27. und 28. Mai 2017 – Hilfe, die Eltern kommen

Hallo Leute,

eigentlich wollte ich über Pfingsten nach Florida düsen.
Leider kommt nun alles anders, denn meine Eltern haben sich entschlossen, vom 3. bis zum 9. Juni nach Bayern zu kommen. Natürlich werden die beiden im Pensionszimmer wohnen und mir ordentlich auf die Nerven gehen 😉


Meine Elteron wohnen im Pensionszimmer

Gestern habe ich mit meinem Vater telefoniert und erfahren, dass er sich mittlerweile über die stattfindenden Events in München schlau gemacht hat. Er möchte unbedingt die FC Bayern Erlebniswelt, das Deutsche Museum und die Sonderausstellung „Sixtinische Kapelle“ in der Alten Bayerischen Staatsbank besuchen. Für die Sonderausstellung hat er sogar schon Tickets im Internet geordert.

Die Schau macht vom 7. April bis zum 9. Juli in der Landeshauptstadt Station und bietet den Besuchern 34 farbechte Repliken der weltbekannten Fresken aus Rom. Die Ausstellung wurde von der Münchner Boulevardpresse hochgelobt und scheint ein richtiges Touristenmagnet zu sein. Wenn ich noch eine Eintrittskarte organisieren kann, werde ich meine Eltern eventuell begleiten.


Reinhard war in California

Übrigens ist mein Vermieter seit vergangenem Sonntag zurück im Sunshine State. Ich hab‘ am Montag mit Reinhard geskypt und erfahren, dass die Forschungsreise nach San Francisco und Berkeley sehr stressig war. Deswegen hat der Rentner die Woche etwas ruhiger angehen lassen und sich von den Strapazen entspannt 🙂

Okay, jetzt muss ich den Backofen vorheizen und in der Küche schuften.
Am Abend erwarte ich nämlich Cousin Bernd zum Essen.
Eure Sandra

18. Mai 2017 – Observatory Hill und Zodiac

08.15 Uhr Ich hüpfe kurz nach 8 aus dem Bett und öffne das Fenster. Weil ich längst nicht zum alten Eisen zähle, sauge ich die kühle Luft tief in meine Lungen ein und absolviere die Morgengymnastik. Nebenbei spähe ich in Richtung des „Sather Tower“ und bemerke, dass das Bauwerk an den venetianischen Markusturm erinnert.
09.00 Uhr Nachdem ich mich eiskalt abgeduscht habe, statte ich Edelbert im Nebenzimmer einen Besuch ab und schlage vor, dass wir zum McLaughlin Staatspark fahren könnten. Mein Bekannter winkt jedoch ab und beteuert, dass er zum Frühstück bei einem befreundeten Professor eingeladen ist. Zudem vernehme ich, dass Edelbert anschliessend an einer philosophischen Lesung im Pimentel Hörsaal teilnehmen wird – wie langweilig.
09.30 Uhr Weil ich keine Lust habe, mit tattrigen Wissenschaftlern den Vormittag zu verbringen, setze ich mir meine NY YANKEES Kappe auf und lasse den Professor wissen, dass ich auf eigene Faust den Campus erkunden werde.
10.00 Uhr Als erstes folge ich der Hearst Avenue gen Westen und stehe bald vor einem unschönen Parkhaus. Ich wende mich kopfschüttelnd nach links und habe das Vergnügen, auf Schusters Rappen den „Observatory Hill“ (löblich: Beobachtungshügel) zu erklimmen, auf dem wissbegierige Studenten im 19. Jahrhundert Sterne und Planeten beobachtet haben. Darüber hinaus lichte ich das angrenzende Gebäude mit meiner Photokamera ab und bringe während eines Gesprächs mit einem rothaarigen Studenten (23) heraus, dass die unter Denkmalschutz stehende „Haviland Hall“ als Bibliothek genutzt wird – das hört man gerne.


Ich erkunde den Campus auf eigene Faust

11.00 Uhr Nachdem ich die „Memorial Glade“ Grünfläche überquert und mir ein Eis gekauft habe, erreiche ich den „Sather Tower“ und blicke fasziniert zum Glockenturm. Weil Besucher die Möglichkeit haben, den knapp 100 Meter hohen Turm zu besuchen, fackle ich nicht lange und fahre im Aufzug nach oben. Währenddessen lese ich auf einer Tafel, dass im obersten Stockwerk 61 Glocken angebracht sind, die drei Mal täglich läuten – das ist prima.
11.30 Uhr Oben angekommen, schaue ich beeindruckt nach Westen und kann in weiter Ferne nicht nur die San Francisco Bay, sondern auch die Golden Gate Brücke erkennen. Ich knipse ein Photo und lasse die anderen Besucher wissen, dass Berkeley stets eine Reise wert ist. Mein Nebenmann schlägt in die gleiche Kerbe und berichtet, dass sein Sohn an dieser renommierten Lehranstalt Optometrie studiert – das ist mir Wurst.


