20. Juni 2018 – Hall & Oates und Caribbean Village Festival

08.00 Uhr Ein neuer Tag bricht an und ich fühle mich prima. Weil ich längst nicht zum alten Eisen zähle, hüpfe ich spornstreichs aus dem Bett und trete auf die schattige Terrasse, um meine Glieder zu stählen. Unterdessen mache ich mir eigene Gedanken und komme zu dem Schluss, dass es angebracht wäre, meine Verwandten zum Frühstück in eines der angesagten Restaurants entlang der 5th Avenue einzuladen – man gönnt sich ja sonst nichts.
08.30 Uhr Nachdem ich mit Georg telefoniert habe, rufe ich Hund Dixon ins Haus und lasse ihn wissen, dass wir meinen Bruder und meine Schwägerin gegen 10 Uhr im “The Cafe” treffen werden. Im Anschluss eile ich juchzend in die Nasszelle und rufe während des Badevergnügens bei Prof. Kuhn an. Edelbert wird sogleich hellhörig und verspricht, ebenfalls vorbei zu kommen und grossen Hunger mitzubringen – das hört man gerne.


Katze Land – der beste Radiosender

09.30 Uhr Redlichst nach Rosenöl duftend, zwänge ich mich in modische Freizeitkleidung und schicke mich an, den Vierbeiner zum PS-strotzenden SUV zu scheuchen. Weil ich meine Zeit nicht gestohlen habe, lasse ich den Motor aufheulen und gleite zu stimmungsvollen WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radioklängen von dannen. Alsbald treffe ich im Zentrum ein und habe das grosse Glück, direkt an der Haupteinkaufsstrasse einen geeigneten Stellplatz für mein frischaufpoliertes KFZ zu ergattern – da kommt besonders grosse Freude auf.
10.00 Uhr Pünktlich auf die Minute betrete ich das gutbesuchte Frühstücksgasthaus und stelle mit grosser Freude fest, dass Edelbert sowie meine Verwandten auch schon vor Ort sind. Wie es sich gehört, lüfte ich meine NY YANKEES Kappe und lasse es mir nicht nehmen, neben Maria Platz zu nehmen und bei einem gestriegelten Ober ein grosses Frühstück mit Kaffee und O-Saft zu bestellen – schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.


Hall & Oates pörformen in Sunrise, FL

10.30 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, berichte Georg von seinen anstehenden Aktivitäten und erzählt, dass er Morgen mit seiner Ehefrau nach Miami krusen wird, um das Wochenende an Floridas Ostküste zu verbringen. Als ich genauer nachfrage, rückt mein Bruder mit der ganzen Wahrheit heraus und sagt, dass er nicht nur ein Konzert des Musikduos “Hall & Oates” im “BB&T Center” in Sunrise, FL besuchen, sondern sich auch auf dem weltbekannten “Caribbean Village Festival” in Lauderhill, FL vergnügen wird – das ist ja allerhand.
11.15 Uhr Im weiteren Verlauf unseres Zusammenseins bringe ich ausserdem heraus, dass Daryl Hall und John Oates in den 1970er und 1980er Jahren mit “Rich Girls” (löblich: Reiche Mädchen), “Kiss On My List” (löblich: Küssen ist auf meiner Liste), “Private Eyes” (löblich: Private Augen) und “Maneater” (löblich: Menschenfresser) etliche Nummer 1 Schläge (unlöblich: Hits) in den Vereinigten Staaten feiern konnten. Maria nickt eifrig und wirft ein, dass es ein Vergnügen werden wird, in Erinnerungen zu schwelgen und der schönen Musik des besagten Pop-Duos zu frönen. Obgleich ich mit skeptisch gebe und die netten Menschen aufrufe, lieber in Naples zu bleiben, lassen sie nicht mit sich reden und kündigen an, bereits Morgen früh auf grosse Reise zu gehen – das ist typisch.

11.45 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten begleiche ich die Zeche in Bar und breche mit meinen Tischnachbarn zu einem Stadtbummel auf. Unterdessen frage ich meine Schwägerin bezüglich des “Caribbean Village Festival” (löblich: Karibisches Stadtfest) aus und erfahre, dass es sich hierbei um eines der landesweit grössten Kulturfestivals handelt. Ich staune nicht schlecht und vernehme, dass auf dem vom PUBLIX Konzern gesponserten Fest nicht nur angesagte Sänger auftreten, sondern auch feine Speisen serviert werden – wie interessant.
12.45 Uhr Fix und foxi stehe ich wieder am Auto und lerne, dass Edelbert während der Nachmittagsstunden einen Handwerker in seiner Stadtwohnung erwarten wird. Der schlaue Mann rauft sich die Haare und unterbreitet, dass seine Toilette verstopft ist und er sich genötigt sieht, viel Geld für die Reparatur auszugeben. Schlussendlich schütteln wir Hände und ich hüpfe winkend in den SUV, um schnellstmöglich nach Hause zu rasen.
13.45 Uhr Zurück im Willoughby Drive, schleppe ich mich mit letzter Kraft ins Haus und freue mich, Putzperle Frau Gomez im Gang anzutreffen. Die kleinwüchsige Mexikanerin hievt den Staubsauger in die Abstellkammer und beteuert, dass sie den Hausputz nun beenden und nach Hause fahren wird. Ich stecke der Dame als kleine Aufmerksamkeit etwas Kleingeld zu und wünsche ihr einen ruhigen Nachmittag. Anschliessend schlüpfe ich aus den Schuhen und strecke auf dem Wohnzimmerkanapee die Beine aus – das tut gut.


Mein Zuhause unter Palmen

14.45 Uhr Ich erwache ausgeruht und nutze den Nachmittag, um Anschnur zu gehen. Als erstes rufe ich Depeschen besorgter Heimseitenbesucher ab und stosse dabei auf einen Brief meiner Mieterin. Sandra erinnert an ihren anstehenden Sommerurlaub und schreibt, dass sie in 10 Tagen in Naples eintreffen wird – wie furchtbar.
15.45 Uhr Nachdem ich Ratschläge zum Umgang mit Jugendlichen gegeben habe, gehe ich von der Leine und begleite Dixon in den Garten. Wie es sich gehört, bewässere ich die Pflanzen und tratsche mit Frau Pontecorvo. Meine Nachbarin legt beste Laune an den Tag und meint, dass ich Morgen zum Frühstück vorbei kommen kann.
16.45 Uhr Zum Abschluss des langen Tages mache ich mich in der Küche nützlich und brate ein T Knochen Schnitzel im heissen Fett heraus. Ausserdem zaubere ich einen farbenfrohen Beilagensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen und grünen Oliven – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nach dem Nachtmahl schalte ich die Glotze ein und gebe mich den FOX Nachrichten hin. Unter anderem vernehme ich, dass ein Hochdruckgebiet Kurs auf Westflorida genommen hat und uns zum Wochenende Temperaturen jenseits der 100°F Grenze bescheren wird – gleich platzt mir der Kragen.
19.00 Uhr Da im Fernsehen nur Unsinn läuft, nehme ich mit dem AMAZON Programm Vorlieb und schaue mir die erste Episode des nagelneuen Serienformates “Yellowstone” an. Das zehnteilige Fernsehspiel handelt von der Dutton-Familie, die am namensgebenden Nationalpark einen Bauernhof bewirtschaftet – da kommt Spannung auf.
21.00 Uhr Als nach einer Stunden der Abspann über die Mattscheibe flimmert, schalte ich mich weiter durchs AMAZON PRIME Angebot und bemerke, dass der weltgrösste Internetzdienstleister unzählige sehenswerte Hollywoodproduktionen im Programm hat. Da es aber viel zu spät ist, betätige ich den AUS Knopf auf der neumodernen Fernbedienung und lösche sämtliche Lichter. Zu guter Letzt reguliere ich die Klimaanlage und falle gähnend ins Bett. Gute Nacht.

