28. Februar 2017 – Jefferson’s Ocean

08.00 Uhr Der letzte Februartag bricht an und ich verspüre ein eigenartiges Kratzen im Hals. Weil ich schon seit jungen Jahren mit Heuschnupfen zu kämpfen habe, eile ich mit schnellen Schritten ins Bad und nehme eine „Piriteze“ Tablette ein. Wie jedes Kind weiss, vertreibt dieses Medikament sämtliche Symptome und bietet einen 24stündigen Schutz – da kommt Freude auf.


Meine Hausapotheke

08.30 Uhr Nachdem ich ein Nasensprüh aus dem Hause „WICK“ verwendet habe, öffne ich die Terrassentüre und lasse Hund Dixon in den Garten hinaus. Anschliessend ziehe ich mich ins Bad zurück und lasse die Seele bei einem Wirbelbad baumeln. Nebenher mache ich mir Gedanken bezüglich Georgs anstehenden Geburtstag und ringe mich dazu durch, im fernen Toronto anzurufen. Nach dem zweiten Tuten habe ich Maria im Rohr und erfahre, dass meine Verwandten ihre angekündigte Reise nach Florida auf Mitte März verschieben müssen. Ich seufze laut und bringe heraus, dass sich mein Bruder eine Grippe eingefangen hat und bis auf Weiteres das Bett hüten muss. Trotz alledem lege ich beste Laune an den Tag und lasse meine Schwägerin wissen, dass ich dem guten Mann zu seinem Ehrentag eine Flasche Bourbon schicken werde.
09.30 Uhr Nach dem Waschvorgang richte ich das Frühstück an und kontaktiere Edelbert. Der Professor freut sich und erklärt sich prompt bereit, mich in eineinhalb Stunden in „Bob’s Liquor Store“ zu treffen. Ruckzuck beende ich das Telefonat und stecke zwei weitere Brotscheiben in den Röster (unlöblich: Toaster).


Meine goldene ROLEX

10.00 Uhr Just als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf Zehn zugeht, verlasse ich die kleine Villa und bin überrascht, den Gärtner auf der Einfahrt anzutreffen. Herr Leonardo wünscht mir einen guten Morgen und kündigt an, jetzt den Rasen zu mähen und Unkraut zu jäten. Ich stimme zu und bitte den Heini, auch die Leiter aus der Garage zu holen und die Regenrinne zu reinigen – immerhin habe ich Wichtigeres zu tun.
10.30 Uhr Dreissig Minuten später komme ich mit quietschenden Bremsen vor dem Alkoholgeschäft meines Vertrauens zum Halten. Voller Elan schwinge ich mich aus dem SUV und begrüsse Edelbert per Handschlag. Mein Bekannter schleckt an einem lustigen Erdbeereis und vertellt, dass er sich eine Kiste Weissbier gönnen wird. Ich schlage in die gleiche Kerbe und stelle klar, dass ich ein kleines Vermögen in einen Whiskey investieren werde.


Georg darf sich über einen edlen Whiskey freuen

10.45 Uhr Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, betreten wir den Laden und fordern Herrn Bob auf, uns bei der Auswahl zur Seite zu stehen. Der Ladeninhaber lässt sich nicht zweimal bitten und legt mir nahe, eine Flasche „Jefferson’s Ocean“ zu kaufen. Als ich die Augenbrauen nach oben ziehe, präsentiert der Alkoholfachmann ein Fläschchen und erklärt, dass dieser Bourbon in der Kleinstadt Crestwood, KY in Fässer abgefüllt wird und danach per Schiff um die ganze Welt reist. Ich staune nicht schlecht und lerne, dass der Getreideschnaps während seiner fünfmonatigen Reise um alle Kontinente schippert und dabei viermal den Äquator überquert. Natürlich fackle ich nicht lange und animiere Herrn Bob, mir einen Humpen auszuhändigen. Mein Gegenüber schnalzt mit der Zunge und sagt, dass dieser Bourbon selbstverständlich in einer luxuriösen Holzkiste verkauft wird – das ist phantastisch.
11.30 Uhr Nachdem ich 120 Dollars ausgegeben habe, kehren wir zu den Autos zurück und fassen den Entschluss, eine Postfiliale anzusteuern und den Bourbon per Expressversand nach Kanada zu schicken.
12.00 Uhr Zum Mittagsläuten finden wir uns in einem „United States Postal Service“ Geschäft wieder und vernehmen, dass eine 48stündige Expresslieferung nach Toronto mit 25 Dollars zu Buche schlägt. Ich zucke mit den Schultern und mache es mir zur Aufgabe, die Adresse meiner Verwandten auf einen Lieferschein zu kritzeln und die Whiskeykiste in einen luftgepolsterten Postkarton zu verfrachten – wie aufregend.
12.45 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, das Mittagessen einzunehmen. Ich deute in Richtung des zwei Meilen entfernten Zoos und gebe Edelbert zu verstehen, dass es sich anbieten würde, bei „Pizza Fusion“ einzukehren. Der schlaue Mann gibt mir Recht und prescht mit durchdrehenden Pneus von dannen.


