21. Februar 2018 – Sam Peckinpah

Sehr geehrter Leser,

David Samuel Peckinpah wurde am 21. Februar 1925 als Sohn eines Rechtsanwalts in Fresno, CA geboren. Der Spross einer deutschen Einwandererfamilie studierte Dramaturgie an der “University of Southern California” und schloss sich bald einer Theatertruppe an, um sich erste Sporen als Regisseur zu verdienen.

Mitte der 1950er Jahre lernte er den bekannten Filmschaffenden Don Siegel kennen und arbeitete mit ihm am Drehbuch zum Zukunftsfilm “Die Dämonischen” (englisch: Invasion of the Body Snatchers). Darüber hinaus verfasste er Geschichten für das Fernsehen und steuerte Drehbücher zur Serie “Rauchende Colts” (englisch: Gunsmoke) bei.

Anfang der 1960er wurde er von den “Metro Goldwyn Mayer Studios” engagiert und durfte seinen ersten Langfilm unter dem Titel “Ride the High Country” (deutsch: Sacramento) verwirklichen. Der wegweisende Wild-West Film markierte mit “Der Mann, der Liberty Valance erschoss” den Übergang vom klassischen Western zum sogenannten Spätwestern. Dieses Genre zeichnete ein besonders kritisches Bild des Wilden Westens und wendete sich von den idealisierenden Motiven der amerikanischen Pionierzeit ab. Sam Peckinpahs “Sacramento” entwickelte sich zu einem Lichtspielhauserfolg und erlaubte es ihm, auch in der Folgezeit in Hollywood zu arbeiten.

Weltbekannt wurde Sam Peckinpah Anno 1969 mit seinem Meisterwerk “The Wild Bunch”. Obgleich der Film exzessive Gewalt zeigt, wird er heutzutage als einer der besten Filme aller Zeiten angesehen. Auch die im Jahre 1973 und 1974 entstandenen Produktionen “Pat Garrett and Billy the Kid” und “Bring Me the Head of Alfredo Garcia” (deutsch: Bring mir den Kopf von Alfredo Garcia) wurden als Meisterwerke angesehen und machten Sam Peckinpah zu einem der bekanntesten Köpfe des “Neuen Hollywoods”.

Leider schaffte es Sam Peckinpah in den folgenden Jahren kaum noch, an seine alten Erfolge anzuknüpfen. Sein Konsum an Drogen und Alkohol stieg stetig und machte es für den Regisseur fast unmöglich, neue Filmideen umzusetzen. Schlussendlich starb Sam Peckinpah am 28. Dezember 1984 im Alter von nur 59 Jahren an einen Schlaganfall.

Hochachtungsvoll
Reinhard Pfaffenberg

19. Januar 2018 – Bob Rauschenberg Gallery

08.00 Uhr Ich rolle mich zufrieden aus dem bequemen Wasserbett und bemerke beim Blick aus dem Fenster, dass uns Petrus heute gar nicht wohlgesonnen ist. Anstatt mit Sonnenschein zu verwöhnen, beschert uns der Hüter der Himmelspforte stetigen Regen und sehr kühle Temperaturen – wo soll das noch hinführen.
08.30 Uhr Nachdem ich die Morgengymnastik in der trocknen Stube absolviert habe, bitte ich die AMAZON Echo Musiksäule, stimmungsvolle Jimmy Buffett Klänge anzustimmen. Das technische Wunderwerk setzt meinen Befehl prompt in die Tat um und beschallt die kleine Villa mit dem Gassenhauer “Margaritaville” aus dem Jahre 1977.


Hallo Alexa

09.00 Uhr Während ich die Seele bei einem Wirbelbad baumeln lasse, telefoniere ich mit Georg und vernehme, dass meine Verwandten bald nach Fort Myers krusen und die “Bob Rauschenberg Gallery” besuchen wollen. Ich lache laut und mutmasse, dass Maria ein Vermögen in eine lächerliche Vase investieren möchte. Mein Bruder belehrt mich jedoch eines Besseren und unterbreitet, dass in der Galerie lediglich Kunstwerke ausgestellt werden. Da ich nichts besseres zu tun habe, fordere ich den guten Mann auf, gegen 10 Uhr vorbeizukommen und mich abzuholen.
09.45 Uhr Wenig später steige ich aus der Wanne und nehme mir das Recht heraus, eine frischaufgebügelte Tschiens sowie einen Pullover mit Rentieraufdruck anzuziehen. Danach fülle ich gesundes Trockenfutter in Dixons Napf und nehme selbst mit einem Apfel sowie einem reichbelegten Schinkenbrot Vorlieb – das schmeckt.


Ich beisse kraftvoll zu

10.15 Uhr Just als ich das Geschirr in die Spüle stelle und mir Gedanken bezüglich des Mittagessens mache, kommt der JEEP meiner Verwandten hupend vor dem Eigenheim zum stehen. Natürlich fackle ich nicht lange und scheuche den Vierbeiner nach draussen, um die lieben Leute herzlich zu begrüssen. Georg tippt entnervt auf seine BREITLING Armbanduhr und ermutigt mich, schnell zuzusteigen und mich anzuschnallen – jaja.
10.45 Uhr Während der kurzweiligen Reise kommt meine Schwägerin auf ihre bevorstehende Abreise zu sprechen und beteuert, dass sie am Mittwoch nach Toronto ausfliegen wird. Ferner lädt mich die Perle ein, anlässlich Georgs Geburtstag im März nach Kanada zu kommen – das hört sich verlockend an.
11.00 Uhr Nach einer Stunde kommen wir vor der Kunsthalle zum halten und registrieren, dass das “Bob Rauschenberg Museum” dem “South Western State College” angeschlossen ist. Wie es sich gehört, nehme ich Dixon an die Leine und folge meinen Verwandten zum Eingang, um dem übergewichtigen Pförtner klarzumachen, dass ich erblindet bin und auf meinen tierischen Begleiter nicht verzichten kann. Der Knecht nickt eifrig und wünscht uns viel Vergnügen – das werden wir erst noch sehen.
11.30 Uhr Während Dixon aus dem Schnüffeln gar nicht mehr herauskommt, nehmen wir die Schmierereien in Augenschein und finden uns prompt vor einem Werk der aus Tokio stammenden Kunstschaffenden Yoko Ono wieder. Georg ist bestens informiert und setzt mich darüber in Kenntnis, dass die Frau viele Jahre mit dem Musikanten John Lennon liiert war. Ich winke demonstrativ ab und entgegne, dass ich mich mit dem Begriff “Kunst” sehr schwer tue. Maria gibt mir Recht und schlägt vor, dass wir ganz schnell weitergehen sollten – wie wahr.
12.15 Uhr Kurz nach der Mittagszeit finden wir uns vor einer Erinnerungstafel ein und lernen, dass Robert Rauschenberg anno 1925 in Texas das Licht der Welt erblickt hat und einer der Wegbereiter der sogenannten Pop Art (löblich: Populären Kunst) war. Darüber hinaus erfahren wir, dass der Heini den Siebdruck revolutioniert hat und auch als Photograph grosse Erfolge feiern konnte – das soll mir auch Recht sein.


Eine Stärkung darf nicht fehlen

13.00 Uhr Nachdem wir alles gesehen haben, verlassen wir die Galerie und schicken uns an, in die benachbarte “Dunkin’ Donuts” Filiale einzukehren. Bei Kaffee und Schokoladenkringel lassen wir den Museumsbesuch Revue passieren und vereinbaren ausserdem, dass wir am Wochenende eine Abschiedsfeier im Lowbank Drive veranstalten sollten. Georg ist hellauf begeistert und verspricht, nicht nur Herrn Wongler und Herrn Wang, sondern auch Prof. Kuhn sowie Frau Pontecorvo einzuladen – wie schön.
13.30 Uhr Redlichst gestärkt treten wir die Heimreise an und entschliessen uns, am Meer entlang nach Naples zurückzufahren. Während der Ausfahrt krusen wir auf dem Estero Boulevard auf die vorgelagerte Insel und haben sogar das Vergnügen, lustige Delphine im azurblauen Ozean zu sehen – das macht Spass.
14.15 Uhr Wieder zurück im Willoughby Drive, genehmige ich mir ein Glas selbstzubereitete Cola und falle dann aufs Kanapee. Nach wenigen Augenblicken döse ich ein und träume von schönen Stunden auf dem Appalachian Trail.


Ich träume vom Appalachian Trail

15.15 Uhr Ich erwache ausgeruht und fülle meine Hahn und Henne Tasse mit echtem Bohnenkaffee auf. Danach setze ich mich an den Schreibtisch und komme meinen Pflichten als staatlich anerkannter Anschnurseelsorger nach. Während der Regen gegen die Fensterscheiben hämmert, rufe ich elektronische Depeschen ab und helfe verzweifelten Menschen bei schwerwiegenden Problemen.
16.30 Uhr Nachdem ich die Arbeit beendet habe, lösche ich meinen Durst mit einem Budweiser und rufe Dixon auf, selbständig Gassi zu gehen. Unterdessen nehme ich die Geschirrspülmaschine in Betrieb und lausche handgemachter Landmusik auf der Frequenz von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) – wie aufregend.
17.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 5 zugeht, begebe ich mich fingerschnippend in die Küche und schiebe eine Thunfischpizza in den Backofen. Dazu gibt es einen vitaminreichen Tomatensalat mit Oliven und perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen – das keusche Auge isst bekanntlich stets mit.
17.45 Uhr Nach der Brotzeit telefoniere ich mit dem Professor und merke an, dass ich mich heute der Kunst hingegeben und ein Museum in Fort Myers besucht habe. Ferner verrate ich, dass Georg und Maria am Sonntag zu einer zünftigen Grillfeier einladen werde. Der schlaue Mann schnalzt mit der Zunge und verspricht, etliche Flaschen Schaumwein beizusteuern – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.


Ich fröne den Abendnachrichten auf FOX

18.15 Uhr Endlich kann ich es mir in der klimatisierten Stube bequem machen und den Abendnachrichten frönen. Der gestriegelte Moderator versorgt mich mit wissenswerten Fakten und meldet, dass Morgen mit wärmeren Temperaturen zu rechnen ist – wie beruhigend.
19.00 Uhr Um auf andere Gedanken zu kommen, nehme ich zur besten Sendezeit mit dem NETFLIX Programm Vorlieb und schaue mir die Eigenproduktion “Bright” an, die von einer Welt erzählt, in der Elfen, Feen und Orks gemeinsam an der Seite von Menschen leben – wie lächerlich.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Langeweile schalte ich die Glotz aus und unternehme mit Dixon einen kleinen Spaziergang durch den Garten. Zu guter Letzt verriegle ich die Haustüre und lege mich ins Bett. Gute Nacht.

10. Januar 2018 – Charles Ives Take Me Home

08.00 Uhr Pünktlich zum Achtuhrläuten rolle ich mich aus dem Wasserbett und stosse die Terrassentüre auf, um die Morgengymnastik an der frischen Luft zu absolvieren. Weil Bewegung sehr wichtig ist, rudere ich mit den Armen und rufe Hund Dixon auf, meinem Beispiel zu folgen. Anstatt sich zu strecken, zieht es der Rüde vor, zum Teich zu traben und die handzahme Echse Billy anzuknurren – wie lustig.
08.30 Uhr Da ich von meinen Verwandten erwartet werde, beende ich den Frühsport und eile in die Nasszelle, um mich bei einem Wirbelbad zu entspannen. Nebenher mache ich mir meine eigenen Gedanken und komme schnell zu dem Schluss, dass ich nicht ohne ein kleines Präsent bei den lieben Leuten antanzen kann.
09.30 Uhr Wenig später beende ich den Waschvorgang und schlüpfe in eine Bermudahose sowie ein farbenfrohes Hawaiihemd. Danach bürste ich Dixons Fell und vergesse auch nicht, ihm das schöne Lederhalsband umzulegen.


