24. Mai 2017 – Condoleezza Rice

08.00 Uhr Pünktlich zum Achtuhrläuten öffne ich die Augen und freue mich, einen weiteren Sonnentag im Rentnerparadies erleben zu dürfen – das ist prima.
08.30 Uhr Nach dem Frühsport fordere ich die AMAZON Lautsprechersäule auf, die kleine Villa mit prima Musik zu beschallen. ALEXA gehorcht mir aufs Wort und ich habe das Vergnügen, der aktuellen Kompaktscheibe des amerikanischen Ausnahmesängers John Moreland (31) zu lauschen. Während der Künstler seine Jugend in Oklahoma besingt, verabschiede ich mich ins Bad und lasse die Wirbelwanne mit Wasser volllaufen. Zudem rufe ich bei meinem Bruder an und erfahre, dass er die letzte Nacht auf einem wunderschönen Camping Ground (löblich: Wohnwagenplatz) an der Apalachee Bay verbracht hat. Georg ist begeistert und gibt mir zu verstehen, dass er gleich mit seiner Ehefrau nach Tallahassee kutschieren wird, um das alte Capitol (löblich: Rathaus) der Stadt zu besichtigen. Darüber hinaus vernehme ich, dass die lieben Leute am Nachmittag einen Spaziergang durch den weltbekannten „Alfred B. Maclay Garden“ unternehmen werden – das hört man gerne.


Meine Verwandten sind im Winnebago unterwegs

09.30 Uhr Nach Rosenöl duftend, hüpfe ich aus der Wanne und zögere nicht, mich ordentlich abzutrocknen und in Schale zu werfen. Anschliessend kontaktiere ich den Professor und kündige an, alsbald im Zentrum einzutreffen. Edelbert freut sich und sagt, dass er mich im Starbucks zum Frühstück erwarten wird – wie aufregend.
10.00 Uhr Just als Frau Gomez die Haustüre aufstösst, lasse ich den Autoschlüssel in meine Hosentasche wandern und rufe den Vierbeiner auf, mir nach draussen zu folgen. Meine Zugehfrau stellt sich mir jedoch in den Weg und unterbreitet, dass sie Waschpulver benötigt. Ich zucke mit den Schultern und entgegne, dass mir leider die Zeit fehlt, um im Supermarkt abzuschoppen. Um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen, schiebe ich die kleine Frau beiseite und laufe mit schnellen Schritten zum PS-strotzenden SUV.
10.45 Uhr Nach einer langen Parkplatzsuche kann ich den Chevrolet Suburban endlich vor dem besagten Kaffeehaus parken. Mit Dixon im Schlepptau eile ich in die Filiale und treffe Edelbert an einem Tisch mit Ausblick an. Weil mein Magen knurrt, fackle ich nicht lange und ordere zwei „Canadian Bacon & Egg Sandwiches“ (löblich: Kanadisches Schinken und Ei Brote) sowie einen grossen Becher „Veranda Blend“ Kaffee mit ganz viel Milch. Danach lasse mich neben dem Professor nieder und bringe heraus, dass er im Anschluss eine Buchhandlung aufsuchen möchte, um die neuerschienene Biografie „Democracy: Stories from the Long Road to Freedom“ aus Condoleezza Rices Feder zu kaufen. Ich mache grosse Augen und erinnere daran, dass die Negerin von 2005 bis 2009 Aussenministerin unter George W. Bush war und die Staaten Iran, Kuba, Myanmar, Nordkorea, Simbabwe und Weissrussland als „Vorposten der Tyrannei“ bezeichnet hat.


Frau Rice hat ein Buch geschrieben

11.45 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten stehen wir wieder auf der Strasse und statten dem Bookstore (löblich: Buchgeschäft) in der Nachbarschaft einen Besuch ab. Prompt werden wir fündig und vernehmen vom Geschäftseigentümer, dass der knapp 500 Seiten starke Wälzer mittlerweile die Bestsellerliste der „New York Times“ anführt. Ich überlege nicht lange und nehme mir ebenfalls ein Exemplar vom Regal.


