17. Oktober 2018 – Ich bin ein Herzspezialist

08.00 Uhr Der 290. Tag des Jahres beginnt und Petrus beschert uns auch heute einen sonnigen Morgen. Während sich die Palmen hinter meinem kultivierten Anwesen im Wind wiegen, trete ich auf die Terrasse und absolviere die Morgengymnastik. Der Vierbeiner folgt meinem Beispiel und streckt sich ebenfalls ausgiebig – das macht Spass.
08.30 Uhr Nach dem schweisstreibenden Frühsport entspanne ich mich bei einem Wirbelbad und freue mich, einen Telefonanruf von Edelbert zu erhalten. Der schlaue Mann legt beste Laune an den Tag und regt an, dass wir uns im Publix Supermarkt treffen könnten. Ich nicke eifrig und entgegne, dass langsam aber sicher die Lebensmittel- sowie Getränkevorräte zu Neige gehen – was muss ich denn noch alles ertragen.
09.30 Uhr Nach Rosenöl duftend, schlüpfe ich in legere Freizeitkleidung und rufe kurzerhand bei meinen Verwandten im Lowbank Drive an. Georg meldet sich nach dem zweiten Tuten und berichtet, dass er mittlerweile eine Suite im “Ritz-Carlton Resort” reserviert hat und bereits Morgen in besagte Luxusherberge umziehen wird. Darüber hinaus erhalte ich die Auskunft, dass bereits am Montag Morgen die Handwerker anrücken und den Fussboden im Ferienhaus herausreissen werden – das kann ja heiter werden.


Das Ferienhaus wird renoviert

10.00 Uhr Just als Frau Gomez die Türe aufstösst, beende ich das Telefonat und greife zum Autoschlüssel, Wie es sich gehört, begrüsse ich die Reinigungsfachfrau herzlich und gebe zu Protokoll, dass ich nun zum Einkaufen krusen werde. Die kleinwüchsige Mexikanerin erhebt den Zeigefinger und bittet mich, Spülmittel, Putzlappen sowie Waschpulver einzukaufen – das werden wir erst noch sehen.
10.30 Uhr Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, scheuche ich Hund Dixon zum PS-strotzenden SUV und schicke mich an, hupend vom Grundstück zu brettern. Um für gute Laune zu sorgen, stelle ich das Radiogerät etwas lauter und singe zu angesagten Landmusikschlägen laut mit – da kommt besonders grosse Freude auf.
11.00 Uhr Am Ziel angekommen, reiche ich Edelbert die Hand und mache einer störrischen Rentnerin mit hellblauen Haaren einen Einkaufswagen streitig. Anschliessend schieben wir das klapprige Gefährt durch die breiten Gänge und wählen Produkte des täglichen Bedarfs aus. Da KRAFT-HEINZ Produkte im Angebot sind, ringen wir uns dazu durch, vitaminreichen Philadelphia Streichkäse, Jell-O Puddings, Capri Sun Limonade sowie original Heinz Ketschup zu den anderen Waren zu legen – wie schön.
12.00 Uhr Nachdem sich ein stattlicher Haufen angesammelt hat, schlendern wir zur Kasse und stellen mit grosser Sorge fest, dass sich eine lange Warteschlange gebildet hat. Weil ich meine Zeit nicht gestohlen habe, dränge ich mich wildgestikulierend vor und informiere die anderen Kunden, dass ich ein weltbekannter Herzspezialist bin und schnellstmöglich zum örtlichen “Naples Community Hospital” rasen muss.


Ich beisse kraftvoll zu

12.45 Uhr Nachdem wir die schweren Einkaufstüten zu den Autos geschleppt haben, kehren wir in die benachbarte “Dairy Queen” (löblich: Molkerei Königin) Gaststätte ein. Völlig erschöpft werde ich an der Essensaugabe vorstellig und ordere eine Diät Cola sowie zwei Käseburger mit Fritten. Edelbert folgt meinem Beispiel und ordert ausserdem einen leckeren Salat mit Oliven und perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen – das schmeckt.
13.30 Uhr Als meine wertvolle Armbanduhr auf halb Zweit zugeht, verlassen wir die Gaststätte und wünschen einander ruhige Nachmittage. Danach helfe ich Dixon auf die Ladefläche des frisch aufpolierten Chevrolet Suburbans und gleite ruckzuck in Richtung Willoughby Drive davon.
14.00 Uhr Wieder zurück in der kleinen Villa, räume ich die Lebensmittel sorgsam in den Kühlschrank ein und bette mich dann auf dem Kanapee zur Ruhe. Alsbald schlummere ich ein und träume von meiner spannenden Forschungsreise nach Puerto Rico im Januar 2013 – das waren noch bessere Zeiten.


