28. Juli 2017 – Jimmy Hoffa

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Sehr geehrte Damen und Herren,

heute vor 42 Jahren – am 30. Juli 1975 – verschwand der Präsident der amerikanischen Transportgewerkschaft spurlos. Jimmy Hoffa wuchs in der Arbeiterstadt Detroit auf und verlies die Schule mit 14 Jahren. Danach arbeitete er in Lagerhallen und musste sich mit einem Stundenlohn von 32 Cent zufrieden geben. Anno 1932 organisierte der mittlerweile 19jährige einen Streik und fordere seinen Arbeitgeber auf, den Stundenlohn auf 45 Cent zu erhöhen. Nach seiner fristlosen Kündigung schloss er sich der Gewerkschaft der Transportarbeiter „TEAMSTERS“ an und stieg zu einem einflussreichen Funktionär auf.

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Jimmy Hoffa

Als Gewerkschaftsmitarbeiter musste er sich mit verwüsteten Büros, Verhaftungen, Schlägereien und explodierenden Autos auseinandersetzen. Trotz aller Widrigkeiten kletterte er die Karriereleiter unaufhaltsam empor und war schon bald Präsident der TEAMSTERS. Zeitgleich soll Jimmy Hoffa mit der Mafia krumme Geschäfte gemacht und ein kleines Vermögen angehäuft haben – wie unlöblich.

Als Robert Kennedy in den 1960er Jahren zum amerikanischen Justizminister ernannt wurde, intensivierte die Regierung den Kampf gegen das organisierte Verbrechen. Auch Jimmy Hoffa geriet ins Visier der Ermittler und wurde am 7. März 1967 wegen Betrugs, Bestechung und Verschwörung zu dreizehn Jahren Haft verurteilt.

Obgleich er bis zum Jahre 1980 einsitzen musste, wurde er am 23. Dezember 1971 überraschend durch den neuen amerikanischen Präsidenten Richard Nixon auf freien Fuss gesetzt. Jimmy Hoffa sammelte nach seiner Entlassung Stimmen für eine erneute Wiederwahl als Präsident der Transportgewerkschaft und zettelte viele Streiks an.

Am 30. Juli 1975 verschwand Jimmy Hoffa nach einem Mittagessen im „Machus Red Fox Restaurant“ in Bloomfield Hills, MI spurlos. Das FBI nahm sofort die Ermittlungen auf und konnte keine Beweise für ein Kapitalverbrechen finden. Trotzdem gehen die Ermittler davon aus, dass er noch am Tage seines Verschwindens ermordet wurde – das ist ja allerhand.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg

27. Juli 2017 – Zum Lake Erie

08.15 Uhr Ich stehe beschwingt auf und läute den letzten Donnerstag des Heumonats Juli mit dem Frühsport ein. Danach werfe ich mir den Morgenmantel über und statte Edelbert im Nachbarzimmer einen Besuch ab. Während der gute Mann seine Habseligkeiten in den Rollkoffer stopft, komme ich auf unsere anstehende Tagesetappe zu sprechen und stelle klar, dass wir in Richtung Detroit oder zum Lake Erie fahren können. Der Professor legt den Zeigefinger an die Unterlippe und meint, dass es eine Gaudi wäre, die kommende Nacht am wunderschönen Eriesee zu verbringen. Ich nicke zustimmend und entgegne, dass wir gegen 10 Uhr losfahren sollten – wie aufregend.


Hund Dixon biselt sich auf dem Parkplatz aus

08.45 Uhr Nachdem der Vierbeiner den Motelparkplatz eingehend inspiziert und einen zwielichtig dreinschauenden Penner angeknurrt hat, kehre ich in mein Zimmer zurück und dusche mich ab.
09.45 Uhr Wenig später werde ich frisch in Schale geworfen am Winnebago vorstellig und erfahre von Edelbert, dass wir spätestens morgen die Toilette entleeren sollten. Ich nicke eifrig und unterbreite, dass nun die Zeit gekommen ist, um ein einladendes Gasthaus anzusteuern. Der Professor hüpft ausgelassen auf den Beifahrersitz und lotst mich zielsicher zu einem „Wendy’s Restaurant“ an der High Street.
10.30 Uhr Nach einer dreiviertel Meile trete beherzt auf die Bremse und nehme mir das Recht heraus, das sperrige Wohnmobil im Parkverbot abzustellen. Im Anschluss schlendern wir hungrig in die gutbesuchte Wirtschaft und ordern vitaminreiche „Honey Butter Chicken Biscuits“ (löblich: Honigbutter Hühner Brötchen) sowie ein Halbes Dutzend „Mornin‘ Melt Paninis“ – schmeckt gar nicht schlecht.


Wiedersehen Columbus, OH

11.15 Uhr Bevor wir Columbus in Ohio hinter uns lassen, verabschiede ich mich in den Waschraum und wische mir einen Ketchupfleck vom Hawaiihemd. Ausserdem fahre ich mir mit den Fingern durchs Haar und komme beim Blick in den Spiegel zu dem Schluss, dass ich heute spitze aussehe – da kommt besonders grosse Freude auf.
11.30 Uhr Als die Zeiger meiner wertvollen ROLEX auf halb Zwölf zugehen, sitzen wir endlich im Travato und schicken uns an, auf der Interstate 71 stadtauswärts zu krusen. Während ich das PS-strotzende Gefährt auf 40 Meilen beschleunige, wirft Edelbert prüfende Blicke auf sein strahlendes Handtelefon und rechnet vor, dass wir in sechzig Minuten die Heimatstadt der „Rock and Roll Hall of Fame“ (löblich: Felsen und Rollen Halle des Ruhmes) erreichen werden. Ich winke demonstrativ ab und lasse meinen Nebenmann wissen, dass wir einen grossen Bogen um Cleveland machen sollten.
12.30 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, geht eine Kurznachricht auf meiner Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) ein. Ich reiche das Kommunikationsgerät spornstreichs an meinen Bekannten weiter und lerne, dass mir Guido eine Mitteilung geschickt hat. Mein unlöblicher Neffe schreibt, dass er nun mit Elsbeth nach Miami fahren und sich für zwei Wochen in ein luxuriöses Strandhotel einmieten wird. Kopfschüttelnd lasse ich das Telefon in der Hosentasche verschwinden und merke an, dass mir der Gammler gestohlen bleiben kann.


Guido ist ein Ganove

13.30 Uhr Nach 110 Meilen wechseln wir auf die Schnellstrasse 271 und rasen hupend an Cleveland vorbei. Edelbert hält interessante Fakten bereit und berichtet, dass die Gemeinde im Jahre 1796 von europäischen Siedlern gegründet wurde und heutzutage ein wichtiges Zentrum der amerikanischen Stahlindustrie ist. Ich staune Bauklötze und fahre alsbald auf die Interstate 90, die sich am Eriesee entlang bis nach Buffalo schlängelt. Unterdessen navigiert Prof. Kuhn durchs Internetz und vertellt, dass es sich anbieten würde, unser Nachtlager in Geneva-on-the-Lake aufzuschlagen – das soll mir Recht sein.
14.00 Uhr Während der einstündigen Reise brüht Edelbert im hinteren Teil des Wohnmobils Kaffee auf und serviert zudem reich belegte Wurstbrote. Ich beisse kraftvoll zu und erkläre Dixon, dass wir schon bald unser Ziel erreichen werden. Der Rüde wird augenblicklich hellhörig und hüpft auf seiner Liegepritsche aufgeregt auf und ab.
15.00 Uhr Schlussendlich passieren wir das Willkommensschild der 1.500 Einwohner zählenden Kleinstadt Geneva-on-the-Lake. Ich drossle die Geschwindigkeit und registriere, dass sich entlang der Hauptstrasse zahlreiche Motels angesiedelt haben. Wir fackeln nicht lange und steuern das „Sands Beach Resort“ am Eriesee an, um zwei Single-Rooms (löblich: Einzelzimmer) zu buchen. Der bierbäuchige Motelbesitzer heisst uns herzlich Willkommen und plappert davon, dass alle Zimmer mit Doppelbetten und Kochnischen ausgestattet sind.


Den Eriesee muss man gesehen haben

15.30 Uhr Völlig erschöpft parken wir den Winnebago auf dem Motelparkplatz und zögern nicht, die Räumlichkeiten ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Obgleich das Interieur viele Jahre auf dem Buckel hat, kommen wir zu dem Schluss, dass man hier durchaus eine gute Nacht verbringen kann.
16.30 Uhr Just als ich Dixon gesundes Trockenfutter bereitstelle, pocht Edelbert an die Türe und lädt mich ein, mit ihm zum Eriesee zu wandern. Darüber hinaus präsentiert der gute Mann ein Sechserpack Budweiser und wirft ein, dass er grossen Durst hat. Ich folge meinem Bekannten mit schnellen Schritten zum Ufer und lasse mich schnaufend auf einer Bank nieder. Der Professor folgt meinem Beispiel und prostet mir redlichst zu – wie schön.
17.30 Uhr Weil man nicht nur von flüssigem Brot leben kann, kehren wir nach dem Umtrunk in die „GOTL Brewing Company“ Wirtschaft ein und ordern deftige Cheeseburger mit Kartoffelstäben. Die nette Kellnerin lässt sich nicht lumpen und fährt sogar etwas Speck für den hechelnden Vierbeiner auf – wie aufmerksam.
18.30 Uhr Wir geniessen das Abendessen in vollen Zügen und verabreden, dass wir morgen bis zu den Niagara Fällen vorstossen und dort das Wochenende verbringen sollten. Edelbert reibt sich die Hände und kann es kaum noch erwarten, in der kommenden Woche die kanadische Grenze zu überqueren und meine Verwandten wiederzusehen.


Prost

19.30 Uhr Nach dem feinen Essen torkeln wir zum Motel zurück und trinken eine letzte Hopfenkaltschale auf der Veranda unserer Motelanlage. Währenddessen spielt Dixon mit einem Tennisball und macht grosse Augen, als sich aus der Dämmerung plötzlich ein stattlicher Retriever nähert. Als ich die Bierflasche beiseite stelle, gesellt sich eine kleine Frau (56) zu uns und informiert, dass sie und ihr Haustier im Motelzimmer 17 untergebracht sind. Wir geben uns erleichtert und bringen heraus, dass Frau Abby eine Vertreterin ist und morgen nach Chicago weiterreisen wird.
20.00 Uhr Nachdem die Sonne im Eriesee versunken ist, schüttelnd wir Hände und kehren auf die Zimmer zurück. Gute Nacht.

26. Juli 2017 – Von Huntington, WV bis nach Columbus, OH

08.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und ziehe die Vorhänge auf, um auf den Ohio River zu blicken. Nebenher berichte ich dem gähnenden Rüden, dass sich der grösste Nebenfluss des Mississippi auf über 1.000 Meilen durch den Osten der Vereinigten Staaten schlängelt – das ist phantastisch.
08.30 Uhr Nachdem ich den Frühsport im Hotelzimmer absolviert habe, rufe ich bei Edelbert an und vernehme, dass wir zeitnah aus dem „Pullman Plaza Hotel“ in Huntington, WV austschecken und gen Norden krusen sollten. Ich stimme zu und verspreche, dass ich in einer Stunde im hauseigenen „Patio Restaurant“ sein werde.
09.30 Uhr Nach einer Dusche nehme ich die auf der Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) eingegangenen Mittelungen in Augenschein und bringe heraus, dass meine Schwester und Guido noch immer in Naples verweilen und am Abend bei Frau Pontecorvo eingeladen sind. Ich lache laut und lasse es mir nicht nehmen, meiner Nachbarin per Kurzdepesche klarzumachen, dass es Guido faustdick hinter den Ohren hat.


Meine Schwarzbeere

10.00 Uhr Wenig später werde ich im Frühstücksraum vorstellig und wünsche dem Professor einen guten Morgen. Mein Bekannter plappert ohne Unterlass und erzählt, dass wir heute Ohio durchqueren und am frühen Nachmittag die Hauptstadt Columbus erreichen werden. Ich nicke eifrig und ordere bei einer beschürzten Kellnerin ein grosses Frühstück.
10.45 Uhr Im Anschluss bringen wir die Schlüsselkarten zum Empfang und schicken uns an, mit dem Haustier zum Fluss zu schlendern. Während der Vierbeiner unentwegt schnüffelt, deute ich zum anderen Ufer und informiere, dass der reissende Strom West Virginia von Ohio trennt. Der Professor schlägt in die gleiche Kerbe und vertellt, dass der bekannte John Denver Gassenhauer „Take Me Home, Country Roads“ (löblich: Bring mich nach Hause, Landstrassen) seit 2014 die offizielle Hymne des Bergstaats West Virginia ist – wie aufregend.

11.30 Uhr Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, kehren wir zum WINNEBAGO zurück und gleiten voller Abenteuerlust vom Hotelparkplatz. Obgleich ich der viel bessere Fahrer bin, überlasse ich Edelbert das Steuer und halte ihn an, dem Highway 52 nach Nordwesten zu folgen – da kommt besonders grosse Freude auf.
12.00 Uhr Während die Landschaft an uns vorbeizieht, nippe ich genüsslich an einer Coladose und lasse Edelbert wissen, dass ich heute auf den Tag genau seit 40 Jahren unfallfrei im Strassenverkehr unterwegs bin. Mein Begleiter ruft sich den 26. Juli des Jahres 1977 ins Gedächtnis und erinnert, dass ich damals im Vollrausch die Kontrolle über meinen OPEL DIPLOMAT verloren und eine Strassenlampe umgefahren habe – wie lustig.
13.00 Uhr Unter anderem rasen wir am „Crows City Wildlife Area“ vorbei und lernen, dass dieser 48 Quadratkilometer grosse Forst bei Wanderern äusserst beliebt ist. Darüber hinaus passieren wir auch die Gemeinde Chillicothe, die nach dem Indianerstamm der Chilacatha benannt wurde. Prof. Kuhn ist begeistert und setzt mich darüber in Kenntnis, dass in dieser Gegend auch die Shawnee Indianer gelebt haben, die dem Häuptling Tecumseh unterstellt waren – wie schön.


Tecumseh war eine stolze Rothaut

14.00 Uhr Nach einer knapp zweieinhalbstündigen Hochgeschwindigkeitsfahrt tut sich die Himmelslinie der Grossstadt Columbus am Horizont auf. Weil in der Hauptstadt des Bundesstaates viele deutschstämmige Immigranten leben, fassen wir den Entschluss, die Interstate 71 zu verlassen und den schicken Vorort „German Village“ zu besuchen. Nach kurzer Suche parken wir das Wohnmobil vor dem „German Village Inn“ und bringen an der Rezeption heraus, dass eine Übernachtung 71 Dollars kosten soll. Wir gehen prompt auf das Angebot ein und haben das Vergnügen, zwei gemütlich eingerichtete Zimmer im Erdgeschoss zugewiesen zu bekommen.


Willkommen in Columbus, OH

15.00 Uhr Nachdem wir uns kühle Biere aus dem Minibar gegönnt und uns erfrischt haben, nehmen wir Dixon an die Leine und brechen bei angenehmen Temperaturen zu einem ausgedehnten Spaziergang auf. Wir schlendern beeindruckt durch das historische Stadtviertel und beäugen wunderschöne Backsteingebäude, die im viktorianischen Stil erbaut wurden. Ferner vertreten wir uns auch im „Schiller Park“ die Beine und lesen auf einer Informationstafel, dass diese Grünanlage an den deutschen Dichter Friedrich Schiller erinnern soll.
16.00 Uhr Anschliessend kühlen wir uns in der St. Mary’s Church redlichst ab und nehmen uns das Recht heraus, ein Gebet zu sprechen. Leider gesellt sich alsbald der Pfarrer an unsere Seite und unterbreitet, dass Hunde in seinem Gotteshaus nichts verloren haben – wie unlöblich.
16.45 Uhr Kurz vor dem Fünfuhrläuten finden wir uns plötzlich vor „Schmidt’s Sausage House“ (löblich: Schmidts Wursthaus) wieder und lernen, dass in diesem Gasthaus vitaminreiche Speisen nach deutschen Rezepten serviert werden. Da unsere Mägen laut knurren, stossen wir spornstreichs die Pforte auf und ordern zwei Schweineschnitzel mit Pilzsauce und Kartoffelbrei. Dazu gibt es süffiges Coors Bier und als Nachspeise hausgemachten Apfelstrudel mit Vanilleeis – schmeckt gar nicht schlecht.
18.00 Uhr Nachdem wir einer Bedienung 75 Dollars überlassen haben, begeben wir uns auf den Heimweg. Ich komme aus dem Schnaufen gar nicht mehr heraus und erkläre meinen Begleiter, dass ich viel zu viel gegessen habe. Der Professor stimmt zu und meint, dass er sich nun aufs Ohr legen wird – das ist eine hervorragende Idee.

19.00 Uhr Zurück im „Village Inn“ wünsche ich dem Professor eine angenehme Nacht und verabschiede mich winkend auf mein Zimmer. Wie es sich als Tierfreund gehört, fülle ich Dixons Napf mit Trockenfutter auf und vergesse auch nicht, frisches Wasser bereit zu stellen. Danach verschwinde ich im Bad und beschliesse den spannenden Tag mit einem Vollbad – das tut gut.
20.00 Uhr Während die Klimaanlage surrt und Dixon einen Kauknochen verdrückt, falle ich erschöpft ins viel zu weiche Bett und schaue etwas fern. Weil ich die Augen vor Müdigkeit kaum aufhalten kann, betätige ich zeitnah den OFF (löblich: AUS) Knopf auf der neumodernen Fernbedienung und döse schnell ein. Gute Nacht.

25. Juli 2017 – Daniel Wheeler Bursch

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Sehr geehrte Damen und Herren,

den heutigen Tagebucheintrag möchte ich Herrn Daniel Wheeler Bursch widmen, der just heute vor 60 Jahren geboren wurde.
Der gute Mann wuchs im ländlichen Pennsylvania auf und war besonders an der Physik interessiert. Mit 22 Jahren schloss der die „United States Naval Academy“ mit Auszeichnung ab und schrieb es sich auf die Fahnen, bis 1989 bei der Marine als Pilot zu dienen. Herr Bursch konnte 3.400 Flugstunden aufweisen und war in der Lage, 35 verschiedene Flugzeugtypen zu steuern.

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Daniel Wheeler Bursch

Im Jahre 1990 hatte er das grosse Glück, von der NASA für einen Weltraumeinsatz ausgewählt zu werden. Drei Jahre später flog er mit der „Discovery“ ins All und absolvierte mit seinen Kollegen James Newman und Carl Walz unter anderem einen siebenstündigen Ausseneinsatz, bei dem Werkzeuge zur Reparatur des Hubble-Teleskops getestet wurden.

Am 30. September 1994 durfte Dan Bursch mit der Raumfähre „Endeavour“ erneut ins All fliegen und 182 Erdumrundungen miterleben. Die Mission STS-68 hatte das Ziel, das sogenannte „Space Radar Laboratorium“ auszuprobieren.

Anno 1996 wurde Daniel Bursch zusammen mit John Casper, Curtis Brown, Marc Garneau, Mario Runco und Andrew Thomas mit der Mission STS-77 betraut. Abermals startete die „Endeavour“ vom Kennedy Space Center auf Merritt Island, FL und brachte die Astronauten in den Weltraum. Dort wurde ein Satellit ausgesetzt und im Spacelab eine Reiche kommerzieller Untersuchungen im Bereich der Biotechnologie durchgeführt.

Zu guter Letzt startete Bursch am 5. Dezember 2001 im Rahmen der „ISS Expedition 4“ ins All. In seiner Funktion als Leitender Ingenieur wurde er auf der „Internationalen Raumstation ISS“ eingesetzt und verweilte für 195 Tage, 19 Stunden und 39 Minuten im Weltraum. Dan Bursch und sein Kompagnon Carl Walz hielten bis 2007 den Rekord für den längsten einzelnen amerikanischen Raumflug.

Nach der ISS-4 Expedition schied Bursch aus dem aktiven Dienst aus. Er lebt heute mit seiner Familie in Vestal, NY und steht der NASA immer noch als Berater zur Seite.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg

24. Juli 2017 – Auf nach Charlotte

08.00 Uhr Während ich gähnend aufstehe und ins Bad schlendere, schnappt sich Hund Dixon eines seiner Spielzeuge und fabriziert Quietschlaute am laufenden Band. Angesichts dieser Kakophonie schlüpfe ich kopfschüttelnd aus dem Schlafanzug und nehme mir das Recht heraus, mich kalt abzuduschen – das tut gut.


Hund Dixon quietscht

08.30 Uhr Leider wird die himmlische Ruhe alsbald durch sehr aggressives Telefonläuten unterbrochen. Zu allem Überfluss wünscht mir meine Schwester einen guten Morgen und behauptet, dass sie in Begleitung ihres Sohnes am Wochenende in Naples eingetroffen ist. Elsbeth seufzt laut und unterbreitet, dass sie seitdem mehrmals an meiner Pforte geklingelt hat. Ich lache schelmisch und entgegne, dass ich kurzfristig verreisen musste und erst im September nach Florida zurückkehren werde. Darüber hinaus weise ich auf die Tatsache hin, dass ich keine Lust habe, mich mit Guido zu versöhnen. Bevor Elsbeth Widerworte findet, beende ich das Telefonat und werfe meine Habseligkeiten in den Rollkoffer.
09.30 Uhr Kurze Zeit später pocht Edelbert an meine Zimmertüre und vertellt, dass nun die Zeit gekommen ist, um der schönen Stadt Savannah Lebewohl zu sagen. Ich schlage in die gleiche Kerbe und schicke mich an, das Reisegepäck zum Aufzug zu schleppen. Während wir in die Tiefgarage fahren, schnalze ich mit der Zunge und stelle klar, dass ich mich im „Hilton Garden Inn“ pudelwohl gefühlt habe. Der Professor nickt eifrig und meint, dass wir nun im hauseigenen „John Ryans Bistro“ frühstücken sollten.


Savannah muss man gesehen haben

10.00 Uhr Während wir brühfrischen Bohnentrunk schlürfen und uns Leckereien vom Büfett schmecken lassen, komme ich auf Elsbeths Anruf zu sprechen und zeige auf, dass sich Guido seit dem Wochenende in Naples tummelt. Mein Tischnachbar tupft sich mit der Serviette den Mund ab und wirft ein, dass es eine hervorragende Entscheidung war, mit dem Wohnmobil nach Norden zu fahren – wie wahr.
10.30 Uhr Bevor wir Savannah hinter uns lassen, vertreten wir uns die Beine und unternehmen mit dem Vierbeiner einen Spaziergang zum Savannah River. Unter anderem nehmen wir einen vor Anker liegenden Schaufelraddampfer in Augenschein und erfahren anhand einer Informationstafel, dass der Strom im 18. Jahrhundert ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung von Georgia war – wie aufregend.
11.15 Uhr Wenig später sitzen wir im WINNEBAGO und gleiten zu den Klängen des lokalen Landmusiksenders KIX96 gen Norden davon. Um schneller voran zu kommen, folgen wir der Interstate 95 und fassen den Entschluss, bis zum Abend Charlotte in North Carolina zu erreichen.
11.00 Uhr Da der Savannah River auf knapp 300 Meilen die natürliche Grenze zu South Carolina bildet, finden wir uns im Handumdrehen im Nachbarstaat wieder. Mein Begleiter hält wissenswerte Fakten bereit und belehrt, dass der sogenannte „Palmetto State“ sehr ländlich geprägt ist und im nationalen Bruttoinlandsvergleich lediglich auf dem fünftletzten Platz rangiert – das soll mir auch Recht sein.


