20. Juni 2018 – Hall & Oates und Caribbean Village Festival

08.00 Uhr Ein neuer Tag bricht an und ich fühle mich prima. Weil ich längst nicht zum alten Eisen zähle, hüpfe ich spornstreichs aus dem Bett und trete auf die schattige Terrasse, um meine Glieder zu stählen. Unterdessen mache ich mir eigene Gedanken und komme zu dem Schluss, dass es angebracht wäre, meine Verwandten zum Frühstück in eines der angesagten Restaurants entlang der 5th Avenue einzuladen – man gönnt sich ja sonst nichts.
08.30 Uhr Nachdem ich mit Georg telefoniert habe, rufe ich Hund Dixon ins Haus und lasse ihn wissen, dass wir meinen Bruder und meine Schwägerin gegen 10 Uhr im “The Cafe” treffen werden. Im Anschluss eile ich juchzend in die Nasszelle und rufe während des Badevergnügens bei Prof. Kuhn an. Edelbert wird sogleich hellhörig und verspricht, ebenfalls vorbei zu kommen und grossen Hunger mitzubringen – das hört man gerne.


Katze Land – der beste Radiosender

09.30 Uhr Redlichst nach Rosenöl duftend, zwänge ich mich in modische Freizeitkleidung und schicke mich an, den Vierbeiner zum PS-strotzenden SUV zu scheuchen. Weil ich meine Zeit nicht gestohlen habe, lasse ich den Motor aufheulen und gleite zu stimmungsvollen WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radioklängen von dannen. Alsbald treffe ich im Zentrum ein und habe das grosse Glück, direkt an der Haupteinkaufsstrasse einen geeigneten Stellplatz für mein frischaufpoliertes KFZ zu ergattern – da kommt besonders grosse Freude auf.
10.00 Uhr Pünktlich auf die Minute betrete ich das gutbesuchte Frühstücksgasthaus und stelle mit grosser Freude fest, dass Edelbert sowie meine Verwandten auch schon vor Ort sind. Wie es sich gehört, lüfte ich meine NY YANKEES Kappe und lasse es mir nicht nehmen, neben Maria Platz zu nehmen und bei einem gestriegelten Ober ein grosses Frühstück mit Kaffee und O-Saft zu bestellen – schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.


Hall & Oates pörformen in Sunrise, FL

10.30 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, berichte Georg von seinen anstehenden Aktivitäten und erzählt, dass er Morgen mit seiner Ehefrau nach Miami krusen wird, um das Wochenende an Floridas Ostküste zu verbringen. Als ich genauer nachfrage, rückt mein Bruder mit der ganzen Wahrheit heraus und sagt, dass er nicht nur ein Konzert des Musikduos “Hall & Oates” im “BB&T Center” in Sunrise, FL besuchen, sondern sich auch auf dem weltbekannten “Caribbean Village Festival” in Lauderhill, FL vergnügen wird – das ist ja allerhand.
11.15 Uhr Im weiteren Verlauf unseres Zusammenseins bringe ich ausserdem heraus, dass Daryl Hall und John Oates in den 1970er und 1980er Jahren mit “Rich Girls” (löblich: Reiche Mädchen), “Kiss On My List” (löblich: Küssen ist auf meiner Liste), “Private Eyes” (löblich: Private Augen) und “Maneater” (löblich: Menschenfresser) etliche Nummer 1 Schläge (unlöblich: Hits) in den Vereinigten Staaten feiern konnten. Maria nickt eifrig und wirft ein, dass es ein Vergnügen werden wird, in Erinnerungen zu schwelgen und der schönen Musik des besagten Pop-Duos zu frönen. Obgleich ich mit skeptisch gebe und die netten Menschen aufrufe, lieber in Naples zu bleiben, lassen sie nicht mit sich reden und kündigen an, bereits Morgen früh auf grosse Reise zu gehen – das ist typisch.