Mein Zuhause unter Palmen

15.00 Uhr Um nicht den ganzen Nachmittag zu vertrödeln, reibe ich mir den Schlaf aus den Augen und nehme am Schreibtisch Platz. Unter anderem überfliege ich die Niederschriften im Gästebuch und vergesse auch nicht, Hilferufe besorgter Erziehungsberechtigter zu beantworten – mir bleibt wirklich gar nichts erspart.
16.00 Uhr Laut seufzend gehe ich von der Leine und sehe im Garten nach dem Haustier. Um Dixon eine Freude zu bereiten, werfe ich ihm einen Tennisball zu und nehme ausserdem den Rasensprenger in Betrieb. Der Lausbube ist kaum zu bändigen und flitzt wie von einer Tarantel gestochen über das satte Grün – was kann es schöneres geben.
17.00 Uhr Nachdem ich die hochgewachsene Petersilie gegossen habe, begebe mich in die Küche und zaubere italienische Langnudeln mit Pesto. Dazu gibt es ein kühles Budweiser sowie als Nachspeise einen schmackhaften Donut mit Schokoladenüberzug – schmeckt gar nicht schlecht.


Auch am Abend beisse ich kraftvoll zu

18.00 Uhr Nach der reichhaltigen Jause lasse ich im klimatisierten Wohnzimmer die Seele baumeln und gebe mich den FOX Nachrichten hin. Ich informiere mich über die Geschehnisse in der Welt und lerne, dass in der kommenden Woche der “United Nations Day” (löblich: Tag der Vereinten Nationen) gefeiert wird – das soll mir auch Recht sein.
19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit nehme ich mit dem NETFLIX Angebot Vorlieb und schaue mir die Gruselserie “The Haunting of Hill House” (auf deutsch: Spuk in Hill House) an. Das 10teilige Fernsehspiel erzählt die Geschichte einer Familie, die in ihrem Zuhause von bösartigen Geistern terrorisiert wird – wie furchtbar.
21.00 Uhr Nach zweistündigem Nervenkitzel schalte ich den neumodernen Flachbildschirm aus und lösche sämtliche Lichter. Danach wünsche ich Dixon angenehme Träume und falle erschöpft ins Bett. Gute Nacht.

16. Oktober 2018 – Hausumbau

08.00 Uhr Ich werde durch besonders aggressives Telefonläuten geweckt und sehe mich genötigt, mit meinem Bruder sprechen zu müssen. Georg wünscht mir einen schönen Morgen und bittet mich, im Laufe des Vormittages in den Lowbank Drive zu kommen. Der gute Mann stellt mir ein reichhaltiges Frühstück in Aussicht und kündigt an, dass er mit der Idee spielt, das Ferienhaus in den kommenden Wochen mit einem neuen Holzboden sowie einer leistungsstärkeren Klimaanlage ausstatten zu lassen – das hört man gerne.


Das Ferienhaus meiner Verwandten

08.30 Uhr Nachdem ich die Morgengymnastik hinter mich gebracht habe, ziehe ich mich ins Bad zurück, um mich frisch zu machen. Während sich Hund Dixon in den Garten verabschiedet, lasse ich die Seele bei einem erfrischenden Wirbelbad baumeln und vergesse auch nicht, mir die Bartstoppeln abzurasieren – das macht Spass.
09.30 Uhr Frisch in Schale geworfen, kehre ich in die gute Stube zurück und ärgere mich, weil der Vierbeiner einen Ast ins Haus geschleppt hat. Ich erhebe sogleich den Zeigefinger und lasse das Haustier wissen, dass mir Ordnung und Sauberkeit sehr wichtig sind. Um meinen Aussagen Nachdruck zu verleihen, schleudere ich das Holzstück spornstreichs in den Teich und unterbreite, dass wir nun meinen Verwandten einen Besuch abstatten werden.
10.00 Uhr Wenig später lasse ich den PS-strotzenden Motor meines Chevrolet Suburban aufheulen und gleite hupend vom Grundstück. Während der Reise tippe ich Frau Pontecorvos Nummer in die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und nehme mir das Recht heraus, die Perle anzurufen. Bereits nach dem dritten Tuten meldet sich meine Nachbarin und beteuert, dass sie immer noch bei ihrer Freundin in Jacksonville verweilt und bis Montag bleiben wird. Die kleine Frau schwärmt in den höchsten Tönen und berichtet, dass sie gestern den “Jacksonville Zoo” besucht und dort lustige Giraffen aus nächster Nähe gesehen hat. Ich nicke eifrig und halte die Dame an, wegen der hohen Kriminalitätsrate in Floridas nördlichster Grossstadt grösste Vorsicht an den Tag zu legen.


