20. Februar 2018 – In einer Woche gehts los …

08.00 Uhr Auch heute schwinge ich mich sportlich aus dem Bett und begrüsse den Morgen mit dem Frühsport auf der Terrasse. Um meine Glieder zu stählen, hüpfe ich mehrmals auf und ab und vergesse auch nicht, einen Purzelbaum zu schlagen – wer rastet, der rostet.


Alexa spielt Musik – wie schön

08.30 Uhr Im Anschluss rufe ich die Amazon Musiksäule auf, mein bescheidenes Heim mit handgemachter Landmusik zu beschallen. ALEXA folgt meinen Befehl aufs Wort und verwöhnt mich mit stimmungsvollen Waylon Jennings Klängen. Unterdessen nehme ich die futuristische DeLonghi Kaffeemaschine in Betrieb und fülle gesundes ROYAL CANIN Trockenfutter in Dixons Napf. Danach ziehe ich mich pfeifend in die Nasszelle zurück und lasse die Seele bei einem Wirbelbad baumeln. Leider wird die himmlische Ruhe alsbald durch lautes Telefonschellen gestört. Zu allem Überfluss meldet sich Edelbert im Rohr und regt einen Ausflug an den Strand an. Da ich nichts besseres zu tun habe, willige ich ein und gebe zu Protokoll, dass ich ihn gerne am Naples Pier treffen würde. Edelbert freut sich und verspricht, in eineinhalb Stunden vor Ort zu sein – wie aufregend.
09.15 Uhr Weil die Zeit drängt, hüpfe ich schnell aus der Wanne und nehme in Gesellschaft meines Haustieres die wichtigste Mahlzeit des Tages ein. Ausserdem blättere ich interessiert in der Tageszeitung und lerne, dass uns zur Wochenmitte ein Sturmtief heimsuchen und viel Regen bringen wird – wie schrecklich.
09.45 Uhr Kurz vor dem Zehnuhrläuten scheuche ich den Vierbeiner zum Auto und kruse radiohörend aus dem Wohngebiet. Um schneller voran zu kommen, setze ich zu waghalsigen Überholmanövern an und schrecke auch nicht davor zurück, stetig die Hupe zu betätigen. Darüber hinaus rufe ich während der kurzweiligen Reise bei meiner unterbelichteten Mieterin im kalten Bayern an und erinnere, dass ich in der kommenden Woche nach Kanada ausfliegen und meine Verwandten besuchen werde. Sandra macht grosse Augen und entgegnet, dass mein Bruder am 3. März Geburtstag feiern wird – wie wahr.


Bald fliege ich nach Kanada aus

10.30 Uhr Fünfundvierzig Minuten später parke ich den PS-strotzenden SUV am Gulf Shore Boulevard und lege die letzten Meter zum frischrenovierten Naples Pier auf Schusters Rappen zurück. Schon bald treffe ich auf Edelbert und nehme mir das Recht heraus, ihm die Hand zu schütteln. Mein Bekannter wünscht mir einen schönen Morgen und plappert, dass es nichts schöneres geben kann, als auf den Golf von Mexiko zu spähen und die salzige Luft einzuatmen. Ich nicke zustimmend und mache es mir zur Aufgabe, Hund Dixon ein Stöckchen zuzuwerfen.
11.00 Uhr Während unseres Spaziergangs komme ich auf unsere anstehende Kanadareise zu sprechen und lege anschaulich dar, dass wir das grosse Glück haben werden, am sogenannten “Commonwealth Day” im Nachbarstaat zu verweilen. Ferner merke ich an, dass der Feiertag am 12. März 2018 ansteht und an den Zusammenschluss der ehemaligen britischen Kolonien erinnern soll – da kommt besonders grosse Freude auf.
12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, stehen wir plötzlich im gutbesuchten “Old Naples Pub” an der 13th Strasse und verspüren grossen Hunger. Wir fackeln nicht lange und ordern an der Schenke zwei süffige Budweiser sowie vitaminreiche “Ham Sandwiches” (löblich: Schinkenbrote) mit Kartoffelstäben. Natürlich beissen wir sogleich kraftvoll zu und kommen überein, dass man auf einem Bein kaum stehen kann. Bevor ich mich versehe, winkt Edelbert dem Schankkellner zu und gibt weitere Hopfenkaltschalen in Auftrag – wie schön.


Bier ist sehr gesund

13.00 Uhr Redlichst gestärkt verlassen wir das Gasthaus und streben mit schnellen Schritten zu den Autos zurück. Nebenher redet der Professor weiter auf mich ein und verdeutlicht, dass wir grossen Spass in Kanada haben werden. Ich stimme uneingeschränkt zu und informiere, dass wir Georgs Ehrentag am Lake Simcoe feiern werden – darauf freue ich mich jetzt schon.
14.00 Uhr Endlich bin ich wieder dahoam und kann es mir in der klimatisierten Stube bequem machen. Während Dixon im Garten herumtollt, schliesse ich die Augen und träume von meiner ersten Appalachian Trail Wanderung.
15.00 Uhr Ich werde durch lautes Bellen geweckt und stelle beim Blick aus dem Fenster fest, dass Nachbarhund Joey zu Gast ist. Ich schwinge mich vom Kanapee und kredenze den Hunden etliche Kauknochen. Zudem versorge ich die Pflanzen im Garten mit frischem Wasser und tratsche mit Frau Pontecorvo. Meine Nachbarin schnäuzt während der Plauderei in ein Taschentuch und schimpft, weil sie vom Heuschnupfen geplagt wird. Natürlich spende ich der Perle Trost und rate, sich ins Haus zurückzuziehen und die Fenster zu schliessen.


Ich spendiere den Hunden lustige Kauknochen

16.00 Uhr Nachdem sich Joey verabschiedet hat, kehre ich verschwitzt ins klimatisierte Haus zurück und nutze den angebrochenen Nachmittag, um die Fenster zu putzen. Zu den Klängen einer Kenny Chesney Kompaktscheibe schwinge ich den Wischlappen und bringe die Scheiben im Handumdrehen auf Hochglanz – das macht Spass.
17.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, um das Abendessen vorzubereiten. Weil ich von der Mittagsjause noch immer gesättigt bin, bereite ich mir ein lustiges Omelett mit Pilzen, Virginia Schinken und Cheddar Käse zu.
18.00 Uhr Nachdem ich die Küche geputzt und die Mülltüten achtlos auf die Strasse geschleudert habe, beginnt der wohlverdiente Feierabend. Ich schenke mir ein Bier ein und mache es mir dann im Wohnzimmer bequem, um den FOX Nachrichten zu folgen.

19.00 Uhr Zur besten Sendezeit wechsle ich auf den Spartenkanal FX und fröne der Serie “American Crime Story – The Assassination of Gianni Versace”. Die Eigenproduktion handelt vom Mord an der italienischen Modeikone Gianni Versace vor 20 Jahren und wirft kein gutes Licht auf die ermittelnden Behörden – das ist ja allerhand.
21.00 Uhr Nach zwei nervenaufreibenden Episoden beende ich den Fernsehabend und schleiche mit dem Revolver im Anschlag durchs Haus, um sicherzustellen, dass sich kein Mörder in der kleinen Villa tummelt. Danach lösche ich mit zitternden Händen sämtliche Lichter und falle erschöpft ins Bett. Gute Nacht.

6. Februar 2018 – Am 3. März fliegen wir ab

08.00 Uhr Da Morgenstund’ bekanntlich Gold im Mund hat, stehe ich zeitig auf und läute den Dienstag mit dem Frühsport auf der Terrasse ein. Mein lustiges Haustier gesellt sich hechelnd an meine Seite und zögert nicht, seine eingerosteten Muskeln ebenfalls zu lockern – was für eine Gaudi.


Ich stehe um 08:00 Uhr auf

08.30 Uhr Nachdem ich die futuristische DeLonghi Kaffeemaschine knopfdrückend in Betrieb genommen habe, entspanne ich mich bei einem Wirbelbad. Unterdessen rufe ich bei meinen Verwandten in Kanada an und gebe vor, dass ich heute Nägel mit Köpfen machen und Flüge nach Toronto buchen werde. In diesem Zusammenhang komme ich auf den Geburtstag meines Bruder zu sprechen und erkläre Maria, dass es ein grosser Spass werden wird, Georg am 3. März mit einem prima Geschenk zu überraschen. Meine Schwägerin schlägt in die gleiche Kerbe und beteuert, dass sie es kaum noch erwarten kann, mich in ihre Arme zu schliessen – wie schön.
09.30 Uhr Just als ich in legere Freizeitkleidung schlüpfe, kommt Edelberts schneeweisser JEEP mit quietschenden Bremsen vor meinem Zuhause zum stehen. Natürlich begrüsse ich meinen Bekannten herzlich und freue mich, eine Tüte mit leckeren Schmankerln aus der Biscotti Farrugia Italienbäckerei überreicht zu bekommen – wie aufmerksam.
10.15 Uhr Als wir die wichtigste Mahlzeit des Tages einnehmen und Kaffee schlürfen, präsentiert der Professor plötzlich mehrere Heimrechnerausdrucke und unterbreitet, dass nun die Zeit gekommen ist, um unsere Forschungsreise nach Ontario in trockne Tücher zu bringen. Ich stimme prompt zu und entgegne, dass ich am Morgen bereits mit Maria telefoniert und unser Kommen angekündigt habe. Mein Tischnachbar strahlt über das ganze Gesicht und beleert, dass AIR CANADA (löblich: Luft Kanada) seit Kurzem einen Direktflug zwischen Fort Myers und Toronto anbietet – das ist die beste Nachricht des Tages.


Hurra – wir fliegen nach Kanada

11.00 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten nehme ich neben Edelbert am Schreibtisch platz und segle auf die Heimseite des Reisevermittlers Expedia. Mit flinken Fingern navigiere ich durchs Angebot und stelle fest, dass der Nonstop Flug um 6:30 abfliegen und uns innerhalb von 3 Stunden in den hohen Norden bringen wird. Weil nur noch eine begrenzte Platzanzahl verfügbar ist, fackeln wir nicht lange und betätigen den Buchungsknopf – wie aufregend.
11.30 Uhr Nachdem wir dem im Bundesstaat Washington beheimateten Reiseunternehmen unsere Adressen sowie Bankverbindungen übermittelt haben, gehen wir von der Leine und freuen uns auf angenehme Wochen in Kanada. Der Professor kommt aus dem Plappern gar nicht mehr heraus und kündigt an, dass er unbedingt zu den Niagarafällen krusen möchte – das werden wir erst noch sehen.
12.00 Uhr Nach getaner Arbeit hole ich zwei Budweiser aus dem Eiskasten und erkundige mich bei Edelbert, ob die elektronische Buchungsbestätigung mittlerweile eingegangen ist. Der schlaue Mann nickt eifrig und meint, dass es nun kein Zurück mehr gibt – das hört man gerne.
13.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf Eins zugeht, nehme ich die Hundeleine zur Hand und informiere, dass Dixon Gassi gehen möchte. Edelbert reibt sich die Hände und folgt mir plappernd nach draussen. Zufrieden schlendern wir zum “La Playa” Golfplatz und kommen überein, dass wir meinem Bruder zu seinem Wiegenfest etwas besonderes schenken sollten. Prof. Kuhn legt den Zeigefinger an die Unterlippe und schlägt vor, dass wir ihm einen stattlichen Geschenkkorb überreichen könnten – das ist gar keine schlechte Idee.


Bier ist sehr gesund

14.00 Uhr Fix und foxi treffen wir daheim ein und genehmigen uns weitere Hopfenkaltschalen sowie reich belegte Sandwiches (löblich: Wurstbrote). Ich nehme einen kräftigen Schluck aus der Pulle und gebe Edelbert zu verstehen, dass man bei dieser Affenhitze viel trinken muss. Mein Bekannter gibt mir uneingeschränkt Recht und merkt an, dass wir uns in Kanada auf kühlere Temperaturen einstellen müssen – das kann ja heiter werden.
15.00 Uhr Nachdem sich Edelbert verabschiedet hat, rufe ich die Amazon Echo Musiksäule auf, stimmungsvolle Randy Travis Musik abzuspielen. Danach kümmere ich mich um die Anschnurseelsorge und nutze die Gelegenheit, um Sandra über meine bevorstehende Reise in Kenntnis zu setzen.
16.00 Uhr Sechzig Minuten später beende ich die Anschnursitzung und fülle gesundes Trockenfutter in Dixons Napf. Darüber hinaus sehe ich im Garten nach dem Rechten und habe das Vergnügen, ein Schwätzchen mit Frau Pontecorvo halten zu können. Obgleich ich der Perle keine Rechenschaft schuldig bin, erzähle ich ihr von unserer Buchung und gebe zu Protokoll, dass ich mindestens zwei Wochen abwesend sein werde.
17.00 Uhr Weil das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, kehre ich in die Küche zurück und bereite das Abendessen zu. Ruckzuck schlage ich sechs Eier auf und zaubere in Minutenschnelle ein vitaminreiches Omelette mit Cheddarkäse und getrockneten Pilzen – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Redlichst gestärkt verabschiede ich mich in den Feierabend und nehme mir das Recht heraus, den FOX Nachrichten zu frönen. Zudem gebe ich mich einer aufschlussreichen Call-In (löblich: Ruf-herein) Politiksendung hin und mache mich über die Entwicklungen in der amerikanischen Hauptstadt schlau.