19. Juni 2018 – Zu Besuch im Lowbank Drive

08.00 Uhr Wie jeden Tag, stehe ich auch heute um 8 Uhr auf. Da ich von meinen Verwandten erwartet werde, eile ich mit schnellen Schritten auf die Terrasse und absolviere die Morgengymnastik – das macht Spass.
08.30 Uhr Um meine Familienmitglieder nicht warten zu lassen, ziehe ich mich im Anschluss in die Nasszelle zurück und lasse die Seele bei einem erfrischenden Wirbelbad baumeln. Nebenher rufe ich kurzentschlossen im Lowbank Drive an und lasse meinen Bruder wissen, dass ich gegen 10 Uhr auf der Matte stehen werde. Georg ist hellauf begeistert und verspricht, dass Maria bis dahin ein reichhaltiges Frühstück vorbereitet wird – wie aufregend.


Das Ferienhaus im Lowbank Drive

09.15 Uhr Kurz nach dem Neunuhrläuten beende ich die Morgenwäsche und werfe mich in Schale. Zu guter Letzt halte ich im Garten nach Dixon Ausschau und bemerke, dass der Rüde seine Pfoten im trüben Teich gebadet hat. Mit rollenden Augen zerre ich den Frechdachs in die gute Stube und mache es mir zur Aufgabe, ihn mit einem Frotteehandtuch trocken zu reiben. Danach eile ich mit einem lustigen Lied auf den Lippen zum PS-strotzenden SUV und schicke mich an, meiner Familie einen Besuch abzustatten.
10.30 Uhr Wenig später komme ich vor dem Ferienhaus zum stehen und werden von Georg herzlich Willkommen geheissen. Der gute Mann lotst mich in den Garten und meint, dass das milde Wetter dazu einlädt, die wichtigste Mahlzeit des Tages im Freien einzunehmen. Ich nicke zustimmend und gebe Maria zu verstehen, dass ich grossen Durst mitgebracht habe und ein Glas O-Saft trinken möchte. Meine Schwägerin lässt sich nicht zweimal bitten und tischt neben frischaufgebrühtem Kaffee ausserdem eine Karaffe mit eiskaltem Orangennektar auf – das ist prima.
11.00 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, komme ich auf Sandras Sommerurlaub zu sprechen und informiere, dass das unterbelichtete Kind in 11 Tagen zu uns stossen wird. Natürlich gebe ich mich skeptisch und mutmasse, dass die Maid mein ruhiges Leben gehörig durcheinander bringen wird. Wie nicht anders zu erwarten, schlägt sich Maria an Sandras Seite und beteuert, dass meine Mieterin eine sehr freundliche Person ist – das glaube ich kaum.


Herr Wangs Motelbetrieb

12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, gesellt sich Herr Wang zu uns und erzählt, dass er die Morgenschicht in “Naples Manor Motel” leiten und sich mit koreanischen Gästen herumärgern musste. Der Asiate wischt sich demonstrativ über die Stirn und meint, dass er zur Mittagszeit von seiner Tochter Carol im Büro abgelöst wurde. Ich schenke dem lustigen Mann ein Lächeln und setze ihn darüber in Kenntnis, dass alsbald Sandra im Sonnenscheinstaat eintreffen wird. Der Motelbesitzer schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und wirft ein, dass es kein Vergnügen werden wird, den Frechdachs in meiner kleinen Villa zu beherbergen – wie wahr.
13.00 Uhr Weil Georg mit Herrn Wang zum Golfplatz krusen möchte, fährt Maria zum Abschluss des Frühstücks gefrorenen Joghurt (unlöblich: Frozen Yoghurt) auf und lädt uns ein, am Abend mit ins Lichtspielhaus zu kommen. Georg reibt sich die Hände und sagt, dass der Kriminalfilm “Gotti” gezeigt wird. Obgleich mich das Leben des Mafiascheffs John Gotti sehr interessiert, winke ich ab und stelle klar, dass ich Besseres zu tun habe.
13.45 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, der geselligen Runde Lebewohl zu sagen und die Heimfahrt anzutreten. Gutgelaunt scheuche ich Dixon zum Auto und presche zu stimmungsvoller WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radiountermalung gen Norden davon.


