19. September 2017 – Ausgewogene Ernährung

08.00 Uhr Ich beginne den Tag mit dem Frühsport im Freien. Hund Dixon leistet mir bei den Leibesübungen Gesellschaft und zögert nicht, an Frau Pontecorvos Terrassentüre zu kratzen. Meine Nachbarin lässt nicht lange auf sich warten und ruft mich auf, zum Frühstück herüberzukommen. Ich nicke eifrig und entgegne, dass ich mich nur noch frisch machen muss – immerhin ist mir Sauberkeit und Hygiene sehr wichtig.
08.30 Uhr Wie es sich gehört, lasse ich die Seele bei einem Wirbelbad baumeln und vergesse auch nicht, meine Haare mit einem Pflegeprodukt aus dem Hause SCHWARZKOPF zu waschen – wie gut das duftet.
09.30 Uhr Wenig später eile ich mit Dixon zum Nachbarhaus und erfahre, dass unser Frühstück aus einem Müsli und süffigem Mandeltrunk bestehen wird. Ich blicke skeptisch drein und informiere, dass ich Rühreier mit Speckstreifen bevorzugen würde. Die Alte erhebt jedoch den Zeigefinger und meint, dass wir nicht mehr die Jüngsten sind und auf eine ausgewogene Ernährung achten sollten – papperlapapp.
10.00 Uhr Während ich am Mandelsaft nippe, redet Frau Pontecorvo weiter auf mich ein und vertellt, dass in der Innenstadt in den letzten Monaten zahlreiche vegetarische Restaurants eröffnet wurden. Meine Tischnachbarin geht noch weiter und schlägt vor, dass wir Edelbert an seinem Geburtstag ins „Delicious Raw“ ausführen sollten. Als ich genauer nachfrage, rückt die Dame mit der ganzen Wahrheit heraus und berichtet, dass in besagtem Gasthaus nicht nur frisch gepresste Gemüsesäfte, sondern auch laktosefreie Aufläufe serviert werden.


Mein Zuhause unter Palmen

11.00 Uhr Nachdem ich aufgegessen und mir den Mund an der Serviette abgewischt habe, wünsche ich meine Nachbarin einen schönen Tag und kehre in die kleine Villa zurück. Ruckzuck laufe ich zum Eiskasten und hole etwas Aufschnitt hervor, um mir ein Sandwich (löblich: Wurstbrot) zuzubereiten. Ferner halte ich Dixon eine Scheibe Capocollo vor die Schnauze und stelle klar, dass Fleisch sehr gesund ist und Kraft spendet.
11.30 Uhr Nachdem ich mich im Garten nützlich gemacht und abgefallene Palmwedel aufgelesen habe, greife ich zum Autoschlüssel und fordere den Vierbeiner auf, mich zum Wagen zu begleiten. Mit Elan zwänge ich mich hinters Lenkrad und schicke mich an, zu stimmungsvoller Radiountermalung in Richtung Stadtzentrum davonzurasen. Während der aus Kanada stammende Sänger Neil Young ein Lied über die Indianertochter Pocahontas trällert, beschleunige ich den SUV auf 35 Meilen und lasse meinen tierischen Begleiter wissen, dass wir nun Prof. Kuhn einen Überraschungsbesuch abstatten werden.

12.15 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, betätige ich Edelberts Klingel und werden von meinem Bekannten herzlich begrüsst. Der gute Mann lotst mich in die klimatisierte Stube und nimmt sich das Recht heraus, mich mit einem Budweiser zu verwöhnen. Ich nehme das Kaltgetränk dankend an und öle meinen staubtrocknen Hals mit kräftigen Schlucken. Unterdessen präsentiert der Professor ein Buch aus Alen Ginsbergs Feder und plappert davon, dass er gestern im Barnes & Noble Geschäft die Schriftensammlung „Howl and other Poems“ (löblich: Das Geheul und andere Gedichte) entdeckt hat. Bevor ich antworten kann, schlägt mein Gegenüber das Buch auf und liest daraus vor – wie langweilig.
12.45 Uhr Kurz bevor mir die Augen zufallen, beendet Edelberg den Monolog und sagt, dass Alen Ginsberg zu den herausragendsten Schriftstellern der Neuzeit zählt. Ich schlage in die gleiche Kerbe und merke an, dass mein knurrender Magen nach einer warmen Mahlzeit verlangt. Edelbert seufzt laut und meint, dass wir in „Alberto’s Restaurant“ einkehren und Pizzas fressen könnten – das ist phantastisch.


