18. April 2018 – Die Bauarbeiten sind abgeschlossen

08.00 Uhr Mein praktischer Reisewecker springt an und ich ärgere mich, weil ich gleich aus dem renommierten “The Naples Beach Hotel” austschecken und in den Willoughby Drive zurückkehren muss. Weil ich über alles informiert sein muss, nehme ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) zur Hand und rufe kurzentschlossen bei meinem Nachbarn an. Herr Booth meldet sich prompt und unterbreitet, dass die Bauarbeiten vor meinem Zuhause so gut wie abgeschlossen sind. Der Vietnamveteran plappert ohne Unterlass und beteuert, dass gut ein Dutzend Bauarbeiter in den letzten zwei Tagen die Strommasten erneuert und Kabel verlegt haben – das hört man gerne.


Mein Zuhause unter Palmen

08.45 Uhr Nachdem ich die Morgengymnastik absolviert habe, werfe ich meine Habseligkeiten in den Rollkoffer und lasse Hund Dixon wissen, dass wir nun ein letztes Mal an der “Poolside Bar” frühstücken werden. Der lustige Rüde spitzt seine Ohren und flitzt wie von der Tarantel gestochen zur Pforte – wie schön.
09.30 Uhr Bevor ich die wichtigste Mahlzeit des Tages einnehme, werde ich an der Rezeption vorstellig und bitte den Handlanger hinter dem Tresen, mir die Rechnung zu präsentieren. Der Knecht fackelt nicht lange und sagt, dass für die drei Übernachtungen samt Frühstück sowie die Dienste in der hoteleigenen Wohlfühl Oase insgesamt 637 Dollars anfallen. Laut seufzend zücke ich meine Kreditkarte und lasse es mir nicht nehmen, dem Motelmitarbeiter ein kleines Trinkgeld zuzustecken. Anschliessend strebe ich pfeifend zum Restaurant und labe mich an frischen Früchten, vitaminreichen Rühreiern sowie röschen Croissants (löblich: Französische Hörnchen).
10.15 Uhr Kurz nach dem Zehnuhrläuten verlasse ich das Gasthaus und werfe das Reisegepäck achtlos auf den Rücksitz meines PS-strotzenden Chevrolet Suburban. Im Anschluss helfe ich dem Haustier auf die Ladefläche und schicke mich an, gemütlich nach Hause zu krusen. Unterdessen fröne ich dem Radioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und habe sogar das Vergnügen ein Lied aus Kacey Musgraves neuestem Studioalbum “Golden Hour” (löblich: Goldene Stunde) zu hören – was kann es schöneres geben.


Kacey Musgraves – Golden Hour

11.00 Uhr Wenig später komme ich mit quietschenden Bremsen vor der kleinen Villa zum stehen und registriere, dass entlang des Willoughby Drives noch immer Baumaschinen stehen. Darüber hinaus fällt mir auf, dass die städtischen Bedienstete auch eine hochgewachsene Palme gefällt und Teile des Asphalts aufgerissen haben.
11.30 Uhr Während sich Dixon im Garten tummelt und mit einem Tennisball spielt, stelle ich einen der Arbeiter zur Rede und bringe in Erfahrungen, dass die Arbeiten Morgen beendet sein werden. Der bierbäuchige Depp verspricht ausserdem, dass alsbald Kollegen anrücken und den Strassenbelag erneuern werden – wie beruhigend.
12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, breche ich mit Hund Dixon zu einer entspannten Wanderung auf. Wir schlendern durch das beschauliche Wohngebiet und stehen bald an der starkbefahrenen Immokalee Road. Weil mein Magen knurrt, fackle ich nicht lange und renne wie die Wind zur anderen Strassenseite.
12.30 Uhr Nach einem kurzweiligen Marsch statte ich der “Pelican Larry’s Raw Bar & Grill” Gastwirtschaft einen Besuch ab. Mit ausgetrockneter Kehle finde ich mich am Ausschank ein und bestelle einen Cheeseburger (löblich: Käseburger) mit Salat. Nebenher klage ich Herrn Larry mein Leid und gebe zu Protokoll, dass unterbelichtete Bauarbeiter in meiner Strasse eingefallen sind und ich genötigt war, für drei Tage im Hotel zu wohnen. Der gute Mann macht grosse Augen und zögert nicht, mir ein Hopfenkaltschale aufs Haus zu spendieren – wie aufmerksam.