Meine praktische Schwarzbeere

10.45 Uhr Kurze Zeit später erreiche ich mein Ziel und werde von Maria herzlich begrüsst. Meine Schwägerin führt mich plappernd ins Esszimmer und sagt, dass sich gegen halb 12 Uhr ein Innenarchitekt angekündigt hat. Georg schlägt in die gleiche Kerbe und verrät, dass er die alten Bodendielen im Esszimmer entfernen und gegen einen sündteuren Eichenboden austauschen lassen wird. Ferner vernehme ich, dass meine Verwandten nicht nur die Klimaanlage ersetzen, sondern auch eine neue Küchezeile einbauen lassen wollen. Natürlich reibe ich sogleich den Daumen am Zeigefinger und mutmasse, dass der Umbau ein kleines Vermögen verschlingen wird. Georg zuckt mit den Schultern und meint, dass er während der zweiwöchigen Umbauzeit ins renommierte “Ritz-Carlton Resort” umziehen und sich dort auf dem hauseigenen Golfplatz vergnügen wird – das ist ja allerhand.
11.30 Uhr Während ich mir die wichtigste Mahlzeit des Tages schmecken lasse, klingelt es plötzlich an der Pforte und wir können einen gestriegelten Knecht willkommen heissen. Herr Smith (53) gibt sich uns als Mitarbeiter der örtlichen “Smith & Hengstman Interior” Firma zu erkennen und zögert nicht, neugierig durchs Haus zu streifen und mit einem Massband zu hantieren. Unterdessen schenke ich mir brühfrischen Kaffee nach und ärgere mich, keine Unsummen in einen luxuriösen Hausumbau stecken zu können – immerhin habe ich keine Millionen auf dem Konto.


Georg investiert ein kleines Vermögen

12.15 Uhr Herr Smith gibt sich uns als erfahrener Architekt zu erkennen und erläutert, dass er bereits seit über 20 Jahren im Geschäft ist und bereits Wohnhäuser angesehener Prominenter auf Vordermann gebracht hat. Der Depp deutet zudem in Richtung der Zimmerdecken und gibt vor, dass es ein leichtes Unterfangen wäre, die Decken mit PVC zu bespannen und mit Zierleisten aufzuwerten – wo soll das noch hinführen.
13.00 Uhr Nachdem der Heini zwei Seiten seines Schreibblockes mit Notizen versehen hat, reicht er meinem Bruder die Hand und verspricht, dass in der kommenden Woche die Handwerker anrücken werden. Georg wischt sich über die Stirn und entgegnet, dass er sich zeitnah um eine Suite im Ritz bemühen wird – was das wieder kostet.
13.30 Uhr Schlussendlich wünsche ich meinen Verwandten ebenfalls einen schönen Tag und trete die Heimreise in den Willoughby Drive an. Deprimiert trete ich das Gaspedal bis zum Anschlag durch und stelle das Radio etwas lauter, um prima Landmusik auf der Frequenz von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) zu lauschen.
14.15 Uhr Zurück in der kleinen Villa, fülle ich Dixons Napf mit Trockenfutter auf und falle dann aufs Kanapee, um mich redlichst zu entspannen. Ich döse prompt ein und träume von meiner letzten Kanadareise – das war super.
15.15 Uhr Ich erwache ausgeruht und nutze die Nachmittagstunden, um an die Leine (unlöblich: online) zu gehen. Wie es sich für einen anerkannten Anschnurseelsorger gehört, gebe ich Ratschläge zum Umgang mit garstigen Jugendlichen und animiere eine Mutter aus dem ostdeutschen Eberswalde, ihrer 13jährigen Tochter keinen gefährlichen Hüpfstab zum Geburtstag zu schenken.
16.15 Uhr Nach sechzig Minuten fahre ich den Heimrechner mausdrückend herunter und komme zu dem Ergebnis, dass ich bei dieser Hitze unmöglich einen Spaziergang unternehmen kann. Um Dixon eine Abkühlung zu verschaffen, hole ich den Gartenschlauch hervor und spritze den kläffenden Vierbeiner redlichst ab – wie lustig.


