9. Februar 2018 – Hexenschuss

9. Februar 2018
08.00 Uhr Als ich voller Tatendrang aus dem Bett hüpfe, fährt mir plötzlich ein Hexenschuss ins Kreuz. Ich fluche laut und ziehe es vor, mich nörgelnd ins Wohnzimmer zu schleppen – wie schrecklich.
08.30 Uhr Weil er Schmerz auch nach dreissig Minuten nicht nachlässt, nehme ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) zur Hand und rufe kurzerhand bei Frau Pontecorvo an. Die Perle von nebenan macht sich grosse Sorgen und verspricht, in wenigen Minuten vorbeizukommen und ein Pain Relief Ointment (löblich: Schmerzsalbe) mitzubringen. Ich atme tief durch und entgegne, dass es wohl schlauer wäre, die Rettungsnotstelle anzurufen.


Meine praktische Schwarzbeere

08.45 Uhr Wenig später stösst meine Nachbarin die Terrassentüre auf und fuchtelt mit einer Tube vor meiner Nase herum. Die kleine Frau kommt aus dem Plappern nicht mehr heraus und verdeutlicht, dass sie seit vielen Jahren auf dieses Produkt aus dem Hause “ICY HOT” schwört. Bevor ich antworten kann, zerrt Frau Pontecorvo an meinem T-Hemd und meint, dass ich mich auf dem Bauch legen und mich entspannen sollte – jaja.
09.15 Uhr Nachdem die Dame das Gel auf meinem Rücken verteilt hat, setze ich mich auf und bemerke, dass der Schmerz etwas nachgelassen hat. Mein Gegenüber nickt eifrig und belehrt, dass die Salbe mit Cayennepfeffer versetzt ist und sogar von anerkannten Orthopäden empfohlen wird. Weil ich mich schonen sollte, deute ich in Richtung Küche und lasse Frau Pontecorvo wissen, dass ich nun ein Frühstück vertragen könnte. Mein Hausgast reibt sich die Hände und zögert nicht, nach nebenan zu gehen, um mit den Töpfen zu klappern.
10.30 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf halb 11 zugeht, begebe ich mich in die Küche und nehme mit schmerzverzerrtem Gesicht am Tresen Platz. Frau Pontecorvo serviert lächelnd eine stattliche Portion Rühreier mit Speck und setzt mir ausserdem einen grossen Becher Kaffee vor. Darüber hinaus erkundigt sich die Dame nach meinem Wohlbefinden und ist sich sicher, dass die Schmerzen spätestens zur Mittagszeit verflogen sein werden. Ich gebe mich jedoch skeptisch und merke an, dass ich heute nicht aus dem Haus gehen werde. Meine Bekannte schüttelt prompt den Kopf und legt mir nahe, einen Spaziergang mit dem Vierbeiner zu unternehmen und meine Glieder zu lockern – was muss ich denn noch alles ertragen.


Ein Spaziergang mit Hund Dixon kann nicht schaden

11.15 Uhr Nach der reichhaltigen Mahlzeit späht Frau Pontecorvo auf ihre Armbanduhr und setzt mich darüber in Kenntnis, dass sie jetzt in die Stadt krusen und eine Freundin zum Mittagessen treffen wird. Ich seufze laut und stelle klar, dass ich ihren Ratschlag in die Tat umsetzen und mit Dixon an die frische Luft gehen werde. Obgleich mein Rücken noch immer weh tut, nehme ich die Leine zur Hand und breche zu einem entspannten Spaziergang zur benachbarten Golfanlage auf. Während der Rüde eifrig schnüffelt und einen Postboten anbellt, rufe ich bei Prof. Kuhn an und lasse ihn wissen, dass ich mit schrecklichen Rückenschmerzen geplagt bin. Edelbert fällt mir augenblicklich ins Wort und rät, ein Krankenhaus anzusteuern und den Rat eines angesehenen Facharztes einzuholen – papperlapapp.
12.15 Uhr Sechzig Minuten später stehe ich vor dem Haupteingang des “La Playa” Golfplatzes und ringe mich dazu durch, dem Vereinsheim einen Besuch abzustatten. Mit knurrendem Magen finde ich mich in der Gaststätte ein und gönne mir trotz meiner angespannten Finanzlage ein vitaminreiches Porterhouse Steak mit Saisongemüse und Folienkartoffeln. Dazu gibt es ein perfekt eingeschenktes Miller Light (löblich: Müller Leicht) sowie etwas Schinken für Hund Dixon – schmeckt gar nicht schlecht.
13.00 Uhr Während ich kraftvoll zubeisse und meine Kehle öle, spähe ich auf das satte Grün der Golfanlage und werde Zeuge, wie hochnäsige Schnösel Bälle über den Parcour schlagen – gleich platzt mir der Kragen.
13.45 Uhr Nachdem ich die Zeche bezahlt habe, mache ich mich mit einem lustigen Lied auf den Lippen auf den Heimweg. Nebenher stelle ich wohlwollend fest, dass die Rückenschmerzen mittlerweile fast gänzlich verflogen sind. Ich gebe mich erleichtert und lasse es mir nicht nehmen, während der Wanderung mit Dixon zu spielen.


Mein Zuhause unter Palmen

14.30 Uhr Zuhause angekommen, steige ich aus den Kuhjungenstiefeln und gebe dem Rüden zu verstehen, dass es angebracht wäre, während des Nachmittags etwas Ruhe einzuhalten. Dixon kommt dem Aufruf anstandslos nach und macht es sich auf dem Kanapee bequem. Ich folge diesem Beispiel und schliesse die Augen – das tut gut.
15.30 Uhr Ich erwache ausgeruht und setze mich an den Schreibtisch, um die Anschnurarbeit zu erledigen. Selbstverständig beantworte ich auch heute Fragen besorgter Heimseitenbesucher und rate, die jugendlichen Rabauken in ihre Schranken zu weisen – alles darf man sich auch nicht bieten lassen.
16.30 Uhr Nach der harten Arbeit mache ich mich in der Küche nützlich und schwenke lustige Bratnudeln in einer Pfanne. Ausserdem koche ich eine feine Pilzsauce auf und zaubere dazu einen farbenfrohen Beilagensalat mit Oliven und perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen – wie aufregend.
17.45 Uhr Mit vollem Magen nehme ich die Geschirrspülmaschine in Betrieb und gehe dann zum gemütlichen Teil des Tages über. Da ich stets über alles informiert sein muss, folge ich den FOX Nachrichten und mache mich über die aktuellen Neuigkeiten in der Welt schlau.

19.00 Uhr Um keine schlechte Laune aufkommen zu lassen, wechsle ich zur Hauptfernsehzeit auf den Film- und Serienkanal HBO, wo gerade der amerikanische Spielfilm “The Founder” (löblich: Der Gründer) anläuft. Ich lehne mich bourbontrinkend zurück und fröne gespannt der Lebensgeschichte des Vertreters Ray Kroc, der in den frühen 1950er Jahren Miteigentümer der McDonalds Restaurantkette wurde und das Unternehmen innerhalb von nur wenigen Jahren zu einer Weltmarke aufbaute – das ist ja kaum zu glauben.
21.00 Uhr Nach zwei kurzweiligen Stunden flimmert der Abspann über die Mattscheibe. Ich betätige beeindruckt den OFF (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung und lösche sämtliche Lichter. Zu guter Letzt streichle ich Dixon über den Kopf und falle gähnend ins Bett. Gute Nacht.

5. Dezember 2017 – Mandelentzündung

08.00 Uhr Ich werde durch aggressives Telefonschellen aus einem schönen Traum gerissen. Zu allem Überfluss meldet sich mein Bruder im Rohr und erkundigt sich nach der Adresse meines Hausarztes. Ich zucke mit den Schultern und entgegne, dass ich fit wie ein Turnschuh bin und keinen Doktor benötige. Georg nölt in einer Tour und verdeutlicht, dass sich Maria während des gestrigen Schwimmbadbesuchs erkältet hat und ständig husten muss. Ich lache laut und rate, eine Apotheke anzusteuern und dort einen Hustensaft einzukaufen.