Democracy von Condoleezza Rice

12.30 Uhr Nach dem Bezahlvorgang schlendern wir zum Auto und plaudern über dies und das. Prof. Kuhl reibt sich die Hände und meint, dass er sich nun die ersten Kapitel lesen wird. Ich schlage in die gleiche Kerbe und wünsche meinem Bekannten viel Vergnügen.
13.15 Uhr Zuhause angekommen, finde ich die kleine Villa redlichst herausgeputzt vor. Wie es sich gehört, fülle ich gesundes Trockenfutter in Dixons Napf und nehme mir das Recht heraus, eine Tiefkühlpizza im Ofen aufzubacken.
14.00 Uhr Ich lasse mir die Jause in der kühlen Wohnstube munden und blättere interessiert in Frau Rices Buch. Leider fallen mir schnell die Augen zu und ich sehe mich genötigt, die Beine auf dem Sofa hochzulegen.
15.00 Uhr Wenig später pocht Frau Pontecorvo an die Terrassentüre und erkundigt sich, ob sie mir beim Kaffeekränzchen Gesellschaft leisten darf. Ich nicke eifrig und mache mich augenblicklich am futuristischen DeLonghi Vollautomaten zu schaffen. Unterdessen wirft meine Nachbarin prüfende Blicke in die Memoiren der ehemaligen Aussenministerin und unkt, dass es mir schwer fallen muss, die englischen Fachbegriffe zu verstehen. Ich klopfe mir lachend auf die Schenkel und erwähne mit erhobenem Zeigefinger, dass mein Englisch perfekt ist.


Hund Dixon ist brav

16.00 Uhr Nachdem Frau Pontecorvo das Weite gesucht hat, breche ich mit dem Rüden zu einer Wanderung durch das Wohngebiet auf. Unter anderem schlendere ich am Haus von Herrn West vorbei und tratsche angeregt mit dem Ehemann der abgehalfterten Hollywooddiva Merryl Dench. Der Tattergreis lüftet seine Mütze und erzählt, dass seine Angetraute am Wochenende nach Los Angeles ausgeflogen ist – das soll mir auch Recht sein.
17.00 Uhr Wieder zurück in der kleinen Villa, schlüpfe ich aus den Flip Flops und gönne mir eine Hopfenkaltschale. Dazu gibt es ein mit Käse belegtes französisches Langbrot (unlöblich: Baguette) sowie köstliche Gurkenscheiben aus dem Glas – schmeckt gar nicht schlecht.


Ich schlüpfe aus den Flip Flops

18.00 Uhr Nach dem Nachtmahl mache ich es mir vor der Glotze bequem und schaue mir die Nachrichten an. Neben den üblichen Schreckensmeldungen aus dem alten Europa, lerne ich ausserdem, dass Morgen der „Ascension Day“ (löblich: Christi Himmelfahrt) gefeiert wird – wie schön.
19.00 Uhr Um auf andere Gedanken zu kommen, wechsle ich auf HBO und gebe mich dem Spielfilm „Complete Unknown“ (löblich: Komplett Unbekannt) hin. Ich staune Bauklötze und tauche in das Leben einer jungen Frau ein, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, ihre Mitmenschen Lügengeschichten aufzutischen – so ein Schmarrn.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Langeweile schalte ich den Flachbildschirm aus und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt lösche ich das Licht und falle übermüdet ins Bett. Gute Nacht.