Man muss stets mit der Mode gehen

10.00 Uhr Just als ich die kleine Villa verlasse, kommen Frau Pontecorvo und Blanche daher. Die unterbelichtete Bekannte meiner Nachbarin reicht mir die Hand und berichtet, dass sie nun nach Jacksonville zurückkehren wird. Ich seufze laut und entgegne, dass ihr Besuch viel zu kurz war. Um weitere Diskussionen aus dem Weg zu gehen, tippe ich auf meine wertvolle ROLEX und hüpfe in den PS-strotzenden SUV. Ruckzuck lasse ich den Wählhebel der Automatikschaltung in der D-Stellung einrasten und presche als erstes zum CIRCLE K Supermarkt an der Immokalee Road, um 15 Dollars in einen Blumenstrauss sowie eine Flasche O-Saft zu investieren.
10.45 Uhr Kurz vor dem Elfuhrläuten komme ich vor dem Urlaubsdomizil meiner Familie zum stehen und werde von meinem Bruder herzlich Willkommen geheissen. Georg führt mich zuvorkommend zum Schwimmbecken und erzählt, dass Herr Wang und Edelbert auch schon da sind – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.


Das Ferienhaus meiner Verwandten

11.15 Uhr Nachdem ich Maria die Blümchen überreicht und Edelbert sowie Herr Wang einen schönen Morgen gewünscht habe, mache ich mich über die wichtigste Mahlzeit des Tages her. Maria fährt lächelnd eine Schinkenplatte auf und versorgt uns auch mit Rühreiern sowie hauchdünn aufgeschnittenem Lachs – wie schön.
11.45 Uhr Während ich kraftvoll zubeisse, kommt Herr Wang auf das “Naples Manor Motel” zu sprechen und beteuert, dass der letztjährige Jahresumsatz alle Erwartungen übertroffen hat. Georg reibt sich die Hände und erinnert, dass er immer noch als stiller Teilhaber fungiert und 25% des Gewinns einstreichen wird. Ich rolle mit den Augen und unke, dass es schön sein muss, Millionen auf dem Konto zu haben – davon kann ich nur träumen.
12.15 Uhr Im weiteren Verlauf des Frühstücks lässt Edelbert das gestrige Telefonat mit seinem Sohn Revue passieren und kündigt an, dass Herr Peter im Mai womöglich nach Florida ausfliegen und seinen Jahresurlaub unter Palmen verbringen wird. Ich werde sogleich hellhörig und stelle klar, dass ich es kaum noch erwarten kann, seinen Stammhalter wiederzusehen und mit ihm über politische Themen zu diskutieren – das wird ein Spass.
12.45 Uhr Nach der reichhaltigen Brotzeit entkorkt Georg eine Flasche Veuve Clicquot Schaumwein und meint, dass er sich glücklich schätzen kann, Deutschland vor vielen Jahres den Rücken gekehrt zu haben. Ich schlage in die gleiche Kerbe und informiere, dass das alte Europa längst dem Untergang geweiht ist.
13.30 Uhr Zum Abschluss unseres Beisammenseins serviert Maria kräftige Espressos und lädt uns ein, am Abend mit ins Theater zu kommen. Bevor ich Widerworte finde, präsentiert Georg ein Hochglanzmagazin und verdeutlicht, dass um 20 Uhr das Stück “Charles Ives Take Me Home” im örtlichen Schauspielhaus Premiere feiern wird. Ich greife mir spornstreichs an die Stirn und weise auf die Tatsache hin, dass ich starke Kopfschmerzen habe und nun die Heimreise in den Willoughby Drive antreten werde.


Mein Zuhause unter Palmen

14.15 Uhr Nach einer kurzweiligen Ausfahrt erreiche ich mein Ziel und freue mich auf einen ruhigen und besinnlichen Nachmittag. Weil Dixon ganz ungeduldig ist, fülle ich seinen Napf mit Trockenfutter auf. Anschliessend lege ich auf dem Kanapee die Beine hoch und entspanne mich von den Strapazen des Vormittags – das tut gut.
15.15 Uhr Nach einer Stunde komme ich wieder in die Gänge und sehe im Garten nach dem Rechten. Unter anderem versorge ich das Petersilienbeet mit frischem Wasser und mache es mir ausserdem zur Aufgabe, mit dem Haustier etwas Ball zu spielen. Bei dieser Gelegenheit fällt mir ein, dass wir alsbald zum Tierarzt unseres Vertrauens fahren und Dixons Impfungen auffrischen sollten – was das wieder kostet.


Die hochgewachsene Petersilie

16.15 Uhr Nachdem ich mit Frau Pontecorvo geplaudert habe, kehre ich in die klimatisierte Stube zurück und setze mich an den Schreibtisch. Pflichtbewusst rufe ich Depeschen besorgter Heimseitenbesucher ab und erfahre, dass es in Deutschland angesichts der vielen Wirtschaftsflüchtlinge drunter und drüber geht – das ist wieder typisch.
16.30 Uhr Zu guter Letzt nehme ich die neuen Einträge im Gästebuch in Augenschein und sehe mich genötigt, wegen einer Morddrohung das BKA zu verständigen – alles kann man sich auch nicht bieten lassen.
17.30 Uhr Nachdenklich beende ich die Arbeit und bereite das Abendessen vor. Um nicht stundenlang am heissen Herd stehen zu müssen, schiebe ich kurzerhand eine Tiefkühlpizza ins Backrohr und zaubere dazu einen vitaminreichen Gurkensalat mit Zwiebelringen und Dill – das macht Spass.

18.30 Uhr Nach dem Nachtmahl schalte ich die Glotze ein und mache mich auf FOX über die tagesaktuellen Geschehnisse schlau. Neben den üblichen Schreckensmeldungen aus dem Nahen Osten erfahre ich ausserdem dass NETFLIX mit der neu angelaufenen Serie “Star Trek: Discovery” sämtliche Rekorde gebrochen hat.
19.00 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, schalte ich auf HBO um und gebe mich der Komödie “Broken Flowers” (löblich: Gebrochene Blumen) hin. Die preisgekrönte Hollywoodproduktion von Jim Jarmusch handelt von einem älteren Herren, der im ganzen Land verzweifelt nach der Mutter seines Sohnes sucht.
21.15 Uhr Nach 120 heiteren Minuten flimmert der Abspann über den Bildschirm und ich beende den Fernsehabend. Zu guter Letzt rufe ich Dixon ins Haus und lege mich schlafen. Gute Nacht.

17. November 2017 – Frühstück mit Verwandten

08.00 Uhr Schon zur frühen Stunde bimmelt das Telefon und ich habe das Vergnügen, mit Maria plaudern zu können. Meine Schwägerin wünscht mir einen schönen Morgen und setzt mich darüber in Kenntnis, dass wir uns gegen 10 Uhr in “Julies Restaurant” zum Frühstück treffen werden. Ich juchze laut und verspreche, pünktlich zu sein und grossen Hunger mitzubringen – da kommt besonders grosse Freude auf.
08.30 Uhr Nach dem Frühsport stecke ich Dixon einen Kauknochen ins Maul und gebe vor, dass ich mich nun bei einem lustigen Wirbelbad entspannen werde. Der Rüde flitzt wie von Sinnen ins Wohnzimmer und nimmt das Recht heraus, das Büffelhautschmankerl auf dem Kanapee zu verzehren – das ist ja allerhand.


Dixon bekommt einen Kauknochen

09.30 Uhr Sechzig Minuten später präsentiere ich mich in legerer Freizeitkleidung und fordere das Haustier auf, sein Nickerchen zu beenden und mir zum Chevrolet zu folgen. Dixon gehorcht mir aufs Wort und hüpft im hohen Bogen auf die Ladefläche des PS-strotzenden SUVs. Anschliessend gleite ich hupend vom Grundstück und kann es kaum noch erwarten, eine reichhaltige Mahlzeit im Kreise meiner Liebsten einzunehmen – das wird ein Spass.
10.00 Uhr Pünktlich auf die Minute erreiche ich mein Ziel und treffe Georg und Maria, sowie Robert und Jessica Pfaffenberg an unserem Stammtisch an. Wie es sich gehört, begrüsse ich die Herren per Handschlag und lote aus, wer für das Frühstück bezahlen wird. Mein Grosscousin meldet sich prompt zu Wort und beteuert, dass er heute die Spendierhosen angezogen hat und für Speis und Trank einstehen wird. Ich fackle nicht lange und bitte Frau Julie, neben einer Kanne Kaffee ausserdem ein grosses Frühstück sowie etwas Speck für Dixon aufzutischen.


Ich sage NEIN zu Handtelefonen

10.30 Uhr Meine Tischnachbarn folgen dem Beispiel und tratschen angeregt über ihren gestrigen Theaterbesuch. Unter anderem bringe ich heraus, dass das Stück “Maple & Vine” von einem frustrierten Ehepaar handelt, das sich einer Sekte anschliesst und sich fortan von Handtelefonen und anderem neumodernen Schnickschnack lossagt. Als ich mich Robert zuwende, schüttelt er den Kopf und unterbreitet, dass er von der ordinären Sprache der Protagonisten ganz und gar nicht angetan war – das ist wieder typisch.
11.15 Uhr Schlussendlich bringt Wirtin Julie eine ellenlange Rechnung an den Tisch und knöpft Robert 80 Dollars ab. Der Texaner macht grosse Augen und meint, dass er in der Kleinstadt Boerne für 80 Dollars eine ganze Footballmannschaft verköstigen könnte. Ich klopfe mir schmunzelnd auf die Schenkel und weise auf die Tatsache hin, dass Naples ein teures Pflaster ist. Trotz der Nackenschläge lassen wir uns die Laune nicht verderben und brechen mit Hund Dixon zu einem kleinen Spaziergang entlang der Vanderbilt Beach Road auf. Bei angenehmen Temperaturen passieren wir die angrenzenden Reinigungsfirmen und ich verrate Jessica, dass im Collier County viele Einwanderer aus Indonesien leben. Um meinen Aussagen Nachdruck zu verleihen, deute ich in Richtung von “Joo Cleaning” und merke an, dass ein Grossteil der Asiaten in der Reinigungsbranche beschäftigt sind.
12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, stehen wir wieder vor “Julies Restaurant”. Robert wischt sich mit dem Handrücken über die nasse Stirn und kündigt an, dass er Morgen mit seiner Ehefrau nach Coconut Grove krusen wird, um seine Tochter Kimberly zu besuchen. Ich wünsche Robert viel Vergnügen und vernehme, dass die Texaner erst am kommenden Mittwoch zurück sein werden – wie schade.


Mein Zuhause im Willoughby Drive

13.00 Uhr Wieder zurück im Willoughby Drive, versorge ich Dixon mit Trockenfutter und rufe dann bei Prof. Kuhn an, um ihn über meine Aktivitäten in Kenntnis zu setzen. Der schlaue Mann freu sich und entgegnet, dass er den Vormittag im “Coastland Center” verbracht und Socken eingekauft hat – das hört man gerne.
13.30 Uhr Nach dem Telefonat schlüpfe ich aus den Kuhjungenstiefeln und falle erschöpft aufs Kanapee. Bereits nach wenigen Sekunden döse ich ein und träume vom bevorstehenden Weihnachtsfest.
14.30 Uhr Da es sich nicht gehört, den ganzen Nachmittag zu verschlafen, rapple ich mich auf und komme meinen Pflichten als Anschnurseelsorger nach. Mit flinken Fingern navigiere ich durchs Internetz und studiere Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher. Natürlich gebe ich auch Ratschläge ab und animiere die Erziehungsberechtigten, mit der jungen Generation nicht zu zimperlich umzugehen.
15.30 Uhr Zum Abschluss der Beratungsstunde schalte ich noch die neuen Einträge im Gästebuch frei und nehme meine persönliche Korrespondenz in Augenschein. Im Anschluss sehe ich mich im Garten um und spiele mit Dixon etwas Ball – was kann es schöneres geben.


Hund Dixon spielt Ball

16.30 Uhr Wegen der Hitze ziehe ich mich bald in die klimatisierte Stube zurück und richte mir eine kalte Wurstplatte mit hauchdünn aufgeschnittenem Capocollo an. Ferner giesse ich mir ein Bier ein und studiere während des Abendessens lesenswerte Berichte in der “Naples Daily News” (löblich: Naples aktuelle Neuigkeiten).
17.30 Uhr Bevor ich mich in den Feierabend verabschiede, schalte ich die leistungsstarke Geschirrspülmaschine ein und vergesse auch nicht, den Küchenboden zu wischen – Sauberkeit ist mir nämlich besonders wichtig.
18.15 Uhr Völlig erschöpft schleppe ich mich ins Wohnzimmer und lege die Beine hoch. Nebenher folge ich den FOX Nachrichten und lerne, das Donald Trump erneut die amerikanischen Medien gescholten und ihnen vorgeworfen hat, sogenannte “Fake News” (löblich: Falschmeldungen) zu verbreiten.

19.00 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, wechsle ich auf den Filmsender HBO, um mir den abendfüllenden Spielfilm “Cafe Society” anzuschauen. Die amerikanische Komödie ist in den 1930er Jahren angesiedelt und erzählt aus dem Leben eines jungen New Yorkers, der sein Glück in Hollywood sucht – wie aufregend.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Im Anschluss lösche ich sämtliche Lichter und gehe ins Bett. Gute Nacht.

4. November 2017 – Springsteen On Broadway

Hallo Freude der Nacht,

Bruce Springsteen lange angekündigtes Soloalbum lässt noch immer auf sich warten. Anstatt endlich neue Mucke auf den Markt zu bringen und mit seiner legendären E Street Band auf Tour zu gehen, hat sich der 68jährige Musiker entschlossen, eine Broadway Show auf die Beine zu stellen ^^

Seit dem 3. Oktober 2017 steht Springsteen fünf Mal pro Woche auf der Bühne des “Walter Kerr Theaters” in New York City und präsentiert Geschichten und wegweisende Songs aus seinem Leben. Das Solo-Programm wird bis Februar 2018 laufen und dem “Boss” einen riesigen Batzen Geld bescheren …

Sein langjähriger Kompagnon und Freund Little Steven van Zandt tourt übrigens auch durch die Welt und wird heute seinen ersten Gig in London spielen. Ausserdem sind Auftritte in weiteren englischen Grossstädten, in den Niederlanden, Italien, Spanien und Schottland geplant. Selbstverständlich wird der E Street Gitarrist auch in Deutschland aufspielen und mit seiner Band “The Disciples of Soul” in Hamburg, Stuttgart, Berlin und München auftreten. Natürlich habe ich mich längst um Tickets bemüht und werde das grosse Glück haben, den genialen Musiker am 3. Dezember 2017 Live in der Münchner Muffathalle zu erleben 😉


Das Ferienhaus im Lowbank Drive

Übrigens wird Reinhard am morgigen Tag seine Verwandten wiedersehen. Georg und Maria flogen am Freitag nach Miami und verbrachten das Wochenende an Floridas Ostküste. Am Montag werden die alten Leute mit einem Fahrservice nach Naples cruisen und für mehrere Wochen im Ferienhaus wohnen. Mein Vermieter ist total aus dem Häuschen und plant bereits für Morgen eine Grillfeier 🙂

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende.
Eure Sandra