2. Januar 2017 – Reisevorbereitungen

08.00 Uhr Ich gähne wie ein Löwe und läute den zweiten Tag des jungen Jahres mit dem Frühsport am Fenster ein. Unterdessen spähe ich skeptisch in den Garten und werde Zeuge, wie Hund Dixon ausgelassen im Schnee spielt. Zudem werde ich auch auf Sandra aufmerksam und lasse es mir nicht nehmen, das Fenster zu öffnen und dem Kind klarzumachen, dass der Rüden keinen Schnee fressen darf.
09.00 Uhr Nachdem ich mich bei einem heissen Vollbad entspannt habe, rutsche ich auf dem Treppengeländer ins Parterre und leiste meinen Verwandten sowie Prof. Kuhn bei der wichtigsten Mahlzeit des Tages Gesellschaft. Ich beisse kraftvoll in eine mit Käse belegte Weissbrotscheibe (unlöblich: Toast) und bringe heraus, dass sich Sandra entschlossen hat, das Frühstück sausen zu lassen und stattdessen mit Dixon einen Spaziergang zu unternehmen. Ich zucke mit den Schultern und lasse den Professor wissen, dass wir den Tag nutzen sollten, um das Wohnmobil für unsere Reise nach Florida startklar zu machen. Mein Bruder schlägt in die gleiche Kerbe und sagt, dass wir den Frischwassertank mit H²O befüllen und zum Tanken krusen sollten.


Bald krusen wir nach Florida

09.45 Uhr Kurz vor dem Zehnuhrläuten kommt Sandra von ihrer Wanderung zurück und klopft sich den Schnee vom Anorak. Natürlich streichle ich Dixon sogleich über den Kopf und erfahre, dass es angesichts des Sauwetters kein Vergnügen wird, den Kontinent zu durchqueren. Ich gebe Sandra Recht und merke an, dass wir erst am Freitag auf grosse Reisen gehen sollten. Maria fällt mir prompt ins Wort und meint, dass wir morgen sowieso meinen Geburtstag mit einem exquisiten Abendessen feiern werden – das ist phantastisch.
10.30 Uhr Während es sich Sandra im Wohnzimmer bequem macht und mit Mitbewohnerin Bärbel telefoniert, folge ich Georg und Edelbert in die Garage. Mein Bruder schraubt den Deckel des Frischwasserzulaufs auf der linken Seitenwand ab und berichtet, dass wir stets genügend Wasser mitführen sollten. Darüber hinaus macht uns Georg mit der eingebauten Küche vertraut und unterbreitet, dass Maria einige Kochtöpfe, Teller und Besteck in den Schränken verstaut hat. Ich melde spornstreichs Bedenken an und erwidere, dass ich während unserer beschwerlichen Reise ganz bestimmt nicht den Kochlöffel schwingen werde. Edelbert vertritt die gleiche Meinung und meint, dass es schlauer wäre, schicke Motels anzusteuern und in Restaurants zu speisen – wie wahr.
11.15 Uhr Zu guter Letzt öffnet Georg die Motorhaube des Travato und bittet uns, regelmässig die Zellenspannung der Batterie zu überprüfen. Anschliessend gleiten wir langsam aus der Doppelgarage und steuern die zwei Kilometer entfernte Tankstelle an der Steeles Avenue an, um 80 Liter Diesel in den Tank laufen zu lassen.


Zu Bezahlkarten sage ich NEIN

12.00 Uhr Zuhause angekommen, steckt mir Georg eine AMERICAN EXPRESS Kreditkarte zu und meint, dass er selbstverständlich für die Spritkosten aufkommen wird. Obgleich ich dankend ablehne, lässt mein Bruder nicht mit sich reden und wirft ein, dass er genug Geld auf seinem Konto hat und keine Diskussion führen möchte. Ich seufze laut und lasse das Plastikkärtchen nörgelnd in meiner Jackentasche verschwinden.
12.45 Uhr Als uns Maria zu Tisch ruft, meldet sich Sandra zu Wort und informiert, dass sie noch Pflegeprodukte in einer Drogerie besorgen muss. Weil ich nichts besseres zu tun habe, biete ich der Maid an, sie zur “Centerpoint Mall” zu begleiten. Auch Edelbert ist begeistert und meint, dass wir dann das “LOLCandy” Schokoladenfachgeschäft besuchen und uns mit Schmankerl eindecken könnten – das hört sich verlockend an.
13.15 Uhr Nachdem wir Apfelstrudel mit Vanillesosse gegessen haben, schlüpfen wir in unsere Jacken und brechen bei eisigen Temperaturen zu einer lustigen Wanderung auf. Mit Dixon an der Leine schlendern wir gen Westen und plaudern nebenher über Dies und Das. Sandra kommt aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus und erzählt, dass der Rüde mittlerweile Gefallen an der weissen Pracht gefunden hat. Ich stimme zu und mache es mir zur Aufgabe, dem Mädchen eine Handvoll Schnee in den Kragen zu stopfen – da kommt besonders grosse Freude auf.
14.00 Uhr Nach einer dreiviertel Stunde finden wir uns in der “Centerpoint Mall” wieder. Sandra bekommt grosse Augen und verfällt prompt dem Konsumwahn. Als erstes lotst uns das Kind in den “Shoppers Drug Mart” und wirft Lippenbalsam, Handkreme, Schampu sowie andere Pflegeprodukte in einen Einkaufskorb.
15.00 Uhr Um etwa 100 Dollars erleichtert, können wir den Laden endlich verlassen und im “LOLCandy” Schokoladenparadies nach Süssigkeiten Ausschau halten. Ich lecke mir die Lippen und ringe mich dazu durch, Cadbury Schokolade, Reese’s Kekse, Lancaster Bonbons sowie Twizzlers Kirschriegel vom Regal zu nehmen.


Maren Morris – Hero

16.00 Uhr Nachdem wir in einem Musikgeschäft weitere Dollars in Maren Morris aktuelle Kompaktscheibe “Hero” investiert haben, treten wir den Heimweg an. Da es langsam dunkel wird und zu schneien beginnt, ziehe ich mir die NY YANKEES Mütze tief ins Gesicht und denke daran, wie schön es doch in Naples wäre.
17.00 Uhr Zurück im Stadthaus meines Bruders werden wir von Maria mit heissem Punsch und belegten Broten begrüsst. Zudem bringe ich heraus, dass die Gute morgen einen Schmorbraten auf den Tisch des Hauses bringen wird. Ich schnalze mit der Zunge und bitte Georg, mir ein Labatt Blau Bier zu kredenzen.


Zum Abendessen gibt es belegte Brote

18.00 Uhr Nach dem Nachtmahl lege ich in der guten Stube die Beine hoch und schaue in Gesellschaft meiner Liebsten fern. Um auf dem Laufenden zu bleiben, frönen wir den Nachrichten und lernen, dass Donald Trump in achtzehn Tagen zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten vereidigt wird – das ist prima.
19.00 Uhr Zur Hauptsendezeit wechseln wir auf HBO und erfreuen uns an der irisch/kanadischen Produktion “Room” (auf deutsch: Raum). Der Spielfilm erzählt die traurige Geschichte einer Mutter, die mit ihrem fünfjährigen Sohn viele Jahre von ihrem Entführer in einem düsteren Raum gefangen gehalten wird – wie schrecklich.
21.00 Uhr Zwei Stunden später kommt es doch noch zu einem glücklichen Ende (unlöblich: Happy End). Ich atme tief durch und reiche die Fernbedienung an Georg weiter. Danach verabschiede ich mich ins Gästezimmer und falle erschöpft ins Bett. Gute Nacht.

27. Dezember 2016 – Toronto Rouge Park

08.15 Uhr Ein neuer Tag im “Northern Lights Country” (löblich: Nordlichtland) bricht an und ich habe ein Lied des kanadischen Sängers Justin Bieber im Ohr. Weil ich “What Do You Mean?” (löblich: Was meinst du?) nicht ausstehen kann, drücke ich augenblicklich auf den OFF (löblich: AUS) Knopf des Radioweckers und rolle mich aus dem Gästebett. Im Anschluss eile ich in die Nasszelle und lasse mir ein wärmendes Schaumbad einlaufen.


Kanada – “Northern Lights Country”

09.00 Uhr Pünktlich zum Neunuhrläuten werde ich in der Küche vorstellig und präsentiere mich in einer modischen JACK & JONES Winterjacke. Sandra pfeift laut und meint, dass ich heute besonders schnieke daherkomme und jederzeit als Model arbeiten könnte. Ich nicke eifrig und lasse das Kind wissen, dass ich diese Jacke zu Weihnachten geschenkt bekommen habe. Ferner deute ich in Richtung der nagelneuen MERRELL Winterschuhe und gebe zu Protokoll, dass mich das Christkind auch mit prima Stiefeln überrascht hat – wie aufregend.


Es gab viele Geschenke – wie schön

09.45 Uhr Während der Jause plappert meine Mieterin ohne Unterlass und berichtet ausführlich von ihrer Anreise. Unter anderem erfahren wir, dass der AIR CANADA Direktflug restlos ausgebucht war und Sandra neben einer alten Schachtel (78) sitzen musste. Ich beisse schmunzelnd in ein französisches Hörnchen und lerne, dass die alte Frau unentwegt niessen musste und in regelmässigen Abständen in ein Taschentuch geschnäuzt hat – wie schrecklich.
10.30 Uhr Kurz nach dem Zehnuhrläuten schiebe ich den Teller weg und schlage vor, dass wir nun einen Spaziergang unternehmen könnten. Leider winkt Georg demonstrativ ab und wirft ein, dass er bei -9°C bestimmt nicht aus dem Haus gehen wird. Seufzend wende ich mich Edelbert und Sandra zu und vernehme, dass die beiden gerne zum Rouge Park krusen würden. Ich zucke mit den Schultern und lasse es mir nicht nehmen, meinen Schal umzubinden und Dixons Leine zur Hand zu nehmen. Mein Bruder begleitet uns freundlicherweise zur Haustüre und schlägt vor, dass wir mit dem WINNEBAGO fahren können – das ist phantastisch.


Der TRAVATO ist sehr komfortabel

11.00 Uhr Weil wir mit dem Wohnmobil in wenigen Tagen nach Florida reisen werden, überlassen wir Sandra den Schlüssel und beauftragen das Kind, uns nach Osten zu bringen. Anschliessend nehme ich neben Edelbert auf der Rückbank platz und fordere Dixon auf, es sich ebenfalls bequem zu machen. Sandra staunt Bauklötze und zögert nicht, einen USB Stab in die Musikanlage zu stecken und uns mit grässlicher Musik zu beschallen. Danach gleitet die Maid hupend von dannen und meint, dass sie das Wohnmobil bestimmt zu Schrott fahren wird – papperlapapp.
11.30 Uhr Während wir auf der Steelers Avenue unterwegs sind, mache ich das Kind mit den Vorzügen des Travato vertraut und merke an, dass das Modell 59G nicht nur mit einem Bad und einem grossen Bett, sondern auch mit einer Kochzeile überzeugen kann. Edelbert gibt mir Recht und unterbreitet, dass der eingebaute Wassertank zudem knapp 100 Liter Frischwasser fasst.
12.00 Uhr Endlich erreichen wir den Nationalpark unweit des örtlichen Zoos und parken den Travato direkt vor dem Visitor Center (löblich: Besucherzentrum). Trotz des anhaltenden Schneefalls lassen wir uns die gute Laune nicht verderben und stapfen mit Hund Dixon in den düsteren Forst. Währenddessen jammert Sandra in einer Tour und setzt uns darüber in Kenntnis, dass es für eine ausgedehnte Wanderung viel zu kalt ist – wie unlöblich.


In Toronto liegt Schnee

13.00 Uhr Da Sandras Lippen mittlerweile blau angelaufen sind, machen wir kehrt und laufen zum Auto zurück. Ich rolle demonstrativ mit den Augen und ermutige Sandra, eine heisse Dusche zu nehmen. Das unterbelichtete Kind zeigt mir jedoch den Vogel und meint, dass wir nun nach Hause fahren sollten.
13.30 Uhr Auf halber Strecke trete ich beherzt auf die Bremse und lade meine Begleiter ins “Lobster King Seafood Restaurant” (löblich: Hummer König Meeresfrüchte Gasthaus) ein. Ein freundlicher Kellner wünscht uns einen guten Tag und kredenzt durstlöschendes Tafelwasser sowie eine Kanne Kaffee. Als Sandra den Zeigefinger an die Unterlippe legt, kläre ich darüber auf, dass in vielen Restaurants kostenloser Bohnentrunk serviert wird. Zudem schlage ich die Speisekarte auf und ordere kurzerhand köstliche Langnudeln (unlöblich: Spaghetti) mit Miesmuscheln – schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.


Bald brechen wir nach Florida auf

14.00 Uhr Als wir mit dem Besteck hantieren und unsere Kehlen mit süffigem LABATT spülen, meldet sich plötzlich Sandra zu Wort und stellt die Behauptung auf, dass der Wetterdienst weitere Schneefälle für die kommende Woche voraussagt. Das Mädchen gibt sich deprimiert und unkt, dass es kein leichtes Unterfangen wird, bei diesem Sauwetter nach Florida zu fahren. Edelbert weiss es jedoch besser und weist auf die Tatsache hin, dass uns spätestens im Bundesstaat Virginia schönstes Frühlingswetter erwarten wird.
14.45 Uhr Nach dem Bezahlvorgang kehren wir zum Travato zurück und treten die Heimreise in den Stadtteil York an. Um schneller voranzukommen, trete ich das Gaspedal bis zum Anschlag durch und setze zu waghalsigen Überholmanövern an – da kommt besonders grosse Freude auf.
15.30 Uhr Zuhause angekommen, sehen wir uns mit David, Amanda und James konfrontiert. Meine Schwägerin winkt uns in die gute Stube und sagt, dass die Kinder schmackhaften Haselnusskuchen mitgebracht haben. Selbstverständlich hänge ich spornstreichs die Jacke an die Garderobe und begrüsse die jungen Leute herzlich. Anschliessend lasse ich mich neben David (11) nieder und höre, dass Georg just im Moment die bevorstehende Silvesterfeier plant. Mein Bruder schenkt mir ein Lächeln und kündigt an, dass Laura samt Lebensgefährten Herrn William, der kleine Paul, die Nachbarn sowie ein bekannter Politiker unter den Gästen sein werden – wie aufregend.


Das Zuhause meines Bruders

16.30 Uhr Da ich längst nicht mehr der Jüngste bin, ziehe ich mich nach dem Kaffeekränzchen aufs Gästezimmer zurück und gönne mir eine Mütze Schlaf. Bereits nach wenigen Sekunden döse ich ein und träume von meiner kleinen Villa im sonnige Florida.
17.30 Uhr Leider wird die Pause bald durch Edelbert gestört. Der Professor pocht laut an die Türe und ruft mich auf, nach unten zu kommen. Gähnend folge ich meinem Bekannten ins Parterre und bringe heraus, dass sich die Kinder in der Zwischenzeit verabschiedet und Sandra ins Lichtspielhaus eingeladen haben. Trotzdem lasse ich mich zungeschnalzend am Esstisch nieder und mache mich über eine heisse Hühnerbrühe her. Darüber hinaus tischt Maria einen selbstzubereiteten Lauchkuchen auf und wünscht uns einen guten Appetit – wie schön.
18.30 Uhr Schlussendlich lassen wir den langen Tag bei Glühwein und Plätzchen im Wohnzimmer ausklingen. Während Dixon im Garten spielt, verfrachtet Georg die Filmkomödie “Hail Caesar” ins Abspielgerät und versorgt uns mit dampfendem Punsch. Ich lehne mich entspannt zurück und gebe mich dem abendfüllenden Spielfilm hin, der aus dem Leben eines Filmproduzenten erzählt – da kommt Spannung auf.
20.30 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung flimmert der Abspann über die Mattscheibe. Ich nehme einen letzten Schluck aus der Tasse und verabschiede mich dann völlig erschöpft ins Bett. Gute Nacht.

26. Dezember 2016 – Mistelzweige

Lieber Heimseitenbesucher,

der Mistelbaum ist in allen Teilen der Welt in tropischen, subtropischen und gemässigten Zonen zu finden. Angesehene Forscher gehen davon aus, dass es derzeit über 1.000 verschiedene Arten dieses Sandelholzgewächses weltweit gibt. Die Mistel wird in der Botanik als immergrüner Halbschmarotzer beschrieben, der auf Bäumen oder in Sträuchern gedeiht. In der modernen Pflanzenheilkunde wird die Mistel gegen Bluthochdruck, Rheuma, Krampfadern und Schwindel eingesetzt.


Ein Mistelzweig

Nicht nur die Amerikaner, sondern auch die Kanadier und Engländer hängen zur Weihnachtszeit Mistelzweige in die Türrahmen. Schon seit Jahrhunderten gehört der Beerenzweig zur weihnachtlichen Dekoration. Ferner heisst es, dass es grosses Glück bringt, wenn man eine andere Person unter einem Mistelzweig küsst. Woher dieser sonderbare Brauch stammt, konnte bisher nicht entgültig geklärt werden.

Fest steht nur, dass die Mistel bereits bei den Kelten als Symbol der “ewigen Liebe” galt. Auch in der germanischen Mythologie wurde die Mistel als heilige Pflanze verehrt. Es wird erzählt, dass Baldur – der nordische Gott der Sonne und des Sommers – eines Nachts davon träumte, ermordet zu werden. Seine besorgte Mutter Friggs lies sich daraufhin von allen Elementen versichern, ihrem geliebten Sohn nichts anzutun. Friggs überging allerdings die Mistel und musste mit ansehen, wie Loki – der Gott des Feuers und des Bösen – Baldur mit einem Mistelpfeil ermordete. Daraufhin verschwand alles Schöne und Friedliche von der Welt.


Baldur stirbt durch einen Mistelzweig

Mit den ersten Siedlern schwappte dieses Ritual auch nach Nordamerika und gilt heutzutage zu den beliebtesten Weihnachtsbräuchen überhaupt. Standesgemäss wird der Mistelzweig am 26. Dezember abgehängt und über einem offenen Feuer verbrannt.

Ich wünsche allen Lesern einen gesegneten zweiten Weihnachtsfeiertag.
Reinhard Pfaffenberg

25. Dezember 2016 – White Christmas

Sehr verehrte Damen und Herren,

die Plattenfirma DECCA brachte im Spätherbst 1945 eine Schallplatte mit traditionellen amerikanischen Weihnachtslieder auf den Markt, die von Bing Crosby zwischen 1942 und 1943 eingesungen wurden. Die Kunden der grossen Handelsketten und Kaufhäuser konnten “Merry Christmas” unter der Bestellnummer Decca A-403 ordern und durften sich unter anderem über “White Christmas”, “Silent Night”, “I’ll Be Home for Christmas”, “Jingle Bells”, “Santa Claus Is Coming to Town” und “Adeste Fideles” freuen.

Die Schellackplatte verkaufte sich wie geschnitten Brot und sorgte dafür, dass Bing Crosby zu einem gefeierten Künstler aufstieg. Ausserdem war “Merry Christmas” zwischen 1945 und 1951 mit insgesamt 50 Millionen verkauften Exemplaren sieben Mal in Folge das beliebteste Weihnachtsalbum des Jahres.


Bing Crosby

Darüber hinaus gilt das von Irving Berlin komponierte und im Jahre 1945 bzw. 1947 von Bing Crosby veröffentlichte Weihnachtslied “White Christmas” mit geschätzten 100.000.000 veräusserten Einheiten als die meistverkaufte Single aller Zeiten. Bing Crosby spielte das Lied am 29. Mai 1942 in den Decca Studios in New York, NY als Titelmelodie für den Film “Holiday Inn” ein. Weil das Aufnahmeband im Laufe der Jahre beschädigt wurde, war Bing Crosby im März 1947 gezwungen, erneut ins Studio zu gehen, um “White Christmas” abermals aufzunehmen. Mit der zweiten Single Veröffentlichung im Herbst 1947 brach er dann sämtliche Verkaufsrekorde.

2001 wurde “White Christmas” von der “Recording Industry Association of America” (RIAA) auf Platz 2 der wichtigsten Lieder des letzten Jahrhunderts gewählt.

Ich wünsche allen Lesern einen wunderschönen Weihnachtsfeiertag.
Reinhard Pfaffenberg

24. Dezember 2016 – Dean Martin und Frank Sinatra

Sehr geehrter Leser,

Dino Crocetti erblickte am 7. Juni 1917 in Steubenville im amerikanischen Bundesstaat Ohio das Licht der Welt. Der Sohn italienischer Einwanderer hatte eine schwere Jugend und sprach bis zu seinem fünften Lebensjahr nur italienisch. In jungen Jahren verdiente er sich seine Brötchen als Preisboxer, Alkoholschmuggler und Barsänger. Letztendlich hatte er mit 22 Jahren das grosse Glück, für die Bühne entdeckt zu werden. Dino Crocetti trat fortan unter dem Künstlernamen Dino Martini auf und tingelte mit seinem Kompagnon Samuel Watkins durch die grössten Städte Nordamerikas.

In den 1940er Jahren änderte der Sänger seinen Namen in Dean Martin und bildete mit seinem Künstlerkollegen Jerry Lewis für viele Jahre ein beliebtes Komikerduo. In den folgenden Jahren fasste Dean Martin auch in Hollywood Fuss und war Hauptdarsteller in zahlreichen Spielfilmen. Mitte der 1960er Jahre wurde er von NBC unter Vertrag genommen und mit der Aufgabe betraut, eine Fernsehshow auszuarbeiten, die wöchentlich zur Hauptfernsehzeit laufen sollte. Schon bald ging die “The Dean Martin Show” auf Sendung und entwickelte sich zu einem erfolgreichen Fernsehformat.

Noch heute unvergessen ist die Weihnachtsausgabe der “Dean Martin Show” aus dem Jahre 1967. Unter dem Motto “Christmas with The Martins and The Sinatras” begrüsste er vor mittlerweile 49 Jahren in den NBC Aufnahmestudios in Burbank, CA nicht nur seine eigene Familie, sondern auch noch Frank Sinatra samt Ehefrau und Kindern. Die 60minütige Sendung fesselte die ganze Nation vor die Bildschirme und bescherte NBC sensationelle Einschaltquoten.

Seitdem wird diese Sonderschau alljährlich kurz vor Weihnachten von einer der grossen amerikanischen Sendeanstalten wiederholt. Obgleich seit der Erstausstrahlung ein halbes Jahrhundert ins Land gezogen ist, begeistern Kompositionen wie “I Can’t Give You Anything but Love”, “The Lady Is A Tramp” oder “We Wish You the Merriest” noch immer Jung und Alt.

Ich wünsche allen Lesern ein besinnliches Weihnachtsfest.
Reinhard Pfaffenberg