17. August 2018 – Die verlorene Kolonie

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Sehr geehrte Damen und Herren,

laut alten Aufzeichnungen brachen die englischen Forscher Arthur Barlowe und Philip Amandas im Auftrag der englischen Königin Elizabeth I. am 27. April 1584 in Richtung Nordamerika auf. Drei Monate später entdeckten die Abenteuerer ein kleines Eiland, welches von langhaarigen Indianern bevölkert wurde. Die Engländer gründeten auf dieser beschaulichen Insel die erste Kolonie der neuen Welt und freundeten sich mit den Ureinwohnern an – wie schön.

Weil die Roanoke Siedler im Frühjahr 1585 hungern mussten und immer wieder mit den garstigen Indianern aneinander gerieten, entschloss sich Admiral Richard Grenville, die Heimreise nach England anzutreten. Zurück blieben lediglich der Stadthalter Ralph Lane sowie etwa 75 Männer, die den Auftrag erhielten, das Fort gegen die Indianer zu verteidigen.

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John White entdeckt die Inschrift “CROATOAN”

Am 18. August 1590 kehrte John White mit einem Versorgungsschiff nach Roanoke zurück und fand die Kolonie verlassen vor. Obgleich die meisten Häuser intakt waren, fehlte von den Bewohnern jede Spur. Schlussendlich fand John White auf einem Holzpfosten das eingeritzte Wort “CROATOAN”. Die Geschichte von der “Lost Colony” (löblich: Verlorene Kolonie) sorgte in Grossbritannien für grosses Aufsehen und zählt noch heute zu einem der grössten Rätsel der Menschheitsgeschichte.

Angesehene Forscher gehen davon aus, dass die Siedler die Flucht antreten mussten und auf einer benachbarten Insel – die von den Indianern “Croatoan” genannt wurde – Zuflucht fanden. Diese These wird vom Forscher Hamilton MacMillan gestützt, der um 1880 auf dem Gebiet des heutigen North Carolina Indianer des Pembrokes Stammes traf, die der englischen Sprache mächtig waren und deutliche europäische Gesichtszüge aufwiesen.

Andere Wissenschaftler vertreten die Meinung, dass sich die englischen Siedler den Roanoke Indianern angeschlossen und weiter nach Süden gezogen sind – wie aufregend.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg

16. August 2018 – Alpine Restaurant

08.00 Uhr Ich rolle mich aus dem Wasserbett und fühle mich prima. Während Dixon neben der Klimaanlage liegt und alle Viere von sich streckt, strebe ich mit schnellen Schritten auf die Terrasse und läute den sonnigen Morgen mit dem Frühsport ein. Ausserdem mache ich mir eigene Gedanken und komme zu dem Schluss, dass es angebracht wäre, den heutigen Tag auszunutzen, um für Frau Pontecorvo ein Geburtstagsgeschenk zu besorgen .
08.30 Uhr Als ich mich bei einem blubbernden Wirbelbad entspanne, bimmelt plötzlich das Telefon und mein Grossneffe meldet sich in der Leitung. David legt beste Laune an den Tag und lotet aus, ob ich mit an den Strand kommen möchte. Natürlich erteile ich dem Buben eine Absage und beteure, dass ich in die Stadt krusen und dort abschoppen werde. Der 12jährige wird augenblicklich hellhörig und meint, dass er gerne mitkommen würde – dagegen ist nichts einzuwenden.
09.30 Uhr Nachdem ich dem Zwerg versprochen habe, ihn gegen halb 11 abzuholen, beende ich den Badespass und schlüpfe in farbenfrohe Freizeitkleidung. Anschliessend kehre ich pfeifend in die Küche zurück und genehmige mir ein ordentliches Frühstück. Unterdessen blättere ich in der Tageszeitung und stosse auf eine Anzeige des “Best Gourmet” Teegeschäfts. Ich mache grosse Augen und lerne, dass das an der 5th Avenue ansässige Unternehmen derzeit Rabatte in Höhe von bis zu 25% gewährt.
10.15 Uhr Kurz nach dem Zehnuhrläuten verfrachte ich das schmutzige Geschirr in die Spüle und schicke mich an, den Vierbeiner zum Auto zu scheuchen. In einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt rase ich gen Westen davon und spiele mit der Idee, dem besagten Teefachgeschäft einen Besuch abzustatten.


Tee schmeckt einfach prima

11.00 Uhr Wenig später treffe ich im Lowbank Drive ein und sehe, wie Georg und Maria den JEEP mit allerhand Sachen beladen. Weil ich über alles informiert sein muss, stelle ich die Beiden zur Rede und erhalte die Auskunft, dass meine Verwandten dem “Lovers Key State Park” einen Besuch abstatten wollen. Georg schenkt mir ein Lächeln und sagt, dass wir uns gegen 17 Uhr im “Alpine Restaurant” treffen sollten – das soll mir Recht sein.
11.30 Uhr Nachdem ich Amanda und James begrüsst habe, halte ich David die Beifahrertüre auf und dränge zur sofortigen Abreise. Der Bube nickt eifrig und steigt ausgelassen in den PS-strotzenden SUV ein.
12.00 Uhr Wegen der grossen Hitze sind heute nur wenige Fahrzeuge unterwegs und wir haben das grosse Glück, nach nicht einmal dreissig Minuten einen Stellplatz an der 5th Avenue zu ergattern. Da ich meine Zeit nicht gestohlen habe, tippe ich auf meine wertvolle ROLEX und lasse meinen Begleiter wissen, dass wir nun einen feinen Tee für Frau Pontecorvo besorgen werden.
12.45 Uhr Nach einem kurzweiligen Fussmarsch betreten wir den Laden und ich bemerke, dass hier nicht nur exquisite englische Teesorten, sondern auch Gewürze feilgeboten werden. Während Dixon in einer Tour niesst, laufe ich an den gutbestückten Regalen vorbei und unterbreite mit erhobenem Zeigefinger, dass der sündteure Bohea Tee aus China stammt. David zuckt mit den Schultern und sagt, dass er Durst hat und ein Eis essen möchte. Trotz der Quengelei, lasse ich mich nicht aus der Ruhe bringen und fasse den Entschluss, eine Tüte “Coconut Oolong Tee” sowie ein Pfund Rose Sugar (löblich: Rosenzucker) einzukaufen. Der freundliche Herr an der Kasse lobt meinen hervorragenden Geschmack und weist auf die Tatsache hin, dass der Oolong Tee im Himalaya angebaut wird – das ist ja allerhand.


Ich investiere ein Vermögen

13.45 Uhr Um insgesamt 40 Dollars ärmer, verlassen wir den Laden und nehmen uns das Recht heraus, in die benachbarte Eisdiele einzukehren, um lustige Eisbecher mit Sahne zu ordern. Nebenher frage ich David bezüglich seiner schulischen Laufbahn aus und vernehme, dass er ausschliesslich gute Noten mit nach Hause bringt und zu den besten Schülern seines Jahrgangs zählt – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.
14.30 Uhr Um keine Wurzeln zu schlagen, setzen wir unseren Bummel fort und schlendern entspanne an den zahlreichen Boutiquen vorbei. David kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und nötigt mich, in ein Schuhgeschäft einzukehren. Bevor ich mich versehe, flitzt der Frechdachs zu den Sportschuhen und nimmt ein Paar ADIDAS Schuhe aus dem Regal. Ich rolle demonstrativ mit den Augen und entgegne, dass diese Treter 150 Dollars kosten – wo soll das noch hinführen.
15.15 Uhr Nachdem wir die neuen NIKE Turnschuhe bestaunt haben, stehen wir wieder auf der Strasse und gönnen uns ein weiteres Eis in der Waffel. Ausserdem statten wir dem “Cambier Park” einen Besuch ab und verschaffen Hund Dixon etwas Auslauf – was kann es schöneres geben.
16.00 Uhr Als der Stundenzeiger meines goldenen Chronographens auf 4 zugeht, steigen wir ins Auto ein und krusen zügig von dannen. Ruckzucken fahren wir auf den Tamiami Trail auf und freuen uns auf das Abendessen in einem der besten Restaurants der Stadt. David plappert ohne Unterlass und kündigt an, ein grosses Steak mit Kartoffeln essen zu wollen – das hört sich verlockend an.