Pizza ist sehr vitaminreich

13.30 Uhr Während wir Schinkenpizzas verzehren und unsere Hälse mit Eistee durchspülen, kommt der Professor auf morgen zu sprechen und erinnert, dass am 1. März Aschermittwoch gefeiert wird. Ich werde augenblicklich hellhörig und schlage vor, dass wir am Mittwoch in die Kirche gehen und einen Gottesdienst besuchen sollten.
14.15 Uhr Redlichst gestärkt wünsche ich Edelbert einen schönen Nachmittag und kruse zügig nach Hause. Unterdessen erfreue ich mich am Radioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und lasse mir den Fahrtwind durchs Haar wehen – was kann es schöneres geben.
15.00 Uhr Zuhause angekommen, falle ich erschöpft aufs Kanapee und schliesse die Augen. Nach wenigen Atemzügen döse ich ein und sehe mich im Traum auf verstaubte Wanderwege des Appalachian Trails versetzt.


Ich träume vom Appalachian Trail

16.00 Uhr Um nicht den ganzen Tag auf der faulen Haut zu liegen, rapple ich mich auf und lasse mich entspannt in der Hollywood Schaukel nieder. Unter anderem werfe ich prüfende Blicke in die Tageszeitung und informiere mich über die Geschehnisse in der Gemeinde. Zudem tratsche ich angeregt mit Frau Pontecorvo und lösche meinen Durst mit einem süffigen Budweiser – das tut gut.
17.00 Uhr Während Dixon mit Nachbarhund Joey spielt, kehre ich ins klimatisierte Haus zurück und mache mich in der Küche nützlich. Fachmännisch koche ich italienische Langnudeln auf und zaubere dazu eine leckere Pesto Sauce aus dem Glas – das gib ein Festessen.
18.00 Uhr Zum Abschluss des Tages erledige ich die Hausarbeit und setze mich dann in die gute Stube, um den FOX Nachrichten zu frönen und mich über die Oscarverleihung vom Sonntag schlau zu machen.

19.00 Uhr Zur besten Sendezeit wechsle ich auf den Premiumsender HBO und erfreue mich am kunterbunten Zukunftsfilm „Star Trek Beyond“. Im aktuellen Weltraumabenteuer bekommen es Kapitän Körk und der spitzohrige Spock mit einem bösen Ausserirdischen namens Krall zu tun – welch ein Unsinn.
21.00 Uhr Nach zweistündigem Weltraumklamauk beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt reguliere ich die Klimaanlage und lösche sämtliche Lichter. Gute Nacht.

4. Februar 2017 – Ich sage leise Servus …

Hi Fans,

heute ist der Tag meiner Abreise gekommen 🙁
Ich muss meine Koffer packen und nach Hause düsen. Vorbei sind die chilligen Tage auf schneebedeckten Highways, Ausflüge ans Meer oder ausgedehnte Shoppingtouren durch angesagte Malls. Stattdessen werde ich mich am späten Nachmittag in ein vollbesetztes AIR BERLIN Flugzeug quetschen und einen 12stündigen Heimflug über mich ergehen lassen. Zu allem Übel muss ich auch noch in Düsseldorf umsteigen ^^

Am kommenden Montag sitze ich dann wieder im Kreisverwaltungsreferat und langweile mich zu Tode. Vielleicht sollte ich doch John Avanzatti heiraten und für immer im Sunshine State bleiben 🙂


Lebewohl Florida

Naja, der Urlaub war definitiv zu kurz aber trotzdem wunderschön. Ich hoffe, dass ich im Sommer noch einmal nach Florida fliegen und mir für einige Tage die Sonne auf den Kopf scheinen lassen kann. Jetzt muss ich leider meinen Koffer packen und Reinhard zum Mittagessen ausführen.


In Bayern erwartet mich Eis und Schnee

Edelbert und Frau Pontecorvo hab‘ ich natürlich auch in Julies Restaurant zu einem letzten Lunch eingeladen. Danach werden mich die netten Leute zum Flughafen nach Fort Myers begleiten …

Jetzt muss ich mich aber verabschieden.
Wir lesen uns am kommenden Wochenende in alter Frische wieder.
Sandra

3. Februar 2017 – Abschied

08.00 Uhr Ich rolle mich aus dem Bett und erkläre Hund Dixon, dass uns Sandra morgen Lebewohl sagen wird. Darüber hinaus streichle ich dem Racker übers Fell und verrate, dass ich am Abend eine Abschiedsfeier ausrichten werde. Schmunzelnd nehme ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) zur Hand und lasse es mir nicht nehmen, John Avanzatti und Carol Wang zu der bevorstehenden Sause einzuladen – da kommt Freude auf.


Die Schwarzbeere

08.30 Uhr Als ich den Kühlschrank öffne und einen Schluck Bourbon trinke, gesellt sich Sandra an meine Seite und plappert, dass sie heute letzte Einkäufe tätigen wird. Zudem lotet die Maid aus, ob wir am Abend grillen wollen. Ich zucke mit den Schultern und gebe zu Protokoll, dass ich um 18 Uhr aufgebackene Pizzas auf den Tisch bringen werde. Sandra blickt traurig drein und meint, dass sie nun mit Dixon durchs Wohngebiet tschoggen wird – jaja.
09.15 Uhr Nachdem ich die Kaffeemaschine in Betrieb genommen habe, schlendere ich ins Bad und entspanne mich bei einem Wirbelbad. Ausserdem telefoniere ich mit Edelbert und lade auch ihn zum Abendessen ein.
10.15 Uhr Nach dem Badespass setze ich mich zu Sandra an den Frühstückstisch und beisse kraftvoll in ein Nutellabrot. Nebenher komme ich auf den Wocheneinkauf zu sprechen und lege anschaulich dar, dass ich gleich zum PUBLIX krusen und viel Geld ausgeben werde. Meine Tischnachbarin schenkt mir ein Lächeln und bittet mich, eine Schachtel NEWPORT sowie OBs mitzubringen – gleich platzt mir der Kragen.


Bitte nicht rauchen

11.00 Uhr Während sich Sandra schick macht, scheuche ich Dixon nach nebenan und schelle an Frau Pontecorvos Zuhause. Die Perle öffnet prompt die Pforte und erklärt sich bereit, mich zum Supermarkt zu begleiten. Ruckzuck hüpfen wir in den Chevrolet und krusen zum Publix am Naples Plaza. Unterdessen verweise ich auf Sandras Abschied und stelle klar, dass ich mich am Abend als Grillmeister beweisen werde. Meine Nachbarin freut sich und sagt, dass wir Gemüse grillen und lustige Salate auftischen könnten – das werden wir erst noch sehen.
11.30 Uhr Kurz nach dem Elfuhrläuten betreten wir die Markthalle und werfen Produkte des täglichen Bedarfs in den Einkaufswagen. Ferner werden wir auch in der Obst- und Gemüseabteilung vorstellig und fassen den Entschluss, Zucchinis, Auberginen, Karotten und sündteure Austernpilze einzukaufen.
12.15 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, bezahlen wir die Waren in Bar und statten der benachbarten „Cheesecake Factory“ einen Besuch ab. Weil wir hungrig sind, ordern wir kurzerhand vitaminreiche Pepperoni Pizzas sowie süffiges Diät Cola. Während wir es uns schmecken lassen, planen wir den Abend und kommen überein, dass Frau Pontecorvo einen Nudelsalat beisteuern wird – wie aufregend.
13.15 Uhr Endlich bin ich wieder zu Hause und kann die Lebensmittel in den Eiskasten räumen. Im Anschluss fülle ich Dixons Napf mit Köstlichkeiten auf und falle dann fix und foxi aufs Kanapee – das tut gut.


