11. und 12. August 2018 – Sauerkrautkoma

Hi Freunde der Nacht,

während der Woche ist ein neuer und sehr sehenswerter Eberhofer Krimi im Kino angelaufen.

Nach “Dampfnudelblues” (2013), “Winterkartoffelknödel” (2014), “Schweinskopf al dente” (2016) und “Griesnockerlaffäre” (2017) steht der behäbige Provinzpolizist Franz Eberhofer nun vor seiner nächsten Herausforderung. Erst wird er von Niederkaltenkirchen in die Grossstadt nach München versetzt. Dann muss er mitansehen, wie sich ein erfolgreicher Geschäftsmann an seine Verlobte Susi ranmacht und sein Vater in einen Mordfall verwickelt wird …

Ich habe “Sauerkrautkoma” am vergangenen Donnerstag im Kino gesehen und war von der Rita Falk Buchverfilmung restlos begeistert. Regisseur Ed Herzog hat es wieder einmal geschafft, die Buchvorlage perfekt für die grosse Leinwand zu adaptieren und die Schauspieler Sebastian Bezzel, Eisi Gulp, Lisa Maria Potthoff, Enzi Fuchs und Last But Not Least Simon Schwarz zu Höchstleistungen anzutreiben.

Obwohl der mittlerweile fünfte Eberhofer Krimi etliche Längen aufweist, zählt er für mich zu den absoluten Kinohighlights des Jahres. Leider wird der Film wegen seiner bayerischen Sprache kaum über den Weisswurst-Äquartor hinauskommen 🙂

Ansonsten habe ich mich mittlerweile wieder recht gut in Bayern eingelebt.
Heute will ich mit Cousin Bernd und Mitbewohnerin Bärbel das Dachauer Volksfest besuchen und die eine oder andere Mass trinken. Ich hoffe, ihr habt auch viel Spass und geniesst das tolle Wetter in vollen Zügen …

Eure Sandra

4. und 5. August 2018 – Zurück in Bayern

Hi Leute,

die alte Heimat hat mich wieder.
Am vergangenen Sonntag stand meine Heimreise nach Deutschland an. Der Direktflug nach München war natürlich rappelvoll und ich musste mit einer Horde grölender Touristen in einem engen Flugzeug zubringen. Zu allem Überfluss hat Mitbewohnerin Bärbel vergessen, mich vom Flughafen abzuholen ^^


Das Oktoberfest beginnt am 22. September 2018

Aber egal, nun bin ich seit 6 Tagen zu Hause und musste auch schon wieder im Kreisverwaltungsreferat meinen Mann bzw. Frau stehen. Wie ihr euch denken könnt, geht es im KVR wegen des anstehenden Oktoberfests drunter und drüber. Das weltgrösste Bierfest öffnet in diesem Jahr am 22. September seine Pforten. Das 185. Oktoberfest dauert in diesem Jahr bis zum 7. Oktober und wird erneut weit über 5.000.000 Besucher anlocken 🙂

Übrigens wurde die Theresienwiese Anfang Juli zur Grossbaustelle ernannt. Fussgänger und Radfahrer sind angehalten, die Theresienwiese zu meiden. Ausserdem werden schon jetzt Betonboller zur Terrorabwehr aufgestellt und Autofahrer überprüft, die das Oktoberfestgelände befahren wollen. Vor kurzem haben die Festzeltwirte der Stadt München ihre Getränkepreise für das Oktoberfest 2018 mitgeteilt. Demnach wird eine Mass zwischen 10,70 € und 11,50 € kosten, durchschnittlich 3,57 Prozent mehr als im Vorjahr!

Naja, mir soll’s Recht sein.
Ich werde mich nun ins Wochenende verabschieden und mit Bärbel in den Biergarten gehen. Am kommenden Wochenende lesen wir und hoffentlich wieder 🙂

Sandra

31. Juli 2018 – Es herrscht endlich wieder Frieden

08.00 Uhr Ein neuer Tag bricht an und ich finde die Villa ruhig und verlassen vor. Ich gebe mich erleichtert und lasse Dixon wissen, dass seit Sandras Abschied endlich wieder Frieden im Willoughby Drive herrscht. Wie es sich gehört, rolle ich mich sportlich aus dem Bett und ziehe es vor, die Morgengymnastik auf der Terrasse zu absolvieren.
08.30 Uhr Just als ich den Rasensprenger in Betrieb nehme, kommt Fräulein Melody an die Grundstücksgrenze und setzt mich darüber in Kenntnis, dass sie heute ihrem Onkel Lebewohl sagen und nach New York City (löblich: New York Stadt) zurückkehren wird. Ich schwelge in Erinnerungen und erkläre der Maid, dass ich im vergangenen Jahr zum letzten Mal den “Grossen Apfel” (unlöblich: Big Apple) besucht habe. Herrn Booths Nichte schenkt mir ein Lächeln und verspricht, dass wir uns an Weihnachten wiedersehen werden – das will ich doch hoffen.


Frau Melody verabschiedet sich

09.00 Uhr Nachdem ich das Kind verabschiedet habe, mache ich kehrt und entspanne mich bei einem erfrischenden Wirbelbad. Während ich mit dem Schwamm hantiere und mich ordentlich wasche, bimmelt plötzlich das Telefon und ich sehe mich genötigt, mit meinem Bruder plaudern zu müssen. Georg legt beste Laune an den Tag und schlägt vor, dass wir an den Strand krusen und dem Vierbeiner etwas Auslauf bescheren könnten. Natürlich sage ich prompt zu und bringe eine Ausfahrt zum “Delnor Wiggins Pass State Park” zur Sprache – wie aufregend.
10.00 Uhr Pünktlich zum Zehnuhrläuten beende ich das Badevergnügen und setze mich an den Esstisch, um vitaminreiche Froot Loops aus dem Hause Kelloggs zu fressen. Dazu gibt es echten Bohnenkaffee sowie leckere Rühreier. Um stets auf dem Laufenden zu bleiben, schlage ich während der Jause die Zeitung auf und erfahre, dass die Stadtoberen ein millionenschweres Bauprojekt beschlossen haben. Ich fahre mir durchs Haar und lerne, dass auf dem Campus der örtlichen “Hodges Universität” eine neue Mehrzweckhalle entstehen soll – das ist ja allerhand.
10.45 Uhr Um meine Verwandten nicht warten zu lassen, räume ich das schmutzige Geschirr in die Spülmaschine und schicke mich an, den Rüden zum Auto zu scheuchen. Anschliessend lasse ich den Motor aufheulen und gleite zu stimmungsvoller Radiomusik gen Westen davon – was kann es schöneres geben.
11.30 Uhr Nach einer fünfundvierzigminütigen Hochgeschwindigkeitsfahrt erreiche ich den “Wiggins Park” und stelle wohlwollend fest, dass Georg und Maria auch schon vor Ort sind. Mit Dixon im Schlepptau folge ich meinen Verwandten zum Ozean und merke an, dass dieser Strandabschnitt wegen seiner üppigen Vegetation zu den beliebtesten Ausflugszielen des Staates zählt. Georg macht grosse Augen und meint, dass sich hier viel zu viele Badegäste tummeln. Um dem Trubel aus dem Weg zu gehen, folgen wir dem Boardwalk (löblich: Strandweg) nach Süden und werfen Dixon Stöckchen zu – das macht Spass.


Wir werfen Dixon Stöckchen zu

12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, wende ich mich Maria zu und bringe in Erfahrung, dass sie heute Morgen mit Amanda telefoniert hat. Georgs Ehefrau strahlt über das ganze Gesicht und erzählt, dass die Kinder bereits in der kommenden Woche zu uns stossen werden – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.
12.30 Uhr Da die Sonne unbarmherzlich vom Himmel brennt, lotse ich meine Begleiter zum renommierten “Beach Hotel” und merke an, dass eine reichhaltige Mahlzeit jetzt gerade Recht kommt. Georg reibt sich den Bauch und wirft ein, dass er grossen Hunger hat und sich ein Steak bestellen wird. Ich nicke eifrig und nehme mir das Recht heraus, die lieben Menschen ins “Turtle’s Nest” (löblich: Schildkröten Nest) Strandlokal einzuladen.
13.00 Uhr Während ein gestriegelter Kellner süffiges Leichtbier (unlöblich: Light Beer) kredenzt, werfen wir prüfende Blicke in die Tageskarte und wählen Tenderloin Filetsteaks mit Folienkartoffeln und buntem Gemüse aus – schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.
13.30 Uhr Als wir kraftvoll zubeissen, lasse ich Sandras Besuch noch einmal Revue passieren und verrate, dass mir das Kind gehörig auf die Nerven gegangen ist. Darüber hinaus gebe ich zu Protokoll, dass das faule Ding kaum etwas im Haushalt erledigt hat und auch kein Geld zur Haushaltskasse beigesteuert hat – wie schrecklich.


Ich sage Nein zu Bezahlkarten

14.00 Uhr Nachdem wir uns gestärkt haben, zückt Georg seine schwarze American Express Card (löblich: amerikanische Schnellkarte) und begleicht die gesalzene Rechnung mit seinem guten Namen. Im Anschluss schlendern wir plaudernd am Golf entlang und beäugen skeptisch die leichtbekleideten Badegäste.
15.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 3 zugeht, treffen wir an den Autos ein und wischen uns die Schweissperlen von der Stirn. Georg schnauft wie ein Walross und beteuert, dass er sich nun auf einen ruhigen Abend freut. Ich schlage in die gleiche Kerbe und steige winkend ins Auto ein.
15.45 Uhr Endlich bin ich wieder dahoam und kann mich in der klimatisierten Stube von den Strapazen der letzten Stunden erholen. Ich strecke die Beine auf bequemen Sofa aus und döse schnell ein.
16.45 Uhr Nach einer Stunde stupst mich Dixon mit seiner nassen Nase an und fordert sein Abendessen heraus. In meiner Funktion als Tierfreund komme ich der Bitte prompt nach und vergesse auch nicht, den Trinknapf mit süffigem Leitungswasser aufzufüllen. Danach mache ich mich in der Küche nützlich und zaubere im Minutenschnelle italienische Langnudeln mit Pesto aus dem Glas – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nach der leckeren Nachtmahl schalte ich die Glotze ein und fröne den Nachrichten auf FOX. Darüber hinaus gebe ich mich der Ratesendung “Jeopardy” hin und schaffe es ohne weiteres, die richtigen Fragen auf die vorgegebenen Antworten zu stellen – das soll mir erst einmal jemand nachmachen.

19.00 Uhr Zur sogenannten Prime Time (löblich: Hauptfernsehzeit) nehme ich mit dem Amazon Angebot Vorlieb und gebe mich dem Fernsehspiel “Catastrophe” (löblich: Katastrophe) hin. Die mehrteilige Sitzkomödie (unlöblich: Sitcom) handelt von einem amerikanischen Werbefachmann, der während eines Europaaufenthalts die alleinstehende Sharon kennen- und lieben lernt – da kommt besonders grosse Freude auf.
21.00 Uhr Nach vier heiteren Episoden schalte ich den Flachbildschirm aus und verabschiede mich gähnend ins Schlafzimmer. Gute Nacht.

28. und 29. Juli 2018 – Ein letztes Mal …

Hallo Leute,

heute melde ich mich ein letztes Mal aus der schönen Stadt Naples.
Wie ihr sicher wisst, geht mein Urlaub am Sonntag zu Ende und ich bin gezwungen, nach fast vier Wochen dem Sunshine State Lebewohl zu sagen. Morgen Abend werde ich nach München zurückfliegen und muss dann ab Dienstag auch schon wieder im Münchner Kreisverwaltungsreferat meinen Mann stehen 🙂


Ein letztes Mal an den Strand

Reinhard möchte heute Abend eine kleine Abschiedsparty schmeissen. Er ist gerade mit Georg zum Markt gefahren, um Red Snapper Filets, Gemüse und Salat zu besorgen. Währenddessen werde ich mich mit Maria und Frau Pontecorvo um die Beilagen kümmern. Neben gegrilltem Fisch und Tofuröllchen gibt es Backofenkartoffeln, bayerischen Krautsalat, marinierte Champignonspiesse, Ciabbata mit Parmesan und natürlich einen Nudelsalat 🙂

Das Arbeiten mit Maria und Frau Pontecorvo macht echt viel Spass. Die beiden sind sehr trinkfest und haben bereits zwei Gläser Aperol Spritz gesoffen. Ich stehe den beiden natürlich in nichts nach und verspüre auch schon einen kleinen Schwips. Aber egal, im Urlaub kann man schliesslich ab und zu über die Stränge schlagen.


Prost 🙂

Okay, jetzt muss ich die Kartoffeln schälen und die Pilze vorbereiten. Ich wünsche euch allen ein chilliges Wochenende und hoffe, dass wir uns am kommenden Samstag wieder lesen.

Eure Sandra

26. Juli 2018 – Im Riverchase Shopping Center

08.00 Uhr Während die Klimaanlage auf Hochtouren läuft, hüpfe ich aus dem Bett und bemerke beim Blick ins Gästezimmer, dass Sandra die Nacht nicht im Willoughby Drive verbracht hat. Um ein Gewaltverbrechen auszuschliessen, nehme ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) zur Hand und versuche, das Kind telefonisch zu erreichen. Bereits nach dem dritten Tuten meldet sich das Mädchen in der Leitung und beteuert, dass sie sich gestern kurzfristig entschlossen hat, die Nacht in Herrn Wangs Motel zu verbringen. Darüber hinaus bringe ich heraus, dass Sandra zu tief ins Glas geschaut und mit Bauchschmerzen zu kämpfen hat – das ist typisch.
08.30 Uhr Nachdem ich die Morgengymnastik absolviert habe, verabschiede ich mich in die Nasszelle und läute den Tag mit einem lustigen Wirbelbad ein. Ausserdem telefoniere ich mit dem Professor und gebe zu Protokoll, dass kaum noch Getränke vorrätig sind. Edelbert zeigt Verständnis und sagt, dass ich ihn gerne im PUBLIX Supermarkt treffen kann. Ich stimme prompt zu und verspreche, gegen 11 Uhr vor Ort zu sein.
09.30 Uhr Bevor ich losfahre, setze ich mich an den Küchentisch und verzehre in Hund Dixons Beisein vitaminreiche KELLOGGS Maisflocken mit frischer Muh. Bei dieser Gelegenheit studiere ich lesenswerte Artikel in der “Naples Daily News” und erfahre, dass die hiesige Polizei am Wochenanfang ein illegales Wettbüro im Stadtteil Manor ausheben konnte. Ich staune nicht schlecht und lese, dass Scherriff Bradfort sogar in einen Schusswechsel verwickelt war und einen Ganoven per Kopfschuss zur Strecke bringen musste – das ist ja allerhand.


Der beste Radiosender

10.15 Uhr Nach der reichhaltigen Mahlzeit lotse ich den Vierbeiner zum PS-strotzenden Chevrolet und mache es mir zur Aufgabe, hupend nach Westen zu preschen. Nebenher stelle ich den Radio an und erfreue mich am Qualitätsprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) – was kann es schöneres geben.
11.00 Uhr Pünktlich wie ein Maurermeister parke ich das KFZ vor dem Haupteingang und schicke mich an, Edelberts Hand zu schütteln. Darüber hinaus berichte ich, dass Sandra während der Nacht nicht zu Hause war. Mein Gegenüber legt den Zeigefinger an die Unterlippe und unkt, dass das Mädchen bestimmt in den Armen eines fremden Mannes gelegen ist. Ich nickt eifrig und schrecke nicht davor zurück, einer tattrigen Kundin (88) einen Einkaufswagen streitig zu machen – immerhin habe ich meine Zeit nicht gestohlen.
11.30 Uhr Während wir durch die breiten Gänge des Supermarkts schlendern und Weichgetränke (unlöblich: Softdrinks) auswählen, verweise ich auf das Wochenende und bin heilfroh, weil Sandra am Sonntag nach Deutschland ausfliegen wird. Edelbert schnippt mit den Fingern und entgegnet, dass in drei Tagen endlich wieder Ruhe im Willoughby Drive einkehren wird – wie wahr.
12.15 Uhr Nachdem wir uns an der Kasse die Beine in den Bauch stehen mussten, schleppen wir die Einkaufstüten zu den Autos und fassen den Entschluss, in das dem “Riverchase Shopping Center” angeschlossene “New York Pizza & Pasta” Gasthaus einzukehren – immerhin darf das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen.


Pizza – schmeckt gar nicht schlecht

12.45 Uhr Weil mein knurrender Magen nach einer stattlichen Brotzeit verlangt, fackle ich nicht lange und beauftrage eine übergewichtige Kellnerin, eine schmackhafte Schinkenpizza zu servieren. Dazu gibt es einen Pitcher (löblich: Krug) mit durstlöschender Limonenlimonade – schmeckt gar nicht schlecht.
13.15 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, komme ich auf Amanda und James zu sprechen und informiere, dass die Kinder den Wunsch geäussert haben, im August nach Florida zu kommen. Mein Tischnachbar wird augenblicklich hellhörig und freut sich, alsbald den kleinen David begrüssen zu können – das wird eine Gaudi.
14.00 Uhr Nach dem Bezahlvorgang schlendern wir zu den Autos zurück und ich merke an, dass am Samstag Abend eine kleine Abschiedsfeier für Sandra im Willoughby Drive steigen wird. Prof. Kuhn reibt sich die Hände und sagt, dass er selbstverständlich vorbei kommen und grossen Hunger mitbringen wird – wie aufregend.
14.45 Uhr Daheim angekommen, verstaue ich die Getränke im Eiskasten und freue mich auf einen ruhigen Nachmittag in der kleinen Villa. Ich schliesse die Augen und sehe mich im Traum nach Toronto versetzt.


Ich träume von Toronto

15.45 Uhr Leider wird die Ruhe zeitnah durch lautes Gepolter gestört. Ich wische mir verärgert den Schlaf aus den Augen und werde Zeuge, wie sich Sandra am Kühlschrank zu schaffen macht. Ferner rückt das Kind ihre Sonnenbrille zurecht und plappert, dass sie grossen Durst hat und sich gleich ins Bett legen wird. Ich seufze laut und komme zu dem Schluss, dass Sandra nicht mehr zu helfen ist.
16.30 Uhr Nachdem ich echten Bohnenkaffee aufgebrüht habe, setze ich mich an den Schreibtisch und komme meinen Pflichten als staatlich anerkannter Anschnurseelsorger nach. Trotz schweisstreibender Temperaturen rufe ich Depeschen verzweifelter Erziehungsberechtigter ab und helfe, wo ich nur kann.
17.30 Uhr Als die Zeiger meiner wertvollen ROLEX auf halb 6 zugehen, beende ich die Arbeit und eile in die Küche, um eine Wurst- und Käseplatte anzurichten. Zudem garniere ich die vitaminreichen Spezialitäten mit Gurkenscheiben und vergesse auch nicht, Sandra zum Abendessen zu rufen – leider ohne Erfolg.


Bei grosser Hitze muss man viel trinken

18.00 Uhr Zum Abschluss des langen Tages nehme ich die Spülmaschine in Betrieb und mache es mir dann in der klimatisierten Wohnstube gemütlich. Während ich ein perfekt eingeschenktes Weissbier mit Schaumkrone verköstige, fröne ich den Nachrichten auf FOX und lerne, dass es zum Wochenende etwas kühlen werden wird.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit kommt Sandra daher und schlägt vor, dass wir uns die Serie “Wolf Creek” auf Amazon anschauen könnten. Bevor ich antworten kann, schnappt sich die unterbelichtete Maid die Fernbedienung und ich komme in den zweifelhaften Genuss, die bildhübsche Eve kennenzulernen, die als Rucksacktouristin in Australien unterwegs ist und einen Massenmörder zur Strecke bringen möchte – da kommt Spannung auf.
21.00 Uhr Nach drei Episoden erhebe ich mich aus dem Sessel und bin mir sicher, dass ich niemals den fünften Kontinent bereisen werde. Kopfschüttelnd ziehe ich mich ins Schlafzimmer zurück und wünsche Hund Dixon süsse Träume. Gute Nacht.