29. Mai 2017 – Memorial Day

memorialday

Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Tagebuchleser/innen,

weil heute in den Vereinigten Staaten von Amerika der „Memorial Day“ begangen wird, habe ich mich entschlossen, keinen Tagebucheintrag zu verfassen, sondern über den wichtigen Feiertag zu berichten.

Wie jedes Kind weiss, steht dieser Feiertag im Zeichen der im Krieg für Heimat und Vaterland gefallenen Soldaten. Im Jahre 1971 wurde der Memorial Day von Präsident Richard Nixon zu einem nationalen Feiertag erklärt. In allen amerikanischen Städten werden bei Feierlichkeiten all der Männer und Frauen gedacht, die im Kampf für die Freiheit gefallen oder im Dienste für das Vaterland umgekommen sind. Traditionell wird auf Friedhöfen und nationalen Gedenkstätten in allen Teilen des Landes die amerikanische Flagge auf Halbmast gehisst.

usa
Land of the Free, Home of the Brave

Ferner läutet der Memorial Day die „Summer Holidays“ (löblich: Sommerferien) ein. Viele Menschen krusen mit Wohnmobilen oder schicken Autos quer durch die USA, um Verwandte zu besuchen und/oder die Schönheit des Landes zu bewundern – das ist Romantik pur.

Ich werde den „Memorial Day“ zum Anlass nehmen, um mit Prof. Edelbert Kuhn, Georg und Maria Pfaffenberg sowie Frau Pontecorvo einen Veteranenumzug in der Nachbargemeinde Fort Myers, FL zu besuchen. Wir werden die Möglichkeit haben, an einer farbenfrohen Parade teilzunehmen und Uniformen aus dem zweiten Weltkrieg zu bewundern – wie aufregend.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg

26. Mai 2017 – Qualmende Rocker

07.45 Uhr Ich werde durch das stetige Dröhnen eines Motorrades geweckt. Verärgert eile ich zum Küchenfenster und erblicke auf dem Nachbargrundstück den Bruder von Frau Connor. Ich staune nicht schlecht und bemerke, dass Herr Jeffrey auf einem nagelneuen Motorrad vorgefahren ist. Weil ich über alles informiert sein muss, laufe ich badebemäntelt nach nebenan und stelle den Rocker zur Rede. Herr Jeffrey steckt sich eine PARLIAMENT Zigarette an und berichtet, dass er sich in der vergangenen Woche ein PS-strotzendes „Roadster“ Modell geleistet hat. Ich nicke eifrig und bin mir ziemlich sicher, dass der Gammler die Maschine aus Drogenverkäufen finanziert hat.


Bitte nicht rauchen

08.15 Uhr Als ich das Motorrad naserümpfend umrunde, gesellen sich die vorlauten Nachbarskinder Emily und Francis zu uns und freuen sich, ihren Onkel begrüssen zu können. Um mit den Dreikäsehochs nicht reden zu müssen, mache ich schnell kehrt und ziehe mich kopfschüttend in die Nasszelle zurück.
09.15 Uhr Kurz nach dem Neunuhrläuten steige ich aus der Badewanne und bereite in der Küche die wichtigste Mahlzeit des Tages vor. Wenig später kommt Edelberts schneeweisser JEEP vor der kleinen Villa zum halten und ich nehme mir das Recht heraus, den schlauen Mann herzlich Willkommen zu heissen. Der Professor reibt sich die Hände und beteuert, dass er grossen Hunger mitgebracht hat – das hört man gerne.
09.45 Uhr Während ich Kaffee, Rühreier und lustige Donuts auftische, kommt Edelbert auf den kommenden Montag zu sprechen und erinnert, dass am 29. Mai der „Memorial Day“ gefeiert wird. Ich schnalze zufrieden mit der Zunge und stelle klar, dass wir nach Fort Myers krusen und dem örtlichen Veteranenumzug beiwohnen sollten. Mein Tischnachbar schlägt in die gleiche Kerbe und kann es kaum noch erwarten, eine farbenfrohe Parade mitzuerleben und Uniformen aus dem zweiten Weltkrieg zu bewundern – das wird eine Gaudi.
10.30 Uhr Im weiteren Verlauf des zünftigen Beisammenseins, bringt Edelbert den Sommer ins Spiel und schlägt vor, dass es angebracht wäre, die heisse Jahreszeit in kühleren Gefilden zu verbringen. Ich nippe zufrieden am Kaffeehaferl und vernehme weiter, dass mein Bekannter mit dem Gedanken spielt, nach Kanada auszufliegen, um mit der „Canadian Pacific Railway“ (löblich: Kanadische Pazifische Eisenbahnlinie) quer durchs Land zu fahren. Ich gebe mich jedoch skeptisch und merke an, dass ich nicht mehr der Jüngste bin und keine grosse Lust habe, eine tagelange Eisenbahnfahrt auf mich zu nehmen – wo kämen wir denn da hin.


Wir schlendern zum Golfplatz

11.00 Uhr Nachdem wir aufgegessen haben, brechen wir zu einem Spaziergang auf und schlendern mit Hund Dixon im Schlepptau zum „La Playa Golflatz“. Nebenbei berichte ich von meinem Treffen mit Herrn Jeffrey und unke, dass man dem zigaretterauchenden Ganoven nicht über den Weg trauen kann. Edelbert gibt mir Recht und gibt vor, dass alle Rocker etwas auf dem Kerbholz haben – dem ist nichts hinzuzufügen.
11.45 Uhr Just als wir vor dem Haupttor der Golfanlage eintreffen, fährt plötzlich Scherriff Bradforts Polizeiwagen vor. Der Ordnungshüter schwingt sich behäbig aus seinem Chevrolet Silverado und lotet aus, ob wir die Schläger auf dem satten Grün schwingen wollen. Wir schütteln einhellig die Köpfe und geben vor, lediglich Hund Dixon auszuführen. Herr Bradfort wischt sich über die verschwitze Stirn und entgegnet, dass er im Vereinsheim einen wichtigen Informanten treffen wird – wie aufregend.


Wir treffen Sherriff Bradfort

12.30 Uhr Zurück im Willoughby Drive, verabschiede ich den Professor und freue mich auf ruhige Stunden. Bevor ich mir ein Päuschen gönne, fülle ich Dixons Napf mit Trockenfutter auf und fresse selbst ein Wurstbrot. Ausserdem schiele ich zu Frau Pontecorvos Zuhause und werde Zeuge, wie die Perle allerhand Freundinnen auf ihrer Terrasse bewirtet. Da ich keine Lust verspüre, mit den tratschenden Gänsen den Nachmittag zu verbringen, lasse ich die Rollos nach unten gleiten und falle dann aufs Kanapee – das tut gut.
13.30 Uhr Ich erwache ausgeruht und nutze die Nachmittagsstunden, um Anschnur zu gehen. Unter anderem arbeite ich Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher ab und lese zudem eine elektronische Depesche aus dem fernen Kanada. James hat auf meine Anfrage geantwortet und schreibt, dass er die Sommerferien nicht in Florida, sondern am Lake Simcoe verbringen wird – wie schade.


Die Kinder verbringen den Sommer am Lake Simcoe

14.30 Uhr Trotz aller Nackenschläge lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und geselle mich zum Vierbeiner in den Garten. Während ich ein süffiges Bier trinke, werfe ich den Rüden einen Tennisball zu und spiele mit der Idee, im Hochsommer nach Bayern auszufliegen, um Sandra sowie alte Kameraden wiederzusehen – das wäre schön.
15.15 Uhr Seufzend komme ich in die Gänge und mache es mir zur Aufgabe, die hochgewachsene Petersilie abzuernten. Während ich das Messer schwinge, kommt Frau Pontecorvo mit ihren tuschelnden Freundinnen daher und ermutigt mich, aus dem Doldengewächs ein leckeres Pesto zu zaubern. Darüber hinaus bringe ich in Erfahrung, dass die Weibsbilder am Abend ins Lichtspielhaus wandern werden – das soll mir auch Recht sein.
16.00 Uhr Nach getaner Arbeit kehre ich ins klimatisierte Haus zurück und nehme mir den Vorschlag meiner Nachbarin zu Herzen. Zungeschnalzend gebe ich die Petersilie mit Pinienkerne, Knoblauch und nativen Olivenöl in den Mixer und bereite im Handumdrehen eine lustige Pampe zu – wie gut das duftet.
17.00 Uhr Nachdem ich das feine Pesto in Einweckgläser abgefüllt habe, rufe ich Dixon ins Haus und koche unter den fordernden Blicken des Haustieres italienische Langnudeln auf. Schlussendlich verfeinere ich die Teigwaren mit der hausgemachten Sauce und lasse mir das Nachtmahl mit einem Glas Wein aus der Terrasse munden.