Sandra fliegt Morgen nach Bayern aus

14.15 Uhr Leider wird die Ruhe alsbald durch Frl. Corte gestört. Mein Hausgast poltert nörgelnd durch die gute Stube und beteuert, dass es kein Vergnügen werden wird, ins kalte Deutschland auszufliegen. Ich rolle mit den Augen und ziehe es vor, Dixon an die Leine zu nehmen und zu einem Spaziergang durch das beschauliche Wohngebiet aufzubrechen. Unter anderem komme ich an der Villa des weltbekannten Fernsehkochs Wayne Gregor vorbei und bemerke, dass sich Dutzende Hausfrauen vor dem Haus versammelt haben – das ist ja allerhand
15.15 Uhr Verschwitzt stosse ich die Haustüre auf und treffe Sandra telefonierend in der Küche an. Das Mädchen spricht angeregt mit Mitbewohnerin Bärbel und berichtet, dass sie Morgen nach Deutschland ausfliegen wird. Ich atme tief durch und mache es mir zur Aufgabe, den Grill nach draussen zu tragen. Natürlich lässt Sandra nicht lange auf sich warten und lotet aus, ob wir am Abend nun doch grillen wollen. Ich nicke eifrig und gebe der Maid zu verstehen, dass ich bereits Carol Wang, John Avanzatti, Frau Pontecorvo und Edelbert eingeladen habe. Sandra hüpft freudig auf und ab und kündigt an, dass sie sich die Haare waschen und ein neues Kleid anziehen muss.
16.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf Vier zugeht, pocht Frau Pontecorvo an die Terrassentüre und hält mir eine Schüssel mit Nudelsalat unter die Nase. Ich lecke mir die Lippen und bitte die Dame, mir beim Gemüseputzen beizustehen. Die kleine Frau lässt sich nicht zweimal bitten und schnappt sich ein scharfes Messer.
16.30 Uhr Just als ich lustige Zwiebelringe fabriziere, präsentiert sich Sandra in einem hautengen Strandkleid und macht grosse Augen. Die Maid stibitzt sich eine Karotte vom Küchentisch und sagt, dass sie schnell zu CIRCLE K Markt rasen und mehrere Flaschen Veuve Clicquot Schaumwein besorgen wird – das soll mir auch Recht sein.


Zur Abschiedsfeier wird Sprudelsekt kredenzt

17.15 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, um Kohle in den Grill zu schütten und eine Kompaktscheibe in die Musikanlage zu verfrachten. Um für gute Stimmung zu sorgen, beschalle ich die kleine Villa mit prima Dwight Yoakam Musik und vergesse auch nicht, eine weisse Decke auf dem Terrassentisch auszubreiten.
18.00 Uhr Kurze Zeit später treffen die Gäste ein. Ich begrüsse Carol Wang, John Avanzatti und Edelbert herzlich und lege ihnen nahe, sich ein Bier aus dem Kühlschrank zu holen.
18.30 Uhr Während die Gäste tratschen und mit den Gläsern anstossen, mache ich mich am Grill nützlich und brate das Gemüse an. Da ich nicht nur Grünzeug essen möchte, lege ich etliche Steaks (löblich: Schnitzel) auf den zischenden Rost und würze das saftige Fleisch mit Salz und handgeriebenem Pfeffer – wie gut das duftet.


