17. August 2017 – Lesespass am See

08.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und werde beim Blick aus dem Fenster Zeuge, wie David mit Hund Dixon am Lake Simcoe herumtollt. Da Morgenstund‘ sprichwörtlich Gold im Mund hat, stehe ich augenblicklich auf und geselle mich zu meinem Grossneffen. Der Bube wirft dem Rüden einen verdörrten Tannenzapfen zu und plappert, dass er sich gleich ins kühle Nass stürzen und mit seiner Wasserpistole spielen wird – das hört man gerne.
08.45 Uhr Nachdem ich Dixons Fell gebürstet habe, ziehe ich mich ins Gästebadezimmer zurück und lasse die Seele bei einem Brausebad baumeln. Nebenher mache ich mir meine eigenen Gedanken und ringe mich dazu durch, heute ebenfalls einen ruhigen Tag einzulegen – immerhin bin ich nicht mehr der Jüngste.


Hund Dixon spielt mit David

09.30 Uhr Kurz nach dem Neunuhrläuten stapfe ich mit dem praktischen KINDLE Lesegerät zum Haupthaus und nehme entspannt am Küchentisch Platz. Wie es sich gehört, wünsche ich meinen Verwandten sowie dem Professor einen schönen Morgen und merke an, dass ich den Tag lesend verbringen werde. Georg pfeift laut und wirft ein, dass er gleich mit dem Motorboot in See stechen und zur Mündung des West Holland Rivers krusen wird. Ich zucke mit den Schultern und labe mich an vitaminreichen KELLOGGS Zerealien – schmeckt gar nicht schlecht.
10.15 Uhr Nach der reichhaltigen Mahlzeit folge ich meinem Bruder zum Steg und nehme sein Yamaha Motorboot argwöhnisch in Augenschein. Währenddessen präsentiert Georg seine Angelutensilien und beteuert, dass es viel Spass bereitet, über den Lake Simcoe zu schippern und Fische zu fangen – papperlapapp.


Mein Bruder will angeln

11.00 Uhr Nachdem Edelbert und James zugestiegen sind, startet mein Bruder den Motor und setzt mich darüber in Kenntnis, dass er am frühen Nachmittag mit reicher Beute zurück sein wird. Ich mache schnell kehrt und leiste Maria und Amanda in der klimatisierten Küche Gesellschaft. Während die Damen die Spülmaschine mit schmutzigen Geschirr bestücken, rufe ich kurzentschlossen bei Frau Pontecorvo im fernen Naples an. Meine Nachbarin freut sich sehr und möchte wissen, wann ich in den Sonnenscheinstaat zurückkehren werde. Ich seufze laut und entgegne, dass ich noch eine Woche in Kanada bleiben werde.
11.30 Uhr Um keine Langeweile zu bekommen, strebe ich mit schnellen Schritten nach draussen und lasse mich in einen Liegestuhl fallen. Darüber hinaus nehme ich das KINDLE Lesegerät in Betrieb und halte auf dem weltgrössten Anschnurmarktplatz nach Neuerscheinungen Ausschau. Alsbald werde ich auf ein Sachbuch des angesehenen Politikwissenschaftlers Dr. Rolf Peter Sieferle mit dem Titel „Das Migrationsproblem: Über die Unvereinbarkeit von Sozialstaat und Masseneinwanderung“ aufmerksam. Weil mich das Thema brennend interessiert, fackle ich nicht lange und lade mir die 136seitige Pamphlet herunter – da kommt besonders grosse Freude auf