11.45 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten begleiche ich die Zeche in Bar und breche mit meinen Tischnachbarn zu einem Stadtbummel auf. Unterdessen frage ich meine Schwägerin bezüglich des “Caribbean Village Festival” (löblich: Karibisches Stadtfest) aus und erfahre, dass es sich hierbei um eines der landesweit grössten Kulturfestivals handelt. Ich staune nicht schlecht und vernehme, dass auf dem vom PUBLIX Konzern gesponserten Fest nicht nur angesagte Sänger auftreten, sondern auch feine Speisen serviert werden – wie interessant.
12.45 Uhr Fix und foxi stehe ich wieder am Auto und lerne, dass Edelbert während der Nachmittagsstunden einen Handwerker in seiner Stadtwohnung erwarten wird. Der schlaue Mann rauft sich die Haare und unterbreitet, dass seine Toilette verstopft ist und er sich genötigt sieht, viel Geld für die Reparatur auszugeben. Schlussendlich schütteln wir Hände und ich hüpfe winkend in den SUV, um schnellstmöglich nach Hause zu rasen.
13.45 Uhr Zurück im Willoughby Drive, schleppe ich mich mit letzter Kraft ins Haus und freue mich, Putzperle Frau Gomez im Gang anzutreffen. Die kleinwüchsige Mexikanerin hievt den Staubsauger in die Abstellkammer und beteuert, dass sie den Hausputz nun beenden und nach Hause fahren wird. Ich stecke der Dame als kleine Aufmerksamkeit etwas Kleingeld zu und wünsche ihr einen ruhigen Nachmittag. Anschliessend schlüpfe ich aus den Schuhen und strecke auf dem Wohnzimmerkanapee die Beine aus – das tut gut.


Mein Zuhause unter Palmen

14.45 Uhr Ich erwache ausgeruht und nutze den Nachmittag, um Anschnur zu gehen. Als erstes rufe ich Depeschen besorgter Heimseitenbesucher ab und stosse dabei auf einen Brief meiner Mieterin. Sandra erinnert an ihren anstehenden Sommerurlaub und schreibt, dass sie in 10 Tagen in Naples eintreffen wird – wie furchtbar.
15.45 Uhr Nachdem ich Ratschläge zum Umgang mit Jugendlichen gegeben habe, gehe ich von der Leine und begleite Dixon in den Garten. Wie es sich gehört, bewässere ich die Pflanzen und tratsche mit Frau Pontecorvo. Meine Nachbarin legt beste Laune an den Tag und meint, dass ich Morgen zum Frühstück vorbei kommen kann.
16.45 Uhr Zum Abschluss des langen Tages mache ich mich in der Küche nützlich und brate ein T Knochen Schnitzel im heissen Fett heraus. Ausserdem zaubere ich einen farbenfrohen Beilagensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen und grünen Oliven – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nach dem Nachtmahl schalte ich die Glotze ein und gebe mich den FOX Nachrichten hin. Unter anderem vernehme ich, dass ein Hochdruckgebiet Kurs auf Westflorida genommen hat und uns zum Wochenende Temperaturen jenseits der 100°F Grenze bescheren wird – gleich platzt mir der Kragen.
19.00 Uhr Da im Fernsehen nur Unsinn läuft, nehme ich mit dem AMAZON Programm Vorlieb und schaue mir die erste Episode des nagelneuen Serienformates “Yellowstone” an. Das zehnteilige Fernsehspiel handelt von der Dutton-Familie, die am namensgebenden Nationalpark einen Bauernhof bewirtschaftet – da kommt Spannung auf.
21.00 Uhr Als nach einer Stunden der Abspann über die Mattscheibe flimmert, schalte ich mich weiter durchs AMAZON PRIME Angebot und bemerke, dass der weltgrösste Internetzdienstleister unzählige sehenswerte Hollywoodproduktionen im Programm hat. Da es aber viel zu spät ist, betätige ich den AUS Knopf auf der neumodernen Fernbedienung und lösche sämtliche Lichter. Zu guter Letzt reguliere ich die Klimaanlage und falle gähnend ins Bett. Gute Nacht.

19. Juni 2018 – Zu Besuch im Lowbank Drive

08.00 Uhr Wie jeden Tag, stehe ich auch heute um 8 Uhr auf. Da ich von meinen Verwandten erwartet werde, eile ich mit schnellen Schritten auf die Terrasse und absolviere die Morgengymnastik – das macht Spass.
08.30 Uhr Um meine Familienmitglieder nicht warten zu lassen, ziehe ich mich im Anschluss in die Nasszelle zurück und lasse die Seele bei einem erfrischenden Wirbelbad baumeln. Nebenher rufe ich kurzentschlossen im Lowbank Drive an und lasse meinen Bruder wissen, dass ich gegen 10 Uhr auf der Matte stehen werde. Georg ist hellauf begeistert und verspricht, dass Maria bis dahin ein reichhaltiges Frühstück vorbereitet wird – wie aufregend.


