20. Februar 2018 – In einer Woche gehts los …

08.00 Uhr Auch heute schwinge ich mich sportlich aus dem Bett und begrüsse den Morgen mit dem Frühsport auf der Terrasse. Um meine Glieder zu stählen, hüpfe ich mehrmals auf und ab und vergesse auch nicht, einen Purzelbaum zu schlagen – wer rastet, der rostet.


Alexa spielt Musik – wie schön

08.30 Uhr Im Anschluss rufe ich die Amazon Musiksäule auf, mein bescheidenes Heim mit handgemachter Landmusik zu beschallen. ALEXA folgt meinen Befehl aufs Wort und verwöhnt mich mit stimmungsvollen Waylon Jennings Klängen. Unterdessen nehme ich die futuristische DeLonghi Kaffeemaschine in Betrieb und fülle gesundes ROYAL CANIN Trockenfutter in Dixons Napf. Danach ziehe ich mich pfeifend in die Nasszelle zurück und lasse die Seele bei einem Wirbelbad baumeln. Leider wird die himmlische Ruhe alsbald durch lautes Telefonschellen gestört. Zu allem Überfluss meldet sich Edelbert im Rohr und regt einen Ausflug an den Strand an. Da ich nichts besseres zu tun habe, willige ich ein und gebe zu Protokoll, dass ich ihn gerne am Naples Pier treffen würde. Edelbert freut sich und verspricht, in eineinhalb Stunden vor Ort zu sein – wie aufregend.
09.15 Uhr Weil die Zeit drängt, hüpfe ich schnell aus der Wanne und nehme in Gesellschaft meines Haustieres die wichtigste Mahlzeit des Tages ein. Ausserdem blättere ich interessiert in der Tageszeitung und lerne, dass uns zur Wochenmitte ein Sturmtief heimsuchen und viel Regen bringen wird – wie schrecklich.
09.45 Uhr Kurz vor dem Zehnuhrläuten scheuche ich den Vierbeiner zum Auto und kruse radiohörend aus dem Wohngebiet. Um schneller voran zu kommen, setze ich zu waghalsigen Überholmanövern an und schrecke auch nicht davor zurück, stetig die Hupe zu betätigen. Darüber hinaus rufe ich während der kurzweiligen Reise bei meiner unterbelichteten Mieterin im kalten Bayern an und erinnere, dass ich in der kommenden Woche nach Kanada ausfliegen und meine Verwandten besuchen werde. Sandra macht grosse Augen und entgegnet, dass mein Bruder am 3. März Geburtstag feiern wird – wie wahr.


Bald fliege ich nach Kanada aus

10.30 Uhr Fünfundvierzig Minuten später parke ich den PS-strotzenden SUV am Gulf Shore Boulevard und lege die letzten Meter zum frischrenovierten Naples Pier auf Schusters Rappen zurück. Schon bald treffe ich auf Edelbert und nehme mir das Recht heraus, ihm die Hand zu schütteln. Mein Bekannter wünscht mir einen schönen Morgen und plappert, dass es nichts schöneres geben kann, als auf den Golf von Mexiko zu spähen und die salzige Luft einzuatmen. Ich nicke zustimmend und mache es mir zur Aufgabe, Hund Dixon ein Stöckchen zuzuwerfen.
11.00 Uhr Während unseres Spaziergangs komme ich auf unsere anstehende Kanadareise zu sprechen und lege anschaulich dar, dass wir das grosse Glück haben werden, am sogenannten “Commonwealth Day” im Nachbarstaat zu verweilen. Ferner merke ich an, dass der Feiertag am 12. März 2018 ansteht und an den Zusammenschluss der ehemaligen britischen Kolonien erinnern soll – da kommt besonders grosse Freude auf.
12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, stehen wir plötzlich im gutbesuchten “Old Naples Pub” an der 13th Strasse und verspüren grossen Hunger. Wir fackeln nicht lange und ordern an der Schenke zwei süffige Budweiser sowie vitaminreiche “Ham Sandwiches” (löblich: Schinkenbrote) mit Kartoffelstäben. Natürlich beissen wir sogleich kraftvoll zu und kommen überein, dass man auf einem Bein kaum stehen kann. Bevor ich mich versehe, winkt Edelbert dem Schankkellner zu und gibt weitere Hopfenkaltschalen in Auftrag – wie schön.


Bier ist sehr gesund

13.00 Uhr Redlichst gestärkt verlassen wir das Gasthaus und streben mit schnellen Schritten zu den Autos zurück. Nebenher redet der Professor weiter auf mich ein und verdeutlicht, dass wir grossen Spass in Kanada haben werden. Ich stimme uneingeschränkt zu und informiere, dass wir Georgs Ehrentag am Lake Simcoe feiern werden – darauf freue ich mich jetzt schon.
14.00 Uhr Endlich bin ich wieder dahoam und kann es mir in der klimatisierten Stube bequem machen. Während Dixon im Garten herumtollt, schliesse ich die Augen und träume von meiner ersten Appalachian Trail Wanderung.
15.00 Uhr Ich werde durch lautes Bellen geweckt und stelle beim Blick aus dem Fenster fest, dass Nachbarhund Joey zu Gast ist. Ich schwinge mich vom Kanapee und kredenze den Hunden etliche Kauknochen. Zudem versorge ich die Pflanzen im Garten mit frischem Wasser und tratsche mit Frau Pontecorvo. Meine Nachbarin schnäuzt während der Plauderei in ein Taschentuch und schimpft, weil sie vom Heuschnupfen geplagt wird. Natürlich spende ich der Perle Trost und rate, sich ins Haus zurückzuziehen und die Fenster zu schliessen.


Ich spendiere den Hunden lustige Kauknochen

16.00 Uhr Nachdem sich Joey verabschiedet hat, kehre ich verschwitzt ins klimatisierte Haus zurück und nutze den angebrochenen Nachmittag, um die Fenster zu putzen. Zu den Klängen einer Kenny Chesney Kompaktscheibe schwinge ich den Wischlappen und bringe die Scheiben im Handumdrehen auf Hochglanz – das macht Spass.
17.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, um das Abendessen vorzubereiten. Weil ich von der Mittagsjause noch immer gesättigt bin, bereite ich mir ein lustiges Omelett mit Pilzen, Virginia Schinken und Cheddar Käse zu.
18.00 Uhr Nachdem ich die Küche geputzt und die Mülltüten achtlos auf die Strasse geschleudert habe, beginnt der wohlverdiente Feierabend. Ich schenke mir ein Bier ein und mache es mir dann im Wohnzimmer bequem, um den FOX Nachrichten zu folgen.

19.00 Uhr Zur besten Sendezeit wechsle ich auf den Spartenkanal FX und fröne der Serie “American Crime Story – The Assassination of Gianni Versace”. Die Eigenproduktion handelt vom Mord an der italienischen Modeikone Gianni Versace vor 20 Jahren und wirft kein gutes Licht auf die ermittelnden Behörden – das ist ja allerhand.
21.00 Uhr Nach zwei nervenaufreibenden Episoden beende ich den Fernsehabend und schleiche mit dem Revolver im Anschlag durchs Haus, um sicherzustellen, dass sich kein Mörder in der kleinen Villa tummelt. Danach lösche ich mit zitternden Händen sämtliche Lichter und falle erschöpft ins Bett. Gute Nacht.

16. Februar 2018 – In der Coastland Mall

08.00 Uhr Weil ich nicht zum alten Eisen zählen möchte, rolle ich mich aus dem Bett und läute den Freitag mit dem Frühsport ein. Ich hüpfe ausgelassen auf und ab und bemerke, dass ich unbedingt die Pflanzen im Garten mit Wasser versorgen sollte. Um von den Nachbarn in kein schlechtes Licht gerückt zu werden, stelle ich den Rasensprenger ein und mache es mir zur Aufgabe, die hochgewachsene Petersilie zu bewässern.