In Washington war es besonders schön

19.00 Uhr Während wir es uns schmecken lassen, lässt Sandra ihren Aufenthalt Revue passieren und unterbreitet, dass ihr die Reise von Toronto nach Naples besonders gut gefallen hat. Das Kind erinnert an unseren Aufenthalt in der Hauptstadt und sagt, dass es ein Vergnügen war, die Sehenswürdigkeiten von Washington DC zu sehen. Ich gebe Sandra Recht und spüle meinen trocknen Hals mit einem Schluck Schaumwein – das tut gut.
20.00 Uhr Im Laufe des Abends erfahre ich, dass Sandra am kommenden Montag im Kreisverwaltungsreferat vorstellig werden und hart schuften muss. Ich schenke der Maid etwas Champagner nach und lasse sie wissen, dass sie mir im Hochsommer gerne wieder einen Besuch abstatten darf.
21.00 Uhr Ein schöner Abend neigt sich langsam seinem Ende zu. Um den jungen Leuten einen Freiraum zu lassen, verabschiede ich Edelbert und Frau Pontecorvo händeschüttelnd. Im Anschluss wünsche ich Sandra, Carol und John einen schönen Abend und schaue mir im Fernsehen einen Vorbericht zum anstehenden „Super Bowl“ Finale in Houston, TX an.
21.30 Uhr Nach einer kalten Dusche entledige ich mich der Kleidung und bette mich gähnend zur Ruhe. Bereits nach wenigen Augenblicken döse ich ein und träume von unserer nervenaufreibenden Reise entlang der amerikanischen Ostküste. Gute Nacht.

30. Januar 2017 – Ein sauberes Wohnmobil

08.00 Uhr Der vorletzte Januartag bricht an und ich fühle mich blendend. Weil die Sonne vom Himmel lacht, hüpfe ich spornstreichs aus dem Bett und läute den Montag mit dem Frühsport auf der Terrasse ein. Nebenher blicke ich skeptisch zum Terrassentisch und komme angesichts eines überquellenden Aschenbechers zu dem Schluss, dass mein Hausgast schon wieder Zigaretten gequalmt hat – wo soll das noch hinführen.


Bitte nicht rauchen

08.30 Uhr Missmutig trage ich den Aschenbecher in die Küche und werfe die stinkenden Stumpen in den Müll. Anschliessend poche ich an die Gästezimmertüre und rufe Sandra auf, die Finger von den Zigaretten zu lassen. Das Kind will jedoch nicht hören und bittet mich, die Kaffeemaschine einzustellen.
09.00 Uhr Wenig später präsentiert sich das Kind in einem T-Hemd und einer abgeschnittenen Tschiens und plappert, dass sie nun mit dem FORD BRONCO ans Meer krusen wird. Bevor ich mich versehe, leert die Maid ihren Kaffeebecher und beteuert, dass sie zum Mittagessen zurück sein wird. Ich seufze laut und ziehe mich in die Nasszelle zurück, um mich bei einem Wirbelbad zu entspannen.


Ford Bronco – mein Zweitwagen

10.00 Uhr Just als ich mich am Spiegel einfinde und meine Haare kämme, klingelt es an der Pforte. Natürlich sehe ich nach dem Rechten und freue mich, Prof. Kuhn vor der Villa anzutreffen. Der gute Mann hält mir eine Tüte mit frischen Backwaren aus der Biscotti Farrugia Bäckerei vors Gesicht und meint, dass er einen Kaffee vertragen könnte. Ich winke Edelbert zuvorkommend herein und zögere nicht, zwei Tassen aus dem Schrank zu holen. Anschliessend stibitze ich mir ein Cannoli aus der Tüte und gebe zu Protokoll, dass Sandra zum Strand gekrust ist. Edelbert zuckt mit den Schultern und macht mich auf den Umstand aufmerksam, dass der WINNEBAGO noch immer vor meinem Haus steht. Ich gebe dem schlauen Mann Recht und unterbreite, dass wir den Vormittag nutzen sollten, um das Ungetüm in den Lowbank Drive zu bringen.


Das Ferienhaus im Lowbank Drive

11.00 Uhr Nachdem ich etliche mit Erdbeeren und Sahne gefüllte Teigrollen gefressen habe, fülle ich Wasser in einen Kübel und folge Edelbert nach draussen. Mein Bekannter schleppt währenddessen den Staubsauger zum Wohnmobil und nimmt sich das Recht heraus, nicht nur den Wohnbereich, sondern auch die Sitze zu saugen.
11.30 Uhr Unterdessen schwinge ich den Lappen und bringe die Frontscheibe auf Hochglanz. Darüber hinaus tratsche ich mit Edelbert und erinnere, dass meine Verwandten im März nach Florida ausfliegen werden. Prof. Kuhn ist beigeistert und mutmasst, dass die Leute dann bestimmt eine Ausfahrt im TRAVATO unternehmen werden.