Ich beisse kraftvoll zu

17.00 Uhr Nachdem ich die Pflanzen bewässert habe, schufte ich in der Küche und backe eine schmackhafte TOMBSTONE Fertigpizza heraus. Nebenher telefoniere ich mit Edelbert und verrate dem schlauen Mann, dass meine Verwandten den Verstand verloren haben und einen Grossteil ihres Vermögens in einen kostspieligen Hausumbau stecken wollen – wie schrecklich
18.00 Uhr Nach der Jause stelle ich die Klimaanlage höher und freue mich auf einen besinnlichen Fernsehabend. Ich leiste Dixon in der kühlen Wohnstube Gesellschaft und fröne den Nachrichten. Im Anschluss schalte ich auf HBO um und gebe mich dem Alfred Hitchcock Klassiker “Marnie” aus dem Jahre 1964 hin – da kommt Freude auf.
21.00 Uhr Zweieinhalb Stunden später flimmert der Abspann über die Mattscheibe und ich schalte die Glotze gähnend aus. Zu guter Letzt lösche ich sämtliche Lichter und lege mich schlafen. Gute Nacht.

15. Oktober 2018 – Spassbadbesuch ohne Mich

08.00 Uhr Die 42. Woche des Jahres beginnt und ich läute den schwülwarmen Morgen mit dem Frühsport auf der Terrasse ein. Während Dixon mit einem Tennisball spielt, hüpfe ich auf und ab und vergesse auch nicht, ein auf der Wiese hinter der kleinen Villa ein Rad zu schlagen – was kann es schöneres geben.
08.30 Uhr Im Anschluss entspanne ich mich bei einem Wirbelbad und nutze die Zeit, um Sandras Tagebucheintrag vom Wochenende zu studieren. Ich staune Bauklötze und lerne, dass sich die unterbelichtete Maid die Langeweile mit gewaltverherrlichenden Filmen vertrieben hat – gleich platzt mir der Kragen.
09.30 Uhr Nach dem Badespass setze ich mich entnervt an den Frühstückstisch und lasse mir die wichtigste Mahlzeit des Tages schmecken. Ferner telefoniere ich mit Georg und vernehme, dass meine Verwandten gleich zum “Sun-N-Fun Lagoon” Wasserpark krusen werden. Als mich mein Bruder aufruft, kurzerhand mitzukommen, winke ich gelangweilt ab und gebe vor, kein Interesse am örtlichen Spassbad zu haben – wo kämen wir denn da hin.


Ein Spassbadbesuch ohne Mich

10.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner goldenen ROLEX auf 10 zugeht, stelle ich die Butter in den Eiskasten und freue mich, als Edelberts schneeweisser JEEP vorfährt. Wie es sich gehört, winke ich meinen Bekannten freundlich herein und gebe zu Protokoll, dass es angebracht wäre, im Garten zu arbeiten. Obgleich Edelbert vorgibt, als Kind einen Bandscheibenvorfall gehabt zu haben, lasse ich nicht locker und lotse den schlauen Mann nach draussen. Ruckzuck drücke ich ihm einen Besen in die Hand und animiere ihn, vor meiner kultivierten Villa für Sauberkeit und Ordnung zu sorgen – immerhin kann ich mich nicht um alles kümmern.


