16. und 17. Juni 2018 – Amerika, ich komme

Hallo Freunde der Nacht,

wie ihr sicher wisst, werde ich am 1. Juli nach Amerika düsen und meinen Vermieter in Florida besuchen 🙂

Als EU-Bürger ist man übrigens verpflichtet, nicht nur bei Geschäfts-, sondern auch bei Urlaubsreisen vor Reiseantritt eine sogenannte ESTA (Electronic System for Travel Authorization) Genehmigung zu beantragen. Mit Verabschiedung des neuen amerikanischen Einwanderungs- und Staatsangehörigkeitsgesetzes ist es den Behörden nun erlaubt, die Daten der Reisenden mit den amerikanischen Fahndungs- und Strafverfolgungslisten abzugleichen.

Natürlich habe ich mich schon um eine ESTA-Genehmigung gekümmert und wurde mit 14$ zur Kasse gebeten. Beim Ausfüllen muss man seinen kompletten Namen, Geburtsdatum, den Namen beider Eltern, Informationen zum Reisepass, E-Mail Adressen, private Telefonnummern, Reiseinformationen, Adresse des Arbeitgebers sowie Nutzernamen und Adressen von Sozialen Medien preisgeben …

Ausserdem ist man gezwungen, komische Fragen wie zum Beispiel “Leiden Sie an einem körperlichen oder geistigen Gebrechen; missbrauchen Sie Drogen oder sind Sie drogensüchtig” oder “Wurden Sie jemals verhaftet oder eines Verbrechens überführt, das zu ernsthaften Sachschäden oder gravierenden Schäden für andere Personen oder Regierungsbehörden geführt hat?” zu beantworten. Nur gut, dass ich alle Fragen mit NEIN beantworten konnte 🙂


Bald bin ich in Florida

Trotz des grossen Aufwands freue ich mich riesig, endlich wieder die United States of America besuchen zu dürfen. Ich werde die Tage im Sunshine State sehr geniessen, Sonne tanken, Budweiser schlürfen und natürlich auch viele amerikanische Serien sehen.

Okay, jetzt ruft mich der Biergarten. Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende.
Sandra

15. Juni 2018 – Oregon Treaty

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Werte Damen und Herren,

im Jahre 1818 schlossen die Vereinigten Staaten von Amerika mit Grossbritannien und Irland den sogenannten “Londoner Vertrag”. Dieser regelte die Fischfangrechte an den Küsten von Neufundland und Labrador. Darüber hinaus wurde anno 1818 auch die Grenzlinie zwischen Kanada und den Vereinigten Staaten gezogen.

Just heute vor 172 Jahren – am 15. Juni 1846 – kamen der damalige amerikanische Aussenminister James Buchanan und Richard Pakenham – ein Abgesandter der englischen Königin Victoria – erneut am Verhandlungstisch zusammen, um noch einmal den Grenzverlauf zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada auszuhandeln.

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The Oregon Treaty

Die Unterredung dauerte mehrere Stunden und letztendlich einigte man sich darauf, dass der 49. Breitengrad die Grenze darstellt. Zudem verzichtete die amerikanische Seite auf Vancouver Island und liess im sogenannten Oregon-Kompromiss verankern, dass die USA zu keiner Zeit Anspruch auf die knapp 32.000 km² grosse Pazifikinsel erheben darf. Gleichzeitig versprachen die Briten, Oregon an die Vereinigten Staaten abzutreten.

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James K. Polk drohte mit Krieg

Im Vorfeld gab es weitreichende Spannungen zwischen England und den USA. Der Präsident der Vereinigten Staaten – James K. Polk – ging mit der Parole “Fifty-Four or Fight” (löblich: Fünfundvierzig oder Krieg) in den Wahlkampf und drohte dem englischen Königreich unverhohlen mit einem schrecklichen Krieg – wie unlöblich.

Schlussendlich einigten sich die beiden Länder auf einen Kompromiss und beendeten mit dem “Oregon Treaty” (löblich: Oregon Vertrag) den jahrelangen und blutigen Grenzstreit – wie schön.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg

14. Juni 2018 – Frühstücksflocken und Konserven

08.00 Uhr Das Telefon bimmelt und ich vernehme Edelberts Stimme im Rohr. Mein Bekannter legt beste Laune an den Tag und möchte wissen, ob ich ihn zum Supermarkt begleiten möchte. Weil ich nichts besseres zu tun habe, willige ich ein und verspreche dem schlauen Mann, dass ich gegen halb Elf an der PUBLIX Markthalle sein werde. Darüber hinaus komme ich auf Georg und Maria zu sprechen und berichte, dass die beiden gestern zu einem Ausflug ins Landesinnere aufgebrochen sind. Mein Gesprächspartner löchert mich mit Fragen und meint, dass wir dem Beispiel meiner Verwandten folgen und ebenfalls verreisen sollten – das werden wir erst noch sehen.
08.30 Uhr Nachdem ich meine ausgetrocknete Kehle mit einem kräftigen Schluck Limonade durchgespült habe, eile ich in die Nasszelle und entspanne mich bei einem Wirbelbad – das tut gut.
09.30 Uhr Nach dem Badespass schlüpfe ich in modische Freizeitkleidung und statte meiner Nachbarin einen Besuch ab. Frau Pontecorvo begrüsst mich herzlich und zögert nicht, mich zu Kaffee und Kuchen herein zu bitten. Ich nehme die Einladung freudestrahlend an und mache mich über ein Stück Apfelkuchen her. Nebenbei merke ich an, dass ich unter enormen Zeitdruck stehe und Edelbert in einer Stunde im Supermarkt treffen werde. Meine Nachbarin wird spornstreichs hellhörig und bittet mich, nach preiswertem Waschmittel Ausschau zu halten – jaja.


Es gibt Kuchen – wie aufregend

10.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 10 zugeht, nehme ich einen letzten Schluck Bohnentrunk und fasse den Entschluss, nun zum PUBLIX zu krusen und ordentlich abzuschoppen. Ich bedanke mich artig für die Jause und lasse die Perle wissen, dass ich neben Produkten des täglichen Bedarfs auch Getränke, Schokolade sowie Obst einkaufen werde – was das wieder kostet.
11.30 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise, erreiche ich endlich mein Ziel und kann den PS-strotzenden SUV direkt neben Edelberts schneeweissen JEEP abstellen. Während Dixon im Auto wartet, folge ich Edelbert in den klimatisierten Flachbau und mache einer störrischen Kundin (78) mit hellblauen Haaren einen Einkaufswagen streitig. Danach nehme ich an Edelberts Seite die Sonderangebote in Augenschein und stelle fest, dass weit und breit keine Schnäppchen zu finden sind. Trotz alledem lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und verlade günstige Äpfel aus dem Nachbarstaat Georgia, Kelloggs Frühstücksflocken, Kartoffeln aus Idaho sowie diverse Konserven in den klapprigen Einkaufswagen – gleich platzt mir der Kragen.


Ich schoppe ordentlich ab

12.15 Uhr Während sich immer mehr Lebensmittel ansammeln, erzähle ich meinem Begleiter, dass Georg und Maria bis zum Sonntag nicht nur die schöne Stadt Gainesville im Alachua County besuchen, sondern sich auch das sogenannte “Castillo de San Marcos” Denkmal in St. Augustine an Floridas Ostküste anschauen wollen. Mein Begleiter nickt eifrig und belehrt, dass das lustige Fort einst von den Spaniern erbaut und zwischen 1763 bis 1784 unter britischer Besetzung stand – das soll mir auch Recht sein.
12.45 Uhr Nachdem wir dem PUBLIX Konzern ein stattliches Sümmchen beschert haben, steuere ich als nächstes eine McDonalds Schnellessfiliale an und lade meinen Bekannten zu einer kleinen Brotzeit ein. Mit dem Vierbeiner im Schlepptau werden wir an der Essensausgabe vorstellig und ordern neben gesunden Kartoffelstäben, fettigen Burgern und Beilagensalaten auch grosse Diät Cola Becher – das gibt ein Festessen.


