21. Dezember 2016 – Winnebago Travato

08.15 Uhr Die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) schellt und reisst mich aus einem schönen Traum. Als ich mir das Telefon ans Ohr halte, wünscht mir Frau Pontecorvo einen guten Morgen und lotet aus, ob ich mich mittlerweile im verschneiten Toronto eingelebt habe. Ich gähne laut und erzähle der Dame, dass ich gestern mit den Verwandten einen Ausflug ins „Eaton Centre“ unternommen habe. Meine Nachbarin ist hellauf begeistert und entgegnet, dass sie sich in Jacksonville ebenfalls pudelwohl fühlt – das ist phantastisch.


Die Schwarzbeere bimmelt

08.45 Uhr Nach der Plauderei öffne ich die Zimmertüre und animiere Dixon, Maria in der Küche Gesellschaft zu leisten. Danach ziehe ich mich in die Nasszelle zurück und entspanne mich bei einem Vollbad mit Schaum.
09.30 Uhr Leider wird mein Müssiggang bald durch lautes Klopfen unterbrochen. Zu allem Überfluss ruft mich Georg auf, den Badespass zu beenden und nach unten zu kommen. Ächzend komme ich in die Gänge und mache es mir zur Aufgabe, in eine gefütterte Thermohose zu schlüpfen. Selbstverständlich ziehe ich ausserdem Kniestrümpfe, ein Frotteunterhemd sowie einen modischen Grobstrick Pullover an – da kommt Freude auf.
10.00 Uhr Pünktlich zum Zehnuhrläuten finde ich mich in der Küche ein und bin überrascht, nicht nur Georg, Maria und Edelbert, sondern auch die jungen Leute am Esstisch anzutreffen. Amanda schenkt mir ein Lächeln und sagt, dass sie extra einen Käsekuchen gebacken hat. Ich lecke mir die Lippen und lasse es mir nicht nehmen, an der festlich eingedeckten Tafel Platz zu nehmen und mir ein grosses Stück Kuchen zu gönnen. Darüber hinaus füllt Maria duftenden Bohnentrunk in die Tassen und setzt uns darüber in Kenntnis, dass sie den Tag nutzen wird, um mit Amanda einen Christstollen zu backen. Georg reibt sich die Hände und meint, dass wir währenddessen mit David, James und Edelbert das nagelneue Wohnmobil ausprobieren sollten – wie schön.


Zum Frühstück gibt es Käsekuchen

10.45 Uhr Nach dem dritten Stück Kuchen wische ich mir den Mund an einer Serviette ab und frage meinen Bruder bezüglich des Spritverbrauchs aus. Georg legt den Zeigefinger an die Unterlippe und vertellt, dass das Auto einen V6 Motor mit 280 Pferdestärken eingebaut hat und pro 100 gefahrener Kilometer zirka 25 Liter Diesel verbraucht.
11.30 Uhr Nachdem wir unsere Wintermäntel angezogen haben, wünschen wir den Damen einen schönen Tag und verabschieden uns zur Garage. Georg lässt das motorbetriebene Tor per Knopfdruck nach oben gleiten und rechnet vor, dass das 2,8 Meter hohe Gefährt gerade noch in die Doppelgarage passt. Ich mache grosse Augen und erfahre weiter, dass der TRAVATO nicht nur mit einer Küchenzeile, einem Gefrierschrank, Kleiderschrank, Sitzgelegenheiten und einem Tisch, sondern auch mit einem Entertainment Center (löblich: Unterhaltungszentrum) sowie einem bequemen Doppelbett ausgestattet ist – wie aufregend.


Im Wohnmobil gibt es eine Küche

12.00 Uhr Zu guter Letzt öffnet Georg die Motorhaube und sagt, dass ich während meiner Reise durch den Kontinent regelmässig den Ölstand überprüfen sollte. Ich stimme zu und habe endlich das Vergnügen, die exquisite Inneneinrichtung in Augenschein nehmen zu dürfen. Edelbert lobt das Interieur über den Schellenkönig und unterbreitet, dass der TRAVATO sogar über eine Dusche verfügt. Georg strahlt über das ganze Gesicht und belehrt, dass der eingebaute Wassertank knapp 100 Liter (26 Gallonen) Frischwasser fasst.