Das Ferienhaus im Lowbank Drive

09.15 Uhr Kurz nach dem Neunuhrläuten beende ich die Morgenwäsche und werfe mich in Schale. Zu guter Letzt halte ich im Garten nach Dixon Ausschau und bemerke, dass der Rüde seine Pfoten im trüben Teich gebadet hat. Mit rollenden Augen zerre ich den Frechdachs in die gute Stube und mache es mir zur Aufgabe, ihn mit einem Frotteehandtuch trocken zu reiben. Danach eile ich mit einem lustigen Lied auf den Lippen zum PS-strotzenden SUV und schicke mich an, meiner Familie einen Besuch abzustatten.
10.30 Uhr Wenig später komme ich vor dem Ferienhaus zum stehen und werden von Georg herzlich Willkommen geheissen. Der gute Mann lotst mich in den Garten und meint, dass das milde Wetter dazu einlädt, die wichtigste Mahlzeit des Tages im Freien einzunehmen. Ich nicke zustimmend und gebe Maria zu verstehen, dass ich grossen Durst mitgebracht habe und ein Glas O-Saft trinken möchte. Meine Schwägerin lässt sich nicht zweimal bitten und tischt neben frischaufgebrühtem Kaffee ausserdem eine Karaffe mit eiskaltem Orangennektar auf – das ist prima.
11.00 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, komme ich auf Sandras Sommerurlaub zu sprechen und informiere, dass das unterbelichtete Kind in 11 Tagen zu uns stossen wird. Natürlich gebe ich mich skeptisch und mutmasse, dass die Maid mein ruhiges Leben gehörig durcheinander bringen wird. Wie nicht anders zu erwarten, schlägt sich Maria an Sandras Seite und beteuert, dass meine Mieterin eine sehr freundliche Person ist – das glaube ich kaum.


Herr Wangs Motelbetrieb

12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, gesellt sich Herr Wang zu uns und erzählt, dass er die Morgenschicht in “Naples Manor Motel” leiten und sich mit koreanischen Gästen herumärgern musste. Der Asiate wischt sich demonstrativ über die Stirn und meint, dass er zur Mittagszeit von seiner Tochter Carol im Büro abgelöst wurde. Ich schenke dem lustigen Mann ein Lächeln und setze ihn darüber in Kenntnis, dass alsbald Sandra im Sonnenscheinstaat eintreffen wird. Der Motelbesitzer schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und wirft ein, dass es kein Vergnügen werden wird, den Frechdachs in meiner kleinen Villa zu beherbergen – wie wahr.
13.00 Uhr Weil Georg mit Herrn Wang zum Golfplatz krusen möchte, fährt Maria zum Abschluss des Frühstücks gefrorenen Joghurt (unlöblich: Frozen Yoghurt) auf und lädt uns ein, am Abend mit ins Lichtspielhaus zu kommen. Georg reibt sich die Hände und sagt, dass der Kriminalfilm “Gotti” gezeigt wird. Obgleich mich das Leben des Mafiascheffs John Gotti sehr interessiert, winke ich ab und stelle klar, dass ich Besseres zu tun habe.
13.45 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, der geselligen Runde Lebewohl zu sagen und die Heimfahrt anzutreten. Gutgelaunt scheuche ich Dixon zum Auto und presche zu stimmungsvoller WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radiountermalung gen Norden davon.


Der beste Radiosender

14.30 Uhr Zuhause angekommen, falle ich erschöpft aufs Kanapee und lege die Beine hoch. Im Handumdrehen döse ich ein und träume von meinem letzten Kanadabesuch – das war ein Spass.
15.30 Uhr Nach einer Stunde rolle ich mich vom Kanapee und verspüre kaum Lust, die Anschnurseelsorge zu erledigen. Stattdessen schnappe ich mir die Hundeleine und breche mit dem Haustier im Schlepptau zu einem Spaziergang durchs Wohngebiet auf. Während ich zum “La Playa” Golfplatz schlendere, bimmelt plötzlich das Telefon und Edelbert erzählt, dass er sich Mittags mit Frau Brandie Cream getroffen hat. Mein Bekannter kommt aus dem Plappern gar nicht mehr heraus und berichtet, dass das ehemalige Nacktmodell mittlerweile mit beiden Beinen im Leben steht und bald einen eigenen Schönheitssalon im Zentrum eröffnen wird – das kann mir nur Recht sein.
16.30 Uhr Mit knurrendem Magen stosse ich die Haustüre auf und bereite das Nachtmahl vor. Um nicht stundenlang am heissen Herd stehen zu müssen, verfrachte ich eine TOMBSTONE Tiefkühlpizza ins Backrohr und zaubere dazu einen vitaminreichen Gurkensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen und etwas Dill – wie gut das duftet.


Ich beisse kraftvoll zu

17.30 Uhr Nach der schmackhaften Jause bette ich mich im Wohnzimmer zur Ruhe und mache mich auf FOX über die Neuigkeiten des Tages schlau. Unter anderem lerne ich, dass just heute vor 171 Jahren das erste amerikanische Postschiff den europäischen Kontinent erreicht hat – das ist mir Wurst.
19.00 Uhr Nachdem ich mir die Wettervorhersage angeschaut habe, wechsle ich auf den Filmkanal AMC, um mir das Siedlerdrama “Brimstone” anzuschauen. Die amerikanische Filmproduktion versetzt mich ins 19. Jahrhundert und ich werde Zeuge, wie ein verrückter Prediger die Einwohner einer Kleinstadt terrorisiert – das ist ja allerhand
21.15 Uhr Als der Abspann über die Mattscheibe flimmert, beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt lösche ich sämtliche Lichter und lege mich schlafen. Gute Nacht.

16. und 17. Juni 2018 – Amerika, ich komme

Hallo Freunde der Nacht,

wie ihr sicher wisst, werde ich am 1. Juli nach Amerika düsen und meinen Vermieter in Florida besuchen 🙂

Als EU-Bürger ist man übrigens verpflichtet, nicht nur bei Geschäfts-, sondern auch bei Urlaubsreisen vor Reiseantritt eine sogenannte ESTA (Electronic System for Travel Authorization) Genehmigung zu beantragen. Mit Verabschiedung des neuen amerikanischen Einwanderungs- und Staatsangehörigkeitsgesetzes ist es den Behörden nun erlaubt, die Daten der Reisenden mit den amerikanischen Fahndungs- und Strafverfolgungslisten abzugleichen.

Natürlich habe ich mich schon um eine ESTA-Genehmigung gekümmert und wurde mit 14$ zur Kasse gebeten. Beim Ausfüllen muss man seinen kompletten Namen, Geburtsdatum, den Namen beider Eltern, Informationen zum Reisepass, E-Mail Adressen, private Telefonnummern, Reiseinformationen, Adresse des Arbeitgebers sowie Nutzernamen und Adressen von Sozialen Medien preisgeben …

Ausserdem ist man gezwungen, komische Fragen wie zum Beispiel “Leiden Sie an einem körperlichen oder geistigen Gebrechen; missbrauchen Sie Drogen oder sind Sie drogensüchtig” oder “Wurden Sie jemals verhaftet oder eines Verbrechens überführt, das zu ernsthaften Sachschäden oder gravierenden Schäden für andere Personen oder Regierungsbehörden geführt hat?” zu beantworten. Nur gut, dass ich alle Fragen mit NEIN beantworten konnte 🙂


Bald bin ich in Florida

Trotz des grossen Aufwands freue ich mich riesig, endlich wieder die United States of America besuchen zu dürfen. Ich werde die Tage im Sunshine State sehr geniessen, Sonne tanken, Budweiser schlürfen und natürlich auch viele amerikanische Serien sehen.

Okay, jetzt ruft mich der Biergarten. Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende.
Sandra

11. Juni 2018 – Georgs Reiseerlebnisse

08.00 Uhr Im aller Herrgottsfrühe schrillt das Festnetztelefon und ich habe das Vergnügen, mit Georg plaudern zu können. Mein Bruder wünscht mir einen schönen Morgen und sagt, dass er grossen Hunger hat und mich pünktlich um 10 Uhr in “Julies Restaurant” erwartet. Ich gähne wie ein Löwe und entgegne, dass ich zeitnah aufstehen und mich frisch machen werde – mir bleibt wirklich gar nichts erspart.