Ich beisse kraftvoll zu

13.15 Uhr Redlichst gestärkt trete ich die Heimreise an und freue mich auf ruhige Stunden in der kleinen Villa. Um für gute Laune zu sorgen, drehe ich das Radiogerät etwas lauter und fröne stimmungsvollen Landmusikschlägen.
14.00 Uhr Schnaufend treffe ich zu Hause ein und mache es mir zur Aufgabe, die zentnerschweren Einkaufstüten in die kleine Villa zu schleppen. Währenddessen verabschiedet sich Dixon in den Garten der Nachbarn und schreckt nicht davor zurück, eine knietiefe Grube im Rosenbeet auszubuddeln – das macht Spass.
14.30 Uhr Nachdem ich die Waren sorgsam im Eiskasten verstaut habe, schlüpfe ich aus den schweren Kuhjungenstiefeln (unlöblich: Cowboy Boots) und falle erschöpft aufs Kanapee. Um etwas Ruhe zu bekommen, strecke ich genüsslich die Beine aus und schliesse die Augen – das tut gut.
15.30 Uhr Ich erwache ausgeruht und fülle den Napf meines braven Haustieres mit Trockenfutter auf. Ausserdem spähe ich neugierig auf meine wertvolle ROLEX und bemerke, dass es für das Abendessen noch zu früh ist. Um keine Langeweile aufkommen zu lassen, klatsche ich in die Hände und animiere den Rüden, mich zum nahegelegenen “La Playa” Golfplatz zu begleiten.
16.00 Uhr Mit einem lustigen Lied auf den Lippen schlendere ich durch das Wohngebiet und nehme mir das Recht heraus, Georg anzurufen und mich nach seinem Aufenthaltsort zu erkundigen. Mein Bruder steht mir artig Rede und Antwort und kündigt an, dass er die Nacht in einem “Motel 8” in Gainesville verbringen wird – wie schön.
17.00 Uhr Zurück in der kleinen Villa, mache ich mich in der Küche nützlich und hantiere mit einer Pfanne. Ruckzuck brate ich Fischstäbe heraus und nehme ausserdem mit Bratkartoffeln Vorlieb – wie gut das duftet.


Es ernähre mich sehr gesund

18.00 Uhr Nach dem Nachtmahl nehme ich seufzend auf dem Sofa platz und gebe mich den Nachrichten auf FOX hin. Unter anderem bringe ich heraus, dass Morgen mit dem sogenannten “Flag Day” (löblich: Flaggentag) die amerikanisch Flagge geehrt wird – wie aufregend.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit wechsle ich auf Showtime und erfreue mich am nervenaufreibenden Gruselfilm “The Haunting” (auf deutsch: Das Geisterschloss). Der Lichtspielhauserfolg aus dem Jahre 1999 handelt von mehreren unterbelichteten Personen, die im Rahmen einer Studie über Schlafstörungen auf das verwunschene Landhaus “Hill House” eingeladen werden – wie unheimlich.
21.00 Uhr Als nach einhundertzwanzig Minuten der Abspann über den Flachbildschirm flimmert, atme ich tief durch und beende den Fernsehabend. Zu guter Letzt wünsche ich Dixon angenehme Träume und lege mich schlafen. Gute Nacht.

13. Juni 2018 – Marquis de La Fayette

lafayette

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie jedes Kind weiss, brach Anno 1775 der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg aus. Die dreizehn Kolonien der neuen Welt erklärten sich von der britischen Kolonialmacht unabhängig und führten ab dem 19. April des Jahres 1775 erste Scharmützel mit den britischen Truppen. Obgleich die Lage der 2,5 Millionen Siedler zu dieser Zeit ungünstig war, schafften es die Milizen, der britischen Krone prompt herbe Verluste beizubringen.

Just heute vor 241 Jahren – am 13. Juni 1777 – erklärte sich der aus Chavaniac in Frankreich stammende Marquis de La Fayette bereit, an der Seite der neuen Siedler zu kämpfen. Der gute Mann diente von 1771 bis 1776 in der französischen Armee und entschloss sich kurz nach Ausbruch des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges, sein Heimatland zu verlassen, um für Gleichheit, Freiheit und Gerechtigkeit zu kämpfen. Schlussendlich segelte er mit seiner Fregatte “Hermione” nach Amerika und erreichte am 13. Juni 1777 nördlichen von Charleston, SC die neue Welt. Der Marquis gab sich der Kontinentalarmee als Verbündeter zu erkennen und wurde am 31. Juni zum Generalmajor der Kontinentalarmee ernannt.

In Folge dessen verbündete sich auch Frankreich mit den Vereinigten Staaten und zog gegen Grossbritannien in den Krieg. Zeitgleich kehrte La Fayette nach Frankreich zurück, um Geld zu beschaffen und den Virginia Feldzug vorzubereiten. Als der blutige Krieg am 3. September 1783 zu Ende ging, wurde La Fayette landesweit als grosser Kriegsheld gefeiert – wie schön.

La Fayette sagte:

“Auflehnung ist das heiligste aller Rechte und die notwendigste aller Pflichten”

Der Marquis de La Fayette segelte jedoch in seine Heimat zurück und schrieb es sich auf die Fahnen, auch in seinem Heimatland für Freiheit und Demokratie einzutreten. Unter anderem brachte er in die Nationalversammlung eine Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte nach amerikanischen Vorbild ein.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg