1. August 2018 – Eine neue Alkohollizenz

08.00 Uhr Der erste Tag des Erntemonats August beginnt und ich fühle mich blendend. Weil Frau Gomez bald vorbeikommen wird, hüpfe ich aus dem Bett und absolviere auf der schattigen Terrasse die Morgengymnastik.
08.30 Uhr Nachdem ich ein Glas Orangensaft getrunken und Hund Dixon einen Kauknochen ins Maul gesteckt habe, verabschiede ich mich in die Nasszelle. Ich lasse die Seele bei einem erfrischenden Wirbelbad baumeln und zögere nicht, bei meiner Familie im Lowbank Drive anzurufen. Natürlich frage ich meinen Bruder bezüglich der Anreise der Kinder aus und erhalte die Auskunft, dass die jungen Leute am Freitag in Naples eintreffen werden.


Dixon bekommt einen Kauknochen

09.30 Uhr Redlichst nach Rosenwasser duftend, steige ich aus der Wirbelbadewanne und ziehe eine modische Bermudahose sowie ein Hawaiihemd an. Anschliessend eile ich in die Küche und freue mich, meine Zugehfrau an der Spüle anzutreffen. Frau Gomez wünscht mir einen schönen Morgen und plappert, dass sie sich am Wochenende in ihren verdienten Urlaub verabschieden wird. Natürlich werde ich sogleich hellhörig und bringe auf Anfrage heraus, dass die fleissige Putzfrau mit ihrem Mann die Millionenmetropole Monterrey besuchen wird. Selbstverständlich falle ich der Perle ins Wort und unterbreite, dass ich ohne eine erfahrene Putzkraft nicht über die Runden kommen werde. Die Mexikanerin zeigt Verständnis und verspricht, dass sie eine Freundin beauftragen wird, mein Zuhause auf Vordermann zu bringen – das kann mir nur Recht sein.
10.15 Uhr Nachdem ich das Frühstück verzehrt habe, werfe ich prüfende Blicke in den Eiskasten und bemerke, dass der Sektvorrat langsam zur Neige geht. Um nicht auf den köstlichen Rebentrunk verzichten zu müssen, fasse ich den Entschluss, das Alkoholgeschäft meines Vertrauens anzusteuern und dort Getränke zu besorgen.
10.30 Uhr Schlussendlich schüttle ich Frau Gomez Hand und bitte sie, während meiner Abwesenheit das Bett frisch zu beziehen und auch das Gästezimmer zu reinigen. Im Anschluss eile ich zum Nachbarhaus und frage Frau Pontecorvo, ob sie mich zu “Bob’s Liquore Store” begleiten möchte. Meine Nachbarin nickt eifrig und entgegnet, dass sie die Gelegenheit am Schopfe packen und etliche Flaschen Wein einkaufen wird – das hört man gerne.


Frau Pontecorvos Weinvorrat geht zur Neige

11.00 Uhr Nachdem wir Kaffee getrunken haben, scheuche ich Dixon zum Auto und helfe Frau Pontecorvo als Kavalier der alten Schule auf den Beifahrersitz. Danach lasse ich den Wählhebel der Automatikschaltung in der “D” Stellung einrasten und gleite zu stimmungsvollen WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Klängen von dannen.
11.30 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten erreichen wir unser Ziel und treffe den Ladeninhaber kautabakkauend hinter der Registrierkasse an. Der lustige Mann schimpft wie ein Rohrspatze und setzt mich darüber in Kenntnis, dass er Anfang Oktober seine Alkohollinzenz erneuern muss. Ich rolle entnervt mit den Augen und merke an, dass man der verfluchten Bürokratie den Kampf ansagen sollte. Herr Bob schlägt in die gleiche Kerbe und rechnet vor, dass die Stadtoberen eine Gebühr über 400 Dollars veranschlagen – das ist ja allerhand.
12.15 Uhr Um 170 Dollars ärmer, verlassen wir das Fachgeschäft und fassen den Entschluss, das Mittagessen im zwei Meilen entfernten “Napoli Restaurant” einzunehmen. Ruckzuck steigen wir in den PS-strotzenden SUV ein und können es kaum noch erwarten, leckere Speisen vom Stiefel zu kosten.
12.45 Uhr Mit letzter Kraft schleppe ich mich in das gutbesuchte Gasthaus und lasse Frau Pontecorvo wissen, dass ich heute die Spendierhosen angezogen habe. Meine Begleiterin ist begeistert und nimmt sich das Recht heraus, eine Thunfischpizza mit Salat zu ordern. Ich folge diesem Beispiel und labe mich neben süffigem Rotwein an hausgemachten Nudeln mit Fleischbällchen – schmeckt gar nicht schlecht.


