22. März 2018 – Ein Kratzen in der Kehle

08.00 Uhr Ich öffne die Augen und verspüre ein Kratzen in meiner Kehle. Da auch meine Stirn ganz heiss ist, komme ich schnell zu dem Ergebnis, dass ich krank bin und heute unmöglich aufstehen kann – wie schrecklich.
08.30 Uhr Weil weder die Verwandten, noch Edelbert auf meine Hilferufe reagieren, rolle ich mich schlussendlich doch aus dem Bett und schleppe mich badebemäntelt ins Parterre. Zu allem Überfluss haben Georg und Maria bereits am Esstisch Platz genommen und lassen mich wissen, dass Edelbert mit Hund Dixon zur “Centerpoint Mall” spaziert ist. Ich winke missmutig ab und entgegne, dass ich Halsschmerzen habe und Pflege benötige. Bevor die lieben Leute etwas erwidern können, mache ich kehrt und lasse mich stöhnend auf dem Wohnzimmersofa nieder.


Hund Dixon spaziert zur Centerpoint Mall

09.00 Uhr Wenig später serviert meine Schwägerin eine Tasse Salbeitee und sagt, dass es schlauer wäre, wieder ins Bett zu gehen. Ich schüttle entschieden den Kopf und greife zur Fernbedienung, um das Qualitätsprogramm von “Nickeloden” auszuwählen. Ferner werfe ich mir eine Decke über und bitte Maria, mir ein Honigbrot zu bringen – immerhin kann ich mich nicht um alles kümmern.
09.30 Uhr Dreissig Minuten später kommt der Professor von seinem Ausflug zurück und erkundigt sich, ob ich gestern zu viel getrunken habe. Natürlich werfe ich dem schlauen Mann skeptische Blicke zu und stelle klar, dass ich am Abend lediglich sechs Bier getrunken habe. Ausserdem greife ich mir an den Hals und weise Edelbert auf die Tatsache hin, dass ich schreckliche Halsschmerzen habe. Mein Bekannter zuckt mit den Schultern und leistet Georg und Maria bei der wichtigsten Mahlzeit des Tages Gesellschaft – wie unlöblich


Die Schwarzbeere schellt

10.00 Uhr Just als der Vorspann zur beliebten Zeichentricksendung “Spongebob” (auf deutsch: Schwammkopf) über die Mattscheibe flimmert, bimmelt die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) besonders laut. Zu allem Überfluss meldet sich Frau Pontecorvo in der Leitung und erkundigt sich nach unserer Flugnummer und der genauen Ankunftszeit am Freitag. Ich versorge die Perle mit den gewünschten Fakten und verrate, dass ich heilfroh bin, morgen endlich wieder in wärmeren Gefilden zu sein.
10.45 Uhr Weil ich nicht den ganzen Tag auf der faulen Haut liegen kann, rolle ich mich vom Kanapee und ziehe es vor, im Gästebadezimmer zu verschwinden und ein heisses Vollbad mit Schaum zu geniessen. Da gutes Aussehen in der heutigen Zeit sehr wichtig ist, rasiere ich mir auch die Bartstoppeln ab und wasche mir die Haare mit einem Pflegeprodukt aus dem Hause “Schwarzkopf” – wie gut das duftet.
11.45 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten werde ich erneut im Parterre vorstellig und bringe heraus, dass Georg und Edelbert ausgeflogen sind, um den Nachmittag im “BATA Shoe Museum” (löblich: BATA Schuhmuseum) zu verbringen. Ich seufze laut und freue mich, als mir Maria eine Tasse Tee sowie Halspastillen überreicht.
12.30 Uhr Während ich das Heissgetränk im Wohnzimmer schürfe, löchert mich meine Schwägerin mit Fragen und möchte wissen, wann wir morgen am Flughafen sein müssen. Ich spähe spornstreichs auf meine ROLEX und gebe zu Protokoll, dass wir mit WestJet nach Fort Myers ausfliegen werden und gegen 14 Uhr zum Pearson Airport krusen sollten. Maria ist begeistert und sagt, dass wir vorher in ein Restaurant einkehren könnten – wie aufregend.