Der Travato ist sehr bequem

12.45 Uhr Nachdem es sich David, Edelbert und James auf den Loungesesseln bequem gemacht haben, überreicht mir Georg die Autoschlüssel und beauftragt mich, uns nach Gilford Beach zu kutschieren. Ich komme der Aufforderung anstandslos nach und schaffe es ohne grössere Schwierigkeiten, das 21 Fuss (6,4 Meter) lange Wohnmobil sicher aus der Garage zu fahren – das macht Spass.
13.15 Uhr Wenig später finden wir uns auf der Autobahn wieder und krusen entspannt gen Norden. Während sich David, James und Edelbert die Langeweile mit Fernsehschauen vertreiben, merkt Georg an, dass der TRAVATO auch mit einem DVD Abspielgerät überzeugen kann. Ich schnalze mit der Zunge und verspreche, dass ich das Gefährt stets wie meinen Augapfel hüten werde.
14.15 Uhr Sechzig Minuten später passieren wir das Ortsschild von Gilford Beach und ich nehme den Fuss vom Gas. Ruckzuck biege ich auf die Woodfield Road ab und komme zeitnah vor dem Ferienhaus meiner Verwandten zum Halten. Georg atmet tief durch und meint, dass ich ein hervorragender Fahrer bin und das Wohnmobil ganz bestimmt ohne Schrammen nach Naples überführen werde – das will ich doch hoffen.


Schnee und Eis in Gilford Beach

15.00 Uhr Da es während der Nacht reichlich geschneit hat, greifen wir zu den Schneeschaufeln und machen uns daran, die Einfahrt zu räumen. David spielt unterdessen mit dem Vierbeiner und schreckt nicht davor zurück, mir einen Schneeball ins Gesicht zu werfen. Weil man sich nicht alles gefallen lassen darf, stelle ich die Schaufel weg und schleudere unter dem Gelächter der anderen eine Handvoll Schnee in Richtung meines frechen Grossneffens.
16.00 Uhr Nach getaner Arbeit eilen wir fröstelnd in die gute Stube und entfachen ein Feuer im Kamin. Zudem tischt Georg belegte Brote auf und kündigt an, dass er wegen des strengen Winters wöchentlich die lange Anfahrt auf sich nehmen und im Ferienhaus nach dem Rechten sehen muss. Ich beisse kraftvoll in ein Schinkenbrot und erkundige mich, ob wir den Jahreswechsel am Lake Simcoe verbringen wollen. Georg schüttelt jedoch den Kopf und berichtet, dass er am 31. Dezember Freunde in sein Stadthaus eingeladen hat – wie schön.
17.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, die Zelte in Gilford Beach abzubrechen und die Heimfahrt anzutreten. Abermals zwänge ich mich hinters Lenkrad und lasse den PS-strotzenden Motor aufheulen.
18.00 Uhr Endlich treffen wir wieder im Stadtteil York ein. Fix und foxi schleppe ich mich ins Haus und lasse meine Schwägerin wissen, dass ich mich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten kann. Maria zeigt Verständnis und sagt, dass wir uns gleich an den Tisch setzen können – das lasse ich mir nicht zweimal sagen.


Winnebago baut prima Wohnmobile

19.00 Uhr Während wir das Abendessen geniessen, lasse ich den heutigen Tag Revue passieren und gebe zu Protokoll, dass es eine Gaudi wird, mit dem WINNEBAGO entlang der Ostküste zu fahren. Edelbert schlägt in die gleiche Kerbe und meint, dass wir in vierzehn Tagen auf grosse Reise gehen werden – wie aufregend
20.00 Uhr Nachdem sich die Kinder verabschiedet haben, beginnt der wohlverdiente Feierabend. Bei Glühwein und Plätzchen mache ich es mir im Wohnzimmer bequem und schaue mir im Kreise meiner Liebsten die langweilige Romantikkomödie „Maggie’s Plan“ an. Leider fallen mir schon bald die Augen zu und ich sehe mich gezwungen, Hund Dixon hereinzurufen und mich auf das Gästezimmer zu verabschieden. Gute Nacht.

28. Oktober 2016 – Eine neue Glotze für Frau Pontecorvo

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08.00 Uhr Beschwingt durch stimmungsvolle Landmusik rolle ich mich aus dem Bett. Weil ich Frau Pontecorvo versprochen habe, ihr bei der Auswahl eines neuen Fernsehgeräts beizustehen, eile ich badebemäntelt ins Wohnzimmer und zögere nicht, die Perle anzurufen. Meine Nachbarin meldet sich prompt und bestätigt, dass wir gegen 10 Uhr zum WAL MART fahren könnten – das soll mir Recht sein.
08.30 Uhr Nachdem ich die Morgengymnastik hinter mich gebracht habe, lasse ich die Seele bei einem sprudelnden Wirbelbad baumeln. Darüber hinaus navigiere ich mit dem praktischen iPad durch das Internetz und mache mich auf der WAL MART Heimseite über das aktuelle TV Angebot schlau. Unter anderem stosse ich auf ein besonders preiswertes Gerät aus dem Hause SCEPTRE und lerne, dass die besagte Firma im goldenen Kalifornien beheimatet ist und seit über 30 Jahren qualitativ hochwertige Unterhaltungselektronik herstellt – das hört man gerne.

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Schmeckt gar nicht schlecht

09.30 Uhr Redlichst in Schale geworfen begebe ich mich in die Küche und lasse mir vor der Abfahrt vier mit Nutella bestrichene Weissbrotscheiben (unlöblich: Toast) munden. Dazu trinke ich ein grosses Glas O-Saft sowie einen würzigen Cappuccino (löblich: italienischen Milchkaffee) mit Schaumkrone.
10.15 Uhr Wenig später pocht die kleine Frau an die Terrassentüre und setzt mich darüber in Kenntnis, dass sie abfahrbereit ist. Ich nicke eifrig und mache es mir zur Aufgabe, das schmutzige Geschirr in die Spülmaschine zu verfrachten. Danach scheuche ich Hund Dixon zum PS-strotzenden SUV und lasse es mir nicht nehmen, Frau Pontecorvo die Beifahrertüre aufzuhalten.
11.00 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise erreichen wir unser Ziel und können das Auto auf dem weitläufigen Parkplatz vor dem WAL MART Supercenter am Juliet Boulevard abstellen. Mit dem Vierbeiner im Schlepptau schlendern wir durch den Saftladen und finden uns bald in der „Home Entertainment“ (löblich: Heimunterhaltung) Abteilung wieder. Natürlich stehe ich meiner Nachbarin mit Ratschlägen zur Seite und ermutige sie, 129 Dollars in einen neumodernen SCEPTRE Fernseher zu investieren. Frau Pontecorvo schüttelt jedoch den Kopf und behauptet, dass ein 32 Zoll Gerät viel zu klein ist. Stattdessen wendet sich die Perle den PANASONIC Produkten zu und sagt, dass sie einen Fernseher mit einer Bildschirmdiagonalen von 125 Zentimeter kaufen wird.
11.30 Uhr Dreissig Minuten später deutet die Dame in Richtung des TC-50 Modells und sagt, dass dieser Fernseher mit einem digitalen Empfangsteil überzeugen kann. Bevor ich antworten kann, gesellt sich ein gestriegelter Verkäufer an unsere Seite und belobigt uns für die Auswahl. Frau Pontecorvo ist ganz aus dem Häuschen und meint, dass sie es kaum noch erwarten kann, am Abend die Jimmy Fallon Sprechsendung auf ihrem brandneuen Fernseher zu sehen – papperlapapp.
12.00 Uhr Nachdem wir die Halloween Kostüme skeptisch beäugt und der Dame an Kasse Nummer 7 knapp 500 Dollars überlassen haben, schleppe ich den schweren Karton zum Auto. Meine Nachbarin redet währenddessen ohne Punkt und Komma auf mich ein und beteuert, dass wir nun zur „New York Pizza and Pasta“ Gaststätte am Riverchase Plaza rasen könnten, um dort das Mittagessen einzunehmen – dazu sage ich nicht nein.
12.30 Uhr Kurz nach dem Mittagsläuten betreten wir das Italiengasthaus und werden von der Wirtin herzlich begrüsst. Die dunkelhaarige Schönheit lotst uns zu einem Tisch im hinteren Teil der Wirtschaft und legt uns nahe, die hausgemachten Fettuccine zu kosten. Wir stimmen zu und ordern ausserdem durstlöschenden Eistee.

