18. September 2018 – Morleys & Paul McCartney

08.00 Uhr Wie es sich für einen rüstigen Rentner gehört, stehe ich heute zeitig auf und scheuche den Vierbeiner nach draussen. Bei angenehmen Temperaturen lockere ich meine Glieder und habe das Vergnügen, einen farbenfrohen Pelikan zu sehen, der durch den künstlich angelegten Tümpel stolziert. Als das Federvieh seinen Schnabel in das trübe Wasser steckt, schnellt plötzlich die handzahme Echse Billy hervor – da kommt Freude auf.
08.30 Uhr Schmunzelnd beende ich die Morgengymnastik und kehre mit Dixon im Schlepptau ins Wohnhaus zurück. Während sich mein tierischer Begleiter über einen Kauknochen hermacht, ziehe ich mich ins Bad zurück und nehme mit einem erfrischenden Wirbelbad Vorlieb. Ausserdem telefoniere ich mit Prof. Kuhn und nehme mir das Recht heraus, ein gemeinsames Frühstück anzuregen. Der schlaue Mann freut sich sehr und meint, dass wir uns im “The Cafe” an der 5th Avenue treffen könnten – das hört man gerne.
09.30 Uhr Nachdem wir uns ausgeplaudert und ich mir die Haare gewaschen habe, steige ich aus der Wanne und vergesse auch nicht, meine Verwandten über das anstehende Treffen zu informieren. Georg ist hellauf begeistert und verspricht, gegen 11 Uhr mit seiner Frau in der besagten Gaststätte zu sein – wie aufregend.
10.00 Uhr Bevor ich mich auf den Weg mache, bürste ich Dixons krauses Fell und lege ihm das schöne Lederhalsband um. Anschliessend nehme ich den Autoschlüssel von der Ablage und schicke mich an, zu stimmungsvoller WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radiomusik in die Stadt zu krusen.


Katze Land – der weltbeste Radiosender

10.45 Uhr Überpünktlich erreiche ich mein Ziel und habe die grosse Ehre, Georg, Maria sowie Edelbert per Handschlag begrüssen zu können. Da unsere Mägen laut knurren, fackeln wir nicht lange und nehmen einen einladenden Tisch im Kaffeehaus unseres Vertrauens in Beschlag. Schon bald kommt ein gestriegelter Kellner daher und legt uns nahe, grosse Frühstücke mit Kaffee zu ordern – das hört sich verlockend an.
11.30 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, kommt Maria auf die Kinder zu sprechen und behauptet, dass sich Amanda eine Grippe eingefangen hat und seit dem Wochenende das Bett hüten muss. Natürlich schlage ich sogleich die Hände über dem Kopf zusammen und erkläre meiner Schwägerin, dass mit grippalen Infekten nicht zu Spassen ist. Edelbert schlägt in die gleiche Kerbe und meint, dass Kräutertees und/oder ein Zwiebelsaft gegen Husten stets helfen. Ich nicke eifrig und halte den Ober an, eine weitere Kanne Bohnentrunk aufzufahren.


Bitte nicht rauchen

12.30 Uhr Sechzig Minuten später verlassen wir die Wirtschaft und unternehmen einen Spaziergang durch das überlaufene Stadtzentrum. Während sich Georg eine zum Himmel stinkende Zigarette aus dem Hause “MORLEYS” ansteckt, werfe ich prüfende Blicke in die Schaufenster der Modeboutiquen und komme schnell zu dem Schluss, dass die Händler derzeit mit stattlichen Rabatten locken. Da ich jedoch keinen Goldesel im Vorgarten stehen habe, schreite ich unaufhaltsam weiter und gebe mich nicht dem Konsumwahnsinn hin – wo kämen wir denn da hin.
13.00 Uhr Leider lotst uns Maria alsbald in den gutbesuchten “Chico’s” Kleidermarkt und macht es sich zur Aufgabe, Blusen und Hosenanzüge in Augenschein zu nehmen. Augenrollend nehme ich neben Georg auf einer Bank platz und mutmasse, dass wir Stunden in diesem Saftladen zubringen werden. Mein Bruder seufzt laut und verspricht, dass er mich zu einem Eis einladen wird – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.
13.45 Uhr Nachdem sich Maria ein Strandkleid für 97 Dollars geleistet hat, steuern wir die benachbarte Eisdiele an und lassen den Verkäufer wissen, dass wir das Pistazieneis probieren wollen. Im Anschluss schlendern wir zu den Autos zurück und vereinbaren, dass wir uns Morgen in Julies Restaurant zum Frühstück treffen sollten.
14.45 Uhr Endlich bin ich wieder zu Hause und kann aus den Kuhjungenstiefeln (löblich: Cowboyboots) schlüpfen. Zudem lasse ich die Jalousien nach unten gleiten und lege im Wohnzimmer eine kleine Pause ein – das tut gut.