Das Telefon schrillt

08.30 Uhr Nach der Morgengymnastik stecke ich Dixon einen Büffelhautknochen ins Maul und informiere, dass wir alsbald Wirtin Julie einen Besuch abstatten und uns auf Georgs Kosten die Wampe vollschlagen werden.
09.30 Uhr Ich beende die Morgenwäsche und entschliesse mich, zur Feier des Tages legere Freizeitkleidung anzuziehen und dem Vierbeiner das schöne Lederhalsband anzulegen. Anschliessend lotse ich das Haustier zum PS-strotzenden SUV und gleite hupend vom Grundstück. Nebenher fröne ich dem Qualitätsradioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und gebe mich stimmungsvollen Kompositionen hin – wie schön.
10.00 Uhr Pünktlich wie ein Maurer erreiche ich mein Ziel und treffe Georg und Maria im Gasthaus meines Vertrauens an. Da mein Magen knurrt, setze ich mich spornstreichs dazu und halte Bedienung Peggy an, ein grosses Frühstück für mich, sowie etwas Schinken für Dixon aufzufahren. Ferner wende ich mich meinem Bruder zu und mache ihn auf den Umstand aufmerksam, dass seine Haut in den letzten Tagen sehr braun geworden ist. Georg nickt zustimmend und kündigt an, dass er heute die Abendsonne in vollen Zügen geniessen und mit Herrn Wang eine Partie Golf auf dem Gelände des “Tiburon Golf Clubs” spielen wird – wie aufregend.
10.30 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen und unsere ausgetrockneten Kehlen mit echtem Bohnenkaffee ölen, kommt mein Bruder abermals auf seinen Ausflug in der vergangenen Woche zu sprechen und legt mir nahe, ebenfalls den wunderschönen “Weeki Wachee Springs State Park” in Spring Hill sowie den “Apalachicola National Forest” anzusteuern. Meine Schwägerin schlägt in die gleiche Kerbe und beteuert, dass der Nationalforst im Nordwesten Floridas eine Fläche von knapp 24.000 km² umfasst – das ist ja kaum zu glauben.


Viel Geld für das Frühstück

11.15 Uhr Nachdem wir die wichtigste Mahlzeit des Tages mit hausgemachtem Käsekuchen abgerundet haben, präsentiert Wirtin Julie eine ellenlange Rechnung und knöpft uns 70 Dollars ab. Georg bezahlt die Zeche in Bar und ermutigt mich, zu einem Spaziergang entlang der Vanderbilt Beach Road mitzukommen. Ich lasse mich nicht zweimal bitten und schlendere an der Seite der lieben Leute an heruntergekommenen Reinigungsfirmen und koreanischen Feinkostläden vorbei. Unterdessen tratsche ich mit Maria und bringe heraus, dass sie ihren Ehemann am Abend nicht auf den Golfplatz begleiten, sondern ins Lichtspielhaus gehen wird – das soll mir auch Recht sein.
12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, stehen wir vor “Julies Restaurant” und schüttelnd Hände. Ich wünsche meinen Verwandten einen ruhigen Nachmittag und hüpfe winkend ins Auto. Ruckzuck lasse ich den Wählhebel der Automatikschaltung in der “D” Stellung einrasten und rase hupend in Richtung Wohngebiet davon.
13.00 Uhr Wieder zurück im Willoughby Drive, versorge ich Dixon mit gesundem Trockenfutter und rufe bei Prof. Kuhn an, um ihn über das Frühstück in Kenntnis zu setzen. Mein Bekannter freut sich und entgegnet, dass er den Vormittag in einem Buchgeschäft verbracht und sich einen Roman des erst kürzlich verstorbenen Schriftstellers Philip Roth gekauft hat – das soll mir auch Recht sein.


