20. November 2017 – High Tide Grill

08.00 Uhr Die 47. Woche des Kalenderjahres bricht an und aus dem Radio dröhnt ein stimmungsvolles Lied des aufstrebenden Landmusiksängers Granger Smith. Ich schwinge mich zu “Never Too Old” (löblich: niemals zu alt) aus dem Bett und läute den Morgen mit dem Frühsport auf der schattigen Terrasse ein.


Gute Morgen

08.30 Uhr Just als ich ein Rad schlage, fällt mir auf, dass es unangenehm kühl geworden ist. Um keinen Schnupfen zu bekommen, mache ich schnell kehrt und entspanne mich bei einem wärmenden Wirbelbad. Unterdessen rufe ich bei meinem Bruder im Lowbank Drive an und bringe heraus, dass sich unser Grosscousin an Floridas Ostküste pudelwohl fühlt. Georg ist bestens informiert und vertellt, dass Robert und Jessica bis zum Mittwoch in Coconut Grove bleiben und schöne Stunden mit ihrer Tochter Kimberly verbringen wollen – das ist phantastisch.
09.30 Uhr Nach der Morgenwäsche trete ich vor den Spiegel und fasse den Entschluss, ein langärmliges Hemd anzuziehen. Nebenher lasse ich Hund Dixon wissen, dass Georg und Maria den Tag nutzen wollen, um in den “Miromar Outlet Stores” (löblich: Miromar Auslassgeschäfte) viel Geld zu lassen. Ich zucke mit den Schultern und fahre fort, dass wir uns diesem Ausflug nicht anschliessen werden – immerhin bin ich kein Millionär.
10.00 Uhr Nachdem ich frischen Bohnentrunk aufgebrüht und ein leckeres Käseomelette gezaubert habe, setze ich mich an den Küchentisch und beisse kraftvoll zu. Leider wird die himmlische Ruhe alsbald durch Frau Pontecorvo gestört. Meine Nachbarin legt beste Laune an den Tag und erzählt, dass sie das Mittagessen im erst kürzlich eröffneten “High Tide Grill” einnehmen wird. Die Gute kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus und beteuert, dass der Scheffkoch sein Handwerk im alten Europa erlernt hat und besonders schmackhafte Steaks (löblich: Schnitzel) kredenzt. Ich werde augenblicklich hellhörig und entgegne, dass ich sehr gerne mitkommen und mir ebenfalls den Wanst voll schlagen würde. Mein Hausgast freut sich und fordert mich auf, auch Prof. Kuhn einzuladen – das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen.


Ein lustiger Spaziergang mit Hund Dixon

11.00 Uhr Wenig später nippe ich ein letztes Mal am Kaffeebecher und gebe zu Protokoll, dass wir Edelbert in zwei Stunden treffen werden. Da noch etwas Zeit bleibt, rege ich einen Spaziergang mit dem Vierbeiner an. Meine Nachbarin klatscht freudig in die Hände und folgt mir an die frische Luft. Während Dixon aus dem Schnüffeln gar nicht mehr herauskommt, versorgt mich meine Begleiterin mit Fakten und berichtet, dass schon bald ein libanesisches Spitzenrestaurant im Stadtgebiet seine Pforten öffnen wird – das hat gerade noch gefehlt.
11.30 Uhr Als wir vor dem Haupteingang der “La Playa” Golfanlage eintreffen, tippt die Pontecorvo auf ihre Uhr und meint, dass wir langsam zurück gehen sollten. Ich pfeife spornstreichs auf den Fingern und halte Dixon an, sein Stöckchen zu apportieren und kehrt zu machen. Darüber hinaus plaudere ich mit meiner Bekannten über belanglose Dinge und unterbreite, dass im Rentnerparadies langsam der Herbst Einzug hält. Die kleine Frau gibt mir Recht und kündigt an, dass die Temperaturen zur Wochenmitte unter die 70°F (21°C) Grenze fallen könnten.
12.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, dem Rüden in den SUV zu helfen und zur “High Tide Bar” zu rasen. Als Kavalier der alten Schule halte ich auch Frau Pontecorvo die Türe auf und merke an, dass ihr Kleid besonders schön ist. Im Anschluss trete ich das Gaspedal bis zum Anschlag durch und bringe auf Anfrage heraus, dass das besagte Restaurant im “Mercato Einkaufszentrum” beheimatet ist – wie aufregend.
12.45 Uhr Fünfundvierzig Minuten später erreichen wir unser Ziel und freuen uns, Edelbert herzlich begrüssen zu können. Um nicht vom Fleisch zu fallen, nehme ich Dixon an die Leine und laufe schnurstracks in die Wirtschaft, um einen prima Tisch in Beschlag zu nehmen. Ein beschürzter Kellner lässt nicht lange auf sich warten und legt uns nahe, die Truffel Fries (löblich: Trüffel Kartoffelstäbe) an Pilzsauce zu kosten. Natürlich lehnen wir dankend an und entscheiden uns für drei vitaminreiche Rumpsteaks mit Folienkartoffeln und grünen Bohnen.


Wir beissen kraftvoll zu

13.30 Uhr Als das Essen endlich serviert wird, nehme ich ruckzuck Messer und Gabel zur Hand und komme zu dem Ergebnis, dass der Küchenscheff ein Meister seines Fachs ist. Edelbert schlägt in die gleiche Kerbe und lobt das Schnitzel über den Schellenkönig – schmeckt wirklich spitze.
14.15 Uhr Nachdem wir die Mahlzeit mit Schaumkaffees abgeschlossen haben, vertreten wir uns die Beine und schlendern durch den benachbarten “Whole Foods” Lebensmittelladen. Unter anderem bestaunen wir die Auslagen eines Fischgeschäfts und bemerken, das sich die Preisspirale immer weiter dreht. Edelbert gibt sich deprimiert und rechnet vor, dass er sich mit seiner kleinen Pension keinen Luxus erlauben kann- wie schade.
15.00 Uhr Schlussendlich verabschiede ich mich vom Professor und bringe Frau Pontecorvo sicher in den Willoughby Drive zurück.
15.45 Uhr Zuhause angekommen, wünsche ich meiner Nachbarin einen schönen Abend und falle dann fix und foxi aufs Kanapee. Schon nach wenigen Atemzügen döse ich ein und träume vom anstehenden Weihnachtsfest.


Mein Zuhause unter Palmen

16.45 Uhr Ich erwache ausgeruht und mache mich in der Küche nützlich. Unter den fordernden Blicken meines Haustieres erwärme ich ein Nudelschichtgericht im Kleinwellenofen (unlöblich: Mikrowelle) und zaubere dazu einen lustigen Tomatensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen – das gibt ein Festessen.
17.45 Uhr Nach dem Nachtmahl gehe ich zum gemütlichen Teil des Tages über. Als die Nachrichten über den Bildschirm flimmern, telefoniere ich erneut mit Georg und vernehme, dass er ein kleines Vermögen in Fort Myers gelassen und seiner Frau eine neue Perlenkette gekauft hat – das ist wieder typisch.
19.00 Uhr Um endlich zur Ruhe zu kommen, beende ich das Gespräch und nehme mit dem ABC Video-On-Demand (löblich: Video nach Abruf) Angebot Vorlieb. Mit grosser Freude schaue ich mir einige Episoden der lustigen Serie “Modern Family” an und krümme mich vor Lachen.
21.00 Uhr Nach zwei heiteren Stunden beende ich den Fernsehabend und unternehme mit Dixon einen kleinen Spaziergang durch den Garten. Anschliessend verriegle ich die Haustüre und falle erschöpft ins Bett. Gute Nacht.

18. und 19. November 2017 – Sandra hütet das Bett

Hallo Leute,

seit Dienstag bin ich krank und muss das Bett hüten.
Ich fühle mich hundeelend und kann kaum etwas essen. Ausserdem läuft meine Nase unentwegt. Nur gut, dass ich von Bärbel umsorgt werde und ständig heissen Tee ans Bett geliefert bekomme 🙂


Ich trinke viel Tee

Seit Dienstag läuft mein BluRay Player auf Hochtouren. Ich habe mittlerweile einen ganzen Stapel Filme geguckt und mir die siebte Staffel der Horrorserie “The Walking Dead” reingezogen. Natürlich musste ich mir auf NETFLIX auch die zweite Season von “Stranger Things” anschauen. Es war ein Vergnügen, wieder in die fiktive Kleinstadt Hawkins in Indiana zurückzukehren und Mike, Dustin und Lucas zu treffen.

In der ersten Staffel machten sich die drei besten Freunde auf, den verschwundenen Will Byers zu suchen und dem Geheimnis eines wissenschaftlichen Forschungsinstituts auf die Schliche zu kommen. Die zweite Staffel beginnt exakt ein Jahr nach den dramatischen Ereignissen des Jahres 1983 und entführt den Zuschauer erneut in eine düstere Parallelwelt …

Jetzt werde ich mich aber aufrappeln, mich bei einem heissen Vollbad entspannen und anschliessend mit Reinhard skypen ^^

Ich wünsche euch ein tolles und abwechslungsreiches Wochenende.
Eure Sandra

16. November 2017 – Ins Theater gehe ich nicht

08.00 Uhr Ein neuer Tag beginnt und auch heute beschert uns Petrus einen sonnigen Morgen. Während sich die Palmen hinter der kleinen Villa sanft im Wind wiegen, trete ich auf die Terrasse und absolviere den Frühsport. Hund Dixon folgt meinem Beispiel und streckt sich ebenfalls ausgiebig – das macht Spass.
08.30 Uhr Anschliessend lasse ich die Seele bei einem Wirbelbad baumeln und erhalte einen Anruf von meiner Putzfrau. Frau Gomez plappert ohne Unterlass und erzählt, dass sie gestern wegen einer wichtigen Familienangelegenheit leider nicht kommen konnte. Darüber hinaus bringe ich in Erfahrung, dass die Perle innerhalb der nächsten Stunde im Willoughby Drive vorstellig werden und den Staubwedel schwingen wird. Ich gebe mich erleichtert und sichere der kleinen Frau zu, ihr beim Hausputz zur Hand zu gehen.


Die Putzperle rückt an

09.30 Uhr Nach der Morgenwäsche schlüpfe ich in legere Freizeitkleidung und rufe kurzerhand bei meinen Verwandten an. Georg meldet sich nach dem zweiten Tuten und berichtet, dass er heute mit Robert und Jessica den Tiburon Golfplatz besuchen wird. Ich rolle demonstrativ mit den Augen und lote aus, ob wir am Abend grillen wollen. Abermals erteilt mir mein Bruder eine Absage und kündigt an, dass er Karten für eine Theatervorstellung ordern möchte. Als ich genauer nachfrage, bestätigt der gute Mann, dass derzeit im örtlichen “Tobye Studio” das Stück “Maple & Vine” gezeigt wird – wie langweilig.
10.00 Uhr Just als Frau Gomez die Türe aufstösst, beende ich das Telefonat und ärgere mich masslos. Selbstverständlich lasse ich die Putzperle an meinen Problemen teilhaben und merke an, dass ich mich wie das fünfte Rad am Wagen fühle. Die mexikanische Reinigungsfachfrau zuckt mit den Schultern und macht es sich zur Aufgabe, Wasser in einen Eimer zu füllen und den Küchenboden zu wischen. Währenddessen nehme ich die wichtigste Mahlzeit des Tages ein und fasse den Entschluss, zum WINN DIXIE zu krusen.
10.45 Uhr Kurz vor dem Elfuhrläuten scheuche ich Dixon zum PS-strotzenden SUV und schicke mich an, hupend vom Grundstück zu brettern. Unterdessen kontaktiere ich Prof. Kuhn und vernehme, dass der schlaue Mann einem Zahnarzttermin nachkommen und mich leider nicht begleiten kann – gleich platzt mir der Kragen.
11.15 Uhr Am Ziel angekommen, mache ich einer störrischen Rentnerin einen Einkaufswagen streitig und schiebe das Gefährt vogelzeigend durch die breiten Gänge. Ruckzuck wähle ich Produkte des täglichen Bedarfs aus und stehe alsbald vor einer Werbedame, die mir einen neuen Brotaufstrich schmackhaft machen möchte. Die kleine Frau hält mir ein Stück Brot unter die Nase und beteuert, dass der Brotaufstrich aus Kichererbsen, Oliven und Sardellen hergestellt wurde – pfui Teufel.


Ich bezahle per Bezahlkarte

12.00 Uhr Nachdem sich ein stattlicher Haufen im Einkaufswagen angesammelt hat, schlendere ich zur Kasse und stelle mit grosser Sorge fest, dass sich eine lange Warteschlange gebildet hat. Weil ich meine Zeit nicht gestohlen habe, dränge ich mich vor und lasse die anderen Kunden wissen, dass ich Chirurg bin und schnellstmöglich zur Klinik fahren muss. Um nicht diskutieren zu müssen, zücke ich meine prallgefüllte Geldbörse und überreiche der dicken Kassiererin meine praktische Kreditkarte.
12.45 Uhr Nachdem ich die schweren Einkaufstüten zum Auto geschleppt habe, kehre ich mit dem Vierbeiner in die benachbarte “Dairy Queen” (löblich: Molkerei Königin) Gaststätte ein. Völlig erschöpft werde ich an der Essensaugabe vorstellig und ordere eine Diät Cola sowie zwei Käseburger mit Fritten – das schmeckt.
13.30 Uhr Mit vollem Magen verlasse ich die Wirtschaft und helfe Dixon auf die Ladefläche des Chevrolets. Im Anschluss lasse ich den Motor aufheulen und gleite zufrieden in Richtung Willoughby Drive davon. Während der kurzweiligen Ausfahrt fröne ich dem Radioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und erfreue mich an einer nagelneuen Lee Ann Womack Komposition – da kommt Freude auf.


Katze Land – der beste Radiosender

14.00 Uhr Wieder zurück in meinem Zuhause, räume ich die Lebensmittel in den Kühlschrank und bette mich dann auf dem Kanapee zur Ruhe. Alsbald schlummere ich ein und träume von meiner unterbelichteten Mieterin.
15.00 Uhr Um nicht den ganzen Nachmittag zu vertrödeln, reibe ich mir den Schlaf aus den Augen und nehme am Schreibtisch Platz. Unter anderem nehme ich die neuesten Einträge im Gästebuch in Augenschein und vergesse auch nicht, Hilferufe besorgter Erziehungsberechtigter zu beantworten. Just als ich mich den Problemen einer 66jährigen Seniorin aus München annehme, bimmelt das Telefon besonders laut. Zu allem Überfluss meldet sich mein Bruder im Rohr und lotet aus, ob ich am Abend nicht doch mit ins Theater kommen möchte. Natürlich lehne ich dankend ab und stelle klar, dass ich den lauen Abend gemütlich in der kleinen Villa verbringen werde.
16.00 Uhr Vogelzeigend gehe ich von der Leine und begleite den Rüden in den Garten, um etwas Ball zu spielen. Dummerweise kommt wenig später Frau Pontecorvo dazu und sagt, dass sie morgen zum “Miromar Outlet Store” (löblich: Miromar Auslassgeschäft) krusen wird – was muss ich denn noch alles ertragen.


Die Petersilie wächst und gedeiht

17.00 Uhr Nachdem ich die Petersilie mit Wasser versorgt habe, begebe mich in die Küche und koche italienische Landnudeln auf. Dazu gibt es eine feine Tomatensauce und handgeriebenen Parmesankäse – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nach dem Abendessen lasse ich im Wohnzimmer die Seele baumeln und gebe mich den Nachrichten auf FOX hin. Ich informiere mich über die Geschehnisse in der Welt und lerne, dass in der kommenden Woche Thanksgiving (löblich: Erntedankfest) gefeiert wird – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.
19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit nehme ich mit dem NETFLIX Angebot Vorlieb und schaue mir die lächerliche Kriminalkomödie “Handsome” an. Die Produktion handelt von einem in die Jahre gekommenen Polizisten, der genötigt wird, den Mord an einer Kleinkindhüterin (löblich: Babysitterin) aufzuklären – so ein Schmarrn.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Langeweile schalte ich den neumodernen Flachbildschirm aus und lösche sämtliche Lichter. Danach wünsche ich Dixon angenehme Träume und falle erschöpft ins Bett. Gute Nacht.

15. November 2017 – Die Grundsätze der Vereinigten Staaten

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 15. November 1777 wurden die ersten verfassungsrechtlichen Grundsätze der Vereinigten Staaten verabschiedet. Der Vorläufer der ersten Verfassung der Vereinigten Staaten sicherte den 13 ehemaligen britischen Kolonien ihre Souveränität zu. Darüber hinaus sorgten die sogenannten “Articles of Confederation and Perpetual Union” (löblich: Artikel der Konföderation und der ewigen Vereinigung) für einen gleichberechtigten Staatenbund auf dem nordamerikanischen Kontinent – wie aufregend.


Articles of Confederation and Perpetual Union

Doch die neugeschaffene Regierungsstruktur hatte viele Schwächen. Unter anderem fehlte den Staaten die Möglichkeit, Steuern festzusetzen und einzutreiben. Auch war es den Mitgliedern nicht möglich, den Handel zu regulieren und internationale Beziehungen zu pflegen. Da der neue Staatenbund auch über keine gemeinsame Armee verfügte, war es den Ländern nicht gestattet, anderen Mitgliedern Schutz vor der zunehmenden Interventionen aus dem alten Europa zu gewährleisten.


Die Philadelphia Convention 1787

Aus diesem Grund wurde zehn Jahre später die “Philadelphia Convention” einberufen, die aus 55 Delegierten bestand und einen vollständig neuen Verfassungstext ausarbeiten sollte. Wichtigster Pfeiler war dabei die Gründung mehrerer Staatsorgane zum Zwecke der Machtbegrenzung und der Sicherung von Freiheit und Gleichheit. Die Amerikanische Verfassung wurde letztendlich am 17. September 1787 ratifiziert und schrieb es sich auf die Fahnen, für Frieden zu sorgen und das allgemeine Wohl zu fördern.

“Wir, das Volk der Vereinigten Staaten, von der Absicht geleitet, unseren Bund zu vervollkommnen, die Gerechtigkeit zu verwirklichen, die Ruhe im Innern zu sichern, für die Landesverteidigung zu sorgen, das allgemeine Wohl zu fördern und das Glück der Freiheit uns selbst und unseren Nachkommen zu bewahren, setzen und begründen diese Verfassung für die Vereinigten Staaten von Amerika”

Hochachtungsvoll
Reinhard Pfaffenberg

14. November 2017 – Besuch aus Texas

08.00 Uhr Ich rolle mich voller Vorfreude aus dem Wasserbett und kann es kaum noch erwarten, am frühen Nachmittag Robert und Jessica Pfaffenberg in die Arme zu schliessen. Wie es sich gehört, eile ich noch vor dem Badespass an die frische Luft und lockere meine eingerosteten Glieder. Darüber hinaus schleudere ich mit voller Wucht einen Tennisball zum künstlich angelegten Teich und animiere Hund Dixon, sich ebenfalls zu bewegen.


Wir erwarten Besuch aus Texas

08.30 Uhr Im Anschluss lasse ich die Seele bei einem Wirbelbad baumeln und telefoniere mit meiner Schwägerin. Maria versorgt mich mit Infos und berichtet, dass die Texaner just im Moment abfliegen und gegen halb 3 Uhr in Fort Myers landen werden. Zudem lädt mich die gute Seele ein, gegen halb Fünf im Lowbank Drive vorstellig zu werden und am gemeinsamen Abendessen teilzunehmen – wie schön.
09.30 Uhr Eine Stunde später beende ich den Waschvorgang und setze mich an den Küchentisch, um eine Portion Rühreier mit gerösteten Speckstreifen zu verzehren. Dazu gibt es brühfrischen BUSTELO Bohnentrunk sowie vitaminreiche Weissbrotscheiben (unlöblich: Toast) mit gesalzener Butter – schmeckt gar nicht schlecht.
10.15 Uhr Just als ich das schmutzige Geschirr in die Spüle stelle und mit der Idee spiele, etliche Flaschen Wein für die anstehende Wiedersehensfeier zu besorgen, fährt Edelberts JEEP vor. Natürlich winke ich den schlauen Mann augenblicklich herein und bringe in Erfahrung, dass er sich sehr über den Besuch meiner Verwandten freut. Ausserdem erinnert der Professor an unseren Texasbesuch im Oktober 2011 und stellt die Behauptung auf, dass damals die Welt noch in Ordnung war – das kann man laut sagen.
11.15 Uhr Nachdem ich Edelbert ein Heissgetränk spendiert habe, tippe ich auf meine ROLEX und lade ihn ein, mich zu “Bob’s Liquore Store” zu begleiten. Mein Bekannter wird sogleich hellhörig folgt mir plappernd nach draussen.
12.00 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise, erreichen wir das Alkoholgeschäft und begrüssen Herrn Bob per Handschlag. Der Ladeninhaber reibt sich die Hände und lotet aus, ob wir bayerisches Bier einkaufen wollen. Ich schlage in die gleiche Kerbe und lasse den Alkoholfachmann wissen, dass wir ausserdem mehrere Flaschen Wein benötigen. Herr Bob fackelt nicht lange und präsentiert einen besonders kostspieligen Tropfen aus dem Nappa Valley. Da ich nicht auf den Taler achten muss, gehe ich kurzerhand auf den Handel ein und verfrachte neben süffigem Löwenbräu Bier ausserdem sechs Humpen “Allomi Cabernet” in den Einkaufswagen.
12.45 Uhr Um insgesamt 147 Dollars erleichtert, kehren wir zu den Autos zurück und vereinbaren, dass nun ein Abstecher in eine SUBWAY Gaststätte nicht schaden kann. Ruckzuck lasse ich den Motor aufheulen und presche mit quietschenden Pneus gen Süden davon – was kann es schöneres geben.


Wir beissen kraftvoll zu

13.15 Uhr Hungrig und durstig betreten wir die Schnellessfiliale und ordern zwei mit Salami, Salat und Käse belegte Jumbosemmeln. Ferner geben wir zwei grosse Becher Diät Colas in Auftrag und setzen uns dann an einen Tisch mit Ausblick. Während wir kraftvoll zubeissen, erzähle ich meinem Begleiter, dass Robert und Jessica Pfaffenberg ihren Aufenthalt zum Anlass nehmen wollen, um auch ihre Tochter Kimberly in Miami zu besuchen. Der Professor freut sich und ist sich sicher, dass die Texaner schöne Tage erleben werden – davon kann man ausgehen.
14.15 Uhr Weil es noch viel zu früh ist, um zum Lowbank Drive zu krusen, fassen wir den Entschluss, kurzerhand zum Strand zu rasen und einen Spaziergang zu unternehmen. Ich krame eine funkelnde 50 Cent Münze aus meiner Hosentasche und fordere Edelbert zu einem Rennen heraus. Mein Gegenüber zwinkert mit den Augen und meint, dass er der bessere Fahrer ist und noch vor mir am Lowdermilk Park ankommen wird – papperlapapp.


Ich präsentiere eine 50 Cent Münze

15.00 Uhr Schlussendlich erreiche ich als zweiter Sieger mein Ziel und nehme mir das Recht heraus, den Vierbeiner an die Leine zu nehmen. Danach folge ich dem Professor zum Ozean und sauge die salzige Luft tief in meine Lungen ein – da kommt besonders grosse Freude auf.
15.30 Uhr Nach einer schweisstreibenden Wanderung lasse ich mich auf einer Bank nieder und schimpfe auf das viel zu heisse Wetter. Edelbert zückt schmunzelnd sein strahlendes NOKIA Handtelefon und weist mich auf die Tatsache hin, dass es in unserer alten Heimat bitterkalt ist und regnet. Ich schüttle mich ausgiebig und entgegne, dass wir nun zu den Autos zurückkehren sollten – immerhin haben wir unsere Zeit nicht gestohlen.
16.30 Uhr Pünktlich wie die Maurer treffen wir im Lowbank Drive ein und freuen uns, nicht nur Georg und Maria, sondern auch Robert und Jessica Pfaffenberg umarmen zu dürfen. Die lustigen Texaner sind ganz aus dem Häuschen und machen es sich zur Aufgabe, mir ein Geschenk zu überreichen. Ich bedanke mich artig und gebe zu Protokoll, dass es schon ein Kindheitstraum war, einen handgeschnitzten Armadillo (löblich: Gürteltier) in den Farben des Staates Texas zu besitzen. Jessica schenkt mir ein Lächeln und sagt, dass sie dieses Schmuckstück in einem Comanchen Reservat gekauft hat – das hört man gerne.


Wein muss immer mit dabei sein

17.00 Uhr Nach einer ausgiebigen Plauderei lotst uns Maria ins Esszimmer und serviert saftige Schweinerippen mit Ofenkartoffeln. Währenddessen entkorkt Georg eine Flasche Wein und erörtert, dass der “Allomi Cabernet” perfekt zu herzhaftem Essen passt. Ich stimme prompt zu und erhebe mein Glas, um mit den anderen anzustossen.
18.00 Uhr Als wir stattliche Eisbecher mit Sahne vorgesetzt bekommen, wende ich mich Robert zu und frage nach, ob er immer noch seine Werkstadt in Boerne betreibt. Mein Grosscousin schüttelt entschieden den Kopf und antwortet, dass er die Leitung mittlerweile an seinen Sohn Robert Jr. übertragen hat – wie schön.
19.00 Uhr Ein schöner Abend neigt sich leider seinem Ende zu. Ich verabschiede mich redlichst und vernehme, dass die Texaner im “Naples Beach Hotel” logieren werden. Georg lässt die Autoschlüssel seines JEEPS in der Hand kreisen und meint, dass er die netten Menschen nun zum Hotel kutschieren wird. Ferner erfahre ich, dass wir Morgen bei Julies Restaurant frühstücken werden – darauf freue ich mich jetzt schon.
20.00 Uhr Endlich bin ich wieder zu Hause und kann aus den schweren Kuhjungenstiefel schlüpfen. Während Dixon schnaufend aufs Kanapee springt, giesse ich mir ein kühles Bier hinter die Binde und schaue mir die Nachrichten auf FOX an – schliesslich muss man stets auf dem Laufenden bleiben.
21.00 Uhr Ein langer und nervenaufreibender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Ich betätige gähnend den “OFF” (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung und ziehe mich dann ins Schlafzimmer zurück. Gute Nacht.