16.45 Uhr Pünktlich erreichen wir unser Ziel und treffen James, Amanda, Maria und Georg an einem schönen Tisch an. Die Leute begrüssen uns herzlich und erkundigen sich, ob wir ein passendes Geschenk für Frau Pontecorvo gefunden haben. Ich stimme prompt zu und zögere nicht, die Tageskarte aufzuschlagen und bei Wirtin Eva eine Gulaschsuppe sowie ein vitaminreiches Schnitzel Sandwich zu ordern. Nebenbei erfahre ich von Georg, dass es sich dieses Restaurant auf die Fahnen geschrieben hat, europäische Gerichte feilzubieten – das ist prima.
17.45 Uhr Nachdem wir die opulente Mahlzeit mit Schaumkaffees abgerundet haben, zückt mein Bruder seine Kreditkarte und bezahlt die Zeche aus der eigenen Tasche. Unterdessen reibe ich mir den Bauch und lasse die Anderen wissen, dass ich im “Alpine Restaurant” bald wieder essen werde.
18.30 Uhr Endlich bin ich wieder zu Hause und kann den langen Tag vor der Glotze ausklingen lassen. Als erstes schaue ich mir die Nachrichten auf FOX an und mache mich über die tagesaktuellen Geschehnisse schlau.
20.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit wechsle ich auf PBS und fröne einer Dokumentation, die sich mit dem schottischen Kindardine Castle beschäftigt. Ich mache grosse Augen und lerne, dass das stattliche Anwesen in der Grafschaft Aberdeenshire von zwei Rentnern bewohnt wird – das ist ja kaum zu glauben.
21.00 Uhr Ein schöner Fernsehabend geht zu Ende und ich lösche sämtliche Lichter. Zu guter Letzt streichle ich Dixon über den Kopf und lege mich schlafen. Gute Nacht.

15. August 2018 – Mariä Himmelfahrt (Assumption Day)

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Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Heimseitenbesucher,

in meiner weissblauen Heimat wird heute mit “Mariä Himmelfahrt” ein wichtiger Feiertag begangen. Wie jedes Kind weiss, geht besagte Feierlichkeit auf ein altertümliches Marienfest zurück, welches Cyrill von Alexandrien im 5. Jahrhundert einführte.

Bereits die Heiden feierten am 15. August mit Astraea einen Himmelstag, der an die Vergänglichkeit des Seins und an die Heiligkeit des Geistes erinnert sollte. Cyrill, der Patriarch von Alexandrien entschloss sich kurzerhand, dem heidnischen Firlefanz entgegenzuwirken und den Bürgern der altägyptischen Stadt Alexandrien den Glauben an die leibliche Aufnahme Marias in den Himmel schmackhaft zu machen. Aus diesem Grund veranstaltete der theologische Vordenker um 400 nach Christus ein rauschendes Fest zu Ehren der Gottesmutter. 1.550 Jahre später wurde der Feiertag von Papst Pius XII. zum Dogma erhoben und zählt seitdem zu einem der wichtigsten Feste des römisch-katholischen Glaubens – da kommt Freude auf.

Während der am heutigen Tage stattfindenden Gottesdienste rufen die Pfarrer und Priester dazu auf, zu Sträusse zusammengebundene Kräuter zum Altar zu bringen. Die geweihten Mariensträusse werden anschliessend in der guten Stube aufgehängt oder kranken Menschen überreicht.

Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika wird der Feiertag begangen. Hierzulande wird er jedoch “Assumption Day” genannt. Viele Christen pilgern heute in die Gotteshäuser, um zu beten und die heilige Maria anzurufen – wie schön.