Budweiser – schmeckt wirklich prima

13.30 Uhr Nachdem ich die Zeche in Bar bezahlt habe, trete ich den Heimweg an und besuche den “Circle K” Supermarkt, um ein Sechserpack Budweiser, Oreo Kekse sowie ein Pfund Äpfel einzukaufen.
14.15 Uhr Zuhause angekommen, lasse ich die Rollos nach unten gleiten und lege in der guten Stube eine Pause ein. Bereits nach wenigen Augenblicken schlummere ich ein und träume vom letzten Weihnachtsfest im Kreise meiner Liebsten – das war eine Gaudi.
15.15 Uhr Redlichst ausgeruht schwinge ich mich vom Kanapee und nutze die Nachmittagsstunden, um Anschnur zu gehen. Auch heute studiere ich elektronische Briefe und mache es mir zur Aufgabe, leidgeprüften Menschen zu helfen. Unter anderem rate ich einer Mutter aus Hamburg, ihren 15jährigen Sohn aus dem Haus zu werfen. Immerhin kann es nicht sein, dass der Rüpel gefährliches Haschgift spritzt und Kristelmess konsumiert – wie furchtbar.


Drogen – Ich sage NEIN

16.15 Uhr Schlussendlich gehe ich von der Leine und genehmige mir auf der schattigen Terrasse ein kühles Bier. Zudem schlage ich die Tageszeitung auf und lese spannende Berichte in der “Naples Daily News“.
17.00 Uhr Weil mein Magen abermals knurrt, begebe ich mich in die Küche und schalte den Herd an. Fachmännisch schütte ich etwas Olivenöl in eine Pfanne und brate ein vitaminreiches T-Knochen Schnitzel (unlöblich: T Bone Steak) an. Dazu gibt es feinstes Tiefkühlgemüse sowie einen farbenfrohen Beilagensalat – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nach der reichhaltigen Jause gehe ich zum gemütlichen Teil des Tages über und schaue mir die FOX Nachrichten sowie eine aufschlussreiche Ruf-Herein-Schau (unlöblich: Call-In Show) an.
19.00 Uhr Zum Abschluss des nervenaufreibenden Tages wechsle ich auf den Bezahlsender AMC, wo just im Moment der Vorspann zum abendfüllenden Spielfilm “The Hang Man” anläuft. Ich lehne mich neugierig zurück und werde Zeuge, wie ein erfahrener Polizeibeamter einen gemeingefährlichen Serienkiller jagt.
21.00 Uhr Nach zwei Stunden schalte ich die Glotze aus und unternehme mit dem Vierbeiner einen kleinen Rundgang durch den Garten. Anschliessend reguliere ich die Klimaanlage und gehe zu Bett. Gute Nacht.

17. April 2018 – Im Naples Beach Hotel

08.00 Uhr Ich öffne die Augen und freue mich, einen weiteren Tag im “The Naples Beach Hotel” erleben zu dürfen. Um nicht den ganzen Vormittag auf der faulen Haut zu liegen, schwinge ich mich aus dem Bett und erkläre Dixon, dass ich mich nun in den Spa-Bereich verabschieden werde. Weil der Rüde traurig dreinschaut, nehme ich spornstreichs das Telefon zur Hand und lasse es mir nicht nehmen, den angebotenen Gassigeh-Dienst in Anspruch zu nehmen. Der zuvorkommend Concierge (löblich: Hoteldepp) nimmt den Auftrag freundlich an und verspricht, dass in wenigen Minuten ein Mitarbeiter an meine Zimmertüre klopfen und mit meinem Haustier einen ausgedehnten Strandspaziergang unternehmen wird – das hört man gerne.

08.45 Uhr Wenig später schlendere ich badebemäntelt in die hauseigene Wohlfühl Oase und entschliesse mich, am Willkommensschalter eine lustige Thai-Massage zu buchen. Alsbald werde ich in einen abgesonderten Raum geführt und sehe mich mit einer ausgebildeten Masseurin namens Olivia (24) konfrontiert. Das fesche Mädchen versorgt mich mit Informationen und beteuert, dass die Massage auch als “Nuat Phaen Boran” (löblich: Massieren nach uraltem Muster) bekannt ist. Ferner bringe ich heraus, dass die aus dem Yoga abgeleiteten Dehn- und Streckbewegungen die Gelenke mobilisieren und die Durchblutung fördern sollen.
09.15 Uhr Nachdem ich mich lauwarm abgeduscht habe, werde ich von Frau Olivia gebeten, mich auf einen Massagetisch zu legen. Natürlich komme ich dem Aufruf anstandslos nach und habe einer knappe dreiviertel Stunde lang das Vergnügen, von Kopf bis Fuss durchgeknetet zu werden. Unterdessen wirkt Fräulein Olivia beruhigend auf mich ein und animiert mich, die Augen zu schliessen und ruhig zu atmen – wie aufregend.
10.00 Uhr Pünktlich zum Zehnuhrläuten werde ich in der lichtdurchflutenden Schwimmhalle vorstellig und springe kopfüber ins kühle Nass. Um meine Muskeln zu stählen, schwimme ich prustend auf und ab und übe mich sogar im Rückenschwimmen – da kommt besonders grosse Freude auf.