Ich nehme einen kräftigen Schluck

15.45 Uhr Kurz vor dem Vieruhrläuten schwinge ich mich vom Kanapee und genehmige mir ein eisgekühltes Budweiser aus dem Kühlschrank. Danach mache ich es mir mit der Tageszeitung in der Hollywoodschaukel bequem und werde Zeuge, wie Dixon mit dem Nachbarshund spielt – das macht Spass.
16.45 Uhr Weil das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, kehre ich bald in die Küche zurück und nehme den Elektroherd in Betrieb. Fachmännisch träufle ich natives Olivenöl in eine Pfanne mit Teflonbeschichtung und brate ein vitaminreiches T-Knochen Schnitzel (unlöblich: T Bone Steak) an – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nach dem reichhaltigen Nachtmahl gehe ich zum gemütlichen Teil des langen Tages über und schaue mir die Nachrichten auf FOX an. Unter anderem vernehme ich, dass sich ein Hurrikan der amerikanischen Ostküste nähert und in den nächsten Stunden über South Carolina fegen wird – wie schrecklich.


Paul McCartney – Egypt Station

19.00 Uhr Zur besten Sendezeit gebe ich mich auf HBO einer aufschlussreichen Dokumentation über den Sänger Paul McCartney hin. Ich mache grosse Augen und lerne, dass der Mitbegründer der “Beatles” vor wenigen Tagen ein nagelneues Studioalbum mit dem Titel “Egypt Station” (löblich: Ägyptischer Bahnhof) herausgebracht hat. Ferner bringe ich in Erfahrung, dass besagter Silberling weltweit die Hitparaden stürmt und dem Heini weitere Millionen bescheren wird – wie ungerecht.
21.00 Uhr Verärgert schalte ich die Glotze aus und unternehme mit Dixon einen kleinen Rundgang durch den Garten. Anschliessend lösche ich sämtliche Lichter und lege mich schlafen. Gute Nacht.

12. September 2018 – Rabatte für Veterane

08.00 Uhr Weil sich Georg und Maria gestern entschlossen haben, einen mehrtägigen Ausflug nach Jacksonville zu unternehmen, ziehe ich es vor, noch etwas liegen zu bleiben und zu dösen. Hund Dixon tut es mir gleich und hüpft ausgelassen ins warme Bett, um sich ausgiebig streicheln zu lassen – da kommt Freude auf.


Jacksonville muss man nicht gesehen haben

08.30 Uhr Dreissig Minuten später rolle ich mich doch aus dem Wasserbett und läute den jungen Morgen mit dem Frühsport auf der Terrasse ein. Nebenher tratsche ich mit Herrn Booth und bringe heraus, dass sich mein Nachbar ein neues Auto zulegen möchte. Der hochdekorierte Vietnamveteran schnippt mit den Fingern und beteuert, dass er sich durchgerungen hat, 28.000 Dollars in einen FORD ESCAPE mit Vollausstattung zu investieren. Ich nicke zustimmend und lasse meinen Nachbarn wissen, dass dieses Modell aus der FORD-Familie in Deutschland unter dem Namen “KUGA” angeboten wird. Herr Booth kommt aus dem Plappern gar nicht mehr heraus und informiert, dass er als ehemaliger Kriegsteilnehmer 5% Herstellerrabatt einstreichen wird – wie schön.
09.15 Uhr Kurz nach dem Neunuhrläuten verabschiede ich mich in die Nasszelle und lasse die Seele bei einem erfrischenden Wirbelbad baumeln. Nebenher lausche ich dem Qualitätsprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und lerne, dass Gesangsstern Martina McBride in sechs Wochen ihr neues Weihnachtsalbum “It’s The Holiday Season” (löblich: Das ist die Weihnachtszeit) herausbringen wird – wie aufregend.
10.15 Uhr Wenig später kehre ich nach RP LOB duftend in die Küche zurück und sehe mich mit Frau Gomez konfrontiert. Die Mexikanerin wünscht mir einen schönen Morgen und sagt, dass sie ihren Urlaub vor wenigen Tagen beendet hat und nun wieder regelmässig in meinem Zuhause für Ordnung sorgen wird. Ich freue mich sehr und mache es mir zur Aufgabe, vier Eier aufzuschlagen und im Handumdrehen vitaminreiche Rühreier zu zaubern.


RP LOB duftet prima

10.45 Uhr Während ich kraftvoll zubeisse, nimmt meine Zugehfrau den Terrassentisch argwöhnisch in Augenschein und mutmasst, dass ich gestern eine grosse Feier veranstaltet habe. Ich winke demonstrativ ab und gebe zu Protokoll, dass lediglich Prof. Kuhn zum Abendessen anwesend war. Die fleissige Putzfrau macht grosse Augen und zögert nicht, die acht auf den Tisch verbliebenen Budweiserflaschen wegzuräumen. Laut seufzend öle ich meinen Hals mit brühfrischen Bohnentrunk und komme zu dem Schluss, dass ich während des Vormittages zu “Bob’s Liquor Store” krusen und Getränke besorgen sollte – was das wieder kostet.
11.30 Uhr Alsbald sitze ich im Chevrolet Suburban und gleiten mit Hund Dixon in Richtung des Alkoholgeschäfts meines Vertrauens davon. Ausserdem lausche ich weiter schönen Liedern auf meinem Lieblingsradiosender und habe sogar das Vergnügen, eine Komposition aus der Feder der 59jährigen Sängerin Kathy Mattea zu hören.
12.00 Uhr Zur Mittagszeit finde ich mich im gutsortierten Schnapsladen wieder und lüfte meine NY YANKEES Kappe. Herr Bob erwidert den Gruss und sagt, dass er am Wochenanfang eine Lieferung Löwenbräu Helles hereinbekommen hat. Ich fackle nicht lange und verlade zwei Träger in den Einkaufswagen. Ferner erwerbe ich drei Sechserpacks Budweiser sowie ein Fläschchen Jack Daniels – man gönnt sich ja sonst nichts.
12.30 Uhr Nachdem ich die Getränke bezahlt habe, verlasse ich das Geschäft und ziehe es vor, das wohlverdiente Mittagessen im “L’Osteria” am nahegelegenen Village Walk einzunehmen. Um Dixon eine kleine Freude zu bereiten, lasse ich das Auto stehen und lege die kurze Wegstrecke zu Fuss zurück.
13.00 Uhr Hungrig und durstig betrete ich das italienische Spitzenlokal und werde von einer freundlichen Kellnerin mit grosser Oberweite gebeten, mich an einen Fenstertisch zu setzen. Ich komme dem Aufruf anstandslos nach und ordere ein saftiges “Porterhouse Steak” mit Kartoffelspalten und grünen Bohnen – schmeckt gar nicht schlecht.


Ich beisse kraftvoll zu

14.00 Uhr Nachdem ich das Mittagessen mit zwei Cappuccinos beschlossen habe, nehme ich den Vierbeiner an die Leine und kehre mit einem lustigen Lied auf den Lippen zum Auto zurück. Im Anschluss trete ich entspannt die Heimreise an und freue mich auf ruhige Stunden in der kleinen Villa.
15.00 Uhr Zuhause angekommen, finde ich das Haus ordentlich herausgeputzt vor. Wie es sich gehört, räume ich die Getränkeflaschen in den Eiskasten ein und falle dann fix und foxi aufs Kanapee – das tut gut.
16.00 Uhr Ich öffne die Augen und registriere, dass der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX mittlerweile auf 4 zugegangen ist. Achselzuckend lasse ich die Anschnurseelsorge sausen und begebe mich zu Dixon in den Garten, um die hochgewachsene Petersilie zu bewässern und mit dem Rüden etwas Ball zu spielen.
17.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, das Haustier zu füttern und für das Abendessen zu sorgen. Ich begebe mich in die Küche und bereite vitaminreiche Bratkartoffeln mit Rühreier zu. Darüber hinaus fülle ich Dixons Napf mit Trockenfutter auf und wünsche dem Hund einen guten Appetit – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nachdem ich die leistungsstarke Geschirrspülmaschine eingeräumt habe, nehme ich das neumoderne Farbfernsehgerät in Betrieb und schaue mir die Abendnachrichten auf FOX an. Unter anderem bringe ich heraus, dass am kommenden Montag mit dem “Constitution Day” (löblich: Tag der Staatsangehörigkeit) ein weiterer staatlicher Feiertag ansteht – das soll mir auch Recht sein.

19.00 Uhr Um auf andere Gedanken zu kommen, wechsle ich zur besten Sendezeit auf HBO und gebe mich der neuangelaufenen Serie “Insecure” hin. Das mehrteilige Fernsehspiel handelt von zwei dunkelhäutigen Frauen, die sich in der modernen Welt kaum zurecht finden. Ich gähne ausgiebig und komme prompt zu dem Ergebnis, dass diese uninspirierte Serie kaum einen Zuschauer vom Hocker hauen wird.
21.00 Uhr Ein langweiliger Fernsehabend geht zu Ende und ich reguliere die Klimaanlage. Zu guter Letzt rufe ich Dixon ins Haus und ziehe mich ins Schlafzimmer zurück. Gute Nacht.

7. September 2018 – Die Abschlussleiste

08.00 Uhr Auch am siebten Tag des Herbstmonats September hüpfe ich voller Tatendrang aus dem Bett und freue mich, einen weiteren Sonnentag im Rentnerparadies Florida erleben zu dürfen. Weil ich sehr sportlich bin, trete ich spornstreichs auf die Terrasse und führe die Morgengymnastik durch – wer rastet, der rostet.
08.30 Uhr Just als ich ins Haus zurückkehre, klingelt es an der Pforte und ich sehe mich mit dem Milchmann konfrontiert. Herr Forrest wünscht mir einen schönen Tag und setzt mich darüber in Kenntnis, dass ich seit Monaten keine Rechnung bezahlt habe. Ich kratze mich nachdenklich an der Schläfe und entgegne, dass ich unter enormen Stress stehe und mich schliesslich nicht um alles kümmern kann. Mein Gegenüber zeigt Verständnis und meint, dass ich ihm trotzdem 133 Dollars und 77 Cents schulde – wo soll das noch hinführen.


Das Ferienhaus meiner Verwandten

09.00 Uhr Nachdem ich Herrn Forrest ein Bündel grüner Scheine ausgehändigt habe, werfe ich die Haustüre ins Schloss und läute den jungen Morgen mit einem Wirbelbad ein. Ausserdem rufe ich bei meinen Verwandten im Lowbank Drive an und frage nach, ob wir einen Ausflug zum Strand unternehmen wollen. Georg erteilt mir leider eine Absage und kündigt an, dass er seine Frau zum Frisör begleiten wird – wie schade.
10.00 Uhr Pünktlich zum Zehnuhrläuten fülle ich Kaffeepulver in den futuristischen DeLonghi Vollautomaten. Danach schütte ich einen halben Liter Wasser in die Maschine und stelle mit grosser Sorge fest, dass sich die Abschlussleiste der Küchenarbeitsplatte von der Wand ablöst. Ich raufe mir die Haare und lasse Hund Dixon wissen, dass wir nach dem Frühstück zum HOME DEPOT Baumarkt krusen und eine Kartusche Silikon kaufen sollten. Der lustige Vierbeiner legt seinen Kopf schief und bricht in lautes Bellen aus – wie schön.
10.30 Uhr Bevor ich mich auf den Weg mache, verzehre ich ein opulentes Frühstück in Form von vitaminreichen Rühreiern mit Speck. Dazu gibt es sechs geröstete Weissbrotschnitten (unlöblich: Toast), mehrere Scheiben Capocollo sowie ein grosses Glas O-Saft – schmeckt gar nicht schlecht.


Capocollo schmeckt prima

11.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 11 zugeht, klatsche ich in die Hände und lasse Dixon wissen, dass wir nun losfahren können. Der Rüde lässt sich nicht zweimal bitten und folgt mir brav zum Chevrolet Suburban. Wie es sich gehört, helfe ich den Vierbeiner auf die Ladefläche und gleite zügig von dannen.
11.45 Uhr Nach wenigen Minuten finde ich mich im Baumarkt meines Vertrauens wieder und werde am Informationsschalter vorstellig. In perfektem Englisch trage ich mein Problem vor und verdeutliche, dass ich die Abschlussleiste mit Silikon an die Wand kleben möchte. Der dunkelhäutige Knecht nickt eifrig und sagt, dass ich den benötigten Werkstoff in Gang Nummer 11 finden werde – das klappt wieder wie am Schnürchen.


Freundliche Mitarbeiter bei HOME DEPOT

12.30 Uhr Um nicht Wurzeln zu schlagen, beende ich den Einkauf und zücke an der Kasse meine prallgefüllte Geldbörse. Danach werfe ich die Silikonkartusche ins Auto und kehre mit meinem braven Haustier im Schlepptau in die benachbarte “Burger King” Gaststätte ein. Da mein Magen knurrt, fackle ich nicht lange und ordere vier “Chili Cheese Hot Dogs” (löblich: gegrillter Chilli Käse Heisser Hund) sowie einen grossen Becher Diät Cola – immerhin muss ich auf meine schlanke Linie achten.
13.00 Uhr Als ich kraftvoll zubeisse, bimmelt plötzlich das Telefon und Edelbert meldet sich im Rohr. Der schlaue Mann ist ganz aufgeregt und erzählt, dass er gerade einen aufschlussreichen Bericht über das Oktoberfest im Fernsehen verfolgt hat. Mein Bekannter rückt sogleich mit der ganzen Wahrheit heraus und meldet, dass die Stadt München in diesem Jahr noch mehr Geld in diverse Sicherheitsmassnahmen investieren wird. Ich rolle demonstrativ mit den Augen und entgegne, dass mir alles Wurst ist.


Meine schöne Küche

14.00 Uhr Wieder zurück im Willoughby Drive, spanne ich die Silikonkartusche in die Auspresspistole und klebe die Abschlussleiste gekonnt an die Wand. Dummerweise schmiere ich mir beim Versuch, die Kartusche aus der Pistole zu nehmen, etwas Silikon auf mein modische Hawaiiheld. Weil das synthetische Polymere kaum abwaschbar ist, sehe ich mich genötigt, das Hemd sofort zu wechseln – was muss ich denn noch alles ertragen.
15.00 Uhr Nach getaner Arbeit falle ich gähnend aufs Kanapee und entspanne mich von den Strapazen des Vormittags. Ich döse alsbald ein und sehe mich im Traum in die kanadische Millionenmetropole Toronto versetzt.
16.00 Uhr Schon bald leckt mir der Vierbeiner über die Hand und fordert mich auf, in die Gänge zu kommen und die Terrassentüre zu öffnen. Ich zögere keine Sekunde und mache es mir zur Aufgabe, mit dem Rüden etwas Ball zu spielen und den vertrockneten Rasen zu bewässern – das macht Spass.
17.00 Uhr Anschliessend bereite ich unter Dixons fordernden Blicken das Abendessen zu. Da abwechslungsreiche Kost sehr wichtig ist, schwenke ich gesundes Butterschmalz in einer Pfanne und brate Kartoffeln an. Dazu gibt es ein kleines T Knochen Schnitzel (unlöblich: T Bone Steak) sowie eine leckere Pilzsauce aus der Tüte – das duftet.

18.00 Uhr Zum Abschluss des langen Tages sorge ich in der Küche für Sauberkeit und Ordnung. Zu guter Letzt lege ich in der klimatisierten Stube die Beine hoch und gebe mich den Abendnachrichten auf FOX hin.
19.00 Uhr Zur besten Fernsehzeit erfreue ich mich an der Komödie “Silver Linings” aus dem Jahre 2012 und tauche in das Leben eines jungen Mannes ein, der sich nach acht Monaten in einer psychiatrischen Anstalt im Leben zurechtfinden muss. Ferner lernt er eine hübsche Dame kennen und verliebt sich Hals über Kopf – wie lächerlich.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung beende ich den Fernsehabend und lösche sämtliche Lichter. Danach ziehe ich mich ins Schlafzimmer zurück und lege mich schlafen. Gute Nacht.

29. August 2018 – Miromar Auslassgeschäfte

08.00 Uhr Ich werde durch das stimmungsvolle Toby Keith Trinklied “I Love This Bar” (löblich: Ich liebe diese Wirtschaft) geweckt und fühle mich blendend. Um nicht den halben Tag im Wasserbett zu vertrödeln, stehe ich auf und führe auf der schattigen Terrasse die Morgengymnastik durch. Nebenher erinnere ich mich, dass James, Georg und David für heute einen Ausflug ins Auge gefasst haben und die Everglades besuchen wollen – wie aufregend.
08.30 Uhr Während ich mich bei einem erfrischenden Wirbelbad entspanne, rufe ich kurzentschlossen im Lowbank Drive an und frage Amanda, ob die lieben Leute mittlerweile abgefahren sind. James Ehefrau nickt eifrig und beteuert, dass sie heute einen entspannten Tag einlegen und mit Maria die “Miromar Outlet Stores” (löblich: Miromar Auslassgeschäfte) in Fort Myers ansteuern wird – das hört sich spannend an.


Miromar Outlet Store, Fort Myers, FL

09.30 Uhr Nachdem ich mich zum Frühstück eingeladen habe, hüpfe ich aus der Wanne und schlüpfe in modische Freizeitkleidung. Im Anschluss scheuche ich das störrische Haustier zum frischaufpolierten Chevrolet Suburban und schicke mich an, hupend aus dem Wohngebiet auszufahren. Um für gute Laune am frühen Morgen zu sorgen, drehe ich am Frequenzrad des Radios und fröne prima Kompositionen auf WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) – was kann es schöneres geben.
10.00 Uhr Pünktlich zum Zehnuhrläuten finde ich mich im Lowbank Drive wieder und habe die Ehre, meiner Schwägerin die Hand reichen zu dürfen. Die kleine Frau winkt mich zuvorkommend herein und erkundigt sich, ob ich nach der wichtigsten Mahlzeit des Tages mit nach Fort Myers kommen möchte. Weil ich ausnahmsweise keine unaufschiebbaren Termine im Kalender verzeichnet habe, stimme ich prompt zu. Vorher labe ich mich jedoch an hausgemachten Pfannkuchen, vitaminreichem Vanilleeis sowie an brühfrischem Bohnentrunk.
10.30 Uhr Während ich kraftvoll zubeisse, präsentiert Amanda ein Hochglanzprospekt und weist mich auf die Tatsache hin, in den Miromar Outlets derzeit Rabatte bis zu 25% gewährt werden. Ich zucke gelangweilt mit den Schultern und vernehme, dass sich Amanda unbedingt neue Schuhe kaufen möchte – das ist mir Wurst.
11.15 Uhr Mit voller Wampe lege ich die Gabel beiseite und merke an, dass wir nun aufbrechen können. Da ich grösstes Augenmerk auf den Umweltschutz lege, lasse ich die Damen wissen, dass wir nicht mit zwei Autos fahren müssen. Stattdessen deute ich in Richtung meines PS-strotzenden SUVs und fordere Amanda auf, es sich auf dem Rücksitz bequem zu machen.


Maria bezahlt mit Karte

11.45 Uhr Während der kurzweiligen Reise plaudere ich mit meiner Schwägerin und bringe heraus, dass sie sich Georgs Kreditkarte stibitzt hat und sich ein neues Kleid kaufen wird – wo soll das noch hinführen.
12.15 Uhr Nach sechzig Minuten können wir die Schnellstrasse verlassen und auf der Corkscrew Road in Richtung Einkaufszentrum weitergleiten. Im Handumdrehen finden wir einen geeigneten Parkplatz und machen es uns zur Aufgabe, mit dem Vierbeiner an den einladenden Geschäften vorbeizulaufen. Amanda lotst uns prompt in einen Schuhladen und nimmt die feilgebotenen Sportschuhe ganz genau in Augenschein. Da ich ein Schuhexperte bin, tue ich es dem Mädchen gleich und komme zu dem Schluss, dass hier ausschliesslich Billigware angeboten wird.
13.00 Uhr Wenig später verlassen wir tütenbepackt die CONVERSE Filiale und steuern das gutbesuchte “All American Grill” Gasthaus an. Zungeschnalzend zücke ich meine Geldbörse und erkläre meinen Begleiterinnen, dass ich mich heute spendabel zeigen und für Speis und Trank einstehen werde. Die Frauen sind begeistert und folgen einer platinblonden Kellnerin zu einem Tisch mit Ausblick. Natürlich fackle ich nicht lange und ordere kurzerhand ein Sirloin Steak mit Kartoffelspalten und grünen Bohnen.
13.30 Uhr Während der Mahlzeit kommt Amanda auf die kurz bevorstehende Abreise zu sprechen und meint, dass es kein Vergnügen werden wird, den Winter in Kanadas grösster Metropole zu erleben. Maria kann sich ein Lachen nicht verkneifen und sagt, dass sie noch bis Ende November in Florida bleiben wird – das hört man gerne.


Meine Verwandten bleiben bis zum November in Florida

14.30 Uhr Nachdem wir die Mahlzeit mit Schaumkaffees abgeschlossen haben, begleiche ich die Zeche in Bar und stecke der Kellnerin ein stattliches Trinkgeld zu. Anschliessend verlassen wir das Restaurant und spazieren an den zahlreichen Ladenlokalen vorbei, die mit unschlagbaren Angeboten locken. Maria ist ganz aus dem Häuschen und nutzt die Gelegenheit, um in einem Kleidermarkt ein türkises Strandkleid für 300 Dollars zu kaufen – wie unlöblich.
15.30 Uhr Schlussendlich helfe ich Hund Dixon ins Auto und trete entspannt die Heimreise an. Währenddessen verwöhne ich meine Begleiter mit wunderschöner Musik und merke an, dass Gesangsstern Garth Brooks für das kommende Jahr ein nagelneues Studioalbum angekündigt hat – darauf freue ich mich jetzt schon.
16.15 Uhr Nachdem ich die Frauen sicher im Lowbank Drive abgesetzt habe, fahre ich weiter zum Willoughby Drive und freue mich auf einen gemütlichen Fernabend – den habe ich mir auch redlichst verdient.
17.00 Uhr Wieder zurück in der kleinen Villa, werfe ich die Pforte ins Schloss und kredenze dem Haustier gesundes Trockenfutter aus dem Hause ROYAL CANIN. Zudem backe ich im Ofenrohr eine Thunfischpizza auf und fresse dazu einen Tomatensalat mit Oliven und perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen – das tut gut.

18.00 Uhr Nachdem ich die Hausarbeit hinter mich gebracht habe, verabschiede ich mich in den wohlverdienten Feierabend. Um auf andere Gedanken zu kommen, gebe ich mich bierschlürfend dem Lichtspielhauserfolg “Lady Bird” hin. Das amerikanische Drama handelt von einer 17jährigen Schülerin, die von einem abwechslungsreicheren Leben an der Ostküste der Vereinigten Staaten träumt – da kommt Freude auf.
20.00 Uhr Als nach zwei Stunden der Abspann über die Mattscheibe flimmert, beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Anschliessend reguliere ich die Klimaanlage und falle gähnend ins Bett. Gute Nacht.

6. August 2018 – Eierkuchen und Disney World

07.45 Uhr Weil sich meine Verwandten zum Frühstück angekündigt haben, stehe ich heute etwas früher auf. Während Hund Dixon noch im Reich der Träume verweilt, ertüchtige ich mich auf der schattigen Terrasse und lockere meine eingerosteten Glieder mit der Morgengymnastik – da kommt besonders grosse Freude auf.
08.15 Uhr Nachdem ich den Terrassenboden gekehrt habe, verabschiede ich mich ins Bad und lasse die Wirbelwanne mit lauwarmen Wasser volllaufen. Ferner telefoniere ich mit Georg und bringe heraus, dass die lieben Leute gegen 10 Uhr im Willoughby Drive eintreffen und grossen Hunger mitbringen werden – wie aufregend.


Meine kleine Villa unter Palmen

09.15 Uhr Sechzig Minuten später beende ich das Waschvergnügen und mache es mir zur Aufgabe, Eier mit Zucker kremig aufzuschlagen und mit frischer Muhmilch zu verrühren. Danach gebe ich Salz, Mehl und Backpulver dazu und zaubere im Handumdrehen einen lustigen Eierkuchenteig. Just als ich eine Pfanne auf den Herd stelle, stösst Frau Pontecorvo die Terrassentüre auf und erkundigt sich, ob meine Verwandten bereits zugegen sind. Ich schüttle entschieden den Kopf und antworte, dass ich die freundlichen Menschen um 10 Uhr erwarte.
09.45 Uhr Wenig später trifft Edelbert gähnend in der kleinen Villa ein. Ich nehme meinen Bekannten skeptisch in Augenschein und lerne, dass er gestern bis halb 1 Uhr ferngeschaut und sich eine Dokumentation über den Kolonialkrieg zwischen deutschen Truppen und den Völkern in Südwestafrika angeschaut hat. Ich rolle mit den Augen und bitte den Professor, Teller nach draussen zu tragen und Frau Pontecorvo zur Hand zu gehen. Währenddessen fülle ich Kaffeepulver in den Vollautomaten und zögere nicht, echten Bohnentrunk aufzubrühen.
10.15 Uhr Mit kurzer Verspätung treffen Georg, Maria, James, Amanda und David (12) in meinem kultivierten Zuhause ein. Als perfekter Gastgeber führe ich meine Verwandten nach draussen und gebe zu Protokoll, dass das milde Wetter zu einer Jause im Freien einlädt. Amanda wischt sich jedoch die Schweissperlen von der Stirn und wirft ein, dass von “mild” keine Rede sein kann. Ich seufze laut und begrüsse die Gäste mit einem Gläschen Cristal Schaumwein. Natürlich überreiche ich David einen Plastikbecher mit Limonade und merke an, dass man im Sonnenscheinstaat keinen Alkohol an Minderjährige ausschenken darf.
11.00 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, erfahre ich von meinem Grossneffen, dass er Morgen mit seinen Grosseltern zum “Walt Disney World” Vergnügungspark krusen wird. Georg nickt eifrig und beteuert, dass er es kaum erwarten kann, mehrere Tage im “Caribbean Resort” zu logieren und diverse Themenparks zu besuchen. Ich staune Bauklötze und vernehme weiter, dass sich Amanda und James diesem Ausflug nicht anschliessen werden.
11.30 Uhr Just als ich weitere Pfannkuchen auffahre, streckt sich James ausgiebig und erzählt, dass er die Woche ausnutzen möchte, um am Strand an neuen Kompositionen zu feilen. Der gute Junge strahlt über das ganze Gesicht und kündigt grosspurig an, dass er sich während der Wintermonate ins Studio zurückziehen und mit Herrn Sam Dietz etliche Lieder aufnehmen möchte – das hört sich spannend an.


