20. November 2017 – High Tide Grill

08.00 Uhr Die 47. Woche des Kalenderjahres bricht an und aus dem Radio dröhnt ein stimmungsvolles Lied des aufstrebenden Landmusiksängers Granger Smith. Ich schwinge mich zu “Never Too Old” (löblich: niemals zu alt) aus dem Bett und läute den Morgen mit dem Frühsport auf der schattigen Terrasse ein.


Gute Morgen

08.30 Uhr Just als ich ein Rad schlage, fällt mir auf, dass es unangenehm kühl geworden ist. Um keinen Schnupfen zu bekommen, mache ich schnell kehrt und entspanne mich bei einem wärmenden Wirbelbad. Unterdessen rufe ich bei meinem Bruder im Lowbank Drive an und bringe heraus, dass sich unser Grosscousin an Floridas Ostküste pudelwohl fühlt. Georg ist bestens informiert und vertellt, dass Robert und Jessica bis zum Mittwoch in Coconut Grove bleiben und schöne Stunden mit ihrer Tochter Kimberly verbringen wollen – das ist phantastisch.
09.30 Uhr Nach der Morgenwäsche trete ich vor den Spiegel und fasse den Entschluss, ein langärmliges Hemd anzuziehen. Nebenher lasse ich Hund Dixon wissen, dass Georg und Maria den Tag nutzen wollen, um in den “Miromar Outlet Stores” (löblich: Miromar Auslassgeschäfte) viel Geld zu lassen. Ich zucke mit den Schultern und fahre fort, dass wir uns diesem Ausflug nicht anschliessen werden – immerhin bin ich kein Millionär.
10.00 Uhr Nachdem ich frischen Bohnentrunk aufgebrüht und ein leckeres Käseomelette gezaubert habe, setze ich mich an den Küchentisch und beisse kraftvoll zu. Leider wird die himmlische Ruhe alsbald durch Frau Pontecorvo gestört. Meine Nachbarin legt beste Laune an den Tag und erzählt, dass sie das Mittagessen im erst kürzlich eröffneten “High Tide Grill” einnehmen wird. Die Gute kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus und beteuert, dass der Scheffkoch sein Handwerk im alten Europa erlernt hat und besonders schmackhafte Steaks (löblich: Schnitzel) kredenzt. Ich werde augenblicklich hellhörig und entgegne, dass ich sehr gerne mitkommen und mir ebenfalls den Wanst voll schlagen würde. Mein Hausgast freut sich und fordert mich auf, auch Prof. Kuhn einzuladen – das lasse ich mir natürlich nicht zweimal sagen.


Ein lustiger Spaziergang mit Hund Dixon

11.00 Uhr Wenig später nippe ich ein letztes Mal am Kaffeebecher und gebe zu Protokoll, dass wir Edelbert in zwei Stunden treffen werden. Da noch etwas Zeit bleibt, rege ich einen Spaziergang mit dem Vierbeiner an. Meine Nachbarin klatscht freudig in die Hände und folgt mir an die frische Luft. Während Dixon aus dem Schnüffeln gar nicht mehr herauskommt, versorgt mich meine Begleiterin mit Fakten und berichtet, dass schon bald ein libanesisches Spitzenrestaurant im Stadtgebiet seine Pforten öffnen wird – das hat gerade noch gefehlt.
11.30 Uhr Als wir vor dem Haupteingang der “La Playa” Golfanlage eintreffen, tippt die Pontecorvo auf ihre Uhr und meint, dass wir langsam zurück gehen sollten. Ich pfeife spornstreichs auf den Fingern und halte Dixon an, sein Stöckchen zu apportieren und kehrt zu machen. Darüber hinaus plaudere ich mit meiner Bekannten über belanglose Dinge und unterbreite, dass im Rentnerparadies langsam der Herbst Einzug hält. Die kleine Frau gibt mir Recht und kündigt an, dass die Temperaturen zur Wochenmitte unter die 70°F (21°C) Grenze fallen könnten.
12.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, dem Rüden in den SUV zu helfen und zur “High Tide Bar” zu rasen. Als Kavalier der alten Schule halte ich auch Frau Pontecorvo die Türe auf und merke an, dass ihr Kleid besonders schön ist. Im Anschluss trete ich das Gaspedal bis zum Anschlag durch und bringe auf Anfrage heraus, dass das besagte Restaurant im “Mercato Einkaufszentrum” beheimatet ist – wie aufregend.
12.45 Uhr Fünfundvierzig Minuten später erreichen wir unser Ziel und freuen uns, Edelbert herzlich begrüssen zu können. Um nicht vom Fleisch zu fallen, nehme ich Dixon an die Leine und laufe schnurstracks in die Wirtschaft, um einen prima Tisch in Beschlag zu nehmen. Ein beschürzter Kellner lässt nicht lange auf sich warten und legt uns nahe, die Truffel Fries (löblich: Trüffel Kartoffelstäbe) an Pilzsauce zu kosten. Natürlich lehnen wir dankend an und entscheiden uns für drei vitaminreiche Rumpsteaks mit Folienkartoffeln und grünen Bohnen.


Wir beissen kraftvoll zu

13.30 Uhr Als das Essen endlich serviert wird, nehme ich ruckzuck Messer und Gabel zur Hand und komme zu dem Ergebnis, dass der Küchenscheff ein Meister seines Fachs ist. Edelbert schlägt in die gleiche Kerbe und lobt das Schnitzel über den Schellenkönig – schmeckt wirklich spitze.
14.15 Uhr Nachdem wir die Mahlzeit mit Schaumkaffees abgeschlossen haben, vertreten wir uns die Beine und schlendern durch den benachbarten “Whole Foods” Lebensmittelladen. Unter anderem bestaunen wir die Auslagen eines Fischgeschäfts und bemerken, das sich die Preisspirale immer weiter dreht. Edelbert gibt sich deprimiert und rechnet vor, dass er sich mit seiner kleinen Pension keinen Luxus erlauben kann- wie schade.
15.00 Uhr Schlussendlich verabschiede ich mich vom Professor und bringe Frau Pontecorvo sicher in den Willoughby Drive zurück.
15.45 Uhr Zuhause angekommen, wünsche ich meiner Nachbarin einen schönen Abend und falle dann fix und foxi aufs Kanapee. Schon nach wenigen Atemzügen döse ich ein und träume vom anstehenden Weihnachtsfest.


Mein Zuhause unter Palmen

16.45 Uhr Ich erwache ausgeruht und mache mich in der Küche nützlich. Unter den fordernden Blicken meines Haustieres erwärme ich ein Nudelschichtgericht im Kleinwellenofen (unlöblich: Mikrowelle) und zaubere dazu einen lustigen Tomatensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen – das gibt ein Festessen.
17.45 Uhr Nach dem Nachtmahl gehe ich zum gemütlichen Teil des Tages über. Als die Nachrichten über den Bildschirm flimmern, telefoniere ich erneut mit Georg und vernehme, dass er ein kleines Vermögen in Fort Myers gelassen und seiner Frau eine neue Perlenkette gekauft hat – das ist wieder typisch.
19.00 Uhr Um endlich zur Ruhe zu kommen, beende ich das Gespräch und nehme mit dem ABC Video-On-Demand (löblich: Video nach Abruf) Angebot Vorlieb. Mit grosser Freude schaue ich mir einige Episoden der lustigen Serie “Modern Family” an und krümme mich vor Lachen.
21.00 Uhr Nach zwei heiteren Stunden beende ich den Fernsehabend und unternehme mit Dixon einen kleinen Spaziergang durch den Garten. Anschliessend verriegle ich die Haustüre und falle erschöpft ins Bett. Gute Nacht.

17. November 2017 – Frühstück mit Verwandten

08.00 Uhr Schon zur frühen Stunde bimmelt das Telefon und ich habe das Vergnügen, mit Maria plaudern zu können. Meine Schwägerin wünscht mir einen schönen Morgen und setzt mich darüber in Kenntnis, dass wir uns gegen 10 Uhr in “Julies Restaurant” zum Frühstück treffen werden. Ich juchze laut und verspreche, pünktlich zu sein und grossen Hunger mitzubringen – da kommt besonders grosse Freude auf.
08.30 Uhr Nach dem Frühsport stecke ich Dixon einen Kauknochen ins Maul und gebe vor, dass ich mich nun bei einem lustigen Wirbelbad entspannen werde. Der Rüde flitzt wie von Sinnen ins Wohnzimmer und nimmt das Recht heraus, das Büffelhautschmankerl auf dem Kanapee zu verzehren – das ist ja allerhand.


Dixon bekommt einen Kauknochen

09.30 Uhr Sechzig Minuten später präsentiere ich mich in legerer Freizeitkleidung und fordere das Haustier auf, sein Nickerchen zu beenden und mir zum Chevrolet zu folgen. Dixon gehorcht mir aufs Wort und hüpft im hohen Bogen auf die Ladefläche des PS-strotzenden SUVs. Anschliessend gleite ich hupend vom Grundstück und kann es kaum noch erwarten, eine reichhaltige Mahlzeit im Kreise meiner Liebsten einzunehmen – das wird ein Spass.
10.00 Uhr Pünktlich auf die Minute erreiche ich mein Ziel und treffe Georg und Maria, sowie Robert und Jessica Pfaffenberg an unserem Stammtisch an. Wie es sich gehört, begrüsse ich die Herren per Handschlag und lote aus, wer für das Frühstück bezahlen wird. Mein Grosscousin meldet sich prompt zu Wort und beteuert, dass er heute die Spendierhosen angezogen hat und für Speis und Trank einstehen wird. Ich fackle nicht lange und bitte Frau Julie, neben einer Kanne Kaffee ausserdem ein grosses Frühstück sowie etwas Speck für Dixon aufzutischen.


Ich sage NEIN zu Handtelefonen

10.30 Uhr Meine Tischnachbarn folgen dem Beispiel und tratschen angeregt über ihren gestrigen Theaterbesuch. Unter anderem bringe ich heraus, dass das Stück “Maple & Vine” von einem frustrierten Ehepaar handelt, das sich einer Sekte anschliesst und sich fortan von Handtelefonen und anderem neumodernen Schnickschnack lossagt. Als ich mich Robert zuwende, schüttelt er den Kopf und unterbreitet, dass er von der ordinären Sprache der Protagonisten ganz und gar nicht angetan war – das ist wieder typisch.
11.15 Uhr Schlussendlich bringt Wirtin Julie eine ellenlange Rechnung an den Tisch und knöpft Robert 80 Dollars ab. Der Texaner macht grosse Augen und meint, dass er in der Kleinstadt Boerne für 80 Dollars eine ganze Footballmannschaft verköstigen könnte. Ich klopfe mir schmunzelnd auf die Schenkel und weise auf die Tatsache hin, dass Naples ein teures Pflaster ist. Trotz der Nackenschläge lassen wir uns die Laune nicht verderben und brechen mit Hund Dixon zu einem kleinen Spaziergang entlang der Vanderbilt Beach Road auf. Bei angenehmen Temperaturen passieren wir die angrenzenden Reinigungsfirmen und ich verrate Jessica, dass im Collier County viele Einwanderer aus Indonesien leben. Um meinen Aussagen Nachdruck zu verleihen, deute ich in Richtung von “Joo Cleaning” und merke an, dass ein Grossteil der Asiaten in der Reinigungsbranche beschäftigt sind.
12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, stehen wir wieder vor “Julies Restaurant”. Robert wischt sich mit dem Handrücken über die nasse Stirn und kündigt an, dass er Morgen mit seiner Ehefrau nach Coconut Grove krusen wird, um seine Tochter Kimberly zu besuchen. Ich wünsche Robert viel Vergnügen und vernehme, dass die Texaner erst am kommenden Mittwoch zurück sein werden – wie schade.


Mein Zuhause im Willoughby Drive

13.00 Uhr Wieder zurück im Willoughby Drive, versorge ich Dixon mit Trockenfutter und rufe dann bei Prof. Kuhn an, um ihn über meine Aktivitäten in Kenntnis zu setzen. Der schlaue Mann freu sich und entgegnet, dass er den Vormittag im “Coastland Center” verbracht und Socken eingekauft hat – das hört man gerne.
13.30 Uhr Nach dem Telefonat schlüpfe ich aus den Kuhjungenstiefeln und falle erschöpft aufs Kanapee. Bereits nach wenigen Sekunden döse ich ein und träume vom bevorstehenden Weihnachtsfest.
14.30 Uhr Da es sich nicht gehört, den ganzen Nachmittag zu verschlafen, rapple ich mich auf und komme meinen Pflichten als Anschnurseelsorger nach. Mit flinken Fingern navigiere ich durchs Internetz und studiere Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher. Natürlich gebe ich auch Ratschläge ab und animiere die Erziehungsberechtigten, mit der jungen Generation nicht zu zimperlich umzugehen.
15.30 Uhr Zum Abschluss der Beratungsstunde schalte ich noch die neuen Einträge im Gästebuch frei und nehme meine persönliche Korrespondenz in Augenschein. Im Anschluss sehe ich mich im Garten um und spiele mit Dixon etwas Ball – was kann es schöneres geben.


Hund Dixon spielt Ball

16.30 Uhr Wegen der Hitze ziehe ich mich bald in die klimatisierte Stube zurück und richte mir eine kalte Wurstplatte mit hauchdünn aufgeschnittenem Capocollo an. Ferner giesse ich mir ein Bier ein und studiere während des Abendessens lesenswerte Berichte in der “Naples Daily News” (löblich: Naples aktuelle Neuigkeiten).
17.30 Uhr Bevor ich mich in den Feierabend verabschiede, schalte ich die leistungsstarke Geschirrspülmaschine ein und vergesse auch nicht, den Küchenboden zu wischen – Sauberkeit ist mir nämlich besonders wichtig.
18.15 Uhr Völlig erschöpft schleppe ich mich ins Wohnzimmer und lege die Beine hoch. Nebenher folge ich den FOX Nachrichten und lerne, das Donald Trump erneut die amerikanischen Medien gescholten und ihnen vorgeworfen hat, sogenannte “Fake News” (löblich: Falschmeldungen) zu verbreiten.

19.00 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, wechsle ich auf den Filmsender HBO, um mir den abendfüllenden Spielfilm “Cafe Society” anzuschauen. Die amerikanische Komödie ist in den 1930er Jahren angesiedelt und erzählt aus dem Leben eines jungen New Yorkers, der sein Glück in Hollywood sucht – wie aufregend.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Im Anschluss lösche ich sämtliche Lichter und gehe ins Bett. Gute Nacht.

14. November 2017 – Besuch aus Texas

08.00 Uhr Ich rolle mich voller Vorfreude aus dem Wasserbett und kann es kaum noch erwarten, am frühen Nachmittag Robert und Jessica Pfaffenberg in die Arme zu schliessen. Wie es sich gehört, eile ich noch vor dem Badespass an die frische Luft und lockere meine eingerosteten Glieder. Darüber hinaus schleudere ich mit voller Wucht einen Tennisball zum künstlich angelegten Teich und animiere Hund Dixon, sich ebenfalls zu bewegen.


Wir erwarten Besuch aus Texas

08.30 Uhr Im Anschluss lasse ich die Seele bei einem Wirbelbad baumeln und telefoniere mit meiner Schwägerin. Maria versorgt mich mit Infos und berichtet, dass die Texaner just im Moment abfliegen und gegen halb 3 Uhr in Fort Myers landen werden. Zudem lädt mich die gute Seele ein, gegen halb Fünf im Lowbank Drive vorstellig zu werden und am gemeinsamen Abendessen teilzunehmen – wie schön.
09.30 Uhr Eine Stunde später beende ich den Waschvorgang und setze mich an den Küchentisch, um eine Portion Rühreier mit gerösteten Speckstreifen zu verzehren. Dazu gibt es brühfrischen BUSTELO Bohnentrunk sowie vitaminreiche Weissbrotscheiben (unlöblich: Toast) mit gesalzener Butter – schmeckt gar nicht schlecht.
10.15 Uhr Just als ich das schmutzige Geschirr in die Spüle stelle und mit der Idee spiele, etliche Flaschen Wein für die anstehende Wiedersehensfeier zu besorgen, fährt Edelberts JEEP vor. Natürlich winke ich den schlauen Mann augenblicklich herein und bringe in Erfahrung, dass er sich sehr über den Besuch meiner Verwandten freut. Ausserdem erinnert der Professor an unseren Texasbesuch im Oktober 2011 und stellt die Behauptung auf, dass damals die Welt noch in Ordnung war – das kann man laut sagen.
11.15 Uhr Nachdem ich Edelbert ein Heissgetränk spendiert habe, tippe ich auf meine ROLEX und lade ihn ein, mich zu “Bob’s Liquore Store” zu begleiten. Mein Bekannter wird sogleich hellhörig folgt mir plappernd nach draussen.
12.00 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise, erreichen wir das Alkoholgeschäft und begrüssen Herrn Bob per Handschlag. Der Ladeninhaber reibt sich die Hände und lotet aus, ob wir bayerisches Bier einkaufen wollen. Ich schlage in die gleiche Kerbe und lasse den Alkoholfachmann wissen, dass wir ausserdem mehrere Flaschen Wein benötigen. Herr Bob fackelt nicht lange und präsentiert einen besonders kostspieligen Tropfen aus dem Nappa Valley. Da ich nicht auf den Taler achten muss, gehe ich kurzerhand auf den Handel ein und verfrachte neben süffigem Löwenbräu Bier ausserdem sechs Humpen “Allomi Cabernet” in den Einkaufswagen.
12.45 Uhr Um insgesamt 147 Dollars erleichtert, kehren wir zu den Autos zurück und vereinbaren, dass nun ein Abstecher in eine SUBWAY Gaststätte nicht schaden kann. Ruckzuck lasse ich den Motor aufheulen und presche mit quietschenden Pneus gen Süden davon – was kann es schöneres geben.


Wir beissen kraftvoll zu

13.15 Uhr Hungrig und durstig betreten wir die Schnellessfiliale und ordern zwei mit Salami, Salat und Käse belegte Jumbosemmeln. Ferner geben wir zwei grosse Becher Diät Colas in Auftrag und setzen uns dann an einen Tisch mit Ausblick. Während wir kraftvoll zubeissen, erzähle ich meinem Begleiter, dass Robert und Jessica Pfaffenberg ihren Aufenthalt zum Anlass nehmen wollen, um auch ihre Tochter Kimberly in Miami zu besuchen. Der Professor freut sich und ist sich sicher, dass die Texaner schöne Tage erleben werden – davon kann man ausgehen.
14.15 Uhr Weil es noch viel zu früh ist, um zum Lowbank Drive zu krusen, fassen wir den Entschluss, kurzerhand zum Strand zu rasen und einen Spaziergang zu unternehmen. Ich krame eine funkelnde 50 Cent Münze aus meiner Hosentasche und fordere Edelbert zu einem Rennen heraus. Mein Gegenüber zwinkert mit den Augen und meint, dass er der bessere Fahrer ist und noch vor mir am Lowdermilk Park ankommen wird – papperlapapp.


Ich präsentiere eine 50 Cent Münze

15.00 Uhr Schlussendlich erreiche ich als zweiter Sieger mein Ziel und nehme mir das Recht heraus, den Vierbeiner an die Leine zu nehmen. Danach folge ich dem Professor zum Ozean und sauge die salzige Luft tief in meine Lungen ein – da kommt besonders grosse Freude auf.
15.30 Uhr Nach einer schweisstreibenden Wanderung lasse ich mich auf einer Bank nieder und schimpfe auf das viel zu heisse Wetter. Edelbert zückt schmunzelnd sein strahlendes NOKIA Handtelefon und weist mich auf die Tatsache hin, dass es in unserer alten Heimat bitterkalt ist und regnet. Ich schüttle mich ausgiebig und entgegne, dass wir nun zu den Autos zurückkehren sollten – immerhin haben wir unsere Zeit nicht gestohlen.
16.30 Uhr Pünktlich wie die Maurer treffen wir im Lowbank Drive ein und freuen uns, nicht nur Georg und Maria, sondern auch Robert und Jessica Pfaffenberg umarmen zu dürfen. Die lustigen Texaner sind ganz aus dem Häuschen und machen es sich zur Aufgabe, mir ein Geschenk zu überreichen. Ich bedanke mich artig und gebe zu Protokoll, dass es schon ein Kindheitstraum war, einen handgeschnitzten Armadillo (löblich: Gürteltier) in den Farben des Staates Texas zu besitzen. Jessica schenkt mir ein Lächeln und sagt, dass sie dieses Schmuckstück in einem Comanchen Reservat gekauft hat – das hört man gerne.


Wein muss immer mit dabei sein

17.00 Uhr Nach einer ausgiebigen Plauderei lotst uns Maria ins Esszimmer und serviert saftige Schweinerippen mit Ofenkartoffeln. Währenddessen entkorkt Georg eine Flasche Wein und erörtert, dass der “Allomi Cabernet” perfekt zu herzhaftem Essen passt. Ich stimme prompt zu und erhebe mein Glas, um mit den anderen anzustossen.
18.00 Uhr Als wir stattliche Eisbecher mit Sahne vorgesetzt bekommen, wende ich mich Robert zu und frage nach, ob er immer noch seine Werkstadt in Boerne betreibt. Mein Grosscousin schüttelt entschieden den Kopf und antwortet, dass er die Leitung mittlerweile an seinen Sohn Robert Jr. übertragen hat – wie schön.
19.00 Uhr Ein schöner Abend neigt sich leider seinem Ende zu. Ich verabschiede mich redlichst und vernehme, dass die Texaner im “Naples Beach Hotel” logieren werden. Georg lässt die Autoschlüssel seines JEEPS in der Hand kreisen und meint, dass er die netten Menschen nun zum Hotel kutschieren wird. Ferner erfahre ich, dass wir Morgen bei Julies Restaurant frühstücken werden – darauf freue ich mich jetzt schon.
20.00 Uhr Endlich bin ich wieder zu Hause und kann aus den schweren Kuhjungenstiefel schlüpfen. Während Dixon schnaufend aufs Kanapee springt, giesse ich mir ein kühles Bier hinter die Binde und schaue mir die Nachrichten auf FOX an – schliesslich muss man stets auf dem Laufenden bleiben.
21.00 Uhr Ein langer und nervenaufreibender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Ich betätige gähnend den “OFF” (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung und ziehe mich dann ins Schlafzimmer zurück. Gute Nacht.

10. November 2017 – Veterans Day

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Sehr verehrte Damen und Herren,

während in meiner alten Heimat die Jecken und Karnevalisten langsam erwachen, um die sogenannte 5. Jahreszeit einzuläuten, wird in den Vereinigten Staaten von Amerika der wichtige “Veterans Day” gefeiert.

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Ein löblicher Veteran

Ursprünglich sollte dieser Gedenktag an die amerikanischen Soldaten erinnern, die während des Ersten Weltkriegs ihr Leben lassen mussten. Heute ist er ein Feiertag zu Ehren aller Kriegsveteranen, die jemals an militärischen Auseinandersetzungen teilgenommen haben. Aus diesem Grund finden in vielen amerikanischen Städten von Veteranenverbänden organisierte Militärparaden statt. Ferner legen hochrangige Regierungsmitglieder an der Grabstätte des unbekannten Soldaten auf dem “Arlington National Cemetery” (löblich: Arlington Nationalfriedhof) in Washington DC einen Kranz nieder.

Selbstverständlich habe auch ich am Vormittag an einer lustigen Parade teilgenommen und Fort Myers besucht. Der örtliche Veteranenverband hat sich nicht lumpen lassen und im Stadtzentrum eine farbenprächtige Feier veranstaltet. Neben Uniformen aus längst vergangenen Epochen, konnten die Schaulustigen ausserdem diverse Waffensysteme bewundern, die während des zweiten Weltkriegs zum Einsatz kamen – wie aufregend.


Wir heben die Humpen auf die Veteranen

Den Abend werde ich in Gesellschaft meiner Verwandten und Freunde verbringen und das eine oder andere Bier trinken – das wird ein Spass.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Veterans Day
Reinhard Pfaffenberg

12. Oktober 2017 – Gesunde Ernährung

08.00 Uhr Beschwingt durch prima WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radiomusik hüpfe ich aus dem Bett. Während die Landmusikcombo “Midland” ihren Schlag (unlöblich: Hit) “Drinkin’ Problem” (löblich: Trinkproblem) zum Besten gibt, scheuche ich Dixon an die frische Luft und läute den Morgen mit dem Frühsport ein – wie schön.


Katze Land – der beste Radiosender

08.30 Uhr Als ich in die gute Stube zurückkehre, sehe ich mich mit meinem plappernden Hausgast konfrontiert. Sandra präsentiert sich in einem viel zu knappen Nachthemd und beteuert, dass wir gleich nach dem Frühstück zum Einkaufen fahren sollten. Ich schlage in die gleiche Kerbe und halte das Kind an, sich etwas anzuziehen. Danach ziehe ich mich kopfschüttelnd ins Bad zurück und wasche mich redlichst heraus – da kommt Freude auf.
09.30 Uhr Sechzig Minuten später setze ich mich an den gedeckten Frühstückstisch und labe mich an vitaminreichen KELLOGGS Zerealien mit frischer Muh. Sandra folgt meinem Beispiel und sagt, dass sie heute Morgen bereits den Milchmann getroffen hat. Ich nicke eifrig und informiere, dass mich Herr Fisher an drei Tagen in der Woche mit gesunder Milch versogt. Darüber hinaus stelle ich klar, dass wir im Supermarkt unbedingt Froot Loops und Zucker einkaufen müssen. In diesem Zusammenhang verweist meine Tischnachbarin auf eine aufschlussreiche ARTE Dokumentation und erzählt, dass sie vor einigen Wochen auf dem öffentlich-rechtlichen Spartenkanal alles über Zucker gelernt hat. Ich mache grosse Augen und vernehme, dass das Süssungsmittel sehr ungesund sein und viele Krankheiten auslösen soll – diesen Unsinn muss man gehört haben.


Zucker ist sehr gesund

10.15 Uhr Kurz nach dem Zehnuhrläuten wische ich mir den Mund an einer Serviette ab und gebe zu Protokoll, dass wir uns langsam auf den Weg machen sollten. Sandra klatscht freudig in die Hände und unterbreitet, dass sie Frau Pontecorvo über unseren Ausflug in Kenntnis setzen wird – das hat gerade noch gefehlt.
10.30 Uhr Wenig später werde ich von Frau Pontecorvo herzlich begrüsst und bringe heraus, dass uns die Perle zum WINN DIXIE begleiten wird. Ich stapfe nörgelnd zum Chevrolet und zögere nicht, Hund Dixon auf die Ladefläche zu helfen. Anschliessend presche ich hupend von dannen und steuere die Markthalle am Golden Gate Parkway an. Während ich das KFZ auf schwindelerregende 35 Meilen pro Stunde beschleunige, passieren wir unter anderem das “Sun-N-Fun-Lagoon” Spassbad. Sandra deutet beeindruckt in Richtung der überdimensionalen Wasserrutsche und meint, dass wir Morgen das Schwimmbad besuchen könnten – papperlapapp.
11.15 Uhr Kurz nach dem Elfuhrläuten betreten wir den Supermarkt und machen es uns zur Aufgabe, Produkte des täglichen Bedarfs in den Einkaufswagen zu verladen. Wie nicht anders zu erwarten, tratschen meine Begleiterinnen ohne Unterlass und nehmen sich sogar das Recht heraus, Reiskekse, Lauchstangen sowie einen veganen Brotaufstrich zu den anderen Waren zu legen. Ich zeige den Weibsbildern den Vogel auf und schiebe den Einkaufswagen zur Fleischtheke, um ein Pfund Capocollo sowie sechs stattliche Steaks herauszufordern.