Der beste Radiosender

14.30 Uhr Zuhause angekommen, falle ich erschöpft aufs Kanapee und lege die Beine hoch. Im Handumdrehen döse ich ein und träume von meinem letzten Kanadabesuch – das war ein Spass.
15.30 Uhr Nach einer Stunde rolle ich mich vom Kanapee und verspüre kaum Lust, die Anschnurseelsorge zu erledigen. Stattdessen schnappe ich mir die Hundeleine und breche mit dem Haustier im Schlepptau zu einem Spaziergang durchs Wohngebiet auf. Während ich zum “La Playa” Golfplatz schlendere, bimmelt plötzlich das Telefon und Edelbert erzählt, dass er sich Mittags mit Frau Brandie Cream getroffen hat. Mein Bekannter kommt aus dem Plappern gar nicht mehr heraus und berichtet, dass das ehemalige Nacktmodell mittlerweile mit beiden Beinen im Leben steht und bald einen eigenen Schönheitssalon im Zentrum eröffnen wird – das kann mir nur Recht sein.
16.30 Uhr Mit knurrendem Magen stosse ich die Haustüre auf und bereite das Nachtmahl vor. Um nicht stundenlang am heissen Herd stehen zu müssen, verfrachte ich eine TOMBSTONE Tiefkühlpizza ins Backrohr und zaubere dazu einen vitaminreichen Gurkensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen und etwas Dill – wie gut das duftet.


Ich beisse kraftvoll zu

17.30 Uhr Nach der schmackhaften Jause bette ich mich im Wohnzimmer zur Ruhe und mache mich auf FOX über die Neuigkeiten des Tages schlau. Unter anderem lerne ich, dass just heute vor 171 Jahren das erste amerikanische Postschiff den europäischen Kontinent erreicht hat – das ist mir Wurst.
19.00 Uhr Nachdem ich mir die Wettervorhersage angeschaut habe, wechsle ich auf den Filmkanal AMC, um mir das Siedlerdrama “Brimstone” anzuschauen. Die amerikanische Filmproduktion versetzt mich ins 19. Jahrhundert und ich werde Zeuge, wie ein verrückter Prediger die Einwohner einer Kleinstadt terrorisiert – das ist ja allerhand
21.15 Uhr Als der Abspann über die Mattscheibe flimmert, beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt lösche ich sämtliche Lichter und lege mich schlafen. Gute Nacht.

16. und 17. Juni 2018 – Amerika, ich komme

Hallo Freunde der Nacht,

wie ihr sicher wisst, werde ich am 1. Juli nach Amerika düsen und meinen Vermieter in Florida besuchen 🙂

Als EU-Bürger ist man übrigens verpflichtet, nicht nur bei Geschäfts-, sondern auch bei Urlaubsreisen vor Reiseantritt eine sogenannte ESTA (Electronic System for Travel Authorization) Genehmigung zu beantragen. Mit Verabschiedung des neuen amerikanischen Einwanderungs- und Staatsangehörigkeitsgesetzes ist es den Behörden nun erlaubt, die Daten der Reisenden mit den amerikanischen Fahndungs- und Strafverfolgungslisten abzugleichen.