Schopping in den Auslassgeschäften

12.30 Uhr Kurz nach der Mittagszeit räume ich den Esstisch ab und fahre eiskalte Zitronenlimonade auf. Ferner wende ich mich Amanda zu und lote aus, ob sie Lust hat, in den kommenden Tagen in den “Miromar Outlet Stores” (löblich: Miromar Auslassgeschäften) hemmungslos abzuschoppen. Anstatt in lautes Gekreische auszubrechen, winkt die junge Frau prompt ab und unterbreitet, dass sie lieber die Seele baumeln lassen wird – wie unlöblich.
13.30 Uhr Nachdem wir drei Flaschen Schaumwein gelehrt haben, ziehen es die Gäste vor, sich für Speis und Trank zu bedanken und das Weite zu suchen. Darüber hinaus höre ich, dass James und Georg nun eine Partie Golf spielen und die Frauen mit David ins Lichtspielhaus gehen wollen – das soll mir auch Recht sein.
14.00 Uhr Als endlich Ruhe herrscht, serviere ich dem Professor ein kühles Bier und backe zwei vitaminreiche Schinkenpizzas im Ofen auf. Der schlaue Mann plappert ohne Unterlass und sagt, dass David schon wieder ein Stück gewachsen ist. Ich schlage in die gleiche Kerbe und weise auf die Tatsache hin, dass mein Grossneffe ganz nach mir kommt. Edelbert hat nur Hohn und Spott übrig und zeigt mir den Vogel auf – wie unlöblich.


Hund Dixon hat Hunger

15.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 3 zugeht, erhebt sich Prof. Kuhn aus dem Sessel und meint, dass er nun ebenfalls nach Hause fahren wird. Wie es sich gehört, bringe ich Edelbert zum Auto und wünsche ihm einen angenehmen Abend. Im Anschluss stelle ich die leistungsstarke Geschirrspülmaschine ein und fülle den Hundenapf mit ROYAL KANIN Trockenfutter auf – wie gut das duftet.
16.00 Uhr Nach einem wohlverdienten Päuschen, giesse ich mir einen Kaffee ein und gehe trotz der grossen Hitze Anschnur. In meiner Funktion als staatlich anerkannter Seelsorger, studiere ich Hilferufe besorgter Eltern und stelle besorgt fest, dass es die verlotterte Jugend derzeit besonders bunt treiben – wo soll das noch hinführen.
17.00 Uhr Nachdem ich zahlreiche Depeschen beantwortet habe, kehre ich in die klimatisierte Küche zurück und richte das Abendessen an. Ich zaubere belegte Brote (unlöblich: Sandwiches) und vergesse auch nicht, den Teller mit Gewürzgurken und etlichen Zwiebelringen zu verzieren.
18.00 Uhr Weil ich mich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten kann, lasse ich den Abend im klimatisierten Wohnzimmer ausklingen. Ich schaue mir die FOX Nachrichten an und trinke dazu eine süffige Hopfenkaltschale.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit fröne ich auf NETFLIX weiteren Episoden der sehenswerten Gefängnisserie “Orange Is The New Black”. Nebenher öle ich meine trockne Kehle mit einem weiteren Bier und lasse mir köstliche Lay’s Kartoffelchips munden – das schmeckt.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung beende ich den Fernsehabend und lasse Dixon noch einmal in den Garten hinaus. Zu guter Letzt lösche ich sämtliche Lichter und gehe ins Bett. Gute Nacht.