13. Februar 2019 – Eine kleine Reise?

08.00 Uhr Das Festnetztelefon klingelt und ich vernehme Edelberts Stimme im Rohr. Mein Bekannter legt beste Laune an den Tag und erkundigt sich, ob ich ihn zum Supermarkt begleiten möchte. Weil ich kaum noch Lebensmittel im Kühlschrank horte, willige ich ein und verspreche, gegen halb Elf am PUBLIX Supermarkt zu sein. Darüber hinaus komme ich auf Georg und Maria zu sprechen und berichte, dass die beiden immer noch in den Everglades sind und erst morgen nach Naples zurückfahren werden – wo soll das noch hinführen.


Wir schoppen ab

08.30 Uhr Nachdem ich meine ausgetrocknete Kehle mit einem kräftigen Schluck Diät Cola durchgespült habe, eile ich in die Nasszelle und lasse lauwarmes Wasser in die Wanne laufen. Danach schlüpfe ich aus dem Nachthemd und entspanne mich bei einem lustigen Wirbelbad mit Rosenöl – das macht Spass.
09.30 Uhr Nach dem Badevergnügen werfe ich mir modische Freizeitkleidung über und fasse den Entschluss, meiner Nachbarin einen Besuch abzustatten. Da ich mich ausser Stande sehe, selbst für eine reichhaltige Jause zu sorgen, lade ich mich bei Frau Pontecorvo kurzerhand zum Frühstück ein und labe mich an einem stattlichen Stück Obstkuchen. Dazu trinke ich brühfrischen Bohnentrunk und merke an, dass ich bald dem Professor in der PUBLIX Markthalle treffen werde. Meine Tischnachbarin klatscht freudig in ihre Hände und bittet mich, ihr Haargummis sowie eine Flasche WC Reiniger mitzubringen – das werden wir erst noch sehen.
10.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner goldenen ROLEX auf 10 zugeht, nehme ich einen letzten Schluck Kaffee und gebe zu Protokoll, dass nun die Zeit gekommen ist, um Lebewohl zu sagen. Ferner bedanke ich mich für die Mahlzeit und sichere zu, dass ich mich morgen mit einem opulenten Abendessen revanchieren werde.
11.30 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise, erreiche ich mein Ziel und kann den Chevrolet Suburban direkt neben Edelberts schneeweissen JEEP abstellen. Während Hund Dixon bei laufendem Motor im Auto zurückbleibt, stapfe ich pfeifend in den klimatisierten Flachbau und treffe meinen Bekannten am Zeitungskiosk. Der schlaue Mann begrüsst mich per Handschlag und schreckt nicht davor zurück, einer störrischen Kundin (84) mit hellrosa Haaren einen Einkaufswagen streitig zu machen. Anschliessend nehme ich an Edelberts Seite die Sonderangebote in Augenschein und registriere, dass kaum Schnäppchen zu finden sind. Trotz aller Nackenschläge lassen wir uns die gute Laune nicht verderben und laden gesunde Äpfel, Kartoffeln, diverse Konserven, Schuhwichse, KELLOGGS Zerealien sowie andere Waren des täglichen Bedarfs in den Wagen – was das wieder kostet.
12.15 Uhr Während sich immer mehr Lebensmittel ansammeln, erzähle ich dem Professor, dass ich grosse Lust hätte, in den kommenden Wochen zu verreisen. In diesem Zusammenhang komme ich auf das einladende “Disney World Resort” in Orlando, FL zu sprechen und stelle klar, dass es ein Spass wäre, in einem der ansässigen Luxushotels zu logieren. Anstatt Freudensprünge zu machen, winkt mein Begleiter ab und wirft ein, dass wir der Kultur frönen und nach Miami krusen sollten – wie langweilig.


Miami ist immer eine Reise wert

12.45 Uhr Nachdem wir dem PUBLIX Konzern ein kleines Vermögen beschert haben, steuere ich als nächstes eine McDonalds Schnellfressfiliale an und lade Edelbert zu einer kleinen Brotzeit ein. Mit dem Vierbeiner im Schlepptau werden wir an der Essensausgabe vorstellig und ordern neben gesunden Fritten, fettigen Burgern und Beilagensalaten ausserdem grosse Diät Colas – das gibt ein Festessen.
13.15 Uhr Redlichst gestärkt trete ich die Heimreise an und freue mich auf ruhige Stunden in der kleinen Villa. Um für gute Laune zu sorgen, drehe ich das Radiogerät etwas lauter und fröne stimmungsvollen Landmusikschlägen angesehener Interpreten wie Miranda Lambert und/oder Randy Houser – da kommt besonders grosse Freude auf.
14.00 Uhr Fix und foxi treffe ich zu Hause ein und mache es mir zur Aufgabe, die Einkaufstüten in die kleine Villa zu schleppen. Unterdessen verabschiedet sich Dixon in den Garten und buddelt eine knietiefe Grube im Rosenbeet der Nachbarn aus – das gibt bestimmt wieder Ärger.