Dixon unternimmt einen Strandspaziergang

10.45 Uhr Weil Dixon gegen 11 Uhr von seinem Strandausflug zurück sein wird, schlüpfe ich in meinen Bademantel und zeige mich am Empfang mit einem 5 Dollars Geldschein erkenntlich. Danach fahre ich mit dem Aufzug nach oben und kann es kaum noch erwarten, an der “Poolside Bar” ein verspätetes Frühstück einzunehmen. Zuvor dusche ich mich jedoch kalt ab und vergesse auch nicht, mir die Haare mit einer duftenden Spülung zu waschen.
11.15 Uhr Einige Minuten später pocht ein Hotelknecht an die Türe und unterbreitet, dass er mit Dixon einen Dauerlauf entlang des Golfs unternommen und das Fell des Tieres gebürstet hat. Ich schenke dem Handlanger ein Lächeln und händige ihm etwas Kleingeld aus. Anschliessend setze ich mir meine NY YANKEES Mütze auf und statte der Schwimmbeckenwirtschaft einen Besuch ab.
11.45 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten serviert ein gestriegelter Knecht ein grosses Frühstück (unlöblich: Big Breakfast) und möchte wissen, ob ich Tee oder Kaffee bevorzuge. Ich lege den Zeigefinger an die Unterlippe und wähle eine Tasse Earl Grey (löblich: Graf Grau) mit einem Schuss Zitrone.


Meine Schwarzbeere

12.30 Uhr Während ich mir die wichtigste Mahlzeit des Tages munden lasse, bimmelt plötzlich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und Edelbert meldet sich im Rohr, um nachzufragen ob ich mich im Hotel wohl fühle. Natürlich lobe ich die Annehmlichkeiten in Naples bester Herberge über den Schellenkönig und kündige an, dass ich den Nachmittag am Strand verbringen werde. Der Professor freut sich und sagt, dass er nun einen Stadtbummeln unternehmen wird – das soll mir auch Recht sein.
13.30 Uhr Nachdem ich mir den Bauch vollgeschlagen habe, schlendere ich zum azurblauen Ozean und bette mich unter einem Sonnenschirm zur Ruhe. Unterdessen jagt Hund Dixon den kreischenden Möwen hinterher und macht es sich zur Aufgabe, die anderen Badegäste scharf anzubellen.
14.30 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und ordere bei einem Strandkellner einen süffigen “Green Apple Mule” (löblich: Grüner Apfel Maultier). Dazu gibt es einen Korb Chickenfingers (löblich: Hühnerfinger) mit gekringelten Kartoffelstäben und würziger Sauce. Darüber hinaus bitte ich den Handlanger, mir die aktuelle Ausgabe der “Naples Daily News” (löblich: Naples tägliche Neuigkeiten) auszuhändigen – immerhin muss ich über alles informiert sein.
15.15 Uhr Um keine Langeweile zu bekommen, klatsche ich in die Hände und fordere den Vierbeiner auf, in die Gänge zu kommen und mich zu einem Spaziergang zu begleiten. Während die Sonne unbarmherzlich vom Himmel brennt, vertrete ich mir die Beine und passiere bald den Lowdermilk Park, der mit zwei Spielplätzen und Sitzgelegenheiten aufwartet. Um keinen Hitzeschlag zu bekommen, krame ich etwas Kleingeld aus meiner Hosentasche und leiste mir ein vitaminreiches Eis in der Waffel – schmeckt gar nicht schlecht.