Das Wohnmobil blitzt wieder

12.30 Uhr Als der Zeiger meiner ROLEX auf halb Eins zugeht, beenden wir die Arbeit. Ich lasse den Autoschlüssel elegant am Finger kreisen und weise auf die Tatsache hin, dass nun die Zeit gekommen ist, um den WINNEBAGO zum Ferienhaus zu bringen. Der Professor nickt eifrig und hüpft in seinen JEEP, um gemächlich in Richtung Westen davonzufahren. Ich folge Edelbert in gebührendem Abstand und fröne dem Radioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) – was kann es schöneres geben.
13.15 Uhr Am Ziel angekommen, parke ich das Fahrzeug gekonnt auf Georgs Einfahrt und freue mich, Herrn Wongler zu sehen. Der alte Knacker staunt Bauklötze und erkundigt sich, ob ich meine kleine Villa verkauft habe und nun in diesem Mobile Home (löblich: mobilen Zuhause) lebe. Selbstverständlich schüttle ich den Kopf und stelle klar, dass sich mein Bruder diesen TRAVATO gegönnt hat. Georgs Nachbar ist begeistert und lädt uns ein, ihm beim Mittagessen Gesellschaft zu leisten – das lassen wir uns nicht zweimal sagen.
13.45 Uhr Wir nehmen hungrig auf Herrn Wonglers Terrasse platz und machen uns über köstliche Wurstbrote her. Ferner löschen wir unseren Durst mit süffigem Budweiser und geben vor, dass wir das Weihnachtsfest in Toronto verbracht und anschliessend das Wohnmobil nach Florida überstellt haben. Herr Wongler reibt sich die Hände und entgegnet, dass es ein Vergnügen ist, durch die Vereinigten Staaten zu krusen und sich den Fahrtwind durchs Haar wehen zu lassen – das kann man laut sagen.
14.45 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, die Heimreise anzutreten. Wir verabschieden uns händeschüttelnd und gleiten dann in Edelberts PS-strotzenden Geländewagen in Richtung Willoughby Drive davon. Mein Bekannter beschleunigt das KFZ auf schwindelerregende 40 Meilen pro Stunde und kündigt an, dass er anschliessend in der Stadt bummeln und sich mit neuen Bücher eindecken wird – das soll mir auch Recht sein.


Mein Zuhause unter Palmen

15.15 Uhr Zuhause angekommen, treffe ich Sandra dösend im Garten an. Wie es sich gehört, fülle ich Hund Dixons Napf mit Trockenfutter auf und falle dann selbst aufs Kanapee, um die Seele baumeln zu lassen – das tut gut.
16.15 Uhr Um nicht den ganzen Nachmittag auf der faulen Haut zu liegen, rolle ich mich vom Sofa und leiste Sandra an der frischen Luft Gesellschaft. Während Dixon Nachbarshund Joey besucht, plaudere ich mit der Maid und bringe heraus, dass sie sich am Abend mit Carol Wang bei „Wendy’s“ treffen wird – wie schön.
17.00 Uhr Als ich in die Küche schlendere, flitzt Sandra ins Gästezimmer und brezelt sich auf. In der Zwischenzeit gebe ich italienische Langnudeln in einen Topf und biete dem Mädchen an, dass sie gerne zu Hause essen kann. Sandra will davon nichts wissen und wünscht mir einen schönen Abend – das ist wieder typisch.


Es gibt italienische Langnudeln zum Abendessen

18.00 Uhr Redlist gestärkt nehme ich die Geschirrspülmaschine in Betrieb und verabschiede mich dann in den Feierabend. Gähnend schalte ich die Glotze ein und informiere mich auf FOX über die Geschehnisse in der Welt.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit wechsle ich auf den Filmkanal HBO und gebe mich der Serie „Vinyl“ hin, die von einem drogensüchtigen Schallplattenmenetschers im grossen Apfel (unlöblich: Big Apple) erzählt.
21.00 Uhr Nach zwei Stunden flimmert der Abspann der Pilotsendung auf die Mattscheibe. Ich drücke beherzt auf den „OFF“ (löblich: AUS) Knopf der Fernbedienung und bin mir sicher, dass ich mir die folgenden 9 Teile bestimmt nicht anschauen werde. Zu guter Letzt rufe ich den Vierbeiner ins Haus und lege mich schlafen. Gute Nacht.

24. Januar 2017 – Endlich wieder zu Hause

08.00 Uhr Ich öffne die Augen und freue mich, nach vielen Wochen auf vereisten Interstates endlich wieder in den eigenen vier Wänden aufzuwachen. Beschwingt durch Jake Owens Landmusik hüpfe ich aus dem Bett und stelle beim Blick aus dem Fenster fest, dass Sandra auch schon auf den Beinen ist und mit Dixon im Garten spielt. Ich schlendere badebemäntelt nach draussen und halte meinen Hausgast an, sich nicht halbnackt in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Das Mädchen rückt ihr Bikinioberteil zurecht und beteuert, dass sie nun frühstücken wird.


Sandra trägt einen Bikini – wie unlöblich

08.30 Uhr Kopfschüttelnd ziehe ich mich ins Bad zurück und läute den Morgen mit einem Wirbelbad ein. Zudem telefoniere ich mit Edelbert und vernehme, dass der Professor den Tag ausnutzen wird, um den Frisör zu besuchen. Ich nicke eifrig und merke an, dass im Laufe des Vormittags ein Gärtner im Willoughby Drive anrücken wird. In diesem Zusammenhand verweise ich meine Weihnachtspräsente und erinnere, dass sich mein Bruder nicht hat lumpen lassen und einen Gartenfachmann mit der Aufgabe betraut hat, wöchentlich im Willoughby Drive nach dem Rechten zu sehen – wie aufregend.


Mein Zuhause unter Palmen

09.30 Uhr Bald steige ich aus der Wanne und nehme neben Sandra am Frühstückstisch Platz. Weil mein Magen knurrt, verfrachte ich zwei Weissbrotscheiben in den Röster und erkundige mich nach Sandras Tagesaktivitäten. Die Maid steht mir artig Rede und Antwort und kündigt an, Carol Wang zum Mittagessen treffen zu wollen.
10.00 Uhr Just als sich das Kind ein T-Hemd mit V-Ausschnitt überstreift, kommt ein verrosteter Pick Up vor der kleinen Villa zum halten. Neugierig öffne ich die Pforte und sehe mich mit einem braungebrannten Muskelprotz namens Leonardo (33) konfrontiert. Der Knecht wischt sich mit dem Handrücken über die nasse Stirn und sagt, dass er von Georg Pfaffenberg beauftragt wurde, die Gartenarbeit zu erledigen. Ich stimme prompt zu und beauftrage den Heini, seinen Rasenmäher ums Haus zu schieben und die Wiese auf ein rechtes Mass zu bringen.
10.30 Uhr Während Herr Leonardo mit nacktem Oberkörper seinen Pflichten nachkommt, findet sich Sandra auf der Terrasse ein und plappert, dass der Schönling auch als Model arbeiten könnte. Zu allem Überfluss stattet uns auch noch Frau Pontecorvo einen Besuch ab und nimmt den Gärtner lüstern ins Visier. Augenrollend wende ich mich ab und ziehe es vor, Dixon zum Auto zu scheuchen und zum Supermarkt meines Vertrauens zu krusen.
11.00 Uhr Pünktlich zum Elfuhrläuten betrete ich die WINN DIXIE Filiale am Mission Hills Drive, um gesundes Obst, Weichgetränke (unlöblich: Softdrinks) sowie Fleisch einzukaufen. Um auch Sandra eine kleine Freude zu bereiten, schiebe ich den Einkaufswagen zum Süssigkeitenregal und werfe eine Tüte Bonbons zu den anderen Waren.