Mein Zuhause unter Palmen

14.30 Uhr Nachdem ich die Waren im Eiskasten verstaut habe, schlüpfe ich aus den Flip Flops und falle erschöpft aufs Kanapee. Um etwas Ruhe zu bekommen, schliesse ich die Augen und döse ruckzuck ein.
15.30 Uhr Ich erwache ausgeruht und fülle den Napf meines Haustieres mit H²O auf. Nebenbei spähe ich auf meine Armbanduhr und bemerke, dass es für das Abendessen noch zu früh ist. Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, klatsche ich in die Hände und animiere den Rüden, mich zur “La Playa” Golfanlage zu begleiten.
16.00 Uhr Summend schlendere ich durch das Wohngebiet und nehme mir das Recht heraus, Georg anzurufen und nach dem Rechten zu fragen. Mein Bruder freut sich über den Anruf und kündigt an, dass er den letzten Abend in den Everglades in vollen Zügen am Lagerfeuer geniessen und bereits morgen Früh die Heimreise antreten wird.
17.00 Uhr Zurück in der kleinen Villa, mache ich mich in der Küche nützlich und hantiere mit einer Pfanne. Ruckzuck brate ich Fischstäbe heraus und nehme ausserdem mit Bratkartoffeln Vorlieb – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nach dem Nachtmahl nehme ich auf dem Sofa platz und gebe mich den Nachrichten auf FOX hin. Unter anderem bringe ich heraus, dass am kommenden Montag mit dem “President Day” (löblich: Präsidenten Tag) ein wichtiger Feiertag ansteht – wie schön.

19.00 Uhr Zur besten Sendezeit nehme ich mit dem Angebot des Internetzkanals “FandangoNOW” Vorlieb und lasse die Seele beim Musikfilm “A Star is Born” baumeln. Die Erfolgsproduktion aus dem letzten Jahr handelt vom Abstieg eines einst gefeierten Musikers. Als der Heini eines Tages die junge Sängerin Ally kennen lernt, nimmt er sie unter seine Fittiche und verhilft ihr zu einer grossen Karriere.
21.00 Uhr Als nach einhundertzwanzig Minuten der Abspann über den Flachbildschirm flimmert, atme ich tief durch und beende den Fernsehabend. Zu guter Letzt wünsche ich Dixon angenehme Träume und lege mich schlafen. Gute Nacht.

11. Februar 2019 – Wilder Bill

08.00 Uhr Die siebte Woche des noch jungen Jahres bricht an und ich mache mir grosse Sorgen wegen Georg und Maria. Weil die lieben Leute in der vergangenen Woche in die Everglades gekrust sind und sich seitdem nicht mehr gemeldet haben, nehme ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) zur Hand und kontaktiere kurzerhand meinen Bruder. Der gute Mann meldet sich nach dem dritten Tuten und berichtet, er mit dem WINNEBAGO Wohnmobil bis nach Flamingo Beach gekrust ist und seitdem wunderschöne Tage an der sogenannten “Snake Bight” verbringt. Ich mache grosse Augen und bringe weiter heraus, dass es sich hierbei um einen Küstenabschnitt handelt, an dem besonders viele Campingplätze zu finden sind – das hört man gerne.


Die Verwandtschaft tummelt sich in den Everglades

08.30 Uhr Nach dreissig Minuten beende ich das Telefonat und lasse Hund Dixon wissen, dass die lieben Leute am Donnerstag zurück sein werden. Erleichtert ziehe ich mich ins Bad zurück und nehme mir das Recht heraus, die Wirbelbadwanne mit lauwarmen Wasser volllaufen zu lassen – was kann es schöneres geben.
09.30 Uhr Im Anschluss setze ich mich an den reich gedeckten Frühstückstisch und verzehre geröstete Weissbrotscheiben mit Nutella. Dazu gibt es Frozen Yoghurt (unlöblich: Gefrorenen Joghurt) sowie zwei Pfirsiche aus dem Nachbarstaat Georgia. Darüber hinaus telefoniere ich mit dem Professor und vernehme, dass er das Mittagessen im “Caffee Milano” einnehmen möchte. Zudem gibt mein Bekannter zu Protokoll, dass wir das schöne Wetter ausnutzen sollten und einen Stadtbummel unternehmen könnten – dazu sage ich nicht nein.
10.15 Uhr Um den schlauen Mann nicht warten zu lassen, leere ich das Kaffeehaferl und rufe den Vierbeiner auf, mir unauffällig zum Chevrolet zu folgen.