19. Mai 2017 – Lake Berryessa

08.00 Uhr Auch heute hüpfe ich voller Vorfreude aus dem Bett und kann es kaum noch erwarten, einen weiteren Rundgang über das Campusgelände der Berkeley Universität zu unternehmen. Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, öffne ich das Fenster und führe die Morgengymnastik durch – wer rastet, der rostet.
09.00 Uhr Nach dem Waschvergnügen schlüpfe ich in eine legere Tschienshose sowie ein schwarzes T-Hemd und lasse es mir nicht nehmen, Edelbert einen Besuch abzustatten. Mein Bekannter wünscht mir einen schönen Tag und plappert, dass wir jetzt frühstücken und anschliessend zur „Tolman Hall“ spazieren sollten. Als ich genauer nachfrage, erhebt der Professor den Zeigefinger und informiert, dass er in besagtem Gebäude jahrelang Vorlesungen abgehalten hat – wie aufregend.
09.45 Uhr Nachdem wir ein spärliches Frühstück in der Cafeteria der „Alpha Gamma Omega“ Studentenverbindung eingenommen haben, vertreten wir uns die Beine und passieren unter anderem die „Soda Hall“, in der neukluge Heimrechnerexperten ausgebildet werden. Edelbert schnalzt mit der Zunge und setzt mich darüber in Kenntnis, dass in dieser Einrichtung Herr Eric Brewer, der Erfinder der drahtlosen Netzwerke gearbeitet hat – jaja.


Auf dem Campus gibt es viel zu sehen

10.30 Uhr Schlussendlich betreten wir die „Tolman Hall“ und ich lerne, dass dieser vierstöckige Bau vom weltbekannten Architekten Le Corbusier entworfen wurde. Prof. Kuhn lotst mich zielsicher durch die Gänge und erzählt, dass sein ehemaliges Büro im zweiten Stock zu finden war. Darüber hinaus erfahre ich, dass der Professor während seiner Dozentur nicht auf dem Campus gelebt, sondern ein schickes Haus in North Berkeley bewohnt hat. Mein Bekannter seufzt laut und beteuert, dass seine Lehrzeit an der Universität von Kalifornien sehr spannend war.
11.15 Uhr Wenig später stehen wir wieder auf der Strasse und fassen den Entschluss, den Heimweg anzutreten. Um etwas Abwechslung zu bekommen, wandern wir durch den „Chancellor’s Garden“ und haben währenddessen das Vergnügen, hochgewachsene Pinien zu sehen. Mein Begleiter steckt sich seine Pfeife an und unterbreitet, dass er sich an diesem Ort sehr gerne auf seine Vorlesungen vorbereitet hat – das hört man gerne.


Im Chancellor’s Garden gibt es viele Pinien

11.45 Uhr Weil das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, kehren wir kurzerhand ins gutbesuchte „Pizzahhh“ Gasthaus ein, um hausgemachte Nudeln mit Fleischbällchen zu fressen. Nebenher komme ich auf unseren geplanten Abstecher zum Lake Berryessa zu sprechen und gebe zu Protokoll, dass wir bald losfahren sollten. Mein Tischnachbar nickt eifrig und schlürft genüsslich an seiner Diät Cola – da kommt Freude auf.
12.30 Uhr Als der Minutenzeiger meiner ROLEX auf halb Eins zugeht, schlendern wir zum Chevrolet Tahoe und vereinbaren, dass Edelbert die knapp siebzigminütige Reise auf sich nehmen wird. Ich nehme entspannt auf dem Beifahrersitz Platz und verrate dem Professor, dass der Zodiac Killer zwei Monate nach dem Überfall auf die Kellnerin Darlene Ferrin und ihrem Begleiter Michael Mageau an besagtem Stausee sein Unwesen getrieben hat.
13.15 Uhr Während Edelbert auf der Interstate 80 gen Norden krust, berichte ich ausserdem, dass der Meuchelmörder am Nachmittag des 27. September 1969 in einem langen Mantel mit Henkerskapuze die 22jährige Cecelia Shepard sowie den 20jährigen Bryan Hartnell mit Messerstichen malträtiert hat. Edelbert stimmt zu und erinnert, dass der Serienkiller zur gleichen Zeit diverse Briefe an den „San Francisco Chronicle“, der „Vallejo Times“ und dem hiesigen „Examiner“ verfasst hat – wie wahr.

Robert Graysmith schreibt in seinem Roman „Zodiac“ folgendes:

Die Kapuze reichte vorne und hinten bis fast zur Taille hinunter, während sie seitlich an den Schultern endete. Sie war oben flach und an den Rändern mit Ziernähten versehen. Auf der latzartigen Vorderseite war ein weißes Kreuz in einem Kreis zu sehen. Die Enden des Kreuzes ragten über den Kreis hinaus. Das Kreuz schimmerte orangefarben in der untergehenden Sonne und war sehr sauber angenäht.

13.45 Uhr Nachdem wir die Gemeinde Vallejo hinter uns gelassen haben, erreichen wir endlich den Lake Berryessa, der um das Jahr 1843 von den ersten europäischen Siedlern angelegt wurde. Wir parken das Mietauto auf dem Rastplatz und nehmen uns das Recht heraus, auf Schusters Rappen zum Ufer zu laufen.
14.15 Uhr Am Ziel angekommen deutet Edelbert zu einer vorgelagerten Insel und mutmasst, dass die Opfer hier ein Picknick abgehalten und vom Zodiac überrascht wurden. Ich schlage in die gleiche Kerbe und stelle klar, dass der Mörder nach der Tat nicht nur sein Erkennungszeichen, sondern auch die Daten der anderen Verbrechen in die Autotüre der Opfer geritzt hat – wo soll das noch hinführen.

15.00 Uhr Bei angenehmen Temperaturen machen wir kehrt und gönnen uns in einem Restaurant ein kleines Mittagessen. Als wir kraftvoll zubeissen, macht mich der Professor auf den Umstand aufmerksam, dass der Zodiac am 11. Oktober 1969 ein letztes Mal im Stadtteil Presidio Heights in San Franzisko in Erscheinung trat und einen Taxifahrer mit einem gezielten Kopfschuss niederstreckte. Ich stimme uneingeschränkt zu und erwähne, dass bis 1974 weitere Morde verübt wurden, die möglicherweise auch dem Zodiac zugeschrieben werden können.

Täterbeschreibung vom 11. Oktober 1969:

175 bis 180 Zentimeter gross und stämmig. Schwarze Jacke mit Reissverschluss, dunkle Hose, brauner Bürstenschnitt, fünfunddreissig bis fünfundvierzig Jahre alt; Brillenträger.

16.00 Uhr Redlichst gestärkt hüpfen wir ins Auto und rasen in Richtung Berkeley davon. Beiläufig recherchiere ich im Internetz und bringe in Erfahrung, dass sich der Journalist Robert Graysmith dem Fall annahm und gemeinsam mit dem Polizeibeamten Dave Toschi geheime Ermittlungen anstellte. Die beiden konnten den vorbestraften Hausmeister Arthur Leigh Allen mit einigen Morden in Verbindung bringen und drei Durchsuchungsbeschlüsse erwirken. Leider stimmte die DNA des Mörders nicht mit der von Allen überein – wie schade.


Das Zeichen des Zodiac Killers

17.00 Uhr Sechzig Minuten später finden wir uns wieder auf dem Campus der „University of California“ ein. Wir schleppen uns mit letzter Kraft ins Verbindungsheim und suchen Herrn Boetticher Büro auf. Der Wissenschaftler begrüsst uns herzlich und kredenzt lustige Sandwiches (löblich: Wurstbrote) sowie brühfrischen Kaffee. Wir greifen beherzt zu und lassen den Heini an unseren Tageserlebnissen teilhaben. Herr Boetticher folgt unseren Ausführungen mit grossem Interesse und meint, dass der Zodiac Killer die Menschen damals in Angst und Schrecken versetzte – das glaube ich gerne.


Wir beissen kraftvoll zu

18.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, Hände zu schütteln und uns auf die Zimmer zu verabschieden. Ich wünsche Edelbert eine ruhige Nacht und ziehe es vor, den Abend vor der Glotze ausklingen zu lassen. Zudem rufe ich bei meinen Verwandten in Florida an und erkundige mich nach Dixon. Meine Schwägerin steht mir artig Rede und Antwort und versichert, dass es dem Rüden an nichts fehlt – wie beruhigend.
19.00 Uhr Nach den Nachrichten wechsle ich auf den Spartenkanal KOFY-TV und fröne dem Fernsehformat „MacGyver“. Das Fernsehspiel aus den späten 1980er Jahren erzählt die Geschichte eines Geheimagenten, der es immer wieder schafft, sich aus ausweglosen Situationen zu befreien – das macht Spass.
20.00 Uhr Weil mir langsam die Augen zufallen, beende ich den Fernsehabend und lösche sämtliche Lichter. Anschliessend reguliere ich die Klimaanlage und döse prompt ein. Gute Nacht.

17. Mai 2017 – Phoebe A. Hearst Museum of Anthropology

Sehr geehrter Leser,

gestern trafen wir auf dem Campus der renommierten Berkeley Universität ein und wurden von Edelberts Bekannten herzlich begrüsst. Herr Tyrus Boetticher (63) ist nicht nur Präsident der „Alpha Gamma Omega“ Studentenverbindung, sondern auch ein anerkannter Psychologe und Zeitforscher.

Der Heini führte uns über das Areal und nahm sich ausserdem das Recht heraus, uns seine Forschungseinrichtung zu zeigen. Unter anderem brachte ich heraus, dass sich Herr Boetticher mit interdisziplinäre Bewusstseins- und Zeitforschung auseinandersetzt und seit etlichen Jahren an einem bahnbrechenden Forschungszyklus arbeitet. Der Wissenschaftler war ganz aus dem Häuschen und wollte und weiss machen, dass er in wenigen Monaten in der Lage sein wird, einen Zeitsprung in die Zukunft zu unternehmen – wie aufregend.


Das Berkeley Labor muss man gesehen haben

Darüber hinaus war es uns möglich, einen erquickenden Spaziergang zum „Ernest Orlando Lawrence Berkeley National Laboratory“ zu unternehmen. Die besagte Einrichtung wird vom amerikanischen Energieministerium finanziert und umfasst 15 Fachabeilungen, in denen sich bis zu 4.000 Wissenschaftler mit wichtigen Fragen rund um die Bereiche Informatik, Biologie, Ressourcengewinnung und Energie beschäftigen.


Das Hearst Museum auf dem Universitätsgelände

Den heutigen Tag werden wir nutzen, um das „Phoebe A. Hearst Museum of Anthropology“ (löblich: Phoebe A. Hearst Museum der Menschenkunde) zu besichtigen. Interessierte Besucher finden in den heiligen Museumshallen unzählige Ausstellungsstücke aus längst vergangenen Epochen – das wird eine Gaudi.


Heute Abend steigt eine Feier – wie aufregend

Am Abend findet im Gästehaus der „Alpha Gamma Omega“ Studentenverbindung übrigens ein rauschendes Fest statt. Herr Boetticher wird sich nicht lumpen lassen und eine feuchtfröhliche Feier mit Bier und Tanz ausrichten.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg

11. Mai 2017 – Beim Coiffeur

08.00 Uhr Ein neuer Tag beginnt und ich stelle beim Blick in den Spiegel fest, dass meine Haare wild zu Berge stehen. Um in Kalifornien eine gute Figur abzugeben, fasse ich den Entschluss, gleich nach dem Frühstück einen Coiffeur aufzusuchen und mir die Haare aufsteilen zu lassen – mir bleibt wirklich gar nichts erspart.
08.30 Uhr Nach dem Frühsport ziehe ich mich in die Nasszelle zurück und telefoniere während des Badevergnügens mit meinen Verwandten. Als ich auf den Frisörbesuch zu sprechen komme, fällt mir Maria ins Wort und regt an, dass ich Hund Dixon währenddessen gerne im Lowbank Drive abliefern kann – wie schön.


Das Ferienhaus meiner Verwandten im Lowbank Drive

09.30 Uhr Schwuppdiwupp hüpfe ich aus der Wirbelbadewanne und zögere nicht, die wichtigste Mahlzeit des Tages auf der schattigen Terrasse einzunehmen. Unterdessen erzähle ich dem Vierbeiner, dass er den Vormittag bei Georg und Maria im Ferienhaus verbringen darf. Der Rüde leckt sich aufgeregt die Lefzen und kann es kaum noch erwarten, von meiner Schwägerin mit Leckereien verwöhnt zu werden.
10.00 Uhr Nachdem ich mit Edelbert telefoniert und ihn über den Frisörbesuch in Kenntnis gesetzt habe, schnappe ich mir die Leine und scheuche Dixon zum Auto. Mit durchdrehenden Pneus presche ich vom Grundstück und lausche während der kurzweiligen Reise dem Radioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land).
10.30 Uhr Ich treffe gutgelaunt bei meinen Liebsten ein und stelle fest, dass Georg das Wasser aus dem Schwimmbecken abgelassen hat. Mein Bruder deutet auf zwei lockere Bodenfliesen und berichtet, dass in der kommenden Woche ein Handwerker anrücken und den Schaden beheben wird. Ich reibe den Daumen am Zeigefinger und unke, dass der Fachmann ein kleines Vermögen in Rechnung stellen wird. Georg zuckt gelangweilt mit den Schultern und meint, dass er sich nun eine Zigarre anzünden wird – wie unlöblich.


Bitte nicht rauchen!

11.00 Uhr Schlussendlich wünsche ich meinen Verwandten schöne Stunden und rase ruckzuck in Richtung Zentrum davon. Weil das „llenocos“ laut der Internetzplattform YELP zu den zehn besten Haarschneidegeschäften der Stadt zählt, parke ich den PS-strotzenden SUV kurzerhand vor dem Studio an der 4th Avenue. Mit einem lustigen Lied auf den Lippen schlendere ich in das lichtdurchflutete Geschäft und bemerke, dass ich nicht der einzige Kunde bin. Zu allem Überfluss gesellt sich ein kleinwüchsiger Heini an meine Seite und bittet mich, auf dem weissen Ledersofa Platz zu nehmen. Ich komme dem Aufruf spornstreichs nach und nutze die Wartenzeit, um in der aktuellen Ausgabe des Tratschmagazins „Marie Claire“ zu blättern.
11.45 Uhr Nach fünfundvierzig Minuten bin ich endlich an der Reihe. Der Knecht lotst mich zu einem Frisörstuhl und erkundigt sich, ob meine Haare gewaschen werden müssen. Ich tippe mir an die Schläfe und antworte, dass ich bald in den goldenen Westen ausfliegen werde und einen feschen Schnitt benötige. In diesem Zusammenhand schlage ich die „Marie Claire“ auf und gebe zu Protokoll, dass mir der Haarschnitt von Herrn George Clooney gut zu Gesicht stehen würde. Der Experte schmunzelt in einer Tour und verspricht, sein Bestes zu geben – wie schön.


Bald besuche ich die Universität von Berkeley

12.45 Uhr Wenig später hat der Mann sein Werk vollbracht und knöpft mir 65 Dollars ab. Ich seufze laut und eile mit schnellen Schritten zum Auto, um die Heimfahrt anzutreten.
13.30 Uhr Zurück im Lowbank Drive, werde ich von Maria zum Mittagessen eingeladen. Darüber hinaus behauptet die Gute, dass mich der neue Haarschnitt viel jünger aussehen lässt. Ich winke ab und rechne vor, dass der Homo im Frisörladen 65 Dollars verlangt hat – wo soll das noch hinführen.
14.15 Uhr Während ich mich an einem italienischen Nudelschichtgericht labe, erzähle ich meinen Verwandten von der bevorstehenden Reise nach Berkeley und erwähne, dass uns jemand am Sonntag nach Miami bringen muss. Georg reibt sich die Hände und sagt, dass es ihm eine Ehre sein wird, Prof. Kuhn, Hund Dixon und mich zum Flughafen zu kutschieren – das ist phantastisch.
15.15 Uhr Weil ich einen anstrengenden Vormittag hatte, bedanke ich mich für die Mahlzeit und ziehe es vor, nach Hause zurückzukehren. Mit letzter Kraft schleppe ich mich zum Chevrolet und rase in den Willoughby Drive zurück.


Mein Zuhause unter Palmen

16.00 Uhr Gähnend stosse ich die Haustüre auf und fülle gesundes Trockenfutter in Dixons Napf. Danach bette ich mich auf dem Kanapee zur Ruhe und döse prompt ein – das tut gut.
17.00 Uhr Pünktlich zum Fünfuhrläuten rolle ich mich vom Sofa und mache es mir zur Aufgabe, das Abendessen vorzubereiten. Während ich ein Schnitzel herausbrate, rufe ich erneut beim Professor an und lasse meine Tageserlebnisse Revue passieren. Mein Bekannter hört aufmerksam zu und meint, dass er die Nachmittagsstunden ausgenutzt hat, um im Internetz über Oakland zu recherchieren. Ich schnalze demonstrativ mit der Zunge und vermute, dass unsere Forschungsreise sehr spannend werden wird.
18.00 Uhr Nach der Brotzeit lege ich im klimatisierten Wohnzimmer die Beine hoch und gebe mich den FOX Nachrichten hin. Unter anderem lerne ich, dass der aus Jamaika stammende Sänger Bob Marley just heute vor 36 Jahren das Zeitliche gesegnet hat – wie schnell die Zeit doch vergeht.

19.00 Uhr Zur sogenannten Prime Time (löblich: Hauptfernsehzeit) wechsle ich auf AMC, um mir die preisgekrönte Dokumentation „B-Movie“ anzuschauen. Ich staune Bauklötze und tauche in den Welt ungewaschener Langhaariger ein, die während der wilden 1980er Jahre West-Berlin unsicher machen – wie unlöblich.
21.00 Uhr Um keine viereckigen Augen zu bekommen, beende ich den Fernsehabendkulkul und rufe Dixon ins Haus. Anschliessend verschliesse ich die Haustüre sicher und falle erschöpft ins Bett. Gute Nacht.

6. und 7. Mai 2017 – Sieben Minuten nach Mitternacht

Hi Fans,

wie ihr sicher wisst, bin ich ein grosser Fan des Horror- und Fantasykinos. Einer der besten Filme dieses Fantasygenres war sicherlich „Das Waisenhaus“ aus dem Jahre 2007. Das mexikanisch/spanische Horrorfilm-Drama wurde damals mit mehreren Goyas, dem „Cinema Writers Circle Award“ sowie mit dem „International Fantasy Film Award“ ausgezeichnet. Der spanische Regisseur Juan Antonio Bayona wurde mit diesem Streifen weltbekannt und ging nach Hollywood, um mit dem packend gespielten Katastrophenfilm „The Impossible“ (2012) einen Blockbuster in die Kinos zu bringen 🙂

Am Donnerstag ist nun der neue Juan Antonio Bayona Film „Sieben Minuten nach Mitternacht“ europaweit angelaufen. Der 42jährige Filmemacher konnte für seine neueste Arbeit tolle Schauspieler wie Lewis MacDougall, Sigourney Weaver und Felicity Jones gewinnen. „Sieben Minuten nach Mitternacht“ erzählt die Geschichte des siebenjährigen Conor, der mit der Krankheit seiner Mutter und dem Mobbing seitens seiner Mitschüler nicht klarkommt. Um der Realität zu entfliehen, flüchtet er sich in eine fantastische Welt voller Monster und Märchen …

Ich werde heute mit Mitbewohnerin Bärbel, Cousin Bernd und Freundin Marlene ins Kino gehen und hoffentlich einen tollen Film sehen. Die Kritiker waren von „Sieben Minuten nach Mitternacht“ jedenfalls begeistert …

Mit Reinhard habe ich auch schon telefoniert.
Der Rentner hat gestern mit Edelbert, Frau Pontecorvo und seinen Verwandten „Cinco de Mayo“ gefeiert und anscheinend zu tief ins Glas geschaut. Deswegen wird er heute einen Ruhetag einlegen und keinen Finger krümmen 🙂

Okay, jetzt muss ich mich aber sputen.
Ich wünsch‘ euch ein tolles und hoffentlich auch sonniges Wochenende.
Sandra