15. November 2018 – Ulrich Seidl und Sommer ’84

08.00 Uhr Ich hüpfe kraftstrotzend aus dem Bett und freue mich über einen weiteren Sonnentag in Florida. Weil ich längst nicht zum alten Eisen zähle, schlendere ich mit einer stimmungsvollen Melodie auf den Lippen nach draussen und führe an Hund Dixons Seite die Morgengymnastik durch. Leider wird die himmlische Ruhe bald durch das laute Schrillen meiner Schwarzbeere unterbrochen. Zu allem Überfluss meldet sich mein Bruder in der Leitung und gibt vor, das es aus unserer Verabredung nichts wird. Georg seufzt laut und erzählt, dass im Laufe des Vormittages der Pool-Boy (löblich: Schwimmbecken Junge) vorbeikommen wird, um die in die Jahre gekommene Wasserpumpe in Augenschein zu nehmen. Darüber hinaus sagt Georg, dass wir uns eventuell morgen zum Mittagessen treffen könnten – dazu sage ich nicht nein.


Meine Schwarzbeere

08.30 Uhr Um nicht alleine zum Einkaufen fahren zu müssen, kontaktiere ich kurzerhand den Professor und lade ihn ein, mich gegen 10 Uhr vor dem PUBLIX Supermarkt zu treffen. Edelbert willigt prompt ein und verspricht, pünktlich vor Ort zu sein. Danach beende ich das Telefonat und ziehe mich zufrieden ins Bad zurück, um mich ordentlich zu waschen. Natürlich rasiere ich mir auch die Bartstoppeln ab und vergesse auch nicht, mir die Haare zu waschen.
09.30 Uhr Sechzig Minuten später sitze ich am Küchentisch und spüle meine trockne Kehle mit brühfrischen Bohnentrunk durch. Dazu lasse ich mir Rühreier mit Schinken munden und lese in der Tageszeitung, dass in einem örtlichen Lichtspielhaus am Wochenende ein Dokumentarfestival stattfinden wird. Ich mache grosse Augen und lerne, dass auch etliche Filme des aus Österreich stammenden Künstlers Ulrich Seidl gezeigt werden – das ist prima.

10.00 Uhr Redlichst gestärkt klatsche ich in die Hände und lasse den Vierbeiner wissen, dass im Eiskasten gähnende Leere vorherrscht. Um nicht Hunger leiden zu müssen, lotse ich das störrische Haustier zum Chevrolet und kruse zielstrebig zum Supermarkt meines Vertrauens.
10.30 Uhr Mit dreissigminütiger Verspätung erreiche ich mein Ziel und gebe Edelbert zu verstehen, dass ich in einen Stau geraten bin. Ich winke demonstrativ ab und schimpfe, weil die Stadtoberen nichts gegen das herrschende Verkehrschaos unternehmen. Auch mein Bekannter ist ausser sich und meint, dass wir unsere Zelte in Südflorida abbrechen und nach Alaska auswandern sollten – papperlapapp.
11.00 Uhr Nachdem wir einer blauhaarigen Seniorin einen Einkaufswagen streitig gemacht haben, nehmen wir uns das Recht heraus, Waren des täglichen Bedarfs auszuwählen. Ausserdem schiebe ich den klapprigen Wagen in die Süssigkeitenabteilung, um drei Tüten Kartoffelchips aus dem Hause Lay’s, diverse Schokoriegel, OREO Kekse, Minzdragees, Bonbons sowie Zuckerstangen von Hersheys vom Regal zu nehmen – wie aufregend.


Lay’s Schips schmecken prima

12.00 Uhr Pünktlich zur Mittagzeit werden wir an der Kasse vorstellig und zücken unsere praktischen Kreditkarten. Während die Marktmitarbeiterin den Bezahlvorgang einleitet, deute ich nach nebenan und gebe vor, dass eine reichhaltige Brotzeit im “Dairy Queen” (löblich: Molkerei Königin) Schnellgasthaus nicht schaden kann.
12.30 Uhr Völlig verschwitzt kehren wir in die gutbesuchte Wirtschaft ein und ordern an der Essensausgabe gesunde Cheeseburger (löblich: Käseburger) mit Fritten und Krautsalat. Anschliessend lassen wir uns an einem Fenstertisch nieder und tratschen über dies und das. Unter anderem kommt Edelbert auf den Abend zu sprechen und beteuert, dass er mit dem Gedanken spielt, eine Lesung in der örtlichen “Collier County Library” zu besuchen. Bevor ich Worte finde, plappert der schlaue Mann munter weiter und beteuert, dass einer aus Georgia stammender Entomologe über das Leben des asiatischen Marienkäfers referieren wird – gleich platzt mir der Kragen.
13.30 Uhr Nach der Stärkung kehren wir gesättigt zu den Autos zurück und wünschen einander schöne Abende. Im Anschluss lasse ich den Motor des PS-strotzenden SUVs aufheulen und gleite zufrieden nach Hause.
14.15 Uhr Zurück im Willoughby Drive, räume ich die Lebensmittel in den Kühlschrank ein und mache es mir zur Aufgabe, Dixons Näpfe mit Wasser und ROYAL CANIN Trockenfutter aufzufüllen. Danach falle ich gähnend aufs Kanapee und döse schnell ein.
15.15 Uhr Ich erwache ausgeruht und nutze die Nachmittagsstunden, um die Pflanzen im Garten zu giessen. Zudem tratsche ich mit Herrn Booth und berichte, dass man als Hausbesitzer stets etwas zu tun hat. Mein Nachbar gibt mir Recht und entgegnet, dass er in der kommenden Woche den Rasen mähen muss – jaja.


Mein Zuhause unter Palmen

16.15 Uhr Schnaufend beende ich die Arbeit und unternehme mit Dixon einen Spaziergang durchs Wohngebiet. Ich werfe dem Rüden Stöckchen zu und ermutige ihn, die vorlauten Nachbarskinder anzubellen – immerhin hat im Willoughby Drive Ruhe und Frieden zu herrschen.
17.00 Uhr Endlich kann ich die Haustüre zur kleinen Villa aufstossen und mich in den wohlverdienten Feierabend verabschieden. Ich wische mir die Schweissperlen von der Stirn und komme zu dem Schluss, dass mich diese Affenhitze bald ins Grab bringen wird. Trotz aller Widrigkeiten lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und bereite das Abendessen vor. Um nicht stundenlang am heissen Herd stehen zu müssen, backe ich eine Tiefkühlpizza im Ofen auf und fresse dazu einen gesunden Tomatensalat mit Oliven – schmeckt gar nicht schlecht.
18.00 Uhr Ein nervenaufreibender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Um endlich zur Ruhe zu kommen, schalte ich die Glotze ein und gebe mich den Abendnachrichten auf FOX hin – immerhin muss man stets auf dem neuesten Stand gebracht werden.

19.00 Uhr Zur Prime Time (löblich: beste Sendezeit) nehme ich mit dem NETFLIX Internetzprogramm Vorlieb und schaue mir den kanadischen Gruselfilm “Summer of 84” an. Die Produktion aus dem letzten Jahr handelt von vier Freunden, die einem Serienmörder auf die Schliche kommen – wie aufregend.
21.00 Uhr Als nach zwei Stunden der Abspann über den Flachbildschirm flimmert, atme ich tief durch und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt reguliere ich die Klimaanlage und gehe zu Bett. Gute Nacht.

14. November 2018 – Umweltfreundliche Küchengeräte

08.00 Uhr Ich öffne die Augen und fühle mich prima. Weil Georg und Maria gestern aus Orlando zurückgekehrt sind und mich in den Lowbank Drive eingeladen habe, hüpfe ich spornstreichs aus dem Bett und führe auf der fliegenvergitterten Terrasse die Morgengymnastik durch – wer rastet, der rostet.
08.30 Uhr Just als ich die futuristische DeLonghi Kaffeemaschine in Betrieb nehme, schellt das Festnetztelefon besonders aggressiv. Zu meiner Freude meldet sich Georg im Rohr und erinnert daran, dass Maria pünktlich um 10 Uhr die wichtigste Mahlzeit des Tages auftischen wird. Ich nicke eifrig und kann es kaum erwarten, das neurenovierte Feriendomizil meiner Verwandten zu inspizieren – das wird eine Gaudi.


Das Festnetztelefon schrillt

09.00 Uhr Nachdem ich das Telefonat beendet habe, ziehe ich mich in die Nasszelle zurück, um mich bei einem lustigen Wirbelbad zu entspannen. Ich wasche mir die Haare und vergesse auch nicht, die mir die Bartstoppeln abzurasieren – immerhin ist gutes Aussehen heutzutage ganz besonders wichtig.
10.00 Uhr Im Anschluss schlüpfe ich in legere Freizeitkleidung und lasse den Vierbeiner wissen, dass wir nun zum Ferienhaus krusen werden. Der Rüde flitzt bellend in den Garten und zögert nicht, mit Anlauf auf die Ladefläche des PS-strotzenden Chevrolet Suburban zu springen.
10.30 Uhr Alsbald fahre ich vor dem Ferienhaus vor und werde von Maria herzlich begrüsst. Die Perle tippt auf ihre diamantbesetzte Armbanduhr und behauptet, dass ich mich um 30 Minuten verspätet habe. Bevor ich Wiederworte finde, lotst mich die kleine Frau in die gute Stube und plappert, dass sie zur Feier des Tages Pfannkuchen mit Vanillefüllung zubereitet hat. Ich nehme zufrieden am Tisch Platz und bemerke, dass das Esszimmer nicht nur frisch tapeziert, sondern auch mit neuen Möbeln ausgestattet wurde. Georg reibt sich die Hände und informiert, dass er sich nicht hat lumpen lassen und einen Jugendstil Tisch mit sechs Stühlen gekauft hat – wie aufregend.


Das Ferienhaus im Lowbank Drive

11.00 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, kommt mein Bruder auf die brandneue Klimaanlage zu sprechen und legt anschaulich dar, dass es ihm nun möglich ist, per Handtelefon die Temperatur in sämtlichen Räumen zu regeln. Darüber hinaus verweist der gute Mann auf die Küchengeräte und beteuert, dass nicht nur der Backofen, sondern auch die Geschirrwaschmaschine sehr umweltfreundlich arbeiten und kaum Strom verbrauchen – jaja.
12.00 Uhr Nachdem Georg seinen Monolog beendet hat, wende ich mich Maria zu und lote aus, wie viel die Umbauarbeiten gekostet haben. Meine Schwägerin rollt demonstrativ mit den Augen und mutmasst, dass der Elektriker alleine für die neue Alarmanlage knapp 10.000 Dollar in Rechnung stellen wird – das ist ja allerhand.
12.30 Uhr Nach der reichhaltigen Jause machen wir es uns im Garten bequem und Maria fährt hausgemachte Limonade auf. Nebenher rege ich für morgen einen Ausflug an den Strand an und merke ausserdem an, dass wir anschliessend im PUBLIX Supermarkt Lebensmittel einkaufen sollten. Mein Bruder zeigt sich prompt einverstanden und verspricht, danach ein opulentes Mittagessen zu spendieren – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.
13.15 Uhr Schlussendlich klatsche ich in die Hände und entschliesse mich, den lieben Menschen Lebewohl zu sagen und nach Hause zu fahren. Mit einer lustigen Melodie auf den Lippen scheuche ich den Rüden zum Auto und kruse hupend von dannen. Unterdessen fröne ich dem Radioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und habe das grosse Glück, Maren Morris neues Lied “Rich” (löblich: Reich) zu hören – da kommt Freude auf.


Der beste Radiosender

14.00 Uhr Zuhause angekommen, falle ich erschöpft aufs Kanapee und strecke die Beine aus. Nach wenigen Sekunden döse ich ein und träume vom meiner Forschungsreise nach San Franzisko im Jahre 2003.
15.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 3 zugeht, schwinge ich mich vom Sofa und widme mich der Anschnurseelsorge. Unter anderem rate ich einer verzweifelten Mutter aus Wetzlar, ihrer 19jährigen Tochter im kommenden Sommer einen Badeurlaub in Südfrankreich zu verbieten. Wie jedes Kind weiss, kann man den garstigen Franzosen nicht über den Weg trauen.
16.00 Uhr Da Dixon langsam unruhig wird, schalte ich den Heimrechner aus und breche zu einem entspannten Gassigang durch das gepflegte Wohngebiet auf. Ich begleite den Vierbeiner zum La Playa Golfplatz und halte im hohen Gras nach verloren gegangenen Golfbällen Ausschau – das macht Spass.


Wir halten nach Golfbällen Ausschau

17.00 Uhr Nach einer Stunde bin ich wieder dahoam und schalte die Klimaanlage etwas höher. Danach serviere ich Dixon eine Portion ROYAL CANIN Trockenfutter und nehme selbst mit belegten Broten, Gewürzgurken aus dem Glas sowie mit einem süffigen Weissbier aus meiner weissblauen Heimat Vorlieb – das tut gut.
18.00 Uhr Um endlich zur Ruhe zu kommen, mache ich es mir im Wohnzimmer bequem und schalte mich durch die unzähligen Fernsehprogramme. Nach kurzem Suchen bleibe ich auf FX hängen und fröne der spannenden Gruselserie “American Horror Story: Apocalypse”. Ich mache grosse Augen und werde Zeuge, wie die Welt durch Atomraketen zerstört wird und eine Gruppe Menschen ums Überleben kämpft – wie aufregend.
21.00 Uhr Nach vier Episoden beende ich den nervenaufreibenden Fernsehabend und lasse Dixon noch einmal in den Garten hinaus. Anschliessend lösche ich sämtliche Lichter und lege mich schlafen. Gute Nacht.

8. November 2018 – Dekorativer Schnick Schnack

08.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und verspüre grossen Hunger. Um nicht vom Fleisch zu fallen, stehe ich augenblicklich auf und verzehre einen lustigen Schokoladenriegel. Ferner nippe ich an der Milchflasche und gebe Hund Dixon zu verstehen, dass frische Muh nicht nur gut schmeckt, sondern auch sehr gesund ist.
08.30 Uhr Nach der Stärkung trete ich auf die schattige Terrasse und lockere meine Glieder mit der Morgengymnastik. Darüber hinaus ermutige ich den Rüden, zum Teich zu laufen und die kreischenden Ajaja Vögel zu verjagen – dieser Krach treibt mich noch in den Wahnsinn.


Ajajas treiben mich in den Wahnsinn

08.45 Uhr Nachdem ich die Sitzgelegenheiten auf dem Freisitz zurecht gerückt und den Terrassentisch mit einem feuchten Lappen abgewischt habe, verabschiede ich mich ins Bad. Wie es sich gehört, wasche ich mich ordentlich heraus und vergesse auch nicht, mir die Bartstoppeln abzurasieren – da kommt Freude auf.
09.45 Uhr Just als ich mich ankleide, bimmelt es besonders laut an der Pforte. Zu meiner Freude treffe ich Georg und Maria vor der kleinen Villa an und bemerke, dass die lieben Leute eine Einkaufstüten aus dem PUBLIX Supermarkt mitgebracht haben. Mein Bruder schnalzt mit der Zunge und sagt, dass er nicht nur backfrisches Weissbrot, sondern auch köstliche Mortadella sowie italienischen Schinken besorgt hat. Ich mache grosse Augen und bitte meine Verwandten, sofort einzutreten und es sich im Wohnzimmer bequem zu machen. Nebenher stelle ich die DeLonghi Kaffeemaschine ein und brühe würzigen Bohnentrunk auf – wie gut das duftet.
10.30 Uhr Während wir gemütlich zusammensitzen und uns die wichtigste Mahlzeit des Tages schmecken lassen, erfahre ich von meiner Schwägerin, dass es meinen Verwandten noch immer nicht möglich ist, in den Lowbank Drive zurück zu kehren. Maria blickt traurig drein und sagt, dass der Farbgeruch kaum auszuhalten ist und sie noch über das Wochenende im “Ritz-Carlton Resort” bleiben wird. Georg schlägt in die gleiche Kerbe und meint, dass er den heutigen Tag ausnutzen wird, um im “Miromar Outlet Store” (löblich: Miromar Auslass Geschäft) dekorative Sachen einzukaufen – diesen Luxus kann ich mir beim besten Willen nicht leisten.


Wie das perlt …

11.30 Uhr Just als ich eine Flasche Schaumwein entkorke, stösst Frau Pontecorvo die Terrassentüre auf und wünscht uns einen schönen Morgen. Da mir ein gutes Nachbarschaftsverhältnis sehr am Herzen liegt, hole ich ein weiteres Sektglas aus dem Wohnzimmerschrank und animiere die Perle von nebenan, mit uns anzustossen.
12.00 Uhr Während der Sprudelsekt in Strömen fliesst, plaudern meine Verwandten vom anstehenden Ausflug nach Fort Myers und vertreten einhellig die Meinung, dass wir uns diesem lustigen Ausflug anschliessen könnten. Natürlich lehne ich dankend ab und merke an, dass ich arm wie eine Kirchenmaus bin und mir weder neue Kleider, noch Dekorationsartikel leisten kann – wie ungerecht.
12.45 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, beenden wir das Frühstück und ich lotse die Gäste zur Pforte. Während Dixon freudig mit der Rute wedelt, meldet sich plötzlich Frau Pontecorvo zu Wort und gibt vor, gerne in die Nachbargemeinde mitkommen zu wollen. Maria ist hellauf begeistert und stellt meiner Nachbarin ein opulentes Mittagessen im “Luna Rossa” Italiengasthaus in Aussicht – das ist ja allerhand.
13.30 Uhr Nachdem endlich Ruhe eingekehrt ist, genehmige ich mir ein süffiges Budweiser und lasse mir dazu eine belegte Wurstsemmel (unlöblich: Sandwich) munden. Ferner nehme ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) zur Hand und rufe bei Prof. Kuhn an, um nachzufragen, ob er mittlerweile von seiner Erkältung genesen ist. Mein Bekannter hustet jedoch in einer Tour und entgegnet, dass er mit einer Bronchitis zu kämpfen hat – wie furchtbar.
14.30 Uhr Missmutig klappe ich das schnurlose Telefon zu und lege mich aufs Kanapee. Ich schliesse die Augen und sehe mich im Traum an den Lake Simcoe versetzt.


Ich spiele mit Hund Dixon

15.30 Uhr Redlichst erholt schwinge ich mich vom Sofa und ringe mich dazu durch, mit Dixon einen Spaziergang zu unternehmen. Pfeifend greife ich zur Hundeleine und breche mit dem Haustier zu einer erquickenden Wanderung auf. Mit einer schönen Melodie auf den Lippen schlendere ich durchs Wohngebiet und nehme mir das Recht heraus, dem Rüden Stöckchen zuzuwerfen – was kann es schöneres geben.
16.30 Uhr Endlich bin ich wieder dahoam und kann das Abendessen vorbereiten. Obgleich es noch nicht einmal 5 Uhr geschlagen hat, stelle ich eine teflonbeschichtete Pfanne aufs Cerankochfeld und zaubere im Handumdrehen leckere Rühreier mit Speck. Dazu gibt es vitaminreiches Mischgemüse aus der Dose sowie im Ofen aufgebackene Kartoffelspalten aus dem Hause McCain – das schmeckt.
17.30 Uhr Zum Abschluss des nervenaufreibenden Tages sorge ich in der Küche für Sauberkeit und verabschiede mich dann in den wohlverdienten Feierabend. Weil ich über alles informiert sein muss, schalte ich auf FOX um und gebe mich den informativen Abendnachrichten hin.

18.30 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, wechsle ich zur Hauptfernsehzeit auf HBO, um mir den abendfüllenden Alfred Hitchcock Klassiker “The Birds” (auf deutsch: Die Vögel) anzuschauen. Die aufregende Produktion aus dem Jahre 1963 handelt von wildgewordenen Vögeln, die unbescholtene Bürger angreifen und ihnen die Augen ausstechen – wie unheimlich.
21.00 Uhr Nach zwei Stunden betätige ich mit zitternder Hand den OFF (löblich: AUS) Knopf auf der neumodischen Fernbedienung und lösche sämtliche Lichter. Danach falle ich erschöpft ins Bett. Gute Nacht.

6. November 2018 – Taxi

08.00 Uhr Ich rolle mich zufrieden aus dem warmen Bett und stelle beim Blick auf meinen Wandkalender fest, dass mein löblicher Neffe in 5 Tagen seinen 47. Geburtstag feiern wird. Weil James ein braver und sehr fleissiger Bursche ist, fasse ich den Entschluss, gleich nach der wichtigsten Mahlzeit des Tages zum WAL MART zu krusen und nach einem preiswerten Geschenk Ausschau zu halten – da kommt besonders grosse Freude auf.
08.30 Uhr Nachdem ich die Morgengymnastik absolviert habe, fülle ich Trockenfutter in Dixons Napf und animiere den Rüden, kraftvoll zuzubeissen. Danach verabschiede ich mich ins Bad und telefoniere während des Waschvorgangs mit meinem Bruder. Georg ist besonders schlecht gelaunt und gibt vor, dass die Rückkehr ins Ferienhaus noch einige Tage auf sich warten lassen wird. Als ich genauer nachfrage, gibt der gute Mann vor, dass bis zum Freitag elektrische Leitungen für die nagelneue Klimaanlage verlegt werden müssen. Ich zucke mit den Schultern und entgegne, dass der Umbau ein stattliches Sümmchen verschlingen wird. Mein Verwandter schlägt in die gleiche Kerbe und rechnet vor, dass er mindestens 75.000 Dollars löhnen wird – das ist ja allerhand.


Das Ferienhaus wird renoviert

09.30 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf halb Zehn zugeht, brühe ich mit dem DeLonghi Vollautomaten echten Bohnenkaffee auf und nehme mit gerösteten Weissbrotscheiben (unlöblich: Toast), Rühreiern mit Speck und einer lustigen Pfirsich aus dem Nachbarstaat Georgia Vorlieb. Nebenbei mache ich mir Gedanken bezüglich des Geburtstagsgeschenk und komme bald zu dem Ergebnis, dass der Bube nicht nur schöne Landmusik, sondern auch lustige Film- und Fernsehproduktionen zu schätzen weiss. Ruckzuck esse ich auf und erkläre dem Vierbeiner, dass wir nun zum Gemischtwarenladen unseres Vertrauens krusen und uns um ein geeignetes Präsent bemühen werden – was das wieder kostet.
10.00 Uhr Während ich im PS-strotzenden Chevrolet Suburban sitze und wildgestikulierend einen in die Jahre gekommenen CADILLAC SEVILLE überhole, bimmelt plötzlich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und ich sehe mich gezwungen, mit Edelbert plaudern zu müssen. Der schlaue Mann nölt in einer Tour und informiert, dass er sich eine Erkältung eingefangen hat und das Bett hüten muss. Natürlich spreche ich meinem Bekannten gut zu und rate, viel zu trinken – immerhin kann ich mich nicht um alles kümmern.


Ich schoppe bei Wal Mart

10.30 Uhr Nach einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt erreiche ich das WAL MART SUPERCENTER am Collier Boulevard und lasse Dixon wissen, dass er mich leider nicht begleiten kann. Da es ungewöhnlich heiss ist, lasse ich kurzerhand den Motor laufen und eile winkend in die klimatisierte Markthalle.
11.00 Uhr Nach einem erfolglosen Abstecher in die Musikabteilung, flaniere ich zu den gutsortierten Film- und Serienregalen und stosse prompt auf eine Sonderedition des beliebten Strassenfegers “Taxi”. Wohlwollend nehme ich ein Exemplar an mich und lese auf der Verpackung, dass in dieser aufwändig gestalteten Schachtel alle 114 Folgen auf insgesamt 17 Datenträgern enthalten sind – wie aufregend.

11.45 Uhr Nachdem ich eine neue Toilettenbürste, Batterien sowie ein Flasche Klebstoff in den Einkaufswagen geworfen habe, steuere ich eine Kasse an und überreiche einer mageren Marktmitarbeiterin meine praktische Meisterkarte. Die Maid schiebt das elektronische Bezahlkärtchen fachmännisch durch den Kassenschlitz und beteuert, dass diese Serie in den 1970er Jahren mit grossem Erfolg auf ABC lief. Ich stimme uneingeschränkt zu und gebe zu Protokoll, dass “Taxi” auch in meiner deutschen Heimat ausgestrahlt wurde. Lachend komme ich auf den weltbekannten Komiker Andi Kaufmann zu sprechen und merke an, dass es grossen Spass macht, ihm in einer Rolle als Automechaniker Latka zuzusehen – da kommt man kaum noch aus dem Schmunzeln heraus.


Taxi – eine prima Serie

12.30 Uhr Nach dem Bezahlvorgang kehre ich mit Hund Dixon in die benachbarte “Burger King” (löblich: Burger König) Schnellgaststätte ein und leiste mir eine kleine Brotzeit sowie ein süffiges 7UP (löblich: Sieben Hinauf) Weichgetränk – schmeckt gar nicht schlecht.
13.30 Uhr Zuhause angekommen, steige ich aus den Flip Flops und bette mich in der guten Stube zur Ruhe. Ich döse prompt ein und sehe mich im Traum auf die verstaubten Pfade des Appalachian Trails versetzt.


Ich träume vom Appalachian Trail

14.30 Uhr Leider wird mein Nickerchen bald durch einen Telefonanruf gestört. Ich nehme das Gespräch gähnend an und bin überrascht, Georg dran zu haben. Mein Bruder wünscht mir einen guten Tag und erkundigt sich, ob ich am Abend mit ins Theater kommen möchte. Selbstverständlich lehne ich dankend ab und weise auf die Tatsache hin, dass ich von kulturellen Grossveranstaltungen nicht viel halte.
15.00 Uhr Im Anschluss fülle ich Kaffee in mein Haferl und nehme am Schreibtisch Platz, um die Anschnurseelsorge zu erledigen. Mit flinken Fingern navigiere ich durchs Internetz und studiere Briefe besorgter Eltern. Unter anderem rate ich einer Mutter (51) aus Osnabrück, ihrem Sohn Konzertbesuche zu verbieten – wo kämen wir denn da hin.
16.00 Uhr Nach der Arbeit gehe von der Leine und genehmige mir ein kühles Bier aus dem Eiskasten. Um endlich zur Ruhe zu kommen, lasse ich mich in der Hollywoodschaukel nieder und wippe hin und her – das macht Spass.
17.00 Uhr Sechzig Minuten später schlendere ich in die Küche und bereite das Nachtmahl vor. Da ich keinen grossen Hunger habe, erwärme ich Buttergemüse in einer Pfanne und brate ein kleines Schweineschnitzel an.
18.00 Uhr Nachdem ich die Geschirrspülmaschine knopfdrückend in Betrieb genommen haben, mache ich es mir fernsehschauend in der Wohnstube gemütlich. Ich folge neugierig den FOX Nachrichten und fröne ausserdem einer Quizshow (löblich: Ratesendung) namens “Hot Button” (löblich: Heisser Knopf), die sich mit den amerikanischen Zwischenwahlen beschäftigt.
19.00 Uhr Zur Prime Time (löblich: beste Fernsehzeit) schalte ich auf den Bezahlsender HBO um, wo just im Augenblick der preisgekrönte Zeichentrickfilm “Coraline” beginnt. Ich lehne mich entspannt zurück und tauche in das Leben der elfjährigen Coraline Jones ein, die eines Tages eine Geheimtüre entdeckt durch die man in eine fantastische Parallelwelt gelangen kann – so ein Unsinn.
21.00 Uhr Nach zweistündigem Klamauk tippe ich mir an die Schläfe und schalte entnervt ab. Anschliessend rufe ich Dixon ins Haus und gehe ins Bett. Gute Nacht.

3. und 4. November 2018 – Noch fünf Tage …

Hallo Leute,

derzeit ist es voll langweilig, denn ich habe kein Auto und bin auf die öffentlichen Verkehrsmittel angewiesen.

Mein JEEP verweigerte nach vielen treuen Jahren seinen Dienst und ich war gezwungen, mir ein neues Auto zuzulegen. Nach langem Überlegen habe ich mich entschlossen, bei einem Münchner FORD-Händler vorzusprechen und mir einen SUV mit Tageszulassung zu kaufen. Seitdem sind 12 laaaaaaaange Tage ins Land gezogen …

Nach vielen Telefonaten konnte mir der Autohändler endlich das genaue Lieferdatum meines KUGAS nennen. Ich werde das Auto am kommenden Freitag, den 9. November gegen 14 Uhr abholen und anschliessend beim örtlichen Landratsamt anmelden. Danach werde ich zur Werkstatt meines Cousins fahren und mir Winterreifen montieren lassen 🙂

Ich freu’ mich riesig auf mein neues Auto und denke, dass ich mit dem KUGA ein prima Schnäppchen gemacht habe. Trotz altbackener Optik wird der KUGA in der Fachpresse sehr gelobt. Laut eines Dauertests der “Auto Bild” konnten die Tester auch nach 100.000 Kilometer kaum Verschleisspuren am Interieur, dem Motor und der Elektronik feststellen.

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende.
Eure Sandra