Dixon spielt mit einem Tennisball

10.45 Uhr Währenddessen mache ich mich am Petersilienbeet zu schaffen und lockere den Mutterboden. Zudem halte ich den Vierbeiner an, dem künstlich angelegten Teich fern zu bleiben und stattdessen weiter mit seinem Tennisball im Garten der Nachbarn zu spielen.
11.15 Uhr Wenig später gesellt sich Herr Booth an die Grundstücksgrenze und serviert eiskaltes Budweiser. Ich rufe spornstreichs nach Edelbert und lasse meinen Nachbarn wissen, dass meine Kehle ganz ausgetrocknet ist. Der Professor schlägt in die gleiche Kerbe und meint, dass eine kleine Brotzeit auch nicht schaden kann – wie wahr.
12.00 Uhr Nachdem sich Herr Booth verabschiedet hat, kehre ich in die gute Stube zurück und rufe kurzerhand bei der “Dominos” Heissleine (unlöblich: Hotline) an. Alsbald meldet sich eine freundliche Dame am anderen Ende der Leitung und nimmt zuvorkommend die Bestellung auf. Natürlich zeige ich mich spendabel und bitte den Trampel, zwei mit Schinken und Pilzen belegte Pizzas in den Willoughby Drive zu liefern – das gibt ein Festessen.
12.45 Uhr Bereits nach fünfundvierzig Minuten kommt ein verrosteter Lieferwagen vor meinem kultivierten Anwesen zum halten und wir können das Mittagessen in Empfang nehmen. Weil man viel trinken sollte, kredenze ich dem Professor eine weitere Flasche Bier und zögere auch nicht, die Pizzas auf zwei Teller anzurichten. Anschliessend machen wir es uns auf der schattigen Terrasse gemütlich und beissen kraftvoll zu – das tut gut.
13.30 Uhr Während wir uns das italienische Schmankerl munden lassen, kommt Edelbert auf Weihnachten zu sprechen und rechnet vor, dass in 71 Tagen das Christkind vor der Türe stehen wird. In diesem Zusammenhang möchte mein Bekannter wissen, ob wir das Fest in Kanada oder in Florida erleben werden. Ich zucke mit den Schultern und entgegne, dass die Entscheidung noch nicht gefallen ist. Ferner verweise ich auf meine Verwandten und informiere, dass die lieben Leute womöglich bis ins neue Jahr im Rentnerparadies bleiben werden.


Meine kleine Villa unter Palmen

14.30 Uhr Schlussendlich wünscht mir Edelbert einen schönen Nachmittag und zieht es vor, die Heimfahrt ins Stadtzentrum anzutreten. Ich werfe die Pforte lautkrachend ins Schloss und bette mich auf dem Kanapee zur Ruhe.
15.30 Uhr Weil es für das Abendessen noch zu früh ist, nehme ich die Hundeleine zur Hand und fordere den Vierbeiner auf, mit mir Gassi zu gehen. Dixon ist kaum zu bändigen und macht es sich während des Spaziergangs zum nahegelegenen La Playa Golfplatz zur Aufgabe, im kniehohen Gras nach verloren gegangenen Golfbällen Ausschau zu halten – da kommt besonders grosse Freude auf.
16.30 Uhr Wieder zurück in der kleinen Villa, hantiere ich in der Küche mit der Pfanne und zaubere im Handumdrehen schmackhafte Bratkartoffeln mit Spinat und Fischstäben – wie gut das duftet.
17.30 Uhr Nach der Brotzeit nehme ich die leistungsstarke Geschirrspülmaschine in Betrieb und komme zu dem Schluss, dass mich dieser Stress bald ins Grab bringen wird. Trotz aller Widrigkeiten lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und blättere wissbegierig in der Fernsehzeitung.
18.00 Uhr Um endlich zur Ruhe zu kommen, nehme ich auf dem Sofa platz und mache mich auf FOX über die aktuellen Geschehnisse in der Welt schlau. Nebenher kippe ich mir eine süffige Hopfenkaltschale hinter die Binde und labe mich an lustigen Lays Kartoffelchips – das schmeckt.

19.00 Uhr Zur besten Sendezeit wechsle ich auf AMC und gebe mich dem Filmklassiker “I Dreamed of Africa” (auf deutsch: Ich träumte von Afrika) hin. Die Hollywoodproduktion aus dem Jahre 2000 erzählt die Lebensgeschichte der italienischen Schriftstellerin Kuki Gallmann, die mit ihrem Mann nach Kenia auswandert, um dort einen abgelegenen Bauernhof zu bewirtschaften.
21.00 Uhr Als nach zwei langweiligen Stunden der Abspann über die Mattscheibe flimmert, beende ich den Fernsehabend und schliesse sämtliche Fenster. Zu guter Letzt wünsche ich Dixon angenehme Träume und lege mich schlafen. Gute Nacht.

12. Oktober 2018 – Ein BBQ am Wochenende

08.00 Uhr Beschwingt durch den aktuellen Eric Church Schlag (unlöblich: Hit) “Jukebox and Bar” (löblich: Musikschachtel und Biertränke) hüpfe ich aus den Federn und lerne, dass der bekannte Landmusikant zum Monatsanfang ein neues Studioalbum mit dem Titel “Desperate Man” herausgebracht hat – das ist wunderbar.


Eric Church – Desperate Man

09.00 Uhr Nachdem ich auf der Terrasse die Morgengymnastik absolviert habe, eile ich in die Nasszelle und entspanne mich bei einem Wirbelbad. Ausserdem telefoniere ich mit Edelbert und lasse meinen Bekannten wissen, dass kaum noch Lebensmittel im Kühlschrank vorrätig sind. Der schlaue Mann seufzt laut und wirft ein, dass wir schnellstmöglich zum PUBLIX Supermarkt krusen und dort ordentlich abschoppen sollten – wie aufregend.
09.30 Uhr Weil Frau Pontecorvo verreist ist und mich kaum mit einem reichhaltigen Frühstück verwöhnen kann, sehe ich mich genötigt, selbst Rühreier mit Schinken zu zaubern. Ausserdem brühe ich echten Bohnenkaffee auf und führe mir zum Frühstück etliche Donuts zu Gemüte – schmeckt gar nicht schlecht.


Ich beisse kraftvoll zu

10.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 10 zugeht, nehme ich einen letzten Schluck Kaffee und gebe Hund Dixon zu verstehen, dass wir nun zum PUBLIX krusen und Lebensmittel besorgen müssen. Ruckzuck nehme ich den Autoschlüssel von der Ablage und registriere, dass ich auch Getränke, Schokolade sowie Obst einkaufen muss – was das wieder kostet.
11.30 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise, erreiche ich mein Ziel und kann den PS-strotzenden Chevrolet direkt neben Edelberts JEEP parken. Während Dixon bei laufendem Motor im Auto zurück bleibt, folge ich Edelbert in den klimatisierten Flachbau und mache einer störrischen Kundin (78) mit hellblauen Haaren einen Einkaufswagen streitig. Im Anschluss nehmen wir die Sonderangebote in Augenschein und stellen wohlwollend fest, dass gesundes Hackfleisch während dieser Woche im Angebot ist. Natürlich schlagen wir sogleich zu und bitten die übergewichtige Wurstfachverkäuferin, vier Pfund einzupacken – da kommt besonders grosse Freude auf.
12.00 Uhr Während sich immer mehr Lebensmittel im Wagen ansammelt, kommt mein Begleiter auf das Wochenende zu sprechen und beteuert, dass es eine Gaudi wäre, in meinem gepflegten Garten ein Barbecue zu veranstalten. Ich lecke mir die Lippen und entgegne, dass sich Georg und Maria bestimmt über eine Einladung freuen würden. Bevor der Professor Worte findet, zücke ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und lasse es mir nicht nehmen, die lieben Leute anzurufen. Als sich mein Bruder nach dem zweiten Tuten endlich meldet, rege ich eine Grillfeier an und ermutige Georg, augenblicklich zum Wochenmarkt am Hafen zu krusen und dort Gemüse sowie lustige Grillfische einzukaufen. Der gute Mann juchzt laut und sichert zu, in wenigen Minuten loszufahren und allerhand Schmankerl zu besorgen – das hört man gerne.


Blick auf meinen Garten

12.45 Uhr Nachdem wir dem PUBLIX Konzern ein stattliches Sümmchen beschert haben, kehren wir in eine nahegelegene McDonalds Schnellfressfiliale ein und ordern ein opulentes Mittagessen in Form von vitaminreichen Quarter Pounders (löblich: Viertelpfünder), Kartoffelstäben und Salat. Dazu gibt es grosse Diät Cola Becher sowie schmackhafte Sundaes (löblich: Eistüten) – schmeckt wirklich prima.
13.30 Uhr Nach dem Festschmaus wünsche ich Edelbert einen ruhigen Nachmittag und trete die Heimreise an. Um für gute Laune zu sorgen, drehe ich das Radiogerät etwas lauter und fröne stimmungsvollen Landmusikschlägen.
14.00 Uhr Fix und Foxi treffe ich zu Hause ein und mache es mir zur Aufgabe, die Einkaufstüten in die kleine Villa zu schleppen. Unterdessen verabschiedet sich Dixon in den Garten der Nachbarn und schreckt nicht davor zurück, eine knietiefe Grube im Rosenbeet auszubuddeln – das macht Spass.