Mein Zuhause unter Palmen

13.45 Uhr Nach dem Gespräch ziehe ich das verschwitzte T-Hemd aus und bette mich auf dem Wohnzimmersofa zur Ruhe. Schnell döse ich ein und träume von meiner unterbelichteten Mieterin, die mir in wenigen Tage einen Besuch abstatten wird – das kann ja heiter werden.
14.45 Uhr Um nicht den ganzen Nachmittag zu verschlafen, hüpfe ich vom Kanapee und komme meinen Pflichten als Anschnurseelsorger nach. Mit flinken Fingern navigiere ich durch das Internetz und studiere Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher – mir bleibt wirklich gar nichts erspart.
15.45 Uhr Zum Abschluss der Beratungsstunde schalte ich noch die neuen Einträge im Gästebuch frei und nehme meine persönliche Korrespondenz in Augenschein. Im Anschluss sehe ich mich im Garten um und spiele mit Dixon etwas Ball – da kommt besonders grosse Freude auf.
16.30 Uhr Wegen der unerträglichen Hitze ziehe ich mich in die klimatisierte Stube zurück und richte mir eine kalte Wurstplatte an. Ferner giesse ich mir ein Bier ein und studiere während des Abendessens die aktuelle Ausgabe des “TV GUIDE” (löblich: Fernsehratgeber) – immerhin muss man stets auf dem Laufenden bleiben.
17.30 Uhr Laut seufzend schalte ich die leistungsstarke Geschirrspülmaschine ein und vergesse auch nicht, den Küchenboden zu wischen – Sauberkeit ist mir nämlich besonders wichtig.

18.00 Uhr Mit letzter Kraft schleppe ich mich ins Wohnzimmer und lege die Beine hoch. Nebenher folge ich den FOX Nachrichten und erfahre, dass uns zur Wochenmitte eine Schlechtwetterfront heimsuchen und uns ergiebigen Regen bescheren wird – das hat gerade noch gefehlt.
19.00 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, wechsle ich auf den Filmkanal HBO, um mir die 1980er Jahre Filmkomödie “Mannequin” anzuschauen. Das lächerliche Machwerk erzähle die Geschichte einer verzauberten ägyptischen Prinzessin, die es in die heutige Zeit verschlagen hat – diesen Unsinn muss man gesehen haben.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Langeweile beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Im Anschluss lösche ich sämtliche Lichter und gehe ins Bett. Gute Nacht.

7. Juni 2018 – Philly Cheesesteak im Blimpie

08.00 Uhr Auch heute werde ich durch wunderschöne Radiomusik geweckt. Zu den Klängen des weltbekannten Elvis Presley Gassenhauers “Lonesome Cowboy” hüpfe ich aus den Federn und erfahre beim Blick auf den Wandkalender, dass in einer Woche die Fussball Weltmeisterschaft in Russland beginnen wird. Ich rolle mit den Augen und erkläre Hund Dixon, dass mir dieses Grossereignis gestohlen bleiben kann.

08.30 Uhr Nachdem ich die Morgengymnastik absolviert und die Milchflasche hereingeholt habe, ziehe ich mich ins Badezimmer zurück. Weil Hygiene heutzutage sehr wichtig ist, lasse ich die Seele bei einem Wirbelbad baumeln und nehme mir das Recht heraus, mich mit dem Schwamm ordentlich abzuschrubben – da kommt Freude auf.
09.30 Uhr Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, beende ich das Badevergnügen und mache es mir zur Aufgabe, echten Bohnenkaffee aufzubrühen. Nebenher telefoniere ich mit Edelbert und vernehme, dass im Eiskasten meines Verwandten gähnende Leere vorherrscht. Weil es in meinem Kühlschrank nicht besser aussieht, bringe ich spornstreichs einen Schoppingausflug zum WINN DIXIE zur Sprache. Der Professor sagt prompt zu und verspricht, in 60 Minuten vor der Markthalle am Golden Gate Parkway zu sein – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.
10.00 Uhr Nach einer bescheidenen Brotzeit scheuche ich das Haustier zum Auto und schicke mich an, mit quietschenden Pneus zum Supermarkt meines Vertrauens zu rasen. Unterdessen drehe ich am Frequenzrad des Radios und habe das Vergnügen, auf WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) die schöne Jason Aldean Komposition “You Make It Easy” (löblich: Du machst es leicht) zu hören – wie aufregend.
10.30 Uhr Dreissig Minuten später erreiche ich mein Ziel und kann den PS-strotzenden SUV direkt neben Edelberts JEEP auf einem ausgewiesenen Behindertenparkplatz (unlöblich: Disabled parking space) abstellen. Anschliessend schlendern wir gutgelaunt in den klimatisierten Flachbau und der Professor unterbreitet, dass in den Vereinigten Staaten zirka 50 Millionen behinderte Menschen leben. Ich nicke eifrig und weise auf die Tatsache hin, dass die amerikanische Regierung im Jahre 1989 ein Gesetz zum Schutze Behinderter verabschiedet und alle Gewerbetreibenden angewiesen hat, Behindertenparkplätze einzurichten – das ist prima.