Der Sather Turm

12.15 Uhr Pünktlich zur Mittagszeit stehe ich wieder auf der Strasse und nehme mir das Recht heraus, in „Babettes Coffee Bar“ unweit der South Hall einzukehren. Da mein Magen knurrt, werde ich spornstreichs an der Essensausgabe vorstellig und order neben einem Kaffee auch drei reichbelegte Sandwiches.
12.45 Uhr Als ich kraftvoll zubeisse und einem Pärchen beim Schmusen zusehe, bimmelt plötzlich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry). Zu meiner Freude meldet sich Georg im Rohr und setzt mich darüber in Kenntnis, dass sich Hund Dixon eine Zecke eingefangen hat. Ich beruhige meinen Bruder redlichst und bitte ihn, den Parasiten vorsichtig mit einer Pinzette zu entfernen. Der gute Mann atmet tief durch und wirft ein, dass er zeitnah mit dem Rüden an den Strand krusen wird, um Möwen zu jagen – das ist phantastisch.

13.30 Uhr Ich beende die Brotzeit und registriere, dass es viel zu warm ist, um weiter den Campus zu erkunden. Stattdessen kehre ich fingerschnippend zur Wohnanlage zurück und fasse den Entschluss, kurzerhand in den Chevrolet Tahoe zu hüpfen und vom Universitätsgelände zu rasen. Während im Radio das schöne Lied „Hurdy Gurdy Man“ des schottischen Sängers Donovan läuft, gleite ich in nördliche Richtung davon und spiele mit der Idee, auf den Spuren des Zodiac Serienmörders zu wandern – da kommt Spannung auf.


Der Zodiac ermordete viele Menschen

14.00 Uhr Ruckzuck fahre ich rechts ran und bringe im Internetz heraus, dass der Meuchelmörder am 20. Dezember 1968 erstmals auf einem zirka 20 Meilen entfernten Parkplatz in Erscheinung trat. Ich speichere die Koordinaten auf dem Navigationsgerät ab und lerne, dass ich in dreissig Minuten vor Ort sein werde.
14.45 Uhr In einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt presche ich an der Grosstadt Richmond vorbei und habe ausserdem die Ehre, den reissenden Carqinez Fluss zu überqueren. Wenig später fordert mich das Navigationsgerät auf, bei der nächsten Möglichkeit rechts abzubiegen. Ich komme den Aufruf anstandslos nach und lese auf Wikipedia, dass an dieser Stelle vor 49 Jahren die damals 16jährige Betty Lou Jensen und ihr 17jähriger Freund David Faraday von einem Unbekannten niedergeschossen wurden – das ist ja allerhand.

Robert Graysmith schreibt in seinem Roman „Zodiac“ folgendes:

Er richtete seine Waffe auf das rechte hintere Fenster und feuerte eine Kugel ab, die das Glas zersplittern ließ. Dann trat er an die linke Seite des Wagens und schoss auf den Radkasten links hinten. Er wollte damit wohl die beiden jungen Leute dazu bewegen, das Auto durch die Beifahrertür zu verlassen … Betty Lou war bereits aus dem Wagen geflüchtet, als David auf den Beifahrersitz rutschte und ihr folgen wollte. In diesem Augenblick steckte der Mann die Pistole in das offene Fenster, setzte sie dem Jungen hinter dem linken Ohr an den Kopf und drückte ab … Betty Lou schrie auf und lief nach Norden. Der stämmige Mann folgte ihr augenblicklich mit der Pistole in der Hand. Als er keine drei Meter hinter ihr war, feuerte er fünf Kugeln auf Betty Lou ab.

15.30 Uhr Weil der nächste Tatort in unmittelbarer Nähe liegt, ringe ich mich dazu durch, auch den „Blue Rocks Springs Park“ am Columbus Parkway anzusteuern. Just als ich den Tahoe auf dreissig Meilen beschleunige, surrt das Telefon und ich sehe mich genötigt, mit Prof. Kuhn sprechen zu müssen. Edelbert legt beste Laune an den Tag und berichtet, dass er an einer lehrreichen Vorlesung teilgenommen hat und nun Essen möchte. Ich winde mich geschickt aus der Verantwortung und gebe vor, nicht auf dem Campus zu sein. Um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen, beende ich das Gespräch und fahre alsbald auf einen Rastplatz auf.

16.15 Uhr Auch diesmal schwinge ich mich aus dem Auto und mache mich auf Wikipedia über den dritten Mord des sogenannten Tierkreiszeichenmörders schlau. Nach dem Doppelmord an der Lake Herman Road schlug der Serienmörder am Unabhängigkeitstag des Jahres 1969 erneut zu und streckte die 22jährige Kellnerin Darlene Ferrin mit fünf Revolverschüssen nieder. Zudem verletzte er auch noch ihren Geliebten Mike Mageau (19) mit vier Schüssen aus kürzester Entfernung schwer – wie schrecklich.

Täterbeschreibung vom 4. Juli 1969:

Der Mann hatte ein breites Gesicht und trug keine Brille. Er schien sechsundzwanzig bis dreissig Jahre alt zu sein und hatte kurzes gewelltes hellbraunes Haar. Mike Mageau beschrieb den Mann als stämmig, korpulent, jedoch nicht fett. Er hatte einen leichten Bauchansatz und trug das Haar zu einer Tolle hochgekämmt.

17.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 5 zugeht, sitze ich wieder im Auto und kruse zügig nach Berkeley zurück. Nebenbei mache ich mir meine eigene Gedanken und stelle mir die Frage, warum die ermittelnden Polizeibeamten den Mörder trotz etlicher Bekennerschreiben und Telefonaten nie fassen konnte – wie eigenartig.
18.00 Uhr Endlich komme ich mit quietschenden Bremsen vor dem Wohngebäude der „Alpha Gamma Omega“ Studentenverbindung zum halten. Wie es sich gehört, ziehe ich kraftvoll an der Handbremse und schicke mich an, in den vierten Stock hoch zu laufen und Edelbert zum Essen einzuladen. Mein Bekannter strahlt über das ganze Gesicht und folgt mir plappernd in die benachbarte Pizzeria.
18.30 Uhr Während des Nachtmahls lasse ich meine Tageserlebnisse Revue passiere und erzähle, dass ich zwei Zodiac Tatorte im Norden besucht habe. Ich reibe mir die Hände und gebe zu Protokoll, dass wir morgen unbedingt zum Lake Berryessa krusen sollten. Edelbert legt den Zeigefinger ans Kinn und erinnert, dass sich dort der Zodiac Killer in einem Mantel mit Henkerskapuze präsentiert und zwei Menschen niedergemetzelt hat – wie wahr.
19.30 Uhr Nachdem wir das Abendessen mit Schaumkaffees und Käsekuchen abgerundet haben, kehren wir ins Wohnhaus zurück und lassen den Abend bei süffiger 7-Up Limonade in der Leseecke ausklingen. Unter anderem kommen wir mit Studenten von der Ostküste ins Gespräch und hören, dass am Samstag der „Armed Forces Day“ mit einer grossen Parade auf dem Universitätsgelände gefeiert werden wird – das soll uns auch Recht sein.


Ich spähe aus dem Fenster

20.30 Uhr Schlussendlich ziehe ich mich gähnend auf mein Zimmer zurück und lasse den langen Tag bei einer kalten Dusche ausklingen. Danach blicke ich noch einmal aus dem Fenster und ziehe es vor, bald ins Bett zu gehen. Gute Nacht.

25. April 2017 – Man kann sich nicht alles bieten lassen

08.00 Uhr Das Telefon schellt und schreckt mich aus einem schönen Traum. Als ich mir den Hörer ans Ohr halte, wünscht mir Georg einen guten Morgen und berichtet, dass er gestern gegen 22 Uhr in Naples eingetroffen ist. Mein Bruder schimpft wie ein Rohrspatz und vertellt, dass seine Ehefrau auf der Rückfahrt einen kurzen Zwischenstopp in Miami einlegen und etwas schoppen wollte. Ich rolle demonstrativ mit den Augen und unke, dass Georg um ein kleines Vermögen gebracht wurde – wo soll das noch hinführen.
08.45 Uhr Nachdem wir uns für 11 Uhr im neu eröffneten „Breeze“ Gasthaus an der Park Shore Marina verabredet haben, beende ich das Telefonat und fröne dem Radioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land). Unter anderem lausche ich dem Titel „Today“ (löblich: Heute) und lerne, dass Sänger Paul Costa aus Australien stammt und seit vielen Jahren einer der angesagtesten Künstler auf dem fünften Kontinent ist. Ich zucke mit den Schultern und ziehe es vor, Hund Dixon in den Garten zu lassen und im Badezimmer zu verschwinden.


Ich telefoniere mit Edelbert

09.00 Uhr Während meine alten Knochen vom lauwarmen Sprudelwasser umspült werden, telefoniere ich mit Edelbert und lade ihn ein, uns im „Breeze“ zu treffen. Der Professor freut sich und erzählt, dass besagtes Restaurant in der Wochenendausgabe der „Naples Daily News“ (löblich: Naples tägliche Neuigkeiten) sehr gelobt wurde.
09.45 Uhr Voller Vorfreude steige ich aus der Wirbelbadewanne und rufe Dixon ins Haus. Darüber hinaus lasse ich den Rüden wissen, dass wir zeitnah zum Park Shore Yachthafen krusen und dort nicht nur Maria und Georg, sondern auch den Professor zum Frühstück treffen werden.
10.30 Uhr Um die lieben Menschen nicht warten zu lassen, scheuche ich den Vierbeiner zum Chevrolet und schicke mich an, mit quietschenden Pneus vom Grundstück zu brettern. Wie es sich gehört, trete ich das Gaspedal bis zum Anschlag durch und beschleunige den SUV auf schwindelerregende 35 Meilen pro Stunde – das macht Spass.
11.00 Uhr Pünktlich treffe ich am Ziel ein und stelle fest, dass Edelbert, Maria und Georg auch schon vor Ort sind. Ich renne spornstreichs in die Gaststätte und lasse mich neben meinen Liebsten an einem Fenstertisch nieder.
11.15 Uhr Als ich meine Nase in die Tageskarte stecke, fällt mir auf, dass die Preise im „Breeze“ besonders gesalzen sind. Ich schüttle den Kopf und erkläre meinen Tischnachbarn, dass für ein grosses Frühstück 23 Dollars berechnet werden. Trotz aller Widrigkeiten lassen wir uns die gute Laune nicht verderben und winken eine schlecht gelaunte Bedienung herbei, um die Bestellung aufzugeben.


Schnee auf dem Kimomandscharo

12.00 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, berichten meine Verwandten ausführlich von ihrem Abstecher nach Key West und verraten, dass sie auch das „Ernest Hemingway House“ besucht haben. Georg erhebt den Zeigefinger und informiert, dass der weltbekannte Schriftsteller in seinem Haus an der Whitehead Strasse seinen Bestseller „Schnee auf dem Kilimandscharo“ geschrieben hat. Ich lausche den Ausführungen mit grossem Interesse und bemerke plötzlich ein Haar im Rührei. Natürlich winke ich die Kellnerin augenblicklich an den Tisch und bitte sie, mir eine neue Portion aufzutischen. Das rothaarige Ding schlägt die Bitte aus und entgegnet, dass sie kein Haar sehen kann – gleich platzt mir der Kragen.
12.45 Uhr Als die Maid die Rechnung bringt, staunen wir Bauklötze und sehen uns genötigt, 130 Dollars bezahlen zu müssen. Weil man sich nicht alles bieten lassen darf, verabschiede ich mich verärgert in den Waschraum und zerre etliche Papierhandtücher aus dem Spender. Nachdem ich die Tücher gründlich befeuchtet habe, drücke ich sie in den Waschbeckenabfluss und drehe den Wasserhahn bis zum Anschlag auf. Danach kehre ich zu meinen Bekannten zurück und rege einen Spaziergang zum benachbarten Venetian Bay Kaufhaus an.


Wir schlecken ein Eis

13.30 Uhr Bei angenehmen Temperaturen schlendern wir an den Boutiquen vorbei und nehmen uns das Recht heraus, die Auslagen in den Schaufenstern in Augenschein zu nehmen. Zudem schlecken wir ein Eis und beobachten einen gitarrespielenden Sangeskünstler, der vor einer „Mondo Uomo“ Filiale den Simon & Garfunkel Gassenhauer „Mrs. Robinson“ zum Besten gibt – da kommt besonders grosse Freude auf.
14.30 Uhr Sechzig Minuten später stehen wir wieder an den Autos und schütteln Hände. Georg klopft mir auf die Schulter und sagt, dass er am Abend Herrn Wang auf dem Golfplatz treffen wird. Ich nicke eifrig und wünsche meinem Bruder viel Vergnügen. Im Anschluss schwinge ich mich hinters Lenkrad und kruse zügig nach Hause.
15.15 Uhr Endlich bin ich wieder dahoam und kann im geschmackvoll eingerichteten Wohnzimmer die Beine hochlegen. Ich schlummere prompt ein und träume von meiner anstehenden Reise nach Kalifornien – wie schön.
16.15 Uhr Ich öffne die Augen und verspüre wegen der grossen Hitze wenig Lust, die Anschnurseelsorge zu erledigen. Stattdessen hole ich mir eine Flasche Budweiser aus dem Eiskasten und mache mich über das grosse Kreuzworträtsel in der Tageszeitung her.
17.00 Uhr Nachdem ich auf das Lösungswort „REEGHECWSRMEOHT“ gekommen bin, mache ich mich in der Küche nützlich und schwenke köstliches Grillfleisch in einer Pfanne. Ferner backe ich Kartoffelspalten im Ofen heraus und vergesse auch nicht, Dixons Napf mit gesundem Trockenfutter aufzufüllen.
18.00 Uhr Mit vollem Magen schalte ich die Spülmaschine ein und gehe zum gemütlichen Teil des Tages über. Ich lasse mich vor dem neumodischen Farbfernsehgerät nieder und gebe mich den Abendnachrichten auf FOX hin.

19.00 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, wechsle ich bald auf NBC und schaue mir die ersten Folgen der neuen Sitzkomödie (unlöblich: Sitcom) „Great News“ (löblich: Grosse Neuigkeiten) an. Ich amüsiere mich köstlich und tauche in die Welt einer jungen Dame ein, die in der Nachrichtenredaktion eines Fernsehsenders arbeitet.
20.30 Uhr Nach eineinhalbstündiger Spitzenunterhaltung schalte ich die Glotze aus und lösche sämtliche Lichter. Anschliessend streichle ich Dixon über den Kopf und falle übermüdet ins Bett. Gute Nacht.

24. April 2017 – Highway 41

08.00 Uhr Die letzte Aprilwoche beginnt und ich rolle mich juchzend aus dem Wasserbett. Weil meine Glieder eingerostet sind, eile ich mit schnellen Schritten auf die Terrasse und lockere meine Muskulatur redlichst. Nebenher fröne ich stimmungsvoller Bob Seger Musik und spiele mit dem Gedanken, einen Ausflug mit Hund Dixon zu unternehmen – was kann es schöneres geben.

08.30 Uhr Während der Rüde an einem Kauknochen knabbert, nehme ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) zur Hand und rufe kurzentschlossen bei Edelbert an. Als sich mein Bekannter nach dem zweiten Tuten endlich meldet, komme ich auf die 40 Meilen entfernte San Carlos Bay vor den Toren Cape Corals zu sprechen und lade den Professor ein, uns zu begleiten. Wie nicht anders zu erwarten, freut sich der schlaue Mann sehr und verspricht, gegen 10 Uhr im Willoughby Drive zu sein – das ist phantastisch.


Mein Zuhause unter Palmen

08.45 Uhr Im Anschluss nehme ich ein Wirbelbad und nutze die Gelegenheit, um mit meinen Verwandten zu telefonieren. Ich treffe Georg und Maria beim Frühstück in Key West an und vernehme, dass die beiden in Kürze die Heimreise antreten werden. Georg schnalzt mit der Zunge und meint, dass er die knapp 330 Meilen lange Wegstrecke in sechs Stunden schaffen wird – das glaube ich kaum.
09.45 Uhr Kurz vor dem Zehnuhrläuten werfe ich mich in Schale und vergesse auch nicht, einen Schaumkaffee (unlöblich: Cappuccino) zu trinken. Dazu verzehre ich ein Stück Käsekuchen und lasse es mir ausserdem nicht nehmen, mehrere Sandwiches (löblich: belegte Brote) für die anstehende Reise vorzubereiten.
10.15 Uhr Wenig später rollt Edelberts schneeweisser JEEP vor. Ich scheuche den Vierbeiner nach draussen und helfe ihm auf die Ladefläche des Geländewagens. Danach lasse ich mich schnaufend auf dem Beifahrersitz nieder und ermutige den Professor, dem Highway 41 nach Norden zu folgen. Mein Bekannter nickt eifrig und prescht mit quietschenden Pneus von dannen. Unterdessen verfrachte ich die Bob Seger Kompaktscheibe „Ultimate Hits“ (löblich: Ultimative Schläge) in die Musikanlage und wähle die Komposition „Roll Me Away“ (löblich: Roll mich weg) aus. Bei dieser Gelegenheit erzähle ich, dass der mittlerweile 71jährige Sänger dieses Lied anno 1983 herausgebracht hat. Edelbert drückt das Gaspedal bis zum Anschlag durch und singt aus voller Brust den Refrain mit – das macht Spass.


Bob Segers ultimative Schläge

11.00 Uhr Nach einer Dreiviertelstunde wechseln wir auf den Hickory Boulevard und haben das Vergnügen, entlang des azurblauen Golfs krusen zu können. Ich seufze laut und berichte meinem Begleiter, dass die zu unserer Rechten liegende Estero Bucht im Jahre 1966 zum ersten offiziellen Wasserschutzgebiet des Staates erklärt wurde.
11.45 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, treffen wir endlich am Ziel ein. Voller Vorfreude schlendern wir zum Wasser und stellen fest, dass wir nicht die einzigen Besucher sind. Trotz des Andrangs lassen wir uns die gute Laune nicht verderben und brechen zu einem erquickenden Gassigang auf. Hund Dixon ist ganz aus dem Häuschen und flitzt kläffend ins Dickicht der Mangroven, um etliche Gänse aufzuschrecken – wie lustig.


Hund Dixon spielt ausgelassen

12.30 Uhr Schlussendlich stehen wir an einer Flussmündung und kommen überein, dass nun die Zeit gekommen ist, um eine kurze Rast unter einer schattenspendenden Palme einzulegen. Zudem führen wir uns die mitgebrachten Wurstbrote zu Gemüte und ölen unsere ausgetrockneten Kehlen mit süffiger Dr. Pepper Limonade – das tut gut.
13.30 Uhr Während die Sonne unbarmherzig vom Himmel herabbrennt, erzählt Edelbert von seiner Zeit an der „Berkeley Universität“ und meint, dass er es kaum noch erwarten kann, in wenigen Wochen Prof. Tyrus Boetticher wiederzusehen. Unter anderem bringe ich heraus, dass der besagte Forscher nicht nur Präsident der „Alpha Gamma Omega“ Studentenverbindung, sondern auch ein weltweit anerkannter Psychologe und Zeitforscher ist. Ich mache grosse Augen und lerne, dass sich der Heini mit interdisziplinärer Bewusstseins- und Zeitforschung auseinandersetzt und schon mehrere Fachbücher veröffentlicht hat – hört sich langweilig an.
14.15 Uhr Nach der Brotzeit werfen die leeren Getränkedosen im hohen Bogen ins Gebüsch und treten den Heimweg an. Mit einem lustigen Lied auf den Lippen spazieren wir an der Brandung entlang und freuen und auf die anstehende Forschungsreise in den goldenen Westen. Edelbert zieht zufrieden an seiner Meerschaumpfeife und versichert, dass ich den Ausflug nach Kalifornien bestimmt nicht bereuen werde – das will ich hoffen.
15.00 Uhr Völlig verschwitzt hüpfen wir ins Auto und schicken uns an, zu prime WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radiomusik nach Naples zurückzukehren. Ich lehne mich entspannt zurück und döse prompt ein.


Katze Land – der beste Radiosender

16.00 Uhr Sechzig Minuten später weckt mich der Professor und setzt mich darüber in Kenntnis, dass ich nun aussteigen kann. Ich wische mir den Schlaf aus den Augen und bedanke mich für den schönen Ausflug. Anschliessend lotse ich den Vierbeiner in mein kultiviertes Heim und gönne mir nach der nervenaufreibenden Fahrt ein kühles Weissbier auf der schattigen Terrasse – das tut gut.
17.00 Uhr Da Dixon langsam unruhig wird, komme ich in die Gänge und schütte gesundes Trockenfutter in seinen Napf. Darüber hinaus verfrachte ich eine Tiefkühlpizza ins vorgeheizte Backrohr und bereite dazu einen farbenfrohen Beilagensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen zu.
18.00 Uhr Ein anstrengender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Um endlich zur Ruhe zu kommen, nehme ich die Glotze in Betrieb und gebe mich den Nachrichten auf VOX hin. Ausserdem tippe ich Georgs Rufnummer ins Tastenfeld der Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) ein und erfahre, dass meine Verwandten immer noch „on the Road“ (löblich: auf der Strasse) sind und erst gegen 22 Uhr in Naples ankommen werden – wie schade.


Meine praktische Schwarzbeere

19.00 Uhr Zur sogenannten „Prime Time“ (löblich: Hauptsendezeit) schalte ich auf HBO um und erfreue mich an der preisgekrönten Serie „Veep“. Wie jedes Kind weiss, erzählt dieses Fernsehformat die fiktive Lebensgeschichte der amerikanischen Politikerin Selina Meyer, die es mit viel List und Tücke schafft, bis zur Vizepräsidentin der Vereinigten Staaten aufzusteigen – da kommt besonders grosse Freude auf.
21.00 Uhr Weil mir langsam die Augen zufallen, beende ich den Fernsehabend und lösche sämtliche Lichter. Im Anschluss wünsche ich meinem Haustier angenehme Träume und falle erschöpft ins Bett. Gute Nacht.

21. April 2017 – Guido ruft an!

08.00 Uhr Die Amazon ECHO Musiksäule weckt mich mit schöner Rodney Crowell Musik. Während der 66jährige Musiker eine durchzechte Nacht in einer zwielichtigen Hoteltränke besingt, hüpfe ich aus dem Bett und greife zur Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry). Ruckzuck tippe ich Georgs Rufnummer ein und freue mich, meinen Bruder nach dem dritten Tuten an der Strippe zu haben. Der gute Mann berichtet ausführlich von seinem Abstecher zu den Florida Keys und setzt mich darüber in Kenntnis, dass man die Inselkette gesehen haben muss. Ich nicke eifrig und bringe weiter heraus, dass die lieben Leute gestern in Key West eingetroffen sind und sich bis morgen ins renommierte „The Marker Resort“ einquartiert haben. Georg geht noch weiter und plappert davon, dass er erst am Montag in Naples zurück sein wird – das ist wieder typisch.
08.45 Uhr Nach dem Frühsport auf der Terrasse, ziehe ich mich in die Nasszelle zurück, um mich bei einem löblichen Wirbelbad zu entspannen. Ich schliesse zufrieden die Augen und denke daran, dass ich in drei Wochen ebenfalls verreisen und die Universitätsstadt Berkeley in Kalifornien besuchen werde – wie aufregend.


Bald werde ich die Universität Berkeley besuchen

09.45 Uhr Kurz vor dem Zehnuhrläuten steige ich aus der Wirbelbadewanne und läute den Tag mit einem prima Frühstück ein. Leider wird die Ruhe bald durch Frau Pontecorvo gestört. Meine Nachbarin stösst verärgert die Terrassentüre auf und erzählt, dass sie am gestrigen Abend ihren FORD MUSTANG aus der Werkstatt abholen konnte. Die Alte jammert in einer Tour und vertellt, dass ein Mechaniker die „Head Gasket“ (auf deutsch: Zylinderkopfdichtung) austauschen musste und ihr 800 Dollars abgeknöpft hat – das ist ja allerhand.
10.15 Uhr Um der kleinen Frau etwas Gutes zu tun, hole ich einen weiteren Teller aus dem Küchenschrank und kredenze eine Portion Rühreier mit Speck. Meine Bekannte greift zungeschnalzend zur Gabel und kündigt an, dass sie in Zukunft den Gürtel enger schnallen muss – das soll mir auch Recht sein.
11.00 Uhr Just als der Zeiger meiner Wanduhr auf Elf zugeht, bimmelt das Festnetztelefon besonders laut. Zu allem Überfluss meldet sich Elsbeth in der Leitung und lotet aus, ob es mir gut geht. Ich beruhige meine Schwester und gebe zu Protokoll, dass es mir in Florida an nichts fehlt. Darüber hinaus schimpft die Hamburgerin über das kalte Wetter in der Hansestadt und unterbreitet, dass ihr Sohn im Mai über den grossen Teich fliegen wird, um acht Wochen in den Vereinigten Staaten zu verweilen. Als ich mich skeptisch gebe, reicht meine Schwester den Hörer plötzlich an Guido weiter und ich habe das zweifelhafte Vergnügen, das erste Mal seit Jahren mit dem Verbrecher sprechen zu müssen. Guido wünscht mir einen guten Tag und meint, dass wir die Vergangenheit hinter uns lassen sollten. Ferner merkt er Frechdachs an, dass er längst auf den Pfad der Tugend zurückgekehrt ist und sogar im kommenden Jahr seine langjährige Freundin Petra heiraten wird. Ich winke ab und ziehe es vor, den Hörer wortlos auf die Basisstation zu knallen – gleich platzt mir der Kragen.


Der Verbrecher ruft mich an

11.30 Uhr Mit zitternder Stimme wende ich mich Frau Pontecorvo zu und lasse sie wissen, dass ich gerade mit Guido sprechen musste. Meine Nachbarin schlägt erschrocken die Hände über dem Kopf zusammen und unkt, dass der Heini nichts Gutes im Schilde führt – wie wahr.
12.00 Uhr Nachdem sich Frau Pontecorvo verabschiedet hat, räume ich den Tisch ab und erkläre Dixon, dass wir nun an den Golf krusen werden. Der lustige Vierbeiner ist ganz aus dem Häuschen und rennt kläffend zum Auto.
12.45 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise erreichen wir den „Clam Pass Park“ und ich schlüpfe aus den Schuhen, um meine Füsse im kühlen Nass zu baden – das macht Spass.
13.30 Uhr Während Dixon den Möwen hinterher jagt, rufe ich kurzentschlossen beim Professor an und erzähle, dass ich eben mit Guido telefoniert habe. Edelbert macht sich die grössten Sorgen und befürchtet, dass der Gauner bald vor der kleinen Villa stehen und mich ausrauben wird. Ich seufze laut und entgegne, dass es wohl gescheiter wäre, nach Nebraska umzuziehen.


Hund Dixon schwitzt

14.00 Uhr Weil die Sonne unbarmherzig vom Himmel brennt, lotse ich Dixon in eine klimatisierte Strandgaststätte und stelle ihm eine Brotzeit in Aussicht. Eine leichtbekleidete Kellnerin namens Mary (27) heisst uns herzlich Willkommen und lässt es sich nicht nehmen, meinem tierischen Begleiter über den Kopf zu streicheln. Ich lasse mich verschwitzt an der Bar nieder und bitte die Bardame, nicht nur eine Schüssel Wasser für das Haustier, sondern auch einen Pitcher (löblich: Krug) Rolling Rock Bier aufzufahren. Darüber hinaus werfe ich prüfende Blicke in die Tageskarte und ordere einen saftigen Käseburger (unlöblich: Cheeseburger) mit Fritten.
14.30 Uhr Während ich kraftvoll zubeisse, spült die Maid hinter den Tresen Gläser und erkundigt sich, ob ich ein „local Guy“ (löblich: lokaler Bursche) bin. Ich wische mir den Mund an der Serviette ab und informiere, dass ich seit vielen Jahren im Willoughby Drive zu Hause bin. Die Kellnerin freut sich und vermutet, dass ich mich in Florida sehr wohl fühlen muss – wie Recht das Kind doch hat.


Ich gebe ein stattliches Trinkgeld

15.00 Uhr Nachdem ich dem Mädchen ein stattliches Trinkgeld zugesteckt habe, verlasse ich mit Dixon die Gaststätte und schlendere mit einem lustigen Lied auf den Lippen zum Auto zurück.
16.00 Uhr Endlich bin ich wieder dahoam und kann mich von den Strapazen des Tages erholen. Gähnend falle ich aufs Kanapee und döse prompt ein, um von meinem verlotterten Neffen Guido zu träumen – wie furchtbar.
17.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und giesse mir ein erfrischendes bayerisches Vollbier ein. Ferner bereite ich das Abendessen vor und entschliesse mich, mit einem gut durchgebratenen T Knochen Schnitzel (unlöblich: T Bone Steak) sowie einem gemischten Salat mit Thousand Island Dressing (löblich: 1.000 Insel Sauce) Vorlieb zu nehmen.


Prost

18.00 Uhr Nach der schweisstreibenden Hausarbeit beginnt der wohlverdiente Feierabend. Ich kippe mir eine weitere Hopfenkaltschale hinter die Binde und gebe mich auf FOX den Abendnachrichten hin.
19.00 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, schalte ich auf den Premiumkanal HBO um, wo gerade der Vorspann zum Krimi „The Town That Dreaded Sundown“ (auf deutsch: Warte bis es Dunkel wird) anläuft. Ich lehne mich entspannt zurück und werde Zeuge, wie ein maskierter Mörder die Kleinstadt Texarkana terrorisiert.
21.00 Uhr Nach zweistündigem Nervenkitzel beende ich den Fernsehabend und putze mir zum Abschluss des langen Tages die Zähne. Im Anschluss reguliere ich die Klimaanlage und lege mich schlafen. Gute Nacht.