17. November 2017 – Frühstück mit Verwandten

08.00 Uhr Schon zur frühen Stunde bimmelt das Telefon und ich habe das Vergnügen, mit Maria plaudern zu können. Meine Schwägerin wünscht mir einen schönen Morgen und setzt mich darüber in Kenntnis, dass wir uns gegen 10 Uhr in “Julies Restaurant” zum Frühstück treffen werden. Ich juchze laut und verspreche, pünktlich zu sein und grossen Hunger mitzubringen – da kommt besonders grosse Freude auf.
08.30 Uhr Nach dem Frühsport stecke ich Dixon einen Kauknochen ins Maul und gebe vor, dass ich mich nun bei einem lustigen Wirbelbad entspannen werde. Der Rüde flitzt wie von Sinnen ins Wohnzimmer und nimmt das Recht heraus, das Büffelhautschmankerl auf dem Kanapee zu verzehren – das ist ja allerhand.


Dixon bekommt einen Kauknochen

09.30 Uhr Sechzig Minuten später präsentiere ich mich in legerer Freizeitkleidung und fordere das Haustier auf, sein Nickerchen zu beenden und mir zum Chevrolet zu folgen. Dixon gehorcht mir aufs Wort und hüpft im hohen Bogen auf die Ladefläche des PS-strotzenden SUVs. Anschliessend gleite ich hupend vom Grundstück und kann es kaum noch erwarten, eine reichhaltige Mahlzeit im Kreise meiner Liebsten einzunehmen – das wird ein Spass.
10.00 Uhr Pünktlich auf die Minute erreiche ich mein Ziel und treffe Georg und Maria, sowie Robert und Jessica Pfaffenberg an unserem Stammtisch an. Wie es sich gehört, begrüsse ich die Herren per Handschlag und lote aus, wer für das Frühstück bezahlen wird. Mein Grosscousin meldet sich prompt zu Wort und beteuert, dass er heute die Spendierhosen angezogen hat und für Speis und Trank einstehen wird. Ich fackle nicht lange und bitte Frau Julie, neben einer Kanne Kaffee ausserdem ein grosses Frühstück sowie etwas Speck für Dixon aufzutischen.


Ich sage NEIN zu Handtelefonen

10.30 Uhr Meine Tischnachbarn folgen dem Beispiel und tratschen angeregt über ihren gestrigen Theaterbesuch. Unter anderem bringe ich heraus, dass das Stück “Maple & Vine” von einem frustrierten Ehepaar handelt, das sich einer Sekte anschliesst und sich fortan von Handtelefonen und anderem neumodernen Schnickschnack lossagt. Als ich mich Robert zuwende, schüttelt er den Kopf und unterbreitet, dass er von der ordinären Sprache der Protagonisten ganz und gar nicht angetan war – das ist wieder typisch.
11.15 Uhr Schlussendlich bringt Wirtin Julie eine ellenlange Rechnung an den Tisch und knöpft Robert 80 Dollars ab. Der Texaner macht grosse Augen und meint, dass er in der Kleinstadt Boerne für 80 Dollars eine ganze Footballmannschaft verköstigen könnte. Ich klopfe mir schmunzelnd auf die Schenkel und weise auf die Tatsache hin, dass Naples ein teures Pflaster ist. Trotz der Nackenschläge lassen wir uns die Laune nicht verderben und brechen mit Hund Dixon zu einem kleinen Spaziergang entlang der Vanderbilt Beach Road auf. Bei angenehmen Temperaturen passieren wir die angrenzenden Reinigungsfirmen und ich verrate Jessica, dass im Collier County viele Einwanderer aus Indonesien leben. Um meinen Aussagen Nachdruck zu verleihen, deute ich in Richtung von “Joo Cleaning” und merke an, dass ein Grossteil der Asiaten in der Reinigungsbranche beschäftigt sind.
12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, stehen wir wieder vor “Julies Restaurant”. Robert wischt sich mit dem Handrücken über die nasse Stirn und kündigt an, dass er Morgen mit seiner Ehefrau nach Coconut Grove krusen wird, um seine Tochter Kimberly zu besuchen. Ich wünsche Robert viel Vergnügen und vernehme, dass die Texaner erst am kommenden Mittwoch zurück sein werden – wie schade.


Mein Zuhause im Willoughby Drive

13.00 Uhr Wieder zurück im Willoughby Drive, versorge ich Dixon mit Trockenfutter und rufe dann bei Prof. Kuhn an, um ihn über meine Aktivitäten in Kenntnis zu setzen. Der schlaue Mann freu sich und entgegnet, dass er den Vormittag im “Coastland Center” verbracht und Socken eingekauft hat – das hört man gerne.
13.30 Uhr Nach dem Telefonat schlüpfe ich aus den Kuhjungenstiefeln und falle erschöpft aufs Kanapee. Bereits nach wenigen Sekunden döse ich ein und träume vom bevorstehenden Weihnachtsfest.
14.30 Uhr Da es sich nicht gehört, den ganzen Nachmittag zu verschlafen, rapple ich mich auf und komme meinen Pflichten als Anschnurseelsorger nach. Mit flinken Fingern navigiere ich durchs Internetz und studiere Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher. Natürlich gebe ich auch Ratschläge ab und animiere die Erziehungsberechtigten, mit der jungen Generation nicht zu zimperlich umzugehen.
15.30 Uhr Zum Abschluss der Beratungsstunde schalte ich noch die neuen Einträge im Gästebuch frei und nehme meine persönliche Korrespondenz in Augenschein. Im Anschluss sehe ich mich im Garten um und spiele mit Dixon etwas Ball – was kann es schöneres geben.


Hund Dixon spielt Ball

16.30 Uhr Wegen der Hitze ziehe ich mich bald in die klimatisierte Stube zurück und richte mir eine kalte Wurstplatte mit hauchdünn aufgeschnittenem Capocollo an. Ferner giesse ich mir ein Bier ein und studiere während des Abendessens lesenswerte Berichte in der “Naples Daily News” (löblich: Naples aktuelle Neuigkeiten).
17.30 Uhr Bevor ich mich in den Feierabend verabschiede, schalte ich die leistungsstarke Geschirrspülmaschine ein und vergesse auch nicht, den Küchenboden zu wischen – Sauberkeit ist mir nämlich besonders wichtig.
18.15 Uhr Völlig erschöpft schleppe ich mich ins Wohnzimmer und lege die Beine hoch. Nebenher folge ich den FOX Nachrichten und lerne, das Donald Trump erneut die amerikanischen Medien gescholten und ihnen vorgeworfen hat, sogenannte “Fake News” (löblich: Falschmeldungen) zu verbreiten.

19.00 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, wechsle ich auf den Filmsender HBO, um mir den abendfüllenden Spielfilm “Cafe Society” anzuschauen. Die amerikanische Komödie ist in den 1930er Jahren angesiedelt und erzählt aus dem Leben eines jungen New Yorkers, der sein Glück in Hollywood sucht – wie aufregend.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Im Anschluss lösche ich sämtliche Lichter und gehe ins Bett. Gute Nacht.

4. November 2017 – Springsteen On Broadway

Hallo Freude der Nacht,

Bruce Springsteen lange angekündigtes Soloalbum lässt noch immer auf sich warten. Anstatt endlich neue Mucke auf den Markt zu bringen und mit seiner legendären E Street Band auf Tour zu gehen, hat sich der 68jährige Musiker entschlossen, eine Broadway Show auf die Beine zu stellen ^^

Seit dem 3. Oktober 2017 steht Springsteen fünf Mal pro Woche auf der Bühne des “Walter Kerr Theaters” in New York City und präsentiert Geschichten und wegweisende Songs aus seinem Leben. Das Solo-Programm wird bis Februar 2018 laufen und dem “Boss” einen riesigen Batzen Geld bescheren …

Sein langjähriger Kompagnon und Freund Little Steven van Zandt tourt übrigens auch durch die Welt und wird heute seinen ersten Gig in London spielen. Ausserdem sind Auftritte in weiteren englischen Grossstädten, in den Niederlanden, Italien, Spanien und Schottland geplant. Selbstverständlich wird der E Street Gitarrist auch in Deutschland aufspielen und mit seiner Band “The Disciples of Soul” in Hamburg, Stuttgart, Berlin und München auftreten. Natürlich habe ich mich längst um Tickets bemüht und werde das grosse Glück haben, den genialen Musiker am 3. Dezember 2017 Live in der Münchner Muffathalle zu erleben 😉


Das Ferienhaus im Lowbank Drive

Übrigens wird Reinhard am morgigen Tag seine Verwandten wiedersehen. Georg und Maria flogen am Freitag nach Miami und verbrachten das Wochenende an Floridas Ostküste. Am Montag werden die alten Leute mit einem Fahrservice nach Naples cruisen und für mehrere Wochen im Ferienhaus wohnen. Mein Vermieter ist total aus dem Häuschen und plant bereits für Morgen eine Grillfeier 🙂

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende.
Eure Sandra

20. Oktober 2017 – Otfried Preußler

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Werte Damen und Herren,

heute möchte ich an den bekannten deutschen Schriftsteller Otfried Preußler erinnern.
Wie jeder wissen sollte, erblickte der gute Mann just heute vor 93 Jahren im tschechischen Reichenberg das Licht der Welt. Der Sohn eines Lehrers schrieb es sich bereits in jungen Jahren auf die Fahnen, gemeinsam mit seinen Eltern die böhmische Heimat zu erkunden und sich mit der Volkskunde vertraut zu machen. Ferner kraxelte er fröhlich durch das Isergebirge und liess sich von seinen Grosseltern Geschichten und uralte Sagen erzählen.

Unmittelbar nach seinem Abitur im Jahre 1942 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Der 19jährige diente an der Ostfront und geriet zwei Jahre später in sowjetische Gefangenschaft. Er musste in der Tatarischen Republik für die Russen schuften und erkrankte sogar an Malaria. Erst 1949 wurde er aus der Gefangenschaft entlassen und traf im oberbayerischen Rosenheim seine heimatvertriebenen Angehörigen wieder. Herr Preußler wurde Lehrer und später Rektor an der Gemeindeschule in Stephanskirchen. Zeitgleich arbeitete er nebenberuflich als Schriftsteller und verfasste Hörspiele für den Rundfunk.

1956 erschien sein erster grosser Kinderroman unter dem Titel “Der kleine Wassermann”. Diese Erzählung war so erfolgreich, dass er in den Folgejahren seine Lehrertätigkeit aufgab und sich ganz dem Schreiben widmete. Seine Jugendromane “Die kleine Hexe”, “Kater Mikesch”, “Der Räuber Hotzenplotz” oder “Das kleine Gespenst” entwickelten sich zu Verkaufsschlagern und machten Otfried Preußler zu einem der wichtigsten deutschen Autoren der 1960er Jahre.

Aus der Reihe seiner unzähligen Bücher sticht besonders die im Jahre 1971 im Arena-Verlag erschienene Erzählung “Krabat” heraus. Die Geschichte basiert auf einer sorbischen Sage und erzählt von einem Jungen, der als Lehrling eines mächtigen Zauberers Schreckliches erlebt. Das Buch wurde mittlerweile in 31 Sprachen übersetzt und damals mit dem “Deutschen Jugendbuchpreis” ausgezeichnet. Ferner wurde “Krabat” anno 2008 vom deutschen Filmschaffenden Marco Kreuzpaintner verfilmt und als abendfüllender Spielfilm in die Lichtspielhäuser gebracht – wie aufregend.

Otfried Preußler starb am 18. Februar 2014 in Prien am Chiemsee und hinterliess einen stattlichen Nachlass. Seine Korrespondenz wurde der Berliner Staatsbibliothek übergeben und kann seitdem in einer Sonderausstellung begutachtet werden.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg

21. September 2017 – Ich plane eine Feier

08.00 Uhr Der Radiowecker springt an und ich lerne, dass WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) vom 22. September bis zum 1. Oktober als Sponsor (löblich: Geldgeber) des diesjährigen “Island Hopper” (löblich: Inselspringer) Musikfestivals in Erscheinung treten wird. Ich staune nicht schlecht und erfahre, dass gut zwei Dutzend Landmusikanten in den kommenden Tagen in Fort Myers und Captiva Island aufspielen und für gute Stimmung unter den Zuhörern sorgen werden – das ist phantastisch.


Katze Land – der beste Radiosender

08.30 Uhr Nachdem ich die Morgengymnastik hinter mich gebracht habe, nehme ich Dixons Bürste zur Hand und mache es mir zur Aufgabe, das zerzauste Fell meines Haustieres zu säubern.
09.00 Uhr Im Anschluss verabschiede ich mich schnaufend ins Bad und lasse lauwarmes Wasser in die Wirbelwanne laufen. Weil mir Hygiene und Sauberkeit sehr am Herzen liegen, träufle ich duftendes Rosenöl ins Badewasser und nehme beim Badevergnügen ausserdem den Schwamm zur Hand.
10.00 Uhr Pünktlich zum Zehnuhrläuten präsentiere ich mich in farbenfroher Freizeitkleidung und spiele mit der Idee, das Frühstück auswärts einzunehmen. Weil ein Essen in Gesellschaft viel besser schmeckt, kontaktiere ich Prof. Kuhn und vernehme, dass sich mein Bekannter einen Schnupfen eingefangen hat und heute nicht aus dem Haus gehen wird. Ich zucke mit den Schultern und ringe mich dazu durch, zu “Bob Evans” zu krusen und alleine zu frühstücken. Darüber hinaus erkläre ich dem Vierbeiner, dass wir anschliessend zu “Bob Liquor Store” fahren und alkoholische Getränke besorgen werden.

10.30 Uhr Wenig später sitze ich im geräumigen Chevrolet Suburban und rase zum zwei Meilen entfernten Restaurant. Unterdessen fröne ich weiter dem Qualitätsprogramm von WCKT CAT COUNTRY und habe das Vergnügen, ein neues Lied aus Toby Keiths Feder zu hören – was kann es schöneres geben.
11.00 Uhr Hungrig und durstig betrete ich die Wirtschaft und stelle wohlwollend fest, dass nur wenige Gäste anwesend sind. Ich setze mich kurzerhand an einen Tisch an der Fensterfront und nehme mit einem grossen Homestead Frühstück Vorlieb. Ausserdem schlürfe ich brühfrischen Bohnentrunk und denke daran, dass Edelbert bereits in vier Tagen sein Wiegenfest feiern wird.
11.45 Uhr Nach der Jause kehre ich mit Dixon zum Auto zurück und rase als nächstes zum Alkoholgeschäft meines Vertrauens. Bei dieser Gelegenheit rufe ich bei Herrn Wang an und lote aus, ob er am kommenden Montag zu Edelberts Geburtstagsfeier kommen möchte. Der Motelbesitzer ist begeistert und entgegnet, dass ich ihn gerne auf die Gästeliste setzen kann – wie schön.


Bier ist sehr gesund

12.30 Uhr Kurze Zeit später finde ich mich in meinem favorisierten Alkoholgeschäft wieder und treffe den Ladenbesitzer persönlich hinter der Registrierkasse an. Herr Bob begleitet mich durch den gutsortierten Verkaufsraum und legt mir nahe, neben Erdinger Weissbier auch bayerisches Löwenbräu Helles mitzunehmen. Ich nicke eifrig und erwähne, dass ich am Montag eine Überraschungsfeier für einen Bekannten ausrichten werde.
13.00 Uhr Zuhause angekommen, treffe ich Frau Pontecorvo auf der Nachbarterrasse an. Ich setze mich spornstreichs dazu und werde mit einem Eisbecher verwöhnt. Während ich mir die kalte Köstlichkeit munden lasse, verweise ich auf die anstehende Geburtstagsfeier und merke an, dass ich bereits Herrn Wang eingeladen habe.
14.00 Uhr Nach der Erfrischung wünsche ich meiner Nachbarin einen ruhigen Nachmittag und verabschiede mich winkend. Danach werfe ich die Pforte krachend ins Schloss und bette mich auf dem Sofa zur Ruhe – das tut gut.
15.00 Uhr Um den Nachmittag nicht sinnlos verstreichen zu lassen, nehme ich am Schreibtisch Platz und rufe Depeschen besorgter Eltern ab. Trotz grosser Hitze schufte ich hart und bemerke, dass die Jugend von heute nur noch Handtelefone, Hipf Hüpf und Drogen im Sinn hat. Anstatt für die Schule zu lernen, zieht es die junge Generation vor, fast täglich in Tanzlokale zu gehen und Kreck zu konsumieren – wo soll das noch hinführen.


Ich sage NEIN zu Drogen

16.00 Uhr Nachdem ich unzählige elektronische Briefe versendet habe, gehe ich von der Leine und unternehme mit dem Rüden einen erquickenden Spaziergang durchs Wohngebiet – was kann es schöneres geben.
17.00 Uhr Wieder zurück in meinem bescheidenen Heim, mache ich mich in der Küche nützlich und bereite vitaminreiche Bratkartoffeln mit Rührei
und Schinken zu – wie gut das duftet.


Ich beisse kraftvoll zu

18.00 Uhr Nach dem üppigen Nachtmahl beginnt endlich der angenehme Teil des Tages. Ich mache es mir weissbierschlürfend vor dem Flachbildschirm bequem und gebe mich auf FOX den Nachrichten hin.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit (unlöblich: Prime Time) fröne ich auf NETFLIX dem Gruselfilm “Little Evil” (löblich: Kleiner Teufel) und komme aus dem Lachen gar nicht mehr heraus. Die zwielichtige Eigenproduktion handelt von Herrn Gary, der sich unsterblich in eine Frau mit Kind verliebt. Als er ins Haus seiner Herzensdame einzieht, erkennt er schnell, dass sein Ziehsohn der Antichrist ist. HEUREKA – diesen Unsinn muss man gesehen haben.
21.00 Uhr Nach zwei Stunden beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Danach lösche ich das Licht und lege mich schlafen. Gute Nacht.

30. August 2017 – Detroit

08.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und kann es kaum noch erwarten, in wenigen Stunden die amerikanische Grenze zu erreichen und Detroit zu sehen. Da wir bereits gestern in Michigan eintreffen wollten, hüpfe ich ruckzuck aus dem weichen Motelbett und verabschiede mich ins Bad. Während Dixon einen Kauknochen verdrückt, dusche ich mich kalt ab und summe die Melodie von der launischen Forelle – was kann es schöneres geben.
08.45 Uhr Kurz vor dem Neunuhrläuten schleppe ich das Reisegepäck zum WINNEBAGO und stelle fest, dass Edelbert auch schon vor Ort ist. Mein Bekannter bringt die Frontscheibe des Wohnmobils auf Hochglanz und plappert, dass er grossen Hunger hat. Ich schlage in die gleiche Kerbe und erinnere, dass ich gestern Abend kurz nach der Autobahnausfahrt ein WENDY’S Werbeschild gesehen habe. Der Professor reibt sich den Bauch und lässt es sich nicht nehmen, die Schlüsselkarten zur Rezeption zu bringen.
09.30 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise, parken wir den TRAVATO auf dem Kundenparkplatz des Wendy’s Restaurants und gönnen uns ein reichhaltiges Frühstück. Während Edelbert etliche Honey Biscuits (löblich: Honig Milchsemmeln) verdrückt, labe ich mich an lustigen Mornin’ Melt Paninis (löblich: geschmolzene Morgenpaninis) und gebe vor, dass wir spätestens in zwei Stunden in den Vereinigten Staaten sein werden. Mein Tischnachbar nickt zustimmend und beteuert, dass wir die kommenden Nacht in einem einladenden “La Quinta Inn” vor den Toren Detroits verbringen könnten – das hört sich verlockend an.


Ich greife tief in die Tasche

10.00 Uhr Schlussendlich bezahle ich die Zeche aus der eigenen Tasche und schicke mich an, Hund Dixon über den Parkplatz zu scheuchen. Im Anschluss lasse ich den Automotor aufheulen und presche hupend von dannen. In einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt gleite ich auf dem Macdonald-Cartier Freeway gen Südwesten und lasse mir den Fahrtwind durchs Haar wehen. Edelbert blättert wissbegierig im Rand McNally Strassenatlas und berichtet, dass der Detroit River die natürliche Grenze zwischen Kanada und dem amerikanischen Bundesstaat Michigan darstellt – wie aufregend.
10.45 Uhr Weil wir am Nachmittag am Detroit River Spazieren gehen und die Wolkenkratzer bestaunen wollen, drücke ich ordentlich auf die Tube und beschleunige den WINNEBAGO auf 120 Stundenkilometer. Zudem setze ich auf einem schnurgeraden Strassenstück zu einem waghalsigen Überholmanövern an und lasse gut ein Dutzend Autos in einer Staubwolke hinter mir. Edelbert blickt skeptisch in den Seitenspiegel und erinnert, dass Geschwindigkeitsübertretungen in Kanada mit horrenden Strafen geahndet werden – das ist mir Wurst.
12.00 Uhr Pünktlich zur Mittagszeit, nähern wir uns dem “Detroit-Windsor Tunnel” und sehen uns genötigt, die Fahrzeugpapiere sowie unsere Personalausweise vorzuzeigen. Der Grenzbeamte nimmt die Papiere ganz genau in Augenschein und möchte wissen, ob wir Zigaretten und/oder Alkohol mitführen. Natürlich schütteln wir entschieden die Köpfe und versichern, dass wir mit den Zollbestimmungen bestens vertraut sind und keine Schmugglerwaren mitführen. Der Knecht schenkt uns ein Lächeln und wünscht uns eine sichere Weiterfahrt – wie schön.


Der Detroit Windsor Tunnel

12.45 Uhr Nachdem wir den im Jahre 1930 eröffneten Tunnel durchfahren haben, erblicken wir die Himmelslinie (löblich: Skyline) von Detroit und fassen den Entschluss, das neumoderne “GM Renaissance Center” links liegen zu lassen und direkt zum altehrwürdigen “Fisher Building” (löblich: Fischer Gebäude) am Grand Boulevard zu rasen. Währenddessen erzählt Prof. Kuhn, dass das Art-deco Hochhaus von Joseph Nathaniel French konzipiert und im Jahre 1928 eröffnet wurde. Ausserdem lerne ich, dass das Hochhaus dem Reifen- und Fahrwerkshersteller “Fisher” jahrelang als Hauptsitz diente. Edelbert ist bestens informiert und fährt fort, dass die Firma Fisher in den 1940er Jahren 44 Fertigungswerke in Michigan betrieb und zirka 50.000 Mitarbeiter beschäftigte.


Fisher Building – ein Wahrzeiten Detroits

13.30 Uhr Am Ziel angekommen, nehmen wir die wunderschöne Aussenfassade ins Visier und bringen in Erfahrung, dass das “Fisher Building” seit 1989 denkmalgeschützt ist und nun Büros der örtlichen Schulbehörde sowie ein Lichtspielhaus beheimatet – das ist ja allerhand.
14.15 Uhr Da das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, eilen wir ins benachbarte “New Center One” Einkaufszentrum und kehren kurzerhand ins “Ride Bowl” Chinarestaurant ein, um köstliche Curry Shrimps mit Brokkoli und Reis zu fressen – schmeckt gar nicht schlecht.
15.00 Uhr Mit vollen Bäuchen schlendern wir zum Wohnmobil zurück und ringen uns dazu durch, zum Detroit Rivers zurückzufahren. Ich klemme mich spornstreichs hinters Lenkrat und gleite kurzerhand am “Detroit Institute of Arts” vorbei, vor dessen Haupteingang eine Plastik des “Denkers” ausgestellt ist. Edelbert erhebt neuklug den Zeigefinger und sagt, dass die Originalstatue im Besitz des Pariser “Musée Rodin” ist und es sich hierbei nur um einen Bronzeguss handelt – das soll mir auch Recht sein.


Der Denker vor dem Detroiter Kunstmuseum

16.00 Uhr Nachdem wir an der mittlerweile verfallenen “Michigan Central Station” sowie am Heimspielstadion der “Detroit Tigers” – dem “Comercia Park” – vorbei gekrust sind, steuern wir ein “La Quinta Inn” im Vorort Southgate an. Nebenher hält Edelbert interessante Fakten bereit und erzählt, dass Detroit nach dem Kollaps der Autoindustrie in den letzten 50 Jahren über 60% seiner Bewohner verloren hat. Ferner weist mich der schlaue Mann auf die Tatsache hin, dass heutzutage 83% der knapp 700.000 Bürger Afroamerikaner sind – das ist ja allerhand.
17.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 5 zugeht, fahren wir auf dem “La Quinta Inn” Parkplatz auf und sind froh, unsere heutige Tagesetappe hinter uns gebracht zu haben. Völlig erschöpft tschecken wir in die Herberge ein und sehen uns gezwungen, je 74 Dollars für ein Zimmer im zweiten Obergeschoss bezahlen zu müssen. Der freundliche Rezeptionist überreicht uns die Schlüsselkarten und unterbreitet, dass wir in der direkten Nachbarschaft die “Mallie’s Sports Bar” finden werden – das hört man gerne.


Wir beissen kraftvoll zu

18.00 Uhr Nachdem wir uns frisch gemacht haben, statten wir mit Hund Dixon im Schlepptau der Gaststätte einen Besuch ab. Wir werden vom Wirt herzlich empfangen und nehmen uns das Recht heraus, zum Abendessen vitaminreiche Cheese Burger (löblich: Käseburger) mit Kartoffelstäben und Salat zu bestellen. Dazu trinken wir süffiges Amstel Bier und frönen auf einem der Grossbildleinwände einem Vorbericht zur anstehenden NFL Saison. Der Moderator berichtet über den sogenannten “Kick Off” (löblich: Anstoss) am kommenden Donnerstag und meldet, dass die “Kansas City Chiefs” im Gillette Stadium gegen die “New England Patriots” antreten werden.
19.00 Uhr Ein aufregender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Nach dem zweiten Pitcher (löblich: Krug) begleichen wir die Zeche in Bar und laufen erheitert zum Motel zurück. Zu guter Letzt wünsche ich Edelbert eine ruhige Nacht und versorge Dixon mit einer stattlichen Portion Trockenfutter.
20.00 Uhr Nachdem ich mir die FOX Nachrichten angesehen habe, entspanne ich mich bei einem Schaumbad und rasiere mir die Bartstoppeln ab. Anschliessend lösche ich das Licht und falle fix und foxi ins Bett. Gute Nacht.