17. Januar 2017 – Von Hampton, VA nach Nags Head, NC

08.00 Uhr Ich öffne die Augen und habe gar keine Orientierung. Um mir einen Überblick zu verschaffen, schlüpfe ich in den Bademantel und öffne die Motelzimmertüre. Ruckzuck wird mir klar, dass ich die letzte Nacht in einem schönen ECONOMY INN in der Nähe der Kleinstadt Hampton in Virginia verbracht habe. Weil es bitterkalt ist, werfe ich die Pforte umgehend ins Schloss und ziehe es vor, im warmen Badezimmer zu verschwinden.


Unser Winnebago Travato

09.00 Uhr Pünktlich um 9 Uhr trete ich mit dem gepackten Koffer nach draussen und freue mich, Sandra und Edelbert am WINNEBAGO anzutreffen. Meine Mieterin zieht den Reissverschluss ihres Anoraks hoch und plappert davon, dass ein kalter Wind von der Chesapeake Bay aufzieht. Ich nicke eifrig und lasse Edelbert wissen, dass wir nun in die benachbarte “Ocean View” Gaststätte einkehren sollten.
09.30 Uhr Während wir uns an hausgemachten Pfannkuchen mit Peach Cuntney (löblich: Pfirsichbrei) laben und unsere trocknen Kehlen mit Bohnentrunk durchspülen, bringt der Professor unsere heutige Etappe ins Spiel und schlägt vor, dass wir der Küste folgen und in Nags Head in North Carolina unser Nachtlager aufschlagen könnten. Ich zucke mit den Schultern und bitte die Kellnerin, unsere Tassen aufzufüllen.
10.15 Uhr Kurz nach dem Zehnuhrläuten beenden wir das Frühstück und vertreten uns die Beine. Mit dem Vierbeiner im Schlepptau schlendern wir zum Wasser und vermuten, dass dieser Strandabschnitt im Sommer bestimmt von unzähligen Badegästen belagert wird. Sandra zündet sich eine stinkende Zigarette an und verkündet, dass wir nun das Weite suchen und schnell ins wärmere North Carolina weiterfahren sollten.
11.00 Uhr Nach dem kurzweiligen Spaziergang hüpfen wir in den TRAVATO und krusen auf dem Highway 168 nach Süden. Unter anderem passieren wir Norfolk und Edelbert erzählt, dass die Stadt Heimat der legendären “Norfolk Naval Shipyard” ist. Ich lege meinen Kopf schief und erfahre weiter, dass in dieser Werft moderne Flugzeugträger und Kriegsschiffe gewartet werden. Zudem berichtet der schlaue Mann, dass auf dem Werftgelände während des Zweiten Weltkriegs das “Philadelphia Experiment” durchgeführt wurde. Mein Bekannter schnäuzt in ein Taschentuch und unterbreitet, dass das Militär unter Leitung des Physikers Nikola Tesla im Oktober 1943 mit Magnetfeldern experimentiert und den Zerstörer “USS Eldridge” unsichtbar gemacht haben soll – wie unlöblich.

12.00 Uhr Nach 55 Meilen erreichen wir die Kleinstadt Currituck und stellen fest, dass wir uns bereits in North Carolina befinden. Ich drossle die Geschwindigkeit und ziehe es vor, entlang des Currituck Sounds gen Südosten zu rasen. Nebenher blicke ich beeindruckt auf das azurblaue Wasser und erkläre Edelbert, dass wir im Sommer abermals nach North Carolina reisen und hier die Seele baumeln lassen sollten – das wäre zu schön.
13.00 Uhr Sechzig Minuten später überqueren wir eine Brücke und steuern Nags Head auf einer vorgelagerten Insel an. Da mittlerweile die Sonne vom Himmel lacht, fassen wir den Entschluss, den Nachmittag in der beschaulichen Kleinstadt zu verbringen. Schlussendlich rollen wir vor dem einladenden “Comfort Inn Hotel” an der Old Oregon Strasse vor und vernehmen an der Rezeption, dass pro Übernachtung lediglich 59 Dollars veranschlagt werden.
13.45 Uhr Während sich Sandra und Edelbert auf ihre Zimmer zurückziehen, nehme ich Dixon an die Leine und lasse es mir nicht nehmen, zum Strand zu schlendern. Um dem Rüden etwas Auslauf zu verschaffen, werfe ich ein Stöckchen und nehme mir ausserdem das Recht heraus, die salzige Meerluft tief in meine Lungen einzusaugen.