Prost

18.00 Uhr Als sich die Sonne hinter einer Palme verschwindet, räume ich den Tisch ab und nehme die Geschirrspülmaschine in Betrieb. Danach lege ich auf dem Sofa die Beine hoch und gebe mich den FOX Nachrichten hin.
19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit wähle ich das Programm von HBO aus und lasse beim abendfüllenden Spielfilm „Lost in Translation“ (löblich: Verloren in der Übersetzung) die Seele baumeln. Ich knabbere schmackhafte Kartoffelchips aus dem Hause Lay’s und tauche in das Leben eines Schauspielers ein, der in der japanischen Hauptstadt Pressetermine wahrnehmen muss.
21.00 Uhr Ein schöner Fernsehabend geht zu Ende und ich schalte die Glotze gähnend ab. Zu guter Letzt rufe ich Dixon ins Haus und lege mich schlafen. Gute Nacht.

24. Mai 2017 – Condoleezza Rice

08.00 Uhr Pünktlich zum Achtuhrläuten öffne ich die Augen und freue mich, einen weiteren Sonnentag im Rentnerparadies erleben zu dürfen – das ist prima.
08.30 Uhr Nach dem Frühsport fordere ich die AMAZON Lautsprechersäule auf, die kleine Villa mit prima Musik zu beschallen. ALEXA gehorcht mir aufs Wort und ich habe das Vergnügen, der aktuellen Kompaktscheibe des amerikanischen Ausnahmesängers John Moreland (31) zu lauschen. Während der Künstler seine Jugend in Oklahoma besingt, verabschiede ich mich ins Bad und lasse die Wirbelwanne mit Wasser volllaufen. Zudem rufe ich bei meinem Bruder an und erfahre, dass er die letzte Nacht auf einem wunderschönen Camping Ground (löblich: Wohnwagenplatz) an der Apalachee Bay verbracht hat. Georg ist begeistert und gibt mir zu verstehen, dass er gleich mit seiner Ehefrau nach Tallahassee kutschieren wird, um das alte Capitol (löblich: Rathaus) der Stadt zu besichtigen. Darüber hinaus vernehme ich, dass die lieben Leute am Nachmittag einen Spaziergang durch den weltbekannten „Alfred B. Maclay Garden“ unternehmen werden – das hört man gerne.


Meine Verwandten sind im Winnebago unterwegs

09.30 Uhr Nach Rosenöl duftend, hüpfe ich aus der Wanne und zögere nicht, mich ordentlich abzutrocknen und in Schale zu werfen. Anschliessend kontaktiere ich den Professor und kündige an, alsbald im Zentrum einzutreffen. Edelbert freut sich und sagt, dass er mich im Starbucks zum Frühstück erwarten wird – wie aufregend.
10.00 Uhr Just als Frau Gomez die Haustüre aufstösst, lasse ich den Autoschlüssel in meine Hosentasche wandern und rufe den Vierbeiner auf, mir nach draussen zu folgen. Meine Zugehfrau stellt sich mir jedoch in den Weg und unterbreitet, dass sie Waschpulver benötigt. Ich zucke mit den Schultern und entgegne, dass mir leider die Zeit fehlt, um im Supermarkt abzuschoppen. Um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen, schiebe ich die kleine Frau beiseite und laufe mit schnellen Schritten zum PS-strotzenden SUV.
10.45 Uhr Nach einer langen Parkplatzsuche kann ich den Chevrolet Suburban endlich vor dem besagten Kaffeehaus parken. Mit Dixon im Schlepptau eile ich in die Filiale und treffe Edelbert an einem Tisch mit Ausblick an. Weil mein Magen knurrt, fackle ich nicht lange und ordere zwei „Canadian Bacon & Egg Sandwiches“ (löblich: Kanadisches Schinken und Ei Brote) sowie einen grossen Becher „Veranda Blend“ Kaffee mit ganz viel Milch. Danach lasse mich neben dem Professor nieder und bringe heraus, dass er im Anschluss eine Buchhandlung aufsuchen möchte, um die neuerschienene Biografie „Democracy: Stories from the Long Road to Freedom“ aus Condoleezza Rices Feder zu kaufen. Ich mache grosse Augen und erinnere daran, dass die Negerin von 2005 bis 2009 Aussenministerin unter George W. Bush war und die Staaten Iran, Kuba, Myanmar, Nordkorea, Simbabwe und Weissrussland als „Vorposten der Tyrannei“ bezeichnet hat.


Frau Rice hat ein Buch geschrieben

11.45 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten stehen wir wieder auf der Strasse und statten dem Bookstore (löblich: Buchgeschäft) in der Nachbarschaft einen Besuch ab. Prompt werden wir fündig und vernehmen vom Geschäftseigentümer, dass der knapp 500 Seiten starke Wälzer mittlerweile die Bestsellerliste der „New York Times“ anführt. Ich überlege nicht lange und nehme mir ebenfalls ein Exemplar vom Regal.


Democracy von Condoleezza Rice

12.30 Uhr Nach dem Bezahlvorgang schlendern wir zum Auto und plaudern über dies und das. Prof. Kuhl reibt sich die Hände und meint, dass er sich nun die ersten Kapitel lesen wird. Ich schlage in die gleiche Kerbe und wünsche meinem Bekannten viel Vergnügen.
13.15 Uhr Zuhause angekommen, finde ich die kleine Villa redlichst herausgeputzt vor. Wie es sich gehört, fülle ich gesundes Trockenfutter in Dixons Napf und nehme mir das Recht heraus, eine Tiefkühlpizza im Ofen aufzubacken.
14.00 Uhr Ich lasse mir die Jause in der kühlen Wohnstube munden und blättere interessiert in Frau Rices Buch. Leider fallen mir schnell die Augen zu und ich sehe mich genötigt, die Beine auf dem Sofa hochzulegen.
15.00 Uhr Wenig später pocht Frau Pontecorvo an die Terrassentüre und erkundigt sich, ob sie mir beim Kaffeekränzchen Gesellschaft leisten darf. Ich nicke eifrig und mache mich augenblicklich am futuristischen DeLonghi Vollautomaten zu schaffen. Unterdessen wirft meine Nachbarin prüfende Blicke in die Memoiren der ehemaligen Aussenministerin und unkt, dass es mir schwer fallen muss, die englischen Fachbegriffe zu verstehen. Ich klopfe mir lachend auf die Schenkel und erwähne mit erhobenem Zeigefinger, dass mein Englisch perfekt ist.


Hund Dixon ist brav

16.00 Uhr Nachdem Frau Pontecorvo das Weite gesucht hat, breche ich mit dem Rüden zu einer Wanderung durch das Wohngebiet auf. Unter anderem schlendere ich am Haus von Herrn West vorbei und tratsche angeregt mit dem Ehemann der abgehalfterten Hollywooddiva Merryl Dench. Der Tattergreis lüftet seine Mütze und erzählt, dass seine Angetraute am Wochenende nach Los Angeles ausgeflogen ist – das soll mir auch Recht sein.
17.00 Uhr Wieder zurück in der kleinen Villa, schlüpfe ich aus den Flip Flops und gönne mir eine Hopfenkaltschale. Dazu gibt es ein mit Käse belegtes französisches Langbrot (unlöblich: Baguette) sowie köstliche Gurkenscheiben aus dem Glas – schmeckt gar nicht schlecht.


