30. August 2017 – Detroit

08.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und kann es kaum noch erwarten, in wenigen Stunden die amerikanische Grenze zu erreichen und Detroit zu sehen. Da wir bereits gestern in Michigan eintreffen wollten, hüpfe ich ruckzuck aus dem weichen Motelbett und verabschiede mich ins Bad. Während Dixon einen Kauknochen verdrückt, dusche ich mich kalt ab und summe die Melodie von der launischen Forelle – was kann es schöneres geben.
08.45 Uhr Kurz vor dem Neunuhrläuten schleppe ich das Reisegepäck zum WINNEBAGO und stelle fest, dass Edelbert auch schon vor Ort ist. Mein Bekannter bringt die Frontscheibe des Wohnmobils auf Hochglanz und plappert, dass er grossen Hunger hat. Ich schlage in die gleiche Kerbe und erinnere, dass ich gestern Abend kurz nach der Autobahnausfahrt ein WENDY’S Werbeschild gesehen habe. Der Professor reibt sich den Bauch und lässt es sich nicht nehmen, die Schlüsselkarten zur Rezeption zu bringen.
09.30 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise, parken wir den TRAVATO auf dem Kundenparkplatz des Wendy’s Restaurants und gönnen uns ein reichhaltiges Frühstück. Während Edelbert etliche Honey Biscuits (löblich: Honig Milchsemmeln) verdrückt, labe ich mich an lustigen Mornin‘ Melt Paninis (löblich: geschmolzene Morgenpaninis) und gebe vor, dass wir spätestens in zwei Stunden in den Vereinigten Staaten sein werden. Mein Tischnachbar nickt zustimmend und beteuert, dass wir die kommenden Nacht in einem einladenden „La Quinta Inn“ vor den Toren Detroits verbringen könnten – das hört sich verlockend an.


Ich greife tief in die Tasche

10.00 Uhr Schlussendlich bezahle ich die Zeche aus der eigenen Tasche und schicke mich an, Hund Dixon über den Parkplatz zu scheuchen. Im Anschluss lasse ich den Automotor aufheulen und presche hupend von dannen. In einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt gleite ich auf dem Macdonald-Cartier Freeway gen Südwesten und lasse mir den Fahrtwind durchs Haar wehen. Edelbert blättert wissbegierig im Rand McNally Strassenatlas und berichtet, dass der Detroit River die natürliche Grenze zwischen Kanada und dem amerikanischen Bundesstaat Michigan darstellt – wie aufregend.
10.45 Uhr Weil wir am Nachmittag am Detroit River Spazieren gehen und die Wolkenkratzer bestaunen wollen, drücke ich ordentlich auf die Tube und beschleunige den WINNEBAGO auf 120 Stundenkilometer. Zudem setze ich auf einem schnurgeraden Strassenstück zu einem waghalsigen Überholmanövern an und lasse gut ein Dutzend Autos in einer Staubwolke hinter mir. Edelbert blickt skeptisch in den Seitenspiegel und erinnert, dass Geschwindigkeitsübertretungen in Kanada mit horrenden Strafen geahndet werden – das ist mir Wurst.
12.00 Uhr Pünktlich zur Mittagszeit, nähern wir uns dem „Detroit-Windsor Tunnel“ und sehen uns genötigt, die Fahrzeugpapiere sowie unsere Personalausweise vorzuzeigen. Der Grenzbeamte nimmt die Papiere ganz genau in Augenschein und möchte wissen, ob wir Zigaretten und/oder Alkohol mitführen. Natürlich schütteln wir entschieden die Köpfe und versichern, dass wir mit den Zollbestimmungen bestens vertraut sind und keine Schmugglerwaren mitführen. Der Knecht schenkt uns ein Lächeln und wünscht uns eine sichere Weiterfahrt – wie schön.