Meine Hausapotheke

08.30 Uhr Nach der Morgengymnastik verabschiede ich mich ins Bad und lasse die Seele bei einem Wirbelbad baumeln. Darüber hinaus rufe ich noch einmal im Ferienhaus an und ermutige Georg, eine Kanne Tee aufzubrühen. Mein Bruder gibt sich jedoch deprimiert und meint, dass seine Ehefrau seit einigen Jahren an Asthma leidet und unbedingt einen Facharzt aufsuchen sollte. Ich nicke zustimmend und merke unter diesen Umständen an, dass es angebracht wäre, das “NCH Hospital” an der Immokalee Road zu besuchen. Ferner schlage ich vor, dass wir uns gegen 11 Uhr am Klinikeingang treffen könnten – mir bleibt wirklich gar nichts erspart.
09.30 Uhr Nachdem ich mich in legere Freizeitkleidung gezwängt habe, lasse ich mir lustige Kelloggs Zerealien mit frischer Muh schmecken. Ausserdem erkläre ich Dixon, dass er den Vormittag bei Frau Pontecorvo verbringen muss – immerhin wird es mir nicht möglich sein, den Rüden ins Krankenhaus mitzunehmen.
10.00 Uhr Bevor ich mich auf den Weg mache, statte ich meiner Nachbarin einen Besuch ab und bitte sie, ein Auge auf den Vierbeiner zu werfen. Zudem berichte ich von Marias Leiden und stelle klar, dass mit Asthma nicht zu spassen ist. Frau Pontecorvo schlägt in die gleiche Kerbe und verspricht, während meiner Abwesenheit das Haustier zu hüten – wie beruhigend.


Dixon darf nicht ins Krankenhaus

11.00 Uhr Wenig später komme ich mit quietschenden Bremsen auf dem Krankenhausparkplatz zum halten und freue mich, meine Verwandten an der Klinikrezeption anzutreffen. Meine käsebleiche Schwägerin hustet ohne Unterlass und setzt mich darüber in Kenntnis, dass sie Halsschmerzen hat und kaum Luft bekommt. Ich schlage die Hände über dem Kopf zusammen und frage die Rezeptionistin, wo wir einen erfahrenen Arzt finden werden. Die Negerin fackelt nicht lange und informiert, dass die Otorhinolaryngology (löblich: Hals-Nasen und Ohren Abteilung) im zweiten Obergeschoss beheimatet ist. Ruckzuck eilen wir zum Aufzug und nehmen uns das Recht heraus, einen trödelnden Patienten am Krückstock zur Seite zu schieben und in den zweiten Stock hochzufahren.
12.00 Uhr Nach kurzem Warten wird Maria endlich ins Behandlungszimmer gebeten. Wir vertreiben uns unterdessen die Zeit im Wartezimmer und tratschen angeregt über Dies und Das. Unter anderem komme Georg auf das Weihnachtsfest zu sprechen und verdeutlicht, dass die Kinder am 20. Dezember in Naples eintreffen werden. Ich reibe mir die Hände und kann es kaum noch erwarten, am heiligen Abend Eierpunsch zu schlürfen, Stollen zu fressen und kostspielige Geschenke in Empfang zu nehmen – das wird eine Gaudi.


Bald kommt das Christkind – wie aufregend

13.00 Uhr Sechzig Minuten später stösst Maria wieder zu uns und unterbreitet, dass sie sich eine Mandelentzündung eingefangen hat und das Bett hüten muss. Ferner präsentiert die Dame etliche Medikamente und kündigt an, dass sie schnellstmöglich nach Hause fahren möchte.
13.30 Uhr Nachdem ich meiner Schwägerin gute Besserung gewünscht habe, schwinge ich mich hinters Lenkrad des Chevrolets und schicke mich an, die zwei Meilen entfernte “New York Pizza & Pasta” Gaststätte anzusteuern. Nebenbei fröne ich dem Qualitätsradioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und habe das Vergnügen, ein neues Lied aus Tim McGraws Feder zu hören – was kann es schöneres geben.
14.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 2 zugeht, nehme ich an einem Fenstertisch platz und wähle neben einem Eistee, ausserdem eine stattliche Portion Macaroni mit Käse. Die freundliche Bedienung flitzt zuvorkommend in die Küche und serviert die Jause bereits nach wenigen Augenblicken – wie schön.
14.45 Uhr Völlig entnervt parke ich den PS-strotzenden SUV in der Doppelgarage und mache es mir zur Aufgabe, Hund Dixon im Nachbarhaus abzuholen. Frau Pontecorvo lockt mich jedoch in ihr gemütliches Zuhause und sagt, dass sie just vor wenigen Minuten einen Kuchen gebacken hat. Natürlich nehme ich die Einladung an und spüle meinen ausgetrockneten Hals mit brühfrischem Bohnentrunk durch. Dazu verzehre ich zwei Stück Streuselkuchen mit Schlagobers und komme prompt zu dem Schluss, dass das Backwerk vorzüglich mundet. Meine Gastgeberin ist begeistert und sagt, dass sie Morgen ihren künstlichen Christbaum in der guten Stube aufstellen und mit blinkenden Lichtern schmücken wird – das soll mir auch Recht sein.


Mein Zuhause unter Palmen

15.45 Uhr Schlussendlich stosse ich die Haustüre zur kleinen Villa auf und schleppe mich mit letzter Kraft zum Kanapee. Dixon flitzt unterdessen in den Garten und spielt ausgelassen mit seinem Tennisball – das macht Spass.
16.45 Uhr Um die Nachtmittagsstunden sinnvoll zu gestalten, beende ich das Päuschen und begebe mich fingerschnippend in die Küche. Voller Elan richte ich mir eine kalte Wurstplatte an und ringe mich dazu durch, etliche Paprikastreifen mit etwas Olivenöl in der Pfanne anzubraten und mir ein schmackhaftes Sandwich (löblich: Wurstbrot) zuzubereiten – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nach dem Nachtmahl lasse ich den Tag im Wohnzimmer ausklingen. Wie es sich gehört, schaue ich mir die Nachrichten an und fröne danach einer aufschlussreichen Call-In (löblich: Ruf Herein) Sendung auf FOX.

19.00 Uhr Um auf andere Gedanken zu kommen, schalte ich zeitnah auf HBO um und gebe mich der oscarprämierten Dokumentation “Citizenfour” hin, die sich mit dem Spion Edward Snowden und der amerikanischen Überwachungs- und Spionageaffäre beschäftigt. Ich staune Bauklötze und lerne, dass fast alle Handtelefone auf dem amerikanischen Kontinent von der Regierung überwacht werden – das ist ja allerhand.
21.00 Uhr Zu guter Letzt betätige ich den “OFF” (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung und reguliere die Klimaanlage. Im Anschluss ziehe ich mich gähnend ins Schlafzimmer zurück und döse schnell ein. Gute Nacht.

18. und 19. November 2017 – Sandra hütet das Bett

Hallo Leute,

seit Dienstag bin ich krank und muss das Bett hüten.
Ich fühle mich hundeelend und kann kaum etwas essen. Ausserdem läuft meine Nase unentwegt. Nur gut, dass ich von Bärbel umsorgt werde und ständig heissen Tee ans Bett geliefert bekomme 🙂


Ich trinke viel Tee

Seit Dienstag läuft mein BluRay Player auf Hochtouren. Ich habe mittlerweile einen ganzen Stapel Filme geguckt und mir die siebte Staffel der Horrorserie “The Walking Dead” reingezogen. Natürlich musste ich mir auf NETFLIX auch die zweite Season von “Stranger Things” anschauen. Es war ein Vergnügen, wieder in die fiktive Kleinstadt Hawkins in Indiana zurückzukehren und Mike, Dustin und Lucas zu treffen.

In der ersten Staffel machten sich die drei besten Freunde auf, den verschwundenen Will Byers zu suchen und dem Geheimnis eines wissenschaftlichen Forschungsinstituts auf die Schliche zu kommen. Die zweite Staffel beginnt exakt ein Jahr nach den dramatischen Ereignissen des Jahres 1983 und entführt den Zuschauer erneut in eine düstere Parallelwelt …

Jetzt werde ich mich aber aufrappeln, mich bei einem heissen Vollbad entspannen und anschliessend mit Reinhard skypen ^^

Ich wünsche euch ein tolles und abwechslungsreiches Wochenende.
Eure Sandra

10. Juli 2017 – Parasitenbefall

08.00 Uhr Die 28. Woche des Jahres beginnt und ich reibe mir den Schlaf aus den Augen. Obgleich meine Verwandten angekündigt haben, in zwei Tagen nach Kanada auszufliegen, lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und absolviere auf der Terrasse den Frühsport – was kann es schöneres geben.
08.30 Uhr Nachdem ich den Rasensprenkler in Betrieb gesetzt habe, renne ich schwitzend ins Haus zurück. Wie es sich gehört, ziehe ich mich spornstreichs ins Bad zurück und lasse die Seele bei einem Wirbelbad baumeln. Nebenher rufe ich bei meinen Liebsten an und vernehme, dass Georg und Maria von Miami aus zurück in die Heimat fliegen werden. Mein Bruder ist begeistert und kündigt an, dass er seinen Aufenthalt mit einem opulenten Mittagessen ausklingen lassen möchte. Zudem erfahre ich, dass ich genötigt sein werde, die beiden nach der Mahlzeit im besten Restaurant in der Stadt an die Ostküste zu kutschieren – das kann ja heiter werden.


Hilfe, eine Zecke

09.30 Uhr Kopfschüttelnd steige ich aus der Wanne und greife zum Handtuch. Als ich mich trocken reibe, stelle ich mit grosser Sorge fest, dass sich eine Zecke an meiner rechten Wade festgebissen hat. Ich schreie entsetzt und flitze badebemäntelt zum Nachbaranwesen, um Frau Pontecorvo über den Parasitenbefall in Kenntnis zu setzen. Die Alte macht grosse Augen und legt mir nahe, schnellstmöglich zum 2 Meilen entfernten “North Naples Hospital” zu fahren. Ich nicke zustimmend und mache schnell kehrt, um mich in Schale zu werfen.
10.00 Uhr Wenig später scheuche ich den Vierbeiner zum Nachbarhaus und bitte Frau Pontecorvo, während meiner Abwesenheit auf Dixon aufzupassen. Im Anschluss hüpfe ich nörgelnd in den Chevrolet und schicke mich an, das Krankenhaus an der Immokalee Road anzusteuern. Nebenher zücke ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und lasse es mir nicht nehmen, meinem Bruder klarzumachen, dass ich womöglich mehrere Wochen in der Klinik bleiben muss. Georg kommt aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und sichert zu, dass er sich gleich auf den Weg machen und mir in diesen schweren Stunden beistehen wird – wie schön.
10.30 Uhr Nachdem ich das Auto vorschriftsmässig geparkt habe, laufe ich mit schnellen Schritten ins Gebäude und erkläre einer gelangweilt dreinblickenden Empfangsdame, dass mich eine Zecke gezwickt hat. Die behäbige Negerin nippt an ihrer Kaffeetasse und meint, dass ich die Dermatologie im zweiten Stock aufsuchen sollte.
11.00 Uhr Dreissig Minuten später finde ich mich in einem Behandlungsraum wieder und sehe mich mit einem Jungspund konfrontiert, der sich mir als Dr. Belmont vorstellt. Der 33jährige Rotschopf nimmt mein Bein ganz genau in Augenschein und kommt zu dem Schluss, dass ich von einer sogenannten “Gulf Coast Tick” (löblich: Golfküsten Zecke) befallen wurde. Als ich entnervt mit den Augen rolle und mich im Leichenschauhaus liegen sehe, beruhigt mich Dr. Belmont redlichst und zögert nicht, den Parasiten zu entfernen. Bei dieser Gelegenheit lerne ich, dass diese Zeckenart nur sehr selten Krankheiten überträgt. Um auf Nummer sicher zu gehen, präsentiert der Facharzt eine Spritze und impft mich gegen Encephalitis (auf deutsch: Meningoenzephalitis).
12.00 Uhr Kurze Zeit später kann ich die Praxis verlassen und freue mich, im Gang Georg anzutreffen. Mein Bruder klopft mir aufmunternd auf die Schulter und will wissen, ob wir nun ein Bestattungsunternehmen ansteuern sollten. Ich winke demonstrativ ab und entgegne, dass ich dem Sensenmann gerade noch von der Schippe gesprungen bin.


Ich gebe ein Vermögen aus

12.45 Uhr Schlussendlich finde ich mich wieder bei der schwarzen Dame am Empfang ein und bringe heraus, dass die Behandlung 270 Dollars kosten soll. Weil ich kein Bargeld zur Hand habe, überreiche ich der Frau meine praktische Meisterkarte und bitte sie, den Rechnungsbetrag von meinem Konto abzubuchen – wie unlöblich.
13.30 Uhr Zurück am Auto, tippe ich auf meine goldene Armbanduhr und gebe bekannt, dass mein Magen nun eine warme Mahlzeit vertragen könnte. Georg schlägt in die gleiche Kerbe und meint, dass wir die “New York Pizza & Pasta” Gaststätte ansteuern könnten – das ist eine phantastische Idee.
14.15 Uhr Während wir süffiges Leichtbier schlürfen und hausgemachte Nudeln mit Fleischbällchen verzehren, lasse ich den Krankenhausaufenthalt in allen Einzelheiten Revue passieren. Unter anderem berichte ich, dass Dr. Belmont davon ausgeht, dass die Zecke keine Krankheiten übertragen hat. Ich gebe mich erleichtert und mutmasse, dass mich der Parasit womöglich bei einem Spaziergang befallen hat – wie furchtbar.


Mein Zuhause unter Palmen

15.00 Uhr Endlich bin ich wieder zu Hause und werden von Hund Dixon auf und ab hüpfend begrüsst. Ich lasse mich auf Frau Pontecorvos Terrasse nieder und fordere die Dame des Hauses auf, mir ein Gläschen Schaumwein einzuschenken. Ausserdem verrate ich, dass ich auf Anraten des Arztes während der kommenden Tage etwas kürzer treten muss. Frau Pontecorvo zeigt Verständnis und verspricht, mir im Haushalt zur Hand zu gehen.
15.45 Uhr Da ich nicht mehr der Jüngste bin, verabschiede ich mich händeschüttelnd und kehre mit dem Rüden im Schlepptau in die kleine Villa zurück. Völlig erschöpft falle ich aufs Kanapee und döse prompt ein.
16.45 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 5 zugeht, bimmelt das Telefon besonders laut. Zu allem Überfluss meldet sich der Professor und erkundigt sich nach meinen Tagesaktivitäten. Natürlich klage ich dem schlauen Mann mein Leid und vertelle, dass man heutzutage nicht einmal mehr beim entspannten Gassigang sicher ist. Edelbert nickt eifrig und sagt, dass er morgen zum Frühstück vorbeikommen wird.


Ich lasse mir eine vitaminreiche Pizza schmecken

18.00 Uhr Nachdem ich eine im Ofen aufgebackene Pizza verzehrt habe, gehe ich zum gemütlichen Teil des langen Tages über und informiere mich bei den Nachrichten über die aktuellen Geschehnisse in der Welt.
19.00 Uhr Um auf andere Gedanken zu kommen, wechsle ich zeitnah auf den Bezahlkanal AMC und gebe mich dem zwielichtigen britischen Gruselfilm “Don’t Knock Twice” hin, der vom Kampf eines jungen Mädchens gegen eine böse Hexe erzählt. HEUREKA – diesen Unsinn muss man gesehen haben.
20.30 Uhr Eineinhalb Stunden später betätige ich vogelzeigend den “OFF” (löblich: AUS) Knopf auf der neumodernen Fernbedienung und entschliesse mich, eine kühle Hopfenkaltschale auf der Terrasse zu trinken. Danach verschliesse ich die Türe sicher und lege mich ins Bett. Gute Nacht.

9. Oktober 2016 – Bruce Springsteens Autobiografie

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Hallo Fans,

wenn man krank ist, kann man natürlich nicht nur Fernsehschauen. Ab und zu macht Lesen auch grossen Spass.

Am vergangenen Wochenende habe ich den neuen Stephen King Roman “Mind Control” ausgelesen. Der knapp 600 Seiten starke Schmöker erzählte aus dem Leben des Ex-Detective Bill Hodges, der abermals gegen Brady Hartsfield – der Killer aus dem Romanerfolg “Mr. Mercedes” – kämpfen musste.


Vom Aussenseiter zum Boss

Nach dem ganzen Fantasy-Gedöns wende ich mich nun zwei spannenden Büchern zu, die sich mit Bruce Springsteen beschäftigen. Zum einen habe ich mir auf Amazon den Roman “Vom Aussenseiter zum Boss – Als Bruce Springsteen sich seine Songs zurückholte” und die Springsteen Autobiografie “Born to Run” heruntergeladen.

“Vom Aussenseiter zum Boss” stammt aus der Feder des österreichischen Journalisten Philipp Hackner-Walton. Der 33jährige beschäftigt sich in seinem Erstlingswerk über Springsteens Suche nach Orientierung in der Musikwelt. Ausserdem wird sein monatelanger Streit mit seinem damaligen Manager Mike Appel thematisiert …


Born to Run

“Born to Run” wurde von Bruce Springsteen höchstpersönlich verfasst. Der “Boss” lässt auf knapp 600 Seiten seine lange und spannende Karriere Revue passieren und berichtet ausführlich von seiner Kindheit in New Jersey. Gleichzeitig zur Buchveröffentlichung ist auch das 18 Songs umfassende Best-Of-Album “Chapter and Verse” erschienen. Die Scheibe enthält neben vielen Hits auch drei bisher unveröffentlichte Tracks aus den späten 1960er und frühen 1970er Jahren 🙂

Übrigens hat der “Boss” für das kommende Jahr ein neues Studioalbum angekündigt. Ich bin schon sehr gespannt und kann es kaum noch erwarten, neues Material von meinem Lieblingsmusiker zu hören.

Okay, jetzt werde ich mein Kindle Lesegerät einschalten und etwas schmökern. Ich wünsche euch allen einen tollen Sonntag.

Eure Sandra