28. März 2017 – Ein Brief von Guido

08.00 Uhr Ich öffne die Augen und freue mich, einen weiteren Tag unter Floridas Sonne geniessen zu dürfen. Ächzend rolle ich mich aus dem Bett und eile nach draussen, um die Milchflaschen, die Morgenzeitung sowie die Briefpost hereinzuholen. Im Anschluss führe ich auf der Terrasse die Morgengymnastik durch und summe die Melodie von der „launischen Forelle“ – was kann es schöneres geben.
08.30 Uhr Während sich Hund Dixon am Teich vergnügt, lasse ich die Seele bei Wirbelbad baumeln. Unterdessen sehe ich die Post durch und stosse neben unzähligen Werbedepeschen auch auf einen Brief. Ich reisse den Umschlag spornstreichs auf und werde prompt von einer Schwindelattacke heimgesucht.


Das schwarze Schaf der Familie

08.45 Uhr Nachdem sich mein Pulsschlag normalisiert hat, überfliege ich die handschriftlich aufgesetzten Zeilen und ärgere mich sehr über Guidos Frechheiten. Das schwarze Schaf der Familie lässt mich in seinem Pamphlet wissen, dass es aus der Vergangenheit gelernt hat und längst auf den Pfad der Tugend zurückgekehrt ist. Ferner entschuldigt der Kerl sich für seine Taten und schreibt, dass er mir niemals mehr etwas Böses antun wird. Ich komme aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus und lese weiter, dass der Verbrecher im Sommer nach Amerika ausfliegen und im Rahmen eines persönlichen Gesprächs alle Unstimmigkeiten aus der Welt schaffen möchte – wie unlöblich.
09.30 Uhr Nach dem Badespass schenke ich mir einen Whiskey ein und nehme in der Hollywoodschaukel platz, um den Brief noch einmal zu lesen. Leider wird die Ruhe alsbald durch Frau Pontecorvo gestört. Meine Nachbarin winkt mir aufgeregt zu und lädt mich ein, nach nebenan zu kommen.


Ich ertränke meine Probleme im Alkohol

10.00 Uhr Ich leiste Frau Pontecorvo bei der wichtigsten Mahlzeit des Tages Gesellschaft und mache mich wortlos über ein Stück Käsekuchen her. Währenddessen redet meine Gastgeberin ohne Punkt und Komma auf mich ein und vertellt, dass sie am Wochenende nach Jacksonville reisen und ihre Freundin besuchen wird. Ich seufze laut und entgegne, dass ich gleich einen Makler kontaktieren und mein Eigenheim zum Verkauf anbieten werde. Darüber hinaus überreiche ich der kleinen Frau Guidos Brief und stelle klar, dass ich in Naples nicht mehr in Sicherheit bin. Meine Tischnachbarin macht grosse Augen und meint, dass ich positiv in die Zukunft blicken und mich mit Guido aussprechen sollte. Ich zeige meiner Bekannten den Vogel und unterbreite, dass ich noch heute mein Ränzlein schnüren und im Reservat der Seminolen Indianer Asyl suchen werde.
11.00 Uhr Wenig später werden wir Zeugen, wie Herr Leonardos verrosteter Pritschenwagen vorfährt. Der muskelbepackte Gärtner rollt seinen Rasenmäher auf mein Grundstück und macht es sich zur Aufgabe, die hochgewachsene Wiese zu trimmen. Zeitgleich schenke ich mir etwas Kaffee nach und mache Frau Pontecorvo auf den Umstand aufmerksam, dass es zwischen mir und Guido niemals eine Aussprache geben wird.


Mein Zuhause unter Palmen

11.45 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten reiche ich meiner Nachbarin die Hand und wünsche ihr einen schönen Nachmittag. Danach kehre ich deprimiert in die kleine Villa zurück und trinke ein kühles Bier. Nebenher tippe ich Edelberts Nummer in die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) ein und erzähle dem schlauen Mann, dass mir Guido einen Brief geschickt hat. Der Professor wird sogleich hellhörig und bittet mich, das Niedergeschriebene vorzulesen. Ich fackle nicht lange und lege anschaulich dar, dass Elsbeths Sohn irgendetwas im Schilde führt. Edelbert gibt mir Recht und meint, dass es angebracht wäre, eine Schrotflinte zu kaufen – das ist gar keine schlechte Idee.
12.30 Uhr Da Dixon langsam unruhig wird, nehme ich ihn an die Leine und breche zu einem lustigen Spaziergang auf. Nebenbei mache ich mir eigene Gedanken und ringe mich dazu durch, mir Rat von meinem Bruder zu holen. Während wir am Zaun des „La Playa“ Golfplatzes entlang spazieren, rufe ich im fernen Toronto an und lasse auch Georg an meinen Problemen teilhaben. Mein Bruder kommt aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und berichtet, dass er am heutigen Morgen ebenfalls ein Entschuldigungsschreiben erhalten hat – wie schrecklich.
13.00 Uhr Nachdem ich erfahren habe, dass meine Verwandten am 3. April in Naples eintreffen werden, beende ich das Gespräch und statte dem Golfvereinsheim einen Besuch ab. Völlig verschwitzt lasse ich mich auf der Terrasse nieder und ordere einen erfrischenden „Arnold Palmer“ sowie einen saftigen Hamburger mit Fritten. Um auch Dixon etwas Gutes zu tun, fordere ich den gestriegelten Kellner auf, etwas Speck aufzutischen.


Ich trinke einen Arnold Palmer

14.00 Uhr Redlichst gestärkt mache ich mich auf den Heimweg und werfe Dixon Stöckchen zu. Zudem blicke ich skeptisch zum Himmel und registriere, dass sich im Westen dunkle Wolken zusammenbrauen – wie unlöblich.
14.45 Uhr Zuhause angekommen, fülle ich den Napf meines Haustiers mit Futter auf und falle dann aufs Kanapee.
15.45 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und fülle meine Hahn und Henne Tasse mit Bohnentrunk auf. Anschliessend setze ich mich an den Schreibtisch und recherchiere im Internetz nach einem örtlichen Waffengeschäft, in dem grosskalibrige Schusswaffen feilgeboten werden. Prompt werde ich fündig und fasse den Entschluss, den morgigen Tag zu nutzen, um mir eine Selbstladeflinte aus dem Hause MERCURY zuzulegen.
16.30 Uhr Nachdem ich die Anschnurseelsorge erledigt habe, schenke ich mir ein eiskaltes Budweiser hinter die Binde und schiebe eine Thunfischpizza in den Backofen – wie gut das duftet.
17.30 Uhr Zum Abschluss des Tages telefoniere ich erneut mit Edelbert und lade ihn ein, mich in den nächsten Tagen zum „Smokin‘ Gunshop“ zu begleiten. Edelbert nickt eifrig und sagt, dass er gerne mitkommen wird.
18.15 Uhr Endlich kann ich es mir in der klimatisierten Stube bequem machen und den FOX Abendnachrichten frönen. Der Moderator berichtet über einen heimtückischen Terroranschlag in Afghanistan und meldet, dass feige Talibanheinis in Kabul mindestens 45 Menschen getötet haben.

19.00 Uhr Um auf andere Gedanken zu kommen, nehme ich zur besten Sendezeit mit dem NETFLIX Programm Vorlieb und schaue mir einige Episoden der Serie „Love“ (löblich: Liebe) an. Ich tauche in das Leben der jungen Mickey ein, die trotz intensiver Suche keinen geeigneten Lebenspartner finden will – da kommt Freude auf.
21.00 Uhr Nach zweistündigem Dauerlachen schalte ich die Glotz aus und unternehme mit Dixon einen kleinen Spaziergang durch den Garten. Anschliessend verriegle ich die Haustüre und lege mich ins Bett. Gute Nacht.

24. März 2017 – Ein Hai am Barfuss Strand

08.00 Uhr Ich werde durch ein schönes Elvis Presley Lied geweckt und fühle mich blendend. Ruckzuck rolle ich mich aus dem Wasserbett und fordere die AMAZON ECHO Lautsprechersäule auf, weitere Lieder des „King of Rock’n Roll“ (löblich: König des Rock und Rolls) zu spielen – was kann es schöneres geben.
08.30 Uhr Nachdem ich meine eingerosteten Glieder zur stimmungsvollen Komposition „Devil in Disguise“ (löblich: Teufel in Verkleidung) gelockert habe, stelle ich die Kaffeemaschine ein und verabschiede mich in die Nasszelle. Beschwingt lasse ich die Wanne mit Wasser volllaufen und blättere nebenher in der Tageszeitung. Ich überfliege wissbegierig die aktuellen Neuigkeiten aus dem Collier County und lerne, dass Wanderer am Barefoot Beach (löblich: Barfuss Strand) ein Hai gesichtet haben. Ich staune Bauklötze und fasse den Entschluss, diesen Strandabschnitt in Zukunft zu meiden – wo soll das noch hinführen.


Hilfe, ein Haifisch

09.30 Uhr Just als ich vor den Spiegel trete und mich ankleide, stösst Frau Gomez die Haustüre auf und plappert, dass sie nun die kleine Villa auf Vordermann bringen wird. Ich gebe mich skeptisch und erkundige mich, warum die Arbeiten nicht schon am Mittwoch erledigt wurden. Die Putzfrau gibt sich kleinlaut und entgegnet, dass sie wegen einer Bronchitis leider etwas kürzer treten musste. Ferner erfahre ich, dass mir die Perle eine WhatsÄpp Depesche zugesendet und ihr Kommen für heute angekündigt hat – das kann jeder behaupten.
10.00 Uhr Während sich meine Zugehfrau um die Wäsche kümmert, lasse ich mich am Küchentisch nieder und trinke zur wichtigsten Mahlzeit ein Gläschen Schaumwein. Darüber hinaus telefoniere ich mit Edelbert und merke an, dass ich alsbald zu Bob’s Liquor Store rasen und Weissbier einkaufen werde. Der Professor wimmelt mich jedoch ab und meint, dass er heute Frau Brandie Cream zum Lunch (löblich: Mittagessen) treffen wird – jaja.
10.30 Uhr Nachdem ich mich gestärkt habe, sehe ich im Badezimmer nach dem Rechten und bitte die fleissige Putzperle, nicht nur den grossen Spiegel auf Hochglanz zu bringen, sondern auch die Badewanne zu reinigen. Anschliessend lüfte ich meine NY YANKEES Kappe und gebe zu Protokoll, dass ich nun Getränke einkaufen werde.


Ich schoppe ordentlich ab

11.00 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise im PS-strotzenden Chevrolet Suburban treffe ich endlich am Ziel ein und habe das Vergnügen, Herrn Bob höchstpersönlich hinter der Registrierkasse anzutreffen. Weil sich nur wenige Kunden im Geschäft tummeln, begleitet mich der Alkoholfachmann durch die Gänge und berichtet, dass er seit Kurzem Geschmack an Wodka gefunden hat. Zu allem Überfluss hält mir Herr Bob eine Flasche „Grey Goose“ vors Gesicht und beteuert, dass dieser französische Trunk ganz vorzüglich mundet.
11.30 Uhr Dreissig Minuten später rolle ich den Einkaufswagen zur Kasse und sehe mich genötigt, für zwölf Flaschen Löwenbräu Helles, vier Sechserpacks Budweiser, einer Flasche Veuve Clicquot Schaumwein sowie einem Träger Erdinger Weissbier knapp 180 Dollars auszugeben. Herr Bob nimmt die bunten Scheine freudenstrahlend an sich und meint, dass er mir den „Grey Goose“ für 20 Dollars überlassen kann – wie schön.
12.00 Uhr Als nächstes kruse ich hupend zum Village Walk und statte dem „L’Osteria“ Restaurant einen Besuch ab. Mit Dixon im Schlepptau werde ich in der Gaststube vorstellig und vernehme, dass Gäste mit Haustieren nur auf der schattigen Terrasse bedient werden. Achselzuckend eile ich nach draussen und nehme einen Tisch unter einem grossen Sonnenschirm in Beschlag. Ein gestriegelter Kellner lässt nicht lange auf sich warten und legt mir nahe, ein saftiges „Philly Cheese Steak“ mit der Suppe des Tages (unlöblich: Soup of the Day) zu ordern. Ich nicke eifrig und bitte den Heini, ausserdem etwas Schinken für Dixon aufzufahren – das gibt ein Festessen.
12.30 Uhr Während ich kraftvoll zubeisse und meine ausgetrocknete Kehle mit süffigem Eistee spüle, werde ich auf zwei deutschsprechende Touristen am Nebentisch aufmerksam. Schnell komme ich mit den Urlaubern ins Gespräch und bringe heraus, dass Frau Irmi (33) und Herr Karl (35) aus dem Wiener Gemeindebezirk Favoriten stammen. Ich proste den Beiden redlichst zu und lege ihnen nahe, schnellstmöglich zum wunderschönen Barefoot Beach zu krusen und sich dort in die Fluten zu stürzen – was kann es schöneres geben.


Mein Zuhause unter Palmen

13.15 Uhr Mit vollem Magen begleiche ich die Rechnung und trete die Heimreise in den Willoughby Drive an. Nebenher rede ich auf den Vierbeiner ein und kündige an, dass uns nun ein entspannter Nachmittag bevorsteht.
14.00 Uhr Zurück in der kleinen Villa, schlüpfe ich aus den Flip Flops und mache es mir zur Aufgabe, etliche Bierflaschen in den Eiskasten zu stellen und einen Schluck Wodka zu trinken. Im Anschluss falle ich gähnend aufs Kanapee und döse schnell ein.
15.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und stelle fest, dass sich der Rüde nach draussen verabschiedet hat. Ich folge Dixons Beispiel und nehme in der Hollywood Schaukel platz, um das Kreuzworträtsel in der Tageszeitung zu lösen. Plötzlich kommt Frau Pontecorvo daher und möchte wissen, ob ich sie am Abend ins Lichtspielhaus begleiten möchte. Meine Nachbarin schwärmt in den höchsten Tönen und setzt mich darüber in Kenntnis, dass heute die sehenswerte Komödie „Wilson“ im Kino anläuft – das ist mir Wurst.
15.45 Uhr Als endlich Ruhe und Frieden Einzug gehalten haben, kehre ich kopfschüttelnd in die gute Stube zurück und kümmere mich um die Anschnurseelsorge. Ich nehme Hilferufe besorgter Eltern in Augenschein und rate den Erziehungsberechtigten, sich von der heutigen Jugend nicht alles gefallen zu lassen.
17.00 Uhr Nachdem Dixon von seinem Ausflug zurückgekehrt ist, beende ich die Arbeit und mache mich in der Küche nützlich. Ich dekantiere eine Flasche Rotwein und ringe mich dazu durch, ein italienisches Nudelschichtgericht im Ofen aufzubacken – wie gut das duftet.


Auch Morgen scheint die Sonne – wie schön

18.00 Uhr Nach der Stärkung gehe ich zum gemütlichen Teil des langen Tages über. In Dixons Beisein folge ich den Nachrichten auf FOX und vernehme, dass uns morgen ein Hochdruckgebiet Rekordtemperaturen bescheren wird.
19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit schaue ich mir auf HBO den Zukunftsfilm „Max Steel“ an. Ich komme aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und werde Zeuge, wie ein unterbelichteter Jugendlicher zu einem Superhelden mutiert und die Welt vor dem Untergang rettet – diesen Unsinn muss man gesehen haben.
21.00 Uhr Nach zweistündigem Klamauk schalte ich den Flachbildschirm ab und ziehe mich ins Schlafzimmer zurück. Gute Nacht.

22. März 2017 – Erdbeerschüttelgetränke

08.00 Uhr Auch heute ist uns Petrus wohlgesonnen und lässt die Sonne vom Himmel scheinen. Weil Morgenstund‘ sprichwörtlich Gold im Mund hat, hüpfe ich aus dem Bett und trete an die frische Luft, um meine Muskeln zu stählen. Unter anderem schlage ich ein Rad und vergesse auch nicht, mit den Armen zu rudern.