Ich könnte ein Schnitzel vertragen

11.00 Uhr Nach einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt treffe ich in der Innenstadt ein und parke den frischaufpolierten SUV direkt vor Edelberts Wohnadresse an der 5th Strasse. Mein Bekannter lässt nicht lange auf sich warten und streichelt meinen tierischen Begleiter über den Kopf. Ferner merkt Edelbert an, dass sein knurrender Magen ein Steak (unlöblich: Schnitzel) vertragen könnte – das ist die beste Nachricht des Tages.
11.30 Uhr Wenig später betreten wir das gutbesuchte “Caffee Milano” und nehmen einen Fenstertisch in Beschlag. Eine beschürzte Kellnerin mit strohblonder Mähne versorgt uns mit den Tageskarten und meint, dass wir das Gericht des Tages wählen sollten. Ich winke jedoch ab und ziehe es vor, anstatt eines hausgemachten Nudelschichtgerichts (unlöblich: Lasagne) ein vitaminreiches Porterhouse Steak mit Kartoffeln und Gemüse zu wählen. Edelbert folgt meinem Beispiel und ringt sich dazu durch, zuvor einen Shrimp Cocktail zu geniessen.

12.15 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, kommt mein Tischnachbar auf die benachbarte “Barnes & Noble” Buchhandlung zu sprechen und sagt, dass er sich gerne das erst kürzlich erschienene Sachbuch “Wild Bill: The True Story of the American Frontier’s First Gunfighter” (löblich: Wilder Bill: Die wahre Geschichte des ersten Schützen der amerikanischen Grenze) kaufen würde. Ich werde augenblicklich hellhörig und lerne, dass Bill Hickock anno 1837 in Illinois das Licht der Welt erblickte und alsbald zu einem der berüchtigsten Revolverhelden des Wilden Westens aufstieg. Edelbert geht noch weiter und informiert, dass der Heini mindestens sieben Menschen ermordete und im Sommer 1876 in Deadwood während eines Kartenspiels erschossen wurde – jaja.
13.00 Uhr Nachdem wir die opulente Mahlzeit mit Kaffee und Käsekuchen abgeschlossen haben, brechen wir zu einem lustigen Stadtbummel auf. Wir folgen bei angenehmen Temperaturen der 5th Avenue gen Westen und registrieren, dass die Ladeninhaber derzeit mit unschlagbaren Rabatten locken – wie aufregend.
13.45 Uhr Schlussendlich finden wir uns in der besagten Buchhandlung wieder und erfahren, dass das gewünschte Buch vorrätig ist. Während mein Begleiter seine Geldklammer aus der Hosentasche fischt und grüne Scheine auf die Ladentheke zählt, wende ich mich den Neuerscheinungen zu und bemerke, dass die ehemalige First Lady (löblich: Erste Frau) Michelle Obama einen Roman auf den Markt gebracht hat – das hat gerade noch gefehlt.
14.30 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, dem Professor die Hand zu schütteln und den Heimweg anzutreten. Wie es sich gehört, wünsche ich Edelbert einen schönen Nachmittag und hüpfe dann ins Auto.


Mein Zuhause unter Palmen

15.15 Uhr Zurück im Willoughby Drive, falle ich erschöpft aufs Kanapee und lege die Beine hoch. Nach wenigen Augenblicken döse ich ein und sehe mich im Traum ins verschneite Gilford Beach versetzt.
16.15 Uhr Nach der wohlverdienten Pause rufe ich das Amazon Musikabspielgerät ECHO auf, das kultivierte Zuhause mit stimmungsvoller Georg Strait Landmusik zu beschallen. Zudem nehme ich den Rasensprenger in Betrieb und vergesse auch nicht, Dixons Näpfe mit Trockenfutter und H²O zu befüllen.
17.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 5 zugeht, mache ich mich in der Küche nützlich und brate ein Dutzend Fischstäbe im Fett heraus. Dazu gibt es Kartoffelbrei aus der Tüte sowie einen farbenfrohen Beilagensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen und Oliven – das keusche Auge isst bekanntlich immer mit.


