14. September 2016 – Hexenschuss

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08.00 Uhr Der Radiowecker springt an und ich vernehme merkwürdige Klänge, die wie aus einer anderen Welt anmuten. Wenige Sekunden später meldet sich der WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Morgenmoderator zu Wort und vertellt, dass Folksänger Bon Iver ein neues Studioalbum veröffentlicht hat. Ich lache laut und bin mir sicher, dass „22 A Million“ ganz bestimmt nicht in meiner Kompaktscheibensammlung landen wird.


Bon Ivers neues Studioalbum

08.30 Uhr Nach dem Frühsport ziehe ich mich ins Badezimmer zurück und lasse lauwarmes Wasser in die Wirbelbadewanne laufen. Ausserdem rufe ich bei Edelbert an und erfahre, dass mein Bekannter noch immer mit Kreuzschmerzen das Bett hüten muss. Ich lege meine Stirn in Falten und verspreche, dass ich im Laufe des Vormittages vorbeikommen werde.
09.30 Uhr Just als ich aus der Wanne hüpfe, stösst meine Zugehfrau die Haustüre auf und begrüsst mich mit einem lauten „Hola“. Natürlich schlüpfe ich augenblicklich in eine frisch gewaschene WRANGLER Tschiens sowie ein legeres Hawaiihemd und nehme mir das Recht heraus, Frau Gomez herzlich Willkommen zu heissen. Die Mexikanerin schenkt mir ein Lächeln und behauptet, dass sie in der vorletzten Woche aus dem Urlaub zurückgekehrt ist und am vergangenen Mittwoch die kleine Villa verlassen vorgefunden hat. Ich nicke eifrig und entgegne, dass ich eine aufschlussreiche Forschungsreise durch Minnesota unternommen habe.
10.00 Uhr Wenig später pocht Frau Pontecorvo an die Terrassentüre und stört mich beim Frühstück. Ich winke meine Nachbarin spornstreichs herein und informiere, dass ich den Vormittag nutzen werde, um Edelbert zu besuchen. Die Alte freut sich und sagt, dass sie mich kurzerhand begleiten wird – das soll mir Recht sein.

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Wir kaufen Donuts

10.45 Uhr Nachdem wir Kaffee getrunken und Frau Gomez beim Fensterputzen beobachtet haben, scheuchen wir Hund Dixon zum Auto. In einer entspannten Fahrt gleite ich ins Zentrum und berichte meiner Bekannten, dass wir Edelbert mit einer kleinen Aufmerksamkeit überraschen sollten. Frau Pontecorvo schlägt in die gleiche Kerbe und bittet mich, die „Dunkin‘ Donuts“ Filiale an der 9th Strasse anzusteuern.
11.15 Uhr Um dem Professor eine kleine Freude zu bereiten, ordern wir am Tresen des Schnellessrestaurants eine Donut Schachtel mit 12 köstlichen Gebäckkringeln. Ferner fordert meine Begleiterin die Verkäuferin auf, drei Becher Irish Creme (löblich: Irische Kreme) Kaffee herauszurücken – schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.
11.45 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten stehen wir vor Edelberts Pforte und betätigen die Klingel. Prof. Kuhn schleppt sich fluchend zur Türe und setzt uns darüber in Kenntnis, dass seine Rückenschmerzen kaum auszuhalten sind. Bevor ich antworten kann, holt Frau Pontecorvo eine Schachtel mit Percodan Tabletten aus ihrer Handtasche und animiert meinen Bekannten, zwei Pillen einzunehmen. Edelbert blickt skeptisch drein und behauptet, dass Percodan ein starkes Schmerzmittel ist. Meine Nachbarin winkt gelangweilt ab und sagt, dass sie dieses Mittel schon seit Jahren gegen ihre Gelenkschmerzen einnimmt.
12.30 Uhr Während wir Kaffee schlürfen und uns die Donuts schmecken lassen, jammert Edelbert in einer Tour und kündigt an, morgen einen Facharzt zu konsultieren. Ich stimmt uneingeschränkt zu und stelle klar, dass mit Rückenschmerzen nicht zu Spassen ist.
13.30 Uhr Sechzig Minuten später erhebe ich mich vom Kanapee und lasse Frau Pontecorvo wissen, dass mein knurrender Magen nach einer warmen Mahlzeit verlangt. Edelbert seufzt laut und meint, dass er sich nun ins Bett legen und etwas Lesen wird. Schlussendlich wünschen wir dem Professor gute Besserung und entschliessen uns, ins „Vergina Restaurant“ einzukehren, um frittierte Tintenfische sowie Caesar Salate zu verzehren – das schmeckt.
14.30 Uhr Nachdem wir das Mittagessen mit hausgemachtem Käsekuchen abgeschlossen haben, treten wir die Heimreise an. Nebenher frönen wir dem Qualitätsprogramm von WCKT CAT COUNTRY und erfreuen uns am neuen Dolly Parton Lied „Pure and Simple“ (löblich: Rein und Einfach) – was kann es schöneres geben.

15.00 Uhr Ich finde die kleine Villa ruhig und redlichst herausgeputzt vor. Wie es sich gehört, serviere ich dem Vierbeiner frisches Trinkwasser sowie Trockenfutter und falle dann fix und foxi aufs Kanapee. Schon bald döse ich ein und träume von meiner aufregenden Reise durch Minnesota – das war ein Vergnügen.
16.00 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und schenke mir ein Budweiser ein. Ferner sehe ich im Garten nach dem Rechten und ärgere mich, weil Dixon schon wieder ein Loch im Petersilienbeet gebuddelt hat.

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Die Petersilie wächst und gedeiht

16.30 Uhr Kopfschüttelnd mache ich es mir zeitungslesend in der Hollywoodschaukel bequem und sehe mich genötigt, mit Herrn Booth plaudern zu müssen. Der hochdekorierte Vietnamveteran hantiert mit einer Gartenschere und erzählt, dass er morgen die Mangroven stutzen und den Rasen mähen wird.
17.00 Uhr Nach dem Plausch rufe ich Dixon ins Haus und mache es mir zur Aufgabe, das Abendessen vorzubereiten. Ich schiebe eine Schinkenpizza in den Backofen und zaubere dazu einen lustigen Beilagensalat.
18.00 Uhr Zum Abschluss des Tages nehme ich die Geschirrspülmaschine in Betrieb und setze mich vor die Glotze, um mir die Nachrichten auf FOX anzuschauen. Unter anderem bringe ich heraus, dass am Freitag der „Constitution and Citizenship Day“ (löblich: Verfassungs- und Bürgerschaftstag) gefeiert wird. Darüber hinaus kommt der Fernsehheini auch auf Frau Hillary Clinton zu sprechen und meldet, dass die Präsidentschaftskandidatin der demokratischen Partei erkrankt ist und den Wahlkampf unterbrechen musste – wie unlöblich.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit nehme ich mit dem NETFLIX Angebot Vorlieb und fröne dem Fernsehspiel „Unbreakable Kimmy Schmidt“ (löblich: Unzerstörbare Kimmy Schmidt). Ich lache laut und werde Zeuge, wie Frau Schmidt aus den Fängen einer Sekte befreit wird und sich im grossen Apfel ein neues Leben aufbaut – wie lustig.
21.00 Uhr Nach der vierten Episode beende ich den heiteren Fernsehabend und begleite Dixon noch einmal in den Garten. Danach lösche ich die Lichter und lege mich schlafen. Gute Nacht.

13. September 2016 – Willkommen Frau Pontecorvo

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08.00 Uhr Beschwingt durch prima Kyle Jennings Musik rolle ich mich aus dem Wasserbett und erkläre Hund Dixon, dass Frau Pontecorvo heute aus Jacksonville zurückkehren wird. Um mir einen genauen Überblick verschaffen zu können, nehme ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) zur Hand und rufe die Dame kurzerhand an. Meine Nachbarin meldet sich prompt und beteuert, dass sie in Bälde losfahren und spätestens um 16 Uhr im Willoughby Drive ankommen wird. Ich freue mich und verspreche, dass ich sie mit einem Abendessen überraschen werde.

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Meine praktische Schwarzbeere

08.30 Uhr Nachdem ich der Guten eine sichere Reise gewünscht habe, verabschiede ich mich ins Badezimmer, um mich bei einem Wirbelbad zu entspannen. Ferner rufe ich auch bei Edelbert an und erkläre ihm, dass ich für den Abend eine Willkommensfeier für die Pontecorvo plane. Der schlaue Mann jammert jedoch in einer Tour und setzt mich darüber in Kenntnis, dass er sich einen Hexenschuss eingefangen hat – wie schade.
09.30 Uhr Seufzend steige ich aus der Wanne und komme schnell zu dem Schluss, dass kaum noch alkoholische Getränke vorhanden sind. Ich lege den Zeigefinger an die Unterlippe und lasse den Vierbeiner wissen, dass wir nach dem Frühstück zu Bob’s Liquor Store rasen sollten.
10.00 Uhr Bevor ich mich auf den Weg mache, verzehre ich die wichtigste Mahlzeit des Tages in der Küche und mache mich im Internetz über das anstehende Oktoberfest schlau. Unter anderem lese ich auf N-TV, dass die Münchner Hotels in diesem Jahr weniger Buchungen verzeichnen konnten. Ich komme aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus und vermute, dass viele Touristen Angst vor terroristischen Anschlägen haben – wo soll das noch hinführen.

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Oktoberfest / Bild: Asiano / CC BY-SA 3.0

11.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, in die Gänge zu kommen. Wie es sich gehört, nehme ich vor der Abreise die Geschirrspülmaschine in Betrieb und vergesse auch nicht, die leeren Pfandflaschen und -dosen in den frisch aufpolierten Chevrolet Suburban zu laden. Danach hieve ich den Rüden in den PS-strotzenden SUV und presche mit durchdrehenden Pneus aus dem Wohngebiet.
11.30 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten betrete ich den Schnapsladen an der Vanderbilt Beach Road und werde vom Inhaber per Handschlag begrüsst. Ich wische mir die Schweissperlen von der Stirn und erkläre Herrn Bob, dass ich am Abend meine Nachbarin zu einem romantischen Dinner erwarte. Mein Gegenüber schnalzt mit der Zunge und legt mir nahe, meinem Gast einen Aperitif zu kredenzen. Selbstverständlich lehne ich sogleich ab und ziehe es vor, zwei Sechserpacks Budweiser, zwei Flaschen Cristal Schaumwein, Softdrinks (löblich: Weichgetränke) sowie 12 Flaschen Löwenbräu Weissbier in den Einkaufswagen zu verladen.

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Bier ist sehr gesund

12.15 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, verlasse ich um 80 Dollars erleichtert, die Getränkeoase und gleite zu stimmungsvoller Musikuntermalung zum „Village Walk“. Nebenher halte ich nach einer einladenden Gaststätte Ausschau und entschliesse mich, ins neu eröffnete „L’Osteria“ einzukehren.
12.45 Uhr Mit Dixon im Schlepptau lasse ich mich auf der schattigen Sonnenterrasse nieder und ordere bei einer übergewichtigen Kellnerin einen L’Osteria Salat sowie ein Classic Turkey Club Sandwich (löblich: Klassisches Truthahn Vereinsbrot). Während ich kraftvoll zubeisse, telefoniere ich abermals mit dem Professor und bringe heraus, dass er mittlerweile in der Apotheke war und sich eine Creme gegen Rückenschmerzen gekauft hat.
13.45 Uhr Redlichst gestärkt trete ich die Heimreise an und folge der Livingston Road gen Norden. Nach drei Meilen finde ich mich im Willoughby Drive wieder und freue mich auf ruhige Stunden in der kleinen Villa.

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Mein Zuahause unter Palmen

14.30 Uhr Nachdem ich Dixons Napf mit Trockenfutter aufgefüllt habe, bette ich mich auf dem Kanapee zur Ruhe. Schon bald döse ich ein und sehe mich im Traum nach Walnut Grove im Bundesstaat Minnesota versetzt.
15.30 Uhr Nach sechzig Minuten werde ich durch sehr aggressives Hupen aus einem schönen Traum gerissen. Als ich aus dem Fenster spähe, werde ich Zeuge, wie Frau Pontecorvo aus ihrem schnittigen FORD MUSTANG steigt und sich meinem Haus nähert. Ruckzuck hüpfe ich vom Kanapee und eile auf die Einfahrt, um meine Nachbarin herzlich Willkommen zu heissen.
16.00 Uhr Während Dixon im Garten spielt, giesse ich meiner Nachbarin ein Gläschen Sprudelsekt ein und erkundige mich bezüglich ihres Aufenthalts in Jacksonville. Frau Pontecorvo schwärmt in den höchsten Tönen und erzählt, dass es ein Vergnügen war, im Zuhause ihrer Freundin Blanche zu verweilen und Ausflüge nach Fernandina Beach und St. Augustine zu unternehmen. Im Gegenzug berichte ich von meiner spannenden Forschungsreise nach Minnesota und zögere nicht, der Alten auch einige Schnappschüsse zu präsentieren.

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In Minnesota war es sehr schön

17.00 Uhr Weil Frau Pontecorvo hungrig ist, koche ich kurzerhand italienische Langnudeln. Zudem entkorke ich eine weitere Flasche Schaumwein und erwähne ganz nebenbei, dass Edelbert mit einem Hexenschuss zu kämpfen hat. Mein Gast schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und sagt, dass wir dem guten Mann morgen einen Besuch abstatten sollten – wie wahr.
18.00 Uhr Nach dem Abendessen wischt sich Frau Pontecorvo den Mund an einer Serviette ab und meint, dass sie sich nun verabschieden wird. Ich begleite die kleine Frau als Kavalier der alten Schule nach nebenan und wünsche ihr eine angenehme Nacht. Danach scheuche ich den Vierbeiner in die kleine Villa und kümmere mich um die Hausarbeit.

19.00 Uhr Nachdem ich in der Küche für Sauberkeit gesorgt habe, lege ich in der Wohnstube die Beine hoch und informiere mich auf FOX über die tagesaktuellen Geschehnisse in der Welt. Im Anschluss nehme ich mit dem NETFLIX Bezahlprogramm Vorlieb und erfreue mich am mehrteiligen Fernsehspiel „Love“ (auf deutsch: Liebe).
21.00 Uhr Nach drei heiteren Episoden beende ich den Fernsehabend und ziehe mich gähnend ins Schlafzimmer zurück. Gute Nacht.

12. September 2016 – Kurz vor dem Oktoberfest …

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08.00 Uhr Ich werde durch lautes Telefonschellen aus einem schönen Traum gerissen. Zu allem Überfluss meldet sich Sandra im Rohr und erzählt vom Münchner Oktoberfest. Das Kind tratscht ohne Unterlass und behauptet, dass die Stadt München ein generelles Rucksackverbot auf der Wiesn erlassen hat. Ich wische mir den Schlaf aus den Augen und lasse das Kind wissen, dass mir das weltgrösste Volksfest gestohlen bleiben kann.
08.30 Uhr Nachdem ich erfahren habe, dass die Pension Waldblick bis zum 4. Oktober ausgebucht sein wird, wechselt Sandra plötzlich das Thema und vertellt, dass sie die Weihnachtszeit gerne in Toronto verbringen würde. Ich nicke eifrig und stelle klar, dass ich die staade Zeit ebenfalls in Ontario erleben werde. Die Maid freut sich und schlägt vor, dass wir im neuen Jahr mit einem Mietauto von Kanada nach Florida krusen könnten. Ich lache laut und gebe zu Protokoll, dass ich ganz bestimmt nicht 1.600 Meilen durch den Kontinent fahren werde.

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Die Pension Waldblick im Waldweg 11

09.00 Uhr Nach dem Telefonat verabschiede ich mich in die Nasszelle und lasse die Seele bei einem löblichen Wirbelbad baumeln. Unterdessen lese ich die eingegangenen Depeschen auf meiner Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und bringe heraus, dass Frau Pontecorvo morgen aus Jacksonville zurückkehren wird – wie unlöblich.
10.00 Uhr Sechzig Minuten später steige ich aus der Badewanne und erkläre Hund Dixon, dass mich die Nachbarin kurz vor ihrer Abreise gebeten hat, ihre Pflanzen mit Wasser zu versorgen. Ich blicke skeptisch drein und nehme mir das Recht heraus, in legere Freizeitkleidung zu schlüpfen und das Nachbarhaus aufzusuchen. Kopfkratzend nehme ich die Zierpalme in Frau Pontecorvos geschmacklos eingerichtetem Wohnzimmer in Augenschein und bemerke, dass die Blätter des Yukkagewächs mittlerweile gelb geworden sind – wie furchtbar.
10.30 Uhr Um schlimmeres Unheil abzuwenden, giesse ich frisches Leitungswasser in die Töpfe und vergesse auch nicht, die Klimaanlage einzuschalten. Danach kehre ich in mein bescheidenes Zuhause zurück und nehme das Frühstück ein. Nebenher telefoniere ich mit Prof. Kuhn und merke an, dass ich gleich zum WINN DIXIE Supermarkt fahren und Lebensmittel besorgen werde. Mein Bekannter verweist auf seinen leeren Eiskasten und sagt, dass er mich gegen halb 12 in der Filiale am Golden Gate Parkway treffen wird – das ist phantastsich.
11.00 Uhr Um nicht zu spät zu kommen, stelle ich das schmutzige Geschirr in die Spüle und halte Dixon an, mir zum Auto zu folgen. In einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt rase ich zum Supermarkt meines Vertrauens und ärgere mich über das viel zu heisse Wetter.

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Ich trinke Coca Cola

11.30 Uhr Pünktlich auf die Minute komme ich neben Edelberts JEEP zum Stehen. Der Professor reicht mir die Hand und setzt mich darüber in Kenntnis, dass die WINN DIXIE Filialen derzeit preiswertes PEPSI Cola anpreisen. Ich tippe mir an die Schläfe und antworte, dass ich ausschliesslich COCA COLA trinke.
12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, schlendern wir zur Fleischtheke, um italienische Salami, hauchdünn aufgeschnittenes Capocollo sowie Hackfleisch zu ordern. Ausserdem blättern wir in der WINN DIXIE Werbebroschüre und fassen den Entschluss, zwei Dosen PRINGLES Kartoffelchips, Kerbel Weisswein aus dem goldenen Kalifornien sowie weitere Produkte des täglichen Bedarfs in den klapprigen Einkaufswagen zu laden.
12.45 Uhr Endlich stehen wir an der Kasse und können die Waren mit den praktischen Kreditkarten bezahlen. Währenddessen reibt sich der Professor den Bauch und erklärt, dass er eine warme Mahlzeit vertragen könnte. Ich schlage in die gleiche Kerbe und rege eine Einkehr ins nahegelegene „Bob Evans“ Gasthaus an.
13.15 Uhr Wenig später finden wir uns in der Familiengaststätte wieder und laben uns an gesunden „Farmhouse Salads“ (löblich: Bauernhaus Salate) sowie saftigen Baconburgern (löblich: Speckburger). Ich beisse kraftvoll zu und berichte, dass meine Nachbarin morgen von ihrem Ausflug nach Jacksonville zurückkehren wird. Edelbert reibt sich die Hände und kündigt an, dass er der Perle am Abend einen Besuch abstatten wird.

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Ich träume von Minnesota

14.15 Uhr Zuhause angekommen, falle ich erschöpft aufs Kanapee und strecke genüsslich die Beine aus. Bereits nach wenigen Augenblicken döse ich ein und sehe mich im Traum nach Minnesota versetzt.
15.15 Uhr Ich erwache redlichst ausgeruht und nutze die Nachmittagsstunden, um Anschnur zu gehen. Als erstes rufe ich Depeschen besorgter Heimseitenbesucher ab und komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Wie es sich für einen staatlich anerkannten Internetzseelsorger gehört, versorge ich die verzweifelten Eltern mit Ratschlägen und ermutige sie, mit der frechen Jugend nicht zu zimperlich umzugehen.
16.00 Uhr Im Anschluss überfliege ich eine virtuelle Landkarte der Vereinigten Staaten und spiele mit der Idee, Sandras Wunsch in die Tat umzusetzen und im Januar von Toronto nach Naples zu fahren. Prompt komme ich zu dem Ergebnis, dass es eine Gaudi wäre, die winterlichen Niagara Fälle zu besuchen und meinem ehemaligen Studienkollegen Thomas Kronach im grossen Apfel einen Besuch abzustatten.
16.30 Uhr Als ich jedoch die Internetzseite des Reisevermittlers EXPEDIA aufrufe und die Mietwagenpreise überfliege, wird mir schnell klar, dass mir das nötige Kleingeld fehlt, um die hohen Kosten zu stemmen – wie schade.

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Ich esse ein Schnitzel

17.00 Uhr Seufzend gehe ich von der Leine und brate ein gesundes T Knochen Schnitzel (unlöblich: T Bone Steak) in vitaminreichem Butterschmalz heraus. Ausserdem fülle ich Dixons Napf mit ROYAL CANIN Trockenfutter auf und wünsche dem hechelnden Rüden einen guten Appetit.
18.00 Uhr Nach der Brotzeit lasse ich den Tag vor der Glotze ausklingen. Ich folge den FOX Nachrichten und bringe in Erfahrung, dass ein Tiefdruckgebiet zur Wochenmitte für kühlere Temperaturen sorgen wird – wie beruhigend.
19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit wechsle ich auf AMC und erfreue mich am Zukunftsfilm „Westworld“. Nebenbei streichle ich Dixon durchs Fell und erinnere daran, dass dieser Klassiker in den 1970er Jahren sämtliche Rekorde gebrochen und nicht nur in den Vereinigten Staaten, sondern auch in Europa Millionen Menschen in die Lichtspielhäuser gelockt hat – das waren noch bessere Zeiten.
21.00 Uhr Als nach zwei nervenaufreibenden Stunden der Abspann über die Mattscheibe flimmert, betätige ich den AUS Knopf auf der Fernbedienung. Zu guter Letzt stelle ich das Schaumweinglas in die Spüle und lege mich schlafen. Gute Nacht.

8. September 2016 – Die Abreise

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Sehr geehrte Damen und Herren,

gestern sind wir nach einer aufschlussreichen Forschungsreise durch den amerikanischen Bundesstaat Minnesota wohlbehalten in Minneapolis angekommen und haben uns in das luxuriöse Hilton Hotel unweit des „Minneapolis-Saint Paul International Airport“ eingemietet.

Am frühen Vormittag steht nun der Heimflug mit der ortsansässigen Fluglinie „Sun Country Air“ auf dem Plan. Bereits kurz vor 8:00 Uhr wird uns eine Boeing 737-700 sicher zurück nach Fort Myers, FL bringen. Natürlich werde ich den dreieinhalbstündigen Flug nutzen, um ein Nickerchen einzulegen und mich von den nervenaufreibenden Tagen im sogenannten „North Star State“ (löblich: Nord Stern Staat) zu erholen.

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Der North Star State

Wie Sie sicher gelesen haben, hatten wir das grosse Vergnügen, die schönen Gemeinden Walnut Grove, Sleepy Eye sowie die 13.000 Bürger zählende Kleinstadt New Ulm zu sehen. Darüber hinaus war es uns möglich, einige Museen in der Millionenmetropole Minneapolis zu besuchen, an einer spannenden „Brewery & City Tour“ (löblich: Brauerei und Stadt Ausfahrt) teilzunehmen und im grössten Kaufhaus des Landes abzuschoppen – das war phantastisch.

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In New Ulm war es besonders schön

Auch von der kulinarischen Vielfalt und der kreativen Küche waren wir sehr angetan. Weil sich in Minnesota während des 19. Jahrhunderts nicht nur deutschstämmige, sondern auch skandinavische Siedler niederliessen, findet man in den Restaurants immer noch traditionelle skandinavische Gerichte wie Räucherfisch oder schmackhafte Köttbullars. Zudem war es ein einmaliges Erlebnis, auf den originalen Schauplätzen der Laura Ingalls Wilder Erzählung „Little House on the Prairie“ (auf Deutsch: Unsere kleine Farm) zu wandern. Unter anderem machten wird einen Abstecher in das sehenswerte „Laura Ingalls Wilder Museum“ sowie zum „Ingalls Homestead“ (löblich: Ingalls Wohnhaus) am Plum Creek – wie aufregend.

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Laura Ingalls Wilder lebte in Walnut Grove, MN

Nun werde ich meine Habseligkeiten im Rollkoffer verstauen und an Hund Dixons sowie Edelberts Seite ein kleines Frühstück verzehren.

Hochachtungsvoll
Reinhard Pfaffenberg

7. September 2016 – Mall of America

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08.15 Uhr Ich werde durch Hund Dixon geweckt und bemerke, dass ich gestern den neumodischen Radiowecker gar nicht angeschlossen habe. Ruckzuck schwinge ich mich aus dem Bett und lasse den Vierbeiner wissen, dass wir bereits morgen nach Florida zurückfliegen werden. Ich blicke traurig drein und denke daran, wie schön es doch wäre, noch einige Wochen im kühlen Minnesota zu bleiben – leider kann man im Leben nicht alles haben.

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Minnesota ist prima

09.00 Uhr Nachdem ich mich gewaschen habe, schlüpfe ich in modische Freizeitkleidung und ziehe den Reissverschluss meines Rollkoffers zu. Danach scheuche ich den Vierbeiner aus dem Motelzimmer und treffe Edelbert am Auto an. Mein Bekannter macht sich am Navigationssystem zu schaffen und verkündet, dass das grösste Kaufhaus des Landes nur 25 Meilen entfernt liegt. Ich nicke eifrig und entgegne, dass wir unsere Forschungsreise in der „Mall of America“ beschliessen sollten. Der Professor freut sich und informiert, dass sich in der besagten Einkaufspassage jährlich 42 Millionen Menschen tummeln und es somit das meistbesuchte Kaufhaus der Welt ist.
09.30 Uhr Weil das Frühstücksbüfett im „Super 8 Motel“ unseren hohen Ansprüchen kaum genügt, fassen wir den Entschluss, in den Mietwagen einzusteigen und das gegenüberliegende SUBWAY Schnellessgasthaus anzusteuern. Um nicht vom Fleisch zu fallen, nehmen wir mit dem „Bacon, Egg & Cheese Breakfast Sandwich“ (löblich: Speck, Ei und Käse Frühstücksbrot) Vorlieb und trinken dazu schmackhaften „Seattle’s Best Coffee“ (löblich: Seattles besten Kaffee) – schmeckt gar nicht schlecht.
10.15 Uhr Wenig später stehen wir wieder im Freien und verschaffen dem Vierbeiner etwas Auslauf. Dixon flitzt kläffend zu einer hochgewachsenen Tanne und zögert nicht, das Gewächs zu bewässern. Unterdessen steckt sich Edelbert seine Pfeife an und sagt, dass wir am frühen Abend nach Minneapolis zurückkehren und uns am Flughafen in ein Motel einmieten sollten.

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The Mall of America

10.45 Uhr Endlich kann die Reise losgehen. Radiohörend fahre ich auf den Highway 169 auf und folge der Beschilderung nach Bloomington. Nebenher tratsche ich mit meinem Begleiter und vernehme, dass es in der „Mall of America“ nicht nur 520 Geschäfte, sondern auch ein Aquarium sowie einen Nickelodeon Erlebnispark zu bestaunen gibt. Ich zucke mit den Schultern und stelle klar, dass ich weder bunte Fische sehen, noch in einer gefährlichen Achterbahn fahren werde – wo kämen wir denn da hin.
11.45 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten krusen wir auf den Kundenparkplatz, der die Fläche einer Kleinstadt einnimmt. Wir machen grosse Augen und lesen auf einer Hinweistafel, dass die Mall derzeit 543 Geschäfte, 50 Restaurants sowie das grösste Lichtspielhaus des Bundesstaates beheimatet. Darüber hinaus fällt uns auf, dass fast im Minutentakt Busse vor dem Haupteingang zum Halten kommen und Touristen ausladen – wie unlöblich.
12.30 Uhr Nach einem kurzweiligen Spaziergang betreten wir das Kaufhaus und finden uns prompt vor dem „SEA LIFE AQUARIUM“ wieder. Ich winke demonstrativ ab und erkläre dem Professor, dass es dieses Unternehmen mit dem Tierschutz nicht so genau nimmt. Edelbert schlägt in die gleiche Kerbe und erinnert daran, dass der Berliner „Sea Life“ Ableger in den frühen 2000er Jahren ins Visier der Tierschützer geraten ist, weil dort ein stattlicher Hai in einem viel zu kleinen Wasserbecken untergebracht war.
13.30 Uhr Schlussendlich lassen wir das Aquarium aussen vor und flanieren an einladenden Ladenlokalen vorbei, die mit unglaublichen Rabatten locken. Nebenher versorgt mich der Professor mit Fakten und berichtet, dass die Mall vor mittlerweile 24 Jahren eröffnet wurde und seitdem im Besitz der „Triple Five Group“ ist.
14.15 Uhr Fünfundvierzig Minuten später kehren wir in eine „Bubba Gump Shrimp“ Gaststätte ein und laben uns an frittierten Meeresfrüchten und Kartoffelstäben. Natürlich gebe ich auch Dixon die eine oder andere Garnele ab und lasse ihn sogar an meiner Diät Cola nippen – da kommt besonders grosse Freude auf.

15.00 Uhr Im Anschluss schlendern wir am „NICKELODEON UNIVERSE“ vorbei und werden Zeugen, wie sich kreischende Jugendliche in den schaukelnden Gondeln der Achterbahn amüsieren. Edelbert knipst ein Photo und lost mich plappernd ins „DSW Shoe Warehouse“ (löblich: DSW Schuhwarenhaus). Ich blicke mich skeptisch um und registriere als Schuhexperte, dass Fellstiefel aus dem Hause UGG derzeit ganz oben in der Gunst der Konsumenten stehen – wie furchtbar.
16.00 Uhr Nachdem wir weitere Geschäfte besucht haben, gehen wir in ein Starbucks Kaffeehaus und gönnen uns „Iced Coconut Milk Mocha Macchiato“ sowie lustige Kekse. Edelbert nippt zufrieden am Kaltgetränk und meint, dass wir nun nach Minneapolis weiterfahren sollten – das soll mir Recht sein.

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Wir kehren nach Minneapolis zurück

16.30 Uhr Als der Minutenzeiger meiner ROLEX auf halb Fünf zugeht, lasse ich den Motor des JEEP aufheulen und rase auf dem State Highway 77 gen Norden davon. Nach 5 Meilen verlassen wir die Schnellstrasse und haben das grosse Glück, in der Ferne die Skyline (löblich: Himmelslinie) der Zwillingsstädte Minneapolis und St. Paul sehen zu können. Edelbert seufzt laut und bittet mich, rechts abzufahren und das „Hilton“ am Flughafen anzusteuern.
17.30 Uhr Da Edelbert bereits per Internetz zwei Zimmer reserviert hat, wird das Eintschecken zu einem Kinderspiel. Der freundliche Motelknecht begrüsst uns herzlich und sagt, dass er zwei schöne Räume im siebten Obergeschoss reserviert hat. Wir nehmen die Schlüsselkarten dankbar entgegen und verraten dem Heini, dass wir morgen in aller Frühe in den Sonnenscheinstaat Florida ausfliegen werden.

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Wir beschliessen unsere Reise mit einem Abendessen

18.15 Uhr Nachdem ich Dixon gefüttert habe, fahren wir mit dem Lift nach unten und beschliessen den Tag in der hoteleigenen „Blue Water Grill“ (löblich: Blaues Wasser Grill) Wirtschaft. Bei Rotwein, Caesar Salads (löblich: Cäsar Salate) und Bacon Cheedar Burger (löblich: Speck Cheddar Burger) lassen wir unseren Aufenthalt noch einmal Revue passieren und kommen überein, dass wir irgendwann wieder nach Minneapolis kommen sollten. Bei dieser Gelegenheit verweise ich auf Davids Geburtstag am 10. September und gebe zu Protokoll, dass ich dem Buben morgen eine Ansichtskarte zuschicken und ihm per Postweg Glückwünsche übermitteln werde.
20.00 Uhr Um ein kleines Vermögen erleichtert, kehren wir auf unsere Zimmer zurück. Ich verabschiede Edelbert per Handschlag und verspreche, dass ich gegen 6 Uhr im Frühstücksraum sein werde. Danach werfe ich die Pforte ins Schloss und falle erschöpft ins Bett, um die letzten Bonbons aus dem grössten Süssigkeitengeschäft des Staates zu essen und fernzusehen.
22.00 Uhr Nach den Nachrichten und dem mässig spannenden Western „Jane got a Gun“ (löblich: Jane hat eine Waffe), lösche ich das Licht und wünsche Hund Dixon schöne Träume. Gute Nacht.