Rolf Peter Sieferle – Das Migrations-Problem

12.15 Uhr Während David ausgelassen planscht und Dixon mit Wasser bespritzt, überfliege ich die ersten Seiten und komme aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus. Dr. Sieferle geht mit der Bundesregierung hart ins Gericht und deckt das Fehlverhalten hochrangiger Politiker sowie Medienvertreter auf. Zudem behauptet der gute Mann, dass sich in Deutschland eine breite Gesinnungsfront formiert hat, die das gesamte im Bundestag vertretene politische Spektrum sowie auch den grössten Teil der Medienindustrie umfasst – dem ist nichts hinzuzufügen.
13.00 Uhr Missmutig kehre ich ins kühle Haus zurück und erkundige mich bei Amanda, wann das Mittagessen aufgetischt wird. Das junge Ding zuckt mit den Schultern und sagt, dass sie nun mit David und Maria im Lake Simcoe baden wird. Bevor ich Widerworte findet, drückt mir das Mädchen ein Messer in die Hand und animiert mich, mir selbst ein Wurstbrot zuzubereiten – das ist wieder typisch.
14.00 Uhr Just als ich an den See zurückkehre, tuckert plötzlich Georgs Boot ein. Ich begrüsse die lieben Leute herzlich und höre, dass sie kein Glück beim Angeln hatten. Mein Bruder späht nölend in den wolkenlosen Himmel und sagt, dass bei diesem heissen Wetter keine Forellen anbeissen wollten – das ist mir Wurst.
14.45 Uhr Während Georg das Motorboot antaut, reiche ich Edelbert das Lesegerät und erzähle, dass ich mir ein Sachbuch über die Massenimmigration zugelegt habe. Der schlaue Mann wird prompt hellhörig und lässt es sich nicht nehmen, das Werk eingehend zu studieren. Währenddessen lasse ich kein gutes Haar an Angela Merkel und unke, dass Deutschland angesichts des hohen Ausländerzustroms bald vor dem finanziellen Kollaps stehen wird.


Kanada ist prima

15.30 Uhr Wenig später setzt sich Georg zu uns und erinnert, dass Kanada nur wenige Ausländer ins Land lässt und diese nach Bedarf auswählt. Ich schlage in die gleiche Kerbe und unterbreite, dass der unkontrollierte Zustrom von Flüchtlingen in die Bundesrepublik den deutschen Sozialstaat vor massive Probleme stellen wird. Um meinen Aussagen Nachdruck zu verleihen, tippe ich auf das elektronische Lesebuch und rechne vor, dass ein Asylant Kosten in Höhe von 13.000 Euros pro Jahr verursacht – das ist ja allerhand.
16.30 Uhr Als James Holzkohle in den Grill füllt, beenden wir die hitzige Diskussion und gehen Maria in der Küche zur Hand. Während Edelbert und David einen gemischten Salat zaubern, schneide ich ein französisches Langbrot in Scheiben und beauftrage Georg, den guten Rotwein aus dem Kühlschrank zu holen.


Wir schlürfen Rotwein

17.15 Uhr Bei angenehmen Temperaturen machen wir es uns auf der Terrasse bequem und erfreuen uns an köstlichen T Bone Steaks (löblich: T Knochen Schnitzel) mit Bratkartoffeln. Nebenher lauschen wir dem Musikprogramm eines örtlichen Radiosenders und spülen unsere trocknen Hälse mit süffigem Rebentrunk durch.
18.30 Uhr Ein schöner Abend neigt sich langsam seinem Ende zu. Weil immer mehr Mücken um uns herumschwirren, verlagern wir unser Zusammensein in die gute Stube und schauen fern. Unter anderem folgen wir den Abendnachrichten und machen uns über die Sonnenfinsternis am 21. August schlau.
19.00 Uhr Nachdem sich David in sein Zimmer verabschiedet hat, nehmen wir mit dem NETFLIX Programm Vorlieb und geben uns weiteren Folgen der sehenswerten Serie „Ozark“ hin – da kommt Spannung auf.
21.00 Uhr Nach zweistündigem Nervenkitzel reiche ich die neumoderne Fernbedienung an Georg weiter und lege mich schlafen. Gute Nacht.

16. August 2017 – Casino Rama

08.00 Uhr Weil wir heute zum CASINO RAMA nach Orillia krusen wollen, stehe ich zeitig auf und nehme mir das Recht heraus, mit Hund Dixon zum Ferienhaus zu schlendern. Natürlich ist Georg bereits auf den Beinen und vertritt die Meinung, dass wir gegen 10 Uhr aufbrechen sollten. Als ich mich Maria und Amanda zuwende, winken die Frauenzimmer ab und kündigen an, sich dem Ausflug nicht anschliessen zu wollen. Darüber hinaus erfahre ich, dass die beiden lieber in Gilford Beach bleiben möchten – das soll mir auch Recht sein.
08.15 Uhr Während sich die lieben Leute um das Frühstück kümmern, ziehe ich mich ins Gästehaus zurück und dusche mich kalt ab. Natürlich rasiere ich mir auch die Bartstoppeln ab und denke daran, wie schön es werden wird, im Kasino ein saftiges Steak zu fressen und an den blinkenden Spielautomaten das Glück herauszufordern.
09.00 Uhr Kurze Zeit später setze ich mich an den festlich eingedeckten Frühstückstisch und werde von meiner Schwägerin mit brühfrischem Kaffee, röschen Speckstreifen und vitaminreichen Rühreiern verwöhnt. Ich greife augenblicklich zur Gabel und lasse David wissen, dass ich ihm heute ein kleines Bier spendieren werde. Der 11jährige macht grosse Augen und beteuert, dass er bei seiner Mutter bleiben wird – wie schade.


David möchte kein Bier – wie schade

10.00 Uhr Redlichst gestärkt geniesse ich einen letzten Schluck Kaffee und erkläre James, Edelbert und Georg, dass ich nun abfahrtbereit bin. Mein löblicher Neffe reibt sich die Hände und zögert nicht, seinen schönen Stetson Cowboyhut aufzusetzen und sich winkend zu verabschieden. Ich streichle Hund Dixon zum Abschied über den Kopf und verspreche, dass ich am Abend zurück sein werde. Danach folge ich meinem Bruder nach draussen und mache es mir neben dem Professor auf dem Rücksitz des PS-strotzenden JEEPS bequem.
10.30 Uhr Während der kurzweiligen Reise ins 80 Kilometer entfernte Orillia, verfrachtet James die nagelneue Kompaktscheibe des aus dem amerikanischen Bundesstaat Indiana stammenden Sängers Alex Williams in die Musikanlage. Ferner merkt der Bube an, dass dem Künstler eine ganz grosse Karriere bevorsteht – jaja.

11.30 Uhr Nach sechzig Minuten kommen wir vor dem CASINO RAMA zum halten. Da wir uns nicht um alles kümmern können, beauftragen wir einen Hotelknecht, das KFZ in der Parkgarage abzustellen. Anschliessend eilen wir lachend in den Kasinokomplex und kommen zu dem Schluss, dass wir als erstes ein Bier trinken sollten. Ruckzuck betreten wir eine Sportsbar und ordern am Tresen drei Flaschen „Labatt Blau“. Nebenher tratschen wir angeregt und sind froh, die Frauen zuhause gelassen zu haben – was kann es schöneres geben.
12.15 Uhr Nachdem wir unsere Kehlen geölt haben, flanieren wir durch die Spielbank und tauschen etliche Geldscheine in funkelnde Münzwährung um. Im Anschluss füttern wir die Glücksspielautomaten mit Kleingeld und hoffen auf hohe Gewinne. Während die bunten Symbolscheiben rotieren, berichte ich meinen Begleitern, dass der erste „einarmige Bandit“ im Jahre 1889 von Adolphe und Auguste Caille erbaut wurde – wie aufregend.


Einarmige Banditen / Bild: Pcb21 / CC BY-SA 3.0

13.15 Uhr Um 20 Dollars erleichtert, setzen wir unseren Spaziergang fort und nehmen zwei Heinis in Augenschein, die es sich an einem halbrunden „Black Jack“ (löblich: Schwarzer Jakob) Tisch bequem gemacht haben. James versorgt mich mit Infos und plappert, dass dieses Spiel auch „Siebzehn und Vier“ genannt wird. Ich stimme zu und entgegne, dass es sich die Männer zur Aufgabe machen, mit mindestens zwei Karten 21 Punkte zu erreichen.
14.00 Uhr Weil das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, steuern wir kurzentschlossen ins „St. Germain’s Steakhouse“, um vitaminreiche „Porterhouse Steaks“ mit Folienkartoffeln und Saisongemüse zu bestellen. Dazu gibt es süffiges Labatt Bier aus einem eisgekühlten Krug – das tut gut.


Wir beissen kraftvoll zu

14.45 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, nehme ich eine Hochglanzbroschüre in Augenschein und lerne, dass in zwei Tagen die berüchtigte Combo „KISS“ in der hauseigenen Konzerthalle pörformen wird. Zudem lese ich, dass sich zum Monatsende auch Frankie Valli angekündigt hat – das ist prima.
15.30 Uhr Nachdem wir die opulente Mahlzeit mit Schaumkaffees abgerundet haben, kehren wir in die Spielhalle zurück und fordern erneut die Glücksgöttin Fortuna heraus. Im Sekundentakt werfe ich Münzen in die Schlitze der Automaten und trinke dazu süffige Hopfenkaltschalen – das schmeckt.
16.15 Uhr Wenig später muss ich jedoch feststellen, dass in meinem Münzbecher gähnende Leere vorherrscht. Als ich James auf die Schultern klopfe und ihn bitte, mir mit etlichen Münzen auszuhelfen, schüttelt der Bube den Kopf und meint, dass er ebenfalls pleite ist – gleich platzt mir der Kragen.


Prost

16.45 Uhr Mit hängenden Köpfen kehren wir in die Sportsbar zurück und beschliessen den Tag mit weiteren Bieren. Ausserdem winke ich dem Barmann zu und bitte ihn, eine Portion Zwiebelringe zu servieren. Wenige Augenblicke später bimmelt plötzlich Georgs Handtelefon und der gute Mann sieht sich genötigt, mit seiner Ehefrau sprechen zu müssen. Georg lässt unseren Kasinobesuch Revue passieren und flunkert, dass er 200 Dollars gewonnen hat. 17.30 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, dem CASINO RAMA Lebewohl zu sagen und nach Gilford Beach zurückzufahren. Wir begleichen die Zeche mit bunten Scheinen und laufen dann an die frische Luft, um bei leichtem Nieselregen nach Hause zu krusen.


Zum Abendessen gibt es ein Italienisches Nudelschichtgericht

18.45 Uhr Zuhause angekommen, werden wir von Dixon bellend begrüsst. Ich streichle dem Racker durchs krause Fell und bringe heraus, dass Maria gleich das Abendessen auftischen wird. Natürlich lasse ich mich nicht zweimal bitten und mache mich über ein schmackhaftes Nudelschichtgericht (unlöblich: Lasagne) her. Nebenbei berichte ich von unserem nervenaufreibenden Kasinobesuch und mutmasse, dass die Spielautomaten manipuliert waren. James schlägt in die gleiche Kerbe und rechnet vor, dass er 80 Dollars verloren hat – das ist ja allerhand.
19.45 Uhr Schlussendlich setzen wir uns in die gute Stube und schauen uns die Abendnachrichten an. Neben den üblichen Schreckensmeldungen, erfahren wir auch, das es am 21. August zu einer totalen Sonnenfinsternis über den nordamerikanischen Kontinent kommen wird – das wird ein Spass.
21.00 Uhr Zu guter Letzt führe ich Dixon um das Ferienhaus und animiere ihn, sein Beinchen an den hochgewachsenen Sträuchern zu heben. Danach ziehe ich mich ins Gästehaus zurück und falle zufrieden ins Bett. Gute Nacht.

15. August 2017 – Mariä Himmelfahrt (Assumption Day)

bussbettag

Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Heimseitenbesucher,

in meiner weissblauen Heimat wird heute mit „Mariä Himmelfahrt“ ein wichtiger Feiertag begangen. Wie jedes Kind weiss, geht besagte Feierlichkeit auf ein altertümliches Marienfest zurück, welches Cyrill von Alexandrien im 5. Jahrhundert einführte.

Bereits die Heiden feierten am 15. August mit Astraea einen Himmelstag, der an die Vergänglichkeit des Seins und an die Heiligkeit des Geistes erinnert sollte. Cyrill, der Patriarch von Alexandrien entschloss sich kurzerhand, dem heidnischen Firlefanz entgegenzuwirken und den Bürgern der altägyptischen Stadt Alexandrien den Glauben an die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel schmackhaft zu machen. Aus diesem Grund veranstaltete der theologische Vordenker um 400 nach Christus ein rauschendes Fest zu Ehren der Gottesmutter. 1.550 Jahre später wurde der Feiertag von Papst Pius XII. zum Dogma erhoben und zählt seitdem zu einem der wichtigsten Feste des römisch-katholischen Glaubens – da kommt Freude auf.

Während der am heutigen Tage stattfindenden Gottesdienste rufen die Pfarrer und Priester dazu auf, zu Sträusse zusammengebundene Kräuter zum Altar zu bringen. Die geweihten Mariensträusse werden anschliessend in der guten Stube aufgehängt oder kranken Menschen überreicht.

Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika sowie in Kanada wird der Feiertag begangen. Hierzulande wird er jedoch „Assumption Day“ genannt. Viele Christen pilgern heute in die Gotteshäuser, um zu beten und die heilige Maria anzurufen – wie schön.

Ich wünsche allen Heimseitenbesuchern einen gesegneten Feiertag.
Reinhard Pfaffenberg

14. August 2017 – Georgian Mall

08.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und stelle mit Schrecken fest, dass es wie aus Kübeln schüttet. Angesichts des Starkregens ziehe ich mir die Bettdecke über den Kopf und versuche noch etwas zu schlafen.
08.15 Uhr Leider pocht bald Edelbert an die Türe und behauptet, dass das Gästebadezimmer unter Wasser steht. Ich rolle mich schwungvoll von der Matratze und nehme mir das Recht heraus, dem Professor in die Nasszelle zu folgen. Prompt erblicke ich unter dem Waschbecken eine Wasserlache und komme zu dem Schluss, dass der Ablauf verstopft ist. Weil ich handwerklich sehr geschickt bin, eile ich badebemäntelt ins Haupthaus und lasse meinen Bruder wissen, dass ich eine Wasserpumpenzange, einen Kübel sowie einen Lappen benötige. Georg kommt augenblicklich in die Gänge und lässt es sich nicht nehmen, mir ins Nebengebäude zu folgen.


Ich bin handwerklich sehr geschickt

09.00 Uhr Nachdem ich das Wasser aufgewischt habe, löse ich unter Edelberts und Georgs skeptischen Blicken das Drehgewinde des Siphons und bemerke, dass sich Haare im Ablauf festgesetzt haben. Mein Bruder legt seine Stirn in Falten und meint, dass es wohl schlauer wäre, einen Klempner zu verständigen. Ich nicke eifrig und mache es mir zur Aufgabe, den Siphon zuzuschrauben und mit dem Kulturbeutel zum Haupthaus zu stapfen.
10.00 Uhr Nach einer heissen Dusche im Badezimmer meiner Familie, lasse ich mich am Küchentisch nieder und bringe heraus, dass Georg mittlerweile mit einem Fachmann telefoniert hat. Der gute Mann gibt sich erleichtert und vertellt, dass zur Mittagszeit ein Wasserinstallateur anrücken und den Schaden beseitigen wird. Ich zucke mit den Schultern und gebe zu Protokoll, dass man bei diesem Sauwetter nicht aus dem Haus gehen kann. James und Amanda schlagen in die gleiche Kerbe und kündigen an, dass sie gleich nach Barrie fahren werden, um viel Geld in der „Georgian Mall“ zu lassen. Ich gebe mich interessiert und lerne, dass besagtes Kaufhaus drei Dutzend Fachhändler unter einem Dach vereint – das ist phantastisch.
10.45 Uhr Während sich Hund Dixon und Edelbert zu David und Maria ins Wohnzimmer gesellen, folge ich den Kindern zum JEEP und gebe vor, dass ich mich der Ausfahrt anschliessen werde. Mein löblicher Neffe freut sich und unterbreitet, dass ich beim Besuch des „Feta & Olives“ Feinkostladens bestimmt grosse Augen bekommen werde. Amanda kommt aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und meint, dass ihr Ehemann in besagtem Lebensmittelgeschäft jedes Mal ein kleines Vermögen lässt – wie unlöblich.
11.15 Uhr Als wir auf der Staatsstrasse 400 gen Norden rasen, kommt James auf das Konzert seiner Bande „FROG“ zu sprechen und behauptet, dass der Auftritt am vergangenen Freitag ein voller Erfolg war. Zudem vernehme ich, dass der Bube die Wintermonate zum Anlass nehmen wird, um neue Lieder für das nächste „Northstar“ Studioalbum zu komponieren – wie aufregend.

12.00 Uhr Nach 35 Kilometern parken wir den Geländewagen auf einem Besucherparkplatz und laufen bei strömendem Regen ins Kaufhaus. James lotst mich in sein Lieblingslebensmittelgeschäft und plappert davon, dass er Schafskäse kaufen wird. Währenddessen nehme ich die feilgebotenen Olivenöle in Augenschein und komme zu dem Schluss, dass ich mir kaum einen Liter Öl für 60 Dollars leisten kann. Trotz der kaum erschwinglichen Preise schoppen die jungen Leute ungeniert ab und ordern am Verkaufstresen zudem einen Laib Brot sowie eine Schale mit eingelegtem Moussaka. Weil ich das Gericht nicht kenne, stelle ich Amanda zur Rede und erfahre, dass es sich hierbei um Auberginen handelt, die mit Tomaten und Tintenfische in Öl eingelegt wurden – pfui Teufel.
13.00 Uhr Sechzig Minuten später verlassen wir das Geschäft und ich sehe mich genötigt, die Kinder in einen Kleidermarkt begleiten zu müssen. Während Amanda zu einem Raubtier mutiert und mit einem ganzen Berg Klamotten in einer Umkleidekabine verschwindet, wende ich mich James zu und informiere, dass ich mich glücklich schätzen kann, kein Weibsbild an meiner Seite zu haben. Der Bube seufzt laut und unkt, dass wir uns nun für Stunden die Beine in den Bauch stehen werden – das kann ja heiter werden.


Mein goldener Chronograph

14.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf halb Zwei zugeht, rennt Amanda mit gezückter Kreditkarte zur Kasse und investiert 200 Dollars in eine neue Tschiens sowie diverse T Hemden. Ich komme aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus und fasse den Entschluss, die jungen Leute zu einer Brotzeit im SUBWAY Gasthaus einzuladen. Unterdessen planen wir die kommenden Tage und vereinbaren, dass wir zum CASINO RAMA krusen und dort einen Wellness (löblich: Wohlfühl) Tag einlegen könnten – das hört sich verlockend an.
14.45 Uhr Mit vollen Mägen schlendern wir zum Auto und treten die Heimreise an. Während moderne Rockmusik aus den Lautsprechern des JEEPS dröhnt, beschleunigt James den PS-strotzenden Geländewagen auf schwindelerregende 50 Stundenkilometer und schlägt vor, dass wir uns den Abend mit der neuen NETFLIX Serie „Ozark“ vertreiben könnten. Amanda kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus und wirft ein, dass das mehrteilige Fernsehspiel sogar „Breaking Bad“ in den Schatten stellt.

15.45 Uhr Endlich erreichen wir unser Ziel und werden von Hund Dixon und David herzlich begrüsst. Während der Rüde auf und ab hüpft, schleppe ich mich gähnend in die gute Stube und bette mich auf dem Kanapee zur Ruhe.
16.45 Uhr Ich öffne die Augen und registriere, dass sich ein betörender Duft im Ferienhaus breitgemacht hat. Selbstverständlich hüpfe ich sogleich vom Sofa und freue mich, einen perfekt eingedeckten Esstisch vorzufinden. Maria füllt selbst zubereitete Zitronenlimonade in die Gläser und sagt, dass sie heute schmackhafte Käsespätzle auftischen wird. Ich reibe mir die Wampe und stibitze mir ein kühles Bier aus dem Eiskasten.


Labatt Blau – das tut gut

17.30 Uhr Als wir das Nachtmahl in vollen Zügen geniessen, bringt mein Bruder den Klempnerbesuch ins Spiel und rechnet vor, dass er dem Knecht knapp 300 Dollars geben musste. Darüber hinaus höre ich, dass der Handwerker mit einer Spule das Abflussrohr gereinigt hat – das ist ja allerhand.
18.30 Uhr Um endlich zur Ruhe zu kommen, machen wir es uns im Wohnzimmer bequem und geben uns dem NETFLIX Programm hin. James navigiert gekonnt durch das reichhaltige Angebot und setzt uns darüber in Kenntnis, dass die Kriminalserie „Ozark“ die Geschichte eines Finanzberaters erzählt, der mit seiner Familie von Chicago ins ländliche Missouri zieht und dort mit dem organisierten Verbrechen in Kontakt kommt – wie aufregend.
21.30 Uhr Als der Abspann der dritten Episode über den Bildschirm flimmert, macht mir Georg die Fernbedienung streitig und vertritt die Meinung, dass wir uns die restlichen Folgen morgen zu Gemüte führen sollten. Ich stimme zu und ziehe es vor, mich zum Abschluss des langen Tages abzuduschen und dann ins Bett zu gehen. Gute Nacht.

10. August 2017 – Holzarbeit und Leistenbrüche

08.00 Uhr Ich werde durch den Klang einer Gitarre geweckt und stelle beim Blick aus dem Fenster fest, dass sich James mit seiner Westernklampfe am Seeufer eingefunden hat. Natürlich rolle ich mich augenblicklich aus dem warmen Bett und zögere nicht, mich badebemäntelt an die Seite meines Neffen zu gesellen. Der Bube stimmt das schöne Lied „I Can’t Stop Loving You“ (löblich: Ich kann nicht aufhören dich zu lieben) an und berichtet, dass diese Komposition aus Don Gibsons Feder stammt. Ich nicke zustimmend und lasse mich am Steg nieder, um verträumt auf das stille Wasser zu spähen – was kann es schöneres geben.


Ich spähe auf den Lake Simcoe

08.30 Uhr Wenig später kommt Hund Dixon dazu und hüpft ausgelassen ins kühle Nass. Wir kommen aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und werfen dem Vierbeiner Stöckchen zu.
09.00 Uhr Leider wird unser Müssiggang bald durch Amanda gestört. James Ehefrau schimpft wie ein Rohrspatz und erinnert, dass Maria gleich das Frühstück auftischen wird. Ich seufze laut und ziehe es vor, schnell im Badezimmer zu verschwinden und mich abzuduschen – da kommt Freude auf.
09.45 Uhr Kurz vor dem Zehnuhrläuten nehme ich am festlich gedeckten Küchentisch platz und kneife David (11) in die Backe. Maria verfrachtet einen stattlichen Haufen Bratkartoffeln auf meinen Teller und sagt, dass wir gleich nach Gilford krusen und Brennholz für den Winter einkaufen müssen. Georg schlägt in die gleiche Kerbe und rechnet vor, dass er bei seinem Stammhändler für einen Cubic Metre (auf deutsch: Raummeter) lediglich 60 Dollars bezahlen muss. Ich staune nicht schlecht und bringe weiter heraus, dass sich mein Bruder entschlossen hat, in diesem Jahr ausschliesslich Eichenholz zu verfeuern – das ist phantastisch.


Bratkartoffeln schmecken prima

10.30 Uhr Nach der Mahlzeit folge ich Georg und James zur Scheune und bemerke, dass der Holzvorrat fast aufgebraucht ist. Mein Bruder schenkt mir ein Lächeln und kündigt an, dass er mit vier Ster gut über den Winter kommen wird. Bevor ich antworten kann, drückt mir der gute Mann Arbeitshandschuhe in die Hände und ruft mich auf, den Autoanhänger zum JEEP zu schieben – wie unlöblich.
11.00 Uhr Als ich hart schufte, macht es sich Edelbert auf der Veranda bequem und behauptet, dass er in jungen Jahren einen Leistenbruch hatte und uns leider nicht zur Hand gehen kann. Ich werfe meinem Bekannten skeptische Blicke zu und verbinde den Anhänger mit der Kugelkopfkupplung des Geländewagens. Danach hüpfe ich auf den Rücksitz und rufe den Professor auf, während meiner Abwesenheit auf Dixon aufzupassen.
11.30 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten kommen wir mit quietschenden Bremsen vor „Hensons Firewood Shop“ zum Stehen und werden vom Geschäftsinhaber per Handschlag begrüsst. Der Heini rotzt kraftvoll in sein Taschentuch und sagt, dass er seine Handlanger beauftragen wird, das Brennholz auf den Anhänger zu verladen.
12.00 Uhr Während zwei dumm dreinschauende Knechte behäbig in die Gänge kommen, deutet Georg zum benachbarten „Mrs. Betty’s Mercantile Shop“ und meint, dass wir einen von Mrs. Betty selbstgebackenen Käsekuchen kaufen könnten – das hört sich verlockend an.
12.30 Uhr Nachdem wir auch Schokoladenkekse, Rasierklingen und Kerzen besorgt haben, kehren wir zum Holzgeschäft zurück und sehen uns genötigt, 120 Dollars zu bezahlen.


Ich lösche meinen Durst

13.15 Uhr Am Lake Simcoe angekommen, schlüpfe ich in die Arbeitshandschuhe und helfe James und Georg, das Holz in die Scheune zu schleppen. Ausserdem kippe ich mir ein eiskaltes Bier hinter die Binde und sehne mich nach Naples zurück. HEUREKA – diesen Stress hält nicht einmal der stärkste Rentner aus.
14.15 Uhr Nach getaner Arbeit ruft uns Maria ins Haus und verwöhnt uns mit einem delikaten Sahnegeschnetzelten. Darüber hinaus erzählt die Gute, dass sie die Sauce mit etwas Rosmarin verfeinert hat – das schmeckt.
15.00 Uhr Redlichst gestärkt verabschiede ich mich in die gute Stube und lege auf dem bequemen Lederkanapee die Beine hoch. Bereits nach wenigen Augenblicken döse ich ein und träume von meiner kleinen Villa in Florida.


Mein Zuhause unter Palmen

16.00 Uhr Kurze Zeit später wird die Ruhe durch das ohrenbetäubende Dröhnen eines Dieselmotors unterbrochen. Stinksauer laufe ich an die frische Luft und stelle mit grosser Sorge fest, dass James, David und Amanda mit dem Motorboot in See stechen wollen. Ich lege meine Stirn in Falten und lasse Georg wissen, dass sich dunkle Gewitterwolken am Himmel zusammengebraut haben. Mein Bruder winkt demonstrativ ab und meint, dass die jungen Leute bald zurück sein werden – das will ich hoffen.
16.30 Uhr Da ich mich nicht um alles kümmern kann, pfeife ich auf den Fingern und gehe mit Dixon Gassi. Ich folge dem Seeufer gen Süden und erblicke während des Spaziergangs zwei lustige Grauhörnchen, die Nüsse von einem hochgewachsenen Walnussbaum stibitzen – diese Idylle muss man erlebt haben.


Ein lustiges Grauhörnchen

17.30 Uhr Zurück am Ferienhaus werde ich von David freudig Willkommen geheissen. Der Bube präsentiert einen Eimer und vertellt, dass er das grosse Glück hatte, zwei Seesaiblinge zu fangen. Ich mache grosse Augen und vernehme, dass Maria die Lachsfische morgen im Olivenöl herausbraten wird – das gibt ein Festessen.
18.15 Uhr Ein nervenaufreibender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Wir geniessen ein gemeinsames Abendessen in der guten Stube und tratschen nebenbei über dies und das. James legt besonders gute Laune an den Tag und unterbreitet, dass er morgen nach Toronto zurückfahren muss, um ein Konzert mit seiner Bande „FROG“ zu bestreiten. Als ich deprimiert drein blicke, beruhigt mich James redlichst und sichert zu, spätestens am Samstag Abend zurück zu sein – wie schön.
19.00 Uhr Während draussen ein Kuckuck singt, machen wir es uns vor der Glotze bequem und versüssen uns den Abend mit der amerikanischen Serie „Fargo“. Ich lehne mich entspannt zurück und tauche in das Leben einer Polizistin ein, die im ländlichen Beminji in Minnesota einen Doppelmord aufklären muss – da kommt Spannung auf.
21.00 Uhr Nach der zweiten Episode streiche ich die Segel und verabschiede mich ins Nebengebäude. Zum Abschluss dusche ich mich heiss ab und falle gähnend ins Bett. Gute Nacht.