Natürlich habe ich mich schon um eine ESTA-Genehmigung gekümmert und wurde mit 14$ zur Kasse gebeten. Beim Ausfüllen muss man seinen kompletten Namen, Geburtsdatum, den Namen beider Eltern, Informationen zum Reisepass, E-Mail Adressen, private Telefonnummern, Reiseinformationen, Adresse des Arbeitgebers sowie Nutzernamen und Adressen von Sozialen Medien preisgeben …

Ausserdem ist man gezwungen, komische Fragen wie zum Beispiel “Leiden Sie an einem körperlichen oder geistigen Gebrechen; missbrauchen Sie Drogen oder sind Sie drogensüchtig” oder “Wurden Sie jemals verhaftet oder eines Verbrechens überführt, das zu ernsthaften Sachschäden oder gravierenden Schäden für andere Personen oder Regierungsbehörden geführt hat?” zu beantworten. Nur gut, dass ich alle Fragen mit NEIN beantworten konnte 🙂


Bald bin ich in Florida

Trotz des grossen Aufwands freue ich mich riesig, endlich wieder die United States of America besuchen zu dürfen. Ich werde die Tage im Sunshine State sehr geniessen, Sonne tanken, Budweiser schlürfen und natürlich auch viele amerikanische Serien sehen.

Okay, jetzt ruft mich der Biergarten. Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende.
Sandra

14. Juni 2018 – Frühstücksflocken und Konserven

08.00 Uhr Das Telefon bimmelt und ich vernehme Edelberts Stimme im Rohr. Mein Bekannter legt beste Laune an den Tag und möchte wissen, ob ich ihn zum Supermarkt begleiten möchte. Weil ich nichts besseres zu tun habe, willige ich ein und verspreche dem schlauen Mann, dass ich gegen halb Elf an der PUBLIX Markthalle sein werde. Darüber hinaus komme ich auf Georg und Maria zu sprechen und berichte, dass die beiden gestern zu einem Ausflug ins Landesinnere aufgebrochen sind. Mein Gesprächspartner löchert mich mit Fragen und meint, dass wir dem Beispiel meiner Verwandten folgen und ebenfalls verreisen sollten – das werden wir erst noch sehen.
08.30 Uhr Nachdem ich meine ausgetrocknete Kehle mit einem kräftigen Schluck Limonade durchgespült habe, eile ich in die Nasszelle und entspanne mich bei einem Wirbelbad – das tut gut.
09.30 Uhr Nach dem Badespass schlüpfe ich in modische Freizeitkleidung und statte meiner Nachbarin einen Besuch ab. Frau Pontecorvo begrüsst mich herzlich und zögert nicht, mich zu Kaffee und Kuchen herein zu bitten. Ich nehme die Einladung freudestrahlend an und mache mich über ein Stück Apfelkuchen her. Nebenbei merke ich an, dass ich unter enormen Zeitdruck stehe und Edelbert in einer Stunde im Supermarkt treffen werde. Meine Nachbarin wird spornstreichs hellhörig und bittet mich, nach preiswertem Waschmittel Ausschau zu halten – jaja.


Es gibt Kuchen – wie aufregend

10.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 10 zugeht, nehme ich einen letzten Schluck Bohnentrunk und fasse den Entschluss, nun zum PUBLIX zu krusen und ordentlich abzuschoppen. Ich bedanke mich artig für die Jause und lasse die Perle wissen, dass ich neben Produkten des täglichen Bedarfs auch Getränke, Schokolade sowie Obst einkaufen werde – was das wieder kostet.
11.30 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise, erreiche ich endlich mein Ziel und kann den PS-strotzenden SUV direkt neben Edelberts schneeweissen JEEP abstellen. Während Dixon im Auto wartet, folge ich Edelbert in den klimatisierten Flachbau und mache einer störrischen Kundin (78) mit hellblauen Haaren einen Einkaufswagen streitig. Danach nehme ich an Edelberts Seite die Sonderangebote in Augenschein und stelle fest, dass weit und breit keine Schnäppchen zu finden sind. Trotz alledem lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und verlade günstige Äpfel aus dem Nachbarstaat Georgia, Kelloggs Frühstücksflocken, Kartoffeln aus Idaho sowie diverse Konserven in den klapprigen Einkaufswagen – gleich platzt mir der Kragen.


