12. September 2017 – Hurrikan Irma

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie sie sicher wissen, tobte entlang der Westküste Floridas ein verheerender Tropensturm. Hurrikan „Irma“ traf am Sonntag gegen 9:00 Uhr auf die Florida Keys und fegte mit 130 Meilen pro Stunde über Key West hinweg – wie schrecklich.


Hurrikan Irma

Im weiteren Verlauf näherte er sich dem amerikanischen Festland und erreichte gegen 16:00 Uhr Naples und Fort Myers. Weil Gouverneur Rick Scott bereits am Samstag alle Menschen aufrief, sich in Sicherheit zu bringen, entschlossen wir uns, noch einige Tage in Tallahassee zu verweilen. Währenddessen fanden Frau Pontecorvo, Herr und Frau Booth sowie Familie Connor in der Turnhalle der „Naples High School“ (löblich: Naples Hochschule) am Golden Eagle Circle Schutz. Dort wurden meine Nachbarn samt der knapp 200 anderen Schutzsuchenden von freiwilligen Helfern, einer Ärztemannschaft sowie Mitarbeiter des örtlichen Fire Departments betreut.


Der Sturm fegt über Naples hinweg

Mittlerweile habe ich mit Frau Pontecorvo telefoniert und erfahren, dass am Sonntag Nachmittag im ganzen Stadtgebiet der Strom ausgefallen ist. Darüber hinaus kam es an der Küste zu verheerenden Verwüstungen und Überschwemmungen. Ferner wurden auch Miami und Jacksonville von einer Springflut mit massiven Überflutungen heimgesucht.


Überflutungen in Jacksonville

Frau Pontecorvo versicherte mir aber, dass der Sturm im Willoughby Drive nur kleinere Schäden angerichtet hat. Laut offiziellen Informationen der Polizei, hat die Stadtverwaltung inzwischen mit den Aufräumarbeiten begonnen und klargestellt, dass die Stromversorgung spätestens bis zum heutigen Abend wieder hergestellt sein wird.

Da die beiden Hauptverkehrsadern – die Interstate 75 sowie die Interstate 95 – endlich wieder passierbar sind, werden wir alsbald unsere Zelte in Tallahassee abbrechen und nach Naples zurückrasen. Die Ankunft ist für 19:00 Uhr geplant – wie aufregend.

Hochachtungsvoll
Reinhard Pfaffenberg

8. September 2017 – Tallahassee und Irma

08.00 Uhr Die Sonne lacht durchs Fenster und ich bemerke beim Blick auf den Reisewecker, dass es bereits 8 Uhr geschlagen hat. Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, schlüpfe ich gähnend in den Morgenmantel und eile mit Hund Dixon an die frische Luft, um meine müden Glieder zu lockern – das tut gut.
08.30 Uhr Nachdem ich Edelbert geweckt und ihm klargemacht habe, dass ich grossen Hunger habe, ziehe ich mich in die Nasszelle zurück und entspanne mich bei einem Vollbad mit ganz viel Schaum.
09.30 Uhr Schlussendlich ziehe ich den Reisverschluss des Rollkoffers zu und fordere den Rüden auf, mir zum Wohnmobil zu folgen. Das Haustier springt von einem Bein aufs andere und lässt es sich nicht nehmen, spornstreichs zum Strand zu flitzen und kreischende Möwen aufzuschrecken – was kann es schöneres geben.


Hund Dixon spielt ausgelassen

10.00 Uhr Nach einem Spaziergang verfrachte ich das Gepäckstück in den WINNEBAGO und halte nach Edelbert Ausschau. Mein Bekannter lässt nicht lange auf sich warten und erzählt, dass er mit dem Heini an der Rezeption über den Hurrikan Irma geplaudert hat. Der schlaue Mann versorgt mich mit den neuesten Infos und beteuert, dass der Tropensturm in den kommenden Stunden an der Nordküste Kubas entlang in Richtung der Florida Keys ziehen wird. Ich lasse den Motor aufheulen und gleite auf dem Via De Luna Drive gen Osten. Nach nicht einmal 200 Metern trete ich beherzt auf die Bremse und gebe zu Protokoll, dass das „Dog House“ (löblich: Hunde Haus) Delikatessgeschäft sehr einladend aussieht.


Der Wirbelsturm Irma

10.30 Uhr In einem angenehmen Ambiente nehmen wir die wichtigste Mahlzeit des Tages ein und plaudern über dies und das. Edelbert legt trotz der Schreckensmeldungen beste Laune an den Tag und schlägt vor, dass wir heute nach Tallahassee krusen und die Hauptstadt des Staates besuchen könnten – das hört sich verlockend an.
11.00 Uhr Pünktlich zum Elfuhrläuten schwinge ich mich wieder hinters Lenkrad und schicke mich an, auf der Pensacola Beach Road in Richtung Festland davonzubrausen. Während Shelby Lynne im Radio ein schönes Lied trällert, beschleunige ich den TRAVATO auf 35 Meilen pro Stunde und finde mich alsbald auf der Interstate 10 wieder, die bekanntlich den äussersten Osten der Vereinigten Staaten mit dem goldenen Westen verbindet.
11.45 Uhr Während unserer Reise passieren wir die „Eglin Air Force Base“ und Edelbert weiss zu berichten, dass es sich hierbei um den flächenmässig grössten Stützpunkt der „United States Air Force“ handelt. Ich mache grosse Augen und lerne weiter, dass auf diesem knapp 2.000 km² grossen Areal nicht nur Flugzeuge, sondern auch Langstreckenraketen sowie Drohen stationiert sind – das ist ja kaum zu glauben.
12.45 Uhr Nach 100 Meilen legen wir am nördlichen Rand des „Choctawhatchee River Parks“ eine kurze Rast ein. Während Dixon eigenständig Gassi geht, stibitze ich mir eine Mountain Dew Getränkedose aus dem Eiskasten und öle meinen staubtrocknen Hals mit kräftigen Schlucken. Edelbert segelt unterdessen mit dem praktischen iPad durchs Internetz und beteuert, dass der Tropensturm „Irma“ am Sonntag mit voller Wucht auf das amerikanische Festland treffen wird. Der Professor atmet tief durch und unkt, dass die Menschen im Collier County höchstwahrscheinlich von diesem Monstersturm verschont bleiben werden – das will ich doch hoffen.


Auch Katze Land informiert über den Sturm

13.30 Uhr Beschwingt durch stimmungsvolle WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radiomusik setzen wir unsere Reise fort und rasen an den kleinen Nestern Bonifay, Chipley, Cottondale und Marianna vorbei. Ausserdem haben wir das Vergnügen, die verstreuten Seen des Ocheesee Ponds zu sehen, die von meterhohen Zypressen umwuchert sind – da kommt besonders grosse Freude auf.
14.30 Uhr Sechzig Minuten später erreichen wir unser Ziel und stellen wohlwollend fest, dass Tallahassee ein wunderschönes Städtchen mit vielen Einkaufsmöglichkeiten ist. Wir gleiten beeindruckt am Capitol vorbei und ringen uns dazu durch, das Wohnmobil vor dem „Museum of Florida History“ abzustellen. Als wir aussteigen wollen, kommt jedoch ein Polizeibeamter daher und meint, dass hier das Parken verboten ist – wie unlöblich.
15.30 Uhr Letztendlich steuern wir ein „DAYS INN“ Motel unweit der Universität an und mieten zwei Zimmer für die Nacht. Anschliessend schleppen wir das Reisegepäck ins erste Obergeschoss und brechen dann zu einem erquickenden Spaziergang ins Stadtzentrum auf.


Das Capitol

16.30 Uhr Bei schweisstreibenden 78°F (26°C) streben wir auf Schusters Rappen zum Capitol und sind überrascht, unzählige Touristen vor dem im Jahre 1976 erbauten Regierungsgebäude anzutreffen. Edelbert erhebt den Zeigefinger und erinnert, dass das Gebäude architektonisch bedeutend ist und längst in das „National Register of Historic Places“ (löblich: Nationalregister der historischen Plätze) aufgenommen wurde – jaja.
17.30 Uhr Eisschleckend wandern wir weiter und finden uns alsbald im sogenannten „Smoky Hollow District“ wieder. Wir beäugen schäbige Holzbaracken und erfahren, dass hier bis zu den frühen 1960er Jahren bettelarme Negerfamilien in menschenunwürdigen Zuständen gewohnt haben – wie traurig.


Der Smoky Hollow District in Tallahassee

18.30 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 5 zugeht, kehren wir in das „Harry’s Seafood Grille“ Gasthaus an der South Bronogh Street ein und gönnen uns ein exquisites Abendessen. Wir ordern mit Käse überbackene Hähnchenschnitzel und trinken dazu süffigen Pinot Noire. Nebenher kommen wir mit den Gästen am Nachbartisch ins Plaudern und vernehmen, dass Herr und Frau DeLaney aus Lakeland, FL stammen und vor dem Hurrikan Irma in den Norden geflüchtet sind. Die 47jährige Dame zittert am ganzen Leib und kündigt an, dass der Sturm Übermorgen auf Florida treffen und Schäden in Milliardenhöhe anrichten könnte. Darüber hinaus hören wir, dass es schlauer wäre, bis zum Montag in Floridas Hauptstadt zu bleiben.