Wir beissen kraftvoll zu

13.30 Uhr Nach einem kurzweiligen Spaziergang betreten wir das Gasthaus und bekommen einen Fenstertisch mit Ausblick zugewiesen. Wir nehmen prompt Platz und halten die bildhübsche Kellnerin an, zwei Hopfenkaltschalen sowie vitaminreiche Schinkenpizzas aufzutischen. Während der Mahlzeit plaudern wir angeregt und tauschen uns über Sandras anstehenden Urlaub aus. Edelbert legt seine Stirn in Falten und unkt, dass es kein Vergnügen werden wird, das Kind für zwei lange Wochen in meinem Zuhause zu beherbergen – wie wahr.
14.15 Uhr Redlichst gestärkt bezahlen wir die Zeche und vertreten uns die Beine entlang der 5th Avenue. Wir spähen in die ausstaffierten Schaufenster der Geschäfte und bemerken, dass Naples derzeit von besonders vielen Touristen überschwemmt wird – wo soll das noch hinführen.


Wir vertreten uns die Beine

15.00 Uhr Pünktlich zum Dreiuhrläuten hüpfe ich wieder ins Auto und brause winkend von dannen. Um schneller voran zu kommen, setze ich zu waghalsigen Überholmanövern an und lasse mehrmals das Signalhorn ertönen.
15.30 Uhr Zurück im Willoughby Drive, steige ich aus den Kuhjungenstiefeln und fülle Dixons Napf mit köstlichem Trockenfutter auf. Anschliessend strecke ich die Beine auf dem Sofa aus und döse schnell ein – das tut gut.
16.30 Uhr Ich erwache ausgeruht und registriere, dass Dixon mittlerweile nach draussen gelaufen ist, um den Nachbarhund zu besuchen. Achselzuckend giesse ich mir ein kühles Bier hinter die Binde und bereite das Abendessen vor. Um nicht stundenlang am Herd stehen zu müssen, schiebe ich eine Pizza in den Ofen und zaubere nebenher einen Tomatensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen.
17.00 Uhr Just als ich mich an den Esstisch setze, kommt das freche Haustier vor seinem Ausflug zurück und fordert ein Stück Pizza heraus. Ich komme der Bitte anstandslos nach und studiere während der Jause die aktuellen Berichte in der Tageszeitung.

18.00 Uhr Nachdem ich die Geschirrspülmaschine knopfdrückend in Betrieb genommen habe, mache ich es mir im Wohnzimmer bequem und spiele mit dem Gedanken, mir den Abend mit etlichen „Derrick“ Episoden zu verschönern. Voller Vorfreude verfrachte ich eine selbstgebrannte DVD ins Abspielgerät und gebe mich drei heiklen Fällen aus den frühen 1980er Jahren hin – da kommt Spannung auf.
21.00 Uhr Nach 180minütigem Nervenkitzel betätige ich den AUS Knopf auf der Fernbedienung und führe Dixon noch einmal in den Garten. Zu guter Letzt lösche ich sämtliche Lichter und falle erschöpft ins Bett. Gute Nacht.

18. September 2017 – Ich wähle

08.00 Uhr Eine neue Woche bricht an und ich fühle mich blendend. Als plötzlich Dixon anschlägt und kläffend zur Pforte rennt, werfe ich mir den Morgenmantel über und sehe selbst nach dem Rechten. Zu meiner Freude finde ich die Unterlagen für die anstehende Bundestagswahl im Briefkasten vor und erkläre dem Vierbeiner, dass ich nun meinen Bürgerpflichten nachkommen und der AfD mein Vertrauen aussprechen werde. Während Dixon hechelnd nach draussen läuft, eile ich in die gute Stube und mache es mir zur Aufgabe, die Briefwahlunterlagen ganz genau in Augenschein zu nehmen. Ich überfliege das Merkblatt eingehend und lerne, dass ich den amtlichen Stimmzettel mit zwei Kreuzen versehen und diesen dann in den blauen Briefumschlag stecken muss – wie aufregend.


Wählen ist gar nicht so einfach

08.30 Uhr Nachdem ich meine Stimmen abgegeben und den blauen Umschlag zugeklebt habe, nehme mir das Recht heraus, den Wahlschein in das rote Kuvert zu stecken. Nebenher rolle ich entnervt mit den Augen und komme zu dem Schluss, dass wählen gar nicht so einfach ist.
09.00 Uhr Schlussendlich atme ich tief durch und vergesse auch nicht, den Wahlbrief mit Postwertzeichen zu bekleben. Im Anschluss verabschiede ich mich in die Nasszelle und nehme mit einem Wirbelbad Vorlieb.
10.00 Uhr Just als ich aus der Wanne hüpfe und mich mit einem Frotteehandtuch abtrockne, pocht Frau Pontecorvo an die Terrassentüre und schimpft, weil Dixon ein Loch im Garten gegraben hat. Ich schlüpfe geschwind in modische Freizeitkleidung und entgegne, dass ich mich nicht um alles kümmern kann.


Dixon ist frech

10.30 Uhr Da ich keine grosse Lust verspüre, alleine zu frühstücken, nehme ich den Autoschlüssel zur Hand und scheuche Dixon zum Chevrolet. In einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt presche ich in Richtung Zentrum davon und rufe kurzerhand beim Professor an, um ihn ins „The Cafe“ an der 5th Avenue einzuladen. Edelbert erteilt mir jedoch eine Absage und sagt, dass das besagte Restaurant wegen Sturmschäden bis auf weiteres geschlossen bleibt. Stattdessen bringt mein Bekannter eine Einkehr ins „Bistro 821“ zur Sprache und sichert zu, dass er sich augenblicklich auf den Weg machen wird – das hört man gerne.
11.00 Uhr Hungrig und durstig betrete ich das Familiengasthaus und freue mich, den Professor an einem Fenstertisch mit Ausblick anzutreffen. Selbstverständlich setze ich mich sogleich dazu und ordere bei einem hochnäsigen Kellner ein vitaminreiches „Western Omelette“ sowie „Oven Roasted Potatoes“ (löblich: Ofengeröstete Kartoffel). Dazu gibt es eine Kanne Kaffee und frischgepressten O-Saft – das schmeckt.
11.30 Uhr Während wir kraftvoll zubeisse, präsentiere ich den Wahlbrief und merke an, dass wir im Anschluss zu einer Postfiliale spazieren sollten. Edelbert schlägt in die gleiche Kerbe und kann es kaum noch erwarten, am kommenden Sonntag die ARD Wahlsendung im Internetz zu verfolgen – das wird eine Gaudi.


Oktoberfest – Ich sage Nein

12.15 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, verlassen wir die Wirtschaft und schlendern mit Dixon zur Poststelle an der 6. Strasse. Unterdessen tratschen wir angeregt und der Professor erzählt, dass Admiral a.D. Bürstenbinder gestern das Oktoberfest besucht hat. Ich lache laut und mutmasse, dass der ehemalige Seefahrer mindestens sechs Mass gestemmt und eine Saalschlacht angezettelt hat. Edelbert nickt eifrig und beteuert, dass der gute Mann auch heute nach München fahren und abermals abfeiern wird – das ist ja allerhand.
13.00 Uhr Nachdem ich den Brief per Expresszustellung aufgegeben habe, kehren wir zum Chevrolet zurück. Mein Begleiter wischt sich mit der Hand über die nasse Stirn und kündigt an, dass er den Nachmittag lesend in seiner schicken Stadtwohnung verbringen wird. Ich wünsche dem schlauen Mann viel Vergnügen und ziehe es vor, schnell ins Auto einzusteigen und in Richtung Willoughby Drive davonzurasen.
13.30 Uhr Ich treffe fix und foxi zuhause ein und fülle Dixons Napf mit Trockenfutter auf. Anschliessend bette ich mich auf dem Kanapee zur Ruhe und döse prompt ein – das tut gut.
14.30 Uhr Um nicht den ganzen Nachmittag zu vertrödeln, schwinge ich mich vom Sofa und eile mit einem scharfen Messer im Anschlag in den Garten. Mit einer schönen Melodie auf den Lippen, schneide ich die Petersilie ab und bemerke, dass die diesjährige Ernte besonders mickrig ausfällt. Ich balle meine Fäuste und lasse Dixon wissen, dass Hurrikan Irma zahlreiche Doldenblütlergewächse entwurzelt hat – wie schade.


Die Ernte ist futsch – SAPPERLOTT

15.15 Uhr Nach getaner Arbeit kehre ich ins Haus zurück und setze mich an den Schreibtisch. Wie es sich gehört, gebe ich im Rahmen der Anschnurseelsorger Ratschläge zum Umgang mit frechen Jugendlichen ab.
16.15 Uhr Nach einer Stunde fahre ich den Heimrechner mausdrückend herunter und stelle mir grosser Sorge fest, dass Dixons Pfoten verdreckt sind. Augenrollend scheuche ich den Lausbuben an die frische Luft und spritze ihn mit dem Gartenschlauch ab – was muss ich denn noch alles ertragen.
17.00 Uhr Nachdem ich den Rasensprenger in Betrieb genommen habe, mache ich mich in der Küche nützlich und erwärme ein tiefgefrorenes Nudelschichtgericht im Kleinwellenofen. Dazu gibt es einen Tomatensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen und Oliven aus dem Glas – das keusche Augen isst schliesslich mit.
18.00 Uhr Zum Abschluss des langen Tages lege ich im Wohnzimmer die Beine hoch und schalte die Glotze ein, um mich auf FOX über die tagesaktuellen Geschehnisse in der Welt zu informieren. Unter anderem höre ich, dass sich auf dem Atlantik ein weiterer Tropensturm zusammengebraut und Kurs auf die Bahamas nimmt – wie schrecklich.

19.00 Uhr Zur Prime Time (unlöblich: Hauptfernsehzeit) wechsle ich auf den Bezahlsender HBO und gebe mich dem Krimi „Kill Your Darlings“ (löblich: Ermorde deine Lieben) hin. Obgleich ich ganz genau aufpasse, fällt es mir ausserordentlich schwer, der haarsträubenden Handlung zu folgen. Achselzuckend genehmige ich mir ein Bier aus dem Eiskasten und fasse den Entschluss, mir mit dem Musikprogramm von CMT den Abend zu versüssen.
21.00 Uhr Nach zwei heiteren Stunden beende ich den Fernsehabend und unternehme mit Dixon einen kleinen Rundgang durch den Garten. Zu guter Letzt lösche ich das Licht und lege mich schlafen. Gute Nacht.

