20. September 2017 – Simon Wiesenthal

swiesenthal

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 22. Juni 1941 marschierte die deutsche Wehrmacht in der Sowjetunion ein. Ziel dieses feigen Überfalles war es, den Bolschewismus zu vernichten und Hitlers rassistischen Vernichtungsfeldzug gegen die Juden auszudehnen.

Einen Monat später wurde der damals 23jährige Simon Wiesenthal bei Lemberg verhaftet. Bis zum Ende des Krieges war der gute Mann in insgesamt 12 Arbeits- und Konzentrationslager inhaftiert. Als die Amerikaner ihn aus dem KZ Mauthausen befreiten, schrieb er eine Liste mit den Namen von 91 Kriegsverbrechern nieder und half den Alliierten, bei der Suche nach untergetauchten Nazischergen – wie schön.

1947 gründete Simon Wiesenthal im österreichischen Linz die „Jüdische Historische Dokumentation“, die es zum Ziel hatte, Informationen zum Aufenthalt hochrangiger Nationalsozialisten zu sammeln und auszuwerten. Weil seine Arbeit viele Verbrechen aufdeckte, wurde Herr Wiesenthal unter anderem von der britischen Königin Elisabeth II zum Ritter geschlagen. Ferner wurde er vom Land Österreich mit dem „Grossen goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik“ bedacht. Auch die amerikanische Regierung zeigte sich dankbar und gründete in Los Angeles, CA ein Zentrum, das nach ihm benannt wurde. Bis heute wurden weitere Niederlassungen in New York, Miami, Toronto, Paris, Jerusalem und Buenos Aires gegründet – wie schön.

Simon Wiesenthal starb just heute vor 12 Jahren in seinem Ruhesitz in Wien im Alter von 96 Jahren. Drei Tage später wurde sein Leichnam nach Israel ausgeflogen und auf einem Friedhof in Herzlia beigesetzt.

Hochachtungsvoll
Reinhard Pfaffenberg

18. September 2017 – Ich wähle

08.00 Uhr Eine neue Woche bricht an und ich fühle mich blendend. Als plötzlich Dixon anschlägt und kläffend zur Pforte rennt, werfe ich mir den Morgenmantel über und sehe selbst nach dem Rechten. Zu meiner Freude finde ich die Unterlagen für die anstehende Bundestagswahl im Briefkasten vor und erkläre dem Vierbeiner, dass ich nun meinen Bürgerpflichten nachkommen und der AfD mein Vertrauen aussprechen werde. Während Dixon hechelnd nach draussen läuft, eile ich in die gute Stube und mache es mir zur Aufgabe, die Briefwahlunterlagen ganz genau in Augenschein zu nehmen. Ich überfliege das Merkblatt eingehend und lerne, dass ich den amtlichen Stimmzettel mit zwei Kreuzen versehen und diesen dann in den blauen Briefumschlag stecken muss – wie aufregend.


Wählen ist gar nicht so einfach

08.30 Uhr Nachdem ich meine Stimmen abgegeben und den blauen Umschlag zugeklebt habe, nehme mir das Recht heraus, den Wahlschein in das rote Kuvert zu stecken. Nebenher rolle ich entnervt mit den Augen und komme zu dem Schluss, dass wählen gar nicht so einfach ist.
09.00 Uhr Schlussendlich atme ich tief durch und vergesse auch nicht, den Wahlbrief mit Postwertzeichen zu bekleben. Im Anschluss verabschiede ich mich in die Nasszelle und nehme mit einem Wirbelbad Vorlieb.
10.00 Uhr Just als ich aus der Wanne hüpfe und mich mit einem Frotteehandtuch abtrockne, pocht Frau Pontecorvo an die Terrassentüre und schimpft, weil Dixon ein Loch im Garten gegraben hat. Ich schlüpfe geschwind in modische Freizeitkleidung und entgegne, dass ich mich nicht um alles kümmern kann.


Dixon ist frech

10.30 Uhr Da ich keine grosse Lust verspüre, alleine zu frühstücken, nehme ich den Autoschlüssel zur Hand und scheuche Dixon zum Chevrolet. In einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt presche ich in Richtung Zentrum davon und rufe kurzerhand beim Professor an, um ihn ins „The Cafe“ an der 5th Avenue einzuladen. Edelbert erteilt mir jedoch eine Absage und sagt, dass das besagte Restaurant wegen Sturmschäden bis auf weiteres geschlossen bleibt. Stattdessen bringt mein Bekannter eine Einkehr ins „Bistro 821“ zur Sprache und sichert zu, dass er sich augenblicklich auf den Weg machen wird – das hört man gerne.
11.00 Uhr Hungrig und durstig betrete ich das Familiengasthaus und freue mich, den Professor an einem Fenstertisch mit Ausblick anzutreffen. Selbstverständlich setze ich mich sogleich dazu und ordere bei einem hochnäsigen Kellner ein vitaminreiches „Western Omelette“ sowie „Oven Roasted Potatoes“ (löblich: Ofengeröstete Kartoffel). Dazu gibt es eine Kanne Kaffee und frischgepressten O-Saft – das schmeckt.
11.30 Uhr Während wir kraftvoll zubeisse, präsentiere ich den Wahlbrief und merke an, dass wir im Anschluss zu einer Postfiliale spazieren sollten. Edelbert schlägt in die gleiche Kerbe und kann es kaum noch erwarten, am kommenden Sonntag die ARD Wahlsendung im Internetz zu verfolgen – das wird eine Gaudi.


Oktoberfest – Ich sage Nein

12.15 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, verlassen wir die Wirtschaft und schlendern mit Dixon zur Poststelle an der 6. Strasse. Unterdessen tratschen wir angeregt und der Professor erzählt, dass Admiral a.D. Bürstenbinder gestern das Oktoberfest besucht hat. Ich lache laut und mutmasse, dass der ehemalige Seefahrer mindestens sechs Mass gestemmt und eine Saalschlacht angezettelt hat. Edelbert nickt eifrig und beteuert, dass der gute Mann auch heute nach München fahren und abermals abfeiern wird – das ist ja allerhand.
13.00 Uhr Nachdem ich den Brief per Expresszustellung aufgegeben habe, kehren wir zum Chevrolet zurück. Mein Begleiter wischt sich mit der Hand über die nasse Stirn und kündigt an, dass er den Nachmittag lesend in seiner schicken Stadtwohnung verbringen wird. Ich wünsche dem schlauen Mann viel Vergnügen und ziehe es vor, schnell ins Auto einzusteigen und in Richtung Willoughby Drive davonzurasen.
13.30 Uhr Ich treffe fix und foxi zuhause ein und fülle Dixons Napf mit Trockenfutter auf. Anschliessend bette ich mich auf dem Kanapee zur Ruhe und döse prompt ein – das tut gut.
14.30 Uhr Um nicht den ganzen Nachmittag zu vertrödeln, schwinge ich mich vom Sofa und eile mit einem scharfen Messer im Anschlag in den Garten. Mit einer schönen Melodie auf den Lippen, schneide ich die Petersilie ab und bemerke, dass die diesjährige Ernte besonders mickrig ausfällt. Ich balle meine Fäuste und lasse Dixon wissen, dass Hurrikan Irma zahlreiche Doldenblütlergewächse entwurzelt hat – wie schade.


Die Ernte ist futsch – SAPPERLOTT

15.15 Uhr Nach getaner Arbeit kehre ich ins Haus zurück und setze mich an den Schreibtisch. Wie es sich gehört, gebe ich im Rahmen der Anschnurseelsorger Ratschläge zum Umgang mit frechen Jugendlichen ab.
16.15 Uhr Nach einer Stunde fahre ich den Heimrechner mausdrückend herunter und stelle mir grosser Sorge fest, dass Dixons Pfoten verdreckt sind. Augenrollend scheuche ich den Lausbuben an die frische Luft und spritze ihn mit dem Gartenschlauch ab – was muss ich denn noch alles ertragen.
17.00 Uhr Nachdem ich den Rasensprenger in Betrieb genommen habe, mache ich mich in der Küche nützlich und erwärme ein tiefgefrorenes Nudelschichtgericht im Kleinwellenofen. Dazu gibt es einen Tomatensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen und Oliven aus dem Glas – das keusche Augen isst schliesslich mit.
18.00 Uhr Zum Abschluss des langen Tages lege ich im Wohnzimmer die Beine hoch und schalte die Glotze ein, um mich auf FOX über die tagesaktuellen Geschehnisse in der Welt zu informieren. Unter anderem höre ich, dass sich auf dem Atlantik ein weiterer Tropensturm zusammengebraut und Kurs auf die Bahamas nimmt – wie schrecklich.

19.00 Uhr Zur Prime Time (unlöblich: Hauptfernsehzeit) wechsle ich auf den Bezahlsender HBO und gebe mich dem Krimi „Kill Your Darlings“ (löblich: Ermorde deine Lieben) hin. Obgleich ich ganz genau aufpasse, fällt es mir ausserordentlich schwer, der haarsträubenden Handlung zu folgen. Achselzuckend genehmige ich mir ein Bier aus dem Eiskasten und fasse den Entschluss, mir mit dem Musikprogramm von CMT den Abend zu versüssen.
21.00 Uhr Nach zwei heiteren Stunden beende ich den Fernsehabend und unternehme mit Dixon einen kleinen Rundgang durch den Garten. Zu guter Letzt lösche ich das Licht und lege mich schlafen. Gute Nacht.

11. September 2017 – 16 Jahre danach

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Tagebuchleser,

am Morgen des 11. September 2001 bestiegen mehrere islamische Selbstmordattentäter Flugzeuge der „United Airlines“ bzw. der „American Airlines“ und machten sich kurz nach dem Startvorgang daran, die Maschinen in ihre Gewalt zu bringen.

Während der United Flug 93 in der Nähe von Shanksville im US-Bundestaat Pennsylvania abstürzte, erreichten die anderen Flugzeuge ihre Ziele und wurden von den gläubigen Mohammedanern in die Türme des New Yorker „World Trade Center“ bzw. das „Pentagon“ in Washington D.C. gelenkt.

Bei diesen Terroranschlägen verloren über 3.000 Menschen ihr Leben. Darunter 343 mutige New Yorker Feuerwehrleute und Polizisten, die in das brennende Gebäude geeilt waren, um den eingeschlossenen Menschen zu helfen.

Angesichts des heutigen Jahrestages möchte ich klarstellen, dass Terroristen zwar Gebäude und Menschenleben zerstören können, aber niemals unsere freiheitliche und demokratische Einstellung.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg

6. September 2017 – Die Ermordung des William McKinley durch Leon Czolgosz

Sehr geehrte Damen und Herren,

zwischen dem 1. Mai und dem 2. November 1901 fand in der schönen Stadt Buffalo, NY die sogenannte „Pan American Exposition“ statt. Die Weltausstellung wurde auf einem 140 Hektar grossen Areal vor der Stadt abgehalten und lockte 8.000.000 Besucher aus aller Herren Länder an. Unter anderem wurde auf dieser Ausstellung erstmals das vom deutschen Physiker Wilhelm Conrad Röntgen konzipierte Röntgengerät der Weltöffentlichkeit vorgestellt – wie aufregend.

Selbstverständlich entschloss sich auch der Präsident der Vereinigten Staaten – William McKinley – die Ausstellung zu besuchen. Der gute Mann reiste am 5. September 1901 von Washington in den hohen Norden, um den vielen Schaustellern für ihr Kommen persönlich zu danken und eine Rede zu halten.

Tags darauf schlenderte der Politiker über das Gelände und lies es sich nicht nehmen, Hände zu schütteln und mit den Besuchern zu plaudern. Dummerweise geriet er dabei an den polnischstämmigen Anarchisten Leon Czolgosz, der ihn mit zwei Revolverschütten in die Brust und den Unterleib niederstreckte. McKinley wurde sofort in ein Krankenhaus eingeliefert und operiert. Obgleich Hoffnung bestand, das Leben des Volksvertreters zu retten, verstarb er 8 Tage später an inneren Blutungen.


Leon Czolgosz

Leon Czolgosz wurde kurz nach der Tat festgenommen und in Untersuchungshaft genommen. Während der folgenden Gerichtsverhandlung gab der damals 28jährige an, nichts falsches getan zu haben. Darüber hinaus erklärte er den Geschworenen, „einen Feind der Menschen und der guten Arbeiter getötet zu haben“. Natürlich wurde Czolgosz schuldiggesprochen und zum Tode auf dem elektrischen Stuhl verurteilt. Der Richterspruch wurde am 29. Oktober 1901 im Staatsgefängnis von Auburn vollzogen.

Hochachtungsvoll
Reinhard Pfaffenberg

 

25. August 2017 – National Park Service (NPS)

nps

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute vor 101 Jahren wurde in der amerikanischen Hauptstadt Washington DC der „National Park Service“ (NPS) gegründet. Diese Bundesbehörde ist seitdem mit der Aufgabe betraut, die amerikanischen Nationalparks, sämtliche Naturschutzgebiete sowie Gedenkstätten zu verwalten.

Wie jeder weiss, verfügen die Vereinigten Staaten von Amerika nicht nur über 59 offizielle Nationalparks, 113 Nationalmonumente, 2.540 Historic Landmarks (löblich: historische Landmarken) und 30.000 Historic Places (löblich: historische Plätze), sondern auch noch über unzählige Erholungsgebiete, Parkanlagen sowie schützendwerte Fluss- sowie Küstenlandschaften, die eine Gesamtfläche von sagenhaften 336.000 km² umfassen.

Woodrow Wilson, seines Zeichen 28. Präsident der USA, entschloss sich anno 1916, das Innenministerium mit der Bildung einer eigenen Verwaltungsbehörde für sämtliche Parkanlagen zu beauftragen. Wenig später wurden gut ein Dutzend Freiwillige rekrutiert und der „National Park Service“ ins Leben gerufen. Mittlerweile ist die Organisation zu einer der grössten Behörden des Landes aufgestiegen. 28.000 festangestellte Mitarbeiter sowie 2,5 Millionen Freiwillige sorgen dafür, dass die verwalteten Orte der Öffentlichkeit zugänglich sind und auch für künftige Generationen erhalten bleiben.

Die Regierung unterstützt den NPS jährlich mit zirka 2,5 Milliarden Dollars. Darüber hinaus werden die Zuwendungen mit Zuschüssen aus dem „American Recovery and Reinvestment Act“ (löblich: Amerikanisches Aufschwungs- und Reinvestitionsgesetz) auf bis zu 3 Milliarden Dollars aufgestockt – das ist phantastisch.

Selbstverständlich sind auch die Bürger aufgerufen, Geld für den Erhalt der Nationalparks zu spenden und/oder mit freiwilliger Arbeit den „National Park Service“ zu unterstützen. An diesem Beispiel sieht man anschaulich, dass der Naturschutz in Amerika eine besonders grosse Rolle spielt.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg