21. und 22. April 2018 – Ein neuer Boden

Hi Fans,

am vergangenen Samstag habe ich geschrieben, dass Herr Löschnik von VORWERK während dieser und der kommenden Woche im Pensionszimmer logieren wird. Wie vereinbart ist der Kölner auch am Montag Abend angekommen und hat sich sehr gefreut, endlich wieder in der Pension Waldblick sein zu können 🙂


Die Pension Waldblick

Leider ist meinem Lieblingsgast am späten Montagabend aufgefallen, dass sich der im Gästezimmer verlegte Parkettboden in einer Zimmerecke leicht wölbt. Natürlich habe ich am darauffolgenden Tag gleich mit dem polnischen Schwarzarbeiter Darius telefoniert und erfahren, dass sich höchstwahrscheinlich Feuchtigkeit unter den Paneelen gebildet hat. Nun wird mir nichts anderes übrig bleiben, als einen neuen Boden zu verlegen. Im Internet habe ich mich auch schon schlau gemacht und gelernt, dass es sich anbieten würde, einen preiswerten Laminat zu kaufen ^^

Nach Herrn Löschniks Abreise werde ich noch einmal mit Herrn Darius telefonieren und einen Kostenvoranschlag anfordern. Ich bin ja mal gespannt, ob sich mein Vermieter an den Kosten beteiligen wird. Bestimmt wird er vorschlagen, einen billigen Teppich im Baumarkt zu besorgen und die Verlegearbeiten in Eigenregie zu übernehmen 🙁

Die Woche war ziemlich stressig und ich freue mich jetzt auf das Wochenende.
Gleich verschlägt es mich mit Cousin Bernd und Mitbewohnerin Bärbel ins Kino. Wir wollen uns den neuangelaufenen Horrorfilm “Ghost Stories” anschauen und anschliessend im La Casareccia Pizza essen …

Ich wünsche euch allen schöne Tage.
Eure Sandra

20. April 2018 – Rubin Carter

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Sehr verehrter Leser,

in meinem heutigen Tagebucheintrag möchte ich an den dunkelhäutigen Mittelgewichtsboxer Rubin Carter erinnern.

Wie jeder amerikanischer Staatsbürger weiss, erblickte der gute Mann am 6. Mai 1937 in der Kleinstadt Clifton in New Jersey das Licht der Welt. Zwischen 1961 und 1966 war er als Boxprofi aktiv und bestritt 40 Kämpfe, von denen er 27 gewinnen konnte. Anno 1964 stellte sich Herr Carter sogar einem Titelkampf gegen den WBA- und WBC Champion Joey Giardello und verlor knapp nach Punkten.

Zwei Jahre später wurde er von der Bundespolizei wegen Mordverdachts festgenommen und vor ein Gericht gestellt. Während der Verhandlung wurden er und sein Freund John Artis wegen Mordes an drei Weissen für schuldig befunden und von den Geschworenen zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Obgleich er in Revision ging, wurde der Schuldspruch in einem zweiten Prozess im Jahre 1976 bestätigt. Erst 1985 stellte das Bundesgericht fest, dass Herr Carter durch fragwürdige Zeugenaussagen verurteilt wurde. Da den Behörden ausserdem “grobe Verfahrensverstösse” nachgewiesen werden konnten, wurde Rubin Carter mit sofortiger Wirkung aus der Haft entlassen.

Der Fall des Rubin Carter, der fast zwanzig Jahre unschuldig im Gefängnis sass, ging als einer der grössten Justizskandale in die amerikanische Geschichte ein. Daraufhin gründete Rubin Carter die “Association in Defense of the Wrongfully Convicted” (löblich: “Vereinigung zur Verteidigung der zu Unrecht Verurteilten) und schrieb es sich auf die Fahnen, sich für zu Unrecht Verurteilte einzusetzen. In Folge dessen wurde ihm anno 1993 der Weltmeisterschaftsgürtel der WBC überreicht.

Natürlich wurde Rubin Carters Kampf gegen die amerikanische Justiz verfilmt.
Die im Jahre 1999 entstandene Filmbiografie “Hurricane” erntete hervorragende Kritiken und wurde mit einem “Silbernen Bären” sowie einem “Golden Globe” ausgezeichnet.