Der Detroit Windsor Tunnel

12.45 Uhr Nachdem wir den im Jahre 1930 eröffneten Tunnel durchfahren haben, erblicken wir die Himmelslinie (löblich: Skyline) von Detroit und fassen den Entschluss, das neumoderne „GM Renaissance Center“ links liegen zu lassen und direkt zum altehrwürdigen „Fisher Building“ (löblich: Fischer Gebäude) am Grand Boulevard zu rasen. Währenddessen erzählt Prof. Kuhn, dass das Art-deco Hochhaus von Joseph Nathaniel French konzipiert und im Jahre 1928 eröffnet wurde. Ausserdem lerne ich, dass das Hochhaus dem Reifen- und Fahrwerkshersteller „Fisher“ jahrelang als Hauptsitz diente. Edelbert ist bestens informiert und fährt fort, dass die Firma Fisher in den 1940er Jahren 44 Fertigungswerke in Michigan betrieb und zirka 50.000 Mitarbeiter beschäftigte.


Fisher Building – ein Wahrzeiten Detroits

13.30 Uhr Am Ziel angekommen, nehmen wir die wunderschöne Aussenfassade ins Visier und bringen in Erfahrung, dass das „Fisher Building“ seit 1989 denkmalgeschützt ist und nun Büros der örtlichen Schulbehörde sowie ein Lichtspielhaus beheimatet – das ist ja allerhand.
14.15 Uhr Da das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, eilen wir ins benachbarte „New Center One“ Einkaufszentrum und kehren kurzerhand ins „Ride Bowl“ Chinarestaurant ein, um köstliche Curry Shrimps mit Brokkoli und Reis zu fressen – schmeckt gar nicht schlecht.
15.00 Uhr Mit vollen Bäuchen schlendern wir zum Wohnmobil zurück und ringen uns dazu durch, zum Detroit Rivers zurückzufahren. Ich klemme mich spornstreichs hinters Lenkrat und gleite kurzerhand am „Detroit Institute of Arts“ vorbei, vor dessen Haupteingang eine Plastik des „Denkers“ ausgestellt ist. Edelbert erhebt neuklug den Zeigefinger und sagt, dass die Originalstatue im Besitz des Pariser „Musée Rodin“ ist und es sich hierbei nur um einen Bronzeguss handelt – das soll mir auch Recht sein.


Der Denker vor dem Detroiter Kunstmuseum

16.00 Uhr Nachdem wir an der mittlerweile verfallenen „Michigan Central Station“ sowie am Heimspielstadion der „Detroit Tigers“ – dem „Comercia Park“ – vorbei gekrust sind, steuern wir ein „La Quinta Inn“ im Vorort Southgate an. Nebenher hält Edelbert interessante Fakten bereit und erzählt, dass Detroit nach dem Kollaps der Autoindustrie in den letzten 50 Jahren über 60% seiner Bewohner verloren hat. Ferner weist mich der schlaue Mann auf die Tatsache hin, dass heutzutage 83% der knapp 700.000 Bürger Afroamerikaner sind – das ist ja allerhand.
17.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 5 zugeht, fahren wir auf dem „La Quinta Inn“ Parkplatz auf und sind froh, unsere heutige Tagesetappe hinter uns gebracht zu haben. Völlig erschöpft tschecken wir in die Herberge ein und sehen uns gezwungen, je 74 Dollars für ein Zimmer im zweiten Obergeschoss bezahlen zu müssen. Der freundliche Rezeptionist überreicht uns die Schlüsselkarten und unterbreitet, dass wir in der direkten Nachbarschaft die „Mallie’s Sports Bar“ finden werden – das hört man gerne.


Wir beissen kraftvoll zu

18.00 Uhr Nachdem wir uns frisch gemacht haben, statten wir mit Hund Dixon im Schlepptau der Gaststätte einen Besuch ab. Wir werden vom Wirt herzlich empfangen und nehmen uns das Recht heraus, zum Abendessen vitaminreiche Cheese Burger (löblich: Käseburger) mit Kartoffelstäben und Salat zu bestellen. Dazu trinken wir süffiges Amstel Bier und frönen auf einem der Grossbildleinwände einem Vorbericht zur anstehenden NFL Saison. Der Moderator berichtet über den sogenannten „Kick Off“ (löblich: Anstoss) am kommenden Donnerstag und meldet, dass die „Kansas City Chiefs“ im Gillette Stadium gegen die „New England Patriots“ antreten werden.
19.00 Uhr Ein aufregender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Nach dem zweiten Pitcher (löblich: Krug) begleichen wir die Zeche in Bar und laufen erheitert zum Motel zurück. Zu guter Letzt wünsche ich Edelbert eine ruhige Nacht und versorge Dixon mit einer stattlichen Portion Trockenfutter.
20.00 Uhr Nachdem ich mir die FOX Nachrichten angesehen habe, entspanne ich mich bei einem Schaumbad und rasiere mir die Bartstoppeln ab. Anschliessend lösche ich das Licht und falle fix und foxi ins Bett. Gute Nacht.