Lauch ist ungesund

12.15 Uhr Nachdem wir die Einkaufstüten im PS-strotzenden SUV verstaut haben, kruse ich gen Südwesten davon und bringe eine Einkehr ins neueröffnete “Pollo Tropical” Gasthaus zur Sprache. Als sich meine Begleiter einverstanden zeigen, setze ich den Blinker und komme schon bald auf dem Parkplatz vor der Gaststätte zum stehen. Mit knurrenden Magen betrete ich das Restaurant und ordere bei einem Kellner ein BBQ Pork Sandwich (löblich: Gegrillte Schweineschnetzelfleischsemmel) mit Kartoffelspalten. Anstatt ebenfalls gesunde Fleischgerichte zu ordern, entschliessen sich die Frauenzimmer, mit kleinen Salaten Vorlieb zu nehmen – wie lächerlich.
13.15 Uhr Redlichst gesättigt und um knapp 60 Dollars erleichtert, schlendern wir zum Auto zurück und treten die Heimreise an. Währenddessen schmieden die Weiber Pläne für den Abend und vereinbaren, dass sie ins Lichtspielhaus gehen werden – das kann mir nur Recht sein.
14.00 Uhr Zuhause angekommen, schleppe ich die schweren Einkaufstüten ins Haus und bette mich dann auf dem Kanapee zur Ruhe. Sandra und Frau Pontecorvo vergnügen sich unterdessen auf der Terrasse und schlürfen sündteuren Schaumwein – diesen Luxus kann ich mir leider nicht leisten.


Mein Zuhause unter Palmen

15.00 Uhr Ich öffne die Augen und bemerke, dass in der kleinen Villa mittlerweile Ruhe und Frieden Einzug gehalten haben. Erleichtert schwinge ich mich vom Sofa und finde auf dem Wohnzimmertisch eine handschriftlich aufgesetzte Notiz vor. Ich staune nicht schlecht und lese, dass die Perlen vor einer halben Stunde ausgeflogen sind und nicht vor Mitternacht zurück sein werden – das ist mir Wurst.
16.00 Uhr Nachdem ich Kaffee aufgebrüht habe, setze ich mich an den Schreibtisch und kümmere mich um die Anschnurseelsorge. Pflichtbewusst nehme ich Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher ins Visier und rate einer Mutter aus Köln, mit ihrem 23jährigen Zögling nicht zu zimperlich umzugehen – wo kämen wir denn da hin.
17.00 Uhr Zu guter Letzt überfliege ich die Einträge im Gästebuch und gehe dann von der Leine, um für ein nahrhaftes Abendessen zu sorgen. Ich erwärme im neumodernen Kleinwellenofen (unlöblich: Mikrowelle) tiefgekühlte Tortellini in Käsesauce und genehmige mir dazu ein eiskaltes Budweiser – das schmeckt.
18.00 Uhr Nach der Hausarbeit gehe ich zum gemütlichen Teil des Tages über und schaue mir die FOX Nachrichten an. Unter anderem erfahre ich, dass am Wochenende ein Tiefdruckgebiet über Florida ziehen und für kühlere Temperaturen sorgen wird – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.

19.00 Uhr Um auf andere Gedanken zu kommen, schalte ich mich weiter durchs Programm und lande schlussendlich auf PBS, wo zur besten Sendezeit die neue Dokumentation des aus München stammenden Filmemachers Werner Herzog gezeigt wird. Ich lehne mich entspannt zurück und gebe mich der preisgekrönten Produktion “Lo and Behold, Reveries of the Connected World” (auf deutsch: Wovon träumt das Internet?) hin.
21.00 Uhr Zwei Stunden später geht der gemütliche Fernsehabend zu Ende und ich reguliere die Klimaanlage. Anschliessend lösche ich sämtliche Lichter und lege mich schlafen. Gute Nacht.