20. September 2017 – Simon Wiesenthal

swiesenthal

Sehr geehrte Damen und Herren,

am 22. Juni 1941 marschierte die deutsche Wehrmacht in der Sowjetunion ein. Ziel dieses feigen Überfalles war es, den Bolschewismus zu vernichten und Hitlers rassistischen Vernichtungsfeldzug gegen die Juden auszudehnen.

Einen Monat später wurde der damals 23jährige Simon Wiesenthal bei Lemberg verhaftet. Bis zum Ende des Krieges war der gute Mann in insgesamt 12 Arbeits- und Konzentrationslager inhaftiert. Als die Amerikaner ihn aus dem KZ Mauthausen befreiten, schrieb er eine Liste mit den Namen von 91 Kriegsverbrechern nieder und half den Alliierten, bei der Suche nach untergetauchten Nazischergen – wie schön.

1947 gründete Simon Wiesenthal im österreichischen Linz die „Jüdische Historische Dokumentation“, die es zum Ziel hatte, Informationen zum Aufenthalt hochrangiger Nationalsozialisten zu sammeln und auszuwerten. Weil seine Arbeit viele Verbrechen aufdeckte, wurde Herr Wiesenthal unter anderem von der britischen Königin Elisabeth II zum Ritter geschlagen. Ferner wurde er vom Land Österreich mit dem „Grossen goldenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik“ bedacht. Auch die amerikanische Regierung zeigte sich dankbar und gründete in Los Angeles, CA ein Zentrum, das nach ihm benannt wurde. Bis heute wurden weitere Niederlassungen in New York, Miami, Toronto, Paris, Jerusalem und Buenos Aires gegründet – wie schön.

Simon Wiesenthal starb just heute vor 12 Jahren in seinem Ruhesitz in Wien im Alter von 96 Jahren. Drei Tage später wurde sein Leichnam nach Israel ausgeflogen und auf einem Friedhof in Herzlia beigesetzt.

Hochachtungsvoll
Reinhard Pfaffenberg

19. September 2017 – Ausgewogene Ernährung

08.00 Uhr Ich beginne den Tag mit dem Frühsport im Freien. Hund Dixon leistet mir bei den Leibesübungen Gesellschaft und zögert nicht, an Frau Pontecorvos Terrassentüre zu kratzen. Meine Nachbarin lässt nicht lange auf sich warten und ruft mich auf, zum Frühstück herüberzukommen. Ich nicke eifrig und entgegne, dass ich mich nur noch frisch machen muss – immerhin ist mir Sauberkeit und Hygiene sehr wichtig.
08.30 Uhr Wie es sich gehört, lasse ich die Seele bei einem Wirbelbad baumeln und vergesse auch nicht, meine Haare mit einem Pflegeprodukt aus dem Hause SCHWARZKOPF zu waschen – wie gut das duftet.
09.30 Uhr Wenig später eile ich mit Dixon zum Nachbarhaus und erfahre, dass unser Frühstück aus einem Müsli und süffigem Mandeltrunk bestehen wird. Ich blicke skeptisch drein und informiere, dass ich Rühreier mit Speckstreifen bevorzugen würde. Die Alte erhebt jedoch den Zeigefinger und meint, dass wir nicht mehr die Jüngsten sind und auf eine ausgewogene Ernährung achten sollten – papperlapapp.
10.00 Uhr Während ich am Mandelsaft nippe, redet Frau Pontecorvo weiter auf mich ein und vertellt, dass in der Innenstadt in den letzten Monaten zahlreiche vegetarische Restaurants eröffnet wurden. Meine Tischnachbarin geht noch weiter und schlägt vor, dass wir Edelbert an seinem Geburtstag ins „Delicious Raw“ ausführen sollten. Als ich genauer nachfrage, rückt die Dame mit der ganzen Wahrheit heraus und berichtet, dass in besagtem Gasthaus nicht nur frisch gepresste Gemüsesäfte, sondern auch laktosefreie Aufläufe serviert werden.


Mein Zuhause unter Palmen

11.00 Uhr Nachdem ich aufgegessen und mir den Mund an der Serviette abgewischt habe, wünsche ich meine Nachbarin einen schönen Tag und kehre in die kleine Villa zurück. Ruckzuck laufe ich zum Eiskasten und hole etwas Aufschnitt hervor, um mir ein Sandwich (löblich: Wurstbrot) zuzubereiten. Ferner halte ich Dixon eine Scheibe Capocollo vor die Schnauze und stelle klar, dass Fleisch sehr gesund ist und Kraft spendet.
11.30 Uhr Nachdem ich mich im Garten nützlich gemacht und abgefallene Palmwedel aufgelesen habe, greife ich zum Autoschlüssel und fordere den Vierbeiner auf, mich zum Wagen zu begleiten. Mit Elan zwänge ich mich hinters Lenkrad und schicke mich an, zu stimmungsvoller Radiountermalung in Richtung Stadtzentrum davonzurasen. Während der aus Kanada stammende Sänger Neil Young ein Lied über die Indianertochter Pocahontas trällert, beschleunige ich den SUV auf 35 Meilen und lasse meinen tierischen Begleiter wissen, dass wir nun Prof. Kuhn einen Überraschungsbesuch abstatten werden.

12.15 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, betätige ich Edelberts Klingel und werden von meinem Bekannten herzlich begrüsst. Der gute Mann lotst mich in die klimatisierte Stube und nimmt sich das Recht heraus, mich mit einem Budweiser zu verwöhnen. Ich nehme das Kaltgetränk dankend an und öle meinen staubtrocknen Hals mit kräftigen Schlucken. Unterdessen präsentiert der Professor ein Buch aus Alen Ginsbergs Feder und plappert davon, dass er gestern im Barnes & Noble Geschäft die Schriftensammlung „Howl and other Poems“ (löblich: Das Geheul und andere Gedichte) entdeckt hat. Bevor ich antworten kann, schlägt mein Gegenüber das Buch auf und liest daraus vor – wie langweilig.
12.45 Uhr Kurz bevor mir die Augen zufallen, beendet Edelberg den Monolog und sagt, dass Alen Ginsberg zu den herausragendsten Schriftstellern der Neuzeit zählt. Ich schlage in die gleiche Kerbe und merke an, dass mein knurrender Magen nach einer warmen Mahlzeit verlangt. Edelbert seufzt laut und meint, dass wir in „Alberto’s Restaurant“ einkehren und Pizzas fressen könnten – das ist phantastisch.


Wir beissen kraftvoll zu

13.30 Uhr Nach einem kurzweiligen Spaziergang betreten wir das Gasthaus und bekommen einen Fenstertisch mit Ausblick zugewiesen. Wir nehmen prompt Platz und halten die bildhübsche Kellnerin an, zwei Hopfenkaltschalen sowie vitaminreiche Schinkenpizzas aufzutischen. Während der Mahlzeit plaudern wir angeregt und tauschen uns über Sandras anstehenden Urlaub aus. Edelbert legt seine Stirn in Falten und unkt, dass es kein Vergnügen werden wird, das Kind für zwei lange Wochen in meinem Zuhause zu beherbergen – wie wahr.
14.15 Uhr Redlichst gestärkt bezahlen wir die Zeche und vertreten uns die Beine entlang der 5th Avenue. Wir spähen in die ausstaffierten Schaufenster der Geschäfte und bemerken, dass Naples derzeit von besonders vielen Touristen überschwemmt wird – wo soll das noch hinführen.


Wir vertreten uns die Beine

15.00 Uhr Pünktlich zum Dreiuhrläuten hüpfe ich wieder ins Auto und brause winkend von dannen. Um schneller voran zu kommen, setze ich zu waghalsigen Überholmanövern an und lasse mehrmals das Signalhorn ertönen.
15.30 Uhr Zurück im Willoughby Drive, steige ich aus den Kuhjungenstiefeln und fülle Dixons Napf mit köstlichem Trockenfutter auf. Anschliessend strecke ich die Beine auf dem Sofa aus und döse schnell ein – das tut gut.
16.30 Uhr Ich erwache ausgeruht und registriere, dass Dixon mittlerweile nach draussen gelaufen ist, um den Nachbarhund zu besuchen. Achselzuckend giesse ich mir ein kühles Bier hinter die Binde und bereite das Abendessen vor. Um nicht stundenlang am Herd stehen zu müssen, schiebe ich eine Pizza in den Ofen und zaubere nebenher einen Tomatensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen.
17.00 Uhr Just als ich mich an den Esstisch setze, kommt das freche Haustier vor seinem Ausflug zurück und fordert ein Stück Pizza heraus. Ich komme der Bitte anstandslos nach und studiere während der Jause die aktuellen Berichte in der Tageszeitung.

18.00 Uhr Nachdem ich die Geschirrspülmaschine knopfdrückend in Betrieb genommen habe, mache ich es mir im Wohnzimmer bequem und spiele mit dem Gedanken, mir den Abend mit etlichen „Derrick“ Episoden zu verschönern. Voller Vorfreude verfrachte ich eine selbstgebrannte DVD ins Abspielgerät und gebe mich drei heiklen Fällen aus den frühen 1980er Jahren hin – da kommt Spannung auf.
21.00 Uhr Nach 180minütigem Nervenkitzel betätige ich den AUS Knopf auf der Fernbedienung und führe Dixon noch einmal in den Garten. Zu guter Letzt lösche ich sämtliche Lichter und falle erschöpft ins Bett. Gute Nacht.

18. September 2017 – Ich wähle

08.00 Uhr Eine neue Woche bricht an und ich fühle mich blendend. Als plötzlich Dixon anschlägt und kläffend zur Pforte rennt, werfe ich mir den Morgenmantel über und sehe selbst nach dem Rechten. Zu meiner Freude finde ich die Unterlagen für die anstehende Bundestagswahl im Briefkasten vor und erkläre dem Vierbeiner, dass ich nun meinen Bürgerpflichten nachkommen und der AfD mein Vertrauen aussprechen werde. Während Dixon hechelnd nach draussen läuft, eile ich in die gute Stube und mache es mir zur Aufgabe, die Briefwahlunterlagen ganz genau in Augenschein zu nehmen. Ich überfliege das Merkblatt eingehend und lerne, dass ich den amtlichen Stimmzettel mit zwei Kreuzen versehen und diesen dann in den blauen Briefumschlag stecken muss – wie aufregend.


Wählen ist gar nicht so einfach

08.30 Uhr Nachdem ich meine Stimmen abgegeben und den blauen Umschlag zugeklebt habe, nehme mir das Recht heraus, den Wahlschein in das rote Kuvert zu stecken. Nebenher rolle ich entnervt mit den Augen und komme zu dem Schluss, dass wählen gar nicht so einfach ist.
09.00 Uhr Schlussendlich atme ich tief durch und vergesse auch nicht, den Wahlbrief mit Postwertzeichen zu bekleben. Im Anschluss verabschiede ich mich in die Nasszelle und nehme mit einem Wirbelbad Vorlieb.
10.00 Uhr Just als ich aus der Wanne hüpfe und mich mit einem Frotteehandtuch abtrockne, pocht Frau Pontecorvo an die Terrassentüre und schimpft, weil Dixon ein Loch im Garten gegraben hat. Ich schlüpfe geschwind in modische Freizeitkleidung und entgegne, dass ich mich nicht um alles kümmern kann.


Dixon ist frech

10.30 Uhr Da ich keine grosse Lust verspüre, alleine zu frühstücken, nehme ich den Autoschlüssel zur Hand und scheuche Dixon zum Chevrolet. In einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt presche ich in Richtung Zentrum davon und rufe kurzerhand beim Professor an, um ihn ins „The Cafe“ an der 5th Avenue einzuladen. Edelbert erteilt mir jedoch eine Absage und sagt, dass das besagte Restaurant wegen Sturmschäden bis auf weiteres geschlossen bleibt. Stattdessen bringt mein Bekannter eine Einkehr ins „Bistro 821“ zur Sprache und sichert zu, dass er sich augenblicklich auf den Weg machen wird – das hört man gerne.
11.00 Uhr Hungrig und durstig betrete ich das Familiengasthaus und freue mich, den Professor an einem Fenstertisch mit Ausblick anzutreffen. Selbstverständlich setze ich mich sogleich dazu und ordere bei einem hochnäsigen Kellner ein vitaminreiches „Western Omelette“ sowie „Oven Roasted Potatoes“ (löblich: Ofengeröstete Kartoffel). Dazu gibt es eine Kanne Kaffee und frischgepressten O-Saft – das schmeckt.
11.30 Uhr Während wir kraftvoll zubeisse, präsentiere ich den Wahlbrief und merke an, dass wir im Anschluss zu einer Postfiliale spazieren sollten. Edelbert schlägt in die gleiche Kerbe und kann es kaum noch erwarten, am kommenden Sonntag die ARD Wahlsendung im Internetz zu verfolgen – das wird eine Gaudi.


Oktoberfest – Ich sage Nein

12.15 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, verlassen wir die Wirtschaft und schlendern mit Dixon zur Poststelle an der 6. Strasse. Unterdessen tratschen wir angeregt und der Professor erzählt, dass Admiral a.D. Bürstenbinder gestern das Oktoberfest besucht hat. Ich lache laut und mutmasse, dass der ehemalige Seefahrer mindestens sechs Mass gestemmt und eine Saalschlacht angezettelt hat. Edelbert nickt eifrig und beteuert, dass der gute Mann auch heute nach München fahren und abermals abfeiern wird – das ist ja allerhand.
13.00 Uhr Nachdem ich den Brief per Expresszustellung aufgegeben habe, kehren wir zum Chevrolet zurück. Mein Begleiter wischt sich mit der Hand über die nasse Stirn und kündigt an, dass er den Nachmittag lesend in seiner schicken Stadtwohnung verbringen wird. Ich wünsche dem schlauen Mann viel Vergnügen und ziehe es vor, schnell ins Auto einzusteigen und in Richtung Willoughby Drive davonzurasen.
13.30 Uhr Ich treffe fix und foxi zuhause ein und fülle Dixons Napf mit Trockenfutter auf. Anschliessend bette ich mich auf dem Kanapee zur Ruhe und döse prompt ein – das tut gut.
14.30 Uhr Um nicht den ganzen Nachmittag zu vertrödeln, schwinge ich mich vom Sofa und eile mit einem scharfen Messer im Anschlag in den Garten. Mit einer schönen Melodie auf den Lippen, schneide ich die Petersilie ab und bemerke, dass die diesjährige Ernte besonders mickrig ausfällt. Ich balle meine Fäuste und lasse Dixon wissen, dass Hurrikan Irma zahlreiche Doldenblütlergewächse entwurzelt hat – wie schade.


Die Ernte ist futsch – SAPPERLOTT

15.15 Uhr Nach getaner Arbeit kehre ich ins Haus zurück und setze mich an den Schreibtisch. Wie es sich gehört, gebe ich im Rahmen der Anschnurseelsorger Ratschläge zum Umgang mit frechen Jugendlichen ab.
16.15 Uhr Nach einer Stunde fahre ich den Heimrechner mausdrückend herunter und stelle mir grosser Sorge fest, dass Dixons Pfoten verdreckt sind. Augenrollend scheuche ich den Lausbuben an die frische Luft und spritze ihn mit dem Gartenschlauch ab – was muss ich denn noch alles ertragen.
17.00 Uhr Nachdem ich den Rasensprenger in Betrieb genommen habe, mache ich mich in der Küche nützlich und erwärme ein tiefgefrorenes Nudelschichtgericht im Kleinwellenofen. Dazu gibt es einen Tomatensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen und Oliven aus dem Glas – das keusche Augen isst schliesslich mit.
18.00 Uhr Zum Abschluss des langen Tages lege ich im Wohnzimmer die Beine hoch und schalte die Glotze ein, um mich auf FOX über die tagesaktuellen Geschehnisse in der Welt zu informieren. Unter anderem höre ich, dass sich auf dem Atlantik ein weiterer Tropensturm zusammengebraut und Kurs auf die Bahamas nimmt – wie schrecklich.

19.00 Uhr Zur Prime Time (unlöblich: Hauptfernsehzeit) wechsle ich auf den Bezahlsender HBO und gebe mich dem Krimi „Kill Your Darlings“ (löblich: Ermorde deine Lieben) hin. Obgleich ich ganz genau aufpasse, fällt es mir ausserordentlich schwer, der haarsträubenden Handlung zu folgen. Achselzuckend genehmige ich mir ein Bier aus dem Eiskasten und fasse den Entschluss, mir mit dem Musikprogramm von CMT den Abend zu versüssen.
21.00 Uhr Nach zwei heiteren Stunden beende ich den Fernsehabend und unternehme mit Dixon einen kleinen Rundgang durch den Garten. Zu guter Letzt lösche ich das Licht und lege mich schlafen. Gute Nacht.

16. und 17. September 2017 – Oans, zwoa, drei, gsuffa …

Oans, zwoa, drei, g’suffa …

Pünktlich um 12:00 Uhr wurde heute das 184. Münchner Oktoberfest eingeläutet. Oberbürgermeister Dieter Reiter hat traditionell das erste Wiesn Fass im Schottenhamel Zelt angestochen und die erste Mass dem bayerischen Ministerpräsident überreicht. Zeitgleich wurden die anderen Zelte für die Besucher geöffnet.


Oktoberfest / Bild: Asiano / CC BY-SA 3.0

Wem der Trubel in München zu gross ist, kann das Oktoberfest auch auf knapp 3.000 Meter erleben. Seit dem 16. September findet nämlich auf Deutschlands grösstem Berg das 9. Zugspitz-Oktoberfest statt. Aber ich denke, auf die Zugspitze werden sich nur wenige Besucher verirren 🙂


Es gibt neue Apps zum Oktoberfest

In diesem Jahr gibt es auf dem Münchner Oktoberfest viel Neues.
Unter anderem hat die Stadt zwei Apps vorgestellt, die für die Besucher vieles leichter machen. Mit der App „Blue Code“ können Oktoberfestbummler bargeldlos bezahlen und sogar Trinkgeld geben. Die offizielle „Oktoberfest.de“ App bietet einen vollständigen Geländeübersichtsplan sowie alle Termine rund um das weltgrösste Volksfest. Ausserdem kann man über eine Anbindung zu Facebook sehen, in welchen Zelten oder an welchen Fahrgeschäften sich die Freude gerade tummeln.

Wie schon in letzten Jahr, wird die Theresienwiese eingezäunt und nur über ausgewiesene Eingänge zu betreten sein. Grössere Taschen und Rucksäcke sind auf dem Areal ebenfalls verboten. Zudem wird auf dem Oktoberfest der Lieferverkehr rigoros kontrolliert. Fahrer und Mitfahrer mussten sich vor dem Fest einer Sicherheitsüberprüfung unterziehen und beim Kreisverwaltungsreferat einen sogenannten Zufahrtskontrollbeleg beantragen.

Wer die Wiesn Live miterleben möchte, sollte ab 18:00 Uhr münchen.tv einschalten oder den Livestream im Internet verfolgen.

Ich wünsche euch viel Spass und hoffe auf eine friedliche Wiesn
Eure Sandra

15. September 2017 – Ein Geschenk für Edelbert

08.00 Uhr Auch heute läuft ein schönes „Old Dominion“ Lied auf der Frequenz von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land). Ich rolle mich aus dem Bett und bemerke beim Blick auf den Wandkalender, dass Edelbert in zehn Tagen Geburtstag feiern wird. Weil sich am Himmel dunkle Wolken zusammengebraut haben, fasse ich den Entschluss, ein Schoppingzentrum anzusteuern und nach einem Geschenk Ausschau zu halten.
08.45 Uhr Während ich mich bei einem erfrischenden Wirbelbad entspanne, bimmelt plötzlich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry). Zu meiner Freude meldet sich der Professor im Rohr und lädt mich ein, ihm beim Frühstück in Julies Restaurant Gesellschaft zu leisten. Natürlich sage ich sofort zu und gebe zu Protokoll, dass ich gegen 10 Uhr vor Ort sein werde – darauf freue ich mich jetzt schon.


Meine praktische Schwarzbeere

09.30 Uhr Ruckzuck beende ich das Badevergnügen und hole farbenfrohe Freizeitkleidung aus dem begehbaren Schrank. Danach werfe ich mich in Schale und halte Dixon an, mir zum Chevrolet Suburban zu folgen.
10.00 Uhr Pünktlich auf die Minute erreiche ich mein Ziel und bin überrascht, nicht nur Edelbert, sondern auch Herrn Wang im Gasthaus anzutreffen. Der Motelbesitzer begrüsst mich herzlich und berichtet, dass er Prof. Kuhn nach der Mahlzeit in einen Massagesalon begleiten wird. Der schlaue Mann nickt eifrig und ermutigt mich, kurzerhand mitzukommen und mich ebenfalls verwöhnen zu lassen. Weil ich nach einem Geburtstagsgeschenk suchen wollte, schüttle ich den Kopf und entgegne, dass ich wichtigen Terminen in der Stadt nachkommen muss.
10.30 Uhr Als ich kraftvoll zubeisse und meine staubtrockne Kehle mit Kaffee öle, kommt Herr Wang auf sein Motel in Naples-Manor zu sprechen und erzählt, dass während des Hurrikans Irma etliche Fensterscheiben zu Bruch gegangen sind. Der gute Mann reibt den Daumen am Zeigefinger und rechnet vor, dass er mittlerweile eine Fachfirma verständigt hat und mindestens 6.000 Dollars verlieren wird. Edelbert gibt sich deprimiert und erörtert, dass Präsident Trump am gestrigen Tag Fort Myers besucht und mit einem Hubschrauber auch über Naples geflogen ist. Ferner vernehmen wir, dass der weitsichtige Staatsmann allen Helfern herzlich gedankt und Florida Hilfszahlungen in Milliardenhöhe versprochen hat – das ist prima.


Präsident Trump war in Fort Myers

11.30 Uhr Nachdem ich aufgegessen habe, trommle ich mit den Fingern auf die Tischplatte und erwähne, dass nun die Zeit gekommen ist, um das Weite zu suchen. Meine Bekannten geben mir Recht und wünschen mir einen schönen Tag. Ich fackle nicht lange und scheuche Dixon zum SUV, um zur fünf Meilen entfernten Central Avenue zu rasen. Nebenher erzähle ich dem Haustier, dass in der erst heute wiedereröffneten „Treasure Island Mall“ ein grosses Antiquariat zu finden ist. Während die aus Texas stammende Sängerin RaeLynn auf WCKT CAT COUNTRY ein belangloses Lied trällert, drücke ich das Gaspedal bis zum Anschlag durch und stelle wohlwollend fest, dass überall städtische Angestellte unter Hochdruck die Hinterlassenschaften des Tropensturms Irma beseitigen.


Irma wütete über Florida

12.00 Uhr Mit Dixon im Schlepptau schlendere ich in das Kaufhaus und komme wegen der grossen Anzahl an antiquarischen Romanen aus den Staunen nicht mehr heraus. Da Edelbert ein Bücherwurm ist, ziehe ich einen in Leder gebundenen Wälzer aus dem Regal und erfahre, dass es sich hierbei um die Erstausgabe des Hemingway Klassikers „To Have and Have Not“ (auf deutsch: Haben und Nichthaben) aus dem Jahre 1937 handelt.
12.30 Uhr Kurze Zeit später gesellt sich ein Verkäufer an meine Seite und bietet mir seine Hilfe an. Ich bringe Edelberts Geburtstag ins Spiel und merke an, dass mein Bekannter die amerikanische Belletristik sehr schätzt. Mein Gegenüber überlegt nicht lange und rät, zu Philip Roths Geschichtensammlung „Goodbye Columbus“ zu greifen.
13.00 Uhr Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, gehe ich auf den Handel ein und überreiche dem Knecht zwei Geldscheine mit dem Konterfei des siebten Präsidenten der Vereinigten Staaten.


Eine Erstausgabe für Edelbert

14.00 Uhr Just als Petrus die Himmelspforten öffnet und es regnen lässt, treffe ich zu Hause ein. Mit letzter Kraft schleppe ich mich ins Haus und bereite mir unter Dixons fordernden Blicken ein Sandwich (löblich: Wurstbrot) zu. Dazu genehmige ich mir vitaminreiche LAYS Kartoffelchips sowie ein kühles Budweiser – das tut gut.
14.45 Uhr Während der Vierbeiner einen Kauknochen knabbert, bette ich mich auf dem Kanapee zur Ruhe und spiele mit der Idee, Edelbert auch mit einer kleinen Grillfeier zu überraschen – das wird ein Spass.
15.45 Uhr Ich öffne die Augen und registriere, dass es immer noch wie aus Kübeln schüttet. Weil man bei diesem Sauwetter nicht aus dem Haus gehen kann, setze ich mich an den Schreibtisch und komme meinen Pflichten als Anschnurseelsorger nach. Unter anderem überfliege ich die Depesche einer HARTZ IV Empfängerin aus Jena und lese, dass es sich der Trampel derzeit zur Aufgabe macht, AfD Wahlplakate in der Innenstadt der ostdeutschen Gemeinde zu zerstören. Ich klopfe mir auf die Schenkel und lasse die Frau in meinem Antwortschreiben wissen, dass die „Alternative für Deutschland“ bei der Bundestagswahl mindestens 35% der Stimmen einheimsen wird.


Die Alternative für Deutschland bekommt 35%

16.45 Uhr Nach getaner Arbeit nehme ich das Telefon zur Hand und rufe in der alten Heimat an. Als sich Sandra nach dem dritten Tuten endlich meldet, erkundige ich mich nach meiner Wahlbenachrichtigung und bitte die Maid, in meinem Namen die Briefwahlunterlagen zu beantragen. Sandra hält Maulaffen feil und beteuert, dass ich die Papiere selbst Anschnur anfordern kann. Nörgelnd werfe ich den Hörer auf die Gabel und setze mich erneut an den Heimrechner, um einen elektronischen Brief an das Rathaus in meiner weissblauen Heimat zu senden.
17.30 Uhr Da mein Magen knurrt, begebe ich mich in die Küche und koche italienische Langnudeln auf. Dazu zaubere ich ein leckeres Tomatensösschen – wie gut das duftet.


Ich beisse kraftvoll zu

18.30 Uhr Redlichst gestärkt verabschiede ich mich in den Feierabend und mache es mir in der klimatisierten Wohnstube bequem. Während die Nachrichten laufen, telefoniere ich mit Edelbert und gebe vor, dass ich gerade die Briefwahlunterlagen für die Bundestagswahl geordert habe. Der Professor schmunzelt in einer Tour und unterbreitet, dass er die Unterlagen schon vor Wochen ausgefüllt und nach Deutschland zurückgeschickt hat.
19.30 Uhr Nach den Nachrichten gebe ich mich auf FOX einer Sondersendung hin und lerne, dass die amerikanische Regierung dem Bundesstaat Florida mehrere Milliarden Dollars zur Verfügung stellen und armen Menschen beim Wiederaufbau ihrer Häuser helfen wird – das hört man gerne.
21.00 Uhr Als die Nummer einer Spendenhotline (löblich: Spendenheissleine) eingeblendet wird, betätige ich den „OFF“ (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung und lösche sämtliche Lichter. Zu guter Letzt streichle ich Dixon über den Kopf und lege mich schlafen. Gute Nacht.