Ich schlüpfe aus den Flip Flops

18.00 Uhr Nach dem Nachtmahl mache ich es mir vor der Glotze bequem und schaue mir die Nachrichten an. Neben den üblichen Schreckensmeldungen aus dem alten Europa, lerne ich ausserdem, dass Morgen der „Ascension Day“ (löblich: Christi Himmelfahrt) gefeiert wird – wie schön.
19.00 Uhr Um auf andere Gedanken zu kommen, wechsle ich auf HBO und gebe mich dem Spielfilm „Complete Unknown“ (löblich: Komplett Unbekannt) hin. Ich staune Bauklötze und tauche in das Leben einer jungen Frau ein, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, ihre Mitmenschen Lügengeschichten aufzutischen – so ein Schmarrn.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Langeweile schalte ich den Flachbildschirm aus und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt lösche ich das Licht und falle übermüdet ins Bett. Gute Nacht.

22. Mai 2017 – Zurück im Sonnenscheinstaat

08.00 Uhr Die Amazon ECHO Musiksäule springt an und ich rolle mich gähnend aus dem Wasserbett. Während ich mir die Augen reibe, schlendere ich mit Dixon an die frische Luft und nehme mir das Recht heraus, die Morgengymnastik zu absolvieren. Ferner erkläre ich dem Vierbeiner, dass ich froh bin, die nervenaufreibende Forschungsreise nach Kalifornien unbeschadet überstanden zu haben. Der Rüde legt seinen Kopf schief und flitzt ausgelassen zum Teich, um seine Pfoten im kühlen Nass zu baden – wie schön.


In Kalifornien war es sehr aufregend

08.30 Uhr Wenig später kommt Herr Booth daher und lotet aus, ob ich spannende Abenteuer in San Franzisko erlebt habe. Ich nicke zustimmend und gebe vor, die „University of California“ erkundet und ausserdem auf den Spuren des sagenumwobenen Zodiac Killers gewandert zu sein – das war ganz schön aufregend.
09.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, die Seele bei einem Wirbelbad baumeln zu lassen. Ich wünsche dem Tattergreis einen schönen Tag und ziehe mich in die Nasszelle zurück. Während meine Glieder vom Sprudelwasser massiert werden, rufe ich bei Edelbert an und lote aus, ob wir im Stadtzentrum frühstücken wollen. Mein Bekannter schlägt die Einladung jedoch aus und setzt mich darüber in Kenntnis, dass er den Vormittag ausnutzen wird, um Wäsche zu waschen und mit seinem Sohn zu telefonieren – wie schade.
10.00 Uhr Um nicht selbst die wichtigste Mahlzeit des Tages vorbereiten zu müssen, statte ich Frau Pontecorvo einen Besuch ab. Meine Nachbarin haucht mir ein schmatzendes Bussi auf die Wange und lädt mich ein, mit ihr vitaminreiche Pfannkuchen zu essen. Ich lecke mir die Lippen und lasse mich prompt am Küchentisch nieder.


Ich beisse kraftvoll zu

10.30 Uhr Just als ich kraftvoll zubeisse und am Kaffeehaferl nippe, fährt Georgs Wohnmobil vor. Neugierig eile ich zur Pforte und lasse meine Verwandten wissen, dass ich bei Frau Pontecorvo bin. Die netten Leute folgen mir plappernd in die Küche und erzählen, dass sie sich kurzfristig entschlossen haben, einen Ausflug nach Tallahassee zu unternehmen. Bevor ich Widerworte einlegen kann, schnappt sich Georg mein Haferl und gönnt sich einen kräftigen Schluck. Nebenher berichtet Maria, dass sie am Abend in Tampa eintreffen und Tags darauf an der Apalachee Bay übernachten werden. Ich seufze laut und entgegne, dass ich gestern von einer spannenden Forschungsreise zurückgekehrt bin und mich ausser Stande sehe, schon wieder zu verreisen. Mein Bruder lacht laut und sagt, dass ich mich unter keinen Umständen dieser Reise anschliessen werde – wie unlöblich.
11.15 Uhr Kurz nach dem Elfuhrläuten verabschieden sich die Beiden und beteuern, dass sie spätestens am Samstag in Naples zurück sein werden. Wie es sich gehört, begleite ich die lieben Menschen zum WINNEBAGO und rate, vorsichtig zu fahren. Anschliessend kehre ich in die klimatisierte Stube zurück und lasse mir von Frau Pontecorvo weitere Pfannkuchen auf meinen Teller laden – schmeckt gar nicht schlecht.
11.45 Uhr Da im Eiskasten gähnende Leere herrscht, fasse ich den Entschluss, mich herzlich für die feinen Speisen zu bedanken und zum Supermarkt zu krusen. Mit einem lustigen Lied auf den Lippen scheuche ich Dixon zum Chevrolet und lausche während der kurzweiligen Autofahrt dem Qualitätsprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) – was kann es schöneres geben.


Katze Land – der beste Radiosender

12.15 Uhr Am Ziel angekommen, mache ich einem glatzköpfigen Rentner einen Einkaufswagen streitig und strebe dann durch die breiten Gänge, um Waren aller Art auszuwählen. Unter anderem erwerbe ich zwei Tiefkühlpizzas aus dem Hause Tombstone, etliche Tüten Lay’s Kartoffelchips sowie gesunde Erdnussbutter im Glas.
13.15 Uhr Nach geschlagenen sechzig Minuten werde ich an der Kasse vorstellig und erfahre, dass ich knapp 70 Dollars bezahlen muss. Missmutig krame ich meine GOLDEN HEAD Geldbörse aus der Hosentasche und informiere die Kassiererin, dass ich bald im Armenhaus landen werde – was muss ich denn noch alles ertragen.
13.30 Uhr Im Anschluss begebe ich mich mit Hund Dixon in die benachbarte „Dairy Queen“ Gaststätte und ordere an der Essensausgabe zwei Cheeseburger (löblich: Käseburger) mit Kartoffelstäben – das tut gut.


Auch zur Mittagszeit beisse ich kraftvoll zu

14.15 Uhr Redlichst gestärkt trete ich die Heimfahrt an und singe zum neuen Chris Stapleton Lied „Broken Halos“ (löblich: Gebrochene Heiligenscheine) laut mit. Zudem lerne ich, dass der 39jährige Musikant vor wenigen Wochen sein zweites Studiowerk „From A Room“ veröffentlicht hat – das hört man gerne.
15.00 Uhr Zuhause angekommen, räume ich die Lebensmittel in den Kühlschrank und falle dann erschöpft aufs Kanapee. Ich döse schnell ein und sehe mich im Traum auf den Campus der Berkeley Universität versetzt.
16.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und nutze den Nachmittag, um elektronische Briefe zu beantworten. Neben der Anschnurseelsorge, verfasse ich auch eine Depesche an James und frage nach, wann die Sommerferien beginnen werden. Darüber hinaus lade die jungen Leute ein, ihren Urlaub in Florida zu verbringen – das wäre eine Gaudi.
16.45 Uhr Nachdem ich die neuesten Gästebucheinträge überflogen habe, beende ich die Arbeit und breche mit Dixon zu einem Spaziergang durchs Wohngebiet auf. Ich werfe dem Lausbuben Stöckchen zu und ermutige ihn, die vorlauten Nachbarskinder Emily und Francis anzubellen – da kommt besonders grosse Freude auf.


Dixon geht Gassi

17.30 Uhr Völlig verschwitzt stosse ich die Haustüre auf und mache es mir zur Aufgabe, Dixons Napf mit Futter aufzufüllen. Anschliessend mache ich mich in der Küche nützlich und schiebe eine Fertigpizza ins Ofenrohr.
18.00 Uhr Ein stressiger Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Schnaufend räume ich das Geschirr in die Spülmaschine und verabschiede mich dann in den Feierabend. Wie es sich gehört, läute ich den Fernsehabend mit den FOX Nachrichten ein und informiere mich über die tagesaktuellen Geschehnisse in der Welt.
19.00 Uhr Zur Prime Time (löblich: Hauptfernsehzeit) nehme ich mit dem NETFLIX Programm Vorlieb und gebe mich dem Spielfilm „Handsome“ (löblich: Gut aussehend) hin. Die Kriminalkomödie erzählt von einem verwirrten Inspektor, der den heimtückischen Mord an einer Schauspielerin aufklären muss – wie aufregend.
20.30 Uhr Nach neunzig mässig spannenden Minuten flimmert der Abspann über die Mattscheibe. Ich betätige gelangweilt den „OFF“ (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung und rufe Dixon ins Haus. Danach reguliere ich die Klimaanlage und lege mich schlafen. Gute Nacht.

12. Mai 2017 – Dixon bleibt in Florida!

08.00 Uhr Pünktlich zum Achtuhrläuten schwinge ich mich aus dem Bett und erkläre meinem tierischen Mitbewohner, dass wir übermorgen nach San Franzisko ausfliegen werden. Wie es sich gehört, streichle ich dem Racker aufmunternd übers Fell und unterbreite, dass er etliche Stunden in einer Transportkiste verweilen muss.
08.30 Uhr Während sich Dixon mit hängendem Kopf in den Garten verabschiedet, schlendere ich ins Badezimmer und läute den Morgen mit einem Wirbelbad ein. Zudem rufe ich bei Frau Pontecorvo an und stelle klar, dass ich ihr beim Frühstück Gesellschaft leisten werde. Meine Nachbarin ist begeistert und sagt, dass sie augenblicklich beim Professor sowie bei meinen Verwandten anrufen und sie ebenfalls einladen wird – das soll mir Recht sein.


Mein Haustier: Hund Dixon

09.30 Uhr Eine Stunde später sprühe ich betörendes RP LOB Parfüm auf meine samtweiche Haut und hole ein farbenfrohes Hawaiihemd sowie eine grüne Leinenhose aus dem begehbaren Kleiderschrank. Danach kämme ich mir die Haare und statte Frau Pontecorvo einen Besuch ab. Zu meiner Freude sind Edelbert, Maria und Georg auch schon vor Ort und schlürfen genüsslich brühfrischen Bohnentrunk. Ich setze mich spornstreichs dazu und lade eine stattliche Portion Rühreier mit Speck auf meinen Teller.
10.00 Uhr Während ich kraftvoll zubeisse, erfahre ich von Georg, dass er in der kommenden Woche etwas Kürzer treten wird. Maria schlägt in die gleiche Kerbe und meint, dass es schlau wäre, Hund Dixon in Florida zu lassen. Natürlich winke ich sogleich ab und gebe zu Protokoll, dass mich der Vierbeiner selbstverständlich an die amerikanische Westküste begleiten wird. Mein Bruder will jedoch nicht hören und schlägt vor, dass Dixon während meiner Abwesenheit im Ferienhaus logieren könnte – das glaube ich kaum.


Wir besuchen die Universität in Berkeley

10.30 Uhr Just als Frau Pontecorvo selbstgebackenen Käsekuchen auftischt, meldet sich Edelbert zu Wort und sagt, dass es Dixon auf dem Campus der Berkeley Universität bestimmt nicht gefallen wird. Ich winke demonstrativ ab und weise auf die Tatsache hin, dass das Areal begrünt und mit unzähligen Bäumen bepflanzt ist. Trotzdem lassen meine Tischnachbarn nicht locker und ermutigen mich, meine Entscheidung zu überdenken – wie unlöblich.
11.00 Uhr Schlussendlich wende ich mich dem Rüden zu und stelle ihn vor die Wahl, nach Kalifornien zu reisen oder in Südflorida eine ruhige Kugel zu schieben. Das Haustier kratzt sich ausgiebig am Ohr und nimmt sich das Recht heraus, zu Maria zu traben und sich kraulen zu lassen – das ist also der Dank für Alles.
11.30 Uhr Nachdem wir aufgegessen haben, machen wir es uns im klimatisierten Wohnzimmer bequem und gönnen uns ein Gläschen Schaumwein aus dem Hause Veuve Clicquot. Unterdessen redet Georg weiter auf mich ein und verspricht, dass er stets ein wachsames Auge auf Dixon haben und täglich ausgedehnte Spaziergänge am Meer unternehmen wird. Ich seufze laut und zücke nach langem Überlegen die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry), um bei AMERICAN AIRLINES anzurufen und die gebuchte Transportbox zu stornieren. Anschliessend lasse ich das Telefon wortlos in meine Hosentasche wandern und spüle meine Kehle mit kräftigen Schlucken durch.


Meine praktische Schwarzbeere

12.30 Uhr Weil Dixon Gassi gehen möchte, bedanke ich mich für das Frühstück und ziehe es vor, mit meinem Liebling zum benachbarten La Playa Golfplatz zu spazieren. Während ich dem Fellträger Stöckchen zuwerfe, lasse ich ihn wissen, dass er bei Georg und Maria in besten Händen sein wird.
13.30 Uhr Zurück in der kleinen Villa, fülle ich Dixons Napf mit Trockenfutter auf und falle dann fix und foxi aufs Kanapee. Im Handumdrehen schlummere ich ein und träume von aufregenden Tagen im goldenen Westen.
14.30 Uhr Um nicht den ganzen Nachmittag auf der faulen Haut zu liegen, rapple ich mich auf und nehme am Schreibtisch Platz. Pflichtbewusst rufe ich elektronische Depeschen ab und bemerke, dass seit gestern gut zwei Dutzend Nachrichten von besorgten Erziehungsberechtigten eingetrudelt sind. Ich mache mich ohne zu Zögern ans Werk und rate den Eltern, mit der Jugend nicht zu zimperlich umzugehen – wo soll das noch hinführen.
15.15 Uhr Nachdem ich die Arbeit abgeschlossen habe, eile ich mit schnellen Schritten ins Schlafzimmer und mache es mir zur Aufgabe, Anziehsachen in den Rollkoffer zu verladen.
16.00 Uhr Schlussendlich stelle ich das Reisegepäck in den Gang und begleite Dixon nach draussen, um etwas Ball zu spielen. Ich werde prompt wehmütig und bin mir ziemlich sicher, dass ich den Hund während der bevorstehenden Forschungsreise vermissen werde.


Ein kühles Bier tut gut

17.00 Uhr Trotz aller Widrigkeiten lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und kehre alsbald ins Haus zurück, um in der Küche mit dem Kochlöffel zu schwingen. Weil ich noch eine Packung Spinat sowie etliche Eier im Eiskasten aufbewahre, fackle ich nicht lange und zaubere eine schmackhafte Mahlzeit. Dazu gibt es ein kühles Bier sowie einen vitaminreichen Tomatensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen.
18.00 Uhr Nachdem ich die praktische Geschirrspülmaschine knopfdrückend in Betrieb genommen habe, setze ich mich zu Dixon aufs Kanapee und gebe mich dem Fernsehprogramm hin. Als erstes fröne ich den FOX Nachrichten und bringe in Erfahrung, dass über das Wochenende mit Rekordtemperaturen zu rechnen ist – wie schrecklich.

19.00 Uhr Um auf andere Gedanken zu kommen, wechsle ich auf HBO und erfreue mich am abendfüllenden Spielfilm „The Legend of Tarzan“ (löblich: Die Legende von Tarzan). Ich knabbere gesunde Lays Kartoffelchips und werde Zeuge, wie Lord Greystoke mit seiner Angetrauten auf Einladung des belgischen Königs in den Kongo reist und sich dort für die Belange der gepeinigten Ureinwohner einsetzt – da kommt Spannung auf.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung betätige ich den OFF (löblich: AUS) Knopf auf der neumodischen Fernbedienung und lege mich schlafen. Gute Nacht.