Ich wünsche allen Heimseitenbesuchern einen gesegneten Feiertag.
Reinhard Pfaffenberg

14. August 2018 – Ximena

08.00 Uhr Pünktlich um Acht-Einhundert springt der Radiowecker an und ich habe das Vergnügen, ein stimmungsvolles Lied der aus Memphis, TN stammenden Musikformation “Lucero” zu lauschen. Während die fünf Naturburschen die Komposition “Among the Ghosts” (löblich: Unter den Geistern) trällern, rolle ich mich aus dem Bett und werfe prüfende Blicke auf den Jahreskalender. Im Handumdrehen wird mir klar, dass Frau Pontecorvo in 5 Tagen Geburtstag feiern wird – da kommt besonders grosse Freude auf.
08.30 Uhr Nach der Morgengymnastik kehre ich in die klimatisierte Stube zurück und nehme mir das Recht heraus, mich bei einem erfrischenden Wirbelbad zu entspannen. Währenddessen rufe ich bei meiner lieben Familie im Lowbank Drive an und frage Georg, ob wir meine Nachbarin mit einer kleinen Grillfeier überraschen sollten. Georg stimmt prompt zu und verspricht, für das Grillgut und die Getränke zu sorgen – wie aufregend.


Das Ferienhaus meiner Familie

09.30 Uhr Just als ich aus der Wanne hüpfe und zum Handtuch greife, bimmelt es besonders laut an der Pforte. Obgleich ich keinen Gast erwarte, werfe ich mir den Bademantel über und zögere nicht, zur Haustüre zu laufen und die Pforte schwungvoll zu öffnen. Zu allem Überfluss steht eine übergewichtige Ausländerin vor der kleinen Villa und plappert, dass sie von Frau Gomez gebeten wurde, meinen Haushalt auf Vordermann zu bringen. Selbstverständlich gebe ich mich skeptisch und zücke augenblicklich meine praktische Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry), um bei meiner mexikanischen Putzperle anzurufen. Bereits nach wenigen Sekunden habe ich die Dame am Rohr und informiere, dass vor wenigen Minuten eine kleinwüchsige Frau geklingelt hat. Frau Gomez nickt eifrig und bestätigt, dass Ximena (29) sehr fleissig ist und sie während ihrer Abwesenheit vertreten wird.


Meine praktische Schwarzbeere

10.00 Uhr Schlussendlich beende ich das Telefonat und winke Fräulein Ximena lächelnd herein. Die Reinigungsfachfrau macht sich sogleich ans Werk und flitzt mit dem Staubwedel durch sämtliche Zimmer. Unterdessen folge ich der fremden Dame auf Schritt und Tritt und bringe auf Anfrage heraus, dass Ximena ein beliebter mexikanischer Vorname ist. In diesem Zusammenhang verrät die Putzfrau, dass unter anderem die Gattin des spanischen Nationalhelden El Cid den gleichen Vorname hatte – das ist mir Wurst.
11.00 Uhr Nachdem ich sichergestellt habe, dass Ximena nicht nur mit dem Staubwedel, sondern auch mit dem Staubsauger umgehen kann, setze ich mir die NY YANKEES Kappe auf und scheuche Hund Dixon zum Nachbarhaus, um Frau Pontecorvo mit einem Besuch zu beglücken. Wie nicht anders zu erwarten, winkt mich meine Nachbarin zuvorkommend herein und verwöhnt mich mit hausgemachter Zitronenlimonade. Darüber hinaus fährt die Perle leckere Sandwiches (löblich: Wurstbrote) auf und animiert mich, kraftvoll zuzubeissen. Ich lasse mich nicht zweimal bitten und erkläre meiner Gastgeberin, dass ich heute leider auf ein opulentes Frühstück verzichten musste. In diesem Zusammenhang verweise ich auf Fräulein Ximena und stelle klar, dass Frau Gomez bis zum Monatsende verreist ist. Frau Pontecorvo schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und sagt, dass es gar nicht so leicht ist, seriöses Personal zu finden – das kann man ruhig laut sagen.


Frau Ximena schwingt den Wedel

12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, wische ich mir mit einer Serviette über den Mund und bedanke mich artig für Speis und Trank. Um meine Nachbarin nicht noch länger aufzuhalten, wünsche ich ihr einen schönen Nachmittag und breche mit dem Vierbeiner im Schlepptau zu einer entspannten Wanderung in Richtung des “La Playa” Golfplatzes auf – was kann es schöneres geben.
12.30 Uhr Während die Sonne vom Himmel brennt, werfe ich den Rüden Stöckchen zu und entschliesse mich, am Zuhause der abgehalfterten Hollywooddiva Merryl Dench vorbei zu laufen. Da sich Frau Denchs langjähriger Lebensgefährte im Vorgarten tummelt, halte ich kurz inne und frage Herrn West, wie es seiner Angetrauten geht. Der lustige Senior rückt prompt mit der Wahrheit heraus und berichtet, dass sich Frau Dench seit einer Woche auf einer Schönheitsfarm aufhält und sich einer aufwendigen Botox-Behandlung stellt – wie lächerlich.
13.00 Uhr Sechzig Minuten später stehe ich vor der Einfahrt zu Naples schönster Golfanlage und komme aus dem Schwitzen kaum mehr heraus. Trotz alledem mache ich kehrt und strebe mit schnellen Schritten nach Hause.
13.45 Uhr Endlich bin ich wieder dahoam und kann aus den Flip Flops schlüpfen. Ferner fülle ich gesundes ROYAL CANIN Trockenfutter in Dixons Napf und sehe mich in der guten Stube ganz genau um. Wohlwollend stelle ich fest, dass Frau Ximena beste Arbeit abgeliefert und sogar die Fenster geputzt hat.
14.45 Uhr Weil ich mich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten kann, bette ich mich auf dem Kanapee zur Ruhe und schliesse die Augen. Bereits nach wenigen Sekunden döse ich ein und träume von Frau Pontecorvos anstehender Geburtstagsfeier – das wird eine ganz grosse Gaudi.
15.45 Uhr Ich erwache ausgeruht und nehme am Schreibtisch platz, um Hilferufe besorgter Erziehungsberechtigter abzurufen. Natürlich quillt der elektronische Postkasten wieder einmal über und ich sehe mich genötigt, verzweifelten Heimseitenbesuchern bei schwerwiegenden Problemen zur Seite zu stehen.
16.30 Uhr Just als ich die Depesche eines 58jährigen Frührentners überfliege, kommt mein Haustier von seinem Ausflug an den Teich zurück. Ich mache grosse Augen und ärgere mich, weil der Vierbeiner seine Pfoten im kühlen Nass gebadet hat – gleich platzt mir der Kragen.


Hund Dixon hat gebadet

17.15 Uhr Nachdem ich die Anschnurseelsorge erledigt und das Fell meines tierischen Begleiters gebürstet habe, bereite ich das Nachtmahl vor. Fachmännisch schwenke ich Butterschmalz in einer Pfanne und lasse das Haustier wissen, dass wir uns nun ein vitaminreiches T-Bone Steak (löblich: T Knochen Schnitzel) gönnen werden.
18.00 Uhr Nach der Stärkung mache ich es mir im Wohnzimmer bequem und fröne den Abendnachrichten auf FOX. Unter anderem lerne ich, dass just heute vor 516 Jahren der italienische Seefahrer Christoph Kolumbus erstmals das amerikanische Festland betreten hat – wie aufregend.
19.00 Uhr Zur Hauptsendezeit erfreue ich mich auf HBO dem amerikanischen Zukunftsfilm “Space Cowboys”. Der Lichtspielhauserfolg aus dem Jahre 2000 versetzt mich ins Jahr 1958 und ich tauche in das Leben der vier tapfersten Testpiloten der US Air Force ein – da kommt Freude auf.
21.00 Uhr Als die preisgekrönte Hollywoodproduktion nach zwei Stunden und 5 Minuten zu Ende geht, unternehme ich mit Dixon einen letzten Rundgang durch den Garten. Danach lösche ich das Licht und gehe müde zu Bett. Gute Nacht.

13. August 2018 – Ein Telefon für David

08.00 Uhr Die 33. Woche des Kalenderjahres beginnt und ich fühle mich wie gerädert. Mit starken Kopfschmerzen rolle ich mich aus dem Wasserbett und erinnere mich, dass ich David (12) versprochen habe, ihn zum WAL MART SUPERCENTER am Juliet Boulevard zu begleiten. Missmutig trinke ich ein Glas Milch und ärgere mich, gestern Abend zu tief ins Glas geschaut zu haben – wo soll das noch hinführen.
08.45 Uhr Nachdem ich Dixons Napf mit Trockenfutter aufgefüllt und die Morgengymnastik absolviert habe, trotte ich in die Nasszelle und lasse die Seele bei einem erfrischenden Wirbelbad baumeln. Ferner rufe ich bei Edelbert an und erkundige mich, ob er sich wohl fühlt. Der schlaue Mann klagt ebenfalls über hämmernde Kopfschmerzen und mutmasst, dass er ein schlechtes Bier erwischt hat. Ich nicke eifrig und stelle klar, dass uns James womöglich heimlich Schnaps in die Hopfenkaltschalen geschüttet hat – was muss ich denn noch alles ertragen.


James hat uns Schnaps ins Bier geschüttet

09.45 Uhr Obgleich mich mein Grossneffe um 10 Uhr erwartet, setze ich mich an den Küchentisch und nehme im Beisein meines braven Haustieres ein kleines Frühstück ein. Ausserdem schlürfe ich brühfrischen Kaffee und vergesse auch nicht, eine weitere ASPIRIN Tablette einzunehmen – das tut gut.
10.30 Uhr Wie nicht anders zu erwarten, bimmelt schon bald das Festnetztelefon und ich sehe mich genötigt, mit David sprechen zu müssen. Der brave Bube kommt auf unsere Verabredung zu sprechen und beteuert, dass ich hoch und heilig versprochen habe, ihm beim Kauf eines neuen Handtelefons zu unterstützen. Laut seufzend bitte ich David um Verzeihung und merke an, dass ich ein vielbeschäftigter Rentner bin, der sehr viel um die Ohren hat. Trotzdem sichere ich dem Knaben zu, in wenigen Minuten loszufahren und alsbald im Lowbank Drive einzutreffen.
11.15 Uhr Um den Stammhalter der Familie Pfaffenberg nicht zu verärgern, komme ich in die Gänge und scheuche den Vierbeiner zum Auto. Im Anschluss kruse ich entnervt von dannen und fröne dem Qualitätsprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) – was kann es schöneres geben.


Katze Land – der beste Radiosender

11.45 Uhr Wenig später treffe ich vor dem Feriendomizil ein und werde bereits von David erwartet. Der Heranwachsende nölt in einer Tour und ermutigt mich, unverzüglich loszufahren und ihn zum WAL MART zu bringen. Ich rolle demonstrativ mit den Augen und erkläre dem Buben, dass in der Ruhe die Kraft liegt. Trotz aller Widrigkeiten lasse ich den Wählhebel der Automatikschaltung in der D-Stellung einrasten und fahren davon.
12.30 Uhr Nach 7 zurückgelegten Meilen erreiche ich mein Ziel und gebe dem schwanzwedelnden Vierbeiner zu verstehen, dass er uns nicht in die Markthalle begleiten kann. Da es ziemlich heiss ist, lasse ich kurzerhand den Motor laufen und eile mit David im Schlepptau ins Kaufhaus, um in der gutsortierten Elektronikabteilung nach einem Handtelefon Ausschau zu halten. Während mein kleinwüchsiger Begleiter die sündteuren Apfel (unlöblich: Apple) Produkte ins Visier nimmt, deute ich in Richtung eines preiswerten Blackberry (löblich: Schwarzbeere) Modells und informiere, dass ich selbst ein Telefon aus diesem renommierten Hause mein Eigen nenne. David rümpft desinteressiert die Nase und entgegnet, dass er von seinem Opa 500 amerikanische Dollars erhalten hat und ein Apfel Telefon aus der 5er Reihe kaufen wird – wie unlöblich.


David möchte ein Apfel Telefon

13.00 Uhr Nachdem ich mir für 30 Minuten die Beine in den Bauch stehen musste, fällt der Bube eine Entscheidung und wählt ein schwarzes Handtelefon aus. Ich atme tief durch und begleite meinen Grossneffen zur Kasse, wo wir aufgefordert werden, entweder ein Bündel Geldscheine oder eine Kreditkarte vorzuzeigen.
13.30 Uhr Um nicht Hunger leiden zu müssen, kehren wir nach dem Schoppingvergnügen in das benachbarte “Bob Evans” Gasthaus ein, um köstliche Burger mit Kartoffelstäben zu fressen. Während wir kraftvoll zubeissen, reisst David die Produktverpackung auf und plappert, dass das iPhone 5 prima ist und ihm gute Dienste leisten wird. Ich zucke mit den Schultern und unterbreite, dass strahlende Handtelefone auf Dauer krank machen. Der 12jährige ist jedoch ganz anderer Meinung und wirft ein, dass er stets für seine Freunde erreichbar sein muss – jaja.
14.30 Uhr Schlussendlich begleiche ich die Zeche aus der eigenen Tasche und laufe schnurstracks zum Auto zurück. Nachdem wir Dixon auf die Ladefläche geholfen haben, trete ich das Gaspedal bis zum Anschlag durch und bringe David sicher in den Lowbank Drive zurück.


Mein Zuhause unter Palmen

15.15 Uhr Um nicht den Nachmittag alleine im Willoughby Drive zubringen zu müssen, lade ich mich bei meiner Familie kurzerhand zu Kaffee und Kuchen ein. Während James und David das neue iPhone bestaunen, sitze ich mit Amanda, Maria und Georg in der Küche und öle meine ausgetrocknete Kehle. Nebenbei schimpfe ich auf die junge Generation und lege anschaulich dar, dass die Jungspunde nur noch Handtelefone und Heimrechner im Kopf haben. Amanda lacht laut und sagt, dass die Zukunft nicht mehr aufzuhalten ist – gleich platzt mir der Kragen.
16.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, die Zelte im Ferienhaus abzubrechen. Wie es sich gehört, lüfte ich meine NY YANKEES Kappe und wünsche meinen Verwandten einen angenehmen Fernsehabend. Danach kruse ich zügig nach Hause und freue mich auf ruhige Stunden in meinem kultivierten Zuhause – was kann es schöneres geben.
16.45 Uhr Zurück in der kleinen Villa, stelle ich beim Blick auf die Wanduhr fest, dass es mittlerweile Viertel vor Fünf Uhr geschlagen hat. Ruckzuck strebe ich in die Küche, um Bandnudeln mit einem herzhaften Tomatensösschen zu zaubern. Dazu gibt es ein perfekt eingeschenktes Bier mit Schaumkrone – da kommt Freude auf.

18.00 Uhr Nach einem reichhaltigen Nachtmahl strecke ich im Wohnzimmer die Beine aus und erfreue mich auf AMC dem nagelneuen Fernsehspiel “Lodge 49”. Die von der Presse hochgelobte Eigenproduktion erzählt aus dem Leben eines jungen Mannes, der sich einer geheimen Bruderschaft anschliesst – wie unheimlich.
20.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung beende ich den Fernsehabend und begleite Hund Dixon noch einmal in den Garten. Anschliessend reguliere ich die Klimaanlage und falle erschöpft ins Bett. Gute Nacht.