Rubin Carter starb am 20. April 2014 im Alter von 76 Jahren an der Folgen einer heimtückischen Krebserkrankung.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg

18. April 2018 – Die Bauarbeiten sind abgeschlossen

08.00 Uhr Mein praktischer Reisewecker springt an und ich ärgere mich, weil ich gleich aus dem renommierten “The Naples Beach Hotel” austschecken und in den Willoughby Drive zurückkehren muss. Weil ich über alles informiert sein muss, nehme ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) zur Hand und rufe kurzentschlossen bei meinem Nachbarn an. Herr Booth meldet sich prompt und unterbreitet, dass die Bauarbeiten vor meinem Zuhause so gut wie abgeschlossen sind. Der Vietnamveteran plappert ohne Unterlass und beteuert, dass gut ein Dutzend Bauarbeiter in den letzten zwei Tagen die Strommasten erneuert und Kabel verlegt haben – das hört man gerne.


Mein Zuhause unter Palmen

08.45 Uhr Nachdem ich die Morgengymnastik absolviert habe, werfe ich meine Habseligkeiten in den Rollkoffer und lasse Hund Dixon wissen, dass wir nun ein letztes Mal an der “Poolside Bar” frühstücken werden. Der lustige Rüde spitzt seine Ohren und flitzt wie von der Tarantel gestochen zur Pforte – wie schön.
09.30 Uhr Bevor ich die wichtigste Mahlzeit des Tages einnehme, werde ich an der Rezeption vorstellig und bitte den Handlanger hinter dem Tresen, mir die Rechnung zu präsentieren. Der Knecht fackelt nicht lange und sagt, dass für die drei Übernachtungen samt Frühstück sowie die Dienste in der hoteleigenen Wohlfühl Oase insgesamt 637 Dollars anfallen. Laut seufzend zücke ich meine Kreditkarte und lasse es mir nicht nehmen, dem Motelmitarbeiter ein kleines Trinkgeld zuzustecken. Anschliessend strebe ich pfeifend zum Restaurant und labe mich an frischen Früchten, vitaminreichen Rühreiern sowie röschen Croissants (löblich: Französische Hörnchen).
10.15 Uhr Kurz nach dem Zehnuhrläuten verlasse ich das Gasthaus und werfe das Reisegepäck achtlos auf den Rücksitz meines PS-strotzenden Chevrolet Suburban. Im Anschluss helfe ich dem Haustier auf die Ladefläche und schicke mich an, gemütlich nach Hause zu krusen. Unterdessen fröne ich dem Radioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und habe sogar das Vergnügen ein Lied aus Kacey Musgraves neuestem Studioalbum “Golden Hour” (löblich: Goldene Stunde) zu hören – was kann es schöneres geben.


Kacey Musgraves – Golden Hour

11.00 Uhr Wenig später komme ich mit quietschenden Bremsen vor der kleinen Villa zum stehen und registriere, dass entlang des Willoughby Drives noch immer Baumaschinen stehen. Darüber hinaus fällt mir auf, dass die städtischen Bedienstete auch eine hochgewachsene Palme gefällt und Teile des Asphalts aufgerissen haben.
11.30 Uhr Während sich Dixon im Garten tummelt und mit einem Tennisball spielt, stelle ich einen der Arbeiter zur Rede und bringe in Erfahrungen, dass die Arbeiten Morgen beendet sein werden. Der bierbäuchige Depp verspricht ausserdem, dass alsbald Kollegen anrücken und den Strassenbelag erneuern werden – wie beruhigend.
12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, breche ich mit Hund Dixon zu einer entspannten Wanderung auf. Wir schlendern durch das beschauliche Wohngebiet und stehen bald an der starkbefahrenen Immokalee Road. Weil mein Magen knurrt, fackle ich nicht lange und renne wie die Wind zur anderen Strassenseite.
12.30 Uhr Nach einem kurzweiligen Marsch statte ich der “Pelican Larry’s Raw Bar & Grill” Gastwirtschaft einen Besuch ab. Mit ausgetrockneter Kehle finde ich mich am Ausschank ein und bestelle einen Cheeseburger (löblich: Käseburger) mit Salat. Nebenher klage ich Herrn Larry mein Leid und gebe zu Protokoll, dass unterbelichtete Bauarbeiter in meiner Strasse eingefallen sind und ich genötigt war, für drei Tage im Hotel zu wohnen. Der gute Mann macht grosse Augen und zögert nicht, mir ein Hopfenkaltschale aufs Haus zu spendieren – wie aufmerksam.


Budweiser – schmeckt wirklich prima

13.30 Uhr Nachdem ich die Zeche in Bar bezahlt habe, trete ich den Heimweg an und besuche den “Circle K” Supermarkt, um ein Sechserpack Budweiser, Oreo Kekse sowie ein Pfund Äpfel einzukaufen.
14.15 Uhr Zuhause angekommen, lasse ich die Rollos nach unten gleiten und lege in der guten Stube eine Pause ein. Bereits nach wenigen Augenblicken schlummere ich ein und träume vom letzten Weihnachtsfest im Kreise meiner Liebsten – das war eine Gaudi.
15.15 Uhr Redlichst ausgeruht schwinge ich mich vom Kanapee und nutze die Nachmittagsstunden, um Anschnur zu gehen. Auch heute studiere ich elektronische Briefe und mache es mir zur Aufgabe, leidgeprüften Menschen zu helfen. Unter anderem rate ich einer Mutter aus Hamburg, ihren 15jährigen Sohn aus dem Haus zu werfen. Immerhin kann es nicht sein, dass der Rüpel gefährliches Haschgift spritzt und Kristelmess konsumiert – wie furchtbar.


Drogen – Ich sage NEIN

16.15 Uhr Schlussendlich gehe ich von der Leine und genehmige mir auf der schattigen Terrasse ein kühles Bier. Zudem schlage ich die Tageszeitung auf und lese spannende Berichte in der “Naples Daily News“.
17.00 Uhr Weil mein Magen abermals knurrt, begebe ich mich in die Küche und schalte den Herd an. Fachmännisch schütte ich etwas Olivenöl in eine Pfanne und brate ein vitaminreiches T-Knochen Schnitzel (unlöblich: T Bone Steak) an. Dazu gibt es feinstes Tiefkühlgemüse sowie einen farbenfrohen Beilagensalat – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nach der reichhaltigen Jause gehe ich zum gemütlichen Teil des Tages über und schaue mir die FOX Nachrichten sowie eine aufschlussreiche Ruf-Herein-Schau (unlöblich: Call-In Show) an.
19.00 Uhr Zum Abschluss des nervenaufreibenden Tages wechsle ich auf den Bezahlsender AMC, wo just im Moment der Vorspann zum abendfüllenden Spielfilm “The Hang Man” anläuft. Ich lehne mich neugierig zurück und werde Zeuge, wie ein erfahrener Polizeibeamter einen gemeingefährlichen Serienkiller jagt.
21.00 Uhr Nach zwei Stunden schalte ich die Glotze aus und unternehme mit dem Vierbeiner einen kleinen Rundgang durch den Garten. Anschliessend reguliere ich die Klimaanlage und gehe zu Bett. Gute Nacht.

17. April 2018 – Im Naples Beach Hotel

08.00 Uhr Ich öffne die Augen und freue mich, einen weiteren Tag im “The Naples Beach Hotel” erleben zu dürfen. Um nicht den ganzen Vormittag auf der faulen Haut zu liegen, schwinge ich mich aus dem Bett und erkläre Dixon, dass ich mich nun in den Spa-Bereich verabschieden werde. Weil der Rüde traurig dreinschaut, nehme ich spornstreichs das Telefon zur Hand und lasse es mir nicht nehmen, den angebotenen Gassigeh-Dienst in Anspruch zu nehmen. Der zuvorkommend Concierge (löblich: Hoteldepp) nimmt den Auftrag freundlich an und verspricht, dass in wenigen Minuten ein Mitarbeiter an meine Zimmertüre klopfen und mit meinem Haustier einen ausgedehnten Strandspaziergang unternehmen wird – das hört man gerne.