Die kleine Villa unter Palmen

14.45 Uhr Endlich bin ich wieder daheim und finde die kleine Villa ordentlich aufgeräumt vor. Während Dixon im Garten zurückbleibt, mache ich es mir in der guten Stube bequem und döse schnell ein – das tut gut.
15.45 Uhr Nach der Pause fülle ich meinen Kaffeebecher mit brühfrischem Bohnentrunk auf und ziehe es vor, am Schreibtisch Platz zu nehmen und Anschnur zu gehen. Während sich draussen dunkle Gewitterwolken vor die Sonne schieben, studiere ich Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher und stelle fest, dass es die Jugend derzeit besonders bunt treiben – wo soll das noch hinführen.
16.45 Uhr Nachdem ich zahlreiche Depeschen abgesendet habe, gehe ich von der Leine und leiste dem Vierbeiner im Garten Gesellschaft. Während der Rüde ausgelassen mit dem Nachbarhund spielt, blättere ich in der Tageszeitung und löse das grosse Kreuzworträtsel auf der letzten Seite – da kommt Freude auf.
17.30 Uhr Im Anschluss kehre ich in die klimatisierte Küche zurück und richte das Abendessen an. Ich zaubere im Handumdrehen ein halbes Dutzend schmackhafte Sandwiches (löblich: Wurstbrote) und vergesse auch nicht, den Teller mit Gewürzgurken aus dem Glas zu verzieren – das keusche Auge isst bekanntlich stets mit.
18.00 Uhr Als die geschmackvolle Wanduhr sechs mal schlägt, mache ich es mir im Wohnzimmer bequem und fröne den Nachrichten auf FOX. Unter anderem lerne ich, dass just heute vor 115 Jahren die amerikanische Westernheldin Calamity Jane gestorben ist. Wie jedes Kind weiss, fluchte die Dame wie ein Bierkutscher und führte jahrelang eine abgelegene Biertränke im Yellowstone Nationalpark – wie aufregend.

19.00 Uhr Zur Hauptsendezeit nehme ich mit dem NETFLIX Angebot Vorlieb und erfreue mich an der sechsten Staffel des preisgekrönten Serienspiels “Orange is the New Black”. Während der französische Schaumwein in Strömen fliesst, werde ich Zeuge, wie die Gefangenen des Litchfield Frauengefängnisses in eine neue Vollzugsanstalt verlegt werden – da kommt Spannung auf.
21.00 Uhr Nach drei Episoden betätige ich den “OFF” (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung und ziehe mich gähnend ins Schlafzimmer zurück. Gute Nacht.

26. Juni 2018 – Milton Glaser

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Bild: Milton Glaser / CC BY-SA 2.5

Sehr geehrte Heimseitenbesucher,

heute feiert Milton Glaser seinen 89. Geburtstag.
Der gute Mann lebt seit seiner Kindheit in New York City und war Gründungsmitglied des legendären “Push Pin” Grafikdesignerstudios in den 1950er Jahren. Herr Milton läutete gemeinsam mit seinen Kompagnons eine neue Ära des Designs ein und stieg bald zu einem der bekanntesten Illustratoren der Welt auf.

Unter anderem erschuf er Möbel sowie Häuser und schrieb es sich auf die Fahnen, auch seinen Beitrag zur aufstrebenden Pop Kultur der 1960er und 1970er Jahre zu leisten. Milton Glaser zeichnete Konzertposter für den aufstrebenden Folksänger Bob Dylan und entwarf auch die Einrichtung des “Windows of the World” (löblich: Fenster der Welt) Restaurants im “World Trade Center”.

Sein bekanntestes Werk ist jedoch das I LOVE NY Signet aus dem Jahre 1975.
Damals beauftragte die Abteilung für wirtschaftliche Entwicklung des Bundesstaats New York diverse Grafikstudios, ein Erkennungszeichen für eine grossangelegte Marketingkampagne zu entwerfen. Schlussendlich erschuf Milton Glaser den bekannten Schriftzug während einer Taxifahrt durch Manhattan.

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Ich liebe New York

Zwei Jahre später wurde das Signet auf Plakate gedruckt und in der ganzen Stadt verteilt. Zeitgleich wurde die Kampagne auch durch landesweit ausgestrahlte Fernsehwerbesendungen unterstützt. Die “I LOVE NEW YORK” Grafik ging um die Welt und ziert heute nicht nur Millionen Aufkleber und Kaffeetassen, sondern auch Parfüms und T Hemden – da kommt besonders grosse Freude auf.

Milton Glasers Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet.
Dutzende seiner Grafiken finden sich heutzutage in den angesagtesten Museen der Welt, wie dem “Museum of Modern Arts” in New York. Der Künstler wurde auch mit unzähligen Preisen überschüttet und ist seit 2009 Träger der bedeutensten Auszeichnung, die durch den Kongress der Vereinigten Staaten verliehen wird. Präsident Barack Obama verlieh die “National Medal of Arts” Herrn Glaser im Jahre 2009 persönlich – wie aufregend.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg

20. Juni 2018 – Hall & Oates und Caribbean Village Festival

08.00 Uhr Ein neuer Tag bricht an und ich fühle mich prima. Weil ich längst nicht zum alten Eisen zähle, hüpfe ich spornstreichs aus dem Bett und trete auf die schattige Terrasse, um meine Glieder zu stählen. Unterdessen mache ich mir eigene Gedanken und komme zu dem Schluss, dass es angebracht wäre, meine Verwandten zum Frühstück in eines der angesagten Restaurants entlang der 5th Avenue einzuladen – man gönnt sich ja sonst nichts.
08.30 Uhr Nachdem ich mit Georg telefoniert habe, rufe ich Hund Dixon ins Haus und lasse ihn wissen, dass wir meinen Bruder und meine Schwägerin gegen 10 Uhr im “The Cafe” treffen werden. Im Anschluss eile ich juchzend in die Nasszelle und rufe während des Badevergnügens bei Prof. Kuhn an. Edelbert wird sogleich hellhörig und verspricht, ebenfalls vorbei zu kommen und grossen Hunger mitzubringen – das hört man gerne.


Katze Land – der beste Radiosender

09.30 Uhr Redlichst nach Rosenöl duftend, zwänge ich mich in modische Freizeitkleidung und schicke mich an, den Vierbeiner zum PS-strotzenden SUV zu scheuchen. Weil ich meine Zeit nicht gestohlen habe, lasse ich den Motor aufheulen und gleite zu stimmungsvollen WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radioklängen von dannen. Alsbald treffe ich im Zentrum ein und habe das grosse Glück, direkt an der Haupteinkaufsstrasse einen geeigneten Stellplatz für mein frischaufpoliertes KFZ zu ergattern – da kommt besonders grosse Freude auf.
10.00 Uhr Pünktlich auf die Minute betrete ich das gutbesuchte Frühstücksgasthaus und stelle mit grosser Freude fest, dass Edelbert sowie meine Verwandten auch schon vor Ort sind. Wie es sich gehört, lüfte ich meine NY YANKEES Kappe und lasse es mir nicht nehmen, neben Maria Platz zu nehmen und bei einem gestriegelten Ober ein grosses Frühstück mit Kaffee und O-Saft zu bestellen – schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.


Hall & Oates pörformen in Sunrise, FL

10.30 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, berichte Georg von seinen anstehenden Aktivitäten und erzählt, dass er Morgen mit seiner Ehefrau nach Miami krusen wird, um das Wochenende an Floridas Ostküste zu verbringen. Als ich genauer nachfrage, rückt mein Bruder mit der ganzen Wahrheit heraus und sagt, dass er nicht nur ein Konzert des Musikduos “Hall & Oates” im “BB&T Center” in Sunrise, FL besuchen, sondern sich auch auf dem weltbekannten “Caribbean Village Festival” in Lauderhill, FL vergnügen wird – das ist ja allerhand.
11.15 Uhr Im weiteren Verlauf unseres Zusammenseins bringe ich ausserdem heraus, dass Daryl Hall und John Oates in den 1970er und 1980er Jahren mit “Rich Girls” (löblich: Reiche Mädchen), “Kiss On My List” (löblich: Küssen ist auf meiner Liste), “Private Eyes” (löblich: Private Augen) und “Maneater” (löblich: Menschenfresser) etliche Nummer 1 Schläge (unlöblich: Hits) in den Vereinigten Staaten feiern konnten. Maria nickt eifrig und wirft ein, dass es ein Vergnügen werden wird, in Erinnerungen zu schwelgen und der schönen Musik des besagten Pop-Duos zu frönen. Obgleich ich mit skeptisch gebe und die netten Menschen aufrufe, lieber in Naples zu bleiben, lassen sie nicht mit sich reden und kündigen an, bereits Morgen früh auf grosse Reise zu gehen – das ist typisch.

11.45 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten begleiche ich die Zeche in Bar und breche mit meinen Tischnachbarn zu einem Stadtbummel auf. Unterdessen frage ich meine Schwägerin bezüglich des “Caribbean Village Festival” (löblich: Karibisches Stadtfest) aus und erfahre, dass es sich hierbei um eines der landesweit grössten Kulturfestivals handelt. Ich staune nicht schlecht und vernehme, dass auf dem vom PUBLIX Konzern gesponserten Fest nicht nur angesagte Sänger auftreten, sondern auch feine Speisen serviert werden – wie interessant.
12.45 Uhr Fix und foxi stehe ich wieder am Auto und lerne, dass Edelbert während der Nachmittagsstunden einen Handwerker in seiner Stadtwohnung erwarten wird. Der schlaue Mann rauft sich die Haare und unterbreitet, dass seine Toilette verstopft ist und er sich genötigt sieht, viel Geld für die Reparatur auszugeben. Schlussendlich schütteln wir Hände und ich hüpfe winkend in den SUV, um schnellstmöglich nach Hause zu rasen.
13.45 Uhr Zurück im Willoughby Drive, schleppe ich mich mit letzter Kraft ins Haus und freue mich, Putzperle Frau Gomez im Gang anzutreffen. Die kleinwüchsige Mexikanerin hievt den Staubsauger in die Abstellkammer und beteuert, dass sie den Hausputz nun beenden und nach Hause fahren wird. Ich stecke der Dame als kleine Aufmerksamkeit etwas Kleingeld zu und wünsche ihr einen ruhigen Nachmittag. Anschliessend schlüpfe ich aus den Schuhen und strecke auf dem Wohnzimmerkanapee die Beine aus – das tut gut.


Mein Zuhause unter Palmen

14.45 Uhr Ich erwache ausgeruht und nutze den Nachmittag, um Anschnur zu gehen. Als erstes rufe ich Depeschen besorgter Heimseitenbesucher ab und stosse dabei auf einen Brief meiner Mieterin. Sandra erinnert an ihren anstehenden Sommerurlaub und schreibt, dass sie in 10 Tagen in Naples eintreffen wird – wie furchtbar.
15.45 Uhr Nachdem ich Ratschläge zum Umgang mit Jugendlichen gegeben habe, gehe ich von der Leine und begleite Dixon in den Garten. Wie es sich gehört, bewässere ich die Pflanzen und tratsche mit Frau Pontecorvo. Meine Nachbarin legt beste Laune an den Tag und meint, dass ich Morgen zum Frühstück vorbei kommen kann.
16.45 Uhr Zum Abschluss des langen Tages mache ich mich in der Küche nützlich und brate ein T Knochen Schnitzel im heissen Fett heraus. Ausserdem zaubere ich einen farbenfrohen Beilagensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen und grünen Oliven – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nach dem Nachtmahl schalte ich die Glotze ein und gebe mich den FOX Nachrichten hin. Unter anderem vernehme ich, dass ein Hochdruckgebiet Kurs auf Westflorida genommen hat und uns zum Wochenende Temperaturen jenseits der 100°F Grenze bescheren wird – gleich platzt mir der Kragen.
19.00 Uhr Da im Fernsehen nur Unsinn läuft, nehme ich mit dem AMAZON Programm Vorlieb und schaue mir die erste Episode des nagelneuen Serienformates “Yellowstone” an. Das zehnteilige Fernsehspiel handelt von der Dutton-Familie, die am namensgebenden Nationalpark einen Bauernhof bewirtschaftet – da kommt Spannung auf.
21.00 Uhr Als nach einer Stunden der Abspann über die Mattscheibe flimmert, schalte ich mich weiter durchs AMAZON PRIME Angebot und bemerke, dass der weltgrösste Internetzdienstleister unzählige sehenswerte Hollywoodproduktionen im Programm hat. Da es aber viel zu spät ist, betätige ich den AUS Knopf auf der neumodernen Fernbedienung und lösche sämtliche Lichter. Zu guter Letzt reguliere ich die Klimaanlage und falle gähnend ins Bett. Gute Nacht.

4. Juni 2018 – Apalachicola National Forest

08.00 Uhr Ich werde durch das wunderschöne George Strait Lied “Baby Blue” (löblich: Baby Blau) geweckt. Weil ich das Lied sehr schätze, betätige ich den OFF (löblich: AUS) Knopf auf dem Radiowecker und rufe die ALEXA Musiksäule auf, das im Jahre 1988 erschienene Erfolgsalbum “If You Ain’t Lovin’ You Ain’t Livin'” (löblich: Wenn du nicht liebst, kannst du nicht leben) des Künstlers abzuspielen. Das AMAZON Wunderwerk setzt meinen Befehl prompt in die Tat um und ich habe das Vergnügen, während der Morgengymnastik handgemachter Landmusik zu lauschen. Neben “Baby Blue” komme ich ausserdem in den Genuss, das gleichnamige Titellied sowie den 1988er Nummer 1 Schlag “Famous Last Words of a Fool” (löblich: Die berühmten letzten Worte eines Trottels) zu hören.


George Strait – If You Ain’t Lovin’ You Ain’t Livin’

09.00 Uhr Nachdem ich meine Glieder gelockert habe, stelle ich die leistungsstarke DeLonghi Kaffeemaschine ein. Danach verabschiede ich mich in die Nasszelle und lasse es mir während des Badevergnügens nicht nehmen, die Handtelefonnummer meines Bruders in die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) einzutippen. Georg meldet sich nach dem zweiten Tuten und setzt mich darüber in Kenntnis, dass er gerade mit Maria ein opulentes Frühstück genossen hat und nun zum “Apalachicola National Forest” krusen wird. Ich mache grosse Augen und vernehme weiter, dass der besagte Nationalpark der grösste in Florida ausgewiesene Forst ist – das hört man gerne.
10.00 Uhr Nach dem Telefonat hüpfe ich aus der Wanne und trockne mich redlichst ab. Anschliessend schlüpfe ich in farbenfrohe Freizeitkleidung und verzehre die wichtigste Mahlzeit des Tages in Hund Dixons Gesellschaft. Leider wird die himmlische Ruhe wenig später durch stetiges Türeklingeln gestört. Zu meiner Freude steht Edelbert vor der Pforte und lädt sich selbst zum Frühstück ein. Ich hole ein zweites Gedeck aus dem Küchenschrank und zaubere Rühreier mit Speck. Unterdessen nimmt mein Hausgast den “Kosmos Käferführer” in Augenschein und erkundigt sich, ob ich unter die Koleopterologen gegangen bin. Ich schüttle entschieden den Kopf und stelle klar, dass ich am Freitag einen Sandläufer gesehen habe. Mein Tischnachbar legt die Stirn in Falten und belehrt, dass derzeit nur ein geringer Teil aller auf der Welt lebenden Lebewesen erfasst sind. Ferner mutmasst Edelbert, dass ich womöglich eine neue Gattung entdeckt habe – papperlapapp.


Der Kosmos Käferführer – ein spannendes Buch

10.30 Uhr Nachdem mich der schlaue Mann ermutigt hat, eine Skizze des Insekts anzufertigen und mit dem renommierten “Smithsonian Institut” in Washington DC in Verbindung zu treten, nehme ich einen letzten Schluck Kaffee und fasse den Entschluss, meinem Haustier etwas Auslauf zu bescheren. Mit Edelbert und dem Vierbeiner im Schlepptau verlasse ich die kleine Villa und schlendere gutgelaunt zum nahegelegenen “La Playa” Golfplatz. Nebenher werfe ich dem Rüden Stöckchen zu und verrate meinem Bekannten, dass meine unterbelichtete Mieterin in einem Monat nach Florida ausfliegen wird – das kann ja heiter werden.
11.15 Uhr Kurz nach dem Elfuhrläuten stehen wir vor dem schmiedeeisernen Eingangstor der Golfanlage und ringen uns dazu durch, dem Vereinsheim einen Besuch abzustatten. Mit vertrockneten Hälsen kehren wir in die Wirtschaft ein und gönnen uns süffige Hopfenkaltschalen. Um nicht zu verhungern, werfen wir prüfende Blicke in die Tageskarten und ordern ausserdem Baconburger (löblich: Schinkenburger) mit Kartoffelstäben und Salat.


Ich beisse kraftvoll zu

11.45 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, berichte ich meinem besten Freund von Georg und Marias Reise und unke, dass die beiden am kommenden Mittwoch zurück sein werden. Edelbert stibitzt sich einen Kartoffelstab von meinem Teller und meint, dass wir im August ebenfalls eine Forschungsreise in Angriff nehmen und nach Texas rasen sollten – das werden wir erst noch sehen.
12.45 Uhr Nach der Stärkung machen wir uns auf den Heimweg und tauschen uns über die aktuelle Staffel der beliebten “America’s Got Talent” (löblich: Amerika hat Talent) Fernsehserie aus. Der Professor hat nur Hohn und Spott für die Protagonisten übrig und beteuert, dass er die zweite Folge ganz bestimmt nicht anschauen wird – jaja.
13.30 Uhr Zuhause angekommen, reiche ich dem schlauen Mann die Hand und wünsche ihm einen angenehmen Nachmittag. Anschliessend werfe ich die Pforte ins Schloss und mache es mir zur Aufgabe, Hund Dixon zerzaustes Fell zu bürsten – immerhin ist gutes Aussehen in der heutigen Zeit sehr wichtig.


Hund Dixon ist brav

14.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 2 zugeht, lasse ich die Fensterrollos nach unten gleiten und bette mich auf dem Wohnzimmerkanapee zur Ruhe. Alsbald döse ich ein und träume von spannenden Abenteuern auf dem Appalachian Trail – das waren noch bessere Zeiten.
15.00 Uhr Weil es für das Nachtmahl noch zu früh ist, setze ich mich an den Heimrechner und rufe Depeschen besorgter Erziehungsberechtigter ab. Ich ärgere mich masslos und erfahre von Herr Oskar M. (75) aus der schönen Stadt Peine, dass sich sein frecher Sohn Pascal (15) entschlossen hat, eine Lehre aus Masseur anzustreben. Ich winke demonstrativ ab und lasse den Familienvater wissen, dass dieser Beruf ganz und gar unlöblich ist.
16.00 Uhr Nachdem ich die neuen Einträge im Gästebuch überflogen habe, gehe ich von der Leine und lotse den Vierbeiner in den Garten. Wie es sich gehört, sammle ich abgefallene Palmwedel auf und vergesse auch nicht, den Rasensprenger einzustellen – wie aufregend.
17.00 Uhr Nachdem ich mit Frau Pontecorvo getratscht habe, mache ich kehrt und bereite das Abendessen vor. Weil ausgewogene Ernährung sehr wichtig ist, erwärme ich Gemüse in einer Pfanne und brate ausserdem ein gesundes T Knochen Schnitzel (unlöblich: T Bone Steak) an – wie das duftet.


Fleisch ist sehr gesund

18.00 Uhr Nach der Jause lasse ich den Tag vor der Glotze ausklingen. Ich folge den FOX Nachrichten und lerne, dass die NASA einen Hubschrauber bauen möchte, der unbemannt zum Mars fliegen kann – so ein Schmarrn.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit wechsle ich auf den Bezahlsender AMC und gebe mich dem nagelneuen Serienspiel “Dietland” (löblich: Diätland) hin. Die Eigenproduktion erzählt die Geschichte einer übergewichtigen Dame, die sich nichts sehnlicher wünscht, als schlank zu sein – das soll mir auch Recht sein.
21.00 Uhr Als nach der zweiten Episode der Abspann über die Mattscheibe flimmert, betätige ich den AUS Knopf auf der Fernbedienung. Zu guter Letzt stelle ich das Bierglas in die Spüle und lege mich schlafen. Gute Nacht.

31. Mai 2018 – Walt Whitman

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Sehr geehrte Damen und Herren,

heute vor 199 Jahren erblickte einer der einflussreichsten amerikanischen Lyriker des 19. Jahrhunderts das Licht der Welt. Walter Whitman wuchs in Long Island als Sohn eines einfachen Zimmermanns auf. Er besuchte sechs Jahre lang die Schule und schrieb es sich anschliessend auf die Fahnen, nach Brooklyn zu gehen und dort als Schriftsetzer zu arbeiten.

Schon bald fielen ihm Buchklassiker von Shakespeare und Dante in die Hände und Walt Whitman äusserte die Idee, der Millionmetropole Lebewohl zu sagen und in seiner Heimatstadt Lehrer zu werden. Nach drei Jahren an diversen Lehranstalten gründete er 1839 eine Zeitung und geriet prompt in finanzielle Bedrängnis. Schlussendlich ging er anno 1850 nach Brooklyn zurück, um sich als Wohnungsmakler seine Brötchen zu verdienen. Zeitgleich arbeitete der mittlerweile 31jährige als Schriftsteller und erschuf mit “Leaves of Grass” (auf deutsch: Grashalme) eine aus 12 Gedichten bestehende Sammlung.

Während des amerikanischen Bürgerkriegs wurde Walt Whitman als Sanitätshelfer in einem Lazarett bei Washington DC eingesetzt. Nebenher brachte er weitere Geschichten zu Papier und veröffentlichte mit “Drum Taps” (auf deutsch: Trommelschläge) einen weiteren Gedichtband, in der er die Schönheit der Natur thematisierte. Darüber hinaus forderte er in seinen Texten die Gleichberechtigung von Mann und Frau und beeinflusste damit unzählige Schriftstellerkollegen in den Vereinigten Staaten und Europa. Ferner wird Walt Whitman als wichtiger Wegbereiter des europäischen Naturalismus und des Expressionismus angesehen.

Walt Whitman starb am 26. März 1892 in Camden, NJ an den folgen einer schweren Lungenentzündung. Er wurde wenige Tage später auf dem “Harleigh Cemetery” beerdigt.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg