30. Dezember 2016 – Feuerwerk

08.00 Uhr Pünktlich um Null-Acht-Hundert springt der Radiowecker an. Ich hüpfe juchzend aus dem Bett und freue mich, weil die Sonne durchs Fenster lacht. Als ich jedoch in den Garten spähe, stelle ich mit grosser Sorge fest, dass es während der Nacht erneut geschneit hat – wo soll das noch hinführen.


Der Radiowecker springt an

09.00 Uhr Nach der Morgenwäsche rutsche ich auf dem Treppengeländer nach unten und werde von Hund Dixon freudig begrüsst. Ausserdem treffe ich in der Küche nicht nur Georg und Maria, sondern auch Edelbert, Sandra sowie James, Amanda und den kleinen David an. Ich kneife meinen Grossneffen in die Backe und frage an, was heute auf dem Programm steht. Der Bube strahlt über das ganze Gesicht und ermutigt mich, mit ihm in die Stadt zu krusen und Silvesterraketen einzukaufen. Natürlich nicke ich eifrig und entgegne, dass wir in Chinatown bestimmt fündig werden. James kommt aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und kündigt an, dass ich nach dem Abschoppen pleite sein werde. Ich winke demonstrativ ab und mache mich über ein leckeres Frühstück in Form von gebackenen Speckstreifen, Rühreiern und köstlichen Pfannkuchen her – schmeckt nicht schlecht.
10.00 Uhr Als ich auf den Tisch poche und Edelbert aufrufe, in die Gänge zu kommen, windet er sich aus der Verantwortung und meint, dass er nicht mitkommen wird. Darüber hinaus erfahre ich, dass mein Bekannter mit Sandra den CN Turm besichtigen wird – das ist ja allerhand.


Der CN Turm

10.30 Uhr Trotz alledem lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und eile mit Dixon im Schlepptau zu James TOYOTA. Mein löblicher Neffe reibt sich die Hände und plappert, dass sich der Vierbeiner die Rückbank mit David teilen muss. Ich stimme zu und vernehme ausserdem, dass Amanda bei Maria bleiben wird, um Vorbereitungen für die morgige Silvesterfeier zu treffen – wie schön.
10.45 Uhr Während wir bei -11°C auf der Yonge Street gen Süden preschen, nehme ich die Innenausstattung des PRIUS eingehend in Augenschein und komme zu dem Schluss, dass das Auto super ist. James lobt das KFZ ebenfalls über den Schellenkönig und beteuert, dass im Kofferraum genügend Stauraum vorhanden ist, um mehrere Gitarren sowie eine Verstärkereinheit zu transportieren. In diesem Zusammenhang kommt der Bube auf die NORTHSTAR Tournee zu sprechen und unterbreitet, dass seine Bande in diesem Jahr lediglich drei Dutzend Auftritte in Ontario sowie im amerikanischen Bundesstaat New York gespielt hat. Zudem lerne ich, dass er im kommenden Jahr viele Konzerte entlang der Ostküste bestreiten und womöglich auch in Miami pörformen wird.
11.30 Uhr Kurz vor dem Mittagsleuten schlittern wir durch Chinatown und haben das Glück, direkt vor dem „Chinatown Centre“ an der Cameron Strasse einen Parkplatz zu ergattern. Wir hüpfen ausgelassen aus dem Auto und schicken uns an, mit Hund Dixon nach Böller Ausschau zu halten.
12.00 Uhr im „Ming Mine Shop“ werden wir fündig und investieren ein kleines Vermögen in Bodenkreisel, Feuerwerkbatterien, Kugelkopfraketen, Feuerringe und Lanzenlichter. David ist ganz aus dem Häuschen und wirft ein, dass wir unbedingt ein Bleigiesset einkaufen sollten – das ist doch eine Selbstverständlichkeit.


Ich rücke mir die NY YANKEES Mütze zurecht

13.00 Uhr Nach einer Stunde stehen wir wieder auf der Strasse und James rechnet vor, dass ich für die Feuerwerksutensilien 250 Dollars ausgegeben habe. Ich rücke mir die NY YANKEES Mütze zurecht und informiere, dass ich genügend Geld habe und Gott sei Dank nicht auf den Taler achten muss. Meine Begleiter zucken mit den Schultern und sind einhellig der Meinung, dass ich sie jetzt in ein Chinarestaurant einladen könnte – wie unlöblich.
13.45 Uhr Missmutig lotse ich jungen Leute ins „Pho Ai My“ und erkläre einem Kellner, dass Dixon seit vielen Jahren mein treuer Blindenhund ist. Nach langem Hin und Her willigt der Knecht ein und weist uns einen Tisch mit Ausblick auf die Sullivan Strasse zu. Hungrig schlagen wir die Tageskarte auf und ordern kurzerhand Chicken Curry sowie durstlöschende Diät Colas.


Bald reise ich nach Florida

14.15 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, bringe ich meine Abreise in der kommenden Woche zur Sprache und stelle klar, dass es ein Spass werden wird, mit dem WINNEBAGO nach Florida zu krusen. James schlägt in die gleiche Kerbe und ermutigt mich, einige Tage in New York zu bleiben und Thomas Kronach zu besuchen – jaja.
14.45 Uhr Nun ist die Zeit gekommen, um nach Hause zu fahren. Ich winke den Kellner an den Tisch und begleiche die Rechnung mit bunten Scheinen. Anschliessend verlassen wir die Wirtschaft und laufen zum Auto zurück.
15.30 Uhr Im Stadtteil York angekommen, schleppen wir die Einkaufstüten ins Zuhause meines Bruders und lassen Maria und Amanda wissen, dass einem erquickenden Silvesterfeuerwerk nun nichts mehr im Wege steht. Meine Schwägerin schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und erinnert, dass wir morgen einen waschechten Politiker sowie den stellvertretenden Scheff der „Toronto Transit Commission“ (löblich: Toronto Verkehrsausschuss) zu Gast haben werden – das ist mir Wurst.
16.15 Uhr Nachdem ich mit den Kindern Kaffee getrunken und Kuchen gegessen habe, falle ich erschöpft aufs Kanapee und schliesse die Augen. Ich döse bald ein und sehe mich im Traum an den Barefoot Beach (löblich: Barfuss Strand) nach Naples versetzt – da kommt besonders grosse Freude auf.


Ich träume von Naples

17.15 Uhr Leider ist mir die Ruhe nicht lange vergönnt. Als der Minutenzeiger meiner ROLEX auf Viertel nach 5 zugeht, weckt mich Sandra und teilt mir mit, dass es ein einmaliges Erlebnis war, von der Aussichtsplattform des CN Turms auf die Stadt zu blicken. Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen und erwidere, dass ich währenddessen ordentlich abgeschoppt und ein extraordinäres Mittagessen in einem chinesischen Restaurant genossen habe.
17.45 Uhr Wenig später ruft uns Maria in die Küche und verwöhnt uns mit einem vegetarischen Nudelauflauf. Ich probiere vorsichtig und gebe meiner Schwägerin mit erhobenem Zeigefinger zu verstehen, dass der Jause die Fleischeinlage fehlt. Sandra rollt mit den Augen und belehrt, dass übermässiger Fleischgenuss zu Fettleibigkeit und Gehirnbrand führen kann – so ein Schmarrn.

18.30 Uhr Nachdem die Kinder das Weite gesucht haben, mache ich es mir neben Sandra auf dem Wohnzimmersofa bequem und vernehme, dass HBO heute den nervenaufreibenden Kriegsfilm „Eye in the Sky“ (löblich: Auge im Himmel) zeigen wird. Ich mache der Maid die Fernbedienung streitig und fröne als erstes den Nachrichten auf CBC.
19.15 Uhr Zur sogenannten Prime Time (löblich: Hauptfernsehzeit) leisten uns Maria, Georg und Edelbert Gesellschaft. Bei süffigem Rotwein und schmackhaftem Christstollen wechsle ich auf HBO und gebe mich den Abenteuern eines Drohnenpiloten hin, der mit der Aufgabe betraut wird, Terroristen im kenianischen Nairobi zur Strecke zu bringen – da kommt Spannung auf.
21.15 Uhr Nach einhundertzwanzigminütigem Nervenkitzel flimmert der Abspann über den Bildschirm. Ich atme tief durch und komme zu dem Ergebnis, dass ich selten einen spannenderen Film gesehen habe. Danach nippe ich ein letztes Mal am Weinglas und wünsche den anderen süsse Träume. Gute Nacht.

20. Dezember 2016 – Ein schöner Christbaum im Eaton Centre

08.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und friere wie ein Schneider. Zudem fällt mir auf, dass das Fenster vereist ist und mir der Blick nach draussen verwehrt bleibt. Nörgelnd werfe ich die Bettdecke beiseite und komme zu dem Schluss, dass es keine gute Idee war, das Jahresende im verschneiten Kanada zu verbringen.
08.45 Uhr Nachdem ich mich heiss abgeduscht habe, schlüpfe ich in Winterkleidung und vergesse auch nicht, die Mondstiefel anzuziehen. Danach schleppe ich mich ins Parterre und stelle fest, dass sich meine Verwandten mittlerweile in der weihnachtlich geschmückten Küche eingefunden haben. Ich begrüsse meinen Bruder sowie Schwägerin Maria herzlich und gebe zu Protokoll, dass das Wetter nicht nach meinem Geschmack ist. Georg klopft sich auf die Schenkel und entgegnet, dass Hund Dixon angesichts des Schneefalls ganz aus dem Häuschen war und mit Edelbert zu einem Spaziergang aufgebrochen ist. Ich zucke mit den Schultern und lasse mich am Tisch nieder, um genüsslich am Kaffeebecher zu nippen. Darüber hinaus serviert Haushälterin Grace ein landestypisches Frühstück aus Spiegeleiern und Backwaren.
09.30 Uhr Kurz nach dem Neunuhrläuten kommt der Professor von seinem Ausflug zurück. Der gute Mann klopft sich den Schnee von den Schuhen und plappert davon, dass er zur „Centerpoint Mall“ spaziert ist, um Krapfen einzukaufen. Ausserdem erfahre ich, dass Dixon unentwegt geschnüffelt und sogar Schnee gefressen hat – wie unlöblich.


Dixons Pfotenabdruck im Schnee

10.15 Uhr Während wir gemütlich beisammensitzen und kraftvoll in die Rosinenkrapfen beissen, berichtet Maria, dass dieses Schmalzgebäck auch „Beaver Tails“ (löblich: Biberschwänze) genannt wird. Ich nicke eifrig und antworte, dass die Süssspeise ganz vorzüglich mundet. Bei dieser Gelegenheit kommt Georg auf unsere heutigen Aktivitäten zu sprechen und erinnert, dass wir gegen 13 Uhr im „Eaton Centre“ mit James, Amanda und David verabredet sind.
10.45 Uhr Nach dem Essen bedanke ich mich bei Frau Grace für die feine Brotzeit und vernehme, dass die Perle nun den Abwasch erledigen und sich dann in den Weihnachtsurlaub verabschieden wird. Georg klopft der netten Negerin auf die Schulter und wünscht ihr ein besinnliches Fest im Kreise ihrer Liebsten – wie schön.
11.00 Uhr Anschliessend schlüpfen wir in unsere Mäntel und eilen ins Freie. Georg lässt den JEEP Autoschlüssel am Zeigefinger kreisen und unterbreitet, dass der Mercedes wegen der schlechten Witterung in der Garage bleiben muss. Stattdessen helfen wir dem Vierbeiner auf die Ladefläche des GRAND CHEROKEE und schicken uns an, stadteinwärts zu krusen. Während ich mir den Rücksitz mit dem Professor teile, schlittert Georg auf der vereisten Yonge Street gen Süden und erzählt, dass sich die Stadtoberen aus Umweltschutzgründen entschlossen haben, die Strassen nicht mehr mit Salz zu streuen. Ich mache grosse Augen und lerne, dass seit Kurzem nur noch rutschhemmender Splitt oder Asche zum Einsatz kommen – das soll mir auch Recht sein.

11.45 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise finden wir uns in einem Parkhaus an der Dundas Strasse wieder und zögern nicht, das Auto im zweiten Obergeschoss abzustellen. Im Anschluss nehmen wir den Vierbeiner an die Leine und schlendern in das grösste Kaufhaus der Stadt. Edelbert knipst ein Photo vom stattlichen Christbaum in der Haupthalle und meint, dass dieser Baum gut und gerne 25 Meter hoch ist. Georg weiss es jedoch besser und vertellt, dass die Tanne 108 Feet (33 Meter) misst – das ist ja allerhand.
12.15 Uhr Beeindruckt flanieren wir durch das noble Einkaufszentrum und nehmen die Auslagen in den Schaufenstern in Augenschein. Ich rümpfe die Nase und lasse meinen Bruder wissen, dass ich zum Fest lediglich Kleinigkeiten verschenken werde. Georg strahlt jedoch über das ganze Gesicht und verrät, dass er seiner Ehefrau einen sündteuren Weissgoldring unter den Christbaum legen wird – das ist typisch.
13.00 Uhr Wenig später lotst uns Maria ins „Trattoria Mercatto“ Italiengasthaus und wir haben das Vergnügen, die Kinder begrüssen zu können. Wie es sich gehört, kneife ich David in die Backe und stelle klar, dass er in seinem Anzug besonders schnieke aussieht. Der 11jährige freut sich und sagt, dass am Abend in seiner Schule eine Weihnachtsfeier stattfindet – das ist phantastisch.

13.30 Uhr Um nicht vom Fleisch zu fallen, winken wir einen Kellner an den Tisch und ordern das „Lunch Menu“ (löblich: Mittagsmenü) für sieben Personen. Der Knecht versorgt uns zuvorkommend mit durstlöschendem Eistee und fährt als Vorspeise heisse Gemüsesuppe auf – wie gut das duftet.
14.00 Uhr Während wir uns über das Hauptgericht hermachen und uns gebratene Lammschnitzel schmecken lassen, bringt James den Mittwoch ins Spiel und schlägt vor, dass wir mit dem WINNEBAGO Wohnmobil nach Gilford Beach fahren könnten – das soll mir Recht sein.
14.30 Uhr Nachdem wir das Mittagessen mit einem Pudding abgeschlossen haben, präsentiert Georg seine American Express Card (löblich: Amerikanische Schnellkarte) und steckt dem Ober ein stattliches Trinkgeld zu. Schlussendlich verlassen wir redlichst gestärkt die Wirtschaft und vertreten uns im grössten Kaufhaus der Gemeinde die Beine. Natürlich führt uns David in einen Heimrechnerladen und setzt uns darüber in Kenntnis, dass er sich von Santa Claus ein nagelneues Netzbuch (unlöblich: Netbook) gewünscht hat – wie unlöblich.


Ich sage nein zu Bezahlkarten

15.30 Uhr Da die jungen Leute um 17 Uhr in Davids Schule sein müssen, schütteln wir Hände und vereinbaren, dass wir uns morgen wiedersehen werden. Winkend kehren wir zum GRAND CHEROKEE zurück und treten zu stimmungsvoller Paul McCartney Musik die Heimreise an – da kommt besonders grosse Freude auf.
16.00 Uhr Während wir uns in Schrittgeschwindigkeit durch das Zentrum quälen, blicke ich fasziniert zum CN Turm (unlöblich: CN Tower) und bringe in Erfahrung, dass auf dem benachbarten „Nathan Phillips Square“ zum Jahreswechsel eine grosse Silvesterfeier steigen wird.


Der CN Turm

17.00 Uhr Nach einer geschlagenen Stunde treffen wir endlich zu Hause ein. Als ich ins Haus gehen möchte, erhebt Maria den Zeigefinger und meint, dass wir erst in einer Stunde zu Abend essen werden. Ich lege meinen Zeigefinger an die Unterlippe und ringe mich dazu durch, bis dahin mit Dixon Gassi zu gehen. Edelbert schliesst sich dem Spaziergang kurzerhand an und sagt, dass er es kaum noch erwarten kann, aus den nassen Schuhen zu steigen und einen Whiskey in der holzvertäfelten Wohnstube zu trinken.
18.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 6 zugeht, stossen wir die Haustüre auf und freuen uns auf einen ruhigen Abend. Maria ruft uns spornstreichs zu Tisch und verwöhnt mit einem zünftigen Grillbraten und selbstzubereiteten Spätzle – schmeckt gar nicht schlecht.
19.00 Uhr Ein langer Tag neigt sich nun seinem Ende zu. Um endlich zur Ruhe zu kommen, machen wir es uns im Wohnzimmer bequem und schauen Fernsehen. Während wir den Nachrichten auf CBC folgen und Glühwein trinken, strecke Dixon vor dem knisternden Kamin die Beine aus und schnurrt wie ein Kätzchen – wie lustig.

 
Schmeckt nicht schlecht

20.00 Uhr Zur besten Sendezeit flimmert die amerikanische Komödie „Sisters“ (löblich: Schwestern) über die Mattscheibe. Wir lehnen uns plätzchenknabbernd zurück und werden Zeugen, wie zwei Schwestern im Zuhause ihrer Eltern ein rauschendes Fest veranstalten – da kommt Freude auf.
22.00 Uhr Als der Abspann läuft, klatsche ich in die Hände und fordere Dixon auf, mir ins Gästezimmer zu folgen. Der Rüde gähnt ausgiebig und freut sich, die kalte Nacht an meiner Seite verbringen zu dürfen. Letztendlich lösche ich das Licht und döse prompt ein. Gute Nacht.

19. Dezember 2016 – Von Fort Myers nach Toronto

Sehr geehrte Damen und Herren,

gegen 11:00 Uhr werde ich mit Edelbert eine lustige Boeing 737-800 besteigen und nach Toronto ausfliegen. Selbstverständlich habe ich bereits vorab im Internetz zwei schöne Sitzplätze in der Reihe 27 des Stahlvogels reserviert – wie aufregend.


Bald sind wir in Toronto – wie aufregend

Weil sämtliche Plätze mit hochauflösenden Bildschirmen ausgestattet sind, wird es uns möglich sein, während des dreistündigen West-Jet Direktflugs spannende Filme zu sehen. Leider ist dieser Luxus nur uns Menschen vorbehalten. Hund Dixon wird die Reise leider in einer beheizten Transportbox im Frachtraum erleben. Da mir das Wohl des Tieres sehr am Herzen liegt, habe ich heute Morgen einen ausgedehnten Spaziergang mit dem Lausbuben unternommen und ihm ausserdem ein grosses Stück Pansen serviert.

Westjet Boeing 737-700 (W) (7055257257)Foto: By BriYYZ from Toronto /  CC SA 2.0

Gegen 14:20 Uhr steht die Ankunft auf dem „Toronto Pearson International Airport“ auf dem Plan. Mein löblicher Neffe James hat versprochen, uns vom Flughafen abzuholen und zum Stadthaus meines Bruders zu kutschieren. Ferner haben meine Verwandten für den Abend eine kleine Willkommensfeier geplant. Haushälterin Grace hat gestern extra ein Kürbisbrot gebacken und wird uns heute mit einer hausgemachten Fleischpastete an Wildreis verwöhnen – schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.

Der Christbaum im Eaton Centre:

Für den Dienstag ist ein Abstecher ins Zentrum geplant.
An Marias, Georgs, Amandas, James und Davids Seite wollen wir letzte Einkäufe im „Eaton Centre“ tätigen und die weihnachtliche Atmosphäre im grössten Kaufhaus der Stadt geniessen.

Hochachtungsvoll
Reinhard Pfaffenberg

12. November 2016 – Happy Birthday James

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Hallo Fans,

gestern feierte Amandas Ehemann James seinen 45. Geburtstag 🙂
Natürlich habe ich in Toronto angerufen und ihm per Telefon die besten Glückwünsche übermittelt. Übrigens wurde er von seiner Familie reich beschenkt. Amanda hat sich echt in Unkosten gestürzt und für knapp 500 kanadische Dollar die tolle „The Rolling Stones in Mono“ Vinyl Ausgabe gekauft. Auch David hat sich Gedanken gemacht und im Werkunterricht einen Gartenwächter aus einem Stück Kastanienholz geschnitzt. Anscheinend ist ihm das so gut gelungen, dass er von den Nachbarn beauftragt wurde, ein weiteres Exemplar herzustellen 🙂

geburtstag

Die Woche war echt total stressig.
Im KVR gab es immens viel zu tun und ausserdem musste ich Herrn Löschnik im Pensionszimmer beherbergen. Der VORWERK Mitarbeiter ist heute abgereist und hat mir für meine Dienste ein besonders grosses Trinkgeld überreicht. Nun wird mir aber nichts anderes übrig bleiben, als in die Hände zu spucken und das Zimmer zu putzen.

Nur gut, dass heute Samstag ist.
Am Abend geht’s mit Mitbewohnerin Bärbel und Cousin Bernd ins Kino. Wir wollen uns das neue Sci-Fi Meisterwerk des Filmvirtuosen Denis Villeneuve anschauen. „Arrival“ erzählt von 12 Alien Raumschiffen, die eines Tages auf der Erde landen und mit den Menschen kommunizieren wollen …

Ich wünsche euch einen chilligen Samstag.
Morgen melde ich mich in alter Frische wieder!
Sandra

10. November 2016 – Sauwetter

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08.00 Uhr Dicke Regentropfen trommeln beharrlich ans Schlafzimmerfenster und reissen mich aus einem schönen Traum. Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen und bemerke, dass sich mein schöner Garten während der Nacht in eine Sumpflandschaft verwandelt hat – wie schrecklich.
08.30 Uhr Trotz aller Widrigkeiten lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und läute den Morgen mit dem Frühsport ein. Hund Dixon hüpft währenddessen gähnend aufs Kanapee und nimmt sich das Recht heraus, noch etwas zu dösen – das ist wieder typisch.
09.00 Uhr Als der Stundenzeiger meines goldenen Chronographens auf 9 zugeht, nehme ich die futuristische DeLonghi Kaffeemaschine in Betrieb. Ferner hole ich die gesalzene Butter aus dem Kühlschrank und lasse den Vierbeiner wissen, dass ich es kaum noch erwarten kann, kraftvoll in einer geröstete Weissbrotscheibe (unlöblich: Toast) zu beissen. Dixon legt prompt seinen Kopf schief und schielt fordernd zu seinem Napf – wie lustig.

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Lustige Weissbrotscheiben

09.30 Uhr Bevor ich das Frühstück verzehre, verabschiede ich mich in die Nasszelle. Wie es sich gehört, entspanne ich mich bei einem wärmenden Wirbelbad und nutze die Gelegenheit, um mit Edelbert zu telefonieren. Der Professor wünscht mir einen schönen Morgen und kündigt an, dass er gegen 11 Uhr im PUBLIX abschoppen wird. Ich nicke eifrig und antworte, dass ich mich dem Supermarktbesuch kurzerhand anschliessen werde.
10.15 Uhr Kurz nach dem Zehnuhrläuten kehre ich in die gute Stube zurück und werde Zeuge, wie sich Frau Pontecorvo an der Terrassentüre zu schaffen macht. Weil es immer noch schüttet, winke ich die Perle herein und lade sie zum Frühstück ein. Die Dame bedankt sich artig und lotet aus, ob ich mit zum Supermarkt kommen möchte. Ich stimme zu und erkläre meiner Nachbarin, dass ich sowieso mit dem Professor verabredet bin.
10.45 Uhr Um nicht zu spät zu kommen, essen wir ganz schnell auf und eilen dann zum Auto. In einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsreise preschen wir aus dem Wohngebiet und kommen überein, dass man bei diesem Sauwetter kaum etwas unternehmen kann. Frau Pontecorvo seufzt laut und sagt, dass sie den geplanten Frisörbesuch am Nachmittag absagen wird – das ist mir Wurst.
11.15 Uhr Mit kurzer Verspätung fahre ich auf den PUBLIX Parkplatz auf und habe das grosse Glück, direkt neben Edelberts JEEP einen Stellplatz für den PS-strotzenden SUV zu ergattern. Um nicht noch mehr Zeit zu verlieren, schüttle ich Edelberts Hand und mache es mir zur Aufgabe, einer unterbelichteten Kundin einen Einkaufswagen streitig zu machen. Anschliessend schlendern wir in das Geschäft und wählen Waren des täglichen Bedarfs aus. Darüber hinaus komme ich auf James Geburtstag zu sprechen und stelle klar, dass ich Morgen selbstverständlich in Toronto anrufen und dem Buben die besten Glückwünsche übermitteln werde – darauf freue ich mich jetzt schon.

geburtstag
James feiert Geburtstag

12.15 Uhr Nach einer Stunde werden wir an der Kasse vorstellig und sehen uns genötigt, jeweils knapp 70 Dollars bezahlen zu müssen. Ich komme aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus und bin mir sicher, dass ich bald im Armenhaus landen werde. Edelbert beruhigt mich redlichst und macht mich auf den Umstand aufmerksam, dass ich auf monatliche Mieteinnahmen und einer stattlichen Rente zurückgreifen kann – jaja.
12.45 Uhr Nachdem wir die Einkaufstüten bei strömenden Regen in den Autos verstaut haben, deute ich gen Osten und bringe eine Einkehr ins „Bob Evans“ Gasthaus ins Spiel. Edelbert schnalzt mit der Zunge und beteuert, dass er grossen Hunger hat und eine Portion Chili bestellen wird – das hört sich verlockend an.

chili
Wir essen Chilli – schmeckt gar nicht schlecht

13.15 Uhr Endlich finden wir uns in der Gaststätte unseres Vertrauens wieder und können uns an einen Tisch mit Ausblick auf die Immokalee Road setzen. Eine beschürzte Bedienung lässt nicht lange auf sich warten und versorgt uns mit süffigem Tafelwasser und den Tageskarten. Wir fackeln nicht lange und bitten das Mädchen (23) drei „Sausage Chili Bowls“ (löblich: Würstchen Chili Schüsseln) aufzutischen. Dazu ordern wir mit Käse überbackene Nachos sowie hausgemachten Eistee – schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.
13.45 Uhr Während wir mit dem Besteck klappern und unsere Kehlen ölen, berichtet Edelbert, dass Morgen in Köln der Karneval ausgerufen wird. Da Frau Pontecorvo mit dem Begriff nichts anfangen kann, mache ich sie mit diesem Unsinn vertraut und merke an, dass dieses heidnische Fest bereits von den Römern gefeiert wurde.
14.30 Uhr Nachdem wir das Mittagessen mit Schaumkaffees und Walnut Cookies (löblich: Walnuss Kekse) abgerundet haben, kehren wir zu den Autos zurück. Zu guter Letzt wünsche ich dem Professor einen schönen Tag und helfe dann Frau Pontecorvo auf den Beifahrersitz.

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Mein Zuhause unter Palmen

15.00 Uhr Als ich vor der kleinen Villa zum Stehen komme, hört es plötzlich zu regnen auf. Bevor ich mich versehe, hüpft Dixon von der Ladefläche des Chevrolets und rennt ausgelassen in den Garten. Unterdessen schleppe ich die Einkaufstüten ins Haus und bette mich fix und foxi auf dem Kanapee.
16.00 Uhr Ich öffne die Augen und fühle mich blendend. Um nicht unnütz herumzusitzen, komme ich prompt in die Gänge und gebe mich der wichtigen Anschnurseelsorge hin. Natürlich beantworte ich auch heute Fragen besorgter Heimseitenbesucher und rate, mit der vorlauten Jugend nicht zu zimperlich umzugehen.
17.00 Uhr Völlig entnervt beende ich Arbeit und rufe Dixon ins Haus. Danach mache ich mich in der Küche nützlich und schwenke köstliches Grillfleisch in einer Pfanne mit Teflonbeschichtung. Zudem backe ich gewürzte Kartoffelspalten im Ofen heraus und vergesse auch nicht, einen Beilagensalat zu zaubern
18.00 Uhr Redlichst gestärkt schalte ich die Geschirrspülmaschine ein und gehe zum gemütlichen Teil des langen Tages über. Unter anderem schaue ich mir die FOX Nachrichten an und lerne, dass der scheidende Präsident Barack Obama in der kommenden Woche nach Berlin ausfliegen wird, um Kanzlerin Angela Merkel zu treffen. Darüber hinaus vernehme ich, dass im grossen Apfel unzählige Menschen auf die Strassen gegangen sind, um lautstark gegen Donald Trump zu protestieren – diesen Unsinn muss man gehört haben.
19.00 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, wechsle ich auf den Filmkanal HBO und gebe mich dem preisgekrönten Film „Knight of Cups“ hin. Anstatt eine schöne Geschichte zu erzählen, hat es sich der Filmemacher Terrence Malick zur Aufgabe gemacht, kurze Videosequenzen zusammenzufügen und den Zuschauer mit langweiligen Dialogfetzen zu quälen – so ein Schmarrn.
21.00 Uhr Nach zwei Stunden flimmert endlich der Abspann über die Mattscheibe. Ich betätige entnervt den OFF (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung und lösche sämtliche Lichter. Danach streichle ich Dixon über den Kopf und falle übermüdet ins Bett. Gute Nacht.