Ich lasse mir ein Eis schmecken

16.00 Uhr Völlig verschwitzt treffe ich im Hotel ein und schleppe mich mit letzter Kraft an die Hausbar. Da meine Kehle ganz ausgetrocknet ist, deute ich zum Zapfanlage und halte den Schankkellner an, mir ein Budweiser zu kredenzen. Zudem betreiben wir Kleingespräche (unlöblich: Smalltalk) und ich lerne, dass Herr Chris (27) nicht nur in dieser Herberge beschäftigt ist, sondern auch Biologie an der Universität in Fort Myers studiert – wie schön.
17.00 Uhr Ein langer und nervenaufreibender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Weil mir noch der Sand an den Füssen klebt, fasse ich den Entschluss, mir das Abendessen aufs Zimmer liefern zu lassen. Zuvor brause ich mich in der Nasszelle ordentlich ab und creme mir das Gesicht mit einer pflegenden Meersalzsalbe ein.
18.00 Uhr Zum Abschluss des Tages fresse ich einen Cheeseburger und genehmige mir dazu ein kühles Bier aus der Minibar. Nebenher folge ich interessiert den FOX Nachrichten und höre, dass zum Wochenende ein Tiefdruckgebiet über Südflorida ziehen und ergiebigen Regen bringen wird – das ist mir Wurst.
19.00 Uhr Zur sogenannten Prime Time (löblich: Hauptfernsehzeit) wechsle ich auf HBO, um mir den preisgekrönten Kriminalfilm “Seven” (löblich: Sieben) anzuschauen. Beeindruckt folge ich den Geschehnissen und komme prompt zu dem Schluss, dass diese Produktion nicht für Menschen mit schwachen Nerven geeignet ist.
21.00 Uhr Als nach zwei spannungsgeladenen Stunden der Abspann über die Mattscheibe flimmert, atme ich tief durch und schliesse die Augen. Gute Nacht.

11. April 2018 – Der Einschreibebrief

08.00 Uhr Als ich mich aus dem Bett rolle, klingelt es plötzlich an der Haustüre. Während Dixon aufgeregt bellt, werfe ich mir den Morgenmantel über und öffne spornstreichs die Pforte. Zu allem Überfluss sehe ich mich mit einem Postboten konfrontiert, der mir einen Registered Letter (löblich: Einschreibebrief) unter die Nase zählt. Ich gebe mich skeptisch und erfahre beim Blick auf den Absender, dass der Brief aus dem Rathaus stammt – wie eigenartig.
08.45 Uhr Nachdem ich den Postangestellten vom Grundstück gescheucht habe, reisse ich das Kuvert auf und lerne, dass sich die Stadtoberen während einer Gemeinderatsitzung entschlossen haben, die Strommasten im Willoughby Drive zu erneuern. Ich schlage entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen und lese weiter, dass städtische Angestellten bereits in der kommenden Woche mit den Arbeiten beginnen werden – wie unlöblich.


Mein Zuhause unter Palmen

09.15 Uhr Um meinem Ärger Luft machen zu können, eile ich zum Nachbarhaus und erkläre Herrn Booth mit erhobenem Zeigefinger, dass wir Monatelang keinen Strom haben werden. Der hochdekorierte Vietnamveteran beschwichtigt mich sofort und unterbreitet, dass er gerade mit den Verantwortlichen telefoniert und erfahren hat, dass lediglich am kommenden Montag für wenige Stunden der Strom abgestellt werden wird – wie schrecklich.
09.45 Uhr Nachdem ich kein gutes Haar an Bürgermeister Bill Barnett gelassen habe, kehre ich kopfschüttelnd in die kleine Villa zurück und lasse die Seele bei einem erfrischenden Wirbelbad baumeln. Unterdessen rufe ich bei Frau Pontecorvo in Jacksonville an und verrate der Perle, dass wir in der nächsten Woche mit Baulärm rechnen müssen. Meine Bekannte gibt sich ebenfalls deprimiert und meint, dass sie unter diesen Umständen noch eine Woche in Jacksonville bleiben wird – das soll mir auch Recht sein.
10.45 Uhr Schlussendlich steige ich redlichst nach Rosenöl duftend aus der Wirbelwanne und fasse den Entschluss, ab kommenden Montag mit Hund Dixon ins Hotel zu ziehen. Weil auch mein tierischer Mitbewohner über diese Entscheidung in Kenntnis gesetzt werden muss, streichle ich ihm über den Kopf und gebe zu Protokoll, dass wir die Annehmlichkeiten des historischen “Beach Hotels” in Anspruch nehmen werden – das wird ein Spass.
11.30 Uhr Nach einem reichhaltigen Frühstück klatsche ich in die Hände und animiere den Vierbeiner, mir zum PS-strotzenden Chevrolet Suburban zu folgen. Ferner merke ich an, dass wir nun zum besagten 4-Sterne-Hotel krusen und uns über die Zimmerpreise informieren werden. Der Rüde lässt sich nicht zweimal bitten und rennt mit einem Kauknochen im Maul zum Auto – da kommt besonders grosse Freude auf.