Ich schoppe ordentlich ab

12.15 Uhr Während sich immer mehr Lebensmittel ansammeln, erzähle ich meinem Begleiter, dass Georg und Maria bis zum Sonntag nicht nur die schöne Stadt Gainesville im Alachua County besuchen, sondern sich auch das sogenannte “Castillo de San Marcos” Denkmal in St. Augustine an Floridas Ostküste anschauen wollen. Mein Begleiter nickt eifrig und belehrt, dass das lustige Fort einst von den Spaniern erbaut und zwischen 1763 bis 1784 unter britischer Besetzung stand – das soll mir auch Recht sein.
12.45 Uhr Nachdem wir dem PUBLIX Konzern ein stattliches Sümmchen beschert haben, steuere ich als nächstes eine McDonalds Schnellessfiliale an und lade meinen Bekannten zu einer kleinen Brotzeit ein. Mit dem Vierbeiner im Schlepptau werden wir an der Essensausgabe vorstellig und ordern neben gesunden Kartoffelstäben, fettigen Burgern und Beilagensalaten auch grosse Diät Cola Becher – das gibt ein Festessen.


Ich beisse kraftvoll zu

13.15 Uhr Redlichst gestärkt trete ich die Heimreise an und freue mich auf ruhige Stunden in der kleinen Villa. Um für gute Laune zu sorgen, drehe ich das Radiogerät etwas lauter und fröne stimmungsvollen Landmusikschlägen.
14.00 Uhr Schnaufend treffe ich zu Hause ein und mache es mir zur Aufgabe, die zentnerschweren Einkaufstüten in die kleine Villa zu schleppen. Währenddessen verabschiedet sich Dixon in den Garten der Nachbarn und schreckt nicht davor zurück, eine knietiefe Grube im Rosenbeet auszubuddeln – das macht Spass.
14.30 Uhr Nachdem ich die Waren sorgsam im Eiskasten verstaut habe, schlüpfe ich aus den schweren Kuhjungenstiefeln (unlöblich: Cowboy Boots) und falle erschöpft aufs Kanapee. Um etwas Ruhe zu bekommen, strecke ich genüsslich die Beine aus und schliesse die Augen – das tut gut.
15.30 Uhr Ich erwache ausgeruht und fülle den Napf meines braven Haustieres mit Trockenfutter auf. Ausserdem spähe ich neugierig auf meine wertvolle ROLEX und bemerke, dass es für das Abendessen noch zu früh ist. Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, klatsche ich in die Hände und animiere den Rüden, mich zum nahegelegenen “La Playa” Golfplatz zu begleiten.
16.00 Uhr Mit einem lustigen Lied auf den Lippen schlendere ich durch das Wohngebiet und nehme mir das Recht heraus, Georg anzurufen und mich nach seinem Aufenthaltsort zu erkundigen. Mein Bruder steht mir artig Rede und Antwort und kündigt an, dass er die Nacht in einem “Motel 8” in Gainesville verbringen wird – wie schön.
17.00 Uhr Zurück in der kleinen Villa, mache ich mich in der Küche nützlich und hantiere mit einer Pfanne. Ruckzuck brate ich Fischstäbe heraus und nehme ausserdem mit Bratkartoffeln Vorlieb – wie gut das duftet.


Es ernähre mich sehr gesund

18.00 Uhr Nach dem Nachtmahl nehme ich seufzend auf dem Sofa platz und gebe mich den Nachrichten auf FOX hin. Unter anderem bringe ich heraus, dass Morgen mit dem sogenannten “Flag Day” (löblich: Flaggentag) die amerikanisch Flagge geehrt wird – wie aufregend.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit wechsle ich auf Showtime und erfreue mich am nervenaufreibenden Gruselfilm “The Haunting” (auf deutsch: Das Geisterschloss). Der Lichtspielhauserfolg aus dem Jahre 1999 handelt von mehreren unterbelichteten Personen, die im Rahmen einer Studie über Schlafstörungen auf das verwunschene Landhaus “Hill House” eingeladen werden – wie unheimlich.
21.00 Uhr Als nach einhundertzwanzig Minuten der Abspann über den Flachbildschirm flimmert, atme ich tief durch und beende den Fernsehabend. Zu guter Letzt wünsche ich Dixon angenehme Träume und lege mich schlafen. Gute Nacht.