Ich beisse kraftvoll zu

11.45 Uhr Nach dem Bezahlvorgang kehre ich mit dem Vierbeiner in das benachbarte „The Blue Monkey“ (löblich: Blauer Affe) Grillgasthaus ein und verzehre einen Cheeseburger (löblich: Käseburger) mit Fritten und Salat. Unterdessen blicke ich nachdenklich zur Strasse und komme zu dem Schluss, dass es kein Vergnügen ist, mit Sandra unter einem Dach zu leben – was muss ich denn noch alles ertragen.
12.30 Uhr Nach der Brotzeit laufe ich mit hängendem Kopf zum Auto zurück und trete die Heimreise an. Um für gute Stimmung zu sorgen, schalte ich den Radio an und erfreue mich auf der Frequenz von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) an handgemachter Landmusik – was kann es schöneres geben.
13.15 Uhr Ich finde die kleine Villa ruhig und verlassen vor. Um mir einen genauen Überblick zu verschaffen, laufe ich in den Garten und stelle fest, dass Herr Leonardo nicht nur die abgefallenen Palmwedel aufgesammelt und den Rasen gemäht, sondern auch die Sträucher gestutzt – wie schön.
13.45 Uhr Um endlich zur Ruhe zu kommen, räume ich die Lebensmittel in den Eiskasten. Danach falle ich gähnend aufs Kanapee und träume vom schönen Weihnachtsfest im Kreise meiner Familie – das war ein Vergnügen.
14.45 Uhr Ich werde durch ein lautes Scheppern geweckt und werde Zeuge, wie sich Sandra an der Kaffeemaschine zu schaffen macht. Selbstverständlich stelle ich die Maid zur Rede und bringe heraus, dass sie mit dem DeLonghi Vollautomaten nicht zurecht kommt. Natürlich eile ich dem Trampel zur Hilfe und stelle anschaulich klar, dass man zuerst Wasser einfüllen, danach Kaffeebohnen in das Mahlwerk geben und zu guter Letzt den Einschaltknopf drücken muss. Sandra staunt Bauklötze und sagt, dass sie nun mit ihrer Mitbewohnerin skypen wird.
15.15 Uhr Nachdem ich in die Kamera gewunken habe, lasse ich auf der schattigen Terrasse die Seele baumeln. Darüber hinaus blättere ich in der Tageszeitung und lerne, dass das örtliche „Holocaust Museum“ am kommenden Freitag an die Gräuel des Naziregimes mit einer Ausstellung erinnern wird.


Sandra ist frech

16.00 Uhr Als Sandra lasziv in den Jacuzzi steigt, kehre ich kopfschüttelnd ins Wohnzimmer zurück und mache es mir zur Aufgabe, leere Zigarettenschachteln, Kartoffelchipsbrösel und anderen Müll aufzusammeln. Ferner rufe ich Sandra auf, dass ich auf Sauberkeit und Ordnung grössten Wert lege. Das Kind beendet nölend ihr Bad und sagt, dass sie nun John Avanzatti im Lichtspielhaus treffen wird – das ist wieder typisch.
17.00 Uhr Nachdem Sandra das Weite gesucht hat, bereite ich das Abendessen vor. Ich koche fachmännisch italienische Langnudeln auf und verfeinere die Teigwaren mit köstlichem Pesto aus dem Glas. Im Anschluss beisse ich kraftvoll zu und lasse den schwanzwedelnden Rüden wissen, dass wir uns den Abend mit dem bayerischen Fernsehspiel „Monaco Franze“ versüssen werden.

18.00 Uhr Endlich beginnt der Feierabend. Als erstes schaue ich mir die Nachrichten auf FOX an und mache mich über die aktuellen Geschehnisse in der Welt schlau. Unter anderem erfahre ich, dass im Süden der USA zahlreiche „Sears“ und „Kmart“ Filialen wegen Zahlungsschwierigkeiten geschlossen werden müssen – wie schade.
19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit verfrachte einen silbernen Datenträger im DVD Abspielgerät und fröne mit hochgelegten Beinen den lustigen Folgen „Ein ernsthafter älterer Herr“ und „Macht’s nur so weiter!“. Bei dieser Gelegenheit verrate ich Dixon, dass diese Eisoden erstmals am 14. bzw. 21. März 1983 in der ARD gezeigt wurden.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung schalte ich die Glotze ab und rufe Hund Dixon ins Haus. Danach lösche ich sämtliche Lichter und lege mich schlafen. Gute Nacht.