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Am Montag wird Halloween gefeiert

13.00 Uhr Während ich kraftvoll zubeisse, verweist meine Tischnachbarin plötzlich auf den kommenden Montag und meint, dass am Halloweenabend sicher wieder viele Jugendliche klingeln und Süssigkeiten herausfordern werden. Ich rolle demonstrativ mit den Augen und entgegne, dass ich in diesem Jahr streiken und keine Bonbons einkaufen werde – wo kämen wir denn da hin.
14.00 Uhr Endlich treffen wir im Willoughby Drive ein. Anstatt jedoch eine ruhige Kugel schieben zu können, bittet mich Frau Pontecorvo, ihr beim Anschliessen des Fernsehers behilflich zu sein. Da sämtliche Ausflüchte keine Wirkung zeigen, komme ich der Bitte letztendlich nach und hieve das Gerät schwungvoll aus dem Karton.
14.30 Uhr Anschliessend stelle ich den Fernseher im Schlafzimmer auf und verbinde ihn fachmännisch mit dem Satellitenkabel. Frau Pontecorvo legt unterdessen die Batterien in die Fernbedienung und schafft es ohne grössere Probleme, das neue Gerät in Betrieb zu setzen. Ich wische mir schnaufend den Schweiss von der Stirn und ziehe es vor, mich nach nebenan zu verabschieden.
15.00 Uhr Während Dixon im Garten zurückbleibt, falle ich fix und foxi aufs Kanapee und schliesse genüsslich die Augen. Schon bald döse ich ein und sehe mich im Traum mit gefährlichen Halloweengeistern konfrontiert.

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Ich sage NEIN zu Halloween !!!

16.00 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und bemerke, dass es bereits Vier geschlagen hat. Da der Garten bewässert werden muss, verzichte ich ausnahmsweise auf die Anschnurseelsorge und laufe spornstreichs nach draussen, um die Pflanzen mit H²O zu versorgen. Zudem halte ich einen Plausch mit Herrn Booth und gebe zu Protokoll, dass die Nachbarskinder am Halloweenabend keine Süssigkeiten bekommen werden. Der hochdekorierte Vietnamveteran lacht laut und rechnet vor, dass er heute im WINN DIXIE knapp 200 grüne Scheine für lustige Laffy Taffy Riegel, Schokolade und Fruchtbonbons ausgegeben hat – das ist mir Wurst.

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Ich kaufe keine Süssigkeiten

17.00 Uhr Nachdem ich mein Werk beendet habe, richte ich eine kalte Platte mit luftgetrockneter Salami, Capocollo und Cheddarkäse an. Ferner giesse ich mir ein Weissbier ein und lasse mir die Jause auf der Terrasse schmecken.
18.00 Uhr Zum Abschluss des langen Tages sorge ich in der Küche für Sauberkeit und falle dann erschöpft aufs Sofa, um mir die Abendnachrichten auf FOX anzuschauen.
19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit nehme ich mit dem Amazon Angebot Vorlieb und fröne der Serie „Transparent“, die von einem Rentner erzählt, der eines Tages den Wunsch äussert, zukünftig als Frau durch das Leben schreiten zu wollen – das ist ja allerhand.
21.00 Uhr Weil ich mich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten kann, schalte ich die Glotze nach der vierten Episode aus und unternehme mit Dixon einen kleinen Spaziergang durch den Garten. Im Anschluss verschliesse ich die Haustüre besonders sicher und lege mich schlafen. Gute Nacht.

13. September 2016 – Willkommen Frau Pontecorvo

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08.00 Uhr Beschwingt durch prima Kyle Jennings Musik rolle ich mich aus dem Wasserbett und erkläre Hund Dixon, dass Frau Pontecorvo heute aus Jacksonville zurückkehren wird. Um mir einen genauen Überblick verschaffen zu können, nehme ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) zur Hand und rufe die Dame kurzerhand an. Meine Nachbarin meldet sich prompt und beteuert, dass sie in Bälde losfahren und spätestens um 16 Uhr im Willoughby Drive ankommen wird. Ich freue mich und verspreche, dass ich sie mit einem Abendessen überraschen werde.

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Meine praktische Schwarzbeere

08.30 Uhr Nachdem ich der Guten eine sichere Reise gewünscht habe, verabschiede ich mich ins Badezimmer, um mich bei einem Wirbelbad zu entspannen. Ferner rufe ich auch bei Edelbert an und erkläre ihm, dass ich für den Abend eine Willkommensfeier für die Pontecorvo plane. Der schlaue Mann jammert jedoch in einer Tour und setzt mich darüber in Kenntnis, dass er sich einen Hexenschuss eingefangen hat – wie schade.
09.30 Uhr Seufzend steige ich aus der Wanne und komme schnell zu dem Schluss, dass kaum noch alkoholische Getränke vorhanden sind. Ich lege den Zeigefinger an die Unterlippe und lasse den Vierbeiner wissen, dass wir nach dem Frühstück zu Bob’s Liquor Store rasen sollten.
10.00 Uhr Bevor ich mich auf den Weg mache, verzehre ich die wichtigste Mahlzeit des Tages in der Küche und mache mich im Internetz über das anstehende Oktoberfest schlau. Unter anderem lese ich auf N-TV, dass die Münchner Hotels in diesem Jahr weniger Buchungen verzeichnen konnten. Ich komme aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus und vermute, dass viele Touristen Angst vor terroristischen Anschlägen haben – wo soll das noch hinführen.

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Oktoberfest / Bild: Asiano / CC BY-SA 3.0

11.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, in die Gänge zu kommen. Wie es sich gehört, nehme ich vor der Abreise die Geschirrspülmaschine in Betrieb und vergesse auch nicht, die leeren Pfandflaschen und -dosen in den frisch aufpolierten Chevrolet Suburban zu laden. Danach hieve ich den Rüden in den PS-strotzenden SUV und presche mit durchdrehenden Pneus aus dem Wohngebiet.
11.30 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten betrete ich den Schnapsladen an der Vanderbilt Beach Road und werde vom Inhaber per Handschlag begrüsst. Ich wische mir die Schweissperlen von der Stirn und erkläre Herrn Bob, dass ich am Abend meine Nachbarin zu einem romantischen Dinner erwarte. Mein Gegenüber schnalzt mit der Zunge und legt mir nahe, meinem Gast einen Aperitif zu kredenzen. Selbstverständlich lehne ich sogleich ab und ziehe es vor, zwei Sechserpacks Budweiser, zwei Flaschen Cristal Schaumwein, Softdrinks (löblich: Weichgetränke) sowie 12 Flaschen Löwenbräu Weissbier in den Einkaufswagen zu verladen.

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Bier ist sehr gesund

12.15 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, verlasse ich um 80 Dollars erleichtert, die Getränkeoase und gleite zu stimmungsvoller Musikuntermalung zum „Village Walk“. Nebenher halte ich nach einer einladenden Gaststätte Ausschau und entschliesse mich, ins neu eröffnete „L’Osteria“ einzukehren.
12.45 Uhr Mit Dixon im Schlepptau lasse ich mich auf der schattigen Sonnenterrasse nieder und ordere bei einer übergewichtigen Kellnerin einen L’Osteria Salat sowie ein Classic Turkey Club Sandwich (löblich: Klassisches Truthahn Vereinsbrot). Während ich kraftvoll zubeisse, telefoniere ich abermals mit dem Professor und bringe heraus, dass er mittlerweile in der Apotheke war und sich eine Creme gegen Rückenschmerzen gekauft hat.
13.45 Uhr Redlichst gestärkt trete ich die Heimreise an und folge der Livingston Road gen Norden. Nach drei Meilen finde ich mich im Willoughby Drive wieder und freue mich auf ruhige Stunden in der kleinen Villa.

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Mein Zuahause unter Palmen

14.30 Uhr Nachdem ich Dixons Napf mit Trockenfutter aufgefüllt habe, bette ich mich auf dem Kanapee zur Ruhe. Schon bald döse ich ein und sehe mich im Traum nach Walnut Grove im Bundesstaat Minnesota versetzt.
15.30 Uhr Nach sechzig Minuten werde ich durch sehr aggressives Hupen aus einem schönen Traum gerissen. Als ich aus dem Fenster spähe, werde ich Zeuge, wie Frau Pontecorvo aus ihrem schnittigen FORD MUSTANG steigt und sich meinem Haus nähert. Ruckzuck hüpfe ich vom Kanapee und eile auf die Einfahrt, um meine Nachbarin herzlich Willkommen zu heissen.
16.00 Uhr Während Dixon im Garten spielt, giesse ich meiner Nachbarin ein Gläschen Sprudelsekt ein und erkundige mich bezüglich ihres Aufenthalts in Jacksonville. Frau Pontecorvo schwärmt in den höchsten Tönen und erzählt, dass es ein Vergnügen war, im Zuhause ihrer Freundin Blanche zu verweilen und Ausflüge nach Fernandina Beach und St. Augustine zu unternehmen. Im Gegenzug berichte ich von meiner spannenden Forschungsreise nach Minnesota und zögere nicht, der Alten auch einige Schnappschüsse zu präsentieren.

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In Minnesota war es sehr schön

17.00 Uhr Weil Frau Pontecorvo hungrig ist, koche ich kurzerhand italienische Langnudeln. Zudem entkorke ich eine weitere Flasche Schaumwein und erwähne ganz nebenbei, dass Edelbert mit einem Hexenschuss zu kämpfen hat. Mein Gast schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und sagt, dass wir dem guten Mann morgen einen Besuch abstatten sollten – wie wahr.
18.00 Uhr Nach dem Abendessen wischt sich Frau Pontecorvo den Mund an einer Serviette ab und meint, dass sie sich nun verabschieden wird. Ich begleite die kleine Frau als Kavalier der alten Schule nach nebenan und wünsche ihr eine angenehme Nacht. Danach scheuche ich den Vierbeiner in die kleine Villa und kümmere mich um die Hausarbeit.

19.00 Uhr Nachdem ich in der Küche für Sauberkeit gesorgt habe, lege ich in der Wohnstube die Beine hoch und informiere mich auf FOX über die tagesaktuellen Geschehnisse in der Welt. Im Anschluss nehme ich mit dem NETFLIX Bezahlprogramm Vorlieb und erfreue mich am mehrteiligen Fernsehspiel „Love“ (auf deutsch: Liebe).
21.00 Uhr Nach drei heiteren Episoden beende ich den Fernsehabend und ziehe mich gähnend ins Schlafzimmer zurück. Gute Nacht.

20. August 2016 – Reinhard fliegt bald nach Minneapolis

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Hallo Leute,

gestern feierte Reinhards Nachbarin Geburtstag!
Ich hab‘ natürlich in Naples angerufen und Frau Pontecorvo alles Gute gewünscht. Während des Telefonats habe ich erfahren, dass sich mein Vermieter ziemlich in Unkosten gestürzt und einen KENZO Duft gekauft hat. „Flower by Kenzo“ hat immerhin 18 Dollar gekostet 🙂

Ausserdem waren die Beiden beim Mittagessen in der Stadt und haben sich im „Pazzo! Cucina Italiana“ mit Edelbert und Herrn Wang getroffen. Eine abendliche Party musste leider ausfallen, da sich Frau Pontecorvo am heutigen Morgen nach Jacksonville verabschieden wird. Sie möchte zwei oder drei Wochen bei ihrer Freundin Blanche bleiben und dem heissen Klima in Floridas Süden entfliehen.

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Laura Ingalls Wilder

Reinhard und Edelbert werden sich am kommenden Sonntag auch aus Florida verabschieden. Wie ihr sicher gelesen habt, werden die Rentner nach Minnesota fliegen, um Minneapolis sowie die Schauplätze des Romanerfolgs „Unsere kleine Farm“ von Laura Ingalls Wilder zu besuchen. Reinhard ist total happy und freut sich schon, Sleepy Eye, Walnut Grove und Mancato zu sehen.

So, ich mach‘ mich jetzt chic und werde mich gleich mit Cousin Bernd im Kino treffen.
Morgen hört ihr wieder von mir.
Eure Sandra

19. August 2016 – Frau Pontecorvos Geburtstag

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08.00 Uhr Ich erwache redlichst ausgeruht und hüpfe ausgelassen aus dem Bett, um auf der Terrasse die Morgengymnastik zu absolvieren. Unterdessen spähe ich zum Nachbarhaus und fasse den Entschluss, Frau Pontecorvo nach dem Badevergnügen einen Besuch abzustatten. Juchzend schlage ich einen Purzelbaum und lasse Hund Dixon wissen, dass die Alte heute ihren Geburtstag feiert.
08.30 Uhr Nachdem ich den Trinknapf meines Haustieres aufgefüllt habe, verabschiede ich mich in die Nasszelle und entspanne mich bei einem prima Wirbelbad. Ferner telefoniere ich mit Edelbert und gebe zu Protokoll, dass ich meine Nachbarin zum Mittagessen ins „Pazzo! Cucina Italiana“ Gasthaus einladen werde. Der schlaue Mann schnalzt mit der Zunge und verspricht, Herrn Wang Bescheid zu geben und pünktlich zur Mittagszeit in besagtem Restaurant zu sein – das hört man gerne.

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Alles Gute zum Geburtstag

09.30 Uhr Just als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf halb Zehn zugeht, schnappe ich mir das Präsent vom Küchentisch und eile nach Nebenan. Frau Pontecorvo begrüsst mich überschwänglich und macht es sich zur Aufgabe, das Geschenk auszupacken. Natürlich ist die Perle hellauf begeistert und zögert nicht, neugierig am Flakon zu schnüffeln. Ich folge der Dame schmunzelnd in die gute Stube und stelle klar, dass ich mich anlässlich ihres Ehrentages in Unkosten gestürzt habe. Meine Nachbarin bedankt sich artig und lädt mich ein, mir ihr das Frühstück einzunehmen – das lasse ich mir nicht zweimal sagen.
10.00 Uhr Während es sich Dixon neben der Klimaanlage bequem macht, nippe ich am Kaffeehaferl und berichte, dass wir in einer Stunde in die Stadt krusen und im renommierten „Pazzo! Cucina Italiana“ essen werden. Darüber hinaus komme ich auf Edelbert zu sprechen und erwähne, dass sich unser gemeinsamer Bekannter auch angekündigt hat. Meine Tischnachbarin beisst kraftvoll in ein Croissant (löblich: französisches Hörnchen) und beteuert, dass sie am Abend mit Freundinnen ins Lichtspielhaus gehen und sich den neuen Dokumentarfilm „Lo and Behold: Reveries of the Connected World“ des deutschen Regisseurs Werner Herzog anschauen wird. Ich mache grosse Augen und entgegne, dass ich mit den Filmen dieses Schnösels gar nichts anfangen kann. Lachend erinnere ich mich an das Jahr 1982 zurück und erzähle, dass ich vor 34 Jahren im Münchner „Mathäser Filmpalast“ den hochgelobten Spielfilm „Fitzcarraldo“ gesehen habe und nach nur 15 Minuten eingeschlafen bin.
11.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, um die Zelte im Willoughby Drive abzubrechen. Ich wische mir mit einer Serviette über den Mund und führe Frau Pontecorvo zum PS-strotzenden Chevrolet. Anschliessend preschen wir hupend von dannen und steuern zielsicher das Stadtzentrum an.
11.30 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten parken wir das Auto am „Cambier Park“ und legen die letzten Meter zum Gasthaus unseres Vertrauens auf Schusters Rappen zurück. Nebenher kündige ich an, dass ich mir eine vitaminreiche Schinkenpizza schmecken lassen werde. Frau Pontecorvo winkt ab und meint, dass sie panierte Calamari ordern wird – das soll mir auch Recht sein.

