Lippen und kündigt an, dass sie Pappardelle (löblich: italienische Bandnudeln) mit Sardellen essen wird. Ich mache grosse Augen und entgegne, dass ich das teuerste Gericht von der Tageskarte wählen werde.
11.00 Uhr Just als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 11 zugeht, surrt die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) besonders laut. Missmutig nehme ich das Telefonat an und vernehme Georgs Stimme in der Leitung. Mein Bruder legt beste Laune an den Tag und beteuert, dass die weltbekannte Landmusikcombo “Lady Antebellum” in drei Tagen im “MidFlorida Amphitheatre” in Tampa aufspielen wird. Mein Bruder schnalzt mit der Zunge und erinnert, dass er Eintrittskarten gekauft hat und es kaum noch erwarten kann, die Kapelle auf der Bühne zu erleben. Ich schlage in die gleiche Kerbe und entgegne, dass wir bereits gegen Mittag losfahren und vor dem Auftritt einen Spaziergang durch das Zentrum der 350.000 Einwohner zählenden Gemeinde unternehmen sollten.


Lady Antebellum pörformen in Tampa, FL

12.00 Uhr Zur Mittagszeit lüfte ich meine NY YANKEES Kappe und bedanke mich bei Frau Pontecorvo für die feine Mahlzeit. Danach nehme ich den Vierbeiner an die Leine und breche zu einer Wanderung zum “La Playa” Golfplatz auf. Um dem Vierbeiner etwas Abwechslung zu verschaffen, werfe ich ihm Stöckchen zu und animiere ihn, die hochgewachsenen Mangroven zu bewässern – das macht Spass.
13.00 Uhr Nach einer kurzweiligen Plauderei mit Herrn Booth, stosse ich verschwitzt die Pforte zur kleinen Villa auf. Fix und Foxi schlüpfe ich aus den Flip Flops und falle aufs Kanapee, um mich etwas zu entspannen.
14.00 Uhr Nach sechzig Minuten werde ich durch aggressives Hupen aus einem schönen Traum gerissen. Als ich neugierig aus dem Fenster spähe, werde ich Zeuge, wie Frau Pontecorvo aus ihrem schnittigen Mustang steigt und sich lasziv mit der Hand durchs Haar fährt. Gähnend eile ich nach draussen und halte meine Nachbarin an, die allgemein geltenden Ruhezeiten zu beachten. Anstatt mir Recht zu geben, redet die Perle ohne Unterlass auf mich ein und verdeutlicht, dass sie knapp 100 Dollars beim Frisör lassen musste – das ist ja allerhand.
14.45 Uhr Während der Vierbeiner im Garten herumtollt, lade ich Frau Pontecorvo auf die schattige Terrasse ein und kredenze ihr ein Gläschen Schaumwein. Nebenher vereinbaren wir, dass wir gegen halb 5 gemeinsam zum “Sails” Restaurant krusen sollten – das kann mir nur Recht sein.
15.30 Uhr Nachdem sich die Dame verabschiedet hat, dusche ich mich kalt ab und schampuniere mit das Haupthaar. Im Anschluss trockne ich mich ab und fasse den Entschluss, zur Feier des Tages meinen hellblauen Ausgehanzug anzuziehen und mit die Mähne mit BRISK aufzusteilen – wie gut das duftet.


Ich steile mein Haar mit BRISK

16.00 Uhr Um die Zeit sinnvoll zu gestalten, hole ich die Geschenke aus dem Schrank und packe sie in farbenfrohes Papier ein. Zudem binde ich lustige Schleifen an die Präsente und vergesse auch nicht, nette Zeilen auf eine Glückwunschkarte zu schreiben – mein Bekannter wird vor Freude Purzelbäume schlagen.
16.30 Uhr Wenig später bimmelt meine Nachbarin an der Haustüre und drängt zur sofortigen Abreise. Ich lasse mich nicht zweimal bitten und gebe zu Protokoll, dass ich sehr grossen Hunger habe. Ruckzuck helfe ich Hund Dixon auf die Ladefläche und brettere mit durchdrehenden Pneus von dannen – was kann es schöneres geben.
17.00 Uhr Pünktlich betreten wir das Spitzenlokal im Herzen Naples und wünschen Edelbert alles Gute zu seinem Wiegenfest. Natürlich überreiche ich meinem besten Freund auch die verpackten Mitbringsel und registriere, dass ich mit der John McCain Autobiografie voll ins Schwarze getroffen habe – wie aufregend.
17.30 Uhr Als Vorspeise fährt der gestriegelte Kellner vitaminreichen Mozzarella an einer deftigen Salbeicreme auf. Obwohl ich das italienische Frischkäseerzeugnis sehr zu schätzen weiss, verziehe ich den Mund und lasse die Anderen wissen, dass mir diese Jause ganz und gar nicht mundet. Mein Bruder erhebt neuklug den Zeigefinger und macht mich auf dem Umstand aufmerksam, dass es sich hierbei um einen feinen Burrata-Käse handelt – jaja.


Wir stossen auf Edelberts Geburtstag an

18.00 Uhr Als nächstes kredenzt der Knecht eine grosse Fischplatte mit allerhand Meeresfrüchte. Dazu gibt es Saisongemüse sowie Kartoffelvariationen mit leckeren Sossen. Wie es sich gehört, lade ich eine stattliche Portion Tintenfischringe auf meinen Teller und merke an, dass ich mich sehr auf das anstehende Lady Antebellum Konzert freue. Georg gibt mir Recht und sagt, dass wir die Nacht auf seine Kosten in Tampa verbringen sollten – wie schön.
19.00 Uhr Nachdem wir das Essen mit Käsekuchen und Capuccinos abgeschlossen habe, zückt Edelbert seine Geldbörse und sieht sich genötigt, dem Kellner weit über 200 Dollars zu überreichen. Ich seufze laut und mutmasse, dass uns die hohen Lebenshaltungskosten allesamt ins Armenhaus bringen wird – wo soll das noch hinführen.
19.30 Uhr Schlussendlich schütteln wir Hände und vereinbaren für Morgen einen Strandspaziergang. Im Anschluss hüpfe ich in den Chevrolet Suburban und bringe Frau Pontecorvo sicher nach Hause. Weil ich mich kaum noch auf den Beinen halten kann, stelle ich den SUV auf der Einfahrt ab und wünsche meiner Nachbarin süsse Träume.
20.30 Uhr Ein langer und nervenaufreibender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Ich schleppe mich mit letzter Kraft ins Schlafzimmer und wünsche dem Haustier einen erholsamen Schlaf. Gute Nacht.