Blick auf meine Terrasse und den Garten

08.45 Uhr Im Anschluss entspanne ich mich bei einem prima Wirbelbad und telefoniere mit Edelbert. Mein Bekannter legt beste Laune an den Tag und schlägt vor, dass wir das Frühstück in “Julies Restaurant” einnehmen könnten. Ich schlage in die gleiche Kerbe und sichere zu, gegen halb 11 im Gasthaus unseres Vertrauens zu sein.
09.45 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 10 zugeht, beende ich den Badespass und trockne mich mit einem Frotteehandtuch ab. Ferner trage ich eine Pflegelotion auf meine sonnengebräunte Haut auf und vergesse auch nicht, mein Haupthaar aufzusteilen – perfektes Aussehen ist heutzutage sehr wichtig.
10.00 Uhr Nachdem ich Dixons Fell gebürstet habe, scheuche ich den Rüden zum Chevrolet und kruse hungrig von dannen. Nebenher fröne ich dem Qualitätsprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und habe das Vergnügen, einen stimmungsvollen Klassiker aus Alan Jacksons Feder zu hören – was kann es schöneres geben.
10.30 Uhr Pünktlich wie ein Handwerker betrete ich die Wirtschaft und freue mich, Edelbert an unserem angestammten Tisch anzutreffen. Aushilfsbedienung Peggy lässt nicht lange auf sich warten und serviert brühfrischen Kaffee sowie zwei grosse Frühstücke. Ausserdem vernehmen wir, dass sich Wirtin Julie eine kleine Auszeit gegönnt hat und Freunde in Miami besucht. Wir zucken mit den Schultern und tratschen angeregt über unsere Reise nach Kanada. Edelbert kommt aus dem Plappern gar nicht mehr heraus und erörtert, dass er den Aufenthalt nutzen möchte, um einen Ausflug zu den Niagarafällen zu unternehmen – das hört sich verlockend an.


Wir fliegen bald nach Kanada

11.15 Uhr Nachdem wir der Bedienung ein stattliches Trinkgeld zugesteckt haben, spähe ich auf meine goldene Armbanduhr und merke an, dass es für das Mittagessen noch zu früh ist. Edelbert nickt eifrig und meint, dass das schöne Wetter dazu einlädt, einen Bummel durch das “Coastland” Einkaufszentrum zu unternehmen. Ich lege meine Stirn in Falten und antworte, dass ich sowieso eine neue Tschiens einkaufen muss. Der Professor schenkt mir ein Lächeln und ermutigt mich, die Kaffeetasse zu leeren und in die Gänge zu kommen – jaja.
12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, treffen wir am Ziel ein und parken die Autos auf dem Besucherparkplatz. Mit dem Vierbeiner im Schlepptau flanieren wir an den Schaufenstern angesagter Boutiquen vorbei und bemerken, dass derzeit zahlreiche Geschäfte mit unschlagbaren Angeboten locken.
13.00 Uhr Schlussendlich finden wir uns im “Forever 21” Geschäft wieder und nehmen Tschienshosen weltbekannter Hersteller in Augenschein. Ich fackle nicht lange und verschwinde mit einer WRANGLER Hose in einer Umkleidekabine. Unterdessen probiert Edelbert ein rotes Polohemd aus dem Hause “La Martina” an und rechnet vor, dass dieses Modell im alten Europa gut und gerne 200 Euros kostet – das ist ja allerhand.