15. September 2017 – Ein Geschenk für Edelbert

08.00 Uhr Auch heute läuft ein schönes „Old Dominion“ Lied auf der Frequenz von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land). Ich rolle mich aus dem Bett und bemerke beim Blick auf den Wandkalender, dass Edelbert in zehn Tagen Geburtstag feiern wird. Weil sich am Himmel dunkle Wolken zusammengebraut haben, fasse ich den Entschluss, ein Schoppingzentrum anzusteuern und nach einem Geschenk Ausschau zu halten.
08.45 Uhr Während ich mich bei einem erfrischenden Wirbelbad entspanne, bimmelt plötzlich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry). Zu meiner Freude meldet sich der Professor im Rohr und lädt mich ein, ihm beim Frühstück in Julies Restaurant Gesellschaft zu leisten. Natürlich sage ich sofort zu und gebe zu Protokoll, dass ich gegen 10 Uhr vor Ort sein werde – darauf freue ich mich jetzt schon.


Meine praktische Schwarzbeere

09.30 Uhr Ruckzuck beende ich das Badevergnügen und hole farbenfrohe Freizeitkleidung aus dem begehbaren Schrank. Danach werfe ich mich in Schale und halte Dixon an, mir zum Chevrolet Suburban zu folgen.
10.00 Uhr Pünktlich auf die Minute erreiche ich mein Ziel und bin überrascht, nicht nur Edelbert, sondern auch Herrn Wang im Gasthaus anzutreffen. Der Motelbesitzer begrüsst mich herzlich und berichtet, dass er Prof. Kuhn nach der Mahlzeit in einen Massagesalon begleiten wird. Der schlaue Mann nickt eifrig und ermutigt mich, kurzerhand mitzukommen und mich ebenfalls verwöhnen zu lassen. Weil ich nach einem Geburtstagsgeschenk suchen wollte, schüttle ich den Kopf und entgegne, dass ich wichtigen Terminen in der Stadt nachkommen muss.
10.30 Uhr Als ich kraftvoll zubeisse und meine staubtrockne Kehle mit Kaffee öle, kommt Herr Wang auf sein Motel in Naples-Manor zu sprechen und erzählt, dass während des Hurrikans Irma etliche Fensterscheiben zu Bruch gegangen sind. Der gute Mann reibt den Daumen am Zeigefinger und rechnet vor, dass er mittlerweile eine Fachfirma verständigt hat und mindestens 6.000 Dollars verlieren wird. Edelbert gibt sich deprimiert und erörtert, dass Präsident Trump am gestrigen Tag Fort Myers besucht und mit einem Hubschrauber auch über Naples geflogen ist. Ferner vernehmen wir, dass der weitsichtige Staatsmann allen Helfern herzlich gedankt und Florida Hilfszahlungen in Milliardenhöhe versprochen hat – das ist prima.


Präsident Trump war in Fort Myers

11.30 Uhr Nachdem ich aufgegessen habe, trommle ich mit den Fingern auf die Tischplatte und erwähne, dass nun die Zeit gekommen ist, um das Weite zu suchen. Meine Bekannten geben mir Recht und wünschen mir einen schönen Tag. Ich fackle nicht lange und scheuche Dixon zum SUV, um zur fünf Meilen entfernten Central Avenue zu rasen. Nebenher erzähle ich dem Haustier, dass in der erst heute wiedereröffneten „Treasure Island Mall“ ein grosses Antiquariat zu finden ist. Während die aus Texas stammende Sängerin RaeLynn auf WCKT CAT COUNTRY ein belangloses Lied trällert, drücke ich das Gaspedal bis zum Anschlag durch und stelle wohlwollend fest, dass überall städtische Angestellte unter Hochdruck die Hinterlassenschaften des Tropensturms Irma beseitigen.


Irma wütete über Florida

12.00 Uhr Mit Dixon im Schlepptau schlendere ich in das Kaufhaus und komme wegen der grossen Anzahl an antiquarischen Romanen aus den Staunen nicht mehr heraus. Da Edelbert ein Bücherwurm ist, ziehe ich einen in Leder gebundenen Wälzer aus dem Regal und erfahre, dass es sich hierbei um die Erstausgabe des Hemingway Klassikers „To Have and Have Not“ (auf deutsch: Haben und Nichthaben) aus dem Jahre 1937 handelt.
12.30 Uhr Kurze Zeit später gesellt sich ein Verkäufer an meine Seite und bietet mir seine Hilfe an. Ich bringe Edelberts Geburtstag ins Spiel und merke an, dass mein Bekannter die amerikanische Belletristik sehr schätzt. Mein Gegenüber überlegt nicht lange und rät, zu Philip Roths Geschichtensammlung „Goodbye Columbus“ zu greifen.
13.00 Uhr Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, gehe ich auf den Handel ein und überreiche dem Knecht zwei Geldscheine mit dem Konterfei des siebten Präsidenten der Vereinigten Staaten.


Eine Erstausgabe für Edelbert

14.00 Uhr Just als Petrus die Himmelspforten öffnet und es regnen lässt, treffe ich zu Hause ein. Mit letzter Kraft schleppe ich mich ins Haus und bereite mir unter Dixons fordernden Blicken ein Sandwich (löblich: Wurstbrot) zu. Dazu genehmige ich mir vitaminreiche LAYS Kartoffelchips sowie ein kühles Budweiser – das tut gut.
14.45 Uhr Während der Vierbeiner einen Kauknochen knabbert, bette ich mich auf dem Kanapee zur Ruhe und spiele mit der Idee, Edelbert auch mit einer kleinen Grillfeier zu überraschen – das wird ein Spass.
15.45 Uhr Ich öffne die Augen und registriere, dass es immer noch wie aus Kübeln schüttet. Weil man bei diesem Sauwetter nicht aus dem Haus gehen kann, setze ich mich an den Schreibtisch und komme meinen Pflichten als Anschnurseelsorger nach. Unter anderem überfliege ich die Depesche einer HARTZ IV Empfängerin aus Jena und lese, dass es sich der Trampel derzeit zur Aufgabe macht, AfD Wahlplakate in der Innenstadt der ostdeutschen Gemeinde zu zerstören. Ich klopfe mir auf die Schenkel und lasse die Frau in meinem Antwortschreiben wissen, dass die „Alternative für Deutschland“ bei der Bundestagswahl mindestens 35% der Stimmen einheimsen wird.


Die Alternative für Deutschland bekommt 35%

16.45 Uhr Nach getaner Arbeit nehme ich das Telefon zur Hand und rufe in der alten Heimat an. Als sich Sandra nach dem dritten Tuten endlich meldet, erkundige ich mich nach meiner Wahlbenachrichtigung und bitte die Maid, in meinem Namen die Briefwahlunterlagen zu beantragen. Sandra hält Maulaffen feil und beteuert, dass ich die Papiere selbst Anschnur anfordern kann. Nörgelnd werfe ich den Hörer auf die Gabel und setze mich erneut an den Heimrechner, um einen elektronischen Brief an das Rathaus in meiner weissblauen Heimat zu senden.
17.30 Uhr Da mein Magen knurrt, begebe ich mich in die Küche und koche italienische Langnudeln auf. Dazu zaubere ich ein leckeres Tomatensösschen – wie gut das duftet.


Ich beisse kraftvoll zu

18.30 Uhr Redlichst gestärkt verabschiede ich mich in den Feierabend und mache es mir in der klimatisierten Wohnstube bequem. Während die Nachrichten laufen, telefoniere ich mit Edelbert und gebe vor, dass ich gerade die Briefwahlunterlagen für die Bundestagswahl geordert habe. Der Professor schmunzelt in einer Tour und unterbreitet, dass er die Unterlagen schon vor Wochen ausgefüllt und nach Deutschland zurückgeschickt hat.
19.30 Uhr Nach den Nachrichten gebe ich mich auf FOX einer Sondersendung hin und lerne, dass die amerikanische Regierung dem Bundesstaat Florida mehrere Milliarden Dollars zur Verfügung stellen und armen Menschen beim Wiederaufbau ihrer Häuser helfen wird – das hört man gerne.
21.00 Uhr Als die Nummer einer Spendenhotline (löblich: Spendenheissleine) eingeblendet wird, betätige ich den „OFF“ (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung und lösche sämtliche Lichter. Zu guter Letzt streichle ich Dixon über den Kopf und lege mich schlafen. Gute Nacht.

14. September 2017 – Es gibt immer noch viel zu tun …

08.00 Uhr Zur frühen Morgenstunde werde ich durch ein schönes Lied der aufstrebenden Combo „Old Dominion“ geweckt. Ich kratze mich an der Schläfe und komme zu dem Ergebnis, dass die Komposition „No Such Thing as a Broken Heart“ (löblich: Kein solches Ding wie ein gebrochenes Herz) sehr eingängig ist und das Zeug zu einem Nummer 1 Schlag hat – da kommt besonders grosse Freude auf

08.30 Uhr Nachdem ich meine Glieder auf der Terrasse gelockert habe, greife ich zum Telefon und rufe bei meiner unterbelichteten Mieterin an. Sandra meldet sich prompt und erzählt, dass sie Akten im KVR wälzen muss und kaum Zeit hat, um mit mir zu plaudern. Ich zucke mit den Schultern und informiere, dass ich heute die letzten Sturmschäden beseitigen werde. Ferner komme ich auf ihre Ankündigung zu sprechen, am 1. Oktober nach Florida auszufliegen und gebe bekannt, dass ich im kommenden Monat auch meinen Grosscousin Robert Pfaffenberg samt Ehefrau im Sonnenscheinstaat Willkommen heissen werde.
09.00 Uhr Im Anschluss ziehe ich mich in die Nasszelle zurück und lasse die Seele bei einem Wirbelbad baumeln. Während ich mit dem Schwamm hantiere, vernehme ich, wie meine Zugehfrau die Haustüre aufstösst und von Hund Dixon kläffend begrüsst wird. Natürlich melde ich mich schnell zu Wort und gebe Frau Gomez zu verstehen, dass sie unter keinen Umständen das Badezimmer betreten darf – wo kämen wir denn da hin.
10.00 Uhr Sechzig Minuten später präsentiere ich mich in legerer Freizeitkleidung und erfahre von der Putzfrau, dass sie Waschpulver benötigt. Ich nicke eifrig und entgegne, dass ich gleich zum PUBLIX Supermarkt krusen werde. Zuvor verzehre ich jedoch ein kleines Frühstück und löchere meine Zugehfrau mit Fragen bezüglich des Tropensturms Irma. Frau Gomez schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und setzt mich darüber in Kenntnis, dass ihr verrosteter Kleinwagen von einer umstürzenden Palme beschädigt wurde – wie schrecklich.


Irma beschädigte Frau Gomez Kraftfahrzeug

11.00 Uhr Nachdem ich Dixons Napf ausgespült habe, scheuche ich den Rüden zum Chevrolet und schicke mich an, mit durchdrehenden Pneus zum Supermarkt meines Vertrauens zu rasen. Nebenher telefoniere ich mit Edelbert und höre, dass der schlaue Mann zum Mittagessen bei Familie Satesh eingeladen ist – das soll mir auch Recht sein.
11.30 Uhr Während Dixon artig im Auto wartet, schlendere ich an den leergefegten Regalen vorbei und erhalte von einer Marktmitarbeiterin die Auskunft, dass der Supermarkt erst Morgen mit frischen Lebensmitteln beliefert werden wird. Seufzend werde ich am dürftig bestückten Knabberregal vorstellig und überlege, ob ich CHEETOS oder FRITOS Kartoffelchips kaufen soll. Nach langem Hin und Her nehme ich mit beiden Produkten Vorlieb und lege ausserdem eine Tüte LAYS dazu – man gönnt sich ja sonst nichts.
12.30 Uhr Nachdem ich die wenigen Waren bezahlt habe, schleppe ich die Einkaufstüten zum PS-strotzenden SUV und gebe zu Protokoll, dass wir jetzt ein einladendes „Bob Evans“ Restaurant ansteuern werden. Dixon legt augenblicklich den Kopf schief und kann es kaum noch erwarten, eine Brotzeit vorgesetzt zu bekommen.
13.00 Uhr Mit dem Vierbeiner im Schlepptau betrete ich die Wirtschaft an den Vineyards und bekomme von einer beschürzten Kellnerin einen Fenstertisch mit Ausblick zugewiesen. Ich fackle nicht lange und bitte das Mädchen, einen Farmhouse Salad (löblich: Bauernhaus Salat) sowie einen saftigen Baconburgern (löblich: Speckburger) aufzufahren. Dazu gibt es ein grosses Glas Eistee – schmeckt gar nicht schlecht.


Meine kleine Villa unter Palmen

14.00 Uhr Zuhause angekommen, finde ich die kleine Villa ordentlich aufgeräumt und verlassen vor. Ich gebe mich erleichtert und sortiere die Einkäufe in den Eiskasten ein. Wenig später stösst Frau Pontecorvo die Türe auf und möchte wissen, ob ich mit meinem neuen Warmwasserboiler zufrieden bin. Ich erhebe belehrend den Zeigefinger und stelle klar, dass ich mir keinen Boiler, sondern einen neumodernen Durchlauferhitzer gekauft habe.
14.30 Uhr Während des Kaffeekränzchens verrate ich meinem Hausgast, dass wir in 17 Tagen Sandra im Rentnerparadies begrüssen werden. Frau Pontecorvo ist ganz aus dem Häuschen und schlägt vor, dass wir eine Willkommensfeier ausrichten sollten – das werden wir erst noch sehen.


Die Petersilie wurde durch Irma zerstört

15.15 Uhr Nachdem sich die kleine Frau winkend verabschiedet hat, eile ich mit Dixon nach draussen, um im Garten zu arbeiten. Selbstverständlich sehe ich auch nach der Petersilie und ärgere mich, weil der verheerende Tropensturm die ganze Ernte zerstört hat – wie schade.
16.00 Uhr Mit hängendem Kopf schwinge ich den Gartenrechen und mache es mir zur Aufgabe, die vom Hurrikan entwurzelnden Mangroven auf einem Haufen zusammenzutragen. Darüber hinaus plaudere ich mit Herrn Booth und erfahre, dass Morgen die Müllabfuhr mit zwei Lastwagen anrücken und die Hinterlassenschaften des Hurrikans abtransportieren wird – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.
17.00 Uhr Zum Abschluss des Tages mache ich mich in der Küche nützlich und brate ein vitaminreiches Schnitzel im heissen Fett heraus. Ausserdem fülle ich den Napf meines Haustieres mit Trockenfutter auf und wünsche dem Rüden einen guten Appetit.
18.00 Uhr Nach dem Nachtmahl schalte ich die Glotze ein und schaue fern. Unter anderem bringe ich bei den FOX Nachrichten heraus, dass es in den von Irma heimgesuchten Gebieten in Südwestflorida zu Plünderungen kam. Ich mache grosse Augen und lerne, dass unter anderem in Marco Island organisierte Banden von Haus zu Haus zogen und wertvolle Einrichtungsgegenstände sowie Bargeld entwendeten – das ist ja kaum zu glauben.