Katze Land – der beste Radiosender

12.00 Uhr Während der entspannten Reise, lausche ich dem Radioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und bringe heraus, dass sich Ashley McBrydes neuerschienene Kompaktscheibe “Girl Going Nowhere” (löblich: Mädchen geht nirgendwo hin) wie warme Semmeln verkauft. Weil ich handgemachte Landmusik sehr zu schätzen weiss, halte ich kurzerhand vor einem Musikgeschäft an und lasse es mir nicht nehmen, ein Exemplar für 9 Dollars zu erwerben. Danach setze ich die Ausfahrt zu den stimmungsvollen Klängen der 25jährigen Sängerin fort und betätige zum Takt der Musik die Hupe – was kann es schöneres geben.
12.30 Uhr Kurz nach dem Mittagsläuten betrete ich die Herberge am Gulf Shore Boulevard und werde am Empfang vorstellig. Wie es sich gehört, stelle ich mich händeschüttelnd vor und informiere, dass ich genötigt bin, in der kommenden Woche in einem Zimmer mit Meerblick zu logieren. Die Rezeptionistin nickt eifrig und entgegnet, dass sie mir wunderschöne Räumlichkeiten mit Meerblick vermieten könnte. Obgleich pro Tag 159 Dollars veranschlagt sind, gehe ich auf das Angebot ein und lasse die Dame wissen, dass ich von Montag bis Mittwoch bleiben werde.


Ich gebe ein kleines Vermögen aus

13.15 Uhr Nachdem ich meine praktische Kreditkarte vorgezeigt habe, kehre ich ins hauseigene HB Restaurant ein und ordere einen vitaminreichen Sirlion Burger mit gebackenen Steinpilzen und lustigem Gemüse. Dazu gibt es ein Gläschen Weisswein aus dem Hause “Napa Cellars” sowie erfrischendes Evian Mineralwasser – das tut gut.
14.00 Uhr Um auch Dixon eine kleine Freude zu bereiten, breche ich nach dem Bezahlvorgang zu einer erquickenden Wanderung entlang des Golfs auf. Nebenbei telefoniere ich mit Prof. Kuhn und berichte, dass ich am Montag ins “Beach Hotel” ziehen werde. Edelbert macht grosse Augen und ruft mich auf, die Kosten der Stadtverwaltung im Rechnung zu stellen – das ist gar keine schlechte Idee.
15.00 Uhr Am Auto angekommen, klopfe ich mir den Sand von den Schuhen und trete die Heimreise an. Während mir der Fahrtwind durchs Haar weht, beschleunige ich den SUV auf schwindelerregende 40 Meilen pro Stunde und nehme mir ausserdem das Recht heraus, zur nagelneuen Ashley McBryde Musikscheibe laut mitzusummen.


Ashley McBryde – Girl Going Nowhere

15.45 Uhr Im Willoughby Drive angekommen, fülle ich Dixons Napf mit Trockenfutter auf und falle dann aufs Sofa, um mich von den Strapazen des langen Tages zu entspannen – das tut gut.
16.45 Uhr Ich erwache ausgeruht und stelle fest, dass der Nachmittag weit fortgeschritten ist. Achselzuckend schlendere ich in die Küche und kümmere mich um das Abendessen. Da ich keinen grossen Hunger habe, nehme ich mit einer kleinen Schinkenpizza und einem Beilagensalat Vorlieb – das schmeckt.
17.45 Uhr Nachdem ich den Abwasch hinter mich gebracht habe, beginnt endlich der wohlverdiente Feierabend. Ich stecke dem Rüden einen Kauknochen ins Maul und fröne interessiert den Abendnachrichten auf FOX.
19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit schalte ich auf HBO um und gebe mich der Filmbiografie “Marshall” aus dem Jahre 2017 hin. Die amerikanische Produktion handelt vom dunkelhäutigen Richter Thurgood Marshall, der zwischen 1967 bis 1991 der erste schwarze Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten war – wie aufregend.
21.00 Uhr Nach einhundertzwanzig spannenden Minuten beende ich den Fernsehabend und verabschiede mich ins Schlafzimmer. Gute Nacht.

4. April 2018 – Käseburger am Strand

08.00 Uhr Ich schwinge mich gähnend aus den Federn und freue mich, weil die Sonne vom Himmel lacht. Um mich in Form zu bringen, öffne ich die Terrassentüre und führe auf der schattigen Terrasse den Frühsport durch.
08.30 Uhr Danach lasse ich die Badewanne mit lauwarmen Wasser volllaufen und nehme mir das Recht heraus, den Morgen mit einem erquickenden Sprudelbad zu beginnen. Nebenher telefoniere ich mit Prof. Kuhn und erfahre, dass er im Internetz nach preiswerten Flügen Ausschau gehalten hat. In diesem Zusammenhang verweist der gute Mann auf das diesjährige Oktoberfest und meint, dass Hin- und Rückflüge nach Bayern kaum zu finanzieren sind. Ich atme tief durch und entgegne, dass wir unter diesen Umständen leider auf das weltgrösste Bierfest verzichten müssen. Edelbert schlägt in die gleiche Kerbe und meint, dass wir stattdessen im Oktober nach Alaska ausfliegen und am reissenden Yukon Strom erquickende Wanderungen unternehmen könnten – das glaube ich kaum.


Hund Dixon ist brav

09.30 Uhr Nachdem ich eine Bermudahose sowie ein buntes Hawaiihemd angezogen habe, rufe ich Hund Dixon ins Haus und nehme das Frühstück ein. Dummerweise bimmelt alsbald das Telefon und ich habe das zweifelhafte Vergnügen, mit Frau Pontecorvo tratschen zu müssen. Meine Nachbarin schwärmt in den höchsten Tönen und beteuert, dass ihr Aufenthalt in Jacksonville sehr schön ist. Darüber hinaus kommt die Perle auf ihren gestrigen Theaterbesuch zu sprechen und erörtert, dass sie in einem heruntergekommenen Hinterhofschauspielhaus eine dreieinhalbstündiges Musical gesehen hat – diesen Schmarrn muss man gehört haben.
10.30 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf halb 11 zugeht, beende ich die Jause und lasse den Vierbeiner wissen, dass wir nun einen Ausflug unternehmen und zum Barefoot Beach (löblich: Barfussstrand) krusen werden.
10.45 Uhr Voller Elan lasse ich den Motor des PS-strotzenden SUVs aufheulen und rase mit durchdrehenden Pneus gen Westen davon. Unterdessen stelle ich den Radio lauter und erfreue mich an einer Komposition der Frauenbande “Court House Hounds” (löblich: Gerichtsgebäude Hunde). Der WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Moderator ist bestens informiert und erzählt, dass die beiden Schwestern Martie Maguire und Emily Robison zwischen 2010 und 2013 zwei Studioalben in den landesweiten Hitparaden platzieren konnten – wie aufregend.


Court Yard Hounds

11.15 Uhr Nach siebzehn Meilen kann ich das Auto endlich auf einem “Disabled parking space” (löblich: Behindertenparkplatz) unweit des Strandabschnitts abstellen und mit dem Haustier im Schlepptau zum azurblauen Meer laufen. Weil es angenehm warm ist, schlüpfe ich aus den Flip Flops und bade meine Füsse im Golf von Mexiko. Mein tierischer Begleiter ist ebenfalls ganz aus dem Häuschen und schreckt nicht davor zurück, kreischende Möwen hinterher zu jagen – da kommt besonders grosse Freude auf.
11.45 Uhr Während der lustigen Wanderung werfe ich Dixon Stöckchen zu und rufe in der alten Heimat an. Mieterin Sandra meldet sich nach dem dritten Tuten und berichtet, dass sie die Osterzeit ausgenutzt hat, um das Wohnzimmer sowie das Schlafzimmer zu renovieren. Ich schnalze mit der Zunge und halte das unterbelichtete Kind an, auch den Garten auf Vordermann zu bringen.


Ich beisse kraftvoll zu

12.45 Uhr Da mir die Sonne Schweissperlen auf die Stirn treibt, entschliessen ich mich, in eine Strandgaststätte einzukehren. Mit letzter Kraft schleppe ich mich an die Bar und bitte die Kellnerin, eine süffige Hopfenhaltschale sowie einen saftigen Cheeseburger (löblich: Käseburger) aufzutischen. Die Dame macht grosse Augen und mutmasst, dass ich aus dem alten Europa stamme. Während die Dirne meiner Bitte nachkommt und mich mit einem Kaltgetränk und der gewünschten Brotzeit verwöhnt, verrate ich, dass ich ursprünglich aus Bayern stamme. Frau Mary-Ann freut sich sehr und entgegnet, dass sie in den späten 1990er Jahren in der Armee gedient und in der oberpfälzischen Militärbasis Grafenwöhr stationiert war – das hört man gerne.
13.45 Uhr Nach der Tratscherei zücke ich meine prallgefüllte GOLDEN HEAD Geldbörse und ziehe es vor, die Rechnung in Bar zu begleichen und meine NY YANKEES Kappe zu lüften Danach kehre ich pfeifend zum Auto zurück und freue mich auf ruhige Stunden in der kleinen Villa.
14.45 Uhr Zurück im Willoughby Drive, stelle ich fest, dass Frau Gomez in der Zwischenzeit mein kultiviertes Zuhause auf Vordermann gebracht hat. Ich seufze laut und bette mich auf dem Kanapee zur Ruhe – das tut gut.


