29. Mai 2017 – Memorial Day

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Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Tagebuchleser/innen,

weil heute in den Vereinigten Staaten von Amerika der „Memorial Day“ begangen wird, habe ich mich entschlossen, keinen Tagebucheintrag zu verfassen, sondern über den wichtigen Feiertag zu berichten.

Wie jedes Kind weiss, steht dieser Feiertag im Zeichen der im Krieg für Heimat und Vaterland gefallenen Soldaten. Im Jahre 1971 wurde der Memorial Day von Präsident Richard Nixon zu einem nationalen Feiertag erklärt. In allen amerikanischen Städten werden bei Feierlichkeiten all der Männer und Frauen gedacht, die im Kampf für die Freiheit gefallen oder im Dienste für das Vaterland umgekommen sind. Traditionell wird auf Friedhöfen und nationalen Gedenkstätten in allen Teilen des Landes die amerikanische Flagge auf Halbmast gehisst.

usa
Land of the Free, Home of the Brave

Ferner läutet der Memorial Day die „Summer Holidays“ (löblich: Sommerferien) ein. Viele Menschen krusen mit Wohnmobilen oder schicken Autos quer durch die USA, um Verwandte zu besuchen und/oder die Schönheit des Landes zu bewundern – das ist Romantik pur.

Ich werde den „Memorial Day“ zum Anlass nehmen, um mit Prof. Edelbert Kuhn, Georg und Maria Pfaffenberg sowie Frau Pontecorvo einen Veteranenumzug in der Nachbargemeinde Fort Myers, FL zu besuchen. Wir werden die Möglichkeit haben, an einer farbenfrohen Parade teilzunehmen und Uniformen aus dem zweiten Weltkrieg zu bewundern – wie aufregend.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg

27. und 28. Mai 2017 – Hilfe, die Eltern kommen

Hallo Leute,

eigentlich wollte ich über Pfingsten nach Florida düsen.
Leider kommt nun alles anders, denn meine Eltern haben sich entschlossen, vom 3. bis zum 9. Juni nach Bayern zu kommen. Natürlich werden die beiden im Pensionszimmer wohnen und mir ordentlich auf die Nerven gehen 😉


Meine Elteron wohnen im Pensionszimmer

Gestern habe ich mit meinem Vater telefoniert und erfahren, dass er sich mittlerweile über die stattfindenden Events in München schlau gemacht hat. Er möchte unbedingt die FC Bayern Erlebniswelt, das Deutsche Museum und die Sonderausstellung „Sixtinische Kapelle“ in der Alten Bayerischen Staatsbank besuchen. Für die Sonderausstellung hat er sogar schon Tickets im Internet geordert.

Die Schau macht vom 7. April bis zum 9. Juli in der Landeshauptstadt Station und bietet den Besuchern 34 farbechte Repliken der weltbekannten Fresken aus Rom. Die Ausstellung wurde von der Münchner Boulevardpresse hochgelobt und scheint ein richtiges Touristenmagnet zu sein. Wenn ich noch eine Eintrittskarte organisieren kann, werde ich meine Eltern eventuell begleiten.


Reinhard war in California

Übrigens ist mein Vermieter seit vergangenem Sonntag zurück im Sunshine State. Ich hab‘ am Montag mit Reinhard geskypt und erfahren, dass die Forschungsreise nach San Francisco und Berkeley sehr stressig war. Deswegen hat der Rentner die Woche etwas ruhiger angehen lassen und sich von den Strapazen entspannt 🙂

Okay, jetzt muss ich den Backofen vorheizen und in der Küche schuften.
Am Abend erwarte ich nämlich Cousin Bernd zum Essen.
Eure Sandra

26. Mai 2017 – Qualmende Rocker

07.45 Uhr Ich werde durch das stetige Dröhnen eines Motorrades geweckt. Verärgert eile ich zum Küchenfenster und erblicke auf dem Nachbargrundstück den Bruder von Frau Connor. Ich staune nicht schlecht und bemerke, dass Herr Jeffrey auf einem nagelneuen Motorrad vorgefahren ist. Weil ich über alles informiert sein muss, laufe ich badebemäntelt nach nebenan und stelle den Rocker zur Rede. Herr Jeffrey steckt sich eine PARLIAMENT Zigarette an und berichtet, dass er sich in der vergangenen Woche ein PS-strotzendes „Roadster“ Modell geleistet hat. Ich nicke eifrig und bin mir ziemlich sicher, dass der Gammler die Maschine aus Drogenverkäufen finanziert hat.


Bitte nicht rauchen

08.15 Uhr Als ich das Motorrad naserümpfend umrunde, gesellen sich die vorlauten Nachbarskinder Emily und Francis zu uns und freuen sich, ihren Onkel begrüssen zu können. Um mit den Dreikäsehochs nicht reden zu müssen, mache ich schnell kehrt und ziehe mich kopfschüttend in die Nasszelle zurück.
09.15 Uhr Kurz nach dem Neunuhrläuten steige ich aus der Badewanne und bereite in der Küche die wichtigste Mahlzeit des Tages vor. Wenig später kommt Edelberts schneeweisser JEEP vor der kleinen Villa zum halten und ich nehme mir das Recht heraus, den schlauen Mann herzlich Willkommen zu heissen. Der Professor reibt sich die Hände und beteuert, dass er grossen Hunger mitgebracht hat – das hört man gerne.
09.45 Uhr Während ich Kaffee, Rühreier und lustige Donuts auftische, kommt Edelbert auf den kommenden Montag zu sprechen und erinnert, dass am 29. Mai der „Memorial Day“ gefeiert wird. Ich schnalze zufrieden mit der Zunge und stelle klar, dass wir nach Fort Myers krusen und dem örtlichen Veteranenumzug beiwohnen sollten. Mein Tischnachbar schlägt in die gleiche Kerbe und kann es kaum noch erwarten, eine farbenfrohe Parade mitzuerleben und Uniformen aus dem zweiten Weltkrieg zu bewundern – das wird eine Gaudi.
10.30 Uhr Im weiteren Verlauf des zünftigen Beisammenseins, bringt Edelbert den Sommer ins Spiel und schlägt vor, dass es angebracht wäre, die heisse Jahreszeit in kühleren Gefilden zu verbringen. Ich nippe zufrieden am Kaffeehaferl und vernehme weiter, dass mein Bekannter mit dem Gedanken spielt, nach Kanada auszufliegen, um mit der „Canadian Pacific Railway“ (löblich: Kanadische Pazifische Eisenbahnlinie) quer durchs Land zu fahren. Ich gebe mich jedoch skeptisch und merke an, dass ich nicht mehr der Jüngste bin und keine grosse Lust habe, eine tagelange Eisenbahnfahrt auf mich zu nehmen – wo kämen wir denn da hin.


Wir schlendern zum Golfplatz

11.00 Uhr Nachdem wir aufgegessen haben, brechen wir zu einem Spaziergang auf und schlendern mit Hund Dixon im Schlepptau zum „La Playa Golflatz“. Nebenbei berichte ich von meinem Treffen mit Herrn Jeffrey und unke, dass man dem zigaretterauchenden Ganoven nicht über den Weg trauen kann. Edelbert gibt mir Recht und gibt vor, dass alle Rocker etwas auf dem Kerbholz haben – dem ist nichts hinzuzufügen.
11.45 Uhr Just als wir vor dem Haupttor der Golfanlage eintreffen, fährt plötzlich Scherriff Bradforts Polizeiwagen vor. Der Ordnungshüter schwingt sich behäbig aus seinem Chevrolet Silverado und lotet aus, ob wir die Schläger auf dem satten Grün schwingen wollen. Wir schütteln einhellig die Köpfe und geben vor, lediglich Hund Dixon auszuführen. Herr Bradfort wischt sich über die verschwitze Stirn und entgegnet, dass er im Vereinsheim einen wichtigen Informanten treffen wird – wie aufregend.