16. August 2017 – Casino Rama

08.00 Uhr Weil wir heute zum CASINO RAMA nach Orillia krusen wollen, stehe ich zeitig auf und nehme mir das Recht heraus, mit Hund Dixon zum Ferienhaus zu schlendern. Natürlich ist Georg bereits auf den Beinen und vertritt die Meinung, dass wir gegen 10 Uhr aufbrechen sollten. Als ich mich Maria und Amanda zuwende, winken die Frauenzimmer ab und kündigen an, sich dem Ausflug nicht anschliessen zu wollen. Darüber hinaus erfahre ich, dass die beiden lieber in Gilford Beach bleiben möchten – das soll mir auch Recht sein.
08.15 Uhr Während sich die lieben Leute um das Frühstück kümmern, ziehe ich mich ins Gästehaus zurück und dusche mich kalt ab. Natürlich rasiere ich mir auch die Bartstoppeln ab und denke daran, wie schön es werden wird, im Kasino ein saftiges Steak zu fressen und an den blinkenden Spielautomaten das Glück herauszufordern.
09.00 Uhr Kurze Zeit später setze ich mich an den festlich eingedeckten Frühstückstisch und werde von meiner Schwägerin mit brühfrischem Kaffee, röschen Speckstreifen und vitaminreichen Rühreiern verwöhnt. Ich greife augenblicklich zur Gabel und lasse David wissen, dass ich ihm heute ein kleines Bier spendieren werde. Der 11jährige macht grosse Augen und beteuert, dass er bei seiner Mutter bleiben wird – wie schade.


David möchte kein Bier – wie schade

10.00 Uhr Redlichst gestärkt geniesse ich einen letzten Schluck Kaffee und erkläre James, Edelbert und Georg, dass ich nun abfahrtbereit bin. Mein löblicher Neffe reibt sich die Hände und zögert nicht, seinen schönen Stetson Cowboyhut aufzusetzen und sich winkend zu verabschieden. Ich streichle Hund Dixon zum Abschied über den Kopf und verspreche, dass ich am Abend zurück sein werde. Danach folge ich meinem Bruder nach draussen und mache es mir neben dem Professor auf dem Rücksitz des PS-strotzenden JEEPS bequem.
10.30 Uhr Während der kurzweiligen Reise ins 80 Kilometer entfernte Orillia, verfrachtet James die nagelneue Kompaktscheibe des aus dem amerikanischen Bundesstaat Indiana stammenden Sängers Alex Williams in die Musikanlage. Ferner merkt der Bube an, dass dem Künstler eine ganz grosse Karriere bevorsteht – jaja.

11.30 Uhr Nach sechzig Minuten kommen wir vor dem CASINO RAMA zum halten. Da wir uns nicht um alles kümmern können, beauftragen wir einen Hotelknecht, das KFZ in der Parkgarage abzustellen. Anschliessend eilen wir lachend in den Kasinokomplex und kommen zu dem Schluss, dass wir als erstes ein Bier trinken sollten. Ruckzuck betreten wir eine Sportsbar und ordern am Tresen drei Flaschen „Labatt Blau“. Nebenher tratschen wir angeregt und sind froh, die Frauen zuhause gelassen zu haben – was kann es schöneres geben.
12.15 Uhr Nachdem wir unsere Kehlen geölt haben, flanieren wir durch die Spielbank und tauschen etliche Geldscheine in funkelnde Münzwährung um. Im Anschluss füttern wir die Glücksspielautomaten mit Kleingeld und hoffen auf hohe Gewinne. Während die bunten Symbolscheiben rotieren, berichte ich meinen Begleitern, dass der erste „einarmige Bandit“ im Jahre 1889 von Adolphe und Auguste Caille erbaut wurde – wie aufregend.


Einarmige Banditen / Bild: Pcb21 / CC BY-SA 3.0

13.15 Uhr Um 20 Dollars erleichtert, setzen wir unseren Spaziergang fort und nehmen zwei Heinis in Augenschein, die es sich an einem halbrunden „Black Jack“ (löblich: Schwarzer Jakob) Tisch bequem gemacht haben. James versorgt mich mit Infos und plappert, dass dieses Spiel auch „Siebzehn und Vier“ genannt wird. Ich stimme zu und entgegne, dass es sich die Männer zur Aufgabe machen, mit mindestens zwei Karten 21 Punkte zu erreichen.
14.00 Uhr Weil das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, steuern wir kurzentschlossen ins „St. Germain’s Steakhouse“, um vitaminreiche „Porterhouse Steaks“ mit Folienkartoffeln und Saisongemüse zu bestellen. Dazu gibt es süffiges Labatt Bier aus einem eisgekühlten Krug – das tut gut.


Wir beissen kraftvoll zu

14.45 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, nehme ich eine Hochglanzbroschüre in Augenschein und lerne, dass in zwei Tagen die berüchtigte Combo „KISS“ in der hauseigenen Konzerthalle pörformen wird. Zudem lese ich, dass sich zum Monatsende auch Frankie Valli angekündigt hat – das ist prima.
15.30 Uhr Nachdem wir die opulente Mahlzeit mit Schaumkaffees abgerundet haben, kehren wir in die Spielhalle zurück und fordern erneut die Glücksgöttin Fortuna heraus. Im Sekundentakt werfe ich Münzen in die Schlitze der Automaten und trinke dazu süffige Hopfenkaltschalen – das schmeckt.
16.15 Uhr Wenig später muss ich jedoch feststellen, dass in meinem Münzbecher gähnende Leere vorherrscht. Als ich James auf die Schultern klopfe und ihn bitte, mir mit etlichen Münzen auszuhelfen, schüttelt der Bube den Kopf und meint, dass er ebenfalls pleite ist – gleich platzt mir der Kragen.


Prost

16.45 Uhr Mit hängenden Köpfen kehren wir in die Sportsbar zurück und beschliessen den Tag mit weiteren Bieren. Ausserdem winke ich dem Barmann zu und bitte ihn, eine Portion Zwiebelringe zu servieren. Wenige Augenblicke später bimmelt plötzlich Georgs Handtelefon und der gute Mann sieht sich genötigt, mit seiner Ehefrau sprechen zu müssen. Georg lässt unseren Kasinobesuch Revue passieren und flunkert, dass er 200 Dollars gewonnen hat. 17.30 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, dem CASINO RAMA Lebewohl zu sagen und nach Gilford Beach zurückzufahren. Wir begleichen die Zeche mit bunten Scheinen und laufen dann an die frische Luft, um bei leichtem Nieselregen nach Hause zu krusen.


Zum Abendessen gibt es ein Italienisches Nudelschichtgericht

18.45 Uhr Zuhause angekommen, werden wir von Dixon bellend begrüsst. Ich streichle dem Racker durchs krause Fell und bringe heraus, dass Maria gleich das Abendessen auftischen wird. Natürlich lasse ich mich nicht zweimal bitten und mache mich über ein schmackhaftes Nudelschichtgericht (unlöblich: Lasagne) her. Nebenbei berichte ich von unserem nervenaufreibenden Kasinobesuch und mutmasse, dass die Spielautomaten manipuliert waren. James schlägt in die gleiche Kerbe und rechnet vor, dass er 80 Dollars verloren hat – das ist ja allerhand.
19.45 Uhr Schlussendlich setzen wir uns in die gute Stube und schauen uns die Abendnachrichten an. Neben den üblichen Schreckensmeldungen, erfahren wir auch, das es am 21. August zu einer totalen Sonnenfinsternis über den nordamerikanischen Kontinent kommen wird – das wird ein Spass.
21.00 Uhr Zu guter Letzt führe ich Dixon um das Ferienhaus und animiere ihn, sein Beinchen an den hochgewachsenen Sträuchern zu heben. Danach ziehe ich mich ins Gästehaus zurück und falle zufrieden ins Bett. Gute Nacht.

15. und 16. Juli 2017 – Ich fliege nach England!

Hi Fans,

wie ihr ja wisst, wollte ich über Pfingsten nach Florida düsen und Reinhard einen Besuch abstatten. Aus der Reise ist leider nichts geworden, denn meine Eltern haben sich kurzfristig entschlossen, während der Feiertage nach Bayern zu kommen ^^

Weil ich Überstunden abbauen muss, habe ich heute eine Kurzreise nach Manchester unter Dach und Fach gebracht. Ich werde bereits am kommenden Freitag mit Mitbewohnerin Bärbel und Cousin Bernd nach England fliegen und bis Montag in Manchester bzw. Liverpool Sightseeing betreiben 🙂

Die ersten zwei Nächte verbringen wir in der neuen Heimat des ehemaligen FC Bayern Startrainers Pep Guardiola. In Manchester gibt es viel zu sehen … unter anderem lockt das weltbekannte „Museum of Science and Industry“ jährlich bis zu 1.000.000 Besucher an. Ausserdem scheint die „Manchester Art Gallery“ mit seiner beeindruckenden Bildersammlung ein echtes Touristenmagnet zu sein.


Ich fliege nach Liverpool

Sonntag Nachmittag geht es mit dem Bus ins 60 Kilometer entfernte Liverpool. Natürlich werden wir uns in der Heimatstadt der Pilzköpfe das „Beatles Museum“ anschauen und auf den Spuren von John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr wandern. Eingefleischte Beatles-Fans haben in Liverpool auch die Möglichkeit, im „Cavern Club“ – der Geburtsstätte der Beatles – abzuhängen oder an einer mehrstündigen „Magical Mystery Bustour“ teilzunehmen …

Heute ist erst einmal Kino angesagt.
Am Donnerstag ist der neue Spider-Man Blockbuster „Homecoming“ weltweit angelaufen. Den Streifen will ich unter keinen Umständen verpassen.

Ich wünsche euch allen ein tolles Weekend.
Eure Sandra

13. Juli 2017 – Paul McCartney und Jack Kerouac

08.00 Uhr Auch am 194. Tag des Jahres stehe ich zeitig auf und absolviere auf der schattigen Terrasse die Morgengymnastik. Während ich mit den Armen rudere, werde ich plötzlich Zeuge, wie sich Herrn Booths Nichte im Schneidersitz am Teich niederlässt und eigenartige Summlaute von sich gibt.
08.30 Uhr Selbstverständlich geselle ich nach kurzem Zögern zu dem jungen Ding und lote aus, ob sie meditiert. Die 33jährige schenkt mir ein Lächeln und entgegnet, dass sie allmorgendlich Yogaübungen absolviert. Ich mache grosse Augen und bringe weiter in Erfahrung, dass die Maid dem Vorbild des indischen Gurus Lahiri Mahasaya folgt und mit diesen lächerlichen Leibesübungen die Vereinigung mit dem Unendlichen vollziehen möchte – jaja.


Yoga ist Unfug

09.00 Uhr Augenrollend mache ich kehrt und komme zu dem Schluss, dass die junge Generation den Verstand verloren hat. Trotzdem lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und entspanne mich bei einem Wirbelbad.
10.00 Uhr Nachdem ich mich angezogen habe, statte ich meiner Nachbarin einen Besuch ab und lade mich zum Frühstück ein. Die Perle verwöhnt mich mit hausgemachten Eierkuchen und zitiert aus der Tageszeitung, dass Kalifornien den von Monsanto vertriebenen Unkrautvernichter „Glyphosat“ als krebserregend eingestuft hat. In diesem Zusammenhang berichtet die kleine Frau weiter, dass besagtes Pestizid auf vielen Feldern zum Einsatz kommt. Ich winke demonstrativ ab und verweise auf die Tatsache, dass die Menschen immer günstigere Lebensmittel fordern und die Erzeuger deswegen genötigt sind, immer grössere Mengen an Giften auf die Felder zu karren – wo soll das noch hinführen.
11.00 Uhr Pünktlich zum Elfuhrläuten wische ich mir das Maul an der Tischdecke ab und ziehe es vor, mich zu verabschieden. Zu allem Überfluss rennt Hund Dixon kläffend zum Teich bellt Fräulein Melody scharf an. Das Kind wischt sich den Schweiss von der Stirn und meint, dass es nun ihre tägliche Yogastunde beenden wird. Ich nicke eifrig und lasse es mir nicht nehmen, sie zu einem Glas Cola in mein bescheidenes Zuhause einzuladen. Melody freut sich sehr und lässt sich spornstreichs in der Hollywoodschaukel nieder. Währenddessen flitze ich wie der Wind in die Küche und fülle zwei Gläser mit braunen Limonade auf.


Wir schlürfen braune Limonade

11.30 Uhr Während ich meine Kehle durchspüle, redet Melody ohne Unterlass auf mich ein und informiert, dass sie am Montag das ausverkaufte Paul McCartney Konzert in der „Amalie Arena“ in Tampa, FL besucht hat. Ich staune nicht schlecht und erwähne beiläufig, dass ich gestern einen ausführlichen Artikel in der Zeitung überflogen habe. Mein Gegenüber schwärmt in den höchsten Tönen und verrät, dass der 75jährige Künstler nicht nur alte Beatles Klassiker, sondern auch zahlreiche Eigenkompositionen zum Besten gegeben hat – das soll mir auch Recht sein.
12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, hüpft die junge Frau von der Hollywoodschaukel und kündigt an, nun ans Meer krusen zu wollen. Ich wünsche Fräulein Melody viel Vergnügen und verabschiede sie winkend. Danach schleppe ich mich verschwitzt ins Haus, um eine Fertigpizza im Ofenrohr aufzubacken.
13.00 Uhr Nachdem ich mich gestärkt habe, greife ich zum Telefon und rufe im fernen Kanada an. Nach dem zweiten Tuten habe ich Georg an der Strippe und erfahre, dass meine Verwandten am gestrigen Abend sicher in Toronto eingetroffen sind – wie beruhigend.
13.30 Uhr Um keine Langeweile zu bekommen, scheuche ich den Vierbeiner zum Auto und ringe mich dazu durch, Prof. Kuhn einen Besuch abzustatten. Während ich als dem Wohngebiet brettere, rufe ich den schlauen Mann kurzerhand an und vernehme, dass er den Nachmittag in den „Waterside Shops“ verbringt. Ich schnalze mit der Zunge und gebe zu Protokoll, dass ich in dreissig Minuten vor Ort sein werde.
14.00 Uhr Nach dem Parkvorgang schlendere ich in die „Barnes & Noble“ Buchhandlung und treffe meinen Bekannten am Belletristikregal an. Edelbert präsentiert einen Roman mit dem Titel „On the Road“ (löblich: Auf der Strasse) und setzt mich darüber in Kenntnis, dass Jack Kerouacs Geschichte von Literaturkennern als Meilenstein angesehen wird. Ich zucke mit den Schultern und lese auf dem Waschzettel, dass der Roman von zwei Freunden handelt, die quer durch die Vereinigten Staaten reisen – das hört sich verlockend an.


Jack Kerouac – On the Road

14.45 Uhr Nachdem ich 8,99 Dollars in ein Exemplar investiert habe, lade ich Edelbert in die benachbarte „True Food Kitchen“ Wirtschaft ein. Wir lassen uns an einem Tisch an der Glasfassade nieder und ordern bei einem beschürzten Kellner zwei grosse Kaffees sowie hausgemachten Apfelstrudel mit Schlagobers. Zudem verrate ich dem Professor, dass ich am Morgen ein längeres Gespräch mit Fräulein Melody führen konnte.
15.30 Uhr Zum Abschluss des Restaurantbesuchs suche ich den Waschraum auf und putze mir einen Sahnefleck vom T Hemd. Im Anschluss spaziere ich mit Edelbert zum Parkplatz und merke an, dass ich nun nach Hause fahren und mich von den Strapazen des Tages entspannen werde – immerhin bin ich nicht mehr der Jüngste.


Mein Zuhause unter Palmen

16.15 Uhr Zurück im Willoughby Drive, werfe ich die Pforte ins Schloss und falle erschöpft aufs Kanapee. Bereits nach wenigen Augenblicken döse ich ein und träume von meiner lieben Familie im fernen Kanada.
17.15 Uhr Der Vierbeiner weckt mich fiepend und fordert mich auf, seinen Napf mit Futter aufzufüllen. Ich komme meinen Pflichten augenblicklich nach und nehme selbst mit zwei Wurstbroten Vorlieb. Dazu trinke ich drei Gläser Rotwein und verzehre ausserdem eine pralle Pfirsich aus dem Nachbarstaat Georgia – das schmeckt.
18.00 Uhr Nach der schweisstreibenden Hausarbeit lege ich die Beine hoch und folge interessiert den Nachrichten auf FOX. Ich mache mich über die Geschehnisse in der Welt schlau und lerne, dass am Wochenende ein Tiefdruckgebiet über Florida ziehen und für kühlere Temperaturen sorgen wird – das hört man gerne.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit schalte ich auf den Bezahlsender Showtime um und erfreue mich an der Serie „Shameless“ (löblich: Schamlos), die von einer asozialen Familie in Chicago erzählt.
21.00 Uhr Nach zwei Episoden beende ich lachend den Fernsehabend und lege mich schlafen. Gute Nacht.

26. Juni 2017 – Milton Glaser

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Bild: Milton Glaser / CC BY-SA 2.5

Sehr geehrte Heimseitenbesucher,

heute feiert Milton Glaser seinen 88. Geburtstag.
Der gute Mann lebt seit seiner Kindheit in New York City und war Gründungsmitglied des legendären „Push Pin“ Grafikdesignerstudios in den 1950er Jahren. Herr Milton läutete gemeinsam mit seinen Kompagnons eine neue Ära des Designs ein und stieg bald zu einem der bekanntesten Illustratoren der Welt auf.

Unter anderem erschuf er Möbel sowie Häuser und schrieb es sich auf die Fahnen, auch seinen Beitrag zur aufstrebenden Pop Kultur der 1960er und 1970er Jahre zu leisten. Milton Glaser zeichnete Konzertposter für den aufstrebenden Folksänger Bob Dylan und entwarf auch die Einrichtung des „Windows of the World“ (löblich: Fenster der Welt) Restaurants im „World Trade Center“.

Sein bekanntestes Werk ist jedoch das I LOVE NY Signet aus dem Jahre 1975.
Damals beauftragte die Abteilung für wirtschaftliche Entwicklung des Bundesstaats New York diverse Grafikstudios, ein Erkennungszeichen für eine grossangelegte Marketingkampagne zu entwerfen. Schlussendlich erschuf Milton Glaser den bekannten Schriftzug während einer Taxifahrt durch Manhattan.

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Ich liebe New York

Zwei Jahre später wurde das Signet auf Plakate gedruckt und in der ganzen Stadt verteilt. Zeitgleich wurde die Kampagne auch durch landesweit ausgestrahlte Fernsehwerbesendungen unterstützt. Die „I LOVE NEW YORK“ Grafik ging um die Welt und ziert heute nicht nur Millionen Aufkleber und Kaffeetassen, sondern auch Parfüms und T Hemden – da kommt besonders grosse Freude auf.

Milton Glasers Arbeiten wurden vielfach ausgezeichnet.
Dutzende seiner Grafiken finden sich heutzutage in den angesagtesten Museen der Welt, wie dem „Museum of Modern Arts“ in New York. Der Künstler wurde auch mit unzähligen Preisen überschüttet und ist seit 2009 Träger der bedeutensten Auszeichnung, die durch den Kongress der Vereinigten Staaten verliehen wird. Präsident Barack Obama verlieh die „National Medal of Arts“ Herrn Glaser im Jahre 2009 persönlich – wie aufregend.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg