13. Februar 2019 – Eine kleine Reise?

08.00 Uhr Das Festnetztelefon klingelt und ich vernehme Edelberts Stimme im Rohr. Mein Bekannter legt beste Laune an den Tag und erkundigt sich, ob ich ihn zum Supermarkt begleiten möchte. Weil ich kaum noch Lebensmittel im Kühlschrank horte, willige ich ein und verspreche, gegen halb Elf am PUBLIX Supermarkt zu sein. Darüber hinaus komme ich auf Georg und Maria zu sprechen und berichte, dass die beiden immer noch in den Everglades sind und erst morgen nach Naples zurückfahren werden – wo soll das noch hinführen.


Wir schoppen ab

08.30 Uhr Nachdem ich meine ausgetrocknete Kehle mit einem kräftigen Schluck Diät Cola durchgespült habe, eile ich in die Nasszelle und lasse lauwarmes Wasser in die Wanne laufen. Danach schlüpfe ich aus dem Nachthemd und entspanne mich bei einem lustigen Wirbelbad mit Rosenöl – das macht Spass.
09.30 Uhr Nach dem Badevergnügen werfe ich mir modische Freizeitkleidung über und fasse den Entschluss, meiner Nachbarin einen Besuch abzustatten. Da ich mich ausser Stande sehe, selbst für eine reichhaltige Jause zu sorgen, lade ich mich bei Frau Pontecorvo kurzerhand zum Frühstück ein und labe mich an einem stattlichen Stück Obstkuchen. Dazu trinke ich brühfrischen Bohnentrunk und merke an, dass ich bald dem Professor in der PUBLIX Markthalle treffen werde. Meine Tischnachbarin klatscht freudig in ihre Hände und bittet mich, ihr Haargummis sowie eine Flasche WC Reiniger mitzubringen – das werden wir erst noch sehen.
10.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner goldenen ROLEX auf 10 zugeht, nehme ich einen letzten Schluck Kaffee und gebe zu Protokoll, dass nun die Zeit gekommen ist, um Lebewohl zu sagen. Ferner bedanke ich mich für die Mahlzeit und sichere zu, dass ich mich morgen mit einem opulenten Abendessen revanchieren werde.
11.30 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise, erreiche ich mein Ziel und kann den Chevrolet Suburban direkt neben Edelberts schneeweissen JEEP abstellen. Während Hund Dixon bei laufendem Motor im Auto zurückbleibt, stapfe ich pfeifend in den klimatisierten Flachbau und treffe meinen Bekannten am Zeitungskiosk. Der schlaue Mann begrüsst mich per Handschlag und schreckt nicht davor zurück, einer störrischen Kundin (84) mit hellrosa Haaren einen Einkaufswagen streitig zu machen. Anschliessend nehme ich an Edelberts Seite die Sonderangebote in Augenschein und registriere, dass kaum Schnäppchen zu finden sind. Trotz aller Nackenschläge lassen wir uns die gute Laune nicht verderben und laden gesunde Äpfel, Kartoffeln, diverse Konserven, Schuhwichse, KELLOGGS Zerealien sowie andere Waren des täglichen Bedarfs in den Wagen – was das wieder kostet.
12.15 Uhr Während sich immer mehr Lebensmittel ansammeln, erzähle ich dem Professor, dass ich grosse Lust hätte, in den kommenden Wochen zu verreisen. In diesem Zusammenhang komme ich auf das einladende “Disney World Resort” in Orlando, FL zu sprechen und stelle klar, dass es ein Spass wäre, in einem der ansässigen Luxushotels zu logieren. Anstatt Freudensprünge zu machen, winkt mein Begleiter ab und wirft ein, dass wir der Kultur frönen und nach Miami krusen sollten – wie langweilig.


Miami ist immer eine Reise wert

12.45 Uhr Nachdem wir dem PUBLIX Konzern ein kleines Vermögen beschert haben, steuere ich als nächstes eine McDonalds Schnellfressfiliale an und lade Edelbert zu einer kleinen Brotzeit ein. Mit dem Vierbeiner im Schlepptau werden wir an der Essensausgabe vorstellig und ordern neben gesunden Fritten, fettigen Burgern und Beilagensalaten ausserdem grosse Diät Colas – das gibt ein Festessen.
13.15 Uhr Redlichst gestärkt trete ich die Heimreise an und freue mich auf ruhige Stunden in der kleinen Villa. Um für gute Laune zu sorgen, drehe ich das Radiogerät etwas lauter und fröne stimmungsvollen Landmusikschlägen angesehener Interpreten wie Miranda Lambert und/oder Randy Houser – da kommt besonders grosse Freude auf.
14.00 Uhr Fix und foxi treffe ich zu Hause ein und mache es mir zur Aufgabe, die Einkaufstüten in die kleine Villa zu schleppen. Unterdessen verabschiedet sich Dixon in den Garten und buddelt eine knietiefe Grube im Rosenbeet der Nachbarn aus – das gibt bestimmt wieder Ärger.


Mein Zuhause unter Palmen

14.30 Uhr Nachdem ich die Waren im Eiskasten verstaut habe, schlüpfe ich aus den Flip Flops und falle erschöpft aufs Kanapee. Um etwas Ruhe zu bekommen, schliesse ich die Augen und döse ruckzuck ein.
15.30 Uhr Ich erwache ausgeruht und fülle den Napf meines Haustieres mit H²O auf. Nebenbei spähe ich auf meine Armbanduhr und bemerke, dass es für das Abendessen noch zu früh ist. Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, klatsche ich in die Hände und animiere den Rüden, mich zur “La Playa” Golfanlage zu begleiten.
16.00 Uhr Summend schlendere ich durch das Wohngebiet und nehme mir das Recht heraus, Georg anzurufen und nach dem Rechten zu fragen. Mein Bruder freut sich über den Anruf und kündigt an, dass er den letzten Abend in den Everglades in vollen Zügen am Lagerfeuer geniessen und bereits morgen Früh die Heimreise antreten wird.
17.00 Uhr Zurück in der kleinen Villa, mache ich mich in der Küche nützlich und hantiere mit einer Pfanne. Ruckzuck brate ich Fischstäbe heraus und nehme ausserdem mit Bratkartoffeln Vorlieb – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nach dem Nachtmahl nehme ich auf dem Sofa platz und gebe mich den Nachrichten auf FOX hin. Unter anderem bringe ich heraus, dass am kommenden Montag mit dem “President Day” (löblich: Präsidenten Tag) ein wichtiger Feiertag ansteht – wie schön.

19.00 Uhr Zur besten Sendezeit nehme ich mit dem Angebot des Internetzkanals “FandangoNOW” Vorlieb und lasse die Seele beim Musikfilm “A Star is Born” baumeln. Die Erfolgsproduktion aus dem letzten Jahr handelt vom Abstieg eines einst gefeierten Musikers. Als der Heini eines Tages die junge Sängerin Ally kennen lernt, nimmt er sie unter seine Fittiche und verhilft ihr zu einer grossen Karriere.
21.00 Uhr Als nach einhundertzwanzig Minuten der Abspann über den Flachbildschirm flimmert, atme ich tief durch und beende den Fernsehabend. Zu guter Letzt wünsche ich Dixon angenehme Träume und lege mich schlafen. Gute Nacht.

11. Februar 2019 – Wilder Bill

08.00 Uhr Die siebte Woche des noch jungen Jahres bricht an und ich mache mir grosse Sorgen wegen Georg und Maria. Weil die lieben Leute in der vergangenen Woche in die Everglades gekrust sind und sich seitdem nicht mehr gemeldet haben, nehme ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) zur Hand und kontaktiere kurzerhand meinen Bruder. Der gute Mann meldet sich nach dem dritten Tuten und berichtet, er mit dem WINNEBAGO Wohnmobil bis nach Flamingo Beach gekrust ist und seitdem wunderschöne Tage an der sogenannten “Snake Bight” verbringt. Ich mache grosse Augen und bringe weiter heraus, dass es sich hierbei um einen Küstenabschnitt handelt, an dem besonders viele Campingplätze zu finden sind – das hört man gerne.


Die Verwandtschaft tummelt sich in den Everglades

08.30 Uhr Nach dreissig Minuten beende ich das Telefonat und lasse Hund Dixon wissen, dass die lieben Leute am Donnerstag zurück sein werden. Erleichtert ziehe ich mich ins Bad zurück und nehme mir das Recht heraus, die Wirbelbadwanne mit lauwarmen Wasser volllaufen zu lassen – was kann es schöneres geben.
09.30 Uhr Im Anschluss setze ich mich an den reich gedeckten Frühstückstisch und verzehre geröstete Weissbrotscheiben mit Nutella. Dazu gibt es Frozen Yoghurt (unlöblich: Gefrorenen Joghurt) sowie zwei Pfirsiche aus dem Nachbarstaat Georgia. Darüber hinaus telefoniere ich mit dem Professor und vernehme, dass er das Mittagessen im “Caffee Milano” einnehmen möchte. Zudem gibt mein Bekannter zu Protokoll, dass wir das schöne Wetter ausnutzen sollten und einen Stadtbummel unternehmen könnten – dazu sage ich nicht nein.
10.15 Uhr Um den schlauen Mann nicht warten zu lassen, leere ich das Kaffeehaferl und rufe den Vierbeiner auf, mir unauffällig zum Chevrolet zu folgen.


Ich könnte ein Schnitzel vertragen

11.00 Uhr Nach einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt treffe ich in der Innenstadt ein und parke den frischaufpolierten SUV direkt vor Edelberts Wohnadresse an der 5th Strasse. Mein Bekannter lässt nicht lange auf sich warten und streichelt meinen tierischen Begleiter über den Kopf. Ferner merkt Edelbert an, dass sein knurrender Magen ein Steak (unlöblich: Schnitzel) vertragen könnte – das ist die beste Nachricht des Tages.
11.30 Uhr Wenig später betreten wir das gutbesuchte “Caffee Milano” und nehmen einen Fenstertisch in Beschlag. Eine beschürzte Kellnerin mit strohblonder Mähne versorgt uns mit den Tageskarten und meint, dass wir das Gericht des Tages wählen sollten. Ich winke jedoch ab und ziehe es vor, anstatt eines hausgemachten Nudelschichtgerichts (unlöblich: Lasagne) ein vitaminreiches Porterhouse Steak mit Kartoffeln und Gemüse zu wählen. Edelbert folgt meinem Beispiel und ringt sich dazu durch, zuvor einen Shrimp Cocktail zu geniessen.

12.15 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, kommt mein Tischnachbar auf die benachbarte “Barnes & Noble” Buchhandlung zu sprechen und sagt, dass er sich gerne das erst kürzlich erschienene Sachbuch “Wild Bill: The True Story of the American Frontier’s First Gunfighter” (löblich: Wilder Bill: Die wahre Geschichte des ersten Schützen der amerikanischen Grenze) kaufen würde. Ich werde augenblicklich hellhörig und lerne, dass Bill Hickock anno 1837 in Illinois das Licht der Welt erblickte und alsbald zu einem der berüchtigsten Revolverhelden des Wilden Westens aufstieg. Edelbert geht noch weiter und informiert, dass der Heini mindestens sieben Menschen ermordete und im Sommer 1876 in Deadwood während eines Kartenspiels erschossen wurde – jaja.
13.00 Uhr Nachdem wir die opulente Mahlzeit mit Kaffee und Käsekuchen abgeschlossen haben, brechen wir zu einem lustigen Stadtbummel auf. Wir folgen bei angenehmen Temperaturen der 5th Avenue gen Westen und registrieren, dass die Ladeninhaber derzeit mit unschlagbaren Rabatten locken – wie aufregend.
13.45 Uhr Schlussendlich finden wir uns in der besagten Buchhandlung wieder und erfahren, dass das gewünschte Buch vorrätig ist. Während mein Begleiter seine Geldklammer aus der Hosentasche fischt und grüne Scheine auf die Ladentheke zählt, wende ich mich den Neuerscheinungen zu und bemerke, dass die ehemalige First Lady (löblich: Erste Frau) Michelle Obama einen Roman auf den Markt gebracht hat – das hat gerade noch gefehlt.
14.30 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, dem Professor die Hand zu schütteln und den Heimweg anzutreten. Wie es sich gehört, wünsche ich Edelbert einen schönen Nachmittag und hüpfe dann ins Auto.


Mein Zuhause unter Palmen

15.15 Uhr Zurück im Willoughby Drive, falle ich erschöpft aufs Kanapee und lege die Beine hoch. Nach wenigen Augenblicken döse ich ein und sehe mich im Traum ins verschneite Gilford Beach versetzt.
16.15 Uhr Nach der wohlverdienten Pause rufe ich das Amazon Musikabspielgerät ECHO auf, das kultivierte Zuhause mit stimmungsvoller Georg Strait Landmusik zu beschallen. Zudem nehme ich den Rasensprenger in Betrieb und vergesse auch nicht, Dixons Näpfe mit Trockenfutter und H²O zu befüllen.
17.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 5 zugeht, mache ich mich in der Küche nützlich und brate ein Dutzend Fischstäbe im Fett heraus. Dazu gibt es Kartoffelbrei aus der Tüte sowie einen farbenfrohen Beilagensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen und Oliven – das keusche Auge isst bekanntlich immer mit.


Ich beisse kraftvoll zu

18.00 Uhr Ein nervenaufreibender Tag neigt sich nun seinem Ende zu. Ich sorge in der Küche für Sauberkeit und setze mich dann in die gute Stube, um in Hund Dixons Beisein die Abendnachrichten auf FOX anzuschauen.
19.00 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, wechsle ich auf AMC, um mich bei der Serie “The Walking Dead” (löblich: Der wandelnde Tod) zu amüsieren. Missmutig folge ich den Geschehnissen und erfahre, dass die Hauptfigur Rick Grimes im Laufe der aktuellen Staffel schwer verletzt wurde. Ich kratze mich entnervt an der Schläfe und entschliesse mich, diesem Unsinn ein Ende zu bereiten und auf einen anderen Kanal umzuschalten.
21.00 Uhr Nach einer aufschlussreichen Dokumentation auf PBS beende ich den Fernsehabend und betätige den OFF (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung. Zu guter Letzt rufe ich Dixon ins Haus und lege mich schlafen. Gute Nacht.

6. Februar 2019 – Italienische Schmankerl

08.00 Uhr Ein neuer Morgen bricht an und ich lese auf dem Wandkalender, dass uns heute der sechste Mittwoch des Jahres bevorsteht. Weil Frau Gomez bald vorbeikommen wird, hüpfe ich aus dem Bett und absolviere auf der schattigen Terrasse die Morgengymnastik.
08.30 Uhr Nachdem ich meine Glieder gestählt und Hund Dixon einen Kauknochen ins Maul gesteckt habe, verabschiede ich mich in die Nasszelle. Ich lasse die Seele bei einem erfrischenden Wirbelbad baumeln und zögere nicht, bei Georg und Maria im Lowbank Drive anzurufen. Natürlich frage ich meinen Bruder bezüglich seines anstehenden Ausflugs aus und bringe heraus, dass meine Verwandten im Laufe des Vormittages in die Everglades krusen und dort bis zum Wochenende bleiben werden – das kann ja heiter werden.


Die Verwandten krusen in die Everglades

09.30 Uhr Redlichst erfrischt steige ich aus der Wirbelbadewanne und ziehe eine modische Bermudahose sowie ein legeres T Hemd mit FOREIGNER Aufdruck an. Danach eile ich in die Küche und freue mich, meine staubwischende Zugehfrau anzutreffen. Frau Gomez wünscht mir einen schönen Morgen und plappert, dass sie es sich heute zur Aufgabe machen wird, die Regale zu säubern und den Wohnzimmerläufer auszuklopfen. Ich nicke eifrig und entgegne, dass ich währenddessen zu Bob’s Liquor Store krusen und gesundes Bier einkaufen werde.
10.15 Uhr Nachdem ich die wichtigste Mahlzeit des Tages erzehrt habe, werfe ich prüfende Blicke in den Eiskasten und bemerke, dass nicht nur der Bier- sondern auch der Sektvorrat langsam zur Neige geht. Um nicht auf dem Trocknen zu sitzen, klatsche ich in die Hände und fordere Dixon auf, mich zum Chevrolet zu begleiten.


Kein Bier im Eiskasten

10.30 Uhr Bevor ich losfahre, verabschiede ich mich von Frau Gomez und beauftrage sie, das Bett frisch zu beziehen und meine Schmutzwäsche zu waschen – immerhin kann ich mich nicht um alles kümmern.
11.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 11 zugeht, erreiche ich mein Ziel und kann das Alkoholgeschäft meiner Wahl betreten. Ich wünsche Herrn Bob einen schönen Morgen und lasse ihn wissen, dass ich bayerisches Weissbier sowie süffiges Budweiser benötige. Der gute Mann freut sich über meinen Besuch und sagt, dass er erst in der vergangenen Woche ein dunkles Bier aus dem Hause Paulaner hereinbekommen hat. Obgleich ich das sogenannte “Ur-Dunkle” nicht kenne, schnappe ich mir eine Kiste und wähle dazu zwei Sechserpacks Budweiser aus. Darüber hinaus tratsche ich angeregt mit dem Alkoholfachmann und lerne, dass er derzeit beschäftigt ist, seine Bilanzen auf Vordermann zu bringen – wie furchtbar.
12.15 Uhr Um 70 Dollars ärmer, verlasse ich das Fachgeschäft und fassen den Entschluss, das Mittagessen im zweieinhalb Meilen entfernten “Napoli Restaurant” einzunehmen. Ruckzuck helfe ich Dixon auf die Ladefläche des PS-strotzenden SUV und gleite zufrieden von dannen.


Ich beisse kraftvoll zu

12.45 Uhr Hungrig und durstig schleppe ich mich mit dem Vierbeiner im Schlepptau in das gutbesuchte Gasthaus und nehme einen schönen Fenstertisch mit Aussicht in Beschlag. Um nicht Hunger leiden zu müssen, winke ich einer Kellnerin zu und ordere eine vitaminreiche Lasagne mit Beilagensalat – schmeckt gar nicht schlecht.
13.30 Uhr Nachdem ich die Rechnung beglichen und weitere 30 Dollars ausgegeben habe, trete ich die Heimreise an. Mit vollem Magen klemme ich mich hinters Lenkrad und beschleunige den SUV auf schwindelerregende 30 Meilen pro Stunde – das macht Spass.
14.00 Uhr Endlich bin ich wieder dahoam und finde die kleine Villa ordentlich aufgeräumt vor. Während der Rüde im Garten zurückbleibt, mache ich es mir in der klimatisierten Stube bequem und döse prompt ein.
15.00 Uhr Nach dem Päuschen fülle ich meinen Kaffeebecher mit brühfrischem Bohnentrunk auf und ziehe es vor, am Schreibtisch Platz zu nehmen und Anschnur zu gehen. Während Hund Dixon unentwegt kläfft und mit dem Nachbarhund spielt, studiere ich Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher und stelle fest, dass es die Jugend während der Faschingszeit besonders bunt treiben – wo soll das noch hinführen.
16.00 Uhr Nachdem ich zahlreiche Depeschen abgesendet habe, gehe ich von der Leine und leiste den Vierbeinern an der frischen Luft Gesellschaft. Während Joey und Dixon herumtollen, wippe ich in der Hollywoodschaukel hin und her und blättere ich in der Tageszeitung, um das grosse Kreuzworträtsel auf der letzten Seite zu lösen.
17.00 Uhr Da sich dunkle Wolken vor der Sonne schieben, kehre ich in die Küche zurück und richte das Abendessen an. Ich zaubere im Handumdrehen schmackhafte Sandwiches (löblich: Wurstbrote) und vergesse auch nicht, den Teller mit Gewürzgurken aus dem Glas zu verzieren – das keusche Auge isst bekanntlich stets mit.
18.00 Uhr Als die geschmackvolle Wanduhr sechs mal schlägt, mache ich es mir im Wohnzimmer bequem und fröne den Nachrichten auf FOX. Unter anderem lerne ich, der aus Jamaika stammende Musikant Bob Marley just heute seinen 74. Geburtstag feiern würde – das soll mir auch Recht sein

19.00 Uhr Zur Hauptsendezeit nehme ich mit dem NETFLIX Angebot Vorlieb und erfreue mich an der englischen Filmproduktion “Billy Elliot”. Der abendfüllende Spielfilm aus dem Jahre 2000 handelt von einem Buben (12), der dem Ballett verfallen ist – wie unlöblich.
21.00 Uhr Nach einhundertzwanzig Minuten betätige ich den “OFF” (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung und ziehe mich gähnend ins Schlafzimmer zurück. Gute Nacht.

4. Februar 2019 – Gartenarbeit

08.00 Uhr Missmutig steige ich aus dem Bett und ärgere mich, weil Dixon schon wieder seine quietschenden Spielzeuge im Schlafzimmer verteilt hat. Weil man sich nicht alles bieten lassen kann, nehme ich das Haustier skeptisch ins Visier und unterbreite, dass Ordnung im Leben sehr wichtig ist. Ferner verweise ich auf das gestrige Telefonat mit Sandra und erinnere, dass meine Villa im Waldweg 11 aufwendig renoviert werden muss.


Meine kleine Villa im Waldweg 11

08.30 Uhr Mit hängendem Kopf verabschiede ich mich ins Badezimmer und nehme mir während des Waschvorgangs das Recht heraus, bei meiner unterbelichteten Mieterin anzurufen. Nach wenigen Sekunden meldet sich das junge Ding und berichtet abermals, dass ein Sturm vier Schindeln vom Dach gefegt hat. Ich seufze laut und bringe zudem in Erfahrung, dass Schwarzarbeiter Darius im Laufe der Woche vorbeikommen und die Dachziegeln erneuern wird. Darüber hinaus rechnet das Mädchen vor, dass die Reparatur knapp 100 Euros kosten wird – gleich trifft mich der Schlag.


Die Renovierung kostet 100 €

09.30 Uhr Nach dem Badespass lege ich den Zeigefinger an die Unterlippe und ringe mich nach kurzem Überlegen dazu durch, während des Vormittages den Garten auf Vordermann zu bringen. Um nicht ständig von Prof. Kuhn und/oder meinen Verwandten telefonisch belästigt zu werden, zücke ich kurzerhand die praktische Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und zögere nicht, die lieben Leute über mein Vorhaben in Kenntnis zu setzen. Anstatt mir Beistand zu leisten, gibt Edelbert zu Protokoll, dass er sich zum Mittagessen mit Frau Brandie Cream treffen wird. Ausserdem erhalte ich die Information, dass Georg und Maria just in diesem Augenblick damit beschäftigt sind, das WINNEBAGO Wohnmobil zu putzen. Mein Bruder legt beste Laune an den Tag und kündigt grossspurig an, dass er übermorgen auf grosse Reise gehen und mit seiner Ehefrau in die Everglades krusen wird – wie unlöblich.
10.00 Uhr Nachdem ich das neumoderne Kommunikationsgerät in die Hosentasche gesteckt habe, klatsche ich in die Hände und scheuche Hund Dixon an die frische Luft. Ruckzuck hole ich den Gartenrechen aus der Garage und beginne damit, die Erde im Petersilienbeet zu lockern – diese unerträgliche Hitze bringt mich bald ins Grab.


Die Petersilie wächst

10.30 Uhr Dreissig Minuten später schleppe ich mich mit letzter Kraft auf die schattige Terrasse und genehmige mir ein kühles Bier. Leider wird die himmlische Ruhe alsbald durch Frau Pontecorvo gestört. Meine Nachbarin präsentiert sich mir in einem schicken Hosenanzug und erzählt, dass sie Freundinnen in der Stadt getroffen und ein exzellentes Frühstück im “Blueberry’s” genossen hat. Natürlich mache ich grosse Augen und entgegne, dass ich mir solche Sperenzchen leider nicht leisten kann. In diesem Zusammenhang komme ich auf Sandras Anruf zu sprechen und verrate, dass mir demnächst eine stattliche Rechnung in Höhe von mindestens 100 Euros ins Haus flattern wird. Meine Bekannte rollt mit den Augen und verabschiedet sich nach nebenan – das ist wieder typisch.
11.15 Uhr Als nächstes hantiere ich mit der Gartenschere und bringe die Mangroven auf das rechte Mass. Während ich hart schufte und mir der Schweiss über das Gesicht rennt, werde ich auf Herrn Booth von nebenan aufmerksam. Der hochdekorierte Vietnamveteran winkt mir freundlich zu und lotet aus, ob er am Nachmittag meine Rasenfläche mähen soll. Ich nicke eifrig und lasse den Heini wissen, dass es ein Leichtes werden wird, mit einem elektrischen Mäher das satte Grün zu trimmen. Meine Nachbar legt die gestreckten Finger seiner rechten Hand an die Schläfe und sichert zu, die Arbeit bis 15 Uhr erledigt zu haben – das klappt wieder wie am Schnürchen.
12.15 Uhr Da die Sonne mittlerweile ihren Höchststand erreicht hat, kehre ich in die klimatisierte Stube zurück und gönne mir ein kühles Budweiser aus dem Eiskasten. Ausserdem verzehre ich reichbelegte Sandwiches (unlöblich: Wurstbrote) und lasse mir als Nachspeise ein lustige Eis aus dem PUBLIX Supermarkt schmecken – das tut gut.
13.00 Uhr Nachdem ich in der Küche für Sauberkeit gesorgt habe, falle ich aufs Kanapee und schliesse die Augen. Bereits nach wenigen Sekunden döse ich ein und träume vom Oktoberfest – da kommt Freude auf.
14.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und stelle fest, dass sich Frau Pontecorvo Zugang zur kleinen Villa verschafft hat. Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen und frage die Alte, ob sie einen Kuchen mitgebracht hat. Meine Nachbarin schüttelt den Kopf und lotet aus, ob ich sie am Abend ins Theater begleiten möchte. Natürlich lehne ich dankend ab und stelle klar, dass ich völlig erschöpft bin und mich nach dem Feierabend sehne.
14.30 Uhr Nachdem die Perle das Weite gesucht hat, setze ich mich kaffeeschlürfend an den Schreibtisch und komme meinen Pflichten als staatlich anerkannter Anschnurseelsorger nach. Ich schufte hart und empfehle verzweifelten Erziehungsberechtigten, mit der heutigen Jugend nicht zu zimperlich umzugehen.
15.30 Uhr Zum Abschluss der Beratungsstunde schalte ich die neuen Einträge im Gästebuch frei und gehe dann von der Leine, um eine weitere Hopfenkaltschale zu trinken. Obgleich ich bereits drei Flaschen geleert habe, schmeckt auch die vierte Halbe ausgezeichnet. An diesem Beispiel sieht man anschaulich, dass das in St. Louis, MI ansässige Anheuser-Busch Brauhaus einen ausgezeichneten Hopfensaft herstellt – wie schön.


Ich lösche meinen Durst

16.30 Uhr Nachdem ich den Rasensprenger in Betrieb genommen und mich bei Herrn Booth für die Mäharbeit bedankt habe, mache ich mich in der Küche nützlich und kümmere mich um das Nachtmahl. Da ich lediglich ein kleines Mittagessen hatte, koche ich ganz gross auf und brate in einer Pfanne mit Teflonbeschichtung ein stattliches Steak heraus. Dazu gibt es im Ofen aufgebackene Kartoffelspalten – wie gut das duftet.
17.45 Uhr Zum Abschluss des langen Tages schalte ich die Geschirrspülmaschine ein und lege im Wohnzimmer die Beine hoch. Als erstes informiere ich mich bei den FOX Nachrichten über die Geschehnisse in der Welt und informiere mich während einer aufschlussreichen Reportage über das gestrige Super-Bowl Finale in Atlanta, GA.
18.45 Uhr Kurz vor dem Siebenuhrläuten wechsle ich auf HBO und gebe mich einem belanglosen Star Wars (löblich: Krieg der Sterne) Film hin. Das kruse Machwerk aus dem vergangenen Jahr handelt von Han Solos Jugendjahre auf dem trostlosen Planeten Corellia – diesen Schmarrn muss man gesehen haben.
21.00 Uhr Nach zwei mässig spannenden Stunden schalte ich die Glotze aus und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt reguliere ich die Klimaanlage und ziehe mich gähnend ins Schlafzimmer zurück. Gute Nacht.

29. Januar 2019 – American Renegades

08.00 Uhr Ein unentwegt plappernder WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radiomoderator weckt mich mit einem nagelneuen Dierks Bentley Lied. Ich rolle mich gähnend aus dem Wasserbett und erkenne, dass die moderne Landmusik (unlöblich: Country Music) ganz und gar nicht nach meinem Geschmack ist. Trotz aller Nackenschläge lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und zögere nicht, auf der schattigen Terrasse die Morgengymnastik zu absolvieren – wer rastet, der rostet.


Der weltbeste Radiosender

08.30 Uhr Nachdem ich mich ertüchtigt habe, lasse ich die Seele bei einem Wirbelbad baumeln und rufe bei Georg und Maria an, um ihnen mitzuteilen, dass ich in Julies Restaurant frühstücken möchte. Meine Verwandten freuen sich und kündigen an, gegen halb 11 in der besagten Wirtschaft zu sein.
09.30 Uhr redlichst entspannt beende ich den Waschvorgang und hole farbenfrohe Kleidung aus dem begehbaren Schrank. Danach statte ich Frau Pontecorvo einen Besuch ab gebe vor, dass ich alsbald dem Frühstücksgasthaus meines Vertrauens einen Besuch abstatten werde. Die Perle von nebenan winkt jedoch ab und entgegnet, dass sie sich mit Freundinnen in einem Schönheitssalon treffen wird. Ich schüttle entnervt den Kopf und ziehe es vor, meiner Nachbarin viel Vergnügen beim Aufbrezeln zu wünschen – wo soll das noch hinführen.
10.00 Uhr Wenig später helfe ich Hund Dixon auf die Ladefläche es Chevrolets und presche mit quietschenden Pneus aus dem beschaulichen Wohngebiet. Um nicht zu spät in Julies Restaurant einzutreffen, beschleunige ich das Auto auf 30 Meilen pro Stunde und setze zu waghalsigen Überholmanövern an – wie aufregend.
10.30 Uhr Pünktlich auf die Minute betrete ich mit dem Haustier im Schlepptau das Restaurant und werde von Maria und Georg winkend begrüsst. Meine Verwandten legen beste Laune an den Tag und informieren, bereits brühfrischen Kaffee sowie ein grosses Frühstück (unlöblich: Big Breakfast) bestellt zu haben – das hört man gerne.


Ich spüle meine Kehle Bild: Nevit Dilmen / CC BY-SA 3.0

11.00 Uhr Während ich kraftvoll zubeisse, erfahre ich von Georg, dass er gestern seine Ehefrau ins neueröffnete “El Mare” Restaurant ausgeführt hat. Ich mache grosse Augen und bringe auf Anfrage heraus, dass es sich hierbei um ein nagelneues mexikanisches Gasthaus an der Airport Pulling Road handelt. Mein Bruder schwärmt in den höchsten Tönen und gibt vor, einen leckeren Fisch mit Saisongemüse und Kartoffeln verzehrt zu haben. Maria schlägt in die gleiche Kerbe und meint, dass wir bald allesamt in dieses Spitzenrestaurant gehen sollten – jaja.
12.00 Uhr Um keine Wurzel zu schlagen, tippe ich auf meine goldene ROLEX und bitte Kellnerin Peggy, uns die Rechung zu präsentieren. Im Anschluss verlassen wir die Gaststätte und vereinbaren, dass wir nun zum WAL MART krusen und die neuerschienenen DVDs in Augenschein nehmen sollten. Ich nicke eifrig und merke an, dass ich die Gelegenheit am Schopfe packen und meine reichhaltige Filmsammlung mit neuem Stoff auffüllen werde.


Walmart ist prima

12.30 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise erreichen wir das WAL MART Supercenter am Collier Boulevard und schlendern mit dem schnüffelnden Vierbeiner durch die breiten Gänge. Zeitnah finden wir uns in der sogenannten “Home Entertainment” (löblich: Heimunterhaltung) Abteilung wieder und registrieren, dass seit wenigen Tagen der preisgekrönte Kriegsfilm “American Renegades” verfügbar ist. Um mir einen genaueren Überblick zu verschaffen, lese ich die Informationen auf der Rückseite und lerne, dass diese Produktion die Geschichte etlicher Navy Seals erzählt, die nach Bosnien geschickt werden und mit dem Auftrag betraut werden, einen Nazi Schatz zu bergen.

13.00 Uhr Schlussendlich landet auch noch der Zukunftsfilm “First Man” in meinem Einkaufswagen und ich gebe zu Protokoll, dass ich heute einen gepflegten Filmabend einlegen werde. Maria hat jedoch nur Hohn und Spott über und beteuert, dass ich an diesen Schundwerken ganz bestimmt keinen Gefallen finden werde – papperlapapp.
13.30 Uhr Nach dem Bezahlvorgang schütten wir Hände und kommen überein, dass wir uns Morgen im Lowbank Drive zum Frühstück treffen sollten. Maria schenkt mir zum Abschied ein Lächeln und sagt, dass sie auch Edelbert einladen wird – das kann mir nur Recht sein.
14.15 Uhr Zurück im Willoughby Drive, schlüpfe ich aus den modischen Flip Flops und bereite mir in der Küche ein Wurstbrot vor. Dazu gibt es einen Tomatensalat mit würzigem Balsamico aus dem fernen Italien – wie gut das duftet.
15.00 Uhr Nach der Jause fülle ich Dixons Napf mit Trockenfutter auf und falle dann erschöpft aufs Kanapee. Das brave Haustier folgt meinem Beispiel und begleitet mich ins Reich der Träume – wie schön
16.00 Uhr Ich öffne die Augen und lasse Dixon in den Garten hinaus. Im Anschluss gehe ich Anschnur und arbeite Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher ab. Wissbegierig überfliege ich die elektronischen Depeschen und stelle fest, dass es die junge Generation derzeit besonders bunt treibt. Anstatt für die Schule und das Leben zu lernen, ziehen es viele Kinder vor, Schneemänner zu bauen und/oder Heimrechnerspiele zu spielen – wie furchtbar.


Heimrechnerspiele sind gefährlich

17.00 Uhr Zum Abschluss der Beratungsstunden schalte ich die neuesten Einträge im beliebten Gästebuch frei. Zudem überprüfe ich den Warenbestand im Andenkenladen und sehe mich genötigt, bei meinem indonesischen Grosshändler Bambang neue T Hemden mit meinem Konterfei nachzubestellen.
18.00 Uhr Endlich beginnt der wohlverdiente Feierabend. Ich genehmige mir ein kühles Bier aus dem Eiskasten und schiebe eine Fertigpizza ins Ofenrohr. Danach lasse ich mir die Köstlichkeiten zu prima WCKT CAT COUNTRY Radiomusik in der guten Stube schmecken und blättere in der Tageszeitung.
19.00 Uhr Nachdem ich mir die Nachrichten angeschaut habe, verfrachte ich eine blaue Scheibe ins Abspielgerät und gebe mich dem Lichtspielhauserfolg “First Man” hin. Die Produktion, die in Deutschland den Titel “Aufbruch zum Mond” trug handelt von der ersten Mondlandung im Jahre 1968. Ich lehne mich entspannt zurück und erinnere mich, dass ich dieses Schauspiel vor 51 Jahren am Fernseher mitverfolgt habe – das waren noch Zeiten.
21.00 Uhr Als der Abspann über die Mattscheibe flimmert, beende ich den Fernsehabend und begleite den Vierbeiner noch einmal in den Garten. Zu guter Letzt verschliesse ich die Haustüre sorgsam und lege mich schlafen. Gute Nacht.