13. September 2017 – Aufräumarbeiten

08.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und bin glücklich, am gestrigen Abend wohlbehalten in Naples eingetroffen zu sein. Weil es viel zu tun gibt, rolle ich mich aus dem Bett und scheuche Hund Dixon auf die verschmutzte Terrasse.
08.30 Uhr Während sich die letzten dunklen Regenwolken nach Norden verziehen und die Mangroven im Wind wehen, lockere ich meine Glieder und registriere, dass etliche Palmen am künstlich angelegten Teich vom Hurrikan entwurzelt wurden. Ich kratze mich nachdenklich an der Schläfe und greife zum Besen, um den Schlamm von der Terrasse zu fegen. Unterdessen stattet mir Frau Pontecorvo einen Besuch ab und gibt sich erleichtert, weil Hurrikan Irma im Stadtgebiet nur geringen Schaden angerichtet hat. Ich blicke deprimiert drein und erinnere, dass die Menschen an der Küste leider nicht so glimpflich davon gekommen sind. In diesen Zusammenhang verweise ich auf den Stadtteil Naples-Manor und erörtere, dass dort zahlreiche Gebäude und Brücken zerstört und viele Grundstücke überflutet wurden. Frau Pontecorvo nickt eifrig und bittet mich, ihr beim Frühstück Gesellschaft zu leisten – das ist doch eine Selbstverständlichkeit.


Ich sorge auf der Terrasse für Ordnung

09.00 Uhr Zuvor lasse ich die Seele bei einem Wirbelbad baumeln und bemerke, dass aus dem Hahn kaum heisses Wasser fliesst – wie unlöblich.
10.00 Uhr Als ich nach dem Badespass in die Garage eile und den Heisswasserboiler in Augenschein nehme, fällt mir auf, dass die Steuereinheit durchgeschmort ist. Ich lege meine Stirn in Falten und bin mir sicher, dass ein Überdruck in der Wasserzuleitung den Schaden verursacht hat – gleich platzt mir der Kragen.
10.30 Uhr Trotz aller Nackenschläge lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und statt Frau Pontecorvo einen Besuch ab. Die Dame überrascht mich mit Pfannkuchen und gibt Anekdoten von ihrem Aufenthalt im Schutzraum der örtlichen Schule preis. Ich winke demonstrativ ab und lasse die kleine Frau wissen, dass ich einen Installateur verständigen muss. Meine Nachbarin überreicht mir die Gelben Seiten (unlöblich: Yellow Pages) und informiert, dass ich unter dem Begriff „Plumber“ bestimmt fündig werde. Ich fackle nicht lange und rufe kurzentschlossen bei „Bob Hill Plumbing“ an, um zu erfahren, dass sämtliche Mitarbeiter ausser Haus sind. Die Telefonistin seufzt laut und entgegnet, dass sie erst in zwei bis drei Wochen einen Handwerker in den Willoughby Drive schicken kann.
11.15 Uhr Missmutig beende ich das Gespräch und erkläre meiner Tischnachbarin, dass ich ein begnadeter Heimwerker bin und nun zu „Home Depot“ krusen werde. Frau Pontecorvo wünscht mir viel Vergnügen und kündigt an, währenddessen im Garten zu arbeiten und die Sturmschäden zu beseitigen – jaja.
11.45 Uhr Während der Reise zum Baumarkt meines Vertrauens, telefoniere ich mit Prof. Kuhn und erzähle, dass ich während der Nachmittagsstunden einen neuen Boiler installieren werde. Edelbert wird augenblicklich hellhörig und verspricht, zuerst die Fenster zu putzen und dann in den Willoughby Drive zu kommen.


Im Home Depot Baumarkt

12.15 Uhr Zur Mittagszeit betrete ich den überlaufenen Flachbau an der Airport Pulling Road und zögere nicht, an der Information vorstellig zu werden und mich nach den Boilern zu erkundigen. Ein dunkelhäutige Servicemitarbeiter wünscht mir einen schönen Tag und legt mir nahe, dem Hauptgang bis zum Ende des Gebäudes zu folgen. Ohne Umschweife komme ich dem Ratschlag nach und stelle fest, dass neben althergebrachten Speicheröfen auch neumoderne Durchlauferhitzer feilgeboten werden.
13.00 Uhr Fünfundvierzig Minuten später fälle ich eine Entscheidung und ringe mich dazu durch, ein Gerät aus dem Hause „Stiebel Eltron“ für 629 Dollars zu erwerben. Ein Marktmitarbeiter beglückwünscht mich zu meiner Wahl und animiert mich, die Rechnung an der Kasse zu begleichen – das hat gerade noch gefehlt.
13.30 Uhr Nach dem Bezahlvorgang presche ich mit durchdrehenden Pneus von dannen und passiere während der Heimreise umgestürzte Bäume, im Mitleidenschaft gezogene Wohnhäuser und sogar ein abgebranntes Delikatessengeschäft – wie schrecklich.
14.15 Uhr Wieder zurück im Willoughby Drive, treffe ich den Professor auf der Terrasse an. Der gute Mann deutet in Richtung einer fetttriefenden Tüte und sagt, dass er Hamburger mitgebracht hat. Ich stibitze mir eine belegte Semmel aus dem Beutel und flitze dann in die Garage, um den Hauptwasserhahn abzudrehen.


Ich beisse kraftvoll zu

15.00 Uhr Während Dixon durch den überschwemmten Garten streift und mit einer verendeten Möwe spielt, löse ich unter Edelberts skeptischen Blicken die Verschraubungen des Wasserzulaufs. Anschliessend hieve ich den in die Jahre gekommenen Boiler von der Wand und komme zu dem Ergebnis, dass nicht nur die elektronische Steuereinheit durchgeschmort, sondern auch der Wassertank verrostet ist. Unter Edelberts Mithilfe schleppen wir den Tand vor die kleine Villa und dübeln dann das Neugerät an die Wand – das soll uns erst mal einer nachmachen.
16.00 Uhr Zu guter Letzt stelle ich den Stromanschluss her und vergesse auch nicht, den Erhitzer mit dem Wasserzulauf zu verbinden – da kommt besonders grosse Freude auf.
16.45 Uhr Nach getaner Arbeit drehe ich den Hauptwasserhahn auf und lotse Edelbert in die Küche, um die Mischbatterie an der Spüle zu betätigen. Im Handumdrehen schiesst kochend heisses H²O aus dem Hahn und ich berichte meinem Bekannten, dass man nicht immer eine Fachfirma verständigen muss. Der Professor schlägt in die gleiche Kerbe und kredenzt mir ein eiskaltes Budweiser aus dem Kühlschrank – das schmeckt.


Ich ertränke meinen Ärger im Alkohol

17.30 Uhr Schlussendlich räume ich bei einsetzendem Regen das Werkzeug beiseite und mache es mir zur Aufgabe, abgebrochene Palmwedel, zerdepperte Dachschindeln sowie anderes Geröll von der Einfahrt zu fegen. Bei dieser Gelegenheit spähe ich zum Hausdach und gebe zu Protokoll, dass es schlau wäre, die Leiter hervorzuholen. Ruckzuck setze ich meine Idee in die Tat um und stelle mit grosser Erleichterung fest, dass Hurrikan Irma keine Schäden am Giebel angerichtet hat – wie beruhigend
18.30 Uhr Nachdem der Professor das Weite gesucht hat, kehre ich ins Haus zurück und richte mir eine Wurstplatte an. Während des Nachtmahls lausche ich dem Programm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und lerne, dass gemeinnützige Organisationen dazu aufgerufen haben, den Menschen finanziell beizustehen, die vom Tropensturm Irma um Haus und Hof gebracht wurden. Da ich nicht auf den Taler achten muss, setze ich mich sogleich an den Heimrechner und spende einen hohen einstelligen Betrag für hilfsbedürftige Familien.

19.00 Uhr Im Anschluss nehme ich die Geschirrspülmaschine in Betrieb und verabschiede mich in den Feierabend. Wie es sich gehört, fröne ich den Nachrichten und informiere mich über die verheerenden Schäden, die der Hurrikan in der Karibik und in Florida verursacht hat. Zudem rufe ich bei meinen Verwandten im fernen Kanada an und erzähle, dass ich gestern Abend sicher in Naples eingetroffen bin. Selbstverständlich bringe ich auch das Ferienhaus ins Spiel und lege anschaulich dar, dass Irma im Lowbank Drive kaum gewütet hat. Mein Bruder atmet tief durch und wünsche mir alles Gute – wie schön.
20.30 Uhr Weil mir langsam die Augen zufallen, beende ich den Fernsehabend und ziehe mich gähnend ins Schlafzimmer zurück. Gute Nacht.

4. September 2017 – Labor Day

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Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Heimseitenbesucher,

am ersten Montag im September wird in den Vereinigten Staaten der „Labor Day“ begangen. Der „Tag der Arbeit“ erinnert an den Gewerkschaftsvertreter Terence Vincent Powderly, der im Jahre 1869 die „Knights of Labor“ (löblich: Ritter der Arbeit) gründete und sich als Wortführer der Arbeitnehmer für einen Achtstundentag einsetzte. Darüber hinaus vertrat der schlaue Visionär die Meinung, dass alle Menschen, unabhängig von Rasse und Geschlecht, für die gleiche Arbeit auch den gleichen Lohn erhalten sollten.

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Das „Labor Day“ Wochenende läutet gleichzeitig das Ende der Summer Holidays (löblich: Sommerferien) ein. Viele Familien nutzen den staatlichen Feiertag, um noch einmal die Strände zu besuchen und Sonne zu tanken. Bereits morgen sind alle schulpflichtigen Kinder und Jugendlichen aufgerufen, in die Bildungseinrichtigen zurückzukehren und brav zu lernen – wie schön.


Nashville ist eine Reise wert

Den heutigen Feiertag verbringe ich mit Prof. Edelbert Kuhn in Nashville, TN – der sogenannten „Music City USA“ (löblich: Musik Stadt USA). Nachdem wir Samstag ein prima Konzert am „Public Square Park“ besucht haben, werden wir heute angesagte Gaststätten in Downtown besuchen – das wird ein Spass.

Ich wünsche allen Lesern einen wunderschönen Labor Day
Reinhard Pfaffenberg

2. und 3. September 2017 – On the Road …

Hallo Leute,

mein Vermieter ist immer noch „on the Road“ und wird höchstwahrscheinlich erst in der kommenden Woche im Sunshine State zurück sein. Nach einem Urlaub am Lake Simcoe in der kanadischen Provinz Ontario, zog es Reinhard, Hund Dixon und Prof. Edelbert Kuhn in die ehemalige Automobil-Hauptstadt der Welt. Detroit zählt knapp 700.000 Einwohner und ist immer noch Sitz der sogenannten „Big Three“ der amerikanischen Autoindustrie. GM, FORD und CHRYSLER sind seit Jahrzehnten die wichtigsten Arbeitgeber und bauen rund um Detroit immer noch viele Autos bzw. Autozubehörteile.

Aber ihr wisst sicher, dass die amerikanischen Autohersteller in den letzten 20 Jahren finanzielle Einbussen hinnehmen mussten. Dadurch erlebt die Gemeinde eine enorme Konzentration von Arbeitslosigkeit, Armut und Kriminalität. Diese Entwicklung fand mit dem Konkurs von „General Motors“ im Juni 2009 und dem daraus folgenden finanziellen Bankrott der Stadt weitere Tiefpunkte. Auf Wikipedia habe ich gelesen, dass Detroit pro Jahr Verbindlichkeiten von bis zu 10 Milliarden Dollar anhäuft. Mein Vermieter geniesst jedenfalls die Reise durch den Kontinent und ruft fast täglich an, um mir von seinen Abenteuern zu erzählen … 🙂


Ich geh‘ aufs Volksfest

Heute ist übrigens ein Volksfestbesuch geplant!
Ich werde mich gleich mit Cousin Bernd auf dem Volksfestgelände treffen und bei Bier, Radi und Brez’n ordentlich abfeiern. Ausserdem wollen wir mit dem Riesenrad fahren und uns am Schiessstand amüsieren 😉

Ausserdem muss ich mit meinem Vermieter skypen und mir von seinen Abenteuern berichten lassen. Reinhard trifft heute in Nashville ein und wird mit Edelbert die Stadt erkunden.

Ich hoffe, ihr habt ein schönes Wochenende mit viel Spass und noch mehr Sonne.
Eure Sandra

31. August 2017 – Cincinnati

08.00 Uhr Der letzte Augusttag bricht an und ich hüpfe ausgeruht aus dem Bett. Weil uns noch eine knapp 1.200 Meilen lange Reise in den Sonnenscheinstaat bevorsteht, fackle ich nicht lange und verabschiede mich ins Bad.
09.00 Uhr Sechzig Minuten später stosse ich die Moteltüre auf und freue mich, Prof. Kuhn pfeiferauchend vor der „La Quinta Inn“ Herberge anzutreffen. Mein Bekannter fabriziert lustige Rauchringe und plappert, dass wir heute bis nach Columbus im Bundesstaat Ohio vorstossen werden. Ich seufze laut und informiere, dass ich den Beifahrer mimen werde. Um meiner Aussage Nachdruck zu verleihen, händige ich meinem Gegenüber die Autoschüssel aus und stelle klar, dass wir zuerst frühstücken sollten. Edelbert zeigt sich einverstanden und deutet zur benachbarten McDonalds Schnellgaststätte – schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.


Bitte nicht rauchen

09.45 Uhr Nachdem wir zwei Big Breakfast with Hotcakes (löblich: grosse Frühstücke mit heissem Kuchen) gefressen und vitaminreiche Fruit ‚N Yoghurt Parfaits (löblich: Früchte und Joghurt Terrinen) ausgelöffelt haben, kehren wir zum Wohnmobil zurück und fahren radiohörend auf die Interstate 75 auf. Mit schönen Liedern im Ohr, folgen wir dem Detroit River und haben alsbald das Vergnügen, den Lake Erie in seiner vollen Pracht zu sehen.


Der wunderschöne Eriesee

10.30 Uhr Während wir an verlassenen Fabrikanlagen und brachliegende Feldern vorbeirasen, kommt Edelbert auf das Folksfest in unserer bayerischen Heimatstadt zu sprechen und beteuert, dass Admiral a.D. Bürstenbinder auch in diesem Jahr die Loge Nummer 7 angemietet hat. Ich nippe zufrieden an einer 7 UP Dose und entgegne, dass mir der Gusto nach einer kühlen Mass steht. Der Professor kommt aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und mutmasst, dass sich der ehemalige Seefahrer täglich einen Vollrausch ansaufen wird – wie schön.
11.00 Uhr Kurz nach der Staatsgrenze kommen wir an der 300.000 Einwohner zählenden Gemeinde Toledo vorbei. Während Dixon auf der Liegepritsche ein Schläfchen einlegt, versorgt mich der Professor mit Fakten und erzählt, dass der Automobilhersteller JEEP in diesem Nest PS-strotzende Geländewagen herstellt. Darüber hinaus erfahre ich, dass die Stadt über mehrere angesehene Bildungseinrichtungen verfügt – das soll mir auch Recht sein.
11.45 Uhr Wie auf Schienen rollen wir an heruntergekommenen Käffern vorbei und kommen prompt zu dem Schluss, dass Ohio neben unzähligen Tümpeln und schmierigen Flüssen nichts zu bieten hat. Um mir einen genauen Überblick zu verschaffen, schlage ich den Rand McNally Atlas auf und lerne, dass im Nordosten der „Cuyahoga Valley National Park“ zu finden ist, in dem es zahlreiche Wasserfälle zu bestaunen gibt – wie aufregend.


Wir reisen auf der Interstate 75

12.15 Uhr Nach 100 Meilen auf der I-75 verlassen wir die Schnellstrasse und gleiten auf dem Highway 23 nach Osten weiter. Um dem Vierbeiner etwas gutes zu tun, legen wir in der Kleinstadt Carey eine Pause ein und vertreten uns im örtlichen Memorial Park die Beine. Dummerweise geraten wir schnell an einen dümmlich dreinschauenden Gärtner, der uns darüber aufklärt, dass Hunde im Ortsgebiet an der Leine zu führen sind. Wir zucken gelangweilt mit den Schultern und ziehen es vor, kehrt zu machen und den Ortskern zu erkunden. Ruckzuck streben wir in eine SUBWAY Gaststätte und laben uns an hausgemachten Sandwiches und süffigem Diät Cola – das tut gut.
13.15 Uhr Nach der Stärkung setzen wir unsere Reise fort und preschen an Upper Sandusky, Marion und Waldo vorbei. Nebenher navigiere ich mit der Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) durchs Internetz und bringe in Erfahrung, dass wir die Hauptstadt des Staates in einer Stunde erreichen werden. Zudem lese ich, dass Columbus kaum Sehenswürdigkeiten bietet und von unzähligen Studenten der hiesigen „Ohio State University“ (löblich: Ohio Staatsuniversität) belagert wird. Ich mache grosse Augen und lasse Edelbert wissen, dass wir Columbus links liegen lassen uns gleich nach Cincinnati weiterfahren sollten. Prof. Kuhn nickt eifrig und macht es sich zur Aufgabe, die grösste Stadt des Bundesstaates weitläufig zu umfahren und in Richtung Cincinnati weiterzukrusen.
14.00 Uhr Da ein Heissgetränk nicht schaden kann, erhebe ich mich vom Beifahrersitz und brühe an der Kochnische Kaffee auf. Ausserdem stecke ich Dixon einen Kauknochen ins Maul und gebe vor, dass wir in spätestens einer Stunde in ein einladendes Motel eintschecken werden.