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Ich lasse mir eine Pizza schmecken

12.00 Uhr Pünktlich auf die Minute finden wir uns im „Pazzo!“ wieder und können Edelberts und Herrn Wangs Hände schütteln. Wie nicht anders zu erwarten, überreichen die Beiden meiner Nachbarin farbenfrohe Blumensträusse und nehmen sich auch das Recht heraus, der kleinen Frau Bussis auf die Wange zu hauchen.
12.30 Uhr Trotz aller Widrigkeiten lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und erzähle Herrn Wang, dass ich in neun Tagen nach Minnesota ausfliegen werde. Prof. Kuhn nickt eifrig und sagt, dass es eine Gaudi werden wird, die schöne Stadt Minneapolis sowie die Schauplätze des Romanerfolgs „Unsere kleine Farm“ zu sehen.
13.30 Uhr Nachdem wir aufgegessen haben, verlassen wir die Wirtschaft und verschaffen Dixon etwas Auslauf. Unterdessen plaudert Frau Pontecorvo angeregt mit Herrn Wang und meint, dass sie ebenfalls verreisen und in der kommenden Woche ihrer Freundin Blanche in Jacksonville einen Besuch abstatten wird.
14.00 Uhr Zum Abschluss unseres Bummels zücke ich meine Geldbörse und lade meine Freude zu einem Eis ein. Ich lecke mir die Lippen und fasse den Entschluss, drei Ballen Pistazie zu fressen – schmeckt gar nicht schlecht.
14.45 Uhr Endlich treffen wir am Auto ein und können uns von Herrn Wang und Edelbert verabschieden. Als Kavalier der alten Schule helfe ich Frau Pontecorvo anschliessend auf den Beifahrersitz und bringe sie in einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt sicher ins Wohngebiet zurück.
15.15 Uhr Zuhause angekommen, verabschiede ich meine Nachbarin per Handkuss und wünsche ihr einen schönen Kinoabend. Danach schleppe ich mich mit letzter Kraft in die kleine Villa und falle gähnend aufs Kanapee.

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Hund Dixon fiept

16.00 Uhr Leider wird mein Müssiggang bald durch Dixons stetiges Fiepen unterbrochen. Augenrollend stehe ich auf und registriere, dass der Rüde Gassi gehen möchte. Obgleich es viel zu heiss ist, nehme ich die Leine zur Hand und folge Dixon zum „La Playa Golfplatz“. Der lustige Fellträger flitzt wie von der Tarantel gestochen durchs hohe Gras und apportiert Golfbälle am laufenden Band – das macht Spass.
17.00 Uhr Völlig verschwitzt treffe ich zu Hause ein und heize den Backofen vor. Anschliessend hole ich ein tiefgefrorenes Nudelschichtgericht (unlöblich: Lasagne) aus dem Eiskasten und kann es kaum noch erwarten, mir die Wampe voll zu schlagen. Dazu gibt es einen schmackhaften Gurkensalat sowie ein perfekt eingeschenktes Weissbier – da kommt besonders grosse Freude auf.
18.00 Uhr Nach dem Abendessen gehe ich zum gemütlichen Teil des langen Tages über und lasse mich neben dem hechelnden Vierbeiner auf dem Kanapee nieder. Um auf dem Laufenden zu bleiben, fröne ich den FOX Nachrichten und informiere mich über den Präsidentschaftswahlkampf.
19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit wechsle ich auf den Bezahlsender HULU, um mir die letzten beiden Folgen der langweiligen Zeitreiseserie „11.22.63“ anzuschauen.
21.00 Uhr Als endlich der Abspann über die Mattscheibe flimmert, beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Danach verriegle ich die Haustüre und ziehe mich übermüdet ins Schlafzimmer zurück. Gute Nacht.