Hund Dixon bekommt einen Kauknochen

08.30 Uhr Im Anschluss hole ich die Tageszeitung herein und nehme die DeLonghi Kaffeemaschine knopfdrückend in Betrieb. Hund Dixon weicht währenddessen nicht von meiner Seite und fordert mich auf, ihm einen Kauknochen ins Maul zu stecken – da kommt besonders grosse Freude auf.
09.00 Uhr Während sich der Rüde im Garten amüsiert, entspanne ich mich bei einem erquickenden Wirbelbad und nehme mir das Recht heraus, dem Radioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) zu frönen. Unter anderem erfahre ich, dass der aus South Carolina stammende Sangeskünstler Josh Turner vor zwei Wochen sein sechstes Studioalbum „Deep South“ (löblich: Tiefer Süden) herausgebracht hat. Der Radiosprecher überschlägt sich vor Freude und behauptet, dass der Silberling in keiner gutsortierten Musiksammlung fehlen darf. Ich nicke eifrig und fasse den Entschluss, alsbald zum Musikgeschäft meines Vertrauens zu fahren und mir ein Exemplar zu sichern.


Josh Turner – Deep South

10.00 Uhr Ich beende den Badespass und stelle fest, dass gar kein Kaffee in die Kanne gelaufen ist. Stattdessen gibt der futuristische DeLonghi Vollautomat merkwürdige Laute von sich. Ich kratze mich am Kopf und lasse Dixon wissen, dass die Maschine höchstwahrscheinlich gereinigt werden muss. Da ich meine Zeit nicht gestohlen habe, ziehe ich kurzerhand den Netzstecker und scheuche den Vierbeiner zum Nachbarhaus.
10.30 Uhr Frau Pontecorvo begrüsst uns herzlich und lädt uns ein, ihr bei der wichtigsten Mahlzeit des Tages Gesellschaft zu leisten. Natürlich nehme ich die Einladung an und komme in den Genuss frischzubereiteter Pfannkuchen mit Erdbeerfüllung. Zudem öle ich meinen Hals mit köstlichem Bohnentrunk und erzähle, dass meine Kaffeemaschine den Geist aufgegeben hat. Meine Bekannte blickt skeptisch drei und meint, dass es angebracht wäre, eine Fachwerkstatt zu verständigen – papperlapapp.


Es gibt Pfannkuchen mit Erdbeerfüllung

11.15 Uhr Kurz nach dem Elfuhrläuten beende ich das Frühstück und erkläre meiner Nachbarin, dass ich nun den WAL MART ansteuern und mir das neue Josh Turner Meisterwerk zulegen werde. Frau Pontecorvo wird prompt hellhörig und schlägt vor, dass sie mitkommen und mich zu einem Eisbecher einladen könnte – wie schön.
12.00 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise im PS-strotzenden SUV kommen wir mit quietschenden Pneus vor dem WAL MART SUPERCENTER am Juliet Boulevard zum Stehen. Als Kavalier der alten Schule halte ich meiner Begleiterin die Beifahrertüre auf und bitte Dixon, während unserer Abwesenheit brav zu sein. Anschliessend schlendern wir zur Musikabteilung und bemerken, dass viele Künstler in der letzten Zeit mit neuen Veröffentlichungen auf sich aufmerksam gemacht haben. Ich fackle nicht lange und nehme nicht nur das neue Josh Turner Album, sondern auch Kompaktscheiben von Alison Krauss und Little Big Town vom Regal – das wird teuer.

12.45 Uhr Nachdem wir einen Abstecher in die Pflegeproduktabteilung gemacht haben, eilen wir zur Kasse und bezahlen die Waren mit frischen Scheinen. Währenddessen kommt Frau Pontecorvo auf ihre Einladung zu sprechen und schlägt vor, dass wir ins benachbarte „Steak’n Shake“ Gasthaus einkehren könnten – wie schön.
13.15 Uhr Wenig später werden wir mit Hund Dixon im Schlepptau an der Essensausgabe der besagten Wirtschaft vorstellig und ordern zwei schmackhafte Erdbeerschüttelgetränke zu je 8 Dollars. Weil das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, gebe ich zudem einen Korb mit Hühnerflügeln (unlöblich: Chicken Wings) in Auftrag. Danach lassen wir uns an einem Tisch mit Ausblick nieder und beissen kraftvoll zu. Frau Pontecorvo legt währenddessen beste Laune an den Tag und möchte wissen, wann meine Verwandten in Naples eintreffen werden. Ich seufze laut und entgegne, dass sich Georg und Maria für Anfang April angekündigt haben.
14.15 Uhr Zurück im Willoughby Drive, verfrachte ich die Josh Turner Kompaktscheibe in die Musikanlage. Während der 39jährige „Music Award“ Gewinner eine verflossene Liebe besingt, mache ich mich an der Kaffeemaschine zu schaffen und wähle per Knopfdruck das automatische Entkalkungsprogramm aus. Die Maschine setzt sich augenblicklich in Gang und fordert mich per Einblendung auf, Entkalkerflüssigkeit in den Wasserbehälter zu füllen.
15.00 Uhr Eine dreiviertel Stunde später habe mein Werk vollbracht und kann wieder köstlichen italienischen Schaumkaffee trinken. Ich gebe mich erleichtert und bette mich fix und foxi auf dem Kanapee zur Ruhe. Bereits nach wenigen Sekunden döse ich ein und träume vom anstehenden Wiedersehen mit meiner Familie.
16.00 Uhr Ich öffne die Augen und bemerke, dass die Anzeige des Aussenthermometers die 100°F (37°C) überschritten hat. Weil es draussen viel zu heiss ist, entschliesse ich mich, keinen Schritt vor die Türe zu tun. Stattdessen stelle ich die Klimaanlage höher und komme der Anschnurseelsorge nach. Ich studiere Depeschen besorgter Eltern und rate einer arbeitsscheuen Kuh aus Wetzlar, sich um einen Tschob zu bemühen.
17.00 Uhr Nach getaner Arbeit gehe ich von der Leine und richte in der Küche eine kalte Wurstplatte an. Dazu gibt es mehrere Scheiben Weissbrot sowie Gurken aus dem Glas – das schmeckt.


Capocollo ist sehr gesund

18.00 Uhr Nachdem ich mir aus dem Kühlschrank eine Flasche Bier geholt habe, beginnt der wohlverdiente Feierabend. Ich mache es mir in der Wohnstube gemütlich und schaue mir interessiert die Nachrichten auf FOX an.
19.00 Uhr Nach einer spannenden Politiksendung wechsle ich das Programm und gebe mich dem SHOWTIME Serienerfolg „The Affair“ hin. Erneut tauche ich in das Leben der jungen Allison ein und werde Zeuge, wie sie vom Selbstzweifel zerfressen wird und sich für den schrecklichen Unfalltod ihres Sohnes verantwortlich macht.
21.00 Uhr Als der Abspann der achten Episode über die Mattscheibe flimmert, betätige ich den „OFF“ (löblich: AUS) Knopf auf der neumodernen Fernbedienung und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt lösche ich sämtliche Lichter und lege ich mich erschöpft ins Bett. Gute Nacht.

20. März 2017 – Dog Beach

08.00 Uhr Ich werde durch ein stimmungsvolles Lied der aufstrebenden Sängerin Christie Lamb geweckt und kann es kaum noch erwarten, meine liebe Familie in Florida zu begrüssen. Als ich mich aus dem Bett rolle, berichte ich Dixon, dass Georg und Maria spätestens in zwei Wochen in Naples eintreffen und uns über Ostern Gesellschaft leisten werden – das wird phantastisch.
08.45 Uhr Nachdem ich meine Glieder gelockert und die Tageszeitung hereingeholt habe, lasse ich die Wirbelwanne mit Wasser volllaufen. Ausserdem werfe ich lustige Badekugeln in das lauwarme Nass und nehme mir das Recht heraus, während des Badevergnügens die „Naples Daily News“ (löblich: Naples tägliche Neuigkeiten) zu lesen. Unter anderem erfahre ich, dass Mitarbeiter der „Florida Fish and Wildlife Conservation Commission“ am Freitagabend einen toten Panther an der Interstate 90 entdeckt haben. Ich staune nicht schlecht und lese weiter, dass im Collier County nur noch zirka 100 Tiere dieser Gattung zu Hause sind – wie traurig.


Ich gehe stets mit der Mode

09.45 Uhr Schlussendlich steige ich aus der Wanne und greife zum Handtuch, um mich abzutrocknen. Danach schlüpfe ich in eine karierte Baumwollhose und entschliesse mich, dazu ein farbenfrohes Hawaiihemd zu tragen.
10.15 Uhr Wenig später lasse ich mich am Frühstückstisch nieder und stärke mich mit vitaminreichen KELLOGGS Flocken. Darüber hinaus tippe ich Edelberts Nummer in die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) ein und lote aus, ob wir an den Strand krusen wollen. Der schlaue Mann windet sich aus der Verantwortung und setzt mich darüber in Kenntnis, dass er den Vormittag nutzen möchte, um den JEEP zu waschen und neue Bücher einzukaufen. Ich seufze laut und entgegne, dass ich unter diesen Umständen alleine ans Meer fahren werde.


Hund Dixon liebt Kauknochen

10.45 Uhr Bevor ich losfahre, belege ich zwei Weissbrotscheiben mit Käse und Capocollo und lasse den Vierbeiner wissen, dass eine Brotzeit nicht fehlen darf. Zudem verfrachte ich zwei Dosen Dr. Pepper Brause in eine praktische Stofftasche und vergesse auch nicht, etliche Kauknochen für meinen tierischen Begleiter einzupacken.
11.15 Uhr Als der Minutenzeiger meiner ROLEX auf Viertel nach 11 zugeht, lasse ich den Motor des PS-strotzenden Chevrolets aufheulen und gleite zu prima WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radioklängen gen Westen davon. Ich beschleunige den SUV auf schwindelerregende 35 Meilen pro Stunde und fasse den Entschluss, Hund Dixon etwas Gutes zu tun und zum „Dog Beach“ (löblich: Hundestrand) nach Fort Myers zu rasen.
11.45 Uhr Nach dreissig Minuten wechsle ich auf den Hickory Boulevard und habe das Vergnügen, den azurblauen Golf in seiner vollen Pracht zu sehen. Während mir der Wind durchs Haar weht, drehe ich am Lautstärkeregler und singe zum Weltschlag „Free Bird“ der Südstaatenrocker Lynyrd Skynyrd laut mit.

12.15 Uhr Pünktlich zur Mittagszeit erreiche ich mein Ziel und stelle fest, dass gut zwei Dutzend Vierbeiner vor Ort sind. Weil Dixon aus dem Fiepen gar nicht mehr herauskommt, öffne ich die Heckklappe und fordere den Rüden mit erhobenem Zeigefinger auf, beste Manieren an den Tag zu legen. Dixon schlägt die Bitte jedoch in den Wind und rennt zu einem hochnäsigen Pudel, um ihn scharf anzukläffen – wie unlöblich.
12.45 Uhr Weil ich nicht mehr der Jüngste bin, suche ich mir ein schattiges Plätzchen unter einer Palme und gönne mir einen Schluck Brause. Ferner beisse ich kraftvoll ins Wurstbrot und tratsche angeregt mit einer platinblonden Hundebesitzerin namens Cameron (33). Das Kind deutet in Richtung eines Schäferhundmischlings und vertellt, dass sie ihren Liebling kurz vor Weihnachten aus dem Tierheim geholt hat. Ich nicke eifrig und antworte, dass Dixon ebenfalls aus dem Tierasyl stammt und schon seit vielen Jahren mein treuer Begleiter ist.


Dr. Pepper schmeckt prima

13.30 Uhr Um Frau Cameron eine kleine Freude zu bereiten, biete ich ihr die zweite Getränkedose an und gebe vor, schon seit jungen Jahren ein Tierfreund zu sein. Die Maid ist begeistert und sagt, dass sie aus Tierschutzgründen seit vielen Jahren vegan lebt und auf tierische Lebensmittel ganz verzichtet. Überdies überreicht mir das Mädchen eine Visitenkarte und plappert davon, dass sie mit ihrem Lebensgefährten ein veganes Familienrestaurant an der Pine Ridge Road führt. Ich nehme die Karte dankbar an und verspreche, irgendwann vorbeizukommen.
14.30 Uhr Da Dixon fix und foxi ist, lüfte ich meine NY YANKEES Kappe und ziehe es vor, mich von Frau Cameron zu verabschieden und die Heimreise anzutreten. Wie es sich gehört, helfe ich Dixon auf die Ladefläche und fahre dann gemächlich nach Naples zurück.
15.30 Uhr Endlich bin ich wieder dahoam und kann mich auf dem Kanapee zur Ruhe betten. Dixon folgt meinem Beispiel und streckt ebenfalls die Beine aus – wie schön.
16.30 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und sorge in der Küche für das Abendessen. Um mir nicht die Beine in den Bauch stehen zu müssen, verfrachte ich kurzerhand eine Fertigpizza aus dem Hause TOMBSTONE ins Rohr und zaubere dazu einen nahrhaften Gurkensalat mit lustigen Oliven und perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen.


Zum Abendessen gibt es Pizza

17.30 Uhr Mit vollem Magen setze ich die leistungsstarke Geschirrspülmaschine in Betrieb und mache es mir zur Aufgabe, das zerzauste Fell meines Haustieres zu bürsten. Danach strecke ich vor der Glotze die Beine aus und mache mich bei den FOX Nachrichten über die aktuellen Geschehnisse in der Welt schlau.
19.00 Uhr Um auf andere Gedanken zu kommen, wechsle ich auf SHOWTIME und fröne der Serie „The Affair“. Das mehrteilige Fernsehspiel erzählt die Geschichte eines vierfachen Familienvaters, der sich während eines Sommerurlaubs unsterblich in eine 20 Jahre jüngere Kellnerin verliebt – wie unlöblich.
21.00 Uhr Nach einer weiteren Episode beende ich den Fernsehabend und ziehe mich gähnend ins Schlafzimmer zurück. Gute Nacht.

17. März 2017 – St. Patrick’s Day

saintpatrick2014

Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Tagebuchleser,

heute wird in Grossbritannien und den Vereinigten Staaten der beliebte „St. Patrick’s Day“ (löblich: Heiliger Patrick Tag) begangen. Der Gedenktag soll an den am 17. März 493 verstorbenen irischen Bischof Patrick erinnern.

Der heilige Patrick von Irland wurde Ende des 4. Jahrhunderts in Wales oder Schottland geboren. Der Sohn eines römischen Offiziers war in jungen Jahren in der römischen Provinz Britannia in einer Kirchengemeinde tätig. Letztendlich wurde er von Sklavenjägern gefangen genommen und in die heutige Provinz Ulster im Norden Irlands verschleppt. Nachdem ihm ein Engel verkündet hat, nach Frankreich zu fliehen, lies er sich in einem Kloster im heutigen Auxerre nieder. Dort wurde er zum Priester geweiht und kehrte bald auf die grüne Insel zurück, um Kirchen und Schulen für die Armen zu gründen – wie aufregend.

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St. Patrick – Holzschnitt aus der
Schedel’schen Weltchronik

Heutzutage ist der St. Patrick Day in Irland, Nordirland und der kanadischen Provinz Neufundland ein gesetzlicher Feiertag. In amerikanischen Millionenmetropolen wie New York, Boston und Chicago wird mit grossen Umzügen an den irischen Volkshelden gedacht.

Natürlich werde ich mich nicht lumpen lassen und Edelbert sowie Frau Pontecorvo zu einen Umtrunk in die irische Gastwirtschaft „Paddy Murphy’s Irish Pub“ einladen. Wir werden süffiges Guinness trinken und irische Spezialitäten kosten – darauf freue ich mich jetzt schon.

Ich wünsche allen Lesern einen gesegneten St. Patrick’s Day.
Reinhard Pfaffenberg