15. September 2017 – Ein Geschenk für Edelbert

08.00 Uhr Auch heute läuft ein schönes „Old Dominion“ Lied auf der Frequenz von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land). Ich rolle mich aus dem Bett und bemerke beim Blick auf den Wandkalender, dass Edelbert in zehn Tagen Geburtstag feiern wird. Weil sich am Himmel dunkle Wolken zusammengebraut haben, fasse ich den Entschluss, ein Schoppingzentrum anzusteuern und nach einem Geschenk Ausschau zu halten.
08.45 Uhr Während ich mich bei einem erfrischenden Wirbelbad entspanne, bimmelt plötzlich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry). Zu meiner Freude meldet sich der Professor im Rohr und lädt mich ein, ihm beim Frühstück in Julies Restaurant Gesellschaft zu leisten. Natürlich sage ich sofort zu und gebe zu Protokoll, dass ich gegen 10 Uhr vor Ort sein werde – darauf freue ich mich jetzt schon.


Meine praktische Schwarzbeere

09.30 Uhr Ruckzuck beende ich das Badevergnügen und hole farbenfrohe Freizeitkleidung aus dem begehbaren Schrank. Danach werfe ich mich in Schale und halte Dixon an, mir zum Chevrolet Suburban zu folgen.
10.00 Uhr Pünktlich auf die Minute erreiche ich mein Ziel und bin überrascht, nicht nur Edelbert, sondern auch Herrn Wang im Gasthaus anzutreffen. Der Motelbesitzer begrüsst mich herzlich und berichtet, dass er Prof. Kuhn nach der Mahlzeit in einen Massagesalon begleiten wird. Der schlaue Mann nickt eifrig und ermutigt mich, kurzerhand mitzukommen und mich ebenfalls verwöhnen zu lassen. Weil ich nach einem Geburtstagsgeschenk suchen wollte, schüttle ich den Kopf und entgegne, dass ich wichtigen Terminen in der Stadt nachkommen muss.
10.30 Uhr Als ich kraftvoll zubeisse und meine staubtrockne Kehle mit Kaffee öle, kommt Herr Wang auf sein Motel in Naples-Manor zu sprechen und erzählt, dass während des Hurrikans Irma etliche Fensterscheiben zu Bruch gegangen sind. Der gute Mann reibt den Daumen am Zeigefinger und rechnet vor, dass er mittlerweile eine Fachfirma verständigt hat und mindestens 6.000 Dollars verlieren wird. Edelbert gibt sich deprimiert und erörtert, dass Präsident Trump am gestrigen Tag Fort Myers besucht und mit einem Hubschrauber auch über Naples geflogen ist. Ferner vernehmen wir, dass der weitsichtige Staatsmann allen Helfern herzlich gedankt und Florida Hilfszahlungen in Milliardenhöhe versprochen hat – das ist prima.


Präsident Trump war in Fort Myers

11.30 Uhr Nachdem ich aufgegessen habe, trommle ich mit den Fingern auf die Tischplatte und erwähne, dass nun die Zeit gekommen ist, um das Weite zu suchen. Meine Bekannten geben mir Recht und wünschen mir einen schönen Tag. Ich fackle nicht lange und scheuche Dixon zum SUV, um zur fünf Meilen entfernten Central Avenue zu rasen. Nebenher erzähle ich dem Haustier, dass in der erst heute wiedereröffneten „Treasure Island Mall“ ein grosses Antiquariat zu finden ist. Während die aus Texas stammende Sängerin RaeLynn auf WCKT CAT COUNTRY ein belangloses Lied trällert, drücke ich das Gaspedal bis zum Anschlag durch und stelle wohlwollend fest, dass überall städtische Angestellte unter Hochdruck die Hinterlassenschaften des Tropensturms Irma beseitigen.