Mein Zuhause unter Palmen

15.45 Uhr Um nicht den ganzen Nachmittag auf der faulen Haut zu liegen, komme ich in die Gänge und kümmere mich um die Anschnurseelsorge. Ruckzuck rufe ich Depeschen besorgter Heimseitenbesucher ab und nehme mich der Probleme einer 47jährigen Mutter aus dem ostdeutschen Bischofswerda an. Die kleine Frau berichtet schier unglaubliches und schreibt, dass ihr erst 6jähriger Sohn Tobias den Wunsch geäussert hat, in den Sommerferien nach Disney World (löblich: Disney Welt) zu reisen. Ich komme aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus und rate, dem Frechdachs diese Flausen ganz schnell auszureden – wo kämen wir denn da hin.
16.45 Uhr Schlussendlich fahre ich das Betriebssystem mausdrückend herunter und verabschiede mich in den Feierabend. Weil mein Magen knurrt, eile ich mit schnellen Schritten in die Küche und richte mir einen Wurstplatte an. Dazu gibt es ein Gläschen Rotwein aus dem goldenen Kalifornien – das schmeckt.


Ein edler Rebentrunk aus Kalifornien

17.45 Uhr Als die Geschirrspülmaschine läuft, stelle ich die Klimaanlage höher und lasse den Tag in der Wohnstube ausklingen. Interessiert folge ich den FOX Nachrichten und lerne, dass die afghanische Hauptstadt Kabul von einem verheerenden Selbstmordanschlag heimgesucht wurde – wie schrecklich.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit (unlöblich: Prime Time) wechsle ich auf NETFLIX, um dem spannenden Spielfilm “Annihilation” zu frönen. Die amerikanische Produktion erzählt von schlauen Forscherinnen, die auf eine geheime und todbringende Expedition geschickt werden – wie unheimlich.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung schalte ich den Flachbildschirm aus und begleite Dixon in den Garten. Zu guter Letzt öle ich meine Kehle mit einem Schluck Muhmilch und lege mich schlafen. Gute Nacht.

3. April 2018 – Am Clam Pass Park

08.00 Uhr Ich hüpfe gutgelaunt aus dem Bett und bemerke, dass Hund Dixon auch schon auf den Beinen ist. Während ich mir den Bademantel überwerfe und die DeLonghi Kaffeemaschine knopfdrückend in Betrieb setze, scharrt der Vierbeiner an der Türe und fordert mich auf, ihn in den Garten hinauszulassen – wie aufregend.
09.00 Uhr Nach einem erfrischenden Wirbelbad setze ich mich an den Küchentisch und lasse mir ein reichhaltiges Frühstück schmecken. Ausserdem verfasse ich eine Kurzdepesche an Frau Pontecorvo und frage nach, ob sie sich in Jacksonville wohl fühlt. Die Dame antwortet prompt und erinnert daran, dass ich in ihrem Eigenheim nach dem Rechten sehen und die Pflanzen giessen muss – mir bleibt wirklich gar nichts erspart.


Ich verfasse eine Kurzdepesche

09.45 Uhr Kurz vor dem Zehnuhrläuten klatsche ich in die Hände und lasse den Vierbeiner wissen, dass wir nun Edelbert besuchen und anschliessend an den Strand krusen werden. Ruckzuck scheuche ich den Rüden zum Auto und nehme mir das Recht heraus, den Professor über unser Kommen zu informieren. Natürlich freut sich mein Bekannter sehr und unterbreitet, dass er augenblicklich in die Gänge kommen und vor seiner Wohnadresse auf uns warten wird – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.
10.15 Uhr Nachdem Edelbert zugestiegen ist, rase ich gen Nordwesten davon und erfreue mich an stimmungsvollen WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radioklängen. Unterdessen redet mein Begleiter ohne Unterlass auf mich ein und erzählt, dass er gestern Abend mit seinem Sohn telefoniert hat. Prof. Kuhn seufzt laut und berichtet, dass es nach Merkels Wahl zur neuen Bundeskanzlerin im Berliner Bundesfinanzministerium drunter und drüber geht. Ich nicke eifrig und mutmasse, dass Edelberts Sohn alsbald die Schnauze voll haben und in die freie Wirtschaft wechseln wird – wo soll das noch hinführen.

11.00 Uhr Endlich erreichen wir unser Ziel und parken das Auto auf einem bewachten Parkplatz unweit des beliebten “Clam Pass Park” an der Pelican Bay (unlöblich: Pelikan Bucht). Ich sauge die salzige Luft tief in meine Lungen ein und lasse Edelbert wissen, dass dieser Strandabschnitt zu den schönsten in ganz Florida zählt. Edelbert schlägt in die gleiche Kerbe und zündet sich eine dicke Zigarre an – wie unlöblich.
11.30 Uhr Während der Wanderung entlang des Golfs, plaudern wir über Dies und Das und sind uns einig, dass es ein grosser Spass wäre, zur Oktoberfestzeit nach Bayern auszufliegen. Edelbert strahlt über das ganze Gesicht und beteuert, dass er grosse Lust hätte, Admiral a.D. Bürstenbinder wiederzusehen und sich allabendlich auf dem weltgrössten Bierfest einen Rausch anzusaufen – das hört sich verlockend an.
12.15 Uhr Da das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, kehren wir verschwitzt in eine einladende Strandgaststätte ein und ordern vitaminreiche Hot Dogs (löblich: Heisse Hunde) mit Sauerkraut. Dazu gibt es süffige Leichtbiere aus der Anheuser und Busch Brauerei – schmeckt gar nicht schlecht.


Bier ist sehr gesund

13.00 Uhr Da Dixon wegen der grossen Hitze langsam unruhig wird, begleichen wir die Rechnung mit bunten Scheinen und entschliessen uns, die Heimfahrt anzutreten. Wir laufen ohne Umwege zum Auto zurück und zögern nicht, die Klimaanlage auf die höchste Stufe einzustellen. Danach lasse ich den Motor aufheulen und bringe den Professor sicher in die Stadt zurück. Nebenher beauftrage ich den schlauen Mann, im Internetz nach günstigen Flügen Ausschau zu halten und mich morgen über die Preise in Kenntnis zu setzen.
14.00 Uhr Endlich treffe auch ich zuhause ein und mache es mir zur Aufgabe, dem ausgehungerten Vierbeiner gesundes Royal Canin Trockenfutter sowie frisches H²O zu kredenzen. Danach falle ich schnaufend aufs Sofa und strecke gähnend die Beine aus – dieser Stress wirft sogar den stärksten Rentner aus der Bahn.


Dixon bekommt Trockenfutter

15.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und setze mich an den Heimrechner, um mit der Internetzberatungsstunde zu beginnen. Wie es sich für einen staatlich anerkannten Seelsorger gehört, nehme ich Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher in Augenschein und staune angesichts der zahlreichen Depeschen nicht schlecht. Frau Ramona F. aus Freiburg schreibt, dass sich ihr frecher Sohn Dominik (16) nicht nur ein nagelneues Apfel (unlöblich: Apple) Handtelefon, sondern auch einen tragbaren Lautsprecher zum Geburtstag wünscht. Ich schlage entsetzt die Hände über dem Kopf zusammen und rate der Perle, dem Frechdachs gar nichts zu seinem Wiegenfest zu überreichen – alles kann man schliesslich auch nicht durchgehen lassen.
16.00 Uhr Nach getaner Arbeit gehe ich von der Leine und statte dem Nachbarhaus einen Besuch ab. Weil ich Frau Pontecorvo das Versprechen gegeben habe, die Pflanzen zu bewässern, nehme ich die Gieskanne zur Hand und kümmere mich um die hochgewachsene Yucca Palme in der guten Stube. Darüber hinaus werfe ich prüfende Blicke in sämtliche Schränke und fische auch die Post aus dem Briefkasten.
16.45 Uhr Im Anschluss kehre ich in die kleine Villa zurück und mache mich in der Küche nützlich. Da ich vom Mittagessen noch immer satt bin, stelle ich einen Topf auf das Ceranfeld und koche kurzerhand eine kleine Portion Langnudeln auf. Dazu gibt es ein feines Pesto aus dem Glas – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nach der Stärkung schalte ich die leistungsstarke Geschirrspülmaschine ein und lasse die Seele im klimatisierten Wohnzimmer baumeln. Wie es sich für einen interessierten Rentner gehört, fröne ich den FOX Nachrichten und mache mich über die politischen Geschehnisse in der Welt schlau.

18.45 Uhr Weil keine brechenden Neuigkeiten (unlöblich: Breaking News) vorliegen, schalte ich auf HBO um und gebe mich dem abendfüllenden Spielfilm “In the Heart of the Sea” hin. Die Erfolgsproduktion aus dem Jahre 2015 gibt die Geschichte des amerikanischen Walfangschiffes Essex wieder, das im Jahre 1820 von einem Pottwal angegriffen und versenkt wurde. Ich staune Bauklötze und lerne, dass dieser Vorfall die historische Vorlage des Weltromans “Moby Dick” von Herman Melville war – wie aufregend.
21.00 Uhr Ein spannender Fernsehabend geht zu Ende und ich begleite den Vierbeiner zum Abschluss des anstrengenden Tages in den Garten. Zu guter Letzt reguliere ich die Klimaanlage und lege mich schlafen. Gute Nacht.