Bald bin ich wieder in Florida

13.15 Uhr Alsbald bimmelt es an der Pforte und Maria begrüsst die Haushälterin überschwänglich. Frau Grace kommt aus dem Plappern gar nicht mehr heraus und berichtet, dass sie gerade im Feinkostladen war und Lebensmittel für 300 Dollars eingekauft hat. Missmutig streichle ich Dixon über den Kopf und informiere, dass ich von schwedischem Lachs, Wachteleier, französischem Käse und Kaviar nur träumen kann – wie schade.
14.00 Uhr Als Frau Grace mit dem Staubwedel durchs Haus flitzt, schlüpfe ich in meine Winterjacke und breche trotz der Halsschmerzen zu einem Gassigang durch den verschneiten Stadtteil York auf. Während ich der Steeles Avenue gen Westen folge und Dixon ein Stöckchen zuwerfe, passiere ich plötzlich ein Fachgeschäft für koreanische Lebensmittel. Da ich an ausländischem Essen sehr interessiert bin, betrete ich den Laden und nehme die feilgebotenen Waren ganz genau in Augenschein. Darüber hinaus komme ich mit dem Inhaber ins Gespräch und lerne, dass in Toronto sehr viele Koreaner leben. Herr Xi redet ohne Unterlass auf mich ein und erzählt ausserdem, dass sein Bruder eine Fleischerei am anderen Ende der Stadt betreibt – das soll mir auch Recht sein.
15.00 Uhr Nach einer Stunde treffe ich wieder zu Hause ein und bemerke, dass Georg und Edelbert auch schon zurück sind. Ich leiste den lieben Menschen an der Kaffeetafel Gesellschaft und gebe vor, dass die Halsschmerzen langsam abklingen. Maria gibt sich erleichtert und kündigt an, dass uns die Kinder Morgen zum Abschiedsessen begleiten werden – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.


Der Käsekuchen schmeckt prima

16.00 Uhr Nachdem ich zwei Stück Käsekuchen gegessen und fünf Tassen Kaffee getrunken habe, falle ich erschöpft aufs Kanapee und schliesse die Augen. Bereits nach wenigen Augenblicken schlummere ich ein und träume von meiner bescheidenen Villa im sonnigen Naples – da kommt besonders grosse Freude auf.
17.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und werde beim Blick zur Küche Zeuge, wie Maria tiefe Teller auf dem Esstisch bereitstellt. Weil ich über alles informiert sein muss, erkundige ich mich, welche Köstlichkeiten am Abend auf der Tafel landen werden. Meine Schwägerin schenkt mir ein Lächeln und unterbreitet, dass ich mich über einen Gemüseeintopf mit Fleischeinlage freuen darf – das hört sich verlockend an.
17.30 Uhr Während ich das Abendessen in vollen Zügen geniesse, frage ich den Professor bezüglich des Museumsbesuch aus und vernehme, dass das “BATA Shoe Museum” im vergangenen Jahr aufwendig renoviert wurde und mit weiteren Exponaten aufgewertet wurde. Unter anderem kommt der schlaue Mann auf Elvis Presley zu sprechen und sagt, dass die Besucher nun auch die Möglichkeit haben, die Hausschuhe des “Kings” (löblich: Königs) aus nächster Nähe zu sehen – wie aufregend.


Die Anderen schlürfen Rotwein

18.30 Uhr Zu guter Letzt beschliessen wir den Tag vor der Glotze. Während die Anderen Rotwein trinke, nehme ich mit einem Tee Vorlieb und fröne den Abendnachrichten. Zeitnah schalten wir jedoch auf einen Sportkanal um und ich komme in den Genuss, das Eishockeyspiel zwischen den “Toronto Maple Leafs” und den “Nashville Predators” zu verfolgen – wie langweilig
21.00 Uhr Nach dem ersten Drittel wird es mir zu bunt und ich entschliesse mich, den Vierbeiner in den Garten hinauszulassen und eine Halspastille einzunehmen. Im Anschluss ziehe ich mich ins Gästezimmer zurück und falle fix und foxi ins Bett. Gute Nacht.

9. Februar 2018 – Hexenschuss

9. Februar 2018
08.00 Uhr Als ich voller Tatendrang aus dem Bett hüpfe, fährt mir plötzlich ein Hexenschuss ins Kreuz. Ich fluche laut und ziehe es vor, mich nörgelnd ins Wohnzimmer zu schleppen – wie schrecklich.
08.30 Uhr Weil er Schmerz auch nach dreissig Minuten nicht nachlässt, nehme ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) zur Hand und rufe kurzerhand bei Frau Pontecorvo an. Die Perle von nebenan macht sich grosse Sorgen und verspricht, in wenigen Minuten vorbeizukommen und ein Pain Relief Ointment (löblich: Schmerzsalbe) mitzubringen. Ich atme tief durch und entgegne, dass es wohl schlauer wäre, die Rettungsnotstelle anzurufen.


Meine praktische Schwarzbeere

08.45 Uhr Wenig später stösst meine Nachbarin die Terrassentüre auf und fuchtelt mit einer Tube vor meiner Nase herum. Die kleine Frau kommt aus dem Plappern nicht mehr heraus und verdeutlicht, dass sie seit vielen Jahren auf dieses Produkt aus dem Hause “ICY HOT” schwört. Bevor ich antworten kann, zerrt Frau Pontecorvo an meinem T-Hemd und meint, dass ich mich auf dem Bauch legen und mich entspannen sollte – jaja.
09.15 Uhr Nachdem die Dame das Gel auf meinem Rücken verteilt hat, setze ich mich auf und bemerke, dass der Schmerz etwas nachgelassen hat. Mein Gegenüber nickt eifrig und belehrt, dass die Salbe mit Cayennepfeffer versetzt ist und sogar von anerkannten Orthopäden empfohlen wird. Weil ich mich schonen sollte, deute ich in Richtung Küche und lasse Frau Pontecorvo wissen, dass ich nun ein Frühstück vertragen könnte. Mein Hausgast reibt sich die Hände und zögert nicht, nach nebenan zu gehen, um mit den Töpfen zu klappern.
10.30 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf halb 11 zugeht, begebe ich mich in die Küche und nehme mit schmerzverzerrtem Gesicht am Tresen Platz. Frau Pontecorvo serviert lächelnd eine stattliche Portion Rühreier mit Speck und setzt mir ausserdem einen grossen Becher Kaffee vor. Darüber hinaus erkundigt sich die Dame nach meinem Wohlbefinden und ist sich sicher, dass die Schmerzen spätestens zur Mittagszeit verflogen sein werden. Ich gebe mich jedoch skeptisch und merke an, dass ich heute nicht aus dem Haus gehen werde. Meine Bekannte schüttelt prompt den Kopf und legt mir nahe, einen Spaziergang mit dem Vierbeiner zu unternehmen und meine Glieder zu lockern – was muss ich denn noch alles ertragen.


Ein Spaziergang mit Hund Dixon kann nicht schaden

11.15 Uhr Nach der reichhaltigen Mahlzeit späht Frau Pontecorvo auf ihre Armbanduhr und setzt mich darüber in Kenntnis, dass sie jetzt in die Stadt krusen und eine Freundin zum Mittagessen treffen wird. Ich seufze laut und stelle klar, dass ich ihren Ratschlag in die Tat umsetzen und mit Dixon an die frische Luft gehen werde. Obgleich mein Rücken noch immer weh tut, nehme ich die Leine zur Hand und breche zu einem entspannten Spaziergang zur benachbarten Golfanlage auf. Während der Rüde eifrig schnüffelt und einen Postboten anbellt, rufe ich bei Prof. Kuhn an und lasse ihn wissen, dass ich mit schrecklichen Rückenschmerzen geplagt bin. Edelbert fällt mir augenblicklich ins Wort und rät, ein Krankenhaus anzusteuern und den Rat eines angesehenen Facharztes einzuholen – papperlapapp.
12.15 Uhr Sechzig Minuten später stehe ich vor dem Haupteingang des “La Playa” Golfplatzes und ringe mich dazu durch, dem Vereinsheim einen Besuch abzustatten. Mit knurrendem Magen finde ich mich in der Gaststätte ein und gönne mir trotz meiner angespannten Finanzlage ein vitaminreiches Porterhouse Steak mit Saisongemüse und Folienkartoffeln. Dazu gibt es ein perfekt eingeschenktes Miller Light (löblich: Müller Leicht) sowie etwas Schinken für Hund Dixon – schmeckt gar nicht schlecht.
13.00 Uhr Während ich kraftvoll zubeisse und meine Kehle öle, spähe ich auf das satte Grün der Golfanlage und werde Zeuge, wie hochnäsige Schnösel Bälle über den Parcour schlagen – gleich platzt mir der Kragen.
13.45 Uhr Nachdem ich die Zeche bezahlt habe, mache ich mich mit einem lustigen Lied auf den Lippen auf den Heimweg. Nebenher stelle ich wohlwollend fest, dass die Rückenschmerzen mittlerweile fast gänzlich verflogen sind. Ich gebe mich erleichtert und lasse es mir nicht nehmen, während der Wanderung mit Dixon zu spielen.


Mein Zuhause unter Palmen

14.30 Uhr Zuhause angekommen, steige ich aus den Kuhjungenstiefeln und gebe dem Rüden zu verstehen, dass es angebracht wäre, während des Nachmittags etwas Ruhe einzuhalten. Dixon kommt dem Aufruf anstandslos nach und macht es sich auf dem Kanapee bequem. Ich folge diesem Beispiel und schliesse die Augen – das tut gut.
15.30 Uhr Ich erwache ausgeruht und setze mich an den Schreibtisch, um die Anschnurarbeit zu erledigen. Selbstverständig beantworte ich auch heute Fragen besorgter Heimseitenbesucher und rate, die jugendlichen Rabauken in ihre Schranken zu weisen – alles darf man sich auch nicht bieten lassen.
16.30 Uhr Nach der harten Arbeit mache ich mich in der Küche nützlich und schwenke lustige Bratnudeln in einer Pfanne. Ausserdem koche ich eine feine Pilzsauce auf und zaubere dazu einen farbenfrohen Beilagensalat mit Oliven und perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen – wie aufregend.
17.45 Uhr Mit vollem Magen nehme ich die Geschirrspülmaschine in Betrieb und gehe dann zum gemütlichen Teil des Tages über. Da ich stets über alles informiert sein muss, folge ich den FOX Nachrichten und mache mich über die aktuellen Neuigkeiten in der Welt schlau.

19.00 Uhr Um keine schlechte Laune aufkommen zu lassen, wechsle ich zur Hauptfernsehzeit auf den Film- und Serienkanal HBO, wo gerade der amerikanische Spielfilm “The Founder” (löblich: Der Gründer) anläuft. Ich lehne mich bourbontrinkend zurück und fröne gespannt der Lebensgeschichte des Vertreters Ray Kroc, der in den frühen 1950er Jahren Miteigentümer der McDonalds Restaurantkette wurde und das Unternehmen innerhalb von nur wenigen Jahren zu einer Weltmarke aufbaute – das ist ja kaum zu glauben.
21.00 Uhr Nach zwei kurzweiligen Stunden flimmert der Abspann über die Mattscheibe. Ich betätige beeindruckt den OFF (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung und lösche sämtliche Lichter. Zu guter Letzt streichle ich Dixon über den Kopf und falle gähnend ins Bett. Gute Nacht.

5. Dezember 2017 – Mandelentzündung

08.00 Uhr Ich werde durch aggressives Telefonschellen aus einem schönen Traum gerissen. Zu allem Überfluss meldet sich mein Bruder im Rohr und erkundigt sich nach der Adresse meines Hausarztes. Ich zucke mit den Schultern und entgegne, dass ich fit wie ein Turnschuh bin und keinen Doktor benötige. Georg nölt in einer Tour und verdeutlicht, dass sich Maria während des gestrigen Schwimmbadbesuchs erkältet hat und ständig husten muss. Ich lache laut und rate, eine Apotheke anzusteuern und dort einen Hustensaft einzukaufen.


Meine Hausapotheke

08.30 Uhr Nach der Morgengymnastik verabschiede ich mich ins Bad und lasse die Seele bei einem Wirbelbad baumeln. Darüber hinaus rufe ich noch einmal im Ferienhaus an und ermutige Georg, eine Kanne Tee aufzubrühen. Mein Bruder gibt sich jedoch deprimiert und meint, dass seine Ehefrau seit einigen Jahren an Asthma leidet und unbedingt einen Facharzt aufsuchen sollte. Ich nicke zustimmend und merke unter diesen Umständen an, dass es angebracht wäre, das “NCH Hospital” an der Immokalee Road zu besuchen. Ferner schlage ich vor, dass wir uns gegen 11 Uhr am Klinikeingang treffen könnten – mir bleibt wirklich gar nichts erspart.
09.30 Uhr Nachdem ich mich in legere Freizeitkleidung gezwängt habe, lasse ich mir lustige Kelloggs Zerealien mit frischer Muh schmecken. Ausserdem erkläre ich Dixon, dass er den Vormittag bei Frau Pontecorvo verbringen muss – immerhin wird es mir nicht möglich sein, den Rüden ins Krankenhaus mitzunehmen.
10.00 Uhr Bevor ich mich auf den Weg mache, statte ich meiner Nachbarin einen Besuch ab und bitte sie, ein Auge auf den Vierbeiner zu werfen. Zudem berichte ich von Marias Leiden und stelle klar, dass mit Asthma nicht zu spassen ist. Frau Pontecorvo schlägt in die gleiche Kerbe und verspricht, während meiner Abwesenheit das Haustier zu hüten – wie beruhigend.


Dixon darf nicht ins Krankenhaus

11.00 Uhr Wenig später komme ich mit quietschenden Bremsen auf dem Krankenhausparkplatz zum halten und freue mich, meine Verwandten an der Klinikrezeption anzutreffen. Meine käsebleiche Schwägerin hustet ohne Unterlass und setzt mich darüber in Kenntnis, dass sie Halsschmerzen hat und kaum Luft bekommt. Ich schlage die Hände über dem Kopf zusammen und frage die Rezeptionistin, wo wir einen erfahrenen Arzt finden werden. Die Negerin fackelt nicht lange und informiert, dass die Otorhinolaryngology (löblich: Hals-Nasen und Ohren Abteilung) im zweiten Obergeschoss beheimatet ist. Ruckzuck eilen wir zum Aufzug und nehmen uns das Recht heraus, einen trödelnden Patienten am Krückstock zur Seite zu schieben und in den zweiten Stock hochzufahren.
12.00 Uhr Nach kurzem Warten wird Maria endlich ins Behandlungszimmer gebeten. Wir vertreiben uns unterdessen die Zeit im Wartezimmer und tratschen angeregt über Dies und Das. Unter anderem komme Georg auf das Weihnachtsfest zu sprechen und verdeutlicht, dass die Kinder am 20. Dezember in Naples eintreffen werden. Ich reibe mir die Hände und kann es kaum noch erwarten, am heiligen Abend Eierpunsch zu schlürfen, Stollen zu fressen und kostspielige Geschenke in Empfang zu nehmen – das wird eine Gaudi.


Bald kommt das Christkind – wie aufregend

13.00 Uhr Sechzig Minuten später stösst Maria wieder zu uns und unterbreitet, dass sie sich eine Mandelentzündung eingefangen hat und das Bett hüten muss. Ferner präsentiert die Dame etliche Medikamente und kündigt an, dass sie schnellstmöglich nach Hause fahren möchte.
13.30 Uhr Nachdem ich meiner Schwägerin gute Besserung gewünscht habe, schwinge ich mich hinters Lenkrad des Chevrolets und schicke mich an, die zwei Meilen entfernte “New York Pizza & Pasta” Gaststätte anzusteuern. Nebenbei fröne ich dem Qualitätsradioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und habe das Vergnügen, ein neues Lied aus Tim McGraws Feder zu hören – was kann es schöneres geben.
14.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 2 zugeht, nehme ich an einem Fenstertisch platz und wähle neben einem Eistee, ausserdem eine stattliche Portion Macaroni mit Käse. Die freundliche Bedienung flitzt zuvorkommend in die Küche und serviert die Jause bereits nach wenigen Augenblicken – wie schön.
14.45 Uhr Völlig entnervt parke ich den PS-strotzenden SUV in der Doppelgarage und mache es mir zur Aufgabe, Hund Dixon im Nachbarhaus abzuholen. Frau Pontecorvo lockt mich jedoch in ihr gemütliches Zuhause und sagt, dass sie just vor wenigen Minuten einen Kuchen gebacken hat. Natürlich nehme ich die Einladung an und spüle meinen ausgetrockneten Hals mit brühfrischem Bohnentrunk durch. Dazu verzehre ich zwei Stück Streuselkuchen mit Schlagobers und komme prompt zu dem Schluss, dass das Backwerk vorzüglich mundet. Meine Gastgeberin ist begeistert und sagt, dass sie Morgen ihren künstlichen Christbaum in der guten Stube aufstellen und mit blinkenden Lichtern schmücken wird – das soll mir auch Recht sein.


Mein Zuhause unter Palmen

15.45 Uhr Schlussendlich stosse ich die Haustüre zur kleinen Villa auf und schleppe mich mit letzter Kraft zum Kanapee. Dixon flitzt unterdessen in den Garten und spielt ausgelassen mit seinem Tennisball – das macht Spass.
16.45 Uhr Um die Nachtmittagsstunden sinnvoll zu gestalten, beende ich das Päuschen und begebe mich fingerschnippend in die Küche. Voller Elan richte ich mir eine kalte Wurstplatte an und ringe mich dazu durch, etliche Paprikastreifen mit etwas Olivenöl in der Pfanne anzubraten und mir ein schmackhaftes Sandwich (löblich: Wurstbrot) zuzubereiten – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nach dem Nachtmahl lasse ich den Tag im Wohnzimmer ausklingen. Wie es sich gehört, schaue ich mir die Nachrichten an und fröne danach einer aufschlussreichen Call-In (löblich: Ruf Herein) Sendung auf FOX.

19.00 Uhr Um auf andere Gedanken zu kommen, schalte ich zeitnah auf HBO um und gebe mich der oscarprämierten Dokumentation “Citizenfour” hin, die sich mit dem Spion Edward Snowden und der amerikanischen Überwachungs- und Spionageaffäre beschäftigt. Ich staune Bauklötze und lerne, dass fast alle Handtelefone auf dem amerikanischen Kontinent von der Regierung überwacht werden – das ist ja allerhand.
21.00 Uhr Zu guter Letzt betätige ich den “OFF” (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung und reguliere die Klimaanlage. Im Anschluss ziehe ich mich gähnend ins Schlafzimmer zurück und döse schnell ein. Gute Nacht.

18. und 19. November 2017 – Sandra hütet das Bett

Hallo Leute,

seit Dienstag bin ich krank und muss das Bett hüten.
Ich fühle mich hundeelend und kann kaum etwas essen. Ausserdem läuft meine Nase unentwegt. Nur gut, dass ich von Bärbel umsorgt werde und ständig heissen Tee ans Bett geliefert bekomme 🙂


Ich trinke viel Tee

Seit Dienstag läuft mein BluRay Player auf Hochtouren. Ich habe mittlerweile einen ganzen Stapel Filme geguckt und mir die siebte Staffel der Horrorserie “The Walking Dead” reingezogen. Natürlich musste ich mir auf NETFLIX auch die zweite Season von “Stranger Things” anschauen. Es war ein Vergnügen, wieder in die fiktive Kleinstadt Hawkins in Indiana zurückzukehren und Mike, Dustin und Lucas zu treffen.

In der ersten Staffel machten sich die drei besten Freunde auf, den verschwundenen Will Byers zu suchen und dem Geheimnis eines wissenschaftlichen Forschungsinstituts auf die Schliche zu kommen. Die zweite Staffel beginnt exakt ein Jahr nach den dramatischen Ereignissen des Jahres 1983 und entführt den Zuschauer erneut in eine düstere Parallelwelt …

Jetzt werde ich mich aber aufrappeln, mich bei einem heissen Vollbad entspannen und anschliessend mit Reinhard skypen ^^

Ich wünsche euch ein tolles und abwechslungsreiches Wochenende.
Eure Sandra

10. Juli 2017 – Parasitenbefall

08.00 Uhr Die 28. Woche des Jahres beginnt und ich reibe mir den Schlaf aus den Augen. Obgleich meine Verwandten angekündigt haben, in zwei Tagen nach Kanada auszufliegen, lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und absolviere auf der Terrasse den Frühsport – was kann es schöneres geben.
08.30 Uhr Nachdem ich den Rasensprenkler in Betrieb gesetzt habe, renne ich schwitzend ins Haus zurück. Wie es sich gehört, ziehe ich mich spornstreichs ins Bad zurück und lasse die Seele bei einem Wirbelbad baumeln. Nebenher rufe ich bei meinen Liebsten an und vernehme, dass Georg und Maria von Miami aus zurück in die Heimat fliegen werden. Mein Bruder ist begeistert und kündigt an, dass er seinen Aufenthalt mit einem opulenten Mittagessen ausklingen lassen möchte. Zudem erfahre ich, dass ich genötigt sein werde, die beiden nach der Mahlzeit im besten Restaurant in der Stadt an die Ostküste zu kutschieren – das kann ja heiter werden.


Hilfe, eine Zecke

09.30 Uhr Kopfschüttelnd steige ich aus der Wanne und greife zum Handtuch. Als ich mich trocken reibe, stelle ich mit grosser Sorge fest, dass sich eine Zecke an meiner rechten Wade festgebissen hat. Ich schreie entsetzt und flitze badebemäntelt zum Nachbaranwesen, um Frau Pontecorvo über den Parasitenbefall in Kenntnis zu setzen. Die Alte macht grosse Augen und legt mir nahe, schnellstmöglich zum 2 Meilen entfernten “North Naples Hospital” zu fahren. Ich nicke zustimmend und mache schnell kehrt, um mich in Schale zu werfen.
10.00 Uhr Wenig später scheuche ich den Vierbeiner zum Nachbarhaus und bitte Frau Pontecorvo, während meiner Abwesenheit auf Dixon aufzupassen. Im Anschluss hüpfe ich nörgelnd in den Chevrolet und schicke mich an, das Krankenhaus an der Immokalee Road anzusteuern. Nebenher zücke ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und lasse es mir nicht nehmen, meinem Bruder klarzumachen, dass ich womöglich mehrere Wochen in der Klinik bleiben muss. Georg kommt aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und sichert zu, dass er sich gleich auf den Weg machen und mir in diesen schweren Stunden beistehen wird – wie schön.
10.30 Uhr Nachdem ich das Auto vorschriftsmässig geparkt habe, laufe ich mit schnellen Schritten ins Gebäude und erkläre einer gelangweilt dreinblickenden Empfangsdame, dass mich eine Zecke gezwickt hat. Die behäbige Negerin nippt an ihrer Kaffeetasse und meint, dass ich die Dermatologie im zweiten Stock aufsuchen sollte.
11.00 Uhr Dreissig Minuten später finde ich mich in einem Behandlungsraum wieder und sehe mich mit einem Jungspund konfrontiert, der sich mir als Dr. Belmont vorstellt. Der 33jährige Rotschopf nimmt mein Bein ganz genau in Augenschein und kommt zu dem Schluss, dass ich von einer sogenannten “Gulf Coast Tick” (löblich: Golfküsten Zecke) befallen wurde. Als ich entnervt mit den Augen rolle und mich im Leichenschauhaus liegen sehe, beruhigt mich Dr. Belmont redlichst und zögert nicht, den Parasiten zu entfernen. Bei dieser Gelegenheit lerne ich, dass diese Zeckenart nur sehr selten Krankheiten überträgt. Um auf Nummer sicher zu gehen, präsentiert der Facharzt eine Spritze und impft mich gegen Encephalitis (auf deutsch: Meningoenzephalitis).
12.00 Uhr Kurze Zeit später kann ich die Praxis verlassen und freue mich, im Gang Georg anzutreffen. Mein Bruder klopft mir aufmunternd auf die Schulter und will wissen, ob wir nun ein Bestattungsunternehmen ansteuern sollten. Ich winke demonstrativ ab und entgegne, dass ich dem Sensenmann gerade noch von der Schippe gesprungen bin.


Ich gebe ein Vermögen aus

12.45 Uhr Schlussendlich finde ich mich wieder bei der schwarzen Dame am Empfang ein und bringe heraus, dass die Behandlung 270 Dollars kosten soll. Weil ich kein Bargeld zur Hand habe, überreiche ich der Frau meine praktische Meisterkarte und bitte sie, den Rechnungsbetrag von meinem Konto abzubuchen – wie unlöblich.
13.30 Uhr Zurück am Auto, tippe ich auf meine goldene Armbanduhr und gebe bekannt, dass mein Magen nun eine warme Mahlzeit vertragen könnte. Georg schlägt in die gleiche Kerbe und meint, dass wir die “New York Pizza & Pasta” Gaststätte ansteuern könnten – das ist eine phantastische Idee.
14.15 Uhr Während wir süffiges Leichtbier schlürfen und hausgemachte Nudeln mit Fleischbällchen verzehren, lasse ich den Krankenhausaufenthalt in allen Einzelheiten Revue passieren. Unter anderem berichte ich, dass Dr. Belmont davon ausgeht, dass die Zecke keine Krankheiten übertragen hat. Ich gebe mich erleichtert und mutmasse, dass mich der Parasit womöglich bei einem Spaziergang befallen hat – wie furchtbar.


Mein Zuhause unter Palmen

15.00 Uhr Endlich bin ich wieder zu Hause und werden von Hund Dixon auf und ab hüpfend begrüsst. Ich lasse mich auf Frau Pontecorvos Terrasse nieder und fordere die Dame des Hauses auf, mir ein Gläschen Schaumwein einzuschenken. Ausserdem verrate ich, dass ich auf Anraten des Arztes während der kommenden Tage etwas kürzer treten muss. Frau Pontecorvo zeigt Verständnis und verspricht, mir im Haushalt zur Hand zu gehen.
15.45 Uhr Da ich nicht mehr der Jüngste bin, verabschiede ich mich händeschüttelnd und kehre mit dem Rüden im Schlepptau in die kleine Villa zurück. Völlig erschöpft falle ich aufs Kanapee und döse prompt ein.
16.45 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 5 zugeht, bimmelt das Telefon besonders laut. Zu allem Überfluss meldet sich der Professor und erkundigt sich nach meinen Tagesaktivitäten. Natürlich klage ich dem schlauen Mann mein Leid und vertelle, dass man heutzutage nicht einmal mehr beim entspannten Gassigang sicher ist. Edelbert nickt eifrig und sagt, dass er morgen zum Frühstück vorbeikommen wird.


Ich lasse mir eine vitaminreiche Pizza schmecken

18.00 Uhr Nachdem ich eine im Ofen aufgebackene Pizza verzehrt habe, gehe ich zum gemütlichen Teil des langen Tages über und informiere mich bei den Nachrichten über die aktuellen Geschehnisse in der Welt.
19.00 Uhr Um auf andere Gedanken zu kommen, wechsle ich zeitnah auf den Bezahlkanal AMC und gebe mich dem zwielichtigen britischen Gruselfilm “Don’t Knock Twice” hin, der vom Kampf eines jungen Mädchens gegen eine böse Hexe erzählt. HEUREKA – diesen Unsinn muss man gesehen haben.
20.30 Uhr Eineinhalb Stunden später betätige ich vogelzeigend den “OFF” (löblich: AUS) Knopf auf der neumodernen Fernbedienung und entschliesse mich, eine kühle Hopfenkaltschale auf der Terrasse zu trinken. Danach verschliesse ich die Türe sicher und lege mich ins Bett. Gute Nacht.