Wir bezahlen per Karte

13.30 Uhr Da die Tschiens perfekt passt, begebe ich mich zur Kasse und zücke meine praktische Kreditkarte. Der freundliche Verkäufer schiebt das Kärtchen durch den Bezahlschlitz und verfrachtet die Beinkleider in eine umweltfreundliche Tragetasche mit Aufdruck – da kommt besonders grosse Freude auf.
14.15 Uhr Um nicht Hunger leiden zu müssen, kehren wir als nächstes ins gutbesuchte “Village Pub” ein und laben uns an panierten Hühnerfinger (unlöblich: Chicken Wings) mit Kartoffelstäben. Edelbert lobt das Essen über den Schellenkönig und beteuert, dass wir nun unsere Zelte in Naples schönstem Kaufhaus abbrechen und uns auf den Heimweg begeben sollten. Ich willige ein und ringe mich dazu durch, meinen Bekannten zu Speis und Trank einzuladen. Anschliessend laufen wir zufrieden zu den Autos und wünschen einander ruhige Nachmittage.


Bier ist sehr gesund

15.00 Uhr Zuhause angekommen, schleppe ich die Einkaufstüte in die kleine Villa und fülle Dixons Napf mit Trockenfutter auf. Während sich der Rüde gierig auf die Brotzeit stürzt, hänge ich die neue Hose in den begehbaren Schrank und bette mich dann auf dem Kanapee zur Ruhe – das tut gut.
16.00 Uhr Um nicht den ganzen Nachmittag auf der faulen Haut zu liegen, setze ich mich an den Schreibtisch und komme meinen Pflichten als Anschnurseelsorger nach. Während das Haustier im Garten mit dem Nachbarshund tobt, rufe ich Depeschen besorgter Heimseitenbesucher ab und erfahre, dass es in Deutschland angesichts der vielen afrikanischen Wirtschaftsflüchtlinge drunter und drüber geht. Herr Werner L. aus Reutlingen berichtet schier Unglaubliches und schreibt, dass er fast täglich von gewaltbereiten Nigerianern belästigt wird. Ich balle die Fäuste und rate dem Heini, sich nicht alles gefallen zu lassen und ins freiheitsliebende Amerika auszuwandern.
16.45 Uhr Zu guter Letzt nehme ich die Einträge im Gästebuch in Augenschein und sehe mich genötigt, wegen einer Morddrohung das BKA zu verständigen – alles kann man sich auch nicht bieten lassen.


Ich esse gesunde Wurst

17.15 Uhr Nachdem ich die Arbeit abgeschlossen habe, bereite ich das Abendessen zu und nehme mit einer Wurstplatte Vorlieb. Dazu gibt es vitaminreiche Weissbrotscheiben sowie ein süffiges Budweiser – das schmeckt.
18.00 Uhr Endlich kann ich mich in den wohlverdienten Feierabend verabschieden und mir die FOX Nachrichten anschauen. Ich mache mich über die aktuellen Geschehnisse im nahen Osten schlau und bringe heraus, dass es im Iran immer noch zu regierungsfeindlichen Demonstrationen kommt – wie schrecklich.
19.00 Uhr Um auf andere Gedanken zu kommen, wechsle ich auf SHOWTIME, wo just im Moment einige Episoden der sehenswerten Dokumentarserie “The Trade” gezeigt wird. Ich staune nicht schlecht und tauche in die Welt von hinterlistigen Drogenschmugglern ein – gleich platzt mir der Kragen.
21.00 Uhr Nach der dritten Folge beende ich den Fernsehabend und rufe den Vierbeiner ins Haus. Anschliessend verschliesse ich die Haustüre und lege mich schlafen. Gute Nacht.

15. Februar 2018 – Filmabend unter Palmen

08.00 Uhr Ich werde durch ein stimmungsvolles Montgomery Gentry Lied geweckt und fühle mich prima. Da Morgenstund’ bekanntlich Gold im Mund hat, stehe ich spornstreichs auf und eile auf die Terrasse. Hund Dixon folgt mir an die frische Luft und macht es sich zur Aufgabe, die Echse Billy am Teich zu besuchen. Währenddessen strecke ich mich redlichst und vergesse auch nicht, ein Rad zu schlagen – was kann es schöneres geben.
08.30 Uhr Während des Badevergnügens mache ich mir eigene Gedanken bezüglich des Abends und ringe mich dazu durch, Edelbert und Frau Pontecorvo zu einen kleinen Umtrunk einzuladen. Um meine Bekannten über den Entschluss in Kenntnis zu setzen, greife ich zur Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und rufe beim Professor an. Der schlaue Mann ist hellauf begeistert und schlägt vor, dass wir erneut einen Filmabend auf der Terrasse veranstalten könnten – dagegen ist nichts einzuwenden.


Meine praktische Schwarzbeere

09.30 Uhr Sechzig Minuten später lasse ich mir die wichtigste Mahlzeit des Tages in der klimatisierten Stube schmecken und werfe prüfende Blicke in die Tageszeitung. Unter anderem fällt mein Blick auf den Reklameteil und ich lerne, dass WAL MART Kunden derzeit mit einem 25%igen Preisnachlass rechnen dürfen – wie aufregend.
10.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 10 zugeht, stelle ich das schmutzige Geschirr in die Spüle und komme zu dem Schluss, dass es angebracht wäre, zum WAL MART zu krusen und nach neuerschienenen Musikscheiben und Filmen Ausschau zu halten. Ruckzuck nehme ich die Hundeleine zur Hand und fordere den Verbeiner auf, mir zum Auto zu folgen. Zu allem Überfluss treffe ich vor meinem kulivierten Zuhause auf Frau Pontecorvo und bringe heraus, dass Perle zum Frisör krusen wird. Bei dieser Gelegenheit komme ich auf den geplanten Filmabend zu sprechen und lote aus, ob sie Lust hätte, uns am Abend Gesellschaft zu leisten. Die kleine Frau nickt eifrig und verspricht, ein opulentes Abendessen zu zaubern – das kann mir nur Recht sein.


Bei Wal Mart gibt es Schnäppchen

10.45 Uhr Wenig später komme ich mit quietschenden Bremsen vor der Markthalle zum halten und lasse meinen tierischen Begleiter wissen, dass er während meiner Abwesenheit brav sein muss. Im Anschluss strebe ich mit einer lustigen Melodie auf den Lippen in den Gemischtwarenmarkt und nehme mir das Recht heraus, die Musikregale in Augenschein zu nehmen. Nach kurzem Zögern fische ich mir das brandneue Montgomery Gentry Studioalbum aus dem Angebot und freue mich, das neunte Werk der Bande zu einem Schnäppchenpreis ergattern zu können.


Montgomery Gentry – Here’s To You

11.30 Uhr Anschliessend wende ich mich den aktuellen Filmneuerscheinungen zu und stosse alsbald auf das englische Drama “A United Kingdom” (löblich: Ein vereintes Königreich). Da ich ein perfekter Gastgeber sein und meine Gäste nicht mit seichter Hollywoodunterhaltung langweilen möchte, fackle ich nicht lange und werfe die BluRay Scheibe in den Einkaufswagen.
12.15 Uhr Schlussendlich steuere ich die Kasse an und sehe mich genötigt, für den Film, die Kompaktscheibe, Toilettenpapier, Duftkerzen sowie zwei neue Handtücher insgesamt 75 Dollars bezahlen zu müssen. Ich seufze laut und überreiche der übergewichtigen Marktmitarbeiterin augenrollend meine praktische Kreditkarte.
12.45 Uhr Nach dem Bezahlvorgang steuere ich eine SUBWAY Gaststätte an und leiste mir neben einem Becher Diät Cola auch ein vitaminreiches Steak Onion Sandwich (löblich: Schnitzel Zwiebel Brot) mit Krautsalat und röschen Kartoffelstäben – schmeckt gar nicht schlecht.
13.15 Uhr Redlichst gestärkt trete ich die Heimfahrt an und fröne nebenher den aktuellen Montgomery Gentry Kompositionen – was kann es schöneres geben.