Wir treffen Sherriff Bradfort

12.30 Uhr Zurück im Willoughby Drive, verabschiede ich den Professor und freue mich auf ruhige Stunden. Bevor ich mir ein Päuschen gönne, fülle ich Dixons Napf mit Trockenfutter auf und fresse selbst ein Wurstbrot. Ausserdem schiele ich zu Frau Pontecorvos Zuhause und werde Zeuge, wie die Perle allerhand Freundinnen auf ihrer Terrasse bewirtet. Da ich keine Lust verspüre, mit den tratschenden Gänsen den Nachmittag zu verbringen, lasse ich die Rollos nach unten gleiten und falle dann aufs Kanapee – das tut gut.
13.30 Uhr Ich erwache ausgeruht und nutze die Nachmittagsstunden, um Anschnur zu gehen. Unter anderem arbeite ich Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher ab und lese zudem eine elektronische Depesche aus dem fernen Kanada. James hat auf meine Anfrage geantwortet und schreibt, dass er die Sommerferien nicht in Florida, sondern am Lake Simcoe verbringen wird – wie schade.


Die Kinder verbringen den Sommer am Lake Simcoe

14.30 Uhr Trotz aller Nackenschläge lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und geselle mich zum Vierbeiner in den Garten. Während ich ein süffiges Bier trinke, werfe ich den Rüden einen Tennisball zu und spiele mit der Idee, im Hochsommer nach Bayern auszufliegen, um Sandra sowie alte Kameraden wiederzusehen – das wäre schön.
15.15 Uhr Seufzend komme ich in die Gänge und mache es mir zur Aufgabe, die hochgewachsene Petersilie abzuernten. Während ich das Messer schwinge, kommt Frau Pontecorvo mit ihren tuschelnden Freundinnen daher und ermutigt mich, aus dem Doldengewächs ein leckeres Pesto zu zaubern. Darüber hinaus bringe ich in Erfahrung, dass die Weibsbilder am Abend ins Lichtspielhaus wandern werden – das soll mir auch Recht sein.
16.00 Uhr Nach getaner Arbeit kehre ich ins klimatisierte Haus zurück und nehme mir den Vorschlag meiner Nachbarin zu Herzen. Zungeschnalzend gebe ich die Petersilie mit Pinienkerne, Knoblauch und nativen Olivenöl in den Mixer und bereite im Handumdrehen eine lustige Pampe zu – wie gut das duftet.
17.00 Uhr Nachdem ich das feine Pesto in Einweckgläser abgefüllt habe, rufe ich Dixon ins Haus und koche unter den fordernden Blicken des Haustieres italienische Langnudeln auf. Schlussendlich verfeinere ich die Teigwaren mit der hausgemachten Sauce und lasse mir das Nachtmahl mit einem Glas Wein aus der Terrasse munden.


Prost

18.00 Uhr Als sich die Sonne hinter einer Palme verschwindet, räume ich den Tisch ab und nehme die Geschirrspülmaschine in Betrieb. Danach lege ich auf dem Sofa die Beine hoch und gebe mich den FOX Nachrichten hin.
19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit wähle ich das Programm von HBO aus und lasse beim abendfüllenden Spielfilm „Lost in Translation“ (löblich: Verloren in der Übersetzung) die Seele baumeln. Ich knabbere schmackhafte Kartoffelchips aus dem Hause Lay’s und tauche in das Leben eines Schauspielers ein, der in der japanischen Hauptstadt Pressetermine wahrnehmen muss.
21.00 Uhr Ein schöner Fernsehabend geht zu Ende und ich schalte die Glotze gähnend ab. Zu guter Letzt rufe ich Dixon ins Haus und lege mich schlafen. Gute Nacht.

25. Mai 2017 – Christi Himmelfahrt (Ascension Day)

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Sehr verehrte Damen und Herren,

nicht nur in Deutschland, Österreich und der Schweiz wird heute das Hochfest der Himmelfahrt des Herren gefeiert. Auch in den Vereinigten Staaten von Amerika sowie in Kanada sind die Christen aufgerufen, anlässlich des „Ascension Day“ die Gotteshäuser zu besuchen.

Wie jedes Kind weiss, wird Christi Himmelfahrt laut der Apostelgeschichte stets am 40. Tag des Osterfestkreises begangen. Im Lukasevangelium ist zu lesen, dass sich der Heiland während der vierzig Tage nach seiner Auferstehung mehrmals seinen Jüngern gezeigt hat und erst dann in den Himmel aufgestiegen ist. Darüber hinaus sind die neun Tage zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingsten die Zeit, in der besonders um die Herabkunft des heiligen Geistes gebeten wird – wie schön.

In Deutschland wird heute ausserdem Vatertag gefeiert.
Millionen betrunkene Väter werden den Feiertag ausnutzen, um sich auf ihre klapprigen Fahrräder zu schwingen und grölend ins Grüne zu radeln. Selbstverständlich gibt es diesen Unsinn in den USA und Kanada nicht. Stattdessen wird der sogenannte „Father’s Day“ am dritten Sonntag im Juli gefeiert.

Weil ich an Gott glaube, werde ich den Ascension Day nutzen, um gemeinsam mit Prof. Kuhn und Frau Pontecorvo die Kirche zu besuchen – da kommt besonders grosse Freude auf.

Ich wünsche allen Lesern und Leserinnen einen gesegneten Christi Himmelfahrtstag
Reinhard Pfaffenberg

24. Mai 2017 – Condoleezza Rice

08.00 Uhr Pünktlich zum Achtuhrläuten öffne ich die Augen und freue mich, einen weiteren Sonnentag im Rentnerparadies erleben zu dürfen – das ist prima.
08.30 Uhr Nach dem Frühsport fordere ich die AMAZON Lautsprechersäule auf, die kleine Villa mit prima Musik zu beschallen. ALEXA gehorcht mir aufs Wort und ich habe das Vergnügen, der aktuellen Kompaktscheibe des amerikanischen Ausnahmesängers John Moreland (31) zu lauschen. Während der Künstler seine Jugend in Oklahoma besingt, verabschiede ich mich ins Bad und lasse die Wirbelwanne mit Wasser volllaufen. Zudem rufe ich bei meinem Bruder an und erfahre, dass er die letzte Nacht auf einem wunderschönen Camping Ground (löblich: Wohnwagenplatz) an der Apalachee Bay verbracht hat. Georg ist begeistert und gibt mir zu verstehen, dass er gleich mit seiner Ehefrau nach Tallahassee kutschieren wird, um das alte Capitol (löblich: Rathaus) der Stadt zu besichtigen. Darüber hinaus vernehme ich, dass die lieben Leute am Nachmittag einen Spaziergang durch den weltbekannten „Alfred B. Maclay Garden“ unternehmen werden – das hört man gerne.


Meine Verwandten sind im Winnebago unterwegs

09.30 Uhr Nach Rosenöl duftend, hüpfe ich aus der Wanne und zögere nicht, mich ordentlich abzutrocknen und in Schale zu werfen. Anschliessend kontaktiere ich den Professor und kündige an, alsbald im Zentrum einzutreffen. Edelbert freut sich und sagt, dass er mich im Starbucks zum Frühstück erwarten wird – wie aufregend.
10.00 Uhr Just als Frau Gomez die Haustüre aufstösst, lasse ich den Autoschlüssel in meine Hosentasche wandern und rufe den Vierbeiner auf, mir nach draussen zu folgen. Meine Zugehfrau stellt sich mir jedoch in den Weg und unterbreitet, dass sie Waschpulver benötigt. Ich zucke mit den Schultern und entgegne, dass mir leider die Zeit fehlt, um im Supermarkt abzuschoppen. Um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen, schiebe ich die kleine Frau beiseite und laufe mit schnellen Schritten zum PS-strotzenden SUV.
10.45 Uhr Nach einer langen Parkplatzsuche kann ich den Chevrolet Suburban endlich vor dem besagten Kaffeehaus parken. Mit Dixon im Schlepptau eile ich in die Filiale und treffe Edelbert an einem Tisch mit Ausblick an. Weil mein Magen knurrt, fackle ich nicht lange und ordere zwei „Canadian Bacon & Egg Sandwiches“ (löblich: Kanadisches Schinken und Ei Brote) sowie einen grossen Becher „Veranda Blend“ Kaffee mit ganz viel Milch. Danach lasse mich neben dem Professor nieder und bringe heraus, dass er im Anschluss eine Buchhandlung aufsuchen möchte, um die neuerschienene Biografie „Democracy: Stories from the Long Road to Freedom“ aus Condoleezza Rices Feder zu kaufen. Ich mache grosse Augen und erinnere daran, dass die Negerin von 2005 bis 2009 Aussenministerin unter George W. Bush war und die Staaten Iran, Kuba, Myanmar, Nordkorea, Simbabwe und Weissrussland als „Vorposten der Tyrannei“ bezeichnet hat.