Ich schlüpfe aus meinen Flip Flops

14.45 Uhr Nachdem ich die Lebensmittel verstaut habe, schlüpfe ich aus den Flip Flops und falle erschöpft aufs Kanapee. Wie es sich gehört, strecke ich genüsslich die Beine aus und schliesse die Augen – das tut gut.
15.45 Uhr Ich erwache ausgeruht und fülle Dixons Napf mit Trockenfutter auf. Darüber hinaus spähe ich neugierig auf meine wertvolle ROLEX und bemerke, dass es für das Abendessen noch zu früh ist. Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, klatsche ich in die Hände und animiere den Rüden, mich an die frische Luft zu begleiten.
16.00 Uhr Mit einem lustigen Lied auf den Lippen schlendere ich durch das Wohngebiet und nehme mir das Recht heraus, Georg anzurufen und nachzufragen, ob er mittlerweile vom Markt zurück ist. Mein Verwandter kommt aus dem Plappern gar nicht mehr heraus und meldet, dass er allerhand Kräuter eingekauft hat. Als ich genauer nachfrage, verrät der gute Mann, dass Maria einen Sauce für die anstehende Grillfeier zubereiten wird – jaja


Ein feines Nachtmahl

17.00 Uhr Zurück in der kleinen Villa, mache ich mich in der Küche nützlich und hantiere mit einer Pfanne. Ruckzuck brate ich Fischstäbe heraus und nehme ausserdem mit Bratkartoffeln Vorlieb – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nach dem Abendessen nehme ich auf dem Sofa platz und gebe mich den Nachrichten auf FOX hin. Unter anderem bringe ich heraus, dass in drei Wochen das unlöbliche Halloween Fest gefeiert wird – wie schrecklich.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit wechsle ich kopfschüttelnd auf HBO und erfreue mich am Kriminalfilm “The Harvest” (auf deutsch: Haus des Zorns). Der Lichtspielhauserfolg aus dem Jahre 2013 erzählt von einem Mädchen, die im Haus ihrer besten Freundin eine fürchterliche Entdeckung macht.
21.00 Uhr Als nach einhundertzwanzig Minuten der Abspann über den Flachbildschirm flimmert, atme ich tief durch und beende den Fernsehabend. Zu guter Letzt wünsche ich Dixon angenehme Träume und lege mich schlafen. Gute Nacht.

11. Oktober 2018 – Blutrote Rosen

08.00 Uhr Beschwingt durch ein besonders schönes Lied hüpfe ich aus dem warmen Bett und lerne, dass der englische Gesangsstern Rod Stewart vor wenigen Tagen ein neues Studioalbum veröffentlicht hat. Darüber hinaus meldet der WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Sprecher, dass sich das besagte Werk in den Vereinigten Staaten wie geschnittenes Brot verkauft und sich bald auf Platz 1 der nationalen Hitparade wiederfinden wird.


Rod Stewart – Blood Red Roses

08.30 Uhr Nach der schweisstreibenden Morgengymnastik verabschiede ich mich in die Nasszelle und fälle die Entscheidung, etwas Geld locker zu machen und mir den Silberling “Blood Red Roses” (löblich: Blutrote Rosen) zu kaufen. Ruckzuck lasse ich die Wirbelbadewanne mit lauwarmen Wasser volllaufen und erinnere mich, dass Frau Pontecorvo heute nach Jacksonville krusen und dort ihre Freundin Blanche besuchen wird. Um die Abreise nicht zu verpassen, greife ich augenblicklich zum Schwamm und wasche mich ordentlich heraus.
09.15 Uhr Kurz nach dem Neunuhrläuten werde ich am Nachbarhaus vorstellig und betätige beherzt die Klingel. Meine Nachbarin öffnet prompt die Pforte und gibt vor, gegen halb Elf losfahren zu wollen. Weil noch etwas Zeit bleibt, winkt mich die kleine Frau in die Küche und zögert nicht, brühfrischen Bohnenkaffee sowie hausgemachte Pfannkuchen aufzutischen. Während ich kraftvoll zubeisse, berichtet Frau Pontecorvo, dass sie ihren Aufenthalt in der 880.000 Einwohner zählenden Gemeinde nutzen wird, um den weltbekannten “Fort Clinch State Park” sowie den “Jacksonville Zoo” zu besuchen. Ferner schwärmt meine Tischnachbarin in den höchsten Tönen und freut sich, auch einen Ausflug nach “Amelia Island” unternehmen zu können – das hört sich langweilig an.
10.15 Uhr Nachdem ich mir die Wampe vollgeschlagen habe, ziehe ich mir die NY YANKEES Kappe tief ins Gesicht und wünsche meiner Bekannten eine sichere Reise. Im Anschluss stosse ich die Haustüre auf und halte Hund Dixon an, mir zum SUV zu folgen. Voller Elan klemme ich mich hinters Lenkrad und schicke mich an, der Airport Pulling Road gen Süden zu folgen und die “Galleria Mall” an der Vanderbilt Beach Road anzufahren – wie schön.


Meine praktische Schwarzbeere

11.00 Uhr Am Ziel angekommen, laufe ich zielstrebig in ein Musikgeschäft und lote aus, ob das aktuelle Rod Stewart Album vorrätig ist. Der hochnäsige Heini hinter dem Verkaufstresen nickt eifrig und beteuert, dass er heute bereits siebzehn Exemplare verkaufen konnte. Ich mache grosse Augen und überreicht dem Knecht 14 Dollars in Bar. Anschliessend schlendere ich an den anderen Geschäften vorbei und nutze die Gelegenheit, um Georgs Handtelefonnummer in die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) einzutippen. Mein Bruder meldet sich nach dem zweiten Tuten und gib mir zu verstehen, dass er sich mit Herrn Wang auf dem Golfplatz vergnügt. Als ich nach Maria frage, erhalte ich die Auskunft, dass seine Ehefrau nach Fort Myers gekrust ist, um einen neuen DeLonghi Kaffeevollautomaten zu kaufen – das wird teuer.
12.00 Uhr Pünktlich zum Mittagsläuten kehre ich in die gutbesuchte “Philly Pretzel Factory” (löblich: Philadelphia Brezen Fabrik) ein und nehme mit drei “Pretzel Dogs” Vorlieb. Dazu gibt es Kartoffelstäbe sowie eine durstlöschende Pfirsich Limonade – schmeckt gar nicht schlecht.
12.45 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, die Heimfahrt anzutreten und in der Villa eine kleine Pause einzulegen. Mit letzter Kraft schleppe ich mich zum Chevrolet und bringe das Fahrzeug sicher in den Willoughby Drive zurück. Ausserdem fröne ich dem neuen Rod Stewart Album und registriere, dass dem 73jährigen mit “Blood Red Rose” ein wahres Meisterwerk gelungen ist.


Mein Zuhause unter Palmen

13.30 Uhr Zurück im kultivierten Zuhause, schlüpfe ich aus den Schuhen und bette mich im klimatisierten Wohnzimmer zur Ruhe. Bereits nach wenigen Augenblicken döse ich ein und träume von meiner spannenden Wanderschaft entlang des Appalachian Trails – das waren noch bessere Zeiten.
14.30 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und setze mich an den Schreibtisch, um mit der Anschnurseelsorge zu beginnen. Während Rod Stewart das schöne Lied “Who Designed the Snowflake” (löblich: Wer erschuf die Schneeflocke) trällert, warne ich besorgte Erziehungsberechtigte vor gefährlichen Handtelefonen und stelle klar, dass besagte Schnurlosgeräte krank machen können – wie furchtbar.
15.15 Uhr Zu guter Letzt schalte ich die neuen Einträge im Gästebuch frei und vergesse auch nicht, den Warenbestand im beliebten Andenkenladen zu überprüfen. Da die T-Hemden mit meinem Konterfei vergriffen sind, verfasse ich sogleich einen elektronischen Brief an meinen indonesischen Grosshändler Bambang und gebe eine Grossbestellung auf – das macht Spass.
16.00 Uhr Nach der Arbeit genehmige ich mir im Garten ein kühles Bier und tratsche angeregt mit Herrn Booth. Natürlich erzähle ich meinem Nachbarn von Frau Pontecorvos Ausflug nach Jacksonville und gebe zu Protokoll, dass die Dame erst in der kommenden Woche zurück kommen wird.


Ich beisse kraftvoll zu

17.00 Uhr Nach einer Stunde kehre ich ins Haus zurück und kümmere mich um ein gesundes Abendessen. Unter den fordernden Blicken meines Haustieres, schwenke ich Butterschmalz in einer Pfanne und brate ein Minutenschnitzel an. Dazu gibt es Bohnen sowie im Ofen aufgebackene Kartoffelstäbe – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nach dem Essen lege ich im Wohnzimmer die Beine hoch und folge den Nachrichten auf FOX. Weil keine brechenden Neuigkeiten (unlöblich: Breaking News) vorliegen, schalte ich auf AMC um, wo gerade der Krimi “Dirty Harry” anläuft. Um endlich zur Ruhe zu kommen, lehne ich mich bierschlürfend zurück und tauche in das Leben eines Polizisten ein, der in San Franzisko nach einem gefährlichen Massenmörder fahndet – wie aufregend.
21.00 Uhr Ein nervenaufreibender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu und ich begleite Dixon noch einmal in den Garten. Nachdem der Rüde sein Beinchen gehoben hat, lösche ich sämtliche Lichter und lege mich schlafen. Gute Nacht.