Mein Zuhause unter Palmen

14.00 Uhr Zuhause angekommen, versorge ich Dixon mit frischem Wasser und köstlichem Trockenfutter. Darüber hinaus schlüpfe ich aus dem verschwitzten T-Hemd und falle aufs Kanapee, um vom letzten Weihnachtsfest im Kreise meiner Familie zu träumen – das waren noch bessere Zeiten.
15.00 Uhr Um nicht den ganzen Nachmittag auf der faulen Haut zu liegen, rapple ich mich vom Kanapee und nehme die Anschnurarbeit in Angriff. Gewissenhaft arbeite ich Anfragen besorgter Heimseitenbesucher ab und rate einer alleinerziehenden Mutter aus Duisburg, sich nicht in der sozialen Hängematte auszuruhen. Stattdessen verweise ich auf gutbezahlte Tschobs im öffentlichen Dienst und ermutige die 49jährige, zum Wischmop zu greifen und Bahnhofstoiletten zu reinigen – immerhin muss irgendwer für meine Rente aufkommen.
16.00 Uhr Nach einer Stunde beende ich die Arbeit und laufe in die Küche, um mich am Herd nützlich zu machen. Da Frau Pontecorvo versprochen hat, ein Nudelschichtgericht zu unserem Treffen beizusteuern, bereite ich einen gemischten Salat mit Senfsauce zu. Ferner stelle ich Weingläser auf dem Terrassentisch bereit und entkorke einen edlen Rotwein aus dem kalifornischen Napa Valley – wie schön.


Der Rebentrunk fliesst in Strömen

17.00 Uhr Kurze Zeit später klingelt es an der Pforte ich kann meine Nachbarin per Zungenkuss begrüssen. Die Dame hält mir eine Backform unter die Nase und erörtert, dass ihr die Lasagne perfekt gelungen ist. Ich lecke mir die Lippen und gebe zu Protokoll, dass ich auch schon mit dem Kochlöffel hantiert und einen Salat gezaubert habe.
17.30 Uhr Nachdem auch Edelbert zu uns gestossen ist, fahre ich das Nachtmahl auf und serviere dazu den spritzigen Rebentrunk. Wie nicht anders zu erwarten, kommen die lieben Leute aus dem Zungeschnalzen gar nicht mehr heraus und loben das Abendessen über den Schellenkönig.


A United Kingdom

18.15 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, den Filmprojektor in Betrieb zu nehmen und bunte Bilder auf die Leinwand zu werfen. Während der kommenden 130 Minuten tauchen wir in das Leben eines aus Botswana stammenden Königssohn ein, der sich kurz nach dem Ende des zweiten Weltkriegs unsterblich in eine weisse Engländerin verliebt. Nachdem der Neger die Britin geheiratet hat, sieht er sich in seinem Heimatland mit starker Ablehnung konfrontiert und muss sogar um die Thronfolge bangen – wie schrecklich.
20.30 Uhr Als der Spielfilm sein Ende findet, nehme ich einen letzten Schluck aus dem Weinglas und verrate meinen Tischnachbarn, dass dieser Streifen zu den besten Filmen aller Zeiten zählt. Edelbert stimmt uneingeschränkt zu und meint, dass wir uns in der kommenden Woche erneut zu einem Filmabend treffen sollten – jaja.
21.00 Uhr Nachdem die lieben Leute das Weite gesucht haben, rufe ich Dixon in die kleine Villa herein und schalte das Licht aus. Danach ziehe ich mich gähnend ins Schlafzimmer zurück und falle erschöpft ins Bett. Gute Nacht.

14. Februar 2018 – Aschermittwoch

Sehr verehrte Damen und Herren,

in meiner bayerischen Heimat wird heute der Aschermittwoch gefeiert. Der Tag, an dem das unlöbliche Faschingstreiben sein Ende findet, markiert zugleich den Beginn der Fastenzeit. Das österliche Fasten endet nach 40 Tagen in der Karwoche und soll an die schwere Zeit erinnern, die Jesus einst in der Wüste verbringen musste.

Viele Gläubige pilgern am heutigen Mittwoch in die festlich geschmückten Kirchen, um sich eine Aschekreuz auf die Stirn zeichnen zu lassen. Obgleich der Aschermittwoch in Bayern kein offizieller Feiertag ist, müssen die Arbeitgeber ihren Angestellten den Besuch der heiligen Messe ermöglichen und sie für diese Zeit von der Arbeit freistellen – wie schön.

In den Vereinigten Staaten ist Aschermittwoch (unlöblich: Ash Wednesday) nur wenigen Menschen bekannt. Trotzdem werde ich heute mit Prof. Kuhn und Frau Pontecorvo den Gottesdienst in der Kirche besuchen, um redlichst zu beten und schöne Lieder zu singen.

Weil das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, werde ich die lieben Leute im Anschluss in “Julies Restaurant” ausführen. Danach steht ein ausgedehnter Strandspaziergang auf den Plan – das wird spannend.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg

13. Februar 2018 – The Big Country

08.00 Uhr Ich werde durch aggressives Telefonklingeln aus einen schönen Traum gerissen. Missmutig halte ich mir den Hörer ans Ohr und bin überrascht, Edelberts Stimme in der Leitung zu haben. Der gute Mann plappert ohne Unterlass und informiert, dass er gestern einen örtlichen Flohmarkt besucht und für wenig Geld etliche Filmscheiben gekauft hat. Ausserdem schlägt der schlaue Mann vor, dass wir uns am Abend in meinem kultivierten Zuhause treffen und einen zünftigen Filmabend veranstalten könnten – das hört sich verlockend an.
08.30 Uhr Nachdem ich das Gespräch beendet habe, rolle ich mich aus dem Bett und schleppe mich gähnend in die Küche, um Dixons Napf mit frischem Wasser aufzufüllen – was muss ich denn noch alles ertragen.
09.00 Uhr Im Anschluss absolviere ich die Morgengymnastik und nutze die Gelegenheit, um mit Herrn Booth zu plaudern. Mein Nachbar erkundigt sich nach dem Rechten und erzählt, dass Morgen der “Valentine’s Day” ansteht. Ich staune Bauklötze und entgegne, dass der “Tag der Liebenden” auf den christlichen Märtyrer Valentinus zurückgeht, der trotz des Verbots durch Kaiser Claudius II. Eheschliessungen vollzogen haben soll.


Der heilige Valentin

09.30 Uhr Schnaufend verabschiede ich mich ins Bad und lasse die Seele bei einem Wirbelbad baumeln. Nebenher studiere ich lesenswerte Artikel in der Zeitung und bringe heraus, dass am kommenden Montag der “President’s Day” gefeiert wird. Ich nicke zustimmend und denke an die stolzen Gründerväter zurück, die sich vor 250 Jahren ohne Furcht gegen die britischen Besatzer zur Wehr gesetzt haben – das waren noch bessere Zeiten.
10.30 Uhr Nach dem Badespass mache ich es mir in der Küche bequem und nehme die wichtigste Mahlzeit des Tages ein. Leider wird die himmlische Ruhe alsbald durch Frau Pontecorvo gestört. Die Perle von Nebenan legt beste Laune an den Tag und kündigt an, dass sie am Abend ins Lichtspielhaus gehen wird. Ich winke gelangweilt ab und stelle klar, dass mir dunkle Kinosäle gestohlen bleiben können. Ferner verrate ich der kleinen Frau, dass Edelbert am Abend vorbeikommen und mir beim fernsehschauen Gesellschaft leisten wird – das wird ein Spass.
11.00 Uhr Nachdem meine Nachbarin das Weite gesucht hat, spähe ich in den Küchenschrank und bemerke, dass kaum noch Knabbereien vorhanden sind. Weil ich ein perfekter Gastgeber sein möchte, klatsche ich in die Hände und entschliesse mich, mit dem Vierbeiner zum CIRCLE K Supermarkt zu spazieren. Ruckzuck scheuche ich den Rüden nach draussen und schlendere mit einem lustigen Lied auf den Lippen gen Süden davon.


Ich besorge Knabbereien

11.30 Uhr Am Ziel angekommen, stecke ich vitaminreiche Lay’s Kartoffelchips in eine umweltfreundliche Plastiktüte und vergessen auch nicht, Erdnüsse, eine Tüte RITZ Kräcker sowie gesunde Hershey’s Schokolade zu erwerben. Danach stecke ich der unterbelichteten Kassenkraft etliche Scheine zu und kehre gutgelaunt ins Wohngebiet zurück – da kommt besonders grosse Freude auf.
13.00 Uhr Zuhause angekommen, bestreiche ich zwei Brotscheiben mit Butter und garniere die Mahlzeit mit hauchdünn aufgeschnittenem Capocollo. Dazu gibt es eine Dose Diät Cola sowie lustige Gewürzgurken aus dem Glas – schmeckt gar nicht schlecht.
13.30 Uhr Nachdem ich mich gestärkt habe, mache ich es mir auf dem Kanapee bequem und schliesse die Augen. Hund Dixon folgt meinem Beispiel und schlummert ebenfalls zeitnah ein.
14.30 Uhr Ich erwache ausgeruht und nutze die Nachmittagsstunden, um Anschnur zu gehen. Während mich die Amazon Musiksäule mit stimmungsvoller Musik verwöhnt, arbeite ich Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher ab und helfe verzweifelten Eltern bei schwerwiegenden Problemen.
15.30 Uhr Nach getaner Arbeit fahre ich den Heimrechner mausdrückend herunter und ringe mich dazu durch, für den Abend einen Thunfischsalat zuzubereiten. Voller Elan begebe ich mich in die Küche und mache es mir zur Aufgabe, eine Fischdose zu öffnen und eine Zwiebel klein zu schneiden. Anschliessend vermenge ich die Zutaten mit Mayonnaise und gebe etwas Salz dazu – schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.
16.30 Uhr Da es angenehm war ist und der laue Abend dazu einlädt, einen Film auf der Grossbildleinwand anzuschauen, schleppe ich meinen Projektor auf die Terrasse und verbinde ihn mit dem Blu-Ray Abspielgerät. Ferner rücke ich zwei Liegestühle zurecht und kann es kaum noch erwarten, Edelbert in meinem bescheidenem Zuhause Willkommen heissen zu können.

17.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 5 zugeht, fährt Edelberts JEEP endlich vor. Ich begrüsse den schlauen Mann herzlich und registriere, dass er den Westernklassiker “The Big Country” (auf deutsch: Weites Land) mitgebracht hat. Ich schnalze zufrieden mit der Zunge und erinnere mich, dass diese Erfolgsproduktion erstmals im Jahre 1958 in den Lichtspielhäusern zu sehen war.
18.00 Uhr Nach dem Abendessen schiebe ich die silberne Filmscheibe in den Projektor und fahre eine Schale Kartoffelchips auf. Edelbert lehnt sich zufrieden zurück und gibt sich der Geschichte des Wilden Westens hin. Ich fröne ebenfalls den bunten Bildern und mutmasse, dass die armen Menschen damals nichts zu lachen hatten.
21.00 Uhr Nach drei Stunden flimmert der Abspann über die Leinwand und ich komme aus dem Gähnen gar nicht mehr heraus. Auch Edelbert reibt sich die Augen und meint, dass nun die Zeit gekommen ist, um sich zu verabschieden – wie wahr.
21.00 Uhr Nachdem endlich Ruhe und Frieden herrscht, rufe ich Dixon ins Haus und lösche sämtliche Lichter. Anschliessend falle ich fix und foxi ins Bett. Gute Nacht.