Ich beisse kraftvoll zu

18.00 Uhr Ein nervenaufreibender Tag neigt sich nun seinem Ende zu. Ich sorge in der Küche für Sauberkeit und setze mich dann in die gute Stube, um in Hund Dixons Beisein die Abendnachrichten auf FOX anzuschauen.
19.00 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, wechsle ich auf AMC, um mich bei der Serie “The Walking Dead” (löblich: Der wandelnde Tod) zu amüsieren. Missmutig folge ich den Geschehnissen und erfahre, dass die Hauptfigur Rick Grimes im Laufe der aktuellen Staffel schwer verletzt wurde. Ich kratze mich entnervt an der Schläfe und entschliesse mich, diesem Unsinn ein Ende zu bereiten und auf einen anderen Kanal umzuschalten.
21.00 Uhr Nach einer aufschlussreichen Dokumentation auf PBS beende ich den Fernsehabend und betätige den OFF (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung. Zu guter Letzt rufe ich Dixon ins Haus und lege mich schlafen. Gute Nacht.

29. Januar 2019 – American Renegades

08.00 Uhr Ein unentwegt plappernder WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radiomoderator weckt mich mit einem nagelneuen Dierks Bentley Lied. Ich rolle mich gähnend aus dem Wasserbett und erkenne, dass die moderne Landmusik (unlöblich: Country Music) ganz und gar nicht nach meinem Geschmack ist. Trotz aller Nackenschläge lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und zögere nicht, auf der schattigen Terrasse die Morgengymnastik zu absolvieren – wer rastet, der rostet.


Der weltbeste Radiosender

08.30 Uhr Nachdem ich mich ertüchtigt habe, lasse ich die Seele bei einem Wirbelbad baumeln und rufe bei Georg und Maria an, um ihnen mitzuteilen, dass ich in Julies Restaurant frühstücken möchte. Meine Verwandten freuen sich und kündigen an, gegen halb 11 in der besagten Wirtschaft zu sein.
09.30 Uhr redlichst entspannt beende ich den Waschvorgang und hole farbenfrohe Kleidung aus dem begehbaren Schrank. Danach statte ich Frau Pontecorvo einen Besuch ab gebe vor, dass ich alsbald dem Frühstücksgasthaus meines Vertrauens einen Besuch abstatten werde. Die Perle von nebenan winkt jedoch ab und entgegnet, dass sie sich mit Freundinnen in einem Schönheitssalon treffen wird. Ich schüttle entnervt den Kopf und ziehe es vor, meiner Nachbarin viel Vergnügen beim Aufbrezeln zu wünschen – wo soll das noch hinführen.
10.00 Uhr Wenig später helfe ich Hund Dixon auf die Ladefläche es Chevrolets und presche mit quietschenden Pneus aus dem beschaulichen Wohngebiet. Um nicht zu spät in Julies Restaurant einzutreffen, beschleunige ich das Auto auf 30 Meilen pro Stunde und setze zu waghalsigen Überholmanövern an – wie aufregend.
10.30 Uhr Pünktlich auf die Minute betrete ich mit dem Haustier im Schlepptau das Restaurant und werde von Maria und Georg winkend begrüsst. Meine Verwandten legen beste Laune an den Tag und informieren, bereits brühfrischen Kaffee sowie ein grosses Frühstück (unlöblich: Big Breakfast) bestellt zu haben – das hört man gerne.


Ich spüle meine Kehle Bild: Nevit Dilmen / CC BY-SA 3.0

11.00 Uhr Während ich kraftvoll zubeisse, erfahre ich von Georg, dass er gestern seine Ehefrau ins neueröffnete “El Mare” Restaurant ausgeführt hat. Ich mache grosse Augen und bringe auf Anfrage heraus, dass es sich hierbei um ein nagelneues mexikanisches Gasthaus an der Airport Pulling Road handelt. Mein Bruder schwärmt in den höchsten Tönen und gibt vor, einen leckeren Fisch mit Saisongemüse und Kartoffeln verzehrt zu haben. Maria schlägt in die gleiche Kerbe und meint, dass wir bald allesamt in dieses Spitzenrestaurant gehen sollten – jaja.
12.00 Uhr Um keine Wurzel zu schlagen, tippe ich auf meine goldene ROLEX und bitte Kellnerin Peggy, uns die Rechung zu präsentieren. Im Anschluss verlassen wir die Gaststätte und vereinbaren, dass wir nun zum WAL MART krusen und die neuerschienenen DVDs in Augenschein nehmen sollten. Ich nicke eifrig und merke an, dass ich die Gelegenheit am Schopfe packen und meine reichhaltige Filmsammlung mit neuem Stoff auffüllen werde.


Walmart ist prima

12.30 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise erreichen wir das WAL MART Supercenter am Collier Boulevard und schlendern mit dem schnüffelnden Vierbeiner durch die breiten Gänge. Zeitnah finden wir uns in der sogenannten “Home Entertainment” (löblich: Heimunterhaltung) Abteilung wieder und registrieren, dass seit wenigen Tagen der preisgekrönte Kriegsfilm “American Renegades” verfügbar ist. Um mir einen genaueren Überblick zu verschaffen, lese ich die Informationen auf der Rückseite und lerne, dass diese Produktion die Geschichte etlicher Navy Seals erzählt, die nach Bosnien geschickt werden und mit dem Auftrag betraut werden, einen Nazi Schatz zu bergen.

13.00 Uhr Schlussendlich landet auch noch der Zukunftsfilm “First Man” in meinem Einkaufswagen und ich gebe zu Protokoll, dass ich heute einen gepflegten Filmabend einlegen werde. Maria hat jedoch nur Hohn und Spott über und beteuert, dass ich an diesen Schundwerken ganz bestimmt keinen Gefallen finden werde – papperlapapp.
13.30 Uhr Nach dem Bezahlvorgang schütten wir Hände und kommen überein, dass wir uns Morgen im Lowbank Drive zum Frühstück treffen sollten. Maria schenkt mir zum Abschied ein Lächeln und sagt, dass sie auch Edelbert einladen wird – das kann mir nur Recht sein.
14.15 Uhr Zurück im Willoughby Drive, schlüpfe ich aus den modischen Flip Flops und bereite mir in der Küche ein Wurstbrot vor. Dazu gibt es einen Tomatensalat mit würzigem Balsamico aus dem fernen Italien – wie gut das duftet.
15.00 Uhr Nach der Jause fülle ich Dixons Napf mit Trockenfutter auf und falle dann erschöpft aufs Kanapee. Das brave Haustier folgt meinem Beispiel und begleitet mich ins Reich der Träume – wie schön
16.00 Uhr Ich öffne die Augen und lasse Dixon in den Garten hinaus. Im Anschluss gehe ich Anschnur und arbeite Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher ab. Wissbegierig überfliege ich die elektronischen Depeschen und stelle fest, dass es die junge Generation derzeit besonders bunt treibt. Anstatt für die Schule und das Leben zu lernen, ziehen es viele Kinder vor, Schneemänner zu bauen und/oder Heimrechnerspiele zu spielen – wie furchtbar.


Heimrechnerspiele sind gefährlich

17.00 Uhr Zum Abschluss der Beratungsstunden schalte ich die neuesten Einträge im beliebten Gästebuch frei. Zudem überprüfe ich den Warenbestand im Andenkenladen und sehe mich genötigt, bei meinem indonesischen Grosshändler Bambang neue T Hemden mit meinem Konterfei nachzubestellen.
18.00 Uhr Endlich beginnt der wohlverdiente Feierabend. Ich genehmige mir ein kühles Bier aus dem Eiskasten und schiebe eine Fertigpizza ins Ofenrohr. Danach lasse ich mir die Köstlichkeiten zu prima WCKT CAT COUNTRY Radiomusik in der guten Stube schmecken und blättere in der Tageszeitung.
19.00 Uhr Nachdem ich mir die Nachrichten angeschaut habe, verfrachte ich eine blaue Scheibe ins Abspielgerät und gebe mich dem Lichtspielhauserfolg “First Man” hin. Die Produktion, die in Deutschland den Titel “Aufbruch zum Mond” trug handelt von der ersten Mondlandung im Jahre 1968. Ich lehne mich entspannt zurück und erinnere mich, dass ich dieses Schauspiel vor 51 Jahren am Fernseher mitverfolgt habe – das waren noch Zeiten.
21.00 Uhr Als der Abspann über die Mattscheibe flimmert, beende ich den Fernsehabend und begleite den Vierbeiner noch einmal in den Garten. Zu guter Letzt verschliesse ich die Haustüre sorgsam und lege mich schlafen. Gute Nacht.

28. Januar 2019 – Wir werfen Stöckchen

08.00 Uhr Nachdem ich mich sportlich aus dem Bett gerollt und die Kaffeemaschine eingestellt habe, strebe ich mit einer lustigen Melodie auf den Lippen an die frische Luft. Wie es sich gehört, läute ich den letzten Montag im Januar mit der Morgengymnastik ein und nutze ausserdem die Gelegenheit, um mit Herrn Booth zu tratschen. Mein Nachbar kommt aus dem Plappern gar nicht mehr heraus und berichtet, dass seine Nichte in der vergangenen Woche mit einem Kunstpreis ausgezeichnet wurde. In diesem Zusammenhang erzählt der Vietnamveteran, dass Frau Melody bei einem renommierten New Yorker Verlagshaus als Karikaturistin beschäftigt ist. Ich nicke eifrig und bringe weiter heraus, dass das hübsche Mädchen vor einigen Wochen bei einem landesweiten Wettbewerb teilgenommen und nun einen mit 12.500 Dollars dotierten Preis erhalten hat – das hört man gerne.
08.30 Uhr Nach der Plauderei kehre ich gutgelaunt in die klimatisierte Stube zurück und nehme mir das Recht heraus, die Seele bei einem Wirbelbad baumeln zu lassen. Nebenher segle ich mit dem iPad durchs Internetz und mache es mir zur Aufgabe, Sandras Tagebucheintrag vom Wochenende zu lesen. Mit grossen Augen überfliege ich die Zeilen und bemerke, dass meine Mieterin ausschliesslich Unsinn im Kopf hat – wie schrecklich.


Ich beisse kraftvoll zu

09.30 Uhr Sechzig Minuten später hüpfe ich aus der Wirbelbadewanne und nehme das Frühstück ein. Ich labe mich an hauchdünn aufgeschnittenem Capocollo, im Röster zubereiteten Weissbrotscheiben (unlöblich: Toast) sowie an brühfrischem Bohnentrunk. Ferner werfe ich prüfende Blicke in die Tageszeitung und lerne, dass die Temperaturen am Wochenende fallen und sogar mit Regen zu rechnen sein wird – das hat gerade noch gefehlt.
10.00 Uhr Pünktlich zum Zehnuhrläuten stattet mir Frau Pontecorvo einen Besuch ab. Die Perle von nebenan legt beste Laune an den Tag und sagt, dass sie in der kommenden Woche ihren Garten auf Vordermann bringen muss. Ich schlage in die gleiche Kerbe und stelle klar, dass ich nicht nur die hochgewachsenen Mangroven, sondern auch die Kletterrosen vor dem Haus stutzen werde – was muss ich denn noch alles ertragen.
10.45 Uhr Kurz vor dem Elfuhrläuten beenden wir das Frühstück und fassen den Entschluss, Hund Dixon zum Chevrolet zu scheuchen und zum Strand zu krusen. Weil ich ein Tierfreund bin, helfe ich dem Vierbeiner auf die Ladefläche und schicke mich an, den SUV zum zwölf Meilen entfernten “Barefoot Beach” zu steuern.
11.30 Uhr Alsbald fahren wir auf einen kostenpflichtigen Parkplatz auf und sehen uns genötigt, dem hochnäsigen Parkwächter drei Dollars und fünfzig Zents zu überlassen. Trotz der immens hohen Kosten lassen wir uns die gute Laune nicht verderben und laufen zum azurblauen Golf von Mexiko. Auch unser tierischer Begleiter ist ganz aus dem Häuschen und schreckt nicht davor zurück, die kreischenden Möwen aufzuschrecken – das macht Spass.


Hund Dixon tollt herum

12.15 Uhr Um keinen Sonnenbrand zu bekommen, statten wir einer einladenden Strandgaststätte einen Besuch ab und ordern süffiges Bier. Die braungebrannte und leichtbekleidete Kellnerin (33) kredenzt ausserdem eine Schüssel mit Erdnüssen und erkundigt sich, ob wir etwas Essen wollen. Wir nicken eifrig und ringen uns dazu durch, vitaminreiche Cheeseburger (löblich: Käseburger) mit Kartoffelstäben in Auftrag zu geben.
13.00 Uhr Weil Dixon langsam unruhig wird, begleichen wir die Rechnung in Bar und setzen unseren Spaziergang fort. Wir folgen entspannt dem Boardwalk (unlöblich: Strandweg) und plaudern nebenher über Georg und Maria. Meine Nachbarin ist besonders neugierig und möchte wissen, wie lange meine Verwandten noch in Florida bleiben werden. Achselzuckend werfe ich Dixon ein Stöckchen zu und gebe zu Protokoll, dass sich die lieben Menschen unter Palmen pudelwohl fühlen.
14.00 Uhr Nach einer Stunde stehen wir völlig verschwitzt am Auto. Ich atme tief durch und kann es kaum noch erwarten, eine ruhige Kugel in der klimatisierten Villa zu schieben. Ruckzuck klemme ich mich hinters Lenkrad und bringe meine Begleiterin sicher in den Willoughby Drive zurück.


Mein Zuhause unter Palmen

15.00 Uhr Zuhause angekommen, wünsche ich der kleinen Frau einen ruhigen Nachmittag und lade sie für Morgen zum Kaffeekränzchen ein. Danach werfe ich die Pforte krachend ins Schloss und falle gähnend aufs Sofa.
16.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und stelle fest, dass es fast 4 Uhr geschlagen hat. Da es sich kaum noch lohnt, Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher zu studieren, verabschiede ich mich auf die schattige Terrasse lasse mich in der Hollywood Schaukel nieder. Während Dixon im Garten spielt, blättere ich in der “Naples Daily News” (löblich: Naples tägliche Neuigkeiten) und löse das grosse Kreuzworträtsel auf der letzten Seite – da kommt Freude auf.
17.00 Uhr Weil das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, lege ich die Lektüre beiseite und mache mich in der Küche nützlich. Um nicht stundenlang am Herd stehen zu müssen, verfrachte ich eine Schinkenpizza ins Ofenrohr und bereite mir einen leckeren Beilagensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen zu.


Es gibt ein leckeres Abendessen

18.00 Uhr Zum Abschluss des langen Tages sorge ich in der Küche für Sauberkeit und mache es mir dann in der Wohnstube bequem, um mir die Abendnachrichten auf FOX anzuschauen.
19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit (unlöblich: Prime Time) nehme ich mit dem NETFLIX Programm Vorlieb und fröne dem Kriminalfilm “Velvet Buzzaw” (auf deutsch: Die Kunst des toten Mannes). Die Produktion aus dem Jahre 2019 erzählt die Geschichte einer Kunstagentin, die mit der Aufgabe betraut wird, die Gemäldesammlung eines verstorbenen Mannes zu veräussern – da kommt Spannung auf.
21.30 Uhr Als nach zweistündiger Spitzenunterhaltung der Abspann über die Mattscheibe flimmert, schalte ich die Glotze aus und rufe Dixon ins Haus. Danach verschliesse ich die Haustüre und gehe ins Bett. Gute Nacht.

22. Januar 2019 – Socken und Bermudahose

08.00 Uhr Der Radiowecker springt an und ich habe ein schönes Bob Dylan Lied im Ohr. Als ich mich aus dem Bett schwinge und in Richtung Terrasse aufmache, bimmelt das Telefon besonders laut. Zu meiner Freude meldet sich Georg im Rohr und kündigt an, dass er gegen 10 Uhr in Julies Restaurant sein und anschliessend mit Maria zu den “Miromar Outlet Stores” (löblich: Miromar Auslassgeschäften) in Estero krusen wird. Weil ich keine wichtigen Termine im Kalender verzeichnet habe, merke ich an, dass ich kurzerhand mitkommen werde.
08.30 Uhr Als nächstes telefoniere ich mit Prof. Kuhn und lasse ihn wissen, dass ich um 10 Uhr in Julies Restaurant sein werde. Als ich auf den anstehenden Schoppingausflug zu sprechen komme, juchzt der schlaue Mann laut und verspricht, sich der Reise in die Nachbargemeinde anschliessen zu wollen – das ist prima.
08.45 Uhr Um nicht ungewaschen aus dem Haus gehen zu müssen, verabschiede ich mich ins Bad und erfrische mich bei einem lustigen Wirbelbad. Wie es sich gehört, wasche ich mir die Haare und vergesse auch nicht, mir die Bartstoppeln abzurasieren – immerhin ist gutes Aussehen heutzutage sehr wichtig.


Gutes Aussehen ist sehr wichtig

09.30 Uhr Redlichst herausgewaschen, schlüpfe ich in modische Freizeitkleidung und gebe Hund Dixon zu verstehen, dass wir nun Frau Julie einen Besuch abstatten werden. Der Rüde wedelt aufgeregt mit der Rute und folgt mir spornstreichs zum Chevrolet – das klappt wieder wie am Schnürchen.
10.00 Uhr Überpünktlich erreiche ich mein Zeil und registriere, dass Edelbert, Georg und Maria auch schon vor Ort sind und es sich im Frühstückslokal meines Vertrauens bequem gemacht haben. Ich geselle mich augenblicklich dazu und lasse Bedienung Peggy wissen, dass ich mit einem grossen Frühstück (unlöblich: Big Breakfast) Vorlieb nehmen werde. Die Kellnerin nimmt die Bestellung lächelnd auf und versorgt mich mit einer Tasse Kaffee.
10.30 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen und unsere ausgetrockneten Kehlen ölen, kommt meine Schwägerin plötzlich auf die unschlagbaren Angebote im “Miromar” Schoppingparadies zu sprechen und kündigt an, sich sündteuren Schmuck kaufen zu wollen. Ich nicke eifrig und stelle klar, dass ich Socken sowie eine farbenfrohe Bermudahose benötige – was das wieder kostet.


Ich benötige Socken

11.15 Uhr Um keine Wurzeln zu schlagen, bezahlen wir die Zeche in Bar und kommen überein, dass wir in drei Autos nach Estero krusen sollten. Mein Bruder reibt sich die Hände und sagt, dass er der weltbeste Fahrer ist und uns auf dem Tamiami Trail abhängen wird. Lautlachend helfe ich dem Vierbeiner auf die Ladefläche und schicke mich an, die Hupe zu betätigen und mit durchdrehenden Pneus vom Parkplatz zu preschen – da kommt Freude auf.
12.00 Uhr Nach zwanzig Meilen kommen wir vor dem Einkaufsparadies zum halten und stellen die Autos direkt vor dem Haupteingang ab. Ich schwinge mich voller Elan vom Fahrersitz und gebe meinen Begleitern zu verstehen, dass das schwülwarme Wetter sogar den stärksten Rentner in die Knie zwingt. Prof. Kuhn schlägt in die gleiche Kerbe und meint, dass wir uns als erstes ein Eis kaufen sollten – das ist eine hervorragende Idee.


Miromar Auslassgeschäft in Estero, FL

12.30 Uhr Anschliessend lotst uns Maria in ein Schmuckgeschäft und macht es sich zur Aufgabe, Ohrringe und Halsketten in Augenschein zu nehmen. Ich rolle demonstrativ mit den Augen und sehne mich in den beschaulichen Willoughby Drive zurück – wo soll das noch hinführen.
13.15 Uhr Nachdem meine Schwägerin ein Fusskettchen für 398 Dollars gekauft hat, statten wir dem “Calvin Klein Underwear” Geschäft einen Besuch ab. Während Edelbert die feilgebotene Damenunterwäsche skeptisch beäugt, wende ich mich Georg zu und merke an, dass mein knurrender Magen nach einer warmen Mahlzeit verlangt. Mein Bruder beruhigt mich sofort und wirft ein, dass wir gleich ins “All American Grill” Gasthaus einkehren werden. Zuvor schnappt sich mein Verwandter jedoch ein Paar Boxershorts vom Regal und zückt seine goldene Kreditkarte.
14.00 Uhr Mit letzter Kraft schleppe ich mich ins gutbesuchte “All American Grill” Restaurant und lasse mich schnaufend an einem schönen Tisch nieder. Ein gestriegelter Kellner lässt nicht lange auf sich warten und überreicht uns die Tageskarten. Nach kurzem Überlegen geben wir vier Steaks (löblich: Schnitzel) mit Buttergemüse und Kartoffeln in Auftrag – das gibt ein Festessen.
15.15 Uhr Nachdem wir die Mahlzeit mit Tiramisu und Schaumkaffees beschlossen haben, geben sich meine Verwandten spendabel und laden uns zu Speis und Trank ein. Danach verlassen wir gestärkt das Restaurant und schlendern an Fachgeschäften vorbei, um nach preiswerten Socken Ausschau zu halten.
16.00 Uhr Schlussendlich werde ich in einer “Bahamas” Filiale fündig und habe das grosse Glück, sechs Paar Socken für lediglich 12 Dollars erwerben zu können. Ferner investiere ich weitere 26 grüne Scheine in eine knielange Bermudahose mit praktischen Seitentaschen – wie aufregend.


Die Zeit schreitet voran

16.30 Uhr Als meine goldene ROLEX halb 5 anzeigt, stehen wir wieder an den Autos. Ich verabschiede mich von Georg und Maria und vernehme, dass die lieben Leute nun zur zum Golf von Mexiko rasen und dort in einem Fischrestaurant den Abend ausklingen lassen wollen – diesen Luxus kann ich mir beim besten Willen nicht leisten.
17.30 Uhr Nach einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt treffe ich endlich zu Hause ein und freue mich auf einen besinnlichen Fernsehabend. Da Dixon hungrig ist, fülle ich seinen Napf mit Trockenfutter auf und nehme selbst mit reichbelegten Sandwiches (unlöblich: Wurstbroten) Vorlieb.

18.30 Uhr Nachdem ich die Hausarbeit hinter mich gebracht habe, lege ich in der guten Stube die Beine hoch und folge bierschlürfend den FOX Nachrichten. Da ausnahmsweise keine brechenden Neuigkeiten (unlöblich: Breaking News) vorliegen, wechsle ich alsbald auf SHOWTIME, um mich der neuangelaufenen Serie “Black Monday” (löblich: Schwarzer Montag) hinzugeben. Das mehrteilige Fernsehspiel erzählt vom Niedergang der amerikanischen Börse im Oktober 1987. Wie jedes Kind weiss, fiel damals der sogenannte Dow Jones Index innerhalb von nur 24 Stunden um 600 Punkte und trief viele Unternehmen in den Ruin – wie furchtbar.
21.00 Uhr Nach zwei heiteren Episoden beende ich den Fernsehabend und begleite Hund Dixon ein letztes Mal in den Garten. Zu guter Letzt reguliere ich die Klimaanlage und falle gähnend ins Bett. Gute Nacht.