Prost

19.15 Uhr Redlichst gestärkt verlassen wir das Wirtshaus und vereinbaren während des Heimwegs, dass wir uns den Ratschlag zu Herzen nehmen und noch zwei Tage in Tallahassee bleiben sollten. Schlussendlich lassen wir den lauen Septemberabend bei einem kühlen Bier am Motelschwimmbecken ausklingen und rufen kurzerhand bei Frau Pontecorvo an. Als sich die Perle nach dem zweiten Tuten endlich meldet, lassen wir sie wissen, dass sie nicht vor Dienstagnachmittag mit uns rechnen kann. Die kleine Frau ist ganz aus dem Häuschen und entgegnet, dass sie sich heute im PUBLIX Supermarkt mit Lebensmittel eingedeckt hat und das Wochenende mit anderen Bürgern in der Mehrzweckhalle der örtlichen „High School“ (löblich: Hochschule) verbringen wird – das ist sehr vernünftig.
20.00 Uhr Nach dem dritten Bier, verabschiede ich mich vom Professor und scheuche den Vierbeiner ins Zimmer, um mich kalt abzuduschen. Anschliessend fröne ich wissbegierig dem Nachrichtenprogramm auf FOX und bringe heraus, dass das „National Hurrican Center“ den Tropensturm Irma mittlerweile von Gefahrenstufe 5 auf 4 herabgesetzt hat. Trotz alledem wird der Hurrikan voraussichtlich am Samstagmorgen in Kuba auf Land treffen und dann zur Südostküste der Vereinigten Staaten weiterziehen – wie furchtbar.
21.00 Uhr Nachdenklich beende ich den Fernsehabend und spreche zum Abschluss des langen Tages ein Gebet. Gute Nacht.

7. September 2017 – Von Evergreen, AL nach Pensacola Beach, FL

08.00 Uhr Ich öffne die Augen und habe keine Orientierung. Erst als ich die Hochglanzbroschüre auf dem Nachtkästen in Augenschein nehme, erinnere ich mich, dass wir gestern Abend in der Kleinstadt Evergreen im schönen Bundesstaat Alabama angekommen sind und uns in ein ECONO LODGE Motel eingemietet haben. Ich stehe ächzend auf und erkläre dem Haustier, dass die Matratze viel zu weich ist. Trotz aller Widrigkeiten öffne ich die Zimmertüre und fordere Dixon auf, selbständig Gassi zu gehen. Währenddessen poche ich an die Nachbarpforte und bringe heraus, dass Edelbert ebenfalls sehr schlecht geschlafen hat – wie schade.
08.30 Uhr Nachdem wir geplaudert und uns über den Tropensturm „Irma“ ausgetauscht haben, ziehe ich mich ins Bad zurück und dusche mich kalt ab. Danach werfe ich mich in Schale und kann es kaum noch erwarten, in wenigen Stunden den Golf von Mexiko zu erreichen.


Der Tropensturm Irma

09.15 Uhr Kurz nach dem Neunuhrläuten schnüre ich mein Ränzlein und erfahre vom Professor, dass wir schnellstmöglich tanken sollten. Ich nicke eifrig und schicke mich an, nach Dixon zu rufen und meine Habseligkeiten im Wohnmobil zu verstauen. Anschliessend fahren wir hupend vom Motelparkplatz und steuern die benachbarte LKW Raststätte „Spirit Travel Center“ an, um den Tank unseres TRAVATOS mit sündteurem Treibstoff aufzufüllen. Zeitgleich schoppt mein Begleiter im angeschlossenen Supermarkt ab und nimmt sich das Recht heraus, mehrere Dosen Mountain Dew Limonade einzukaufen – da kommt besonders grosse Freude auf.
10.00 Uhr Um insgesamt 70 Dollars erleichtert, setzen wir unsere Reise fort und fassen den Entschluss, in einer „Shoney’s“ Gaststätte zu frühstücken. Wir nehmen mit vitaminreichen „Steak & Eggs Breakfasts“ (löblich: Schnitzel und Eier Frühstück) Vorlieb und verabreden, dass uns unsere heutige Etappe bis ins schöne Pensacola Beach in Florida führen wird. Ich gebe Dixon etwas vom Schnitzel ab und beteuere, dass es eine Gaudi werden wird, den Sonnenuntergang am Golf mitzuerleben – wie aufregend.
10.30 Uhr Redlichst gestärkt bezahlen wir die Zeche in Bar und ziehen es vor, den Motor des WINNEBAGOS aufheulen zu lassen und auf der Interstate 65 nach Süden zu krusen. Unterdessen berichtet mein Begleiter, dass die Autobahn anno 1959 eröffnet wurde und den Norden mit dem Süden verbindet. Ich setze zu einem Überholmanöver an und unke, dass diese Strasse zu den meistbefahrensten der Vereinigten Staaten zählen muss.