Der Strand von Nags Head

14.45 Uhr Verfroren kehre ich ins Hotel zurück und freue mich, die Nacht in einem Zimmer mit Ausblick auf den Atlantik verbringen zu dürfen. Laut gähnend schlüpfe ich aus den klammen Kleidern und falle ins Bett – das tut gut.
15.45 Uhr Dummerweise pocht bald Sandra an die Türe und meint, dass nun die Zeit gekommen ist, um Nags Head genauer zu erkunden. Ich stimme zu und vergesse auch nicht, wegen des Windes meine Mütze aufzusetzen. Danach folge ich der Maid nach unten und sehe mich mit Edelbert in der Lobby konfrontiert. Der gute Mann wedelt mit einem Prospekt vor meiner Nase herum und setzt mich darüber in Kenntnis, dass das örtliche Pier über die Staatsgrenzen hinaus bekannt ist – wie aufregend.
16.30 Uhr Während unserer Wanderung tratsche ich mit dem Professor und erkläre, dass wir womöglich bereits am Sonntag in Naples eintreffen werden. Sandra wird augenblicklich hellhörig und wirft ein, dass sie es kaum noch erwarten kann, endlich Sonne im Rentnerparadies tanken zu können.
17.00 Uhr Am Ziel angekommen, finden wir “Jeanette’s Pier” verwaist vor. Da sich weder Touristen noch Angler auf dem vereisten Holzsteg tummeln, machen wir schnell kehrt und entschliessen uns, ins gegenüberliegende “Sam and Omies Restaurant” einzukehren. Obgleich sich auch hier nur wenige Gäste befinden, werden wir vom Wirt herzlich begrüsst und mit frisch gezapften Bieren verwöhnt. Ausserdem blättern wir in der Speisekarte und ordern einen Korb mit frittierten Austern sowie leckere Thunfischsteaks mit Folienkartoffeln und Salat.


Ein Whiskey gegen die Kälte

18.00 Uhr Als wir kraftvoll zubeissen, lauschen wir stimmungsvollen Landmusikklängen und verraten dem Schankkellner, dass wir mit einem Wohnmobil von Toronto bis nach Naples fahren. Herr Sam macht grosse Augen und beteuert, dass uns noch eine lange Reise bevorsteht. Als kleine Aufmerksamkeit holt der Heini eine Flasche Defiant Whiskey hervor und meint, dass er uns ein Stamperl spendieren wird – wie schön.
19.00 Uhr Nach vierzehn Hopfenkaltschalen und mehreren Whiskeys müssen wir jedoch die Segel streichen. Wir bezahlen die Zeche in Bar und torkeln bei einsetzendem Nieselregen erheitert ins Hotel zurück.
19.30 Uhr Zu guter Letzt entspanne ich mich bei einem Vollbad und nutze die Gelegenheit, um mit Frau Pontecorvo zu telefonieren. Meine Nachbarin ist ganz aus dem Häuschen und freut sich, uns bereits am Wochenende in Naples Willkommen heissen zu dürfen – das gibt ein rauschendes Fest.
20.00 Uhr Im Anschluss fröne ich den FOX Nachrichten und vernehme, dass die Beach Boys (löblich: Strand Jungs) womöglich bei Donald Trumps anstehender Einführung ins Amt des Präsidenten auftreten werden. Ausserdem meldet der Nachrichtensprecher, dass am Freitag weit über 300.000 Schaulustige entlang der Pennsylvania Avenue erwartet werden – das ist phantastisch.
21.00 Uhr Da mir langsam die Augen zufallen, streichle ich Dixon ein letztes Mal über den Kopf. Danach lösche ich das Licht und schlummere schnell ein. Gute Nacht.

20. November 2015 – Orange Blossom Special

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Sehr geehrte Damen und Herren,

in den frühen 1920er Jahren wurde Florida für den Massentourismus entdeckt. Weil es zur damaligen Zeit noch keine Verkehrsflugzeuge gab und das Autofahren kaum erschwinglich war, entschloss sich die Eisenbahngesellschaft “Seaboard Railroad”, eine Zugverbindung zwischen New York City und den Ferienorten in Florida einzurichten.

Morgen vor 90 Jahren – am 21. November 1925 – nahm die Bimmelbahn erstmals ihren fahrplanmässigen Betrieb auf. Der sogenannte “Orange Blossom Special” bestand aus luxuriösen Pullmanwagen und verkehrte von New York, Philadelphia, Washington, Richmond, Raleigh, Columbia, Savannah und Jacksonville bis ins sonnige Miami. Während der dreissigstündigen Fahrt, war es den Reisenden möglich, im Speisewagen extraordinäre Mahlzeiten einzunehmen und/oder eisgekühlte Getränke zu schlürfen.

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Die Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren

Während der Weltwirtschaftskrise Ende der 1920er sah sich die Eisenbahngesellschaft jedoch genötigt, den Betrieb kurzzeitig einzustellen. Erst 1934 kam die bessere Gesellschaft erneut in den Genuss, mit dem Orange Blossom Special in den Süden zu fahren.

Die Zugverbindung war legendär und so schrieb der Komponist Ervin T. Rouse im Jahre 1938 das Lied “Orange Blossom Special”. Besagte Komposition wurde vier Jahre später von Bill Monroe aufgenommen und entwickelte sich prompt zu einem Gassenhauer. Auch Johnny Cash nahm sich dem Lied an und benannte ein Studioalbum nach der Zugverbindung.

Als in den 1950er Jahren Automobile und Flüge für jedermann erschwinglich wurden, musste die Linie endgültig eingestellt werden. Der Orange Blossom Special verkehrte im Herbst 1953 ein letztes Mal an der amerikanischen Ostküste und wurde dann ausser Dienst gestellt – wie schade.

Ich wünsche allen Lesern einen schönen Freitag.
Reinhard Pfaffenberg

11. Februar 2014 – Big Brother, Celeb Boot Camp und National Enquirer

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07.45 Uhr Der Wecker bimmelt und ich habe ein schönes Lied der aus Tennessee stammenden Combo “Blue Highway” (löblich: Blaue Landstrasse) im Ohr. Ich rolle mich zufrieden aus dem Wasserbett und lasse es mir nicht nehmen, meine Hüften zu den stimmungsvollen Klängen kreisen zu lassen – was kann es schöneres geben.

08.15 Uhr Just als ich mich auf der Terrasse einfinde und die Morgengymnastik absolviere, kommt Frau Pontecorvo daher und lädt mich zum Frühstück ein. Ich blicke deprimiert drein und entgegne, dass ich immer noch von einer Sommergrippe geplagt werde und mich kaum auf den Beinen halten kann. Anstatt Einsicht zu zeigen, schüttelt meine Nachbarin den Kopf und sagt, dass sie mich gegen halb Zehn erwarten wird – wie unlöblich.
08.30 Uhr Ich ziehe mich missmutig in die kleine Villa zurück und entspanne mich bei einem erfrischenden Wirbelbad. Nebenher telefoniere ich mit meinem Bruder und kläre ihn darüber auf, dass ich den Vormittag in Frau Pontecorvos und Frau Blanches Gesellschaft verbringen muss. Georg schmunzelt in einer Tour und meint, dass er währenddessen seine Ehefrau zum Einkaufen begleiten wird.
09.30 Uhr Nach dem Badevergnügen scheuche ich Dixon nach Nebenan und werde von meiner Nachbarin genötigt, mich neben Frau Blanche setzen zu müssen. Die unterbelichtete Dame begrüsst mich herzlich und lotet aus, ob ich mir am Abend die Fernsehserie “Celeb Boot Camp” (löblich: Prominenten Übungslager) anschauen werde. Ich rolle demonstrativ mit den Augen und antworte, dass ich diesem Sendeformat überhaupt gar nichts abgewinnen kann. Stattdessen komme ich auf meinen nagelneuen Filmprojektor zu sprechen und stelle klar, dass ich mir heute eventuell einen spannenden Western zu Gemüte führen werde.
10.15 Uhr Während ich kraftvoll zubeisse, plappert Frau Blanche ohne Unterlass und berichtet, dass in vier Monaten der Startschuss zur 16. Staffel der beliebten Containerschau “Big Brother USA” (löblich: Grosser Bruder Amerika) fallen wird. Ich nippe entnervt am Kaffeehaferl und denke daran, wie schön es doch wäre, jetzt im Chevrolet zu sitzen und am Golf von Mexiko entlang zu krusen.

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Ich sehne mich an den Golf von Mexiko

11.00 Uhr Leider reisst mich Frau Pontecorvos Bekannte bald aus meinem Tagtraum und erkundigt sich, ob ich am Montag den “National Enquirer” (löblich: Nationaler Fragensteller) gelesen habe. Noch bevor ich antworten kann, schlägt die dumme Gans die Hände über dem Kopf zusammen und beteuert, dass Andy Herren, seines Zeichens Gewinner der letzten Big Brother Staffel, betrunken in einen Autounfall verwickelt war – gleich platzt mir der Kragen.
11.30 Uhr Als der Minutenzeiger meiner ROLEX auf halb 12 deutet, erhebe ich mich vom Tisch und lasse die Damen wissen, dass nun die Zeit gekommen ist, um auf Wiedersehen zu sagen. Ich reiche Frau Pontecorvo die Hand und renne wie der Wind zum Auto, um mit quietschenden Pneus aus dem Wohngebiet zu brettern.
12.15 Uhr Wenig später komme ich vor dem Ferienhaus meiner Verwandten zum stehen und betätige die Klingel. Maria öffnet schwungvoll die Pforte und bittet mich zuvorkommend herein. Ich schleppe mich mit letzter Kraft in die Küche und informiere, dass das Frühstück bei Frau Pontecorvo sehr anstrengend war. Meine Schwägerin spendet mir Trost und macht es sich zur Aufgabe, ein alkoholfreies COORS Bier aus dem Kühlschrank zu holen und mich mit einem Thunfischbrot (unlöblich: Tuna Sandwich) zu verwöhnen – schmeckt gar nicht schlecht.

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Eine kühle Halbe – das tut gut

13.00 Uhr Im Anschluss trinken wir auf der schattigen Terrasse Kaffee und tratschen über Abraham Lincolns anstehenden Geburtstag. Mein Bruder ist bestens unterrichtet und sagt, dass anlässlich des morgigen Gedenktages in der Gemeindehalle eine Ausstellung über das Leben des 16. Präsidenten stattfinden wird. Ich schnalzt mit der Zunge und gebe zu Protokoll, dass es nicht schaden würde, die Ausstellung zu besuchen. Da auch Edelbert an Zeitgeschichtlichem sehr interessiert ist, zücke ich meine Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und rufe spornstreichs beim Professor an. Der schlaue Mann ist hellauf begeistert und verspricht, uns zu begleiten.

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Meine Schwarzbeere

14.00 Uhr Weil ich langsam müde werde, lasse ich mich auf einer Liege nieder und schliesse die Augen. Bereits nach wenigen Sekunden döse ich ein und träume von meiner nervenaufreibenden Autofahrt quer durch den nordamerikanischen Kontinent – das war eine Gaudi.
15.00 Uhr Ich werde durch ohrenbetäubendes Bellen geweckt und sehe, wie der Vierbeiner ausgelassen in den Pool (löblich: Schwimmbecken) hüpft. Meine Verwandten krümmen sich vor Lachen und erzählen, dass Dixon eine Möwe fangen wollte. Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen und rufe das Haustier zur Löblichkeit auf.
15.30 Uhr Nachdem ich Dixons Fell trockengerieben und ein letztes Bier getrunken habe, trete ich die Heimreise in den Willoughby Drive an. Ich schlängle mich durch den zähfliessenden Nachmittagsverkehr und freue mich auf ruhige Stunden in meinem Zuhause. Um nicht wieder mit Frau Pontecorvos bekloppter Freundin sprechen zu müssen, parke ich den PS-strotzenden SUV kurzerhand in der Garage. Danach laufe ich ruckzuck ins Haus und mache es mir am Schreibtisch bequem.
16.00 Uhr Auch heute studiere ich Hilferufe besorgter Eltern und helfe Heimseitenbesuchern bei schier ausweglosen Problemen. HEUREKA – die Jugend scheint es derzeit besonders bunt zu treiben.
17.00 Uhr Nachdem ich die Arbeit beendet und noch einmal mit Edelbert telefoniert habe, gehe ich von der Leine und bereite das Abendessen vor. Ich schwenke vitaminreiche Butter in einer Pfanne und brate nahrhafte Fischstäbe heraus. Dazu gibt es im Ofen aufgebackene Kartoffelspalten sowie ein Glas Weisswein – das schmeckt.

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Lustige Fischstäbe

18.00 Uhr Ein nervenaufreibender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Ich sorge zu guter Letzt in der Küche für Ordnung und setze mich dann ins Wohnzimmer, um den Abendnachrichten sowie der lustigen JEOPARDY Ratesendung auf FOX zu frönen.
19.00 Uhr Anschliessend wähle ich das Qualitätsprogramm von SHOWTIME aus und entspanne mich bei der Serie “Shameless” (löblich: Schamlos), die von einer asozialen Familie aus Chicago erzählt – wie aufregend
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzeunterhaltung beende ich den heiteren Fernsehabend und begleite Dixon in den Garten. Danach reguliere ich die Klimaanlage und gehe zu Bett. Gute Nacht.

7. Februar 2014 – Sotschi, Cohibas und ein Musical namens High Society

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08.00 Uhr Hund Dixon kommt ans Bett und leckt mir über die Hand. Ich schaue dem frechen Rüden ganz tief in die rehbraunen Augen und erkläre ihm, dass ich nun aufstehen und die Morgengymnastik absolvieren werde. Der Vierbeiner ist ganz aus dem Häuschen und begleitet mich an die frische Luft – wie schön.

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Hund Dixon

08.30 Uhr Während ich meine Muskeln lockere, spähe ich durchs weitgeöffnete Küchenfenster meiner Nachbarin und werde Zeuge, wie Frau Pontecorvo den Frühstückstisch deckt. Natürlich winke ich der Dame redlichst zu und lote aus, ob ich ihr bei der wichtigsten Mahlzeit des Tages Gesellschaft leisten kann. Die Dame nickt eifrig und behauptet, dass es ihr eine Ehre wäre, mir schmackhafte Eierkuchen (unlöblich: Pancakes) vorzusetzen.
09.00 Uhr Bevor ich Frau Pontecorvo besuche, entspanne ich mich bei einem löblichen Wirbelbad. Bei dieser Gelegenheit fröne ich dem Radioprogramm eines örtlichen Nachrichtensenders und lerne, dass in wenigen Stunden im russischen Sotschi die Olympischen Winterspiele beginnen werden. Der Moderator versorgt mich mit Fakten und berichtet, dass tschetschenische Mohammedaner mit Terroranschlägen gedroht haben. Mittlerweile hat auch die amerikanische Regierung Vorsichtsmassnahmen ergriffen und nicht nur 40 FBI Agenten in die Olympiastadt ausgeflogen, sondern auch Kriegsschiffe ins schwarze Meer entsandt – das ist ja allerhand.

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Olympiade in Sotschi – Ich sage Nein

10.00 Uhr Nach dem Badespass laufe ich mit Dixon nach nebenan und betätige die Klingel am Nachbarhaus. Frau Pontecorvo bittet mich zuvorkommend herein und zögert nicht, Eierkuchen mit Ahornsirup sowie vitaminreiche Speckstreifen aufzufahren. Ich greife beherzt zum Besteck und registriere, dass die Pancakes ganz hervorragend schmecken. Nebenbei erzähle ich der kleinen Frau von meinen gestrigen Erlebnissen und gebe zu Protokoll, dass ich Georg, Maria und Edelbert an den Strand begleitet habe.
10.45 Uhr Just als ich mir einen kleinen Nachschlag gönne, kommt Georgs JEEP im Willoughby Drive zum Stehen. Ich wische mir den Mund an einer Serviette ab und mache es mir zur Aufgabe, meinen Bruder ins Haus von Frau Pontecorvo zu lotsen. Unterdessen erfahre ich, dass der gute Mann seine Ehefrau beim Frisör abgesetzt und etwas Freizeit mitgebracht hat – wie schön.

