19. Juni 2018 – Zu Besuch im Lowbank Drive

08.00 Uhr Wie jeden Tag, stehe ich auch heute um 8 Uhr auf. Da ich von meinen Verwandten erwartet werde, eile ich mit schnellen Schritten auf die Terrasse und absolviere die Morgengymnastik – das macht Spass.
08.30 Uhr Um meine Familienmitglieder nicht warten zu lassen, ziehe ich mich im Anschluss in die Nasszelle zurück und lasse die Seele bei einem erfrischenden Wirbelbad baumeln. Nebenher rufe ich kurzentschlossen im Lowbank Drive an und lasse meinen Bruder wissen, dass ich gegen 10 Uhr auf der Matte stehen werde. Georg ist hellauf begeistert und verspricht, dass Maria bis dahin ein reichhaltiges Frühstück vorbereitet wird – wie aufregend.


Das Ferienhaus im Lowbank Drive

09.15 Uhr Kurz nach dem Neunuhrläuten beende ich die Morgenwäsche und werfe mich in Schale. Zu guter Letzt halte ich im Garten nach Dixon Ausschau und bemerke, dass der Rüde seine Pfoten im trüben Teich gebadet hat. Mit rollenden Augen zerre ich den Frechdachs in die gute Stube und mache es mir zur Aufgabe, ihn mit einem Frotteehandtuch trocken zu reiben. Danach eile ich mit einem lustigen Lied auf den Lippen zum PS-strotzenden SUV und schicke mich an, meiner Familie einen Besuch abzustatten.
10.30 Uhr Wenig später komme ich vor dem Ferienhaus zum stehen und werden von Georg herzlich Willkommen geheissen. Der gute Mann lotst mich in den Garten und meint, dass das milde Wetter dazu einlädt, die wichtigste Mahlzeit des Tages im Freien einzunehmen. Ich nicke zustimmend und gebe Maria zu verstehen, dass ich grossen Durst mitgebracht habe und ein Glas O-Saft trinken möchte. Meine Schwägerin lässt sich nicht zweimal bitten und tischt neben frischaufgebrühtem Kaffee ausserdem eine Karaffe mit eiskaltem Orangennektar auf – das ist prima.
11.00 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, komme ich auf Sandras Sommerurlaub zu sprechen und informiere, dass das unterbelichtete Kind in 11 Tagen zu uns stossen wird. Natürlich gebe ich mich skeptisch und mutmasse, dass die Maid mein ruhiges Leben gehörig durcheinander bringen wird. Wie nicht anders zu erwarten, schlägt sich Maria an Sandras Seite und beteuert, dass meine Mieterin eine sehr freundliche Person ist – das glaube ich kaum.


Herr Wangs Motelbetrieb

12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, gesellt sich Herr Wang zu uns und erzählt, dass er die Morgenschicht in “Naples Manor Motel” leiten und sich mit koreanischen Gästen herumärgern musste. Der Asiate wischt sich demonstrativ über die Stirn und meint, dass er zur Mittagszeit von seiner Tochter Carol im Büro abgelöst wurde. Ich schenke dem lustigen Mann ein Lächeln und setze ihn darüber in Kenntnis, dass alsbald Sandra im Sonnenscheinstaat eintreffen wird. Der Motelbesitzer schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und wirft ein, dass es kein Vergnügen werden wird, den Frechdachs in meiner kleinen Villa zu beherbergen – wie wahr.
13.00 Uhr Weil Georg mit Herrn Wang zum Golfplatz krusen möchte, fährt Maria zum Abschluss des Frühstücks gefrorenen Joghurt (unlöblich: Frozen Yoghurt) auf und lädt uns ein, am Abend mit ins Lichtspielhaus zu kommen. Georg reibt sich die Hände und sagt, dass der Kriminalfilm “Gotti” gezeigt wird. Obgleich mich das Leben des Mafiascheffs John Gotti sehr interessiert, winke ich ab und stelle klar, dass ich Besseres zu tun habe.
13.45 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, der geselligen Runde Lebewohl zu sagen und die Heimfahrt anzutreten. Gutgelaunt scheuche ich Dixon zum Auto und presche zu stimmungsvoller WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radiountermalung gen Norden davon.


Der beste Radiosender

14.30 Uhr Zuhause angekommen, falle ich erschöpft aufs Kanapee und lege die Beine hoch. Im Handumdrehen döse ich ein und träume von meinem letzten Kanadabesuch – das war ein Spass.
15.30 Uhr Nach einer Stunde rolle ich mich vom Kanapee und verspüre kaum Lust, die Anschnurseelsorge zu erledigen. Stattdessen schnappe ich mir die Hundeleine und breche mit dem Haustier im Schlepptau zu einem Spaziergang durchs Wohngebiet auf. Während ich zum “La Playa” Golfplatz schlendere, bimmelt plötzlich das Telefon und Edelbert erzählt, dass er sich Mittags mit Frau Brandie Cream getroffen hat. Mein Bekannter kommt aus dem Plappern gar nicht mehr heraus und berichtet, dass das ehemalige Nacktmodell mittlerweile mit beiden Beinen im Leben steht und bald einen eigenen Schönheitssalon im Zentrum eröffnen wird – das kann mir nur Recht sein.
16.30 Uhr Mit knurrendem Magen stosse ich die Haustüre auf und bereite das Nachtmahl vor. Um nicht stundenlang am heissen Herd stehen zu müssen, verfrachte ich eine TOMBSTONE Tiefkühlpizza ins Backrohr und zaubere dazu einen vitaminreichen Gurkensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen und etwas Dill – wie gut das duftet.


Ich beisse kraftvoll zu

17.30 Uhr Nach der schmackhaften Jause bette ich mich im Wohnzimmer zur Ruhe und mache mich auf FOX über die Neuigkeiten des Tages schlau. Unter anderem lerne ich, dass just heute vor 171 Jahren das erste amerikanische Postschiff den europäischen Kontinent erreicht hat – das ist mir Wurst.
19.00 Uhr Nachdem ich mir die Wettervorhersage angeschaut habe, wechsle ich auf den Filmkanal AMC, um mir das Siedlerdrama “Brimstone” anzuschauen. Die amerikanische Filmproduktion versetzt mich ins 19. Jahrhundert und ich werde Zeuge, wie ein verrückter Prediger die Einwohner einer Kleinstadt terrorisiert – das ist ja allerhand
21.15 Uhr Als der Abspann über die Mattscheibe flimmert, beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt lösche ich sämtliche Lichter und lege mich schlafen. Gute Nacht.

7. Juni 2018 – Philly Cheesesteak im Blimpie

08.00 Uhr Auch heute werde ich durch wunderschöne Radiomusik geweckt. Zu den Klängen des weltbekannten Elvis Presley Gassenhauers “Lonesome Cowboy” hüpfe ich aus den Federn und erfahre beim Blick auf den Wandkalender, dass in einer Woche die Fussball Weltmeisterschaft in Russland beginnen wird. Ich rolle mit den Augen und erkläre Hund Dixon, dass mir dieses Grossereignis gestohlen bleiben kann.

08.30 Uhr Nachdem ich die Morgengymnastik absolviert und die Milchflasche hereingeholt habe, ziehe ich mich ins Badezimmer zurück. Weil Hygiene heutzutage sehr wichtig ist, lasse ich die Seele bei einem Wirbelbad baumeln und nehme mir das Recht heraus, mich mit dem Schwamm ordentlich abzuschrubben – da kommt Freude auf.
09.30 Uhr Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, beende ich das Badevergnügen und mache es mir zur Aufgabe, echten Bohnenkaffee aufzubrühen. Nebenher telefoniere ich mit Edelbert und vernehme, dass im Eiskasten meines Verwandten gähnende Leere vorherrscht. Weil es in meinem Kühlschrank nicht besser aussieht, bringe ich spornstreichs einen Schoppingausflug zum WINN DIXIE zur Sprache. Der Professor sagt prompt zu und verspricht, in 60 Minuten vor der Markthalle am Golden Gate Parkway zu sein – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.
10.00 Uhr Nach einer bescheidenen Brotzeit scheuche ich das Haustier zum Auto und schicke mich an, mit quietschenden Pneus zum Supermarkt meines Vertrauens zu rasen. Unterdessen drehe ich am Frequenzrad des Radios und habe das Vergnügen, auf WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) die schöne Jason Aldean Komposition “You Make It Easy” (löblich: Du machst es leicht) zu hören – wie aufregend.
10.30 Uhr Dreissig Minuten später erreiche ich mein Ziel und kann den PS-strotzenden SUV direkt neben Edelberts JEEP auf einem ausgewiesenen Behindertenparkplatz (unlöblich: Disabled parking space) abstellen. Anschliessend schlendern wir gutgelaunt in den klimatisierten Flachbau und der Professor unterbreitet, dass in den Vereinigten Staaten zirka 50 Millionen behinderte Menschen leben. Ich nicke eifrig und weise auf die Tatsache hin, dass die amerikanische Regierung im Jahre 1989 ein Gesetz zum Schutze Behinderter verabschiedet und alle Gewerbetreibenden angewiesen hat, Behindertenparkplätze einzurichten – das ist prima.


Ich parke auf einem Behindertenparkplatz

11.00 Uhr Schlussendlich machen wir einem störrischen Rentner (89) einen Einkaufsagen streitig und wählen allerhand Waren des täglichen Bedarfs aus. Unter anderem sehe ich mich in der Obst- und Gemüseabteilung ganz genau um und fasse den Entschluss, nicht nur einen Salatkopf, sondern auch etliche Äpfel in den Wagen zu verfrachten. Danach nehme ich eine Packung mit 10 Eier vom Regal und lasse meinen Begleiter wissen, dass ich am Abend köstliche Rühreier zubereiten werde – schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.
12.00 Uhr Pünktlich zur Mittagszeit werden wir an Kasse Nummer 7 vorstellig und erkunden uns, ob es für leidgeprüfte Rentner Rabatte gibt. Die übergewichtige Marktmitarbeiterin schüttelt jedoch den Kopf und fordert uns auf, kapp 80 Dollars herauszurücken. Obgleich ich keinen Goldesel im Vorgarten stehen habe, komme ich der Bitte anstandslos nach und merke an, dass ich alsbald im Schuldenturm landen werde – wo soll das noch hinführen.
12.30 Uhr Nachdem wir die schweren Tüten in den Autos verstaut haben, kehren wir mit Dixon im Schlepptau in die benachbarte “Blimpie” Schnellesswirtschaft ein. Ruckzuck drängen wir uns zur Essensausgabe vor und ordern lustige “Philly Cheesesteak” sowie durstlöschende Diät Cola – schmeckt gar nicht schlecht.


Prost

13.15 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, bimmelt plötzlich meine Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und Georg meldet sich in der Leitung. Mein Bruder ist ganz aus dem Häuschen und berichtet, dass er immer noch “on the Road” (löblich: Auf der Strasse) ist und nun doch erst am Samstag in Naples zurück sein wird. Als ich genauer nachfrage, rückt mein Verwandter mit der ganzen Wahrheit heraus und sagt, dass er die Nacht in St. Petersburg verbringen und am Abend das Baseballspiel “Tampa Bay Rays” gegen die “Seattle Mariners” im örtlichen Tropicana Stadion anschauen wird – gleich platzt mir der Kragen.
13.45 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, die Heimreise anzutreten. Wie es sich gehört, wische ich mir den Mund an einer Serviette ab und wünsche dann dem Professor einen ruhigen Nachmittag. Im Anschluss helfe ich dem Vierbeiner auf die Ladefläche des Chevrolets und gleite zufrieden nach Hause.
14.30 Uhr Im Willoughby Drive angekommen, räume ich die Lebensmittel in den Eiskasten und gönne mir in der guten Stube eine Pause. Schnell döse ich ein und träume von meiner Reise quer durch den Kontinent.
15.30 Uhr Ich öffne die Augen und ringe mich dazu durch, Dixon in den Garten zu folgen und etwas zu arbeiten. Trotz schweisstreibenden Temperaturen rupfe ich Unkraut aus dem Petersilienbeet und schneide die ausgewachsenen Triebe aufs rechte Mass zu – das macht Spass.


Die Petersilie wächst und gedeiht

16.30 Uhr Fix und foxi beende ich mein Werk und sorge in der Küche für ein reichhaltiges Abendessen. Pfeifend zaubere ich unter Hund Dixons fordernden Blicken köstliche Rühreier und vergesse auch nicht, die köstliche Jause mit Petersilie aus eigenem Anbau zu verfeinern – wie aufregend.
18.00 Uhr Nachdem ich die Geschirrspülmaschine eingestellt habe, lasse ich den nervenaufreibenden Tag im kühlen Wohnzimmer ausklingen. Als erstes fröne ich den FOX Nachrichten und lerne, dass in der kommenden Woche der “Flag Day” (löblich: Flaggentag) gefeiert wird – wie schön.
18.45 Uhr Nachdem ich mich auf den neuesten Stand gebracht habe, wechsle ich auf HBO und erfreue mich budweiserschlürfend am spannenden Western “Lawman” aus dem Jahre 1971. Regisseur Michael Winner erzählt in seinem Meisterwerk die Geschichte eines Gesetzeshüters, der alles daran setzt, die kriminellen Söhne eines reichen Grundbesitzers vor Gericht zu bringen – da kommt Spannung auf.
20.45 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt lösche ich sämtliche Lichter und lege mich schlafen. Gute Nacht.

4. Juni 2018 – Apalachicola National Forest

08.00 Uhr Ich werde durch das wunderschöne George Strait Lied “Baby Blue” (löblich: Baby Blau) geweckt. Weil ich das Lied sehr schätze, betätige ich den OFF (löblich: AUS) Knopf auf dem Radiowecker und rufe die ALEXA Musiksäule auf, das im Jahre 1988 erschienene Erfolgsalbum “If You Ain’t Lovin’ You Ain’t Livin'” (löblich: Wenn du nicht liebst, kannst du nicht leben) des Künstlers abzuspielen. Das AMAZON Wunderwerk setzt meinen Befehl prompt in die Tat um und ich habe das Vergnügen, während der Morgengymnastik handgemachter Landmusik zu lauschen. Neben “Baby Blue” komme ich ausserdem in den Genuss, das gleichnamige Titellied sowie den 1988er Nummer 1 Schlag “Famous Last Words of a Fool” (löblich: Die berühmten letzten Worte eines Trottels) zu hören.


George Strait – If You Ain’t Lovin’ You Ain’t Livin’

09.00 Uhr Nachdem ich meine Glieder gelockert habe, stelle ich die leistungsstarke DeLonghi Kaffeemaschine ein. Danach verabschiede ich mich in die Nasszelle und lasse es mir während des Badevergnügens nicht nehmen, die Handtelefonnummer meines Bruders in die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) einzutippen. Georg meldet sich nach dem zweiten Tuten und setzt mich darüber in Kenntnis, dass er gerade mit Maria ein opulentes Frühstück genossen hat und nun zum “Apalachicola National Forest” krusen wird. Ich mache grosse Augen und vernehme weiter, dass der besagte Nationalpark der grösste in Florida ausgewiesene Forst ist – das hört man gerne.
10.00 Uhr Nach dem Telefonat hüpfe ich aus der Wanne und trockne mich redlichst ab. Anschliessend schlüpfe ich in farbenfrohe Freizeitkleidung und verzehre die wichtigste Mahlzeit des Tages in Hund Dixons Gesellschaft. Leider wird die himmlische Ruhe wenig später durch stetiges Türeklingeln gestört. Zu meiner Freude steht Edelbert vor der Pforte und lädt sich selbst zum Frühstück ein. Ich hole ein zweites Gedeck aus dem Küchenschrank und zaubere Rühreier mit Speck. Unterdessen nimmt mein Hausgast den “Kosmos Käferführer” in Augenschein und erkundigt sich, ob ich unter die Koleopterologen gegangen bin. Ich schüttle entschieden den Kopf und stelle klar, dass ich am Freitag einen Sandläufer gesehen habe. Mein Tischnachbar legt die Stirn in Falten und belehrt, dass derzeit nur ein geringer Teil aller auf der Welt lebenden Lebewesen erfasst sind. Ferner mutmasst Edelbert, dass ich womöglich eine neue Gattung entdeckt habe – papperlapapp.


Der Kosmos Käferführer – ein spannendes Buch

10.30 Uhr Nachdem mich der schlaue Mann ermutigt hat, eine Skizze des Insekts anzufertigen und mit dem renommierten “Smithsonian Institut” in Washington DC in Verbindung zu treten, nehme ich einen letzten Schluck Kaffee und fasse den Entschluss, meinem Haustier etwas Auslauf zu bescheren. Mit Edelbert und dem Vierbeiner im Schlepptau verlasse ich die kleine Villa und schlendere gutgelaunt zum nahegelegenen “La Playa” Golfplatz. Nebenher werfe ich dem Rüden Stöckchen zu und verrate meinem Bekannten, dass meine unterbelichtete Mieterin in einem Monat nach Florida ausfliegen wird – das kann ja heiter werden.
11.15 Uhr Kurz nach dem Elfuhrläuten stehen wir vor dem schmiedeeisernen Eingangstor der Golfanlage und ringen uns dazu durch, dem Vereinsheim einen Besuch abzustatten. Mit vertrockneten Hälsen kehren wir in die Wirtschaft ein und gönnen uns süffige Hopfenkaltschalen. Um nicht zu verhungern, werfen wir prüfende Blicke in die Tageskarten und ordern ausserdem Baconburger (löblich: Schinkenburger) mit Kartoffelstäben und Salat.


Ich beisse kraftvoll zu

11.45 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, berichte ich meinem besten Freund von Georg und Marias Reise und unke, dass die beiden am kommenden Mittwoch zurück sein werden. Edelbert stibitzt sich einen Kartoffelstab von meinem Teller und meint, dass wir im August ebenfalls eine Forschungsreise in Angriff nehmen und nach Texas rasen sollten – das werden wir erst noch sehen.
12.45 Uhr Nach der Stärkung machen wir uns auf den Heimweg und tauschen uns über die aktuelle Staffel der beliebten “America’s Got Talent” (löblich: Amerika hat Talent) Fernsehserie aus. Der Professor hat nur Hohn und Spott für die Protagonisten übrig und beteuert, dass er die zweite Folge ganz bestimmt nicht anschauen wird – jaja.
13.30 Uhr Zuhause angekommen, reiche ich dem schlauen Mann die Hand und wünsche ihm einen angenehmen Nachmittag. Anschliessend werfe ich die Pforte ins Schloss und mache es mir zur Aufgabe, Hund Dixon zerzaustes Fell zu bürsten – immerhin ist gutes Aussehen in der heutigen Zeit sehr wichtig.


Hund Dixon ist brav

14.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 2 zugeht, lasse ich die Fensterrollos nach unten gleiten und bette mich auf dem Wohnzimmerkanapee zur Ruhe. Alsbald döse ich ein und träume von spannenden Abenteuern auf dem Appalachian Trail – das waren noch bessere Zeiten.
15.00 Uhr Weil es für das Nachtmahl noch zu früh ist, setze ich mich an den Heimrechner und rufe Depeschen besorgter Erziehungsberechtigter ab. Ich ärgere mich masslos und erfahre von Herr Oskar M. (75) aus der schönen Stadt Peine, dass sich sein frecher Sohn Pascal (15) entschlossen hat, eine Lehre aus Masseur anzustreben. Ich winke demonstrativ ab und lasse den Familienvater wissen, dass dieser Beruf ganz und gar unlöblich ist.
16.00 Uhr Nachdem ich die neuen Einträge im Gästebuch überflogen habe, gehe ich von der Leine und lotse den Vierbeiner in den Garten. Wie es sich gehört, sammle ich abgefallene Palmwedel auf und vergesse auch nicht, den Rasensprenger einzustellen – wie aufregend.
17.00 Uhr Nachdem ich mit Frau Pontecorvo getratscht habe, mache ich kehrt und bereite das Abendessen vor. Weil ausgewogene Ernährung sehr wichtig ist, erwärme ich Gemüse in einer Pfanne und brate ausserdem ein gesundes T Knochen Schnitzel (unlöblich: T Bone Steak) an – wie das duftet.


Fleisch ist sehr gesund

18.00 Uhr Nach der Jause lasse ich den Tag vor der Glotze ausklingen. Ich folge den FOX Nachrichten und lerne, dass die NASA einen Hubschrauber bauen möchte, der unbemannt zum Mars fliegen kann – so ein Schmarrn.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit wechsle ich auf den Bezahlsender AMC und gebe mich dem nagelneuen Serienspiel “Dietland” (löblich: Diätland) hin. Die Eigenproduktion erzählt die Geschichte einer übergewichtigen Dame, die sich nichts sehnlicher wünscht, als schlank zu sein – das soll mir auch Recht sein.
21.00 Uhr Als nach der zweiten Episode der Abspann über die Mattscheibe flimmert, betätige ich den AUS Knopf auf der Fernbedienung. Zu guter Letzt stelle ich das Bierglas in die Spüle und lege mich schlafen. Gute Nacht.

30. Mai 2018 – Doch erst Morgen …

08.00 Uhr Beschwingt durch amerikanische Landmusik (unlöblich: Countrymusic) hüpfe ich aus dem Bett und läute den sonnigen Morgen mit dem Frühsport ein. Während ich auf der Terrasse mit den Armen rudere, kommt plötzlich Frau Pontecorvo daher und lotet aus, ob ich ihr beim Frühstück Gesellschaft leisten möchte. Weil man einen geschenkten Gaul sprichwörtlich nicht ins Maul schaut, stimme ich prompt zu und entgegne, dass ich gegen halb Zehn nach nebenan kommen werde – da kommt besonders grosse Freude auf.
08.30 Uhr Im Anschluss ziehe ich mich ins Bad zurück und lasse die Seele bei einem erfrischenden Wirbelbad baumeln. Zudem rufe ich bei Prof. Kuhn an und gebe vor, dass meine Verwandten in acht Stunden einen Stahlvogel besteigen und nach Florida ausfliegen werden. Ferner erinnere ich, dass die lieben Menschen die Nacht in Miami verbringen und erst Morgen in Naples eintreffen werden. Edelbert ist hellauf begeistert und sagt, dass er einen Blumenstrauss besorgen und meine Schwägerin mit lustigen Tulpen überraschen wird – das soll mir Recht sein.


Es gibt Käsekuchen

09.30 Um meine Nachbarin nicht warten zu lassen, schlüpfe ich geschwind in farbenfrohe Freizeitkleidung und animiere den Vierbeiner, mir nach nebenan zu folgen. Alsbald stosse ich die Haustüre des Nachbaranwesens auf und werde von meiner Bekannten herzlich begrüsst. Die kleine Frau haucht mir ein Bussi auf die Wange und unterbreitet, dass sie mich mit leckerem Käsekuchen und Rühreiern verwöhnen wird. Wie es sich gehört, setze ich mich spornstreichs an den festlich gedeckten Frühstückstisch und lasse es mir nicht nehmen, kraftvoll zuzubeissen. Ausserdem spüle ich meinen ausgetrockneten Hals mit brühfrischen Bohnentrunk durch und lasse meine Tischnachbarin wissen, dass ich gleich zum Supermarkt krusen und Lebensmittel besorgen werde.
10.00 Uhr Als ich aus dem Zungeschnalzen gar nicht mehr herauskomme und ein zweites Kuchenstück herausfordere, kommt Frau Pontecorvo auf die Ankunft meiner Familie zu sprechen und erkundigt sich, ob ich eine Willkommensfeier plane. Ich schüttle entschieden mit dem Kopf und weise auf die Tatsache hin, dass Georg und Maria erst morgen im laufe des späten Nachmittages zu uns stossen werden.
10.30 Uhr Mit vollem Bauch erhebe ich mich von der Tafel und scheuche das Haustier nach nebenan. Dummerweise sehe ich mich in der guten Stube mit Frau Gomez konfrontiert und erfahre, dass ich vom Supermarkt nicht nur einen Allzweckreiniger, sondern auch Waschpulver mitbringen muss. Augenrollend schnappe ich mir die Hundeleine von der Ablage und ziehe es vor, kehrt zu machen und in den PS-strotzenden SUV zu steigen.
11.15 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise erreiche ich mein Ziel und kann den frischaufpolierten Chevrolet direkt vor dem Haupteingang abstellen. Während Dixon im Auto verweilt, renne ich wildgestikulierend in den klimatisierten Flachbau und mache einem störrischen Rentner (92) mit Halbglatze einen Einkaufswagen streitig. Danach nehme ich die Sonderangebote ins Visier und registriere, dass man beim Kauf mehrerer “Uncle Ben’s” Produkte bis zu 25% einsparen kann. Da ich bekanntlich auf den Taler achten muss, verfrachte ich sogleich etliche Reiskartons sowie diverse Fertiggerichte in den klapprigen Wagen.


Ich kaufe eine Tüte Mäusespeck

12.00 Uhr Nachdem sich ein stattlicher Haufen angesammelt hat, schlendere ich zum Süssigkeitenregal und wende mich den Schmankerln zu. Ruckzuck werfe ich gesunde Hershey’s Schokolade, Mäusespeck (unlöblich: Marshmallows) sowie Bonbons zu den anderen Waren zu begebe mich dann zur Kasse, um einer Marktmitarbeiterin ein kleines Vermögen zu bescheren – was muss ich denn noch alles ertragen.
13.00 Uhr Fix und foxi lasse ich den Motor aufheulen und gleite zu einer McDonalds Schnellessfiliale, um drei Quarter Pounder (löblich: Viertelpfünder), Kartoffelstäbe sowie einen grossen Becher Diät Cola am Drive Thru (löblich: Fahr hindurch) Schalter zu ordern – was das wieder kostet.
14.00 Uhr Zum Abschluss des Schoppingausflugs komme ich hupend vor “Bob’s Liquor Store” zum Stehen und mache es mir zur Aufgabe eine Kiste bayerisches Vollbier, zwei Sechserpacks Budweiser sowie mehrere Humpen Cristal Schaumwein zu kaufen. Darüber hinaus tratsche ich mit dem Ladenbesitzer und lege anschaulich dar, dass ich Morgen Abend meine Verwandten im Sonnenscheinstaat begrüssen werde.


Sprudelsekt darf nicht fehlen

15.00 Uhr Mit den Nerven am Ende treffe ich zu Hause ein und verstaue die Lebensmittel im Eiskasten. Nach getaner Arbeit lege ich in der guten Stube die Beine hoch und döse prompt ein – das tut gut.
16.00 Uhr Ich öffne die Augen und fülle den Napf meines Haustieres mit frischem Trinkwasser auf. Weil es für das Abendessen noch zu früh ist, deute ich zur Terrassentüre und bringe einen gemeinsamen Gassigang zur Sprache. Dixon ist kaum zu bändigen und begleitet mich zum nahegelegenen La Playa Golfplatz, um im kniehohen Gras nach verloren gegangenen Golfbällen Ausschau zu halten – das macht Spass.


Hund Dixon sucht Golfbälle

17.00 Uhr Wieder zurück in der kleinen Villa, hantiere ich in der Küche mit der Pfanne und zaubere im Handumdrehen schmackhafte Bratkartoffeln mit Spinat und Fischstäben – wie gut das duftet.
17.30 Uhr Nach der Brotzeit nehme ich die leistungsstarke Geschirrspülmaschine in Betrieb und komme zu dem Schluss, dass mich dieser Stress bald ins Grab bringen wird. Trotz aller Widrigkeiten lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und blättere wissbegierig in der Fernsehzeitung.
18.00 Uhr Um endlich zur Ruhe zu kommen, nehme ich auf dem Sofa platz und mache mich auf FOX über die aktuellen Geschehnisse in der Welt schlau. Nebenher kippe ich mir ein süffiges Löwenbräu Bier hinter die Binde und labe mich an lustigen M&M’s – das schmeckt.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit wechsle ich auf AMC und gebe mich dem Katastrophenfilm “Twister” aus dem Jahre 1996 hin. Die hanebüchene Hollywoodproduktion handelt von einem Meteorologen, der es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, Wirbelstürme und Tornados zu erforschen.
21.00 Uhr Als zweistündigem Klamauk flimmert der Abspann über den Flachbildschirm und ich beende den Fernsehabend. Danach wünsche ich Dixon angenehme Träume und lege mich schlafen. Gute Nacht.

17. Mai 2018 – Ölwechsel und Autowäsche

08.00 Uhr Ein neuer Tag beginnt und ich hüpfe ausgelassen aus dem warmen Bett. Weil meine Glieder ganz eingerostet sind, scheuche ich Hund Dixon auf die Terrasse und mache es mir zur Aufgabe, mit den Armen zu rudern und pfeifend auf und ab zu hüpfen. Unterdessen mache ich mir eigene Gedanken und fasse den Entschluss, meinem PS-strotzenden Chevrolet nicht nur eine Autowäsche, sondern auch neues Motoröl zu spendieren.
08.30 Uhr Nach dem Frühsport ziehe ich mich ins Badezimmer zurück und läute den Morgen mit einem erfrischenden Wirbelbad ein. Da gutes Aussehen heutzutage sehr wichtig ist, wasche ich mir die Haare und vergesse auch nicht, mir die Bartstoppeln abzurasieren – da kommt besonders grosse Freude auf.
09.30 Uhr Sechzig Minuten später kehre ich in die Küche zurück und brühe echten Bohnenkaffee auf. Just als ich eine Pfanne auf den Herd verfrachte, werde ich beim Blick aus dem Fenster Zeuge, wie Edelberts schneeweisser JEEP vor meinem kultivierten Zuhause zum stehen kommt. Natürlich öffne ich spornstreichs die Pforte und heisse meinen Bekannten herzlich Willkommen. Der schlaue Mann wünscht mir ebenfalls einen schönen Morgen und erzählt, dass er vitaminreiche Cannolis aus der Biscotti Farrugia Bäckerei mitgebracht hat. Ich lecke mir die Lippen und zögere nicht, ein weiteres Gedeck aus dem Küchenschrank zu holen.


Ich beisse kraftvoll zu

10.00 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen und uns an Rühreiern mit Speck laben, komme ich auf gestern zu sprechen und lasse den Professor wissen, dass ich knapp 2.000 Dollars in Autoreifen investiert habe. Edelbert nickt zustimmend und kündigt an, dass er meinem Beispiel folgen und sich ebenfalls bald brandneue Pneus zulegen wird. Darüber hinaus verrate ich, dass ich nach der wichtigsten Mahlzeit des Tages die Chevrolet Vertretung meines Vertrauens ansteuern und einen Ölwechsel durchführen lassen werde. Mein Tischnachbar wird augenblicklich hellhörig und sagt, dass er keinen wichtigen Terminen nachkommen muss und mich kurzerhand begleiten wird.
10.45 Uhr Wenig später sitzen wir im geräumigen SUV und schicken uns an, zu “Rick Hendrick Chevrolet Naples” an der Airport Pulling Road zu rasen. Zudem tratsche ich angeregt mit Edelbert und vernehme, dass wir schon bald das Vergnügen haben werden, seinen Sohn im Sonnenscheinstaat begrüssen zu können. Ich mache grosse Augen und entgegne, dass auch Georg und Maria ihr Kommen für Ende Mai angekündigt haben – das wird ein Spass.


Neues Öl für meinen SUV

11.30 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise erreichen wir endlich die Werkstatt. Während sich Edelbert die Neuwagen in der weitläufigen Ausstellungshalle anschaut, werde ich im Büro vorstellig und frage nach, ob es möglich wäre, einen Ölwechsel sowie eine professionelle Autowäsche durchzuführen. Der bierbäuchige Werkstattleiter freut sich über mein Kommen und versichert, dass es ein Kinderspiel werden wird, mein schönes Auto mit neuem Schmierstoff zu versorgen. Ich gebe mich erleichtert und antworte, dass ich währenddessen in die benachbarte “Starbucks” Filiale einkehren und eine kleine Brotzeit verdrücken werde.
12.00 Uhr Während ein Hilfsarbeiter meinen Wagen in die Werkstatt fährt, geselle ich mich an Edelberts Seite und gebe vor, dass wir in einer Stunde wiederkommen sollen. Um die Wartezeit sinnvoll zu überbrücken, deute ich in Richtung des Kaffeehauses und verspreche meinem Bekannten, dass ich für Speis und Trank einstehen werde.
12.45 Uhr Kurz nach der Mittagszeit finden wir uns bei Starbucks wieder und fressen lustige “Chicken Caprese” Sandwiches. Ausserdem trinken wir Kaffee und Edelbert weiss zu berichten, dass die weltumspannende Starbucks Firma im Jahre 1971 von drei aus Kalifornien stammenden Geschäftsmännern gegründet wurde. Prof. Kuhn ist bestens informiert und rechnet vor, dass der Grosskonzern einen Jahresumsatz von knapp 23 Milliarden Dollars einfährt – das ist ja kaum zu glauben.
13.45 Uhr Redlichst gestärkt kehren wir zur Werkstatt zurück und erfahren, dass mittlerweile sämtliche Arbeiten erledigt wurden. Der nette Heini hinter den Tresen präsentiert eine Rechnung über 97 Dollars und beteuert, dass auch der Ölfilter gewechselt werden musste. Ich zücke prompt meine prallgefüllte Geldbörse und beschere dem Deppen ein Trinkgeld in Höhe von 3 Dollars. Anschliessend helfe ich dem Vierbeiner auf die Ladefläche und kruse im frischaufpolierten SUV zügig zum Willoughby Drive zurück.


Mein Zuhause unter Palmen

14.30 Uhr Zuhause angekommen, verabschiede ich Edelbert und wünsche ihm einen schönen Fernsehabend. Danach versorge ich Hund Dixon mit einer Portion Trockenfutter und genehmige mir eine Pause in der klimatisierten Stube – diesem Stress steht nicht einmal der stärkste Rentner stand.
15.30 Uhr Weil es für das Abendessen noch zu früh ist, nehme ich augenrollend am Schreibtisch Platz und rufe Depeschen besorgter Heimseitenbesucher ab. Wie nicht anders zu erwarten, muss ich auch heute verzweifelten Menschen bei schwerwiegenden Problemen zur Seite stehen. Unter anderem berichtet Rentnerin Kreszentia V. aus dem niederbayerischen Landshut, dass sie täglich von ihren türkischstämmigen Nachbarskinder belästigt wird. Ich spreche der 97jährigen Trost zu und rate, beim Jugendamt vorzusprechen – wo kämen wir denn da hin.
16.30 Uhr Nach einer Stunde schalte ich den Heimrechner aus und freue mich auf den Feierabend. Während das Haustier im Garten mit dem Nachbarshund spielt, richte ich mir in der Küche eine kalte Platte an und verzehre das Abendessen bei angenehmen Temperaturen auf der Terrasse – das macht Spass.
18.00 Uhr Nach der Hausarbeit bette ich mich im Wohnzimmer zur Ruhe und folge gespannt den Nachrichten auf FOX. Ich mache mich über den blutigen Bürgerkrieg in Syrien schlau und höre, dass die verfeindenden Parteien erneut eine Waffenruhe ins Auge gefasst haben – diesen Unsinn muss man gehört haben.

19.00 Uhr Zur besten Sendezeit gebe ich mich dem Qualitätsprogramm von HBO hin und fröne der zweiten Staffel der Zukunftsserie “Westworld”. Nebenher verzehre ich Kartoffelstäbe und verstehe nur Bahnhof – wie unlöblich.
21.00 Uhr Um nicht ganz zu verblöden, beende ich den Fernsehabend und begleite Dixon noch einmal in den Garten. Im Anschluss reguliere ich die Klimaanlage und lege mich schlafen. Gute Nacht.