Dixon knabbert lustige Kauknochen

14.45 Uhr Edelbert beschleunigt den WINNEBAGO auf 65 Meilen und berichtet, dass Cincinnati und München eine langjährige Städtepartnerschaft verbindet. Ferner erinnert der schlaue Mann an die Tatsache, dass sich im 19. Jahrhundert viele deutschstämmige Immigranten in Cincinnati niederliessen – das hört man gerne.
15.45 Uhr Als der Minutenzeiger meiner ROLEX auf Viertel vor Vier zugeht, passieren wir das Willkommensschild einer der bedeutendsten Handels- und Fabrikstädte Amerikas. Edelbert drosselt die Geschwindigkeit und setzt mich darüber in Kenntnis, dass der Ohio River durch das Zentrum von Cincinnati fliesst und gleichzeitig die Grenze zum Nachbarstaat Kentucky darstellt. Ich reibe mir die Hände und ermutige meinen Begleiter, die Augen aufzumachen und nach einem geeigneten Motel Ausschau zu halten.


Willkommen in Cincinnati

16.30 Uhr Schlussendlich überqueren wir den Ohio Fluss und kommen mit quietschenden Pneus vor einem „Holiday Inn“ zum stehen. Obgleich die freundliche Empfangsdame 80 Dollars pro Zimmer veranschlagt, gehen wir auf den Handel ein und freuen uns, zwei luxuriöse Räumlichkeiten mit Blick auf Cincinnati beziehen zu können. Fix und foxi werfe ich meine Reisetasche auf das bequeme King Size Bett und serviere Dixon gesundes Trockenfutter.
17.15 Uhr Wenig später poche ich an Edelberts Zimmertüre und fordere ihn auf, mich nach unten zu begleiten. Mein Bekannter kommt augenblicklich in die Gänge und folgt mir ins hauseigene „Burger & Crafts“ Restaurant, wo wir perfekt gegrillte Steaks (unlöblich: Schnitzel) sowie frischgezapfte Hopfenkaltschalen vorgesetzt bekommen.
18.00 Uhr Als ich kraftvoll zubeisse, kommt mein Bekannter auf das Wochenende zu sprechen und sagt, dass wir bis spätestens Samstag Nashville erreichen sollten. Ich schlage in die gleiche Kerbe und erörtere, dass wir den für Montag anstehenden „Labor Day“ (löblich: Tag der Arbeit) in der sogenannten „Music City USA“ verbringen sollten.


Der Ohio River in Cincinnati

19.00 Uhr Mit vollen Bäuchen verlassen wir das „Holiday Inn“ und spazieren zum Ohio River, um Dixon etwas Auslauf zu verschaffen. Während der Vierbeiner ausgelassen herumtollt, steckt sich Edelbert seine Pfeife an und unterbreitet, dass es ziemlich kühl geworden ist. Ich stimme zu und merke an, dass in diesen Breitengraden der Herbst bereits Anfang September Einzug hält – das ist ja allerhand.
20.00 Uhr Zurück im Zimmer, schlüpfe ich aus den Kuhjungenstiefel und gönne mir ein wärmendes Vollbad mit Schaum. Danach schalte ich die Glotze ein und informiere mich bei den FOX Nachrichten über die tagesaktuellen Geschehnisse. Obgleich ich mich sehr für Politik interessiere, fallen mir schnell die Augen zu. Gute Nacht.

30. August 2017 – Detroit

08.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und kann es kaum noch erwarten, in wenigen Stunden die amerikanische Grenze zu erreichen und Detroit zu sehen. Da wir bereits gestern in Michigan eintreffen wollten, hüpfe ich ruckzuck aus dem weichen Motelbett und verabschiede mich ins Bad. Während Dixon einen Kauknochen verdrückt, dusche ich mich kalt ab und summe die Melodie von der launischen Forelle – was kann es schöneres geben.
08.45 Uhr Kurz vor dem Neunuhrläuten schleppe ich das Reisegepäck zum WINNEBAGO und stelle fest, dass Edelbert auch schon vor Ort ist. Mein Bekannter bringt die Frontscheibe des Wohnmobils auf Hochglanz und plappert, dass er grossen Hunger hat. Ich schlage in die gleiche Kerbe und erinnere, dass ich gestern Abend kurz nach der Autobahnausfahrt ein WENDY’S Werbeschild gesehen habe. Der Professor reibt sich den Bauch und lässt es sich nicht nehmen, die Schlüsselkarten zur Rezeption zu bringen.
09.30 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise, parken wir den TRAVATO auf dem Kundenparkplatz des Wendy’s Restaurants und gönnen uns ein reichhaltiges Frühstück. Während Edelbert etliche Honey Biscuits (löblich: Honig Milchsemmeln) verdrückt, labe ich mich an lustigen Mornin‘ Melt Paninis (löblich: geschmolzene Morgenpaninis) und gebe vor, dass wir spätestens in zwei Stunden in den Vereinigten Staaten sein werden. Mein Tischnachbar nickt zustimmend und beteuert, dass wir die kommenden Nacht in einem einladenden „La Quinta Inn“ vor den Toren Detroits verbringen könnten – das hört sich verlockend an.


Ich greife tief in die Tasche

10.00 Uhr Schlussendlich bezahle ich die Zeche aus der eigenen Tasche und schicke mich an, Hund Dixon über den Parkplatz zu scheuchen. Im Anschluss lasse ich den Automotor aufheulen und presche hupend von dannen. In einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt gleite ich auf dem Macdonald-Cartier Freeway gen Südwesten und lasse mir den Fahrtwind durchs Haar wehen. Edelbert blättert wissbegierig im Rand McNally Strassenatlas und berichtet, dass der Detroit River die natürliche Grenze zwischen Kanada und dem amerikanischen Bundesstaat Michigan darstellt – wie aufregend.
10.45 Uhr Weil wir am Nachmittag am Detroit River Spazieren gehen und die Wolkenkratzer bestaunen wollen, drücke ich ordentlich auf die Tube und beschleunige den WINNEBAGO auf 120 Stundenkilometer. Zudem setze ich auf einem schnurgeraden Strassenstück zu einem waghalsigen Überholmanövern an und lasse gut ein Dutzend Autos in einer Staubwolke hinter mir. Edelbert blickt skeptisch in den Seitenspiegel und erinnert, dass Geschwindigkeitsübertretungen in Kanada mit horrenden Strafen geahndet werden – das ist mir Wurst.
12.00 Uhr Pünktlich zur Mittagszeit, nähern wir uns dem „Detroit-Windsor Tunnel“ und sehen uns genötigt, die Fahrzeugpapiere sowie unsere Personalausweise vorzuzeigen. Der Grenzbeamte nimmt die Papiere ganz genau in Augenschein und möchte wissen, ob wir Zigaretten und/oder Alkohol mitführen. Natürlich schütteln wir entschieden die Köpfe und versichern, dass wir mit den Zollbestimmungen bestens vertraut sind und keine Schmugglerwaren mitführen. Der Knecht schenkt uns ein Lächeln und wünscht uns eine sichere Weiterfahrt – wie schön.


Der Detroit Windsor Tunnel

12.45 Uhr Nachdem wir den im Jahre 1930 eröffneten Tunnel durchfahren haben, erblicken wir die Himmelslinie (löblich: Skyline) von Detroit und fassen den Entschluss, das neumoderne „GM Renaissance Center“ links liegen zu lassen und direkt zum altehrwürdigen „Fisher Building“ (löblich: Fischer Gebäude) am Grand Boulevard zu rasen. Währenddessen erzählt Prof. Kuhn, dass das Art-deco Hochhaus von Joseph Nathaniel French konzipiert und im Jahre 1928 eröffnet wurde. Ausserdem lerne ich, dass das Hochhaus dem Reifen- und Fahrwerkshersteller „Fisher“ jahrelang als Hauptsitz diente. Edelbert ist bestens informiert und fährt fort, dass die Firma Fisher in den 1940er Jahren 44 Fertigungswerke in Michigan betrieb und zirka 50.000 Mitarbeiter beschäftigte.


Fisher Building – ein Wahrzeiten Detroits

13.30 Uhr Am Ziel angekommen, nehmen wir die wunderschöne Aussenfassade ins Visier und bringen in Erfahrung, dass das „Fisher Building“ seit 1989 denkmalgeschützt ist und nun Büros der örtlichen Schulbehörde sowie ein Lichtspielhaus beheimatet – das ist ja allerhand.
14.15 Uhr Da das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, eilen wir ins benachbarte „New Center One“ Einkaufszentrum und kehren kurzerhand ins „Ride Bowl“ Chinarestaurant ein, um köstliche Curry Shrimps mit Brokkoli und Reis zu fressen – schmeckt gar nicht schlecht.
15.00 Uhr Mit vollen Bäuchen schlendern wir zum Wohnmobil zurück und ringen uns dazu durch, zum Detroit Rivers zurückzufahren. Ich klemme mich spornstreichs hinters Lenkrat und gleite kurzerhand am „Detroit Institute of Arts“ vorbei, vor dessen Haupteingang eine Plastik des „Denkers“ ausgestellt ist. Edelbert erhebt neuklug den Zeigefinger und sagt, dass die Originalstatue im Besitz des Pariser „Musée Rodin“ ist und es sich hierbei nur um einen Bronzeguss handelt – das soll mir auch Recht sein.


Der Denker vor dem Detroiter Kunstmuseum

16.00 Uhr Nachdem wir an der mittlerweile verfallenen „Michigan Central Station“ sowie am Heimspielstadion der „Detroit Tigers“ – dem „Comercia Park“ – vorbei gekrust sind, steuern wir ein „La Quinta Inn“ im Vorort Southgate an. Nebenher hält Edelbert interessante Fakten bereit und erzählt, dass Detroit nach dem Kollaps der Autoindustrie in den letzten 50 Jahren über 60% seiner Bewohner verloren hat. Ferner weist mich der schlaue Mann auf die Tatsache hin, dass heutzutage 83% der knapp 700.000 Bürger Afroamerikaner sind – das ist ja allerhand.
17.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 5 zugeht, fahren wir auf dem „La Quinta Inn“ Parkplatz auf und sind froh, unsere heutige Tagesetappe hinter uns gebracht zu haben. Völlig erschöpft tschecken wir in die Herberge ein und sehen uns gezwungen, je 74 Dollars für ein Zimmer im zweiten Obergeschoss bezahlen zu müssen. Der freundliche Rezeptionist überreicht uns die Schlüsselkarten und unterbreitet, dass wir in der direkten Nachbarschaft die „Mallie’s Sports Bar“ finden werden – das hört man gerne.


Wir beissen kraftvoll zu

18.00 Uhr Nachdem wir uns frisch gemacht haben, statten wir mit Hund Dixon im Schlepptau der Gaststätte einen Besuch ab. Wir werden vom Wirt herzlich empfangen und nehmen uns das Recht heraus, zum Abendessen vitaminreiche Cheese Burger (löblich: Käseburger) mit Kartoffelstäben und Salat zu bestellen. Dazu trinken wir süffiges Amstel Bier und frönen auf einem der Grossbildleinwände einem Vorbericht zur anstehenden NFL Saison. Der Moderator berichtet über den sogenannten „Kick Off“ (löblich: Anstoss) am kommenden Donnerstag und meldet, dass die „Kansas City Chiefs“ im Gillette Stadium gegen die „New England Patriots“ antreten werden.
19.00 Uhr Ein aufregender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Nach dem zweiten Pitcher (löblich: Krug) begleichen wir die Zeche in Bar und laufen erheitert zum Motel zurück. Zu guter Letzt wünsche ich Edelbert eine ruhige Nacht und versorge Dixon mit einer stattlichen Portion Trockenfutter.
20.00 Uhr Nachdem ich mir die FOX Nachrichten angesehen habe, entspanne ich mich bei einem Schaumbad und rasiere mir die Bartstoppeln ab. Anschliessend lösche ich das Licht und falle fix und foxi ins Bett. Gute Nacht.