12. Juni 2018 – Wir schuften im Garten

08.00 Uhr Ich öffne die Augen und fühle mich wegen des subtropischen Klimas wie gerädert. Trotz der grossen Hitze schwinge ich mich pflichtbewusst aus dem Bett und läute den Morgen mit dem Frühsport auf der Terrasse ein. Nebenher tratsche ich mit Herrn Booth und vernehme, dass seine Nichte Melody bald in Naples eintreffen und einige Wochen im Nachbarhaus wohnen wird. Der Vietnamveteran versorgt mich mit Fakten und erzählt, dass die 34jährige immer noch im “Grossen Apfel” (unlöblich: Big Apple) als Karikaturistin arbeitet und mittlerweile beim renommierten “Condé Nast Verlag” angestellt ist. Ich mache grosse Augen und erinnere mich, dass in besagtem Verlagshaus unter anderem das “New Yorker” Magazin erscheint – wie aufregend.
08.30 Uhr Weil mein Magen eigenartige Knurrlaute von sich gibt, kehre ich schnaufend in die kleine Villa zurück und nehme die futuristische DeLonghi Kaffeemaschine in Betrieb. Danach verschwinde ich im Bad und entspanne mich bei einem erfrischenden Wirbelbad – da kommt Freude auf.


Mein Zuhause unter Palmen

09.30 Uhr Just als ich mich abtrockne, klingelt es an der Türe und ich kann Georg und Maria herzlich Willkommen heissen. Meine Verwandten begrüssen mich überschwänglich und präsentieren eine prallgefüllte Gebäckschachtel aus der “Biscotti Farrugia” Bäckerei. Wie es sich gehört, winke ich die netten Menschen herein und lasse mir spornstreichs ein mit Sahne und Früchten gefülltes Cannoli schmecken.


Cannolis schmecken prima

10.00 Uhr Während wir die wichtigste Mahlzeit des Tages in der klimatisierten Stube einnehmen, kommt mein Bruder auf seinen morgendlichen Abstecher in den “Home Depot” Baumarkt zu sprechen und verrät, dass er sich eine nagelneue Heckenschere geleistet hat. Meine Schwägerin nickt eifrig und ermutigt mich, die Kletterrosen an der Hausfassade schleunigst zu stutzen. Bevor ich antworten kann, fällt mir Georg ins Wort und beteuert, dass er grosse Lust hätte, mir bei der Gartenarbeit zur Hand zu gehen – das hat gerade noch gefehlt.
11.00 Uhr Nach der Jause flitzt Georg wie vom Blitz getroffen zu seinem JEEP, um die Gartenschere hervorzuholen. Ich rolle demonstrativ mit den Augen und bemerke, dass das Schneidewerkzeug mit einer gehärteten Klinge sowie mit besonders stabilen Profilgriffen ausgestattet ist. Georg schenkt mir ein Lächeln und macht es sich zur Aufgabe, die abgestorbenen Triebe des Rosengewächs zu stutzen. Unterdessen drücke ich Maria einen Besen in die Hand und beauftrage sie, den Eingangsbereich zu kehren – immerhin kann ich mich nicht um alles kümmern.
11.30 Uhr Während meine Verwandten bei schweisstreibenden 90°F (31°C) hart schuften, genehmige ich mir ein Bier und statte Frau Pontecorvo einen Besuch ab. Ich treffe meine Nachbarin in der Küche an und werde Zeuge, wie sie eine vitaminreiche Eistorte aus dem Kühlschrank holt. Die Perle leckt sich die Lippen und meint, dass sie nun Kaffee aufbrühen und Georg sowie Maria zu einem geselligen Kränzchen einladen wird – das soll mir Recht sein.


Georg und Herr Wang spielen Golf

12.30 Uhr Kurz nach dem Mittagsläuten winke ich die Beiden zum Nachbarshaus und merke an, dass wir am Nachmittag den Rasen mähen und abgefallene Palmwedel aufsammeln könnten. Georg schüttelt jedoch den Kopf und kündigt an, dass er gegen 15 Uhr mit Herrn Wang auf dem Golfplatz verabredet ist. Darüber hinaus redet Maria ohne Unterlass auf mich ein und verdeutlicht, dass morgen ein weiterer Ausflug ansteht. Ich spitze die Ohren und lerne, dass meine Verwandten ins Landesinnere krusen wollen – das ist mir Wurst.
13.45 Uhr Nachdem die netten Leute das Weite gesucht haben, wünsche ich Frau Pontecorvo einen geruhsamen Nachmittag und verabschiede mich nach nebenan. Gähnend bette ich mich auf dem Kanapee zur Ruhe und döse prompt ein, um von meinem Abstecher zur Berkeley Universität zu träumen – das war eine Gaudi.
14.45 Uhr Ich werde alsbald durch lautes Bellen geweckt und sehe mich genötigt, die Terrassentüre zu öffnen. Während Dixon behäbig in den Garten trabt, nehme ich kaffeeschlürfend am Schreibtisch Platz und nutze die Ruhe, um mich der wichtigen Anschnurseelsorge hinzugeben. Obgleich es unerträglich heiss ist, nehme ich die unzähligen elektronischen Briefe in Augenschein und helfe, wo ich nur kann.


Hund Dixon ist brav

15.45 Uhr Sechzig Minuten später beende ich die Anschnursitzung und breche mit dem Vierbeiner zu einem erquickenden Gassigang durchs Wohngebiet auf. Unter anderem passiere ich das heruntergekommene Zuhause von Familie Connor und werde Zeuge, wie der jüngste Spross der asozialen Familie Photos mit seinem Handtelefon knipst. Natürlich spreche ich Francis sogleich an und lasse ihn wissen, dass er weder mich, noch mein kultiviertes Eigenheim ablichten darf – wo kämen wir denn da hin.
16.45 Uhr Endlich bin ich wieder dahoam und mache mich in der Küche nützlich. Ich erwärme tiefgefrorenen Spinat und zaubere dazu köstliche Bratkartoffeln und Spiegeleier – wie das duftet.
17.45 Uhr Nach der Jause fülle ich ROYAL CANIN Trockenfutter in Dixons Napf und vergesse auch nicht, die Geschirrspülmaschine knopfdrückend in Betrieb zu setzen – Ordnung und Sauberkeit sind mir sehr wichtig.
18.15 Uhr Ein anstrengender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Da mein Rücken von der Gartenarbeit schmerzt, falle ich erschöpft aufs Wohnzimmerkanapee und schaue mir die Nachrichten an. Ferner telefoniere ich mit Edelbert und informiere, dass ich heute viel um die Ohren hatte. Der schlaue Mann zeigt Verständnis und schlägt vor, dass wir uns morgen zum Frühstück treffen könnten – das hört sich verlockend an.

19.00 Uhr Nachdem ich auf den neuesten Stand gebracht wurde, wechsle ich auf HBO und erfreue mich am Gruseldrama “Cargo”. Während das Bier in Strömen fliesst, tauche ich in die Welt von Andy und Kay ein, die mit ihrer Tochter nach einer Zombie-Apokalypse zurückgezogen auf einem Hausboot leben – das ist ja allerhand.
21.00 Uhr Nach zwei Stunden schalte ich die Glotze gähnend aus und führe Hund Dixon noch einmal durch den Garten. Anschliessend lösche ich das Licht und lege mich schlafen. Gute Nacht.