Ich parke auf einem Behindertenparkplatz

11.00 Uhr Schlussendlich machen wir einem störrischen Rentner (89) einen Einkaufsagen streitig und wählen allerhand Waren des täglichen Bedarfs aus. Unter anderem sehe ich mich in der Obst- und Gemüseabteilung ganz genau um und fasse den Entschluss, nicht nur einen Salatkopf, sondern auch etliche Äpfel in den Wagen zu verfrachten. Danach nehme ich eine Packung mit 10 Eier vom Regal und lasse meinen Begleiter wissen, dass ich am Abend köstliche Rühreier zubereiten werde – schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.
12.00 Uhr Pünktlich zur Mittagszeit werden wir an Kasse Nummer 7 vorstellig und erkunden uns, ob es für leidgeprüfte Rentner Rabatte gibt. Die übergewichtige Marktmitarbeiterin schüttelt jedoch den Kopf und fordert uns auf, kapp 80 Dollars herauszurücken. Obgleich ich keinen Goldesel im Vorgarten stehen habe, komme ich der Bitte anstandslos nach und merke an, dass ich alsbald im Schuldenturm landen werde – wo soll das noch hinführen.
12.30 Uhr Nachdem wir die schweren Tüten in den Autos verstaut haben, kehren wir mit Dixon im Schlepptau in die benachbarte “Blimpie” Schnellesswirtschaft ein. Ruckzuck drängen wir uns zur Essensausgabe vor und ordern lustige “Philly Cheesesteak” sowie durstlöschende Diät Cola – schmeckt gar nicht schlecht.


Prost

13.15 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, bimmelt plötzlich meine Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und Georg meldet sich in der Leitung. Mein Bruder ist ganz aus dem Häuschen und berichtet, dass er immer noch “on the Road” (löblich: Auf der Strasse) ist und nun doch erst am Samstag in Naples zurück sein wird. Als ich genauer nachfrage, rückt mein Verwandter mit der ganzen Wahrheit heraus und sagt, dass er die Nacht in St. Petersburg verbringen und am Abend das Baseballspiel “Tampa Bay Rays” gegen die “Seattle Mariners” im örtlichen Tropicana Stadion anschauen wird – gleich platzt mir der Kragen.
13.45 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, die Heimreise anzutreten. Wie es sich gehört, wische ich mir den Mund an einer Serviette ab und wünsche dann dem Professor einen ruhigen Nachmittag. Im Anschluss helfe ich dem Vierbeiner auf die Ladefläche des Chevrolets und gleite zufrieden nach Hause.
14.30 Uhr Im Willoughby Drive angekommen, räume ich die Lebensmittel in den Eiskasten und gönne mir in der guten Stube eine Pause. Schnell döse ich ein und träume von meiner Reise quer durch den Kontinent.
15.30 Uhr Ich öffne die Augen und ringe mich dazu durch, Dixon in den Garten zu folgen und etwas zu arbeiten. Trotz schweisstreibenden Temperaturen rupfe ich Unkraut aus dem Petersilienbeet und schneide die ausgewachsenen Triebe aufs rechte Mass zu – das macht Spass.


Die Petersilie wächst und gedeiht

16.30 Uhr Fix und foxi beende ich mein Werk und sorge in der Küche für ein reichhaltiges Abendessen. Pfeifend zaubere ich unter Hund Dixons fordernden Blicken köstliche Rühreier und vergesse auch nicht, die köstliche Jause mit Petersilie aus eigenem Anbau zu verfeinern – wie aufregend.
18.00 Uhr Nachdem ich die Geschirrspülmaschine eingestellt habe, lasse ich den nervenaufreibenden Tag im kühlen Wohnzimmer ausklingen. Als erstes fröne ich den FOX Nachrichten und lerne, dass in der kommenden Woche der “Flag Day” (löblich: Flaggentag) gefeiert wird – wie schön.
18.45 Uhr Nachdem ich mich auf den neuesten Stand gebracht habe, wechsle ich auf HBO und erfreue mich budweiserschlürfend am spannenden Western “Lawman” aus dem Jahre 1971. Regisseur Michael Winner erzählt in seinem Meisterwerk die Geschichte eines Gesetzeshüters, der alles daran setzt, die kriminellen Söhne eines reichen Grundbesitzers vor Gericht zu bringen – da kommt Spannung auf.
20.45 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt lösche ich sämtliche Lichter und lege mich schlafen. Gute Nacht.