Die meistbefahrene Strasse der Vereinigten Staaten

11.00 Uhr Nach 35 Meilen sehen wir uns genötigt, die I-65 verlassen und auf den Highway 21 wechseln zu müssen. Während Alan Jackson im Radio seinen Nummer 1 Schlag „Chattahoochee“ trällert, greife ich zur Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und rufe kurzerhand bei Frau Pontecorvo an. Als sich die Dame endlich meldet, versorge ich sie mit Infos und gebe zu Protokoll, dass wir höchstwahrscheinlich am Sonntag in Naples ankommen werden. Meine Nachbarin gibt sich skeptisch und erinnert, dass der Hurrikan Irma am Wochenende über Key West hinwegfegen und auf das amerikanische Festland treffen wird. Natürlich beruhige ich die Perle sofort und gebe zu Protokoll, dass das „National Hurrican Center“ davon ausgeht, dass sich der Tropensturm in den nächsten Stunden etwas abschwächen und den Collier County nur marginal streifen wird – das hört man gerne.
12.15 Uhr Alsbald passieren wir das Willkommensschild der Gemeinde Pace im Sonnenscheinstaat Florida und freuen uns, die Escambia Bay zu sehen. Ich drossle die Geschwindigkeit und merke an, dass wir gegen 13 Uhr unser Ziel erreichen werden. Edelbert ist ganz aus dem Häuschen und kündigt an, dass er den Nachmittag am Strand verbringen wird – das hört sich verlockend an.
13.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 1 zugeht, überqueren wir die kostenpflichtige Pensacola Bay Bridge und halten nach einer Übernachtungsmöglichkeit Ausschau. Edelbert macht sich im Internetz schlau und lotst mich freudestrahlend zum „Days Inn“ am Via de Luna Drive. Obgleich die Zimmerpreise kaum erschwinglich sind, fackeln wir nicht lange und ringen uns dazu durch, nicht auf den Taler zu achten und zwei Zimmer mit Meerblick zu buchen – man gönnt sich ja sonst nichts.
14.00 Uhr Nachdem wir das Wohnmobil hinter der Wohnanlage abgestellt haben, schleppen wir unser Reisegepäck ins zweite Obergeschoss und sind von der Zimmerausstattung sehr angetan. Darüber hinaus spähen wir auf den azurblauen Ozean und kommen überein, dass man es in Pensacola Beach durchaus mehrere Tage aushalten kann.


Diese Idylle muss man erlebt haben

15.00 Uhr Um etwas zur Ruhe zu kommen, stecke ich Dixon einen Kauknochen ins Maul und falle dann ins Bett. In Sekundenschnelle döse ich ein und sehe mich im Traum auf einen verstaubten Highway versetzt.
16.00 Uhr Leider pocht Edelbert bald an die Türe und fordert mich auf, mit zum Golf zu kommen. Ich komme dem Aufruf anstandslos nach und nehme den Vierbeiner an die Leine. Im Anschluss vertreten wir uns die Beine und registrieren, dass sich entlang der vorgelagerten Insel nicht nur Dutzende Hotel- und Motelbetriebe, sondern auch zahlreiche Restaurants der Spitzenklasse angesiedelt haben. Edelbert pfeift laut und versichert, dass er mich am Abend in die „Riptides Sports Bar“ einladen wird – dazu sage ich nicht Nein.
17.00 Uhr Um keinen Hitzeschlag zu riskieren, setzen wir uns auf eine Bank und atmen tief durch. Prof. Kuhn steckt sich seine Pfeife an und rechnet vor, dass wir in den letzten 10 Tagen knapp 1.300 Meilen durch Nordamerika gerast sind. Ich schenke Edelbert ein Lächeln und unterbreite, dass es langsam Zeit wird, das Ende der Strasse zu erreichen. Mein Freund nickt eifrig und sagt, dass es immer wieder eine Gaudi ist, an meiner Seite „on the Road“ (löblich: auf der Strasse) zu sein – wie aufregend.


Wir beissen kraftvoll zu

18.00 Uhr Nachdem wir Sonne getankt und Dixon etwas Auslauf beschert haben, kehren wir ins „Riptides“ ein und ordern bei einer beschürzten Bedienung mit stattlicher Oberweite zwei grosse Krüge Budweiser. Dazu gibt es delikate Cheeseburger (löblich: Käseburger) mit Fritten und Krautsalat. Um Dixon etwas Gutes zu tun, lasse ich ihn vom Burger abbeissen und stelle klar, dass er in drei Tagen endlich wieder in seinem Körbchen schlafen kann.
20.00 Uhr Ein schöner Abend neigt sich seinem Ende zu und wir schicken uns an, zum Motel zu spazieren. Edelbert legt beste Laune an den Tag und bekräftigt, dass wir morgen etwas länger schlafen und erst gehen 10 Uhr weiterfahren sollten. Ich stimmt prompt zu und wünsche dem Professor eine ruhige Nacht.
21.00 Uhr Nach einer erfrischenden Dusche lege ich mich ins Bett und schalte die Glotze ein. Auf FOX informiere ich mich eingehend über den Tropensturm „Irma“ und lerne, dass zahlreiche Bildungseinrichtungen im Süden Floridas mittlerweile geschlossen und die Menschen angehalten wurden, sich nach Norden zu begeben. Ich komme aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus und lösche nachdenklich das Licht.

5. September 2017 – Von Nashville, TN nach Birmingham, AL

08.00 Uhr Weil wir am Samstag das „Live On the Green“ Freiluftkonzert am „Public Square Park“ besucht und uns auch gestern in einschlägigen Musikkneipen in Nashville, TN vergnügt haben, fällt mir heute das Aufstehen besonders schwer. Erst nach kurzem Zögern werfe ich die Bettdecke beiseite und schleppe mich seufzend ins Bad.


Nashville muss man gesehen haben

09.00 Uhr Nachdem ich mich kalt abgeduscht und meinen trocknen Hals mit 7 UP Limonade gespült habe, werfe ich meine Habseligkeiten in die Reisetasche und gebe Hund Dixon zu verstehen, dass wir Nashville bald Lebewohl sagen werden. Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, eile ich mit dem Gepäck zum WINNEBAGO und mache es mir anschliessend zur Aufgabe, mit der Faust gegen Edelberts Moteltüre zu hämmern. Der Professor öffnet spornstreichs die Pforte und beteuert, dass er in dreissig Minuten abfahrtbereit sein wird.
09.30 Uhr Da in unmittelbarer Nachbarschaft zum „Super 8 Motel“ ein Wohngebiet angrenzt, nehme ich Dixon an die Leine und schlendere an lustigen Einfamilienhäusern vorbei, die mit wehenden Fahnen geschmückt sind. Nebenher rufe ich bei Sandra an und erfahre, dass das Kind noch immer im Kreisverwaltungsreferat schuften muss. Meine Mieterin gibt sich deprimiert und erzählt, dass sie unzählige Genehmigungen für das Oktoberfest ausstellen muss und fast in Minutentakt von Anrufern terrorisiert wird. Ich zucke mit den Schultern und lasse die Maid wissen, dass das Wochenende nicht mehr lange auf sich warten lässt. Sandra nickt eifrig und berichtet, dass sie sich entschlossen hat, im Oktober nach Florida auszufliegen – gleich platzt mir der Kragen.


Sandra möchte nach Florida ausfliegen

10.15 Uhr Kurz nach dem Zehnuhrläuten stehe ich wieder auf dem Motelparkplatz und werde Zeuge, wie Edelbert seinen Rollkoffer ins Wohnmobil hievt. Der schlaue Mann schnauft wie ein Walross und sagt, dass nun ein reichhaltiges Frühstück nicht schaden kann. Ich schlage in die gleiche Kerbe und steuere ruckzuck eine „Waffle House“ Schnellgaststätte an der Trinity Lane an. Weil das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, ordern wir zwei „Texas Bacon Breakfasts“ mit Kaffee und frischgepresstem Orangensaft – schmeckt gar nicht schlecht.
11.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 11 zugeht, hüpfen wir in den WINNEBAGO und vereinbaren, dass uns die heutige Tagesetappe nach Birmingham in Alabama führen soll. Voller Vorfreude fahren wir auf die Interstate 65 auf und preschen radiohörend nach Süden. Nebenbei lassen wir die letzten Tage Revue passieren und kommen überein, dass es immer wieder ein grosser Spass ist, durch Nashville zu flanieren und angesagte Bars zu besuchen – wie aufregend.


Wir folgen der Interstate 65 nach Süden

12.00 Uhr Während wir Cornersville passieren und der Grenze zum Nachbarstaat Alabama immer näher kommen, erfahre ich vom Professor, dass sich die I-65 von Chicago bis nach Mobile am Golf von Mexiko schlängelt. Ich schnalze anerkennend mit der Zunge und trete das Gaspedal bis zum Anschlag durch – da kommt Freude auf.
13.00 Uhr Eine Stunde später erreichen wir Decatur am Tennessee River und fassen den Entschluss, eine kleine Pause einzulegen. Wir parken den TRAVATO vor „Milo’s Hamburger Restaurant“ und nehmen uns das Recht heraus, saftige Hamburger mit gekringelten Kartoffelstäben zu bestellen.
13.30 Uhr Als ich kraftvoll zubeisse, kommt Edelbert auf das östlich gelegene Huntsville zu sprechen und belehrt, dass dort in den frühen 1960er Jahre ein wichtiges NASA Testgelände beheimatet war. Ich mache grosse Augen und lerne weiter, dass die Einrichtung unter Wernher von Brauns Leitung stand – das ist ja allerhand.

14.15 Uhr Um keine Wurzeln zu schlagen, bezahlen wir die Zeche in Bar und verschaffen Dixon etwas Auslauf. Danach setzen wir unsere Reise fort und erfreuen uns an der üppigen Vegetation des wunderschönen Staates. Nebenbei frönen wir dem Programm eines lokalen Nachrichtensenders und bringen heraus, dass sich in der Karibik ein verheerender Tropensturm zusammenbraut. Laut aktuellen Messungen hat Hurrikan Irma während der letzten Stunden dramatisch an Kraft gewonnen und scheint sich zu dem stärksten Sturm entwickeln, der jemals auf dem offenen Atlantik gemessen wurde – wie furchtbar.


Der Hurrikan Irma wütet in der Karibik

15.15 Uhr Nach 200 Meilen endet unsere Reise vor einer einladenden „Days Inn“ Herberge an der Arkadelphia Road in Birmingham. Hund Dixon springt kläffend aus dem Wohnmobil und lässt es sich nicht nehmen, die begrünte Umgebung zu inspizieren. Währenddessen werden wir am Empfang vorstellig und mieten zwei Zimmer im dritten Obergeschoss zu je 85 Dollars an.
16.00 Uhr Nachdem ich nach Dixon gerufen habe, fahren wir mit dem Aufzug nach oben und sind von den Räumlichkeiten sehr angetan. Um etwas Ruhe zu bekommen, schlüpfe ich aus den Flip Flops und falle erschöpft aufs Bett. Bereits nach wenigen Augenblicken döse ich ein und träume von meiner lieben Familie im fernen Kanada.


Ich schlüpfe aus den Flip Flops

17.00 Uhr Kurze Zeit später pocht Edelbert an die Türe und sagt, dass er die Spendierhosen angezogen hat und mich ins benachbarte „Popeye’s“ Restaurant einladen wird. Als ich demonstrativ abwinke und klarstelle, dass ich keinen Spinat esse, klopft sich der Professor lachend auf die Schenkel und informiert, dass in besagtem Restaurant köstliche Hähnchen serviert werden – das hört sich verlockend an.
18.00 Uhr Während wir frittierte Hühnerklumpen mit frischen Bohnen und Softdrinks (löblich: Weichgetränke) geniessen, planen wir die kommenden Tage und beschliessen, dass wir Morgen bis nach Greenville in Alabama vorstossen werden – das wird ein Spass.
19.00 Uhr Nach der reichhaltigen Jause vertreten wir uns die Beine und statten einer CHEVRON Tankstelle einen Besuch ab, um mehrere Dosen Budweiser einzukaufen. Im Anschluss spazieren wir zum Motel zurück und ölen unsere staubtrocknen Kehlen am hauseigenem Schwimmbecken – das tut gut.
20.00 Uhr Ein langer und nervenaufreibender Tag neigt sich langsam aber sicher seinem Ende zu. Ich verabschiede mich vom Professor und serviere dem Vierbeiner zu guter Letzt eine stattliche Portion ROYAL CANIN Trockenfutter. Anschliessend dusche ich mich kalt ab und lege mich schlafen. Gute Nacht.

31. August 2017 – Cincinnati

08.00 Uhr Der letzte Augusttag bricht an und ich hüpfe ausgeruht aus dem Bett. Weil uns noch eine knapp 1.200 Meilen lange Reise in den Sonnenscheinstaat bevorsteht, fackle ich nicht lange und verabschiede mich ins Bad.
09.00 Uhr Sechzig Minuten später stosse ich die Moteltüre auf und freue mich, Prof. Kuhn pfeiferauchend vor der „La Quinta Inn“ Herberge anzutreffen. Mein Bekannter fabriziert lustige Rauchringe und plappert, dass wir heute bis nach Columbus im Bundesstaat Ohio vorstossen werden. Ich seufze laut und informiere, dass ich den Beifahrer mimen werde. Um meiner Aussage Nachdruck zu verleihen, händige ich meinem Gegenüber die Autoschüssel aus und stelle klar, dass wir zuerst frühstücken sollten. Edelbert zeigt sich einverstanden und deutet zur benachbarten McDonalds Schnellgaststätte – schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.


Bitte nicht rauchen

09.45 Uhr Nachdem wir zwei Big Breakfast with Hotcakes (löblich: grosse Frühstücke mit heissem Kuchen) gefressen und vitaminreiche Fruit ‚N Yoghurt Parfaits (löblich: Früchte und Joghurt Terrinen) ausgelöffelt haben, kehren wir zum Wohnmobil zurück und fahren radiohörend auf die Interstate 75 auf. Mit schönen Liedern im Ohr, folgen wir dem Detroit River und haben alsbald das Vergnügen, den Lake Erie in seiner vollen Pracht zu sehen.


Der wunderschöne Eriesee

10.30 Uhr Während wir an verlassenen Fabrikanlagen und brachliegende Feldern vorbeirasen, kommt Edelbert auf das Folksfest in unserer bayerischen Heimatstadt zu sprechen und beteuert, dass Admiral a.D. Bürstenbinder auch in diesem Jahr die Loge Nummer 7 angemietet hat. Ich nippe zufrieden an einer 7 UP Dose und entgegne, dass mir der Gusto nach einer kühlen Mass steht. Der Professor kommt aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und mutmasst, dass sich der ehemalige Seefahrer täglich einen Vollrausch ansaufen wird – wie schön.
11.00 Uhr Kurz nach der Staatsgrenze kommen wir an der 300.000 Einwohner zählenden Gemeinde Toledo vorbei. Während Dixon auf der Liegepritsche ein Schläfchen einlegt, versorgt mich der Professor mit Fakten und erzählt, dass der Automobilhersteller JEEP in diesem Nest PS-strotzende Geländewagen herstellt. Darüber hinaus erfahre ich, dass die Stadt über mehrere angesehene Bildungseinrichtungen verfügt – das soll mir auch Recht sein.
11.45 Uhr Wie auf Schienen rollen wir an heruntergekommenen Käffern vorbei und kommen prompt zu dem Schluss, dass Ohio neben unzähligen Tümpeln und schmierigen Flüssen nichts zu bieten hat. Um mir einen genauen Überblick zu verschaffen, schlage ich den Rand McNally Atlas auf und lerne, dass im Nordosten der „Cuyahoga Valley National Park“ zu finden ist, in dem es zahlreiche Wasserfälle zu bestaunen gibt – wie aufregend.


Wir reisen auf der Interstate 75

12.15 Uhr Nach 100 Meilen auf der I-75 verlassen wir die Schnellstrasse und gleiten auf dem Highway 23 nach Osten weiter. Um dem Vierbeiner etwas gutes zu tun, legen wir in der Kleinstadt Carey eine Pause ein und vertreten uns im örtlichen Memorial Park die Beine. Dummerweise geraten wir schnell an einen dümmlich dreinschauenden Gärtner, der uns darüber aufklärt, dass Hunde im Ortsgebiet an der Leine zu führen sind. Wir zucken gelangweilt mit den Schultern und ziehen es vor, kehrt zu machen und den Ortskern zu erkunden. Ruckzuck streben wir in eine SUBWAY Gaststätte und laben uns an hausgemachten Sandwiches und süffigem Diät Cola – das tut gut.
13.15 Uhr Nach der Stärkung setzen wir unsere Reise fort und preschen an Upper Sandusky, Marion und Waldo vorbei. Nebenher navigiere ich mit der Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) durchs Internetz und bringe in Erfahrung, dass wir die Hauptstadt des Staates in einer Stunde erreichen werden. Zudem lese ich, dass Columbus kaum Sehenswürdigkeiten bietet und von unzähligen Studenten der hiesigen „Ohio State University“ (löblich: Ohio Staatsuniversität) belagert wird. Ich mache grosse Augen und lasse Edelbert wissen, dass wir Columbus links liegen lassen uns gleich nach Cincinnati weiterfahren sollten. Prof. Kuhn nickt eifrig und macht es sich zur Aufgabe, die grösste Stadt des Bundesstaates weitläufig zu umfahren und in Richtung Cincinnati weiterzukrusen.
14.00 Uhr Da ein Heissgetränk nicht schaden kann, erhebe ich mich vom Beifahrersitz und brühe an der Kochnische Kaffee auf. Ausserdem stecke ich Dixon einen Kauknochen ins Maul und gebe vor, dass wir in spätestens einer Stunde in ein einladendes Motel eintschecken werden.


Dixon knabbert lustige Kauknochen

14.45 Uhr Edelbert beschleunigt den WINNEBAGO auf 65 Meilen und berichtet, dass Cincinnati und München eine langjährige Städtepartnerschaft verbindet. Ferner erinnert der schlaue Mann an die Tatsache, dass sich im 19. Jahrhundert viele deutschstämmige Immigranten in Cincinnati niederliessen – das hört man gerne.
15.45 Uhr Als der Minutenzeiger meiner ROLEX auf Viertel vor Vier zugeht, passieren wir das Willkommensschild einer der bedeutendsten Handels- und Fabrikstädte Amerikas. Edelbert drosselt die Geschwindigkeit und setzt mich darüber in Kenntnis, dass der Ohio River durch das Zentrum von Cincinnati fliesst und gleichzeitig die Grenze zum Nachbarstaat Kentucky darstellt. Ich reibe mir die Hände und ermutige meinen Begleiter, die Augen aufzumachen und nach einem geeigneten Motel Ausschau zu halten.


Willkommen in Cincinnati

16.30 Uhr Schlussendlich überqueren wir den Ohio Fluss und kommen mit quietschenden Pneus vor einem „Holiday Inn“ zum stehen. Obgleich die freundliche Empfangsdame 80 Dollars pro Zimmer veranschlagt, gehen wir auf den Handel ein und freuen uns, zwei luxuriöse Räumlichkeiten mit Blick auf Cincinnati beziehen zu können. Fix und foxi werfe ich meine Reisetasche auf das bequeme King Size Bett und serviere Dixon gesundes Trockenfutter.
17.15 Uhr Wenig später poche ich an Edelberts Zimmertüre und fordere ihn auf, mich nach unten zu begleiten. Mein Bekannter kommt augenblicklich in die Gänge und folgt mir ins hauseigene „Burger & Crafts“ Restaurant, wo wir perfekt gegrillte Steaks (unlöblich: Schnitzel) sowie frischgezapfte Hopfenkaltschalen vorgesetzt bekommen.
18.00 Uhr Als ich kraftvoll zubeisse, kommt mein Bekannter auf das Wochenende zu sprechen und sagt, dass wir bis spätestens Samstag Nashville erreichen sollten. Ich schlage in die gleiche Kerbe und erörtere, dass wir den für Montag anstehenden „Labor Day“ (löblich: Tag der Arbeit) in der sogenannten „Music City USA“ verbringen sollten.


Der Ohio River in Cincinnati

19.00 Uhr Mit vollen Bäuchen verlassen wir das „Holiday Inn“ und spazieren zum Ohio River, um Dixon etwas Auslauf zu verschaffen. Während der Vierbeiner ausgelassen herumtollt, steckt sich Edelbert seine Pfeife an und unterbreitet, dass es ziemlich kühl geworden ist. Ich stimme zu und merke an, dass in diesen Breitengraden der Herbst bereits Anfang September Einzug hält – das ist ja allerhand.
20.00 Uhr Zurück im Zimmer, schlüpfe ich aus den Kuhjungenstiefel und gönne mir ein wärmendes Vollbad mit Schaum. Danach schalte ich die Glotze ein und informiere mich bei den FOX Nachrichten über die tagesaktuellen Geschehnisse. Obgleich ich mich sehr für Politik interessiere, fallen mir schnell die Augen zu. Gute Nacht.