Frau Rice hat ein Buch geschrieben

11.45 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten stehen wir wieder auf der Strasse und statten dem Bookstore (löblich: Buchgeschäft) in der Nachbarschaft einen Besuch ab. Prompt werden wir fündig und vernehmen vom Geschäftseigentümer, dass der knapp 500 Seiten starke Wälzer mittlerweile die Bestsellerliste der „New York Times“ anführt. Ich überlege nicht lange und nehme mir ebenfalls ein Exemplar vom Regal.


Democracy von Condoleezza Rice

12.30 Uhr Nach dem Bezahlvorgang schlendern wir zum Auto und plaudern über dies und das. Prof. Kuhl reibt sich die Hände und meint, dass er sich nun die ersten Kapitel lesen wird. Ich schlage in die gleiche Kerbe und wünsche meinem Bekannten viel Vergnügen.
13.15 Uhr Zuhause angekommen, finde ich die kleine Villa redlichst herausgeputzt vor. Wie es sich gehört, fülle ich gesundes Trockenfutter in Dixons Napf und nehme mir das Recht heraus, eine Tiefkühlpizza im Ofen aufzubacken.
14.00 Uhr Ich lasse mir die Jause in der kühlen Wohnstube munden und blättere interessiert in Frau Rices Buch. Leider fallen mir schnell die Augen zu und ich sehe mich genötigt, die Beine auf dem Sofa hochzulegen.
15.00 Uhr Wenig später pocht Frau Pontecorvo an die Terrassentüre und erkundigt sich, ob sie mir beim Kaffeekränzchen Gesellschaft leisten darf. Ich nicke eifrig und mache mich augenblicklich am futuristischen DeLonghi Vollautomaten zu schaffen. Unterdessen wirft meine Nachbarin prüfende Blicke in die Memoiren der ehemaligen Aussenministerin und unkt, dass es mir schwer fallen muss, die englischen Fachbegriffe zu verstehen. Ich klopfe mir lachend auf die Schenkel und erwähne mit erhobenem Zeigefinger, dass mein Englisch perfekt ist.


Hund Dixon ist brav

16.00 Uhr Nachdem Frau Pontecorvo das Weite gesucht hat, breche ich mit dem Rüden zu einer Wanderung durch das Wohngebiet auf. Unter anderem schlendere ich am Haus von Herrn West vorbei und tratsche angeregt mit dem Ehemann der abgehalfterten Hollywooddiva Merryl Dench. Der Tattergreis lüftet seine Mütze und erzählt, dass seine Angetraute am Wochenende nach Los Angeles ausgeflogen ist – das soll mir auch Recht sein.
17.00 Uhr Wieder zurück in der kleinen Villa, schlüpfe ich aus den Flip Flops und gönne mir eine Hopfenkaltschale. Dazu gibt es ein mit Käse belegtes französisches Langbrot (unlöblich: Baguette) sowie köstliche Gurkenscheiben aus dem Glas – schmeckt gar nicht schlecht.


Ich schlüpfe aus den Flip Flops

18.00 Uhr Nach dem Nachtmahl mache ich es mir vor der Glotze bequem und schaue mir die Nachrichten an. Neben den üblichen Schreckensmeldungen aus dem alten Europa, lerne ich ausserdem, dass Morgen der „Ascension Day“ (löblich: Christi Himmelfahrt) gefeiert wird – wie schön.
19.00 Uhr Um auf andere Gedanken zu kommen, wechsle ich auf HBO und gebe mich dem Spielfilm „Complete Unknown“ (löblich: Komplett Unbekannt) hin. Ich staune Bauklötze und tauche in das Leben einer jungen Frau ein, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, ihre Mitmenschen Lügengeschichten aufzutischen – so ein Schmarrn.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Langeweile schalte ich den Flachbildschirm aus und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt lösche ich das Licht und falle übermüdet ins Bett. Gute Nacht.