27. Juli 2017 – Zum Lake Erie

08.15 Uhr Ich stehe beschwingt auf und läute den letzten Donnerstag des Heumonats Juli mit dem Frühsport ein. Danach werfe ich mir den Morgenmantel über und statte Edelbert im Nachbarzimmer einen Besuch ab. Während der gute Mann seine Habseligkeiten in den Rollkoffer stopft, komme ich auf unsere anstehende Tagesetappe zu sprechen und stelle klar, dass wir in Richtung Detroit oder zum Lake Erie fahren können. Der Professor legt den Zeigefinger an die Unterlippe und meint, dass es eine Gaudi wäre, die kommende Nacht am wunderschönen Eriesee zu verbringen. Ich nicke zustimmend und entgegne, dass wir gegen 10 Uhr losfahren sollten – wie aufregend.


Hund Dixon biselt sich auf dem Parkplatz aus

08.45 Uhr Nachdem der Vierbeiner den Motelparkplatz eingehend inspiziert und einen zwielichtig dreinschauenden Penner angeknurrt hat, kehre ich in mein Zimmer zurück und dusche mich ab.
09.45 Uhr Wenig später werde ich frisch in Schale geworfen am Winnebago vorstellig und erfahre von Edelbert, dass wir spätestens morgen die Toilette entleeren sollten. Ich nicke eifrig und unterbreite, dass nun die Zeit gekommen ist, um ein einladendes Gasthaus anzusteuern. Der Professor hüpft ausgelassen auf den Beifahrersitz und lotst mich zielsicher zu einem „Wendy’s Restaurant“ an der High Street.
10.30 Uhr Nach einer dreiviertel Meile trete beherzt auf die Bremse und nehme mir das Recht heraus, das sperrige Wohnmobil im Parkverbot abzustellen. Im Anschluss schlendern wir hungrig in die gutbesuchte Wirtschaft und ordern vitaminreiche „Honey Butter Chicken Biscuits“ (löblich: Honigbutter Hühner Brötchen) sowie ein Halbes Dutzend „Mornin‘ Melt Paninis“ – schmeckt gar nicht schlecht.


Wiedersehen Columbus, OH

11.15 Uhr Bevor wir Columbus in Ohio hinter uns lassen, verabschiede ich mich in den Waschraum und wische mir einen Ketchupfleck vom Hawaiihemd. Ausserdem fahre ich mir mit den Fingern durchs Haar und komme beim Blick in den Spiegel zu dem Schluss, dass ich heute spitze aussehe – da kommt besonders grosse Freude auf.
11.30 Uhr Als die Zeiger meiner wertvollen ROLEX auf halb Zwölf zugehen, sitzen wir endlich im Travato und schicken uns an, auf der Interstate 71 stadtauswärts zu krusen. Während ich das PS-strotzende Gefährt auf 40 Meilen beschleunige, wirft Edelbert prüfende Blicke auf sein strahlendes Handtelefon und rechnet vor, dass wir in sechzig Minuten die Heimatstadt der „Rock and Roll Hall of Fame“ (löblich: Felsen und Rollen Halle des Ruhmes) erreichen werden. Ich winke demonstrativ ab und lasse meinen Nebenmann wissen, dass wir einen grossen Bogen um Cleveland machen sollten.
12.30 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, geht eine Kurznachricht auf meiner Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) ein. Ich reiche das Kommunikationsgerät spornstreichs an meinen Bekannten weiter und lerne, dass mir Guido eine Mitteilung geschickt hat. Mein unlöblicher Neffe schreibt, dass er nun mit Elsbeth nach Miami fahren und sich für zwei Wochen in ein luxuriöses Strandhotel einmieten wird. Kopfschüttelnd lasse ich das Telefon in der Hosentasche verschwinden und merke an, dass mir der Gammler gestohlen bleiben kann.


Guido ist ein Ganove

13.30 Uhr Nach 110 Meilen wechseln wir auf die Schnellstrasse 271 und rasen hupend an Cleveland vorbei. Edelbert hält interessante Fakten bereit und berichtet, dass die Gemeinde im Jahre 1796 von europäischen Siedlern gegründet wurde und heutzutage ein wichtiges Zentrum der amerikanischen Stahlindustrie ist. Ich staune Bauklötze und fahre alsbald auf die Interstate 90, die sich am Eriesee entlang bis nach Buffalo schlängelt. Unterdessen navigiert Prof. Kuhn durchs Internetz und vertellt, dass es sich anbieten würde, unser Nachtlager in Geneva-on-the-Lake aufzuschlagen – das soll mir Recht sein.
14.00 Uhr Während der einstündigen Reise brüht Edelbert im hinteren Teil des Wohnmobils Kaffee auf und serviert zudem reich belegte Wurstbrote. Ich beisse kraftvoll zu und erkläre Dixon, dass wir schon bald unser Ziel erreichen werden. Der Rüde wird augenblicklich hellhörig und hüpft auf seiner Liegepritsche aufgeregt auf und ab.
15.00 Uhr Schlussendlich passieren wir das Willkommensschild der 1.500 Einwohner zählenden Kleinstadt Geneva-on-the-Lake. Ich drossle die Geschwindigkeit und registriere, dass sich entlang der Hauptstrasse zahlreiche Motels angesiedelt haben. Wir fackeln nicht lange und steuern das „Sands Beach Resort“ am Eriesee an, um zwei Single-Rooms (löblich: Einzelzimmer) zu buchen. Der bierbäuchige Motelbesitzer heisst uns herzlich Willkommen und plappert davon, dass alle Zimmer mit Doppelbetten und Kochnischen ausgestattet sind.


Den Eriesee muss man gesehen haben

15.30 Uhr Völlig erschöpft parken wir den Winnebago auf dem Motelparkplatz und zögern nicht, die Räumlichkeiten ganz genau unter die Lupe zu nehmen. Obgleich das Interieur viele Jahre auf dem Buckel hat, kommen wir zu dem Schluss, dass man hier durchaus eine gute Nacht verbringen kann.
16.30 Uhr Just als ich Dixon gesundes Trockenfutter bereitstelle, pocht Edelbert an die Türe und lädt mich ein, mit ihm zum Eriesee zu wandern. Darüber hinaus präsentiert der gute Mann ein Sechserpack Budweiser und wirft ein, dass er grossen Durst hat. Ich folge meinem Bekannten mit schnellen Schritten zum Ufer und lasse mich schnaufend auf einer Bank nieder. Der Professor folgt meinem Beispiel und prostet mir redlichst zu – wie schön.
17.30 Uhr Weil man nicht nur von flüssigem Brot leben kann, kehren wir nach dem Umtrunk in die „GOTL Brewing Company“ Wirtschaft ein und ordern deftige Cheeseburger mit Kartoffelstäben. Die nette Kellnerin lässt sich nicht lumpen und fährt sogar etwas Speck für den hechelnden Vierbeiner auf – wie aufmerksam.
18.30 Uhr Wir geniessen das Abendessen in vollen Zügen und verabreden, dass wir morgen bis zu den Niagara Fällen vorstossen und dort das Wochenende verbringen sollten. Edelbert reibt sich die Hände und kann es kaum noch erwarten, in der kommenden Woche die kanadische Grenze zu überqueren und meine Verwandten wiederzusehen.


Prost

19.30 Uhr Nach dem feinen Essen torkeln wir zum Motel zurück und trinken eine letzte Hopfenkaltschale auf der Veranda unserer Motelanlage. Währenddessen spielt Dixon mit einem Tennisball und macht grosse Augen, als sich aus der Dämmerung plötzlich ein stattlicher Retriever nähert. Als ich die Bierflasche beiseite stelle, gesellt sich eine kleine Frau (56) zu uns und informiert, dass sie und ihr Haustier im Motelzimmer 17 untergebracht sind. Wir geben uns erleichtert und bringen heraus, dass Frau Abby eine Vertreterin ist und morgen nach Chicago weiterreisen wird.
20.00 Uhr Nachdem die Sonne im Eriesee versunken ist, schüttelnd wir Hände und kehren auf die Zimmer zurück. Gute Nacht.

26. Juli 2017 – Von Huntington, WV bis nach Columbus, OH

08.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und ziehe die Vorhänge auf, um auf den Ohio River zu blicken. Nebenher berichte ich dem gähnenden Rüden, dass sich der grösste Nebenfluss des Mississippi auf über 1.000 Meilen durch den Osten der Vereinigten Staaten schlängelt – das ist phantastisch.
08.30 Uhr Nachdem ich den Frühsport im Hotelzimmer absolviert habe, rufe ich bei Edelbert an und vernehme, dass wir zeitnah aus dem „Pullman Plaza Hotel“ in Huntington, WV austschecken und gen Norden krusen sollten. Ich stimme zu und verspreche, dass ich in einer Stunde im hauseigenen „Patio Restaurant“ sein werde.
09.30 Uhr Nach einer Dusche nehme ich die auf der Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) eingegangenen Mittelungen in Augenschein und bringe heraus, dass meine Schwester und Guido noch immer in Naples verweilen und am Abend bei Frau Pontecorvo eingeladen sind. Ich lache laut und lasse es mir nicht nehmen, meiner Nachbarin per Kurzdepesche klarzumachen, dass es Guido faustdick hinter den Ohren hat.


Meine Schwarzbeere

10.00 Uhr Wenig später werde ich im Frühstücksraum vorstellig und wünsche dem Professor einen guten Morgen. Mein Bekannter plappert ohne Unterlass und erzählt, dass wir heute Ohio durchqueren und am frühen Nachmittag die Hauptstadt Columbus erreichen werden. Ich nicke eifrig und ordere bei einer beschürzten Kellnerin ein grosses Frühstück.
10.45 Uhr Im Anschluss bringen wir die Schlüsselkarten zum Empfang und schicken uns an, mit dem Haustier zum Fluss zu schlendern. Während der Vierbeiner unentwegt schnüffelt, deute ich zum anderen Ufer und informiere, dass der reissende Strom West Virginia von Ohio trennt. Der Professor schlägt in die gleiche Kerbe und vertellt, dass der bekannte John Denver Gassenhauer „Take Me Home, Country Roads“ (löblich: Bring mich nach Hause, Landstrassen) seit 2014 die offizielle Hymne des Bergstaats West Virginia ist – wie aufregend.

11.30 Uhr Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, kehren wir zum WINNEBAGO zurück und gleiten voller Abenteuerlust vom Hotelparkplatz. Obgleich ich der viel bessere Fahrer bin, überlasse ich Edelbert das Steuer und halte ihn an, dem Highway 52 nach Nordwesten zu folgen – da kommt besonders grosse Freude auf.
12.00 Uhr Während die Landschaft an uns vorbeizieht, nippe ich genüsslich an einer Coladose und lasse Edelbert wissen, dass ich heute auf den Tag genau seit 40 Jahren unfallfrei im Strassenverkehr unterwegs bin. Mein Begleiter ruft sich den 26. Juli des Jahres 1977 ins Gedächtnis und erinnert, dass ich damals im Vollrausch die Kontrolle über meinen OPEL DIPLOMAT verloren und eine Strassenlampe umgefahren habe – wie lustig.
13.00 Uhr Unter anderem rasen wir am „Crows City Wildlife Area“ vorbei und lernen, dass dieser 48 Quadratkilometer grosse Forst bei Wanderern äusserst beliebt ist. Darüber hinaus passieren wir auch die Gemeinde Chillicothe, die nach dem Indianerstamm der Chilacatha benannt wurde. Prof. Kuhn ist begeistert und setzt mich darüber in Kenntnis, dass in dieser Gegend auch die Shawnee Indianer gelebt haben, die dem Häuptling Tecumseh unterstellt waren – wie schön.


Tecumseh war eine stolze Rothaut

14.00 Uhr Nach einer knapp zweieinhalbstündigen Hochgeschwindigkeitsfahrt tut sich die Himmelslinie der Grossstadt Columbus am Horizont auf. Weil in der Hauptstadt des Bundesstaates viele deutschstämmige Immigranten leben, fassen wir den Entschluss, die Interstate 71 zu verlassen und den schicken Vorort „German Village“ zu besuchen. Nach kurzer Suche parken wir das Wohnmobil vor dem „German Village Inn“ und bringen an der Rezeption heraus, dass eine Übernachtung 71 Dollars kosten soll. Wir gehen prompt auf das Angebot ein und haben das Vergnügen, zwei gemütlich eingerichtete Zimmer im Erdgeschoss zugewiesen zu bekommen.


Willkommen in Columbus, OH

15.00 Uhr Nachdem wir uns kühle Biere aus dem Minibar gegönnt und uns erfrischt haben, nehmen wir Dixon an die Leine und brechen bei angenehmen Temperaturen zu einem ausgedehnten Spaziergang auf. Wir schlendern beeindruckt durch das historische Stadtviertel und beäugen wunderschöne Backsteingebäude, die im viktorianischen Stil erbaut wurden. Ferner vertreten wir uns auch im „Schiller Park“ die Beine und lesen auf einer Informationstafel, dass diese Grünanlage an den deutschen Dichter Friedrich Schiller erinnern soll.
16.00 Uhr Anschliessend kühlen wir uns in der St. Mary’s Church redlichst ab und nehmen uns das Recht heraus, ein Gebet zu sprechen. Leider gesellt sich alsbald der Pfarrer an unsere Seite und unterbreitet, dass Hunde in seinem Gotteshaus nichts verloren haben – wie unlöblich.
16.45 Uhr Kurz vor dem Fünfuhrläuten finden wir uns plötzlich vor „Schmidt’s Sausage House“ (löblich: Schmidts Wursthaus) wieder und lernen, dass in diesem Gasthaus vitaminreiche Speisen nach deutschen Rezepten serviert werden. Da unsere Mägen laut knurren, stossen wir spornstreichs die Pforte auf und ordern zwei Schweineschnitzel mit Pilzsauce und Kartoffelbrei. Dazu gibt es süffiges Coors Bier und als Nachspeise hausgemachten Apfelstrudel mit Vanilleeis – schmeckt gar nicht schlecht.
18.00 Uhr Nachdem wir einer Bedienung 75 Dollars überlassen haben, begeben wir uns auf den Heimweg. Ich komme aus dem Schnaufen gar nicht mehr heraus und erkläre meinen Begleiter, dass ich viel zu viel gegessen habe. Der Professor stimmt zu und meint, dass er sich nun aufs Ohr legen wird – das ist eine hervorragende Idee.

19.00 Uhr Zurück im „Village Inn“ wünsche ich dem Professor eine angenehme Nacht und verabschiede mich winkend auf mein Zimmer. Wie es sich als Tierfreund gehört, fülle ich Dixons Napf mit Trockenfutter auf und vergesse auch nicht, frisches Wasser bereit zu stellen. Danach verschwinde ich im Bad und beschliesse den spannenden Tag mit einem Vollbad – das tut gut.
20.00 Uhr Während die Klimaanlage surrt und Dixon einen Kauknochen verdrückt, falle ich erschöpft ins viel zu weiche Bett und schaue etwas fern. Weil ich die Augen vor Müdigkeit kaum aufhalten kann, betätige ich zeitnah den OFF (löblich: AUS) Knopf auf der neumodernen Fernbedienung und döse schnell ein. Gute Nacht.

24. Juli 2017 – Auf nach Charlotte

08.00 Uhr Während ich gähnend aufstehe und ins Bad schlendere, schnappt sich Hund Dixon eines seiner Spielzeuge und fabriziert Quietschlaute am laufenden Band. Angesichts dieser Kakophonie schlüpfe ich kopfschüttelnd aus dem Schlafanzug und nehme mir das Recht heraus, mich kalt abzuduschen – das tut gut.


Hund Dixon quietscht

08.30 Uhr Leider wird die himmlische Ruhe alsbald durch sehr aggressives Telefonläuten unterbrochen. Zu allem Überfluss wünscht mir meine Schwester einen guten Morgen und behauptet, dass sie in Begleitung ihres Sohnes am Wochenende in Naples eingetroffen ist. Elsbeth seufzt laut und unterbreitet, dass sie seitdem mehrmals an meiner Pforte geklingelt hat. Ich lache schelmisch und entgegne, dass ich kurzfristig verreisen musste und erst im September nach Florida zurückkehren werde. Darüber hinaus weise ich auf die Tatsache hin, dass ich keine Lust habe, mich mit Guido zu versöhnen. Bevor Elsbeth Widerworte findet, beende ich das Telefonat und werfe meine Habseligkeiten in den Rollkoffer.
09.30 Uhr Kurze Zeit später pocht Edelbert an meine Zimmertüre und vertellt, dass nun die Zeit gekommen ist, um der schönen Stadt Savannah Lebewohl zu sagen. Ich schlage in die gleiche Kerbe und schicke mich an, das Reisegepäck zum Aufzug zu schleppen. Während wir in die Tiefgarage fahren, schnalze ich mit der Zunge und stelle klar, dass ich mich im „Hilton Garden Inn“ pudelwohl gefühlt habe. Der Professor nickt eifrig und meint, dass wir nun im hauseigenen „John Ryans Bistro“ frühstücken sollten.


Savannah muss man gesehen haben

10.00 Uhr Während wir brühfrischen Bohnentrunk schlürfen und uns Leckereien vom Büfett schmecken lassen, komme ich auf Elsbeths Anruf zu sprechen und zeige auf, dass sich Guido seit dem Wochenende in Naples tummelt. Mein Tischnachbar tupft sich mit der Serviette den Mund ab und wirft ein, dass es eine hervorragende Entscheidung war, mit dem Wohnmobil nach Norden zu fahren – wie wahr.
10.30 Uhr Bevor wir Savannah hinter uns lassen, vertreten wir uns die Beine und unternehmen mit dem Vierbeiner einen Spaziergang zum Savannah River. Unter anderem nehmen wir einen vor Anker liegenden Schaufelraddampfer in Augenschein und erfahren anhand einer Informationstafel, dass der Strom im 18. Jahrhundert ein wichtiger Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung von Georgia war – wie aufregend.
11.15 Uhr Wenig später sitzen wir im WINNEBAGO und gleiten zu den Klängen des lokalen Landmusiksenders KIX96 gen Norden davon. Um schneller voran zu kommen, folgen wir der Interstate 95 und fassen den Entschluss, bis zum Abend Charlotte in North Carolina zu erreichen.
11.00 Uhr Da der Savannah River auf knapp 300 Meilen die natürliche Grenze zu South Carolina bildet, finden wir uns im Handumdrehen im Nachbarstaat wieder. Mein Begleiter hält wissenswerte Fakten bereit und belehrt, dass der sogenannte „Palmetto State“ sehr ländlich geprägt ist und im nationalen Bruttoinlandsvergleich lediglich auf dem fünftletzten Platz rangiert – das soll mir auch Recht sein.


Meine GLOCK G32

12.45 Uhr Als wir die Kleinstadt Walterboro passieren, bitte ich Edelbert, mein Handtelefonladekabel aus dem Rollkoffer zu holen. Als sich der schlaue Mann an meinem Gepäckstück zu schaffen macht, fällt ihm plötzlich die GLOCK ins Auge. Edelbert schimpft wie verrückt und macht mich auf den Umstand aufmerksam, dass es nicht erlaubt ist, Schusswaffen über Staatsgrenzen zu transportieren. Der Professor rauft sich die Haare und sagt, dass wir bei einer Polizeikontrolle verhaftet werden könnten – papperlapapp.
13.30 Uhr Nachdem wir ein stattliches Autobahnkreuz hinter uns gelassen haben, nähern wir uns der Hauptstadt von South Carolina. Um dem Haustier etwas Gutes zu tun, verlassen wir die Schnellstrasse und parken das Gefährt vor dem Haupteingang des „Congaree National Park“. HEUREKA – diese Idylle muss man erlebt haben.


Der Congaree National Park

14.00 Uhr Während der Rüde durchs hohe Gras streift, hole ich das Schiesseisen hervor und erkläre Edelbert, dass ich die GLOCK im Badezimmer verstecken werde. Der Professor tippt sich an die Schläfe und macht es sich zur Aufgabe, zwei Dosen „Cheese Ravioli“ (löblich: Käseravioli) hervorzuholen und den Gasherd in Betrieb zu nehmen.
14.30 Uhr Just als ich zum Besteck greife und mich über die Mahlzeit hermache, fährt ein grimmig dreinschauender Parkwächter vor und plappert, dass das Lagern und Zelten auf dem Parkgelände unter Strafe steht. Wir winken demonstrativ ab und geben dem Knecht zu verstehen, dass wir in wenigen Minuten weiterfahren werden.
15.15 Uhr Im Anschluss preschen wir an der 140.000 Einwohner zählenden Grossstadt Columbia vorbei und kommen zu dem Schluss, dass wir unser Ziel in 90 Minuten erreichen werden. Edelbert freut sich und hält auf seinem Handtelefon nach einer bezahlbaren Bleibe Ausschau. Nach wenigen Augenblicken wird der schlaue Mann fündig und kündigt an, dass wir die Nacht im „Westin Hotel“ in Downtown verbringen werden – das ist phantastisch.
16.15 Uhr Nach 250 Meilen erblicken wir das Willkommensschild von Charlotte am rechten Strassenrand. Ich drossle die Geschwindigkeit und bitte meinen Begleiter, mich zum Hotel zu lotsen.
17.00 Uhr Nachdem wir am Empfang vorstellig geworden sind und die Koffer auf die Zimmer gebracht haben, erkunden wir mit Hund Dixon im Schlepptau die Umgebung. Unter anderem laufen wir am „Charlotte Convention Center“ vorbei und bemerken, dass die Stadt kaum Sehenswürdigkeiten bietet – wie schade.


Ich proste Edelbert redlichst zu

18.00 Uhr Trotz alledem lassen wir uns die gute Laune nicht verderben und kehren hungrig und durstig in „Moe’s Restaurant“ ein, um den langen Tag mit süffigen Hopfenkaltschalen und herzhaften Nachos ausklingen zu lassen. Nebenbei kontaktiere ich Frau Pontecorvo und vernehme, dass sie am Montag das Vergnügen hatte, meine Schwester und Guido kennen zu lernen. Die Alte redet ohne Unterlass auf mich ein und vertritt die Meinung, dass mein Neffe ein sehr freundlicher und umgänglicher Zeitgenossen ist – wie unlöblich.
19.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 7 deutet, treffen wir wieder im Hotel ein. Mit letzter Kraft schleppe ich mich aufs Zimmer und vergesse auch nicht, Dixon gesundes Trockenfutter und durstlöschendes Wasser zu kredenzen. Danach trotte ich ins Bad und entspanne mich bei einem Vollbad mit Schaum.
20.00 Uhr Zu guter Letzt ziehe ich die Vorhänge zu und animiere den Rüden, zu mir ins Bett zu hüpfen. Gute Nacht.

21. Juli 2017 – Von Lighthouse Point zum Kennedy Space Center

08.00 Uhr Ein neuer Morgen bricht an und ich habe mit Rückenschmerzen zu kämpfen. Als ich mir den Schlaf aus den Augen wische und zum Fenster schiele, stelle ich erschrocken fest, dass ich während der Nacht gar nicht in meinem Bett geschlafen habe. Erst nach wenigen Augenblicken wird mir klar, dass ich mich auf der Flucht befinde und in der 10.000 Einwohner zählenden Gemeinde Lighthouse Point, FL übernachtet habe – wie schön.
08.30 Uhr Nachdem ich vor dem Motelzimmer Purzelbäume geschlagen und skeptische Blicke einiger Gäste auf mich gezogen habe, poche ich an Edelberts Räumlichkeit und bringe heraus, dass mein Bekannter wie ein Kleinkind geschlafen hat. Ich reibe mir die Hände und lasse den Professor wissen, dass mein knurrender Magen nach einem Frühstück verlangt. Der gute Mann schlägt in die gleiche Kerbe und verspricht, dass er in einer Stunde abfahrbereit sein wird – das hört man gerne.
08.45 Uhr Um die Wartezeit sinnvoll zu überbrücken, kehre ich ins Motelzimmer zurück und fülle Dixons Napf mit ROYAL CANIN Trockenfutter auf. Danach verschwinde ich im Badezimmer und dusche mich kalt ab – das tut gut.
09.30 Uhr Wenig später räume ich das Gepäck in den Travato und nehme mir das Recht heraus, mit der praktischen Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) im Internet zu recherchieren. Dank der GOOGLE MAP (löblich: Landkarte) Weichware finde ich im Handumdrehen ein nettes Gasthaus in der Nachbarschaft – wie schön.
09.45 Uhr Endlich hievt auch der Professor seinen Koffer ins Wohnmobil und schlägt vor, dass wir der Küste einige Meilen nach Norden folgen könnten. Ich schüttle den Kopf und gebe zu Protokoll, dass ich in „Michael’s Family Restaurant“ einkehren möchte. Edelbert zuckt mit den Schultern und macht es sich auf dem Beifahrersitz bequem.
10.15 Uhr Kurz nach dem Zehnuhrläuten finden wir uns in einem gutbesuchten Familiengasthaus wieder und werden von einer freundlichen Kellnerin herzlich begrüsst. Das Mädchen (22) führt uns an einen Tisch mit Ausblick auf die benachbarte Autowerkstatt und versorgt uns mit wässrigem Kaffee. Wir fackeln nicht lange und bitten den Trampel, zwei grosse Frühstücke zu servieren. Darüber hinaus planen wir die heutige Etappe und verabreden, dass wir während des Nachmittages Boca Raton hinter uns bringen und unser Nachtlager bei Titusville im Brevard County aufschlagen sollten – das soll mir Recht sein.


Edelbert brüht Kaffee auf / Bild: Nevit Dilmen / CC BY-SA 3.0

11.00 Uhr Gestärkt verlassen wir die Wirtschaft und schicken uns an, Dixon in den WINNEBAGO zu helfen und der Florida Staatsstrasse A1A gen Norden zu folgen. Während ich das Wohnmobil auf 35 Meilen pro Stunde beschleunige, macht sich mein Begleiter an der Küchenzeile zu schaffen und brüht Kaffee auf. Nebenher nölt der gute Mann in einer Tour und beteuert, dass die braune Brühe in „Michael’s Restaurant“ ungeniessbar war.
12.00 Uhr Zur Mittagszeit passieren wir die Stadt Jupiter und lesen auf einer Informationstafel, dass in dieser Gemeinde eine sogenannte LORAN Sendeanstalt beheimatet ist. Edelbert ist bestens informiert und behauptet, dass viele solcher Anlagen entlang der Küste zu finden sind. Zudem lerne ich, dass die Loran-C Signale zur Navigation auf hoher See zum Einsatz kommen – wie interessant.
12.45 Uhr Just als ich kraftvoll in einen Schokoladenriegel beisse und meine Kehle mit einer Mountain Dew Limonade öle, bimmelt die Schwarzbeere besonders laut. Zu meiner Freude meldet sich Georg in der Leitung und erkundigt sich, wann wir in Kanada eintreffen werden. Ich zucke mit den Schultern und entgegne, dass wir alle Zeit der Welt haben und nichts überstürzen werden. Mein Bruder lässt jedoch nicht locker und setzt mich darüber in Kenntnis, dass am kommenden Mittwoch am Lake Simcoe ein grosses Feuerwerk stattfinden wird – jaja.


Der Lake Simcoe wartet schon auf uns

13.45 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, überqueren wir den Indian River und entschliessen uns, auf der vorgelagerten Insel an den Gemeinden Vero Beach und Wabasso vorbeizuziehen. Edelbert knipst unzählige Photos und meint, dass viele Bürger von Wabasso mit Krabbenfang ihren Lebensunterhalt bestreiten – wie lächerlich.
14.45 Uhr Um den Vierbeiner eine kleine Freude zu bereiten, machen wir in Satellite Beach eine kurze Rast. Mit quietschenden Bremsen kommen wir vor der einladenden „Pappagallo’s Pizzeria“ zum stehen und ermöglichen Dixon etwas Auslauf. Der Rüde flitzt wie von Sinnen zum Strand und zögert nicht, sein Beinchen an einer hochgewachsenen Palme zu heben. Währenddessen lassen wir uns auf einer Bank nieder und löschen unseren Durst mit süffigem Rootbeer (löblich: Wurzelbier). Edelbert nippt zufrieden am Kaltgetränk und wirft ein, dass es immer wieder grossen Spass bereitet, durch Amerika zu rasen – das kann man laut sagen.
15.30 Uhr Da das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, schlendern wir plaudernd in das Italiengasthaus und stärken uns mit vitaminreichen Salamipizzas. Ferner schmieden wir Pläne fürs Wochenende und kommen überein, dass wir Morgen bis nach Savannah krusen und dort den Sonntag verbringen sollten – wie aufregend.


Wir geben ein kleines Trinkgeld

16.15 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, die Rechnung zu begleichen und weiterzufahren. Wir bescheren dem Wirt ein kleines Trinkgeld und ziehen es vor, die letzten 45 Meilen unserer Tagesreise ruck zuck hinter uns zu bringen. Um für gute Stimmung zu sorgen, verfrachte ich eine Kompaktscheibe mit George Straits grössten Erfolgen in die Musikanlage und trete das Gaspedal bis zum Anschlag durch.
17.15 Uhr Nach knapp 200 Meilen erreichen wir unser Ziel und haben das Vergnügen, unweit des „Kennedy Space Centers“ in ein preiswertes „Budget Motel“ einzutschecken. Die zuvorkommende Empfangsdame weist uns zwei Zimmer mit Blick auf den Indian River zu und legt uns nahe, am morgigen Tag das „Kennedy Weltraumzentrum“ zu besuchen – das werden wir erst noch sehen.


Wir übernachten am Kennedy Space Center

18.00 Uhr Nachdem wir unser Gepäck auf die Zimmer gebracht haben, vertreten wir uns die Beine und spazieren zum Rathaus. Ausserdem flanieren wir an der örtlichen Playadlinda Brauerei vorbei und fassen den Entschluss, in die hauseigene Trinkhalle einzukehren und das selbstgebraute Bier zu kosten. Dazu gibt es köstliche Cheeseburger (löblich: Käseburger) mit gekringelten Kartoffelstäben und Salat – man gönnt sich ja sonst nichts.
20.00 Uhr Zwei Stunden später finden wir uns erheitert im Motel ein. Ich wünsche Edelbert eine ruhige Nacht und beschliesse den langen Tag mit einer kalten Dusche. Danach breite ich Dixons Decke auf dem Boden aus und falle erschöpft ins Bett. Gute Nacht.

15. und 16. Juli 2017 – Ich fliege nach England!

Hi Fans,

wie ihr ja wisst, wollte ich über Pfingsten nach Florida düsen und Reinhard einen Besuch abstatten. Aus der Reise ist leider nichts geworden, denn meine Eltern haben sich kurzfristig entschlossen, während der Feiertage nach Bayern zu kommen ^^

Weil ich Überstunden abbauen muss, habe ich heute eine Kurzreise nach Manchester unter Dach und Fach gebracht. Ich werde bereits am kommenden Freitag mit Mitbewohnerin Bärbel und Cousin Bernd nach England fliegen und bis Montag in Manchester bzw. Liverpool Sightseeing betreiben 🙂

Die ersten zwei Nächte verbringen wir in der neuen Heimat des ehemaligen FC Bayern Startrainers Pep Guardiola. In Manchester gibt es viel zu sehen … unter anderem lockt das weltbekannte „Museum of Science and Industry“ jährlich bis zu 1.000.000 Besucher an. Ausserdem scheint die „Manchester Art Gallery“ mit seiner beeindruckenden Bildersammlung ein echtes Touristenmagnet zu sein.


Ich fliege nach Liverpool

Sonntag Nachmittag geht es mit dem Bus ins 60 Kilometer entfernte Liverpool. Natürlich werden wir uns in der Heimatstadt der Pilzköpfe das „Beatles Museum“ anschauen und auf den Spuren von John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr wandern. Eingefleischte Beatles-Fans haben in Liverpool auch die Möglichkeit, im „Cavern Club“ – der Geburtsstätte der Beatles – abzuhängen oder an einer mehrstündigen „Magical Mystery Bustour“ teilzunehmen …

Heute ist erst einmal Kino angesagt.
Am Donnerstag ist der neue Spider-Man Blockbuster „Homecoming“ weltweit angelaufen. Den Streifen will ich unter keinen Umständen verpassen.

Ich wünsche euch allen ein tolles Weekend.
Eure Sandra