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Rauchen – Nein Danke

11.30 Uhr Während wir gemütlich auf der Terrasse sitzen, zündet sich mein Bruder eine dicke Zigarre an und verrät, dass er kubanische Cohiba Zigarren ins Land geschmuggelt hat. Ich mache grosse Augen und entgegne, dass Rauchwaren aus dem benachbarten Inselstaat hierzulande verboten sind. Georg bläst Rauchringe in den wolkenlosen Himmel und sagt, dass die Cohibas die besten Zigarren der Welt sind.
12.00 Uhr Wenig später tippt mein Tischnachbar auf seine protzige BREITLING Armbanduhr und meint, dass er jetzt in die Stadt fahren und Maria im “Yabba Island Grill” treffen wird. Da ich nichts besseres zu tun habe, schnippe ich mit den Fingern und gebe zu Protokoll, dass ich kurzerhand mitkommen werde.
12.30 Uhr Pünktlich zur Mittagszeit parken wir den Geländewagen an der Prachtstrasse und kehren ins beste Restaurant der Stadt ein. Maria begrüsst mich herzlich und sagt, dass sie bereits eine Flasche Merlot “Swanson Vineyard” bestellt und von der Tageskarte ein New York Strip Steak (löblich: New York Streifenschnitzel) ausgesucht hat. Ich lecke mir die Lippen und entscheide mich ebenfalls für das köstliche Fleischgericht.
13.00 Uhr Als der hochnäsige Ober die Speisen serviert, kommt meine Schwägerin auf ihren Frisörbesuch zu sprechen und rechnet vor, dass sie für einen einfachen Schnitt 120 Dollars bezahlen musste. Ich staune nicht schlecht und informiere, dass ich mir die Haare zuhause selbst schneide. Mein Bruder kommt aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und meint, dass ich mit diesem Haarschnitt keinen Blumentopf gewinne – wie unlöblich.
14.00 Uhr Nachdem wir das Mittagessen mit Himbeersorbet abgerundet haben, folgen wir der 5th Avenue nach Westen und schauen uns die Auslagen in den Schaufenster an. Nebenher lässt mein Bruder seinen gestrigen Besuch bei Herrn Wang Revue passieren und plappert darüber, dass in der kommenden Woche Bauarbeiter anrücken und die Fassade des “Naples Manor Motels” renovieren werden – das soll mir Recht sein.
15.00 Uhr Weil meine Verwandten am Abend das Musical “High Society” anschauen wollen, kehren wir zum Auto zurück. Georg steuert das Fahrzeug gen Norden und schlägt vor, dass wir morgen einen Ausflug unternehmen könnten. Ich überlege nicht lange und bringe eine Ausfahrt zum “Everglades Seafood Festival” in Everglades City zur Sprache. Meine Verwandten werden sogleich hellhörig und vertreten die Meinung, dass es eine Gaudi werden wird, Meeresfrüchte zu essen und Landmusikkapellen beim Musizieren zuzuschauen – wie wahr.

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Mein Zuhause unter Palmen

15.45 Uhr Zurück in der kleinen Villa, lege ich die Beine im klimatisierten Wohnzimmer hoch und entspanne mich redlichst – das tut gut.
16.45 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und eile ich in die Küche, um das Abendessen vorzubereiten. Da ich keine Lust habe, stundenlang am Herd zu stehen, richte ich eine vitaminreiche Käseplatte an. Dazu gibt es ein perfekt eingeschenktes Weissbier mit Schaumkrone.
17.30 Uhr Nachdem ich drei Käsebrote mit Gurken verzehrt habe, rufe ich bei Edelbert an und lasse ihn wissen, dass meine Verwandten am Samstag ins Landesinnere fahren und sich auf dem “Everglades Seafood Festival” tummeln wollen. Der schlaue Mann ist begeistert und sagt, dass er sich dem Ausflug anschliessen wird – wie schön
18.30 Uhr Endlich beginnt der wohlverdiente Feierabend. Ich drücke mich durch die Satellitenprogramme und bleibe letztendlich auf dem Bezahlsender FX hängen, wo just im Augenblick drei Episoden der spannenden Gruselserie “American Horror Story” laufen. Ich folge den Geschehnissen mit Argwohn und bin mir sicher, dass ich in der Nacht Alpträume haben werde – wie unlöblich.
21.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner geschmackvollen Wanduhr auf 9 deutet, schalte ich die Glotze aus und rufe Dixon ins Haus. Danach lösche ich das Licht und lege mich schlafen. Gute Nacht.

18. September 2013 – Thomas Kronach, One World Trade Center und Rum House

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07.45 Uhr Ich öffne die Augen und habe keine Orientierung. Erst als ich aus dem Fenster spähe und auf der gegenüberliegenden Strassenseite ein Delikatessengeschäft erblicke, fällt mir ein, dass ich mich seit gestern im grossen Apfel (unlöblich: Big Apple) tummle. Ich hüpfe freudig aus dem Bett und lasse es mir nicht nehmen, Dixon zu streicheln. Danach verschwinde ich im Badezimmer und entspanne mich bei einem Vollbad.
08.45 Uhr Kurz vor dem Neunuhrläuten klopft Edelbert an die Zimmertüre und erinnert an unser Treffen mit Thomas Kronach. Ich steige spornstreichs in die schweren Kuhjungenstiefel und entgegne, dass wir meinen ehemaligen Studienkollegen in einer Stunde im “Pershing Square” Gasthaus an der 42nd Strasse treffen werden. Edelbert nickt eifrig und tippt demonstrativ auf seine TIMEX Armbanduhr.
09.15 Uhr Wenig später finden wir uns am Times Square wieder und staunen angesichts der Menschenmassen nicht schlecht. Der Professor deutet nach Südosten und behauptet, dass wir zu Fuss gehen und Dixon etwas Auslauf verschaffen könnten – das ist eine hervorragende Idee.

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Lichtreklame am Times Square

09.45 Uhr Während unserer Wanderung passieren wir den Bryant Park und Edelbert hält wissenswerte Infos bereit. Unter anderem erfahre ich, dass die Grünanlage, die zwischen der 5th und 6th Avenue gelegen ist, eine wichtige Sehenswürdigkeit darstellt. Ich knipse ein schönes Photo und lerne, dass der Park an die Public Library (löblich: öffentliche Bücherei) angrenzt und nach dem Schriftsteller William Cullen Bryant benannt wurde.
10.15 Uhr Mit kurzer Verspätung treffen wir im “Pershing Square” Restaurant ein und können Thomas Kronach herzlich begrüssen. Der Advokat mustert mich ganz genau und sagt, dass ich blendend aussehe. Ich stimme prompt zu und gebe zu Protokoll, dass ich mich täglich mit der Morgengymnastik in Form halte. Anschliessend setzen wir uns an einen einladenden Fenstertisch und ordern bei einer schokoladenbraunen Kellnerin köstliche Frühstücke sowie brühfrischen Bohnentrunk – das schmeckt.
10.45 Uhr Als wir kraftvoll zubeissen, kommt Thomas auf seine Arbeit zu sprechen und kündigt an, dass er gleich mit seinem nagelneuen MERCEDES SLS zum berüchtigten “Rikers Island” Gefängnis fahren muss, um einen Klienten aus der Untersuchungshaft zu holen. Ich mache grosse Augen und bringe heraus, dass dem 59jährigen Italoamerikaner vorgeworfen wird, der Mafia anzugehören. Mein Studienfreund lacht laut und sagt, dass es ihm nicht schwer fallen wird, dem zuständigen Staatsanwalt Verfahrensfehler nachzuweisen. Ich seufze laut und antworte, dass wir währenddessen zum “One World Trade Center” fahren werden.
11.45 Uhr Nachdem wir uns für morgen zum Mittagessen im “Sofia’s” Italiengasthaus verabredet haben, verlassen wir die Gaststätte und winken ein Taxi herbei. Nach wenigen Sekunden kommt eine gelbe Limousine neben uns zum Halten und wir sehen uns mit einem deutschsprachigen Heini konfrontiert. Der gute Mann gibt sich uns als waschechter Schweizer zu erkennen und plappert davon, dass er vor 30 Jahren nach Amerika ausgewandert ist. Wir steigen gutgelaunt zu und fordern den Eidgenossen auf, uns nach Lower Manhattan zu kutschieren.
12.30 Uhr Endlich erreichen wir unser Ziel und stehen vor dem vierthöchsten Gebäude der Welt. Ich schaue fasziniert nach oben und erkläre Dixon, dass an dieser Stelle einst das World Trade Center (löblich: Welthandelszentrum) zu finden war. Prof. Kuhn schlägt in die gleiche Kerbe und erinnert daran, dass strenggläubige Mohammedaner die beiden Türme am 11. September 2011 zum Einsturz gebracht haben. Darüber hinaus berichtet mein Begleiter, dass der amerikanische Architekt David Childs anno 2006 beauftragt wurde, ein Baukonzept von Daniel Libeskind zu überarbeiten und das “One World Trade Center” zu entwerfen.

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One World Trade Center

13.30 Uhr Um einen genaueren Überblick zu bekommen, umrunden wir das Areal und lesen auf einer Tafel, dass die feierliche Eröffnung des “One World Trade Center” für den kommenden Frühling geplant ist – wie aufregend.
14.15 Uhr Bevor wir ins Stadtzentrum zurückkehren, besuchen wir das “9/11 Memorial Museum” und kommen in den Genuss, nicht nur Photografien des schrecklichen Terroranschlags, sondern auch eine im Boden eingelassene Metallplatte zu sehen, in die die Namen sämtlicher Opfer eingraviert wurden.
15.15 Uhr Nach einer Stunde haben wir alles gesehen und nehmen einen kurzweiligen Fussmarsch zur Wall Street auf uns. Nebenher plaudere ich mit Edelbert und rege für den Abend eine Einkehr ins “Rum House” an. Der Professor ist hellauf begeistert und sagt, dass er mich zum einen oder anderen Whiskey einladen wird.
16.00 Uhr Als die Sonne den wolkenverhangenen Himmel durchbricht, passieren wir die “New York Stock Exchange” (löblich: New Yorker Wertpapierbörse). Ich knipse erneut ein Photo und lasse Edelbert wissen, dass in diesem beeindruckenden Gebäude täglich Wertpapiere für Millionen Dollars gehandelt werden.
17.00 Uhr Nachdem ich mir bei einem Strassenverkäufer ein Weicheis (unlöblich: Softeis) geleistet habe, steigen wir in ein Taxi ein und krusen zum “Edison Hotel”. Edelbert reibt sich den Bauch und sagt, dass er hungrig ist.
17.45 Uhr Weil das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, ziehen wir es vor, uns an der Hotelrezeption nach einem guten Restaurant zu erkundigen. Der Knecht versorgt uns mit Ratschlägen und empfiehlt das “Scarlatto” in der direkten Nachbarschaft – das soll mir Recht sein.
18.30 Uhr Bei süffigem Rotwein und schmackhaften Nudeln planen wir den morgigen Tag und verabreden, ein interessantes Museum zu besuchen. Ich gebe mich jedoch skeptisch und merke an, dass Hunde in Ausstellungshallen nicht gerne gesehen sind. Mein Tischnachbarn kommt aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus und meint, dass wir Dixon als meinen Blindenhund ausgeben könnten – wie wahr.

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Hund Dixon gefällt es im grossen Apfel

19.30 Uhr Ein langer Tag neigt sich seinem Ende zu. Um endlich zur Ruhe zu kommen, lassen wir den Abend im “Rum House” ausklingen. Während das Bier in Strömen fliesst und die Pianistin das bekannte Lied “New York State of Mine” klimpert, seufze ich laut und stelle mir vor, in Manhattan zu leben. Edelbert zuckt mit den Schultern und meint, dass wir uns solchen Luxus ganz bestimmt nicht leisten können.
20.30 Uhr Um insgesamt 80 Dollars erleichtert, verabschiede ich mich von Prof. Kuhn und freue mich aufs Bett. Hund Dixon schleppt sich mit letzter Kraft ins Zimmer und rollt sich schnaufend ein. Unterdessen schlüpfe ich aus den Kleidern und lasse die Seele bei einer Dusche baumeln.
21.00 Uhr Anschliessend lege ich mich ins Bett und schaue noch etwas fern. Obgleich die “Wendy Williams” Sprechsendung läuft, fallen mir bald die Augen zu. Gute Nacht.