Irma wütete über Florida

12.00 Uhr Mit Dixon im Schlepptau schlendere ich in das Kaufhaus und komme wegen der grossen Anzahl an antiquarischen Romanen aus den Staunen nicht mehr heraus. Da Edelbert ein Bücherwurm ist, ziehe ich einen in Leder gebundenen Wälzer aus dem Regal und erfahre, dass es sich hierbei um die Erstausgabe des Hemingway Klassikers „To Have and Have Not“ (auf deutsch: Haben und Nichthaben) aus dem Jahre 1937 handelt.
12.30 Uhr Kurze Zeit später gesellt sich ein Verkäufer an meine Seite und bietet mir seine Hilfe an. Ich bringe Edelberts Geburtstag ins Spiel und merke an, dass mein Bekannter die amerikanische Belletristik sehr schätzt. Mein Gegenüber überlegt nicht lange und rät, zu Philip Roths Geschichtensammlung „Goodbye Columbus“ zu greifen.
13.00 Uhr Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, gehe ich auf den Handel ein und überreiche dem Knecht zwei Geldscheine mit dem Konterfei des siebten Präsidenten der Vereinigten Staaten.


Eine Erstausgabe für Edelbert

14.00 Uhr Just als Petrus die Himmelspforten öffnet und es regnen lässt, treffe ich zu Hause ein. Mit letzter Kraft schleppe ich mich ins Haus und bereite mir unter Dixons fordernden Blicken ein Sandwich (löblich: Wurstbrot) zu. Dazu genehmige ich mir vitaminreiche LAYS Kartoffelchips sowie ein kühles Budweiser – das tut gut.
14.45 Uhr Während der Vierbeiner einen Kauknochen knabbert, bette ich mich auf dem Kanapee zur Ruhe und spiele mit der Idee, Edelbert auch mit einer kleinen Grillfeier zu überraschen – das wird ein Spass.
15.45 Uhr Ich öffne die Augen und registriere, dass es immer noch wie aus Kübeln schüttet. Weil man bei diesem Sauwetter nicht aus dem Haus gehen kann, setze ich mich an den Schreibtisch und komme meinen Pflichten als Anschnurseelsorger nach. Unter anderem überfliege ich die Depesche einer HARTZ IV Empfängerin aus Jena und lese, dass es sich der Trampel derzeit zur Aufgabe macht, AfD Wahlplakate in der Innenstadt der ostdeutschen Gemeinde zu zerstören. Ich klopfe mir auf die Schenkel und lasse die Frau in meinem Antwortschreiben wissen, dass die „Alternative für Deutschland“ bei der Bundestagswahl mindestens 35% der Stimmen einheimsen wird.


Die Alternative für Deutschland bekommt 35%

16.45 Uhr Nach getaner Arbeit nehme ich das Telefon zur Hand und rufe in der alten Heimat an. Als sich Sandra nach dem dritten Tuten endlich meldet, erkundige ich mich nach meiner Wahlbenachrichtigung und bitte die Maid, in meinem Namen die Briefwahlunterlagen zu beantragen. Sandra hält Maulaffen feil und beteuert, dass ich die Papiere selbst Anschnur anfordern kann. Nörgelnd werfe ich den Hörer auf die Gabel und setze mich erneut an den Heimrechner, um einen elektronischen Brief an das Rathaus in meiner weissblauen Heimat zu senden.
17.30 Uhr Da mein Magen knurrt, begebe ich mich in die Küche und koche italienische Langnudeln auf. Dazu zaubere ich ein leckeres Tomatensösschen – wie gut das duftet.


Ich beisse kraftvoll zu

18.30 Uhr Redlichst gestärkt verabschiede ich mich in den Feierabend und mache es mir in der klimatisierten Wohnstube bequem. Während die Nachrichten laufen, telefoniere ich mit Edelbert und gebe vor, dass ich gerade die Briefwahlunterlagen für die Bundestagswahl geordert habe. Der Professor schmunzelt in einer Tour und unterbreitet, dass er die Unterlagen schon vor Wochen ausgefüllt und nach Deutschland zurückgeschickt hat.
19.30 Uhr Nach den Nachrichten gebe ich mich auf FOX einer Sondersendung hin und lerne, dass die amerikanische Regierung dem Bundesstaat Florida mehrere Milliarden Dollars zur Verfügung stellen und armen Menschen beim Wiederaufbau ihrer Häuser helfen wird – das hört man gerne.
21.00 Uhr Als die Nummer einer Spendenhotline (löblich: Spendenheissleine) eingeblendet wird, betätige ich den „OFF“ (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung und lösche sämtliche Lichter. Zu guter Letzt streichle ich Dixon über den Kopf und lege mich schlafen. Gute Nacht.

22. August 2017 – Schoppen in Barrie

08.00 Uhr Ich werde durch den Gassenhauer „Groovin'“ geweckt. Redlichst mitsummend hüpfe ich aus dem Bett und erinnere mich, dass diese Komposition zum Ende der 1960er Jahre auch in Deutschland ein ganz grosser Erfolg war. Weil ich über alles informiert sein muss, werfe ich mir den Bademantel über und laufe mit Hund Dixon im Schlepptau zum Haupthaus. Ohne zu zögern stosse ich die Zimmertüre der Kinder auf und erkundige mich, welcher Künstler für diesen Ohrwurm verantwortlich war. James rollt sich spornstreichs von der stöhnenden Amanda und plappert, dass „Groovin'“ von den „Rascals“ zu einem Weltschlag gemacht wurde. Ich nicke eifrig und statte Maria in der Küche einen Besuch ab. Die kleine Frau kredenzt mir eine Tasse Kaffee und kündigt an, dass sie gleich nach Barrie krusen und Waren des täglichen Bedarfs besorgen muss. Ich winke demonstrativ ab und gebe meiner Schwägerin zu verstehen, dass ich ihr die Reise in die 30 Kilometer entfernten Kleinstadt gerne abnehmen kann.

09.00 Uhr Da man sich nicht ungewaschen an den Esstisch setzen sollte, stelle ich die Tasse beiseite und kehre ins Gästehaus zurück, um mich kalt abzuduschen. Ausserdem steile ich mir die Haare und vergesse auch nicht, duftendes RP LOB Parfüm auf meine seidenzarte Haut zu stäuben – wie gut das duftet.
10.00 Uhr Endlich kann ich den lieben Leuten bei der wichtigsten Mahlzeit des Tages Gesellschaft leisten. Während ich kraftvoll zubeisse und brühfrischen Bohnenkaffee geniesse, erfahre ich von Edelbert, dass er mit starken Kopfschmerzen zu kämpfen hat und mich nicht nach Barrie begleiten wird. Als ich mich James und David zuwende, winden sich auch die Beiden aus der Verantwortung und vertreten einstimmig die Meinung, dass man bei diesen heissen Temperaturen im See baden sollte – gleich platzt mir der Kragen.
10.45 Uhr Trotz aller Widrigkeiten lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und fasse den Entschluss, nur Hund Dixon mit nach Barrie zu nehmen. Der Rüde flitzt ausgelassen zum JEEP und schickt sich an, auf den Beifahrersitz zu hüpfen. Zum Abschied drückt mir Maria einen ellenlangen Einkaufszettel in die Hand und bittet mich, auch Getränke zu besorgen – das ist doch eine Selbstverständlichkeit.
11.15 Uhr Während ich auf der Autobahn 400 nach Norden presche, rufe ich kurzentschlossen bei meiner Mieterin an und lasse Sandra wissen, dass ich mich in Ontario pudelwohl fühle. Darüber hinaus gebe ich dem Mädchen zu verstehen, dass ich gestern in den Genuss kam, eine Sonnenfinsternis zu erleben. Das Kind ist hellauf begeistert und entgegnet, dass es sich gestern über dieses Schauspiel eingehend informiert hat – wie aufregend.


Die Sonnenfinsternis vom 21. August 2017

11.45 Uhr Kurz vor der Mittagszeit parke ich den JEEP am Lakeshore Drive und schlendere mit dem Vierbeiner im Schlepptau zum Memorial Square. Dixon ist sichtlich beeindruckt und lässt es sich nicht nehmen, sein Beinchen am Denkmal zu heben. Anschliessend kehre ich ins „Casa Cappuccino“ Kaffeehaus ein und gönne mir neben einem grossen Schaumkaffee auch ein Gemischtes Eis mit Schlagobers – das tut gut.
12.30 Uhr Nach der Pause folge ich der Dunlop Strasse gen Westen und suche die „Rexall Apotheke“ auf, um Aspirin sowie Haarschampu zu besorgen. Der freundliche Verkäufer steckt die Produkte in eine umweltfreundliche Plastiktüte und gibt mir auf Anfrage zu verstehen, dass ich alkoholische Getränke bei „LCBO Liquor“ finden werde. Ich notiere mir die Adresse und lüfte zum Abschied meine NY YANKEES Kappe. Danach setze ich meinen Spaziergang fort und erwerbe im besagten Schnapsladen eine Flasche CANADIAN CLUB Whiskey sowie zwei Sechserpacks Labatt Blau – da kommt besonders grosse Freude auf.


Labatt Blau Bier schmeckt köstlich

13.30 Uhr Fix und foxi verlade ich die Einkaufstüten im Geländewagen und komme zu dem Schluss, dass wir jetzt nur noch Tomaten, Hundefutter und Nudeln benötigen. Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, klemme ich mich hinters Lenkrad und steuere den „Mac’s“ Gemischtwarenladen am Ortseingang an. Während Dixon im Auto wartet, schoppe ich ordentlich ab und gebe insgesamt knapp 50 kanadische Dollars aus – wie unlöblich.
14.00 Uhr Bevor ich nach Gilford Beach zurückkehre, fahre ich ein McDonalds Schnellrestaurant an und ordere am Drive Thru (löblich: Fahr hindurch) Schalter zwei vitaminreiche Double Cheeseburger (löblich: Doppel Käseburger) mit Fritten. Dazu gibt es einen grossen Becher Diät Cola – immerhin muss ich auf meine schlanke Linie achten.


Ich beisse kraftvoll zu

15.00 Uhr Als der Zeiger meiner goldenen ROLEX auf 3 zugeht, komme ich vor dem Ferienhaus zum stehen und werde von David herzlich begrüsst. Mein Grossneffe hievt eine Einkaufstüten vom Rücksitz und nimmt sich das Recht heraus, die Getränke in den Eiskasten zu stellen.
15.30 Uhr Nach getaner Arbeit folge ich dem Buben zum See und bemerke, dass meine Verwandten just im Moment das Kaffeekränzchen abhalten. Natürlich setze ich mich dazu und fresse ebenfalls ein Stück Kuchen mit Sahne. Nebenher lasse ich den Schoppingausflug Revue passieren und erzähle, dass Barrie stets eine Reise wert ist.
16.00 Uhr Um endlich zur Ruhe zu kommen, lasse ich mich in einem Liegestuhl nieder und schliesse die Augen. Bereits nach wenigen Augenblicken döse ich ein und träume von meiner kleinen Villa im sonnigen Florida.
17.00 Uhr Bald wird die himmlische Ruhe durch Georg gestört. Der gute Mann zerrt an meinem Hemdärmel und beteuert, dass Maria gleich das Abendessen auftischen wird. Ich lecke mir die Lippen und flitze wie der Wind ins klimatisierte Haus, um mich über eine stattliche Portion Gnocchis mit Tomatensauce herzumachen – das schmeckt.
18.00 Uhr Nach der Jause beschliessen wir den langen Tag vor der Glotze. Um auf den neuesten Stand zu kommen, schauen wir uns die Nachrichten an und bringen heraus, dass die in Montreal lebende Schriftstellerin Annie Proulx heute ihr 82. Wiegenfest feiert. Edelbert ist mit dem Lebenswerk der Kanadierin bestens vertraut und setzt uns darüber in Kenntnis, dass die Perle unter anderem die Kurzgeschichte „Brokeback Mountain“ verfasst hat – jaja.

19.00 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, schicken wir David zu Bett und wechseln dann auf HBO, wo gerade der Vorspann zur neuen Stephen King Verfilmung „Big Driver“ über die Mattscheibe flimmert. Ich lehne mich entspannt zurück und tauche in das Leben einer Schriftstellerin ein, die eines Abend von einem Geisteskranken angegriffen wird – wie aufregend.
21.00 Uhr Nach 100 spannungsgeladenen Minuten findet der Streifen endlich sein blutiges Ende. Ich gähne ausgiebig und ziehe mich übermüdet ins Gästehaus zurück. Gute Nacht.

14. August 2017 – Georgian Mall

08.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und stelle mit Schrecken fest, dass es wie aus Kübeln schüttet. Angesichts des Starkregens ziehe ich mir die Bettdecke über den Kopf und versuche noch etwas zu schlafen.
08.15 Uhr Leider pocht bald Edelbert an die Türe und behauptet, dass das Gästebadezimmer unter Wasser steht. Ich rolle mich schwungvoll von der Matratze und nehme mir das Recht heraus, dem Professor in die Nasszelle zu folgen. Prompt erblicke ich unter dem Waschbecken eine Wasserlache und komme zu dem Schluss, dass der Ablauf verstopft ist. Weil ich handwerklich sehr geschickt bin, eile ich badebemäntelt ins Haupthaus und lasse meinen Bruder wissen, dass ich eine Wasserpumpenzange, einen Kübel sowie einen Lappen benötige. Georg kommt augenblicklich in die Gänge und lässt es sich nicht nehmen, mir ins Nebengebäude zu folgen.


Ich bin handwerklich sehr geschickt

09.00 Uhr Nachdem ich das Wasser aufgewischt habe, löse ich unter Edelberts und Georgs skeptischen Blicken das Drehgewinde des Siphons und bemerke, dass sich Haare im Ablauf festgesetzt haben. Mein Bruder legt seine Stirn in Falten und meint, dass es wohl schlauer wäre, einen Klempner zu verständigen. Ich nicke eifrig und mache es mir zur Aufgabe, den Siphon zuzuschrauben und mit dem Kulturbeutel zum Haupthaus zu stapfen.
10.00 Uhr Nach einer heissen Dusche im Badezimmer meiner Familie, lasse ich mich am Küchentisch nieder und bringe heraus, dass Georg mittlerweile mit einem Fachmann telefoniert hat. Der gute Mann gibt sich erleichtert und vertellt, dass zur Mittagszeit ein Wasserinstallateur anrücken und den Schaden beseitigen wird. Ich zucke mit den Schultern und gebe zu Protokoll, dass man bei diesem Sauwetter nicht aus dem Haus gehen kann. James und Amanda schlagen in die gleiche Kerbe und kündigen an, dass sie gleich nach Barrie fahren werden, um viel Geld in der „Georgian Mall“ zu lassen. Ich gebe mich interessiert und lerne, dass besagtes Kaufhaus drei Dutzend Fachhändler unter einem Dach vereint – das ist phantastisch.
10.45 Uhr Während sich Hund Dixon und Edelbert zu David und Maria ins Wohnzimmer gesellen, folge ich den Kindern zum JEEP und gebe vor, dass ich mich der Ausfahrt anschliessen werde. Mein löblicher Neffe freut sich und unterbreitet, dass ich beim Besuch des „Feta & Olives“ Feinkostladens bestimmt grosse Augen bekommen werde. Amanda kommt aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und meint, dass ihr Ehemann in besagtem Lebensmittelgeschäft jedes Mal ein kleines Vermögen lässt – wie unlöblich.
11.15 Uhr Als wir auf der Staatsstrasse 400 gen Norden rasen, kommt James auf das Konzert seiner Bande „FROG“ zu sprechen und behauptet, dass der Auftritt am vergangenen Freitag ein voller Erfolg war. Zudem vernehme ich, dass der Bube die Wintermonate zum Anlass nehmen wird, um neue Lieder für das nächste „Northstar“ Studioalbum zu komponieren – wie aufregend.

12.00 Uhr Nach 35 Kilometern parken wir den Geländewagen auf einem Besucherparkplatz und laufen bei strömendem Regen ins Kaufhaus. James lotst mich in sein Lieblingslebensmittelgeschäft und plappert davon, dass er Schafskäse kaufen wird. Währenddessen nehme ich die feilgebotenen Olivenöle in Augenschein und komme zu dem Schluss, dass ich mir kaum einen Liter Öl für 60 Dollars leisten kann. Trotz der kaum erschwinglichen Preise schoppen die jungen Leute ungeniert ab und ordern am Verkaufstresen zudem einen Laib Brot sowie eine Schale mit eingelegtem Moussaka. Weil ich das Gericht nicht kenne, stelle ich Amanda zur Rede und erfahre, dass es sich hierbei um Auberginen handelt, die mit Tomaten und Tintenfische in Öl eingelegt wurden – pfui Teufel.
13.00 Uhr Sechzig Minuten später verlassen wir das Geschäft und ich sehe mich genötigt, die Kinder in einen Kleidermarkt begleiten zu müssen. Während Amanda zu einem Raubtier mutiert und mit einem ganzen Berg Klamotten in einer Umkleidekabine verschwindet, wende ich mich James zu und informiere, dass ich mich glücklich schätzen kann, kein Weibsbild an meiner Seite zu haben. Der Bube seufzt laut und unkt, dass wir uns nun für Stunden die Beine in den Bauch stehen werden – das kann ja heiter werden.


Mein goldener Chronograph

14.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf halb Zwei zugeht, rennt Amanda mit gezückter Kreditkarte zur Kasse und investiert 200 Dollars in eine neue Tschiens sowie diverse T Hemden. Ich komme aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus und fasse den Entschluss, die jungen Leute zu einer Brotzeit im SUBWAY Gasthaus einzuladen. Unterdessen planen wir die kommenden Tage und vereinbaren, dass wir zum CASINO RAMA krusen und dort einen Wellness (löblich: Wohlfühl) Tag einlegen könnten – das hört sich verlockend an.
14.45 Uhr Mit vollen Mägen schlendern wir zum Auto und treten die Heimreise an. Während moderne Rockmusik aus den Lautsprechern des JEEPS dröhnt, beschleunigt James den PS-strotzenden Geländewagen auf schwindelerregende 50 Stundenkilometer und schlägt vor, dass wir uns den Abend mit der neuen NETFLIX Serie „Ozark“ vertreiben könnten. Amanda kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus und wirft ein, dass das mehrteilige Fernsehspiel sogar „Breaking Bad“ in den Schatten stellt.

15.45 Uhr Endlich erreichen wir unser Ziel und werden von Hund Dixon und David herzlich begrüsst. Während der Rüde auf und ab hüpft, schleppe ich mich gähnend in die gute Stube und bette mich auf dem Kanapee zur Ruhe.
16.45 Uhr Ich öffne die Augen und registriere, dass sich ein betörender Duft im Ferienhaus breitgemacht hat. Selbstverständlich hüpfe ich sogleich vom Sofa und freue mich, einen perfekt eingedeckten Esstisch vorzufinden. Maria füllt selbst zubereitete Zitronenlimonade in die Gläser und sagt, dass sie heute schmackhafte Käsespätzle auftischen wird. Ich reibe mir die Wampe und stibitze mir ein kühles Bier aus dem Eiskasten.


Labatt Blau – das tut gut

17.30 Uhr Als wir das Nachtmahl in vollen Zügen geniessen, bringt mein Bruder den Klempnerbesuch ins Spiel und rechnet vor, dass er dem Knecht knapp 300 Dollars geben musste. Darüber hinaus höre ich, dass der Handwerker mit einer Spule das Abflussrohr gereinigt hat – das ist ja allerhand.
18.30 Uhr Um endlich zur Ruhe zu kommen, machen wir es uns im Wohnzimmer bequem und geben uns dem NETFLIX Programm hin. James navigiert gekonnt durch das reichhaltige Angebot und setzt uns darüber in Kenntnis, dass die Kriminalserie „Ozark“ die Geschichte eines Finanzberaters erzählt, der mit seiner Familie von Chicago ins ländliche Missouri zieht und dort mit dem organisierten Verbrechen in Kontakt kommt – wie aufregend.
21.30 Uhr Als der Abspann der dritten Episode über den Bildschirm flimmert, macht mir Georg die Fernbedienung streitig und vertritt die Meinung, dass wir uns die restlichen Folgen morgen zu Gemüte führen sollten. Ich stimme zu und ziehe es vor, mich zum Abschluss des langen Tages abzuduschen und dann ins Bett zu gehen. Gute Nacht.

12. und 13. August 2017 – New Order & Joe Bonamassa

Hi Freunde der Nacht,

gestern war ich in einschlägigen Münchner Musikgeschäften unterwegs und habe mich mit neuen CD’s eingedeckt.

Als grosser Joy Division Fan kam ich an der Live-Veröffentlichung von NEW ORDER natürlich nicht vorbei. Wie ihr sicher wisst, löste sich Joy Division nach dem Tod des Frontmannes Ian Curtis auf. Wenige Monate später gründeten die restlichen Mitglieder mit NEW ORDER eine neue Band, die bis heute grosse Erfolge feiert. Ende Juli releaste die Formation mit NOMC15 ihr mittlerweile zweites Live-Album. Das Werk enthält neben Songs aus dem aktuellen Studioalbum zudem auch Joy Division Klassiker wie „Love Will Tear Us Apart“, „Ceremony“ und natürlich auch „Atmosphere“.

Ausserdem landete die wirklich hörenswerte Joe Bonamassa Acoustic Doppel-CD „Live At Carnegie Hall“ in meinem Einkaufswagen. Im Januar 2016 spielte der begnadete Gitarrist zwei einzigartige Akustikkonzerte in der weltbekannten Carnegie Hall in New York City. Die Shows wurden mitgeschnitten und nun auf CD herausgebracht.


Joe Bonamassa – Live At Carnegie Hall

Während der Suche nach neuer Musik habe ich einen Blick auf die offiziellen Alben Charts geworfen. Man glaubt ja gar nicht, welcher Mist in Deutschland in den Hitparaden landet. In den Top 10 findet man „Die Toten Hosen“, die Pseudo-Country-Band „The Bosshoss“, „Coldplay“, „Kraftklub“ und natürlich auch Helene Fischer … daran sieht man eindeutig, dass der Deutsche keine Ahnung von guter Musik hat ^^

Naja, mir soll’s egal sein.
Ich werde mir jetzt die neue NEW ORDER Scheibe anhören und das Abendessen vorbereiten.

Eure Sandra

9. August 2017 – Ein Ausflug nach Georgina

08.00 Uhr Ein neuer Morgen am Lake Simcoe bricht an und ich fühle mich blendend. Während aus dem Radiowecker ein schönes Lied der Sängerin Sara Evans dröhnt, stehe ich auf und stosse die Gästezimmertüre auf. Zu meiner Freude treffe ich Edelbert im Gang an und bringe heraus, dass er bereits geduscht und sich in Schale geworfen hat. Ferner vernehme ich, dass Hund Dixon zum See gelaufen ist, um etwas zu baden. Ich nicke eifrig und ziehe mich gähnend ins Bad zurück, um mich kalt abzuduschen – das tut gut.


Der Lake Simcoe

09.00 Uhr Sechzig Minuten später statte ich meinen Verwandten im Haupthaus einen Besuch ab und höre, dass die lieben Leute den Tag im „The ROC“ verbringen möchten. Als ich genauer nachfrage, erzählt mein Bruder, dass die Freizeitanlage in der Kleinstadt Georgina seinen Besuchern einen 12 Meter hohen Kletterturm bietet. David schlägt in die gleiche Kerbe und sagt, dass man dort auch Minigolf spielen kann.
09.30 Uhr Als ich kraftvoll in ein Honigbrot beisse und meine ausgetrocknete Kehle mit brühfrischen Bohnenkaffee spüle, überreicht mir Maria eine Hochglanzbroschüre aus dem hiesigen Tourismusbüro und beteuert, dass sie selbstverständlich nicht auf den Kletterturm steigen, sondern in Georgina etwas abschoppen wird. Da ich keine grosse Lust habe, alleine im Ferienhaus zu bleiben, ringe ich mich dazu durch, Maria kurzerhand zu begleiten. Auch Edelbert folgt meinem Beispiel und meint, dass er Zigaretten besorgen muss – wie unlöblich.


Bitte nicht qualmen

10.15 Uhr Kurz nach dem Zehnuhrläuten finden wir uns am JEEP meines Bruders ein und bemerken, dass wir im Geländewagen kaum Platz finden. Georg zuckt mit den Schultern und legt mir nahe, mit Edelbert und Maria im Winnebago zu reisen. Ich stimme zu und helfe meiner Schwägerin ins Wohnmobil. Danach scheuche Ich Dixon in den hinteren Teil des TRAVATOS und mache es mir zur Aufgabe, den PS-strotzenden Motor aufheulen zu lassen.
10.45 Uhr Während Georg mit den jungen Leute im JEEP vorausfährt, gleite ich am Seeufer entlang und erfahre von Maria, dass der weltbekannte Schauspieler Jim Carrey viele Jahre in Georgina gelebt hat – das ist mir Wurst.
11.30 Uhr Wenig später trudelt auf Marias I-Telefon (unlöblich: iPhone) eine Kurzdepesche ein und die Perle meldet, dass ihr Ehemann just im Moment am „The ROC“ angekommen ist. Ich setze fachmännisch den Blinker und entgegne, dass auch wir unser Ziel in wenigen Augenblicken erreichen werden – wie aufregend.
12.15 Uhr Pünktlich zur Mittagszeit parken wir das Wohnmobil vor der „Sutton High School“ und stellen fest, dass Georgina eine einladende Gemeinde ist. Ich nehme den Vierbeiner an die Leine und schlendere an der Seite meiner Schwägerin und dem Professor an liebevoll restaurierten Einfamilienhäusern vorbei. Natürlich kommt Dixon aus dem Schnüffeln gar nicht mehr heraus und stöbert im Dickicht sogar einen lustigen Igel auf – das macht Spass.

13.00 Uhr Nach einem Spaziergang durch den beschaulichen Stadtkern finden wir uns alsbald im „Giant Tiger“ Kaufhaus wieder. Wir streben erheitert durch den Laden und freuen uns, nicht nur Anziehsachen und Zeitschriften sondern auch Lebensmittel sowie Autozubehörteile vorzufinden. Während Edelbert die feilgebotenen Hochglanzmagazine in Augenschein nimmt, wende ich mich den T Hemden zu und stosse auf ein preiswertes Hemd mit LAKE SIMCOE Aufdruck – wie schön.
13.45 Uhr Nachdem sich etliche Waren im Einkaufswagen angehäuft haben, begeben wir uns zur Kasse und begleichen die Rechnung mit Marias Kreditkarte. Im Anschluss vertreten wir uns auf der Hauptstrasse die Beine und kehren kurzerhand ins „Burger Bandit“ Gasthaus ein. Um nicht Hunger leiden zu müssen, winken wir einer Kellnerin zu und ordern saftige Baconburger (löblich: Schinkenburger) mit Kartoffelspalten und Krautsalat.


Wir beissen kraftvoll zu

14.30 Uhr Nach der feinen Mahlzeit lotst uns Maria zu „Steve’s No Frills“ und informiert, dass wir in diesem Lebensmittelgeschäft frisches Obst und Gemüse besorgen müssen. Ich schüttle entschieden den Kopf und gebe zu Protokoll, dass ich währenddessen mit Edelbert im benachbarten „Beer Store“ (löblich: Bier Geschäft) nach dem Rechten sehen werde. Bevor meine Schwägerin Widerworte findet, eile ich von dannen, um gesundes Labatt Blau Bier sowie zwei Flaschen „Canadian Club“ Whiskey einzukaufen.
15.15 Uhr Tütenbepackt laufen wir zum Wohnmobil zurück und plaudern über dies und das. Edelbert ist von Georgina sichtlich angetan und zögert nicht, am laufenden Band Photos zu knipsen – da kommt Freude auf.
15.45 Uhr Just als wir die Besorgungen in den Winnebago verladen, schrillt Marias Telefon. Die kleine Frau nimmt das Gespräch freudig an und verdeutlicht, dass ihr Ehemann und die Kinder nun nach Lake Gilford zurückfahren werden. Ich reibe mir die Hände und klemme mich augenblicklich hinters Lenkrad, um mit quietschenden Pneus davon zu rasen. Während der kurzweiligen Reise frönen wir dem Radioprogramm von KICX COUNTRY 106 und haben das Vergnügen, ein neues Lied aus Joe Nichols Feder zu hören.
16.45 Uhr Nach 50 zurückgelegten Kilometern kommen wir vor dem Ferienhaus zum halten und begrüssen Georg, David, James und Amanda herzlich. Selbstverständlich plappert mein Grossneffe ohne Unterlass und setzt uns darüber in Kenntnis, dass es eine Gaudi war, sich mit seinem Vater im Minigolf zu messen – das hört man gerne.
17.30 Uhr Weil das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, finden wir uns zeitnah am Esstisch ein und laben uns an vitaminreichen Sandwiches (löblich: Wurstbroten). Nebenbei planen wir die anstehenden Tage und kommen überein, dass wir Morgen nach Gilford fahren und Brennholz für den Winter besorgen sollten – wie unlöblich.
18.15 Uhr Mit vollem Magen gehe ich den Frauen bei der Hausarbeit zur Hand und merke an, dass ich ganz erschöpft bin und bald zu Bett gehen werde. Maria gähnt ebenfalls ausgiebig und sagt, dass der Tag ganz schön anstrengend war – das kann man laut sagen.
19.00 Uhr Schlussendlich mache ich es mir in der guten Stube bequem und schaue mir an Georgs und Edelberts Seite die Nachrichten an. Unter anderem lernen wir, dass sich heute der Atombombenabwurf auf die japanische Hafenstadt Nagasaki zum 72 mal jährt – wie schrecklich.

19.30 Uhr Zur besten Sendezeit gesellen sich Maria und Amanda zu uns und wir lassen den lauen Sommerabend bei der seichten Sitzkomödie (unlöblich: Sitcom) „Modern Family“ ausklingen. Da mir langsam die Augen zufallen, stelle ich das Bierglas beiseite und ziehe mich ins Nebenhaus zurück. Gute Nacht.