Meine GLOCK G32

12.45 Uhr Als wir die Kleinstadt Walterboro passieren, bitte ich Edelbert, mein Handtelefonladekabel aus dem Rollkoffer zu holen. Als sich der schlaue Mann an meinem Gepäckstück zu schaffen macht, fällt ihm plötzlich die GLOCK ins Auge. Edelbert schimpft wie verrückt und macht mich auf den Umstand aufmerksam, dass es nicht erlaubt ist, Schusswaffen über Staatsgrenzen zu transportieren. Der Professor rauft sich die Haare und sagt, dass wir bei einer Polizeikontrolle verhaftet werden könnten – papperlapapp.
13.30 Uhr Nachdem wir ein stattliches Autobahnkreuz hinter uns gelassen haben, nähern wir uns der Hauptstadt von South Carolina. Um dem Haustier etwas Gutes zu tun, verlassen wir die Schnellstrasse und parken das Gefährt vor dem Haupteingang des „Congaree National Park“. HEUREKA – diese Idylle muss man erlebt haben.


Der Congaree National Park

14.00 Uhr Während der Rüde durchs hohe Gras streift, hole ich das Schiesseisen hervor und erkläre Edelbert, dass ich die GLOCK im Badezimmer verstecken werde. Der Professor tippt sich an die Schläfe und macht es sich zur Aufgabe, zwei Dosen „Cheese Ravioli“ (löblich: Käseravioli) hervorzuholen und den Gasherd in Betrieb zu nehmen.
14.30 Uhr Just als ich zum Besteck greife und mich über die Mahlzeit hermache, fährt ein grimmig dreinschauender Parkwächter vor und plappert, dass das Lagern und Zelten auf dem Parkgelände unter Strafe steht. Wir winken demonstrativ ab und geben dem Knecht zu verstehen, dass wir in wenigen Minuten weiterfahren werden.
15.15 Uhr Im Anschluss preschen wir an der 140.000 Einwohner zählenden Grossstadt Columbia vorbei und kommen zu dem Schluss, dass wir unser Ziel in 90 Minuten erreichen werden. Edelbert freut sich und hält auf seinem Handtelefon nach einer bezahlbaren Bleibe Ausschau. Nach wenigen Augenblicken wird der schlaue Mann fündig und kündigt an, dass wir die Nacht im „Westin Hotel“ in Downtown verbringen werden – das ist phantastisch.
16.15 Uhr Nach 250 Meilen erblicken wir das Willkommensschild von Charlotte am rechten Strassenrand. Ich drossle die Geschwindigkeit und bitte meinen Begleiter, mich zum Hotel zu lotsen.
17.00 Uhr Nachdem wir am Empfang vorstellig geworden sind und die Koffer auf die Zimmer gebracht haben, erkunden wir mit Hund Dixon im Schlepptau die Umgebung. Unter anderem laufen wir am „Charlotte Convention Center“ vorbei und bemerken, dass die Stadt kaum Sehenswürdigkeiten bietet – wie schade.


Ich proste Edelbert redlichst zu

18.00 Uhr Trotz alledem lassen wir uns die gute Laune nicht verderben und kehren hungrig und durstig in „Moe’s Restaurant“ ein, um den langen Tag mit süffigen Hopfenkaltschalen und herzhaften Nachos ausklingen zu lassen. Nebenbei kontaktiere ich Frau Pontecorvo und vernehme, dass sie am Montag das Vergnügen hatte, meine Schwester und Guido kennen zu lernen. Die Alte redet ohne Unterlass auf mich ein und vertritt die Meinung, dass mein Neffe ein sehr freundlicher und umgänglicher Zeitgenossen ist – wie unlöblich.
19.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 7 deutet, treffen wir wieder im Hotel ein. Mit letzter Kraft schleppe ich mich aufs Zimmer und vergesse auch nicht, Dixon gesundes Trockenfutter und durstlöschendes Wasser zu kredenzen. Danach trotte ich ins Bad und entspanne mich bei einem Vollbad mit Schaum.
20.00 Uhr Zu guter Letzt ziehe ich die Vorhänge zu und animiere den Rüden, zu mir ins Bett zu hüpfen. Gute Nacht.