19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit wechsle ich auf AMC und erfreue mich an der neuen Staffel der preisgekrönten Serie „Halt and Catch Fire“. Während ich FREETOS Chips fresse und gesundes Budweiser schlürfe, werde ich Zeuge, wie schlaue Heimrechnerexperten in den 1980er Jahren das Internetz gesellschaftsfähig machen.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt reguliere ich die Klimaanlage und falle erschöpft ins Bett. Gute Nacht.

13. September 2017 – Aufräumarbeiten

08.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und bin glücklich, am gestrigen Abend wohlbehalten in Naples eingetroffen zu sein. Weil es viel zu tun gibt, rolle ich mich aus dem Bett und scheuche Hund Dixon auf die verschmutzte Terrasse.
08.30 Uhr Während sich die letzten dunklen Regenwolken nach Norden verziehen und die Mangroven im Wind wehen, lockere ich meine Glieder und registriere, dass etliche Palmen am künstlich angelegten Teich vom Hurrikan entwurzelt wurden. Ich kratze mich nachdenklich an der Schläfe und greife zum Besen, um den Schlamm von der Terrasse zu fegen. Unterdessen stattet mir Frau Pontecorvo einen Besuch ab und gibt sich erleichtert, weil Hurrikan Irma im Stadtgebiet nur geringen Schaden angerichtet hat. Ich blicke deprimiert drein und erinnere, dass die Menschen an der Küste leider nicht so glimpflich davon gekommen sind. In diesen Zusammenhang verweise ich auf den Stadtteil Naples-Manor und erörtere, dass dort zahlreiche Gebäude und Brücken zerstört und viele Grundstücke überflutet wurden. Frau Pontecorvo nickt eifrig und bittet mich, ihr beim Frühstück Gesellschaft zu leisten – das ist doch eine Selbstverständlichkeit.


Ich sorge auf der Terrasse für Ordnung

09.00 Uhr Zuvor lasse ich die Seele bei einem Wirbelbad baumeln und bemerke, dass aus dem Hahn kaum heisses Wasser fliesst – wie unlöblich.
10.00 Uhr Als ich nach dem Badespass in die Garage eile und den Heisswasserboiler in Augenschein nehme, fällt mir auf, dass die Steuereinheit durchgeschmort ist. Ich lege meine Stirn in Falten und bin mir sicher, dass ein Überdruck in der Wasserzuleitung den Schaden verursacht hat – gleich platzt mir der Kragen.
10.30 Uhr Trotz aller Nackenschläge lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und statt Frau Pontecorvo einen Besuch ab. Die Dame überrascht mich mit Pfannkuchen und gibt Anekdoten von ihrem Aufenthalt im Schutzraum der örtlichen Schule preis. Ich winke demonstrativ ab und lasse die kleine Frau wissen, dass ich einen Installateur verständigen muss. Meine Nachbarin überreicht mir die Gelben Seiten (unlöblich: Yellow Pages) und informiert, dass ich unter dem Begriff „Plumber“ bestimmt fündig werde. Ich fackle nicht lange und rufe kurzentschlossen bei „Bob Hill Plumbing“ an, um zu erfahren, dass sämtliche Mitarbeiter ausser Haus sind. Die Telefonistin seufzt laut und entgegnet, dass sie erst in zwei bis drei Wochen einen Handwerker in den Willoughby Drive schicken kann.
11.15 Uhr Missmutig beende ich das Gespräch und erkläre meiner Tischnachbarin, dass ich ein begnadeter Heimwerker bin und nun zu „Home Depot“ krusen werde. Frau Pontecorvo wünscht mir viel Vergnügen und kündigt an, währenddessen im Garten zu arbeiten und die Sturmschäden zu beseitigen – jaja.
11.45 Uhr Während der Reise zum Baumarkt meines Vertrauens, telefoniere ich mit Prof. Kuhn und erzähle, dass ich während der Nachmittagsstunden einen neuen Boiler installieren werde. Edelbert wird augenblicklich hellhörig und verspricht, zuerst die Fenster zu putzen und dann in den Willoughby Drive zu kommen.


Im Home Depot Baumarkt

12.15 Uhr Zur Mittagszeit betrete ich den überlaufenen Flachbau an der Airport Pulling Road und zögere nicht, an der Information vorstellig zu werden und mich nach den Boilern zu erkundigen. Ein dunkelhäutige Servicemitarbeiter wünscht mir einen schönen Tag und legt mir nahe, dem Hauptgang bis zum Ende des Gebäudes zu folgen. Ohne Umschweife komme ich dem Ratschlag nach und stelle fest, dass neben althergebrachten Speicheröfen auch neumoderne Durchlauferhitzer feilgeboten werden.
13.00 Uhr Fünfundvierzig Minuten später fälle ich eine Entscheidung und ringe mich dazu durch, ein Gerät aus dem Hause „Stiebel Eltron“ für 629 Dollars zu erwerben. Ein Marktmitarbeiter beglückwünscht mich zu meiner Wahl und animiert mich, die Rechnung an der Kasse zu begleichen – das hat gerade noch gefehlt.
13.30 Uhr Nach dem Bezahlvorgang presche ich mit durchdrehenden Pneus von dannen und passiere während der Heimreise umgestürzte Bäume, im Mitleidenschaft gezogene Wohnhäuser und sogar ein abgebranntes Delikatessengeschäft – wie schrecklich.
14.15 Uhr Wieder zurück im Willoughby Drive, treffe ich den Professor auf der Terrasse an. Der gute Mann deutet in Richtung einer fetttriefenden Tüte und sagt, dass er Hamburger mitgebracht hat. Ich stibitze mir eine belegte Semmel aus dem Beutel und flitze dann in die Garage, um den Hauptwasserhahn abzudrehen.


Ich beisse kraftvoll zu

15.00 Uhr Während Dixon durch den überschwemmten Garten streift und mit einer verendeten Möwe spielt, löse ich unter Edelberts skeptischen Blicken die Verschraubungen des Wasserzulaufs. Anschliessend hieve ich den in die Jahre gekommenen Boiler von der Wand und komme zu dem Ergebnis, dass nicht nur die elektronische Steuereinheit durchgeschmort, sondern auch der Wassertank verrostet ist. Unter Edelberts Mithilfe schleppen wir den Tand vor die kleine Villa und dübeln dann das Neugerät an die Wand – das soll uns erst mal einer nachmachen.
16.00 Uhr Zu guter Letzt stelle ich den Stromanschluss her und vergesse auch nicht, den Erhitzer mit dem Wasserzulauf zu verbinden – da kommt besonders grosse Freude auf.
16.45 Uhr Nach getaner Arbeit drehe ich den Hauptwasserhahn auf und lotse Edelbert in die Küche, um die Mischbatterie an der Spüle zu betätigen. Im Handumdrehen schiesst kochend heisses H²O aus dem Hahn und ich berichte meinem Bekannten, dass man nicht immer eine Fachfirma verständigen muss. Der Professor schlägt in die gleiche Kerbe und kredenzt mir ein eiskaltes Budweiser aus dem Kühlschrank – das schmeckt.


Ich ertränke meinen Ärger im Alkohol

17.30 Uhr Schlussendlich räume ich bei einsetzendem Regen das Werkzeug beiseite und mache es mir zur Aufgabe, abgebrochene Palmwedel, zerdepperte Dachschindeln sowie anderes Geröll von der Einfahrt zu fegen. Bei dieser Gelegenheit spähe ich zum Hausdach und gebe zu Protokoll, dass es schlau wäre, die Leiter hervorzuholen. Ruckzuck setze ich meine Idee in die Tat um und stelle mit grosser Erleichterung fest, dass Hurrikan Irma keine Schäden am Giebel angerichtet hat – wie beruhigend
18.30 Uhr Nachdem der Professor das Weite gesucht hat, kehre ich ins Haus zurück und richte mir eine Wurstplatte an. Während des Nachtmahls lausche ich dem Programm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und lerne, dass gemeinnützige Organisationen dazu aufgerufen haben, den Menschen finanziell beizustehen, die vom Tropensturm Irma um Haus und Hof gebracht wurden. Da ich nicht auf den Taler achten muss, setze ich mich sogleich an den Heimrechner und spende einen hohen einstelligen Betrag für hilfsbedürftige Familien.

19.00 Uhr Im Anschluss nehme ich die Geschirrspülmaschine in Betrieb und verabschiede mich in den Feierabend. Wie es sich gehört, fröne ich den Nachrichten und informiere mich über die verheerenden Schäden, die der Hurrikan in der Karibik und in Florida verursacht hat. Zudem rufe ich bei meinen Verwandten im fernen Kanada an und erzähle, dass ich gestern Abend sicher in Naples eingetroffen bin. Selbstverständlich bringe ich auch das Ferienhaus ins Spiel und lege anschaulich dar, dass Irma im Lowbank Drive kaum gewütet hat. Mein Bruder atmet tief durch und wünsche mir alles Gute – wie schön.
20.30 Uhr Weil mir langsam die Augen zufallen, beende ich den Fernsehabend und ziehe mich gähnend ins Schlafzimmer zurück. Gute Nacht.