19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit wechsle ich auf HBO und erfreue mich am lustigen Fernsehformat “Alf”. Wie jedes Kind weiss, erzählt diese sogenannte Sitcom (löblich: Sitzkomödie) von den Abenteuern eines auf der Erde gestrandeten Ausserirdischen vom Planeten Melmac – da bleibt kein Auge trocken.
21.00 Uhr Nach fünf heiteren Episoden beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt verschliesse ich die Haustüre sicher und falle gähnend ins Bett. Gute Nacht.

24. Januar 2018 – Wiedersehen Georg und Maria

08.00 Uhr Während auf der Frequenz von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) ein schönes Tim McGraw Lied läuft, hüpfe ich aus Bett und läute den 24. Tag des Jahres mit dem Frühsport ein. Währenddessen gebe ich Hund Dixon zu verstehen, dass wir gleich Georg und Maria zum Flughafen kutschieren müssen. Der Rüde gibt sich jedoch gelangweilt und zieht es vor, zum Teich zu traben, um etwas Wasser zu trinken – da kommt Freude auf.
08.30 Uhr Nach der schweisstreibenden Ertüchtigung ziehe ich mich schnaufend ins Bad zurück und lasse lauwarmes Wasser in die Wirbelbadewanne einlaufen. Darüber hinaus rufe ich im Feriehaus meiner Familie an und erfahre, dass mich meine Verwandten gegen 10 Uhr zum Frühstück erwarten. Maria geht noch weiter und beteuert, dass wir spätestens zur Mittagszeit zum “Southwest Airport” krusen müssen. Ich nicke eifrig und verspreche, dass ich mich sputen und alsbald im Lowbank Drive eintreffen werde – dieser Stress bringt mich noch ins Grab.
09.15 Uhr Kurz nach dem Neunuhrläuten zwänge ich mich in farbenfrohe Freizeitkleidung und rufe Dixon auf, sein quietschendes Spielzeug zu schnappen und mir zum PS-strotzenden SUV zu folgen.


Das Ferienhaus meiner Familie

10.00 Uhr Nach einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt durch den dichten Vormittagsverkehr, erreiche ich endlich mein Ziel und werde von Georg begrüsst. Mein Bruder nölt in einer Tour und verdeutlicht, dass er gar keine Lust hat, ins verschneite Kanada auszufliegen. Trotz aller Unkenrufe führt mich der gute Mann zuvorkommend ins Esszimmer und meint, dass sich Maria heute besonders ins Zeug gelegt und schmackhafte Pfannkuchen mit Himbeerfüllung gezaubert hat. Meine Schwägerin schlägt in die gleiche Kerbe und belehrt, dass man schliesslich nicht mit leerem Magen einen anstrengenden Langstreckenflug auf sich nehmen kann – wie wahr.
10.30 Uhr Ich setze mich prompt an den festlich eingedeckten Tisch und bringe auf Anfrage heraus, dass meine Verwandten mit WestJet nach Toronto ausfliegen werden. Georg blickt skeptisch drein und setzt mich darüber in Kenntnis, dass es kein Vergnügen werden wird, nach vielen Wochen im sonnigen Rentnerparadies wieder in kälteren Gefilden leben zu müssen. Auch Maria seufzt laut und wirft ein, dass sie Morgen höchstwahrscheinlich zur Schneeschaufel greifen und die Eingangstreppe räumen muss – wie schrecklich.


Schnee und Eis wartet in Kanada

11.15 Uhr Nachdem ich zwei Tassen Kaffee getrunken und sieben Pfannkuchen mit köstlicher Füllung verdrückt habe, helfe ich tatkräftig mit und verfrachte das schmutzige Geschirr in die Spüle. Während Maria den Abwasch erledigt, schleppe ich mit Georg die Koffer zum Chevrolet und komme dabei zu dem Schluss, dass die WestJet Mitarbeiter angesichts der vielen Koffer eine nicht unerhebliche Gebühr veranschlagen werden. Mein Bruder wischt sich nachdenklich über die nasse Stirn und erörtert, dass seine Ehefrau während des Urlaubs Dutzende Kleider und mindestens fünf Paar neue Schuhe eingekauft hat. Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und nehme mir das Recht heraus, das Reisegepäck auf der Ladefläche zu verstauen.
11.45 Uhr Nach getaner Arbeit trinken wir einen letzten Schluck Diät Cola und kommen überein, dass nun die Zeit gekommen ist, um vom Feriendomizil Abschied zu nehmen. Weil die Zeit drängt, lotse ich Dixon zum Auto und animiere ihn, sich die Rückbank mit meinem Bruder zu teilen. Danach helfe ich Maria als Kavalier der alte Schule auf den Beifahrersitz und schicke mich an, mit quietschenden Pneus gen Norden davon zu rasen. Unterdessen plaudere ich angeregt mit den lieben Menschen und stelle klar, dass es mir eine Freude sein wird, Anfang März nach Kanada zu kommen, um Georgs Geburtstag zu feiern. Mein Bruder freut sich und sichert zu, dass er mich selbstverständlich einladen und für den Flug bezahlen wird – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.


Georg feiert in März Geburtstag

12.30 Uhr Endlich erreichen wir das Flughafengelände und können ohne grössere Probleme das Auto vor dem Hauptterminal parken. Weil ich ein netter Zeitgenosse bin, begleite ich meine Verwandten zum Abflugschalter und vernehme, dass der Direktflug leider 40 Minuten Verspätung haben wird. Da noch etwas Zeit bleibt, kehren wir kurzerhand in eine “Dunkin’ Donuts” Filiale ein und stärken uns mit brühfrischem Bohnentrunk und lustigen Schokoladenkringeln. Nebenher lassen wir den Aufenthalt noch einmal Revue passieren und vertreten einhellig die Meinung, dass die letzten Wochen sehr schön waren.
13.15 Uhr Nachdem wir Hände geschüttelt haben, stapfe ich mit hängendem Kopf zum KFZ zurück und ärgere mich, weil ein übereifriger Parkwächter einen Strafzettel hinter dem Scheibenwischer angebracht hat. Laut schimpfend hüpfe ich ins Auto und lasse Hund Dixon wissen, dass heutzutage keiner mehr Rücksicht auf leidgeplagte und finanziell angeschlagene Rentner nimmt – wo soll das nur hinführen.
14.00 Uhr Fix und foxi treffe ich im Willoughby Drive ein und fülle den Napf meines Haustieres mit ROYAL CANIN Trockenfutter auf. Anschliessend bette ich mich auf dem Kanapee zur Ruhe und strecke genüsslich die Beine aus.
15.00 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und erkenne beim Blick auf meine goldene Armbanduhr, dass es bereits drei Uhr geschlagen hat. Um keine Langeweile zu bekommen, eile ich zum Nachbarhaus und lade mich bei Frau Pontecorvo zum Kaffeekränzchen ein. Meine Gastgeberin fährt selbstgebackenen Apfelkuchen mit Schlagobers auf und berichtet, dass sie am Vormittag in der Stadt abgeschoppt hat. Zu allem Überfluss präsentiert die Perle eine hautenge Hose und kündigt an, dass sie sich morgen mit Freundinnen im Lichtspielhaus treffen und dieses Beinkleid tragen wird – wie unlöblich.


Mein Zuhause unter Palmen

16.00 Uhr Um nicht endlos über keusche Kleidung diskutieren zu müssen, verabschiede ich mich und kehre mit Dixon im Schlepptau in die kleine Villa zurück. Da es für das Abendessen noch zu früh ist, mache ich mich im Garten nützlich und ernte die hochgewachsene Petersilie ab – das macht Spass.
17.00 Uhr Verschwitzt stosse ich die Terrassentüre auf und mache mich in der Küche nützlich. Ich hantiere fachmännisch mit der Bratpfanne und zaubere vitaminreiche Bratkartoffeln mit Spiegeleiern – wie gut das duftet.
17.45 Uhr Nach der feinen Jause setze ich die Geschirrspülmaschine knopfdrückend in Betrieb und verabschiede mich in den wohlverdienten Feierabend. Um endlich zur Ruhe zu kommen, lege vor der Glotze die Beine noch und schaue mir die Nachrichten auf FOX an.
19.00 Uhr Redlichst informiert wechsle ich auf HBO und fröne dem Gruselfilm “Bye Bye Man” (löblich: Auf Wiedersehen Mann). Das krude Machwerk aus der Traumfabrik Hollywood erzählt von mehreren Studenten, die in ein altes Haus ziehen und sich mit einem Geist konfrontiert sehen – diesen Scheissdreck muss man gesehen haben.
20.30 Uhr Als nach neunzig Minuten der Abspann über den Bildschirm flimmert, beende ich den Fernsehabend und begleite Dixon an die frische Luft. Zu guter Letzt reguliere ich die Klimaanlage und lege mich schlafen. Gute Nacht.

11. Januar 2018 – Nach Islamorada

08.00 Uhr Ich hüpfe erfrischt aus dem Bett und bemerke beim Blick auf meinen Wandkalender, dass uns am kommenden Montag ein wichtiger Gedenktag ins Haus steht. Ich reguliere die Klimaanlage und lasse mein Haustier wissen, dass Martin Luther King Jr. ein Mann mit grosser Weitsicht war.


Ein Feiertag für Martin Luther King Jr.

08.30 Uhr Nach der Morgengymnastik lasse ich die Seele bei einem Wirbelbad baumeln und rufe ganz spontan bei meinen Verwandten an. Als sich Georg nach dem achtzehnten Klingeln endlich meldet, kommt er prompt auf den gestrigen Theaterbesuch zu sprechen und verdeutlicht, dass man das Stück “Charles Ives Take Me Home” im örtlichen Schauspielhaus gesehen haben muss. Ich gähne ausgiebig und entgegne, dass ich grossen Hunger habe und das Frühstück gerne auswärts einnehmen würde. Mein Bruder schlägt in die gleiche Kerbe und sagt, dass wir uns gegen 11 Uhr im renommierten “Breeze” Restaurant treffen könnten – das ist phantastisch.
09.30 Uhr Voller Vorfreude steige ich aus der Wirbelbadewanne und rufe Dixon ins Haus, um ihm klarzumachen, dass wir nun gen Süden krusen und meine Verwandten in einem schönen Restaurant treffen werden.
10.00 Uhr Um die lieben Leute nicht warten zu lassen, scheuche ich den Vierbeiner spornstreichs zum Chevrolet und schicke mich an, hupend vom Grundstück zu brettern. Wie es sich gehört, trete ich das Gaspedal bis zum Anschlag durch und beschleunige den SUV auf schwindelerregende 30 Meilen pro Stunde – das macht Spass.
10.45 Uhr Überpünktlich treffe ich am Ziel ein und stelle fest, dass Maria und Georg auch schon vor Ort sind. Ich renne ruckzuck in die Wirtschaft und wünsche den beiden einen guten Morgen. Prompt kommt ein hochnäsiger Kellner daher und zögert nicht, mir die Speisekarte zu überreichen. Ich fackle nicht lange und erkenne mit geschultem Auge, dass die Preise sehr gesalzen sind. Trotz aller Nackenschläge wähle ich ein grosses Frühstück aus und bitte den Knecht, eine Kanne Kaffee sowie Speck für den Vierbeiner aufzutischen.

11.30 Uhr Als ich zum Besteck greife, meldet sich Georg zu Wort und kündigt an, dass er gleich mit Maria einen Ausflug unternehmen wird. Ich werde augenblicklich hellhörig und vernehme, dass meine Verwandten die Florida Keys erkunden und den Samstagabend in Islamorada verbringen wollen. Ich nicke eifrig und bestätige, dass die besagte Gemeinde zu den schönsten Flecken in Florida zählt und bequem über den Highway 1 erreicht werden kann. Ferner merke ich an, dass man den örtlichen “Windley Key State Park” gesehen haben muss. Maria freut sich sehr und verspricht, dass sie spätestens am Montag zurück sein werden – das soll mir auch Recht sein.
12.15 Uhr Als der Kellner die Rechnung präsentiert, staunen wir Bauklötze und sehen uns genötigt, 77 Dollars bezahlen zu müssen. Georg zuckt mit den Schultern und macht es sich zur Aufgabe, seine praktische American Express Card (löblich: Amerikanische Schnellkarte) hervorzuholen und ein stattliches Trinkgeld zu geben.


Wir geben ein stattliches Trinkgeld

12.30 Uhr Im Anschluss vertreten wir uns die Beine und stapfen zum nahegelegenen Lakes Regional Park, um Dixon etwas Auslauf zu bescheren. Währenddessen werfe ich Steinchen in den trüben See und merke an, dass ich das Wochenende ruhig gestalten und keinen Finger krümmen werde. Georg schenkt mir ein Lächeln und verspricht, dass er mir eine schöne Muschel aus Islamorada mitbringen wird – wie aufregend.
13.30 Uhr Eine Stunde später stehen wir wieder an den Autos und schütteln Hände. Mein Bruder wünscht mir ein angenehmes Wochenende und streichelt Dixon über den Kopf – wie schön.
14.15 Uhr Endlich bin ich wieder daheim und kann im geschmackvoll eingerichteten Wohnzimmer die Beine hochlegen. Ich schlummere schnell ein und träume von meiner Forschungsreise nach Minneapolis – das waren noch bessere Zeiten.
15.15 Uhr Ich öffne die Augen und habe wenig Lust, mich um die Anschnurseelsorge zu kümmern. Stattdessen hole ich eine Dose Diät Cola sowie zwei lustige Donuts aus dem Eiskasten und mache es mir in der Hollywood Schaukel bequem. Um nicht komplett zu verblöden, schlage ich das grosse Kreuzworträtsel in der Tageszeitung auf und beantworte Fragen am laufenden Band – da kommt besonders grosse Freude auf.


Hund Dixon geht Gassi

16.00 Uhr Wenig später notiere ich das Lösungswort “PONNTHWER” und vermute, dass ein Ponnthwer womöglich eine exotische Tierart ist. Achselzuckend greife ich zur Leine und animiere Dixon, mich durchs Wohngebiet zu begleiten. Der Rüde lässt sich nicht zweimal bitten und folgt mir brav in Richtung “La Playa” Golfplatz. Nebenher tippe ich Marias Handtelefonnummer ins Tastenfeld der Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) ein und bringe heraus, dass die zwei bereits Miami hinter sich gelassen haben.
17.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, das Abendessen vorzubereiten. Ich mache mich in der Küche nützlich und schwenke vitaminreiches Grillfleisch in einer Pfanne. Dazu backe ich Kartoffelspalten im Ofen heraus und vergesse auch nicht, Dixons Napf mit gesundem ROYAL CANIN Trockenfutter aufzufüllen – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Redlichst gestärkt nehme ich die Spülmaschine in Betrieb und gehe dann zum gemütlichen Teil des Tages über. Ich lasse mich vor dem Farbfernsehgerät nieder und fröne den Abendnachrichten auf FOX.

19.00 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, gebe ich mich zur besten Sendezeit (unlöblich: Prime Time) dem neuen Serienformat “Burden of Truth” auf CBS hin. Das mehrteilige Fernsehspiel erzählt von einer jungen Anwältin, die in einer Grosstadt eine Karriere anstrebt – da kommt Spannung auf.
21.00 Uhr Nach der vierten Episode schalte ich die Glotze aus und lösche sämtliche Lichter. Anschliessend streichle ich Dixon über den Kopf und falle übermüdet ins Bett. Gute Nacht.

10. Januar 2018 – Charles Ives Take Me Home

08.00 Uhr Pünktlich zum Achtuhrläuten rolle ich mich aus dem Wasserbett und stosse die Terrassentüre auf, um die Morgengymnastik an der frischen Luft zu absolvieren. Weil Bewegung sehr wichtig ist, rudere ich mit den Armen und rufe Hund Dixon auf, meinem Beispiel zu folgen. Anstatt sich zu strecken, zieht es der Rüde vor, zum Teich zu traben und die handzahme Echse Billy anzuknurren – wie lustig.
08.30 Uhr Da ich von meinen Verwandten erwartet werde, beende ich den Frühsport und eile in die Nasszelle, um mich bei einem Wirbelbad zu entspannen. Nebenher mache ich mir meine eigenen Gedanken und komme schnell zu dem Schluss, dass ich nicht ohne ein kleines Präsent bei den lieben Leuten antanzen kann.
09.30 Uhr Wenig später beende ich den Waschvorgang und schlüpfe in eine Bermudahose sowie ein farbenfrohes Hawaiihemd. Danach bürste ich Dixons Fell und vergesse auch nicht, ihm das schöne Lederhalsband umzulegen.


Man muss stets mit der Mode gehen

10.00 Uhr Just als ich die kleine Villa verlasse, kommen Frau Pontecorvo und Blanche daher. Die unterbelichtete Bekannte meiner Nachbarin reicht mir die Hand und berichtet, dass sie nun nach Jacksonville zurückkehren wird. Ich seufze laut und entgegne, dass ihr Besuch viel zu kurz war. Um weitere Diskussionen aus dem Weg zu gehen, tippe ich auf meine wertvolle ROLEX und hüpfe in den PS-strotzenden SUV. Ruckzuck lasse ich den Wählhebel der Automatikschaltung in der D-Stellung einrasten und presche als erstes zum CIRCLE K Supermarkt an der Immokalee Road, um 15 Dollars in einen Blumenstrauss sowie eine Flasche O-Saft zu investieren.
10.45 Uhr Kurz vor dem Elfuhrläuten komme ich vor dem Urlaubsdomizil meiner Familie zum stehen und werde von meinem Bruder herzlich Willkommen geheissen. Georg führt mich zuvorkommend zum Schwimmbecken und erzählt, dass Herr Wang und Edelbert auch schon da sind – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.


Das Ferienhaus meiner Verwandten

11.15 Uhr Nachdem ich Maria die Blümchen überreicht und Edelbert sowie Herr Wang einen schönen Morgen gewünscht habe, mache ich mich über die wichtigste Mahlzeit des Tages her. Maria fährt lächelnd eine Schinkenplatte auf und versorgt uns auch mit Rühreiern sowie hauchdünn aufgeschnittenem Lachs – wie schön.
11.45 Uhr Während ich kraftvoll zubeisse, kommt Herr Wang auf das “Naples Manor Motel” zu sprechen und beteuert, dass der letztjährige Jahresumsatz alle Erwartungen übertroffen hat. Georg reibt sich die Hände und erinnert, dass er immer noch als stiller Teilhaber fungiert und 25% des Gewinns einstreichen wird. Ich rolle mit den Augen und unke, dass es schön sein muss, Millionen auf dem Konto zu haben – davon kann ich nur träumen.
12.15 Uhr Im weiteren Verlauf des Frühstücks lässt Edelbert das gestrige Telefonat mit seinem Sohn Revue passieren und kündigt an, dass Herr Peter im Mai womöglich nach Florida ausfliegen und seinen Jahresurlaub unter Palmen verbringen wird. Ich werde sogleich hellhörig und stelle klar, dass ich es kaum noch erwarten kann, seinen Stammhalter wiederzusehen und mit ihm über politische Themen zu diskutieren – das wird ein Spass.
12.45 Uhr Nach der reichhaltigen Brotzeit entkorkt Georg eine Flasche Veuve Clicquot Schaumwein und meint, dass er sich glücklich schätzen kann, Deutschland vor vielen Jahres den Rücken gekehrt zu haben. Ich schlage in die gleiche Kerbe und informiere, dass das alte Europa längst dem Untergang geweiht ist.
13.30 Uhr Zum Abschluss unseres Beisammenseins serviert Maria kräftige Espressos und lädt uns ein, am Abend mit ins Theater zu kommen. Bevor ich Widerworte finde, präsentiert Georg ein Hochglanzmagazin und verdeutlicht, dass um 20 Uhr das Stück “Charles Ives Take Me Home” im örtlichen Schauspielhaus Premiere feiern wird. Ich greife mir spornstreichs an die Stirn und weise auf die Tatsache hin, dass ich starke Kopfschmerzen habe und nun die Heimreise in den Willoughby Drive antreten werde.


Mein Zuhause unter Palmen

14.15 Uhr Nach einer kurzweiligen Ausfahrt erreiche ich mein Ziel und freue mich auf einen ruhigen und besinnlichen Nachmittag. Weil Dixon ganz ungeduldig ist, fülle ich seinen Napf mit Trockenfutter auf. Anschliessend lege ich auf dem Kanapee die Beine hoch und entspanne mich von den Strapazen des Vormittags – das tut gut.
15.15 Uhr Nach einer Stunde komme ich wieder in die Gänge und sehe im Garten nach dem Rechten. Unter anderem versorge ich das Petersilienbeet mit frischem Wasser und mache es mir ausserdem zur Aufgabe, mit dem Haustier etwas Ball zu spielen. Bei dieser Gelegenheit fällt mir ein, dass wir alsbald zum Tierarzt unseres Vertrauens fahren und Dixons Impfungen auffrischen sollten – was das wieder kostet.


Die hochgewachsene Petersilie

16.15 Uhr Nachdem ich mit Frau Pontecorvo geplaudert habe, kehre ich in die klimatisierte Stube zurück und setze mich an den Schreibtisch. Pflichtbewusst rufe ich Depeschen besorgter Heimseitenbesucher ab und erfahre, dass es in Deutschland angesichts der vielen Wirtschaftsflüchtlinge drunter und drüber geht – das ist wieder typisch.
16.30 Uhr Zu guter Letzt nehme ich die neuen Einträge im Gästebuch in Augenschein und sehe mich genötigt, wegen einer Morddrohung das BKA zu verständigen – alles kann man sich auch nicht bieten lassen.
17.30 Uhr Nachdenklich beende ich die Arbeit und bereite das Abendessen vor. Um nicht stundenlang am heissen Herd stehen zu müssen, schiebe ich kurzerhand eine Tiefkühlpizza ins Backrohr und zaubere dazu einen vitaminreichen Gurkensalat mit Zwiebelringen und Dill – das macht Spass.

18.30 Uhr Nach dem Nachtmahl schalte ich die Glotze ein und mache mich auf FOX über die tagesaktuellen Geschehnisse schlau. Neben den üblichen Schreckensmeldungen aus dem Nahen Osten erfahre ich ausserdem dass NETFLIX mit der neu angelaufenen Serie “Star Trek: Discovery” sämtliche Rekorde gebrochen hat.
19.00 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, schalte ich auf HBO um und gebe mich der Komödie “Broken Flowers” (löblich: Gebrochene Blumen) hin. Die preisgekrönte Hollywoodproduktion von Jim Jarmusch handelt von einem älteren Herren, der im ganzen Land verzweifelt nach der Mutter seines Sohnes sucht.
21.15 Uhr Nach 120 heiteren Minuten flimmert der Abspann über den Bildschirm und ich beende den Fernsehabend. Zu guter Letzt rufe ich Dixon ins Haus und lege mich schlafen. Gute Nacht.