08.45 Uhr Wenig später schlendere ich badebemäntelt in die hauseigene Wohlfühl Oase und entschliesse mich, am Willkommensschalter eine lustige Thai-Massage zu buchen. Alsbald werde ich in einen abgesonderten Raum geführt und sehe mich mit einer ausgebildeten Masseurin namens Olivia (24) konfrontiert. Das fesche Mädchen versorgt mich mit Informationen und beteuert, dass die Massage auch als “Nuat Phaen Boran” (löblich: Massieren nach uraltem Muster) bekannt ist. Ferner bringe ich heraus, dass die aus dem Yoga abgeleiteten Dehn- und Streckbewegungen die Gelenke mobilisieren und die Durchblutung fördern sollen.
09.15 Uhr Nachdem ich mich lauwarm abgeduscht habe, werde ich von Frau Olivia gebeten, mich auf einen Massagetisch zu legen. Natürlich komme ich dem Aufruf anstandslos nach und habe einer knappe dreiviertel Stunde lang das Vergnügen, von Kopf bis Fuss durchgeknetet zu werden. Unterdessen wirkt Fräulein Olivia beruhigend auf mich ein und animiert mich, die Augen zu schliessen und ruhig zu atmen – wie aufregend.
10.00 Uhr Pünktlich zum Zehnuhrläuten werde ich in der lichtdurchflutenden Schwimmhalle vorstellig und springe kopfüber ins kühle Nass. Um meine Muskeln zu stählen, schwimme ich prustend auf und ab und übe mich sogar im Rückenschwimmen – da kommt besonders grosse Freude auf.


Dixon unternimmt einen Strandspaziergang

10.45 Uhr Weil Dixon gegen 11 Uhr von seinem Strandausflug zurück sein wird, schlüpfe ich in meinen Bademantel und zeige mich am Empfang mit einem 5 Dollars Geldschein erkenntlich. Danach fahre ich mit dem Aufzug nach oben und kann es kaum noch erwarten, an der “Poolside Bar” ein verspätetes Frühstück einzunehmen. Zuvor dusche ich mich jedoch kalt ab und vergesse auch nicht, mir die Haare mit einer duftenden Spülung zu waschen.
11.15 Uhr Einige Minuten später pocht ein Hotelknecht an die Türe und unterbreitet, dass er mit Dixon einen Dauerlauf entlang des Golfs unternommen und das Fell des Tieres gebürstet hat. Ich schenke dem Handlanger ein Lächeln und händige ihm etwas Kleingeld aus. Anschliessend setze ich mir meine NY YANKEES Mütze auf und statte der Schwimmbeckenwirtschaft einen Besuch ab.
11.45 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten serviert ein gestriegelter Knecht ein grosses Frühstück (unlöblich: Big Breakfast) und möchte wissen, ob ich Tee oder Kaffee bevorzuge. Ich lege den Zeigefinger an die Unterlippe und wähle eine Tasse Earl Grey (löblich: Graf Grau) mit einem Schuss Zitrone.


Meine Schwarzbeere

12.30 Uhr Während ich mir die wichtigste Mahlzeit des Tages munden lasse, bimmelt plötzlich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und Edelbert meldet sich im Rohr, um nachzufragen ob ich mich im Hotel wohl fühle. Natürlich lobe ich die Annehmlichkeiten in Naples bester Herberge über den Schellenkönig und kündige an, dass ich den Nachmittag am Strand verbringen werde. Der Professor freut sich und sagt, dass er nun einen Stadtbummeln unternehmen wird – das soll mir auch Recht sein.
13.30 Uhr Nachdem ich mir den Bauch vollgeschlagen habe, schlendere ich zum azurblauen Ozean und bette mich unter einem Sonnenschirm zur Ruhe. Unterdessen jagt Hund Dixon den kreischenden Möwen hinterher und macht es sich zur Aufgabe, die anderen Badegäste scharf anzubellen.
14.30 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und ordere bei einem Strandkellner einen süffigen “Green Apple Mule” (löblich: Grüner Apfel Maultier). Dazu gibt es einen Korb Chickenfingers (löblich: Hühnerfinger) mit gekringelten Kartoffelstäben und würziger Sauce. Darüber hinaus bitte ich den Handlanger, mir die aktuelle Ausgabe der “Naples Daily News” (löblich: Naples tägliche Neuigkeiten) auszuhändigen – immerhin muss ich über alles informiert sein.
15.15 Uhr Um keine Langeweile zu bekommen, klatsche ich in die Hände und fordere den Vierbeiner auf, in die Gänge zu kommen und mich zu einem Spaziergang zu begleiten. Während die Sonne unbarmherzlich vom Himmel brennt, vertrete ich mir die Beine und passiere bald den Lowdermilk Park, der mit zwei Spielplätzen und Sitzgelegenheiten aufwartet. Um keinen Hitzeschlag zu bekommen, krame ich etwas Kleingeld aus meiner Hosentasche und leiste mir ein vitaminreiches Eis in der Waffel – schmeckt gar nicht schlecht.


Ich lasse mir ein Eis schmecken

16.00 Uhr Völlig verschwitzt treffe ich im Hotel ein und schleppe mich mit letzter Kraft an die Hausbar. Da meine Kehle ganz ausgetrocknet ist, deute ich zum Zapfanlage und halte den Schankkellner an, mir ein Budweiser zu kredenzen. Zudem betreiben wir Kleingespräche (unlöblich: Smalltalk) und ich lerne, dass Herr Chris (27) nicht nur in dieser Herberge beschäftigt ist, sondern auch Biologie an der Universität in Fort Myers studiert – wie schön.
17.00 Uhr Ein langer und nervenaufreibender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Weil mir noch der Sand an den Füssen klebt, fasse ich den Entschluss, mir das Abendessen aufs Zimmer liefern zu lassen. Zuvor brause ich mich in der Nasszelle ordentlich ab und creme mir das Gesicht mit einer pflegenden Meersalzsalbe ein.
18.00 Uhr Zum Abschluss des Tages fresse ich einen Cheeseburger und genehmige mir dazu ein kühles Bier aus der Minibar. Nebenher folge ich interessiert den FOX Nachrichten und höre, dass zum Wochenende ein Tiefdruckgebiet über Südflorida ziehen und ergiebigen Regen bringen wird – das ist mir Wurst.
19.00 Uhr Zur sogenannten Prime Time (löblich: Hauptfernsehzeit) wechsle ich auf HBO, um mir den preisgekrönten Kriminalfilm “Seven” (löblich: Sieben) anzuschauen. Beeindruckt folge ich den Geschehnissen und komme prompt zu dem Schluss, dass diese Produktion nicht für Menschen mit schwachen Nerven geeignet ist.
21.00 Uhr Als nach zwei spannungsgeladenen Stunden der Abspann über die Mattscheibe flimmert, atme ich tief durch und schliesse die Augen. Gute Nacht.

16. April 2018 – Lucius D. Clay

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Sehr geehrte Damen und Herren,

auf der Militärakademie in West Point, NY versammeln sich just heute unzählige Patrioten, um das Grab des am 16. April 1978 verstorbenen General Lucius D. Clay zu besuchen.

Wie jedes Kind weiss, wurde Lucius D. Clay am 23. April 1898 als Sohn des Senators von Georgia – Alexander Stephens Clay – geboren. Mit 20 Jahren schloss er die Militärakademie in West Point mit grossem Erfolg ab und trat ins Armee Ingenieur-Korps ein. Während des zweiten Weltkriegs diente der unerschrockene Mann in Europa und wurde mit der Aufgabe betraut, den zerstörten Hafen von Cherbourg in der Normandie instand zu setzen.

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Lucius D. Clay

In den folgenden Jahren stieg Lucius D. Clay zum Militärgouverneur der amerikanischen Zone auf und schrieb es sich auf die Fahnen, die Demokratisierung im vom Krieg zerstörten Deutschland voranzutreiben. Unter anderem war er auch Initiator der Berliner Luftbrücke und sorgte dafür, dass die Menschen im eingekesselten Berlin mit Lebensmitteln und Medikamenten versorgt wurden – wie aufregend.

Nach seinem Austritt aus dem Militärdienst machte er sich in diversen Wirtschaftsunternehmen verdient und wurde von Präsident John F. Kennedy Anno 1961 zum persönlichen Vertreter in West-Berlin ernannt.

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Ausbau der Clayallee, 1952
Bundesarchiv Bild 183-13498-0008 / CC BY-SA 3.0 de

Besonders in der Deutschen Hauptstadt ist sein Name noch heute allgegenwärtig.
Unter anderem wurde die 4,5 Kilometer lange Kronprinzenallee in Berlin am 1. Juni 1949 in die Clayallee umbenannt. Ferner wurde Lucius D. Clay im Jahre 1953 die Ehrendoktorwürde der Freien Universität verliehen. Selbstverständlich wurde der weitsichtige Mann fünf Jahre vor seinem Tod auch mit dem Konrad-Adenauer Preis der Deutschland Stiftung ausgezeichnet.

Lucius D. Clay starb am 16. April 1978 im Alter von 79 Jahren auf seinem Anwesen in Chatham (Massachusetts). Letztendlich wurde Herr Clay auf dem Friedhof der Militärakademie in West Point, NY zu Grabe getragen.

Hochachtungsvoll
Reinhard Pfaffenberg