4. Oktober 2018 – Luxusurlaub ohne Mich

08.00 Uhr Ich werde zu nachtschlafender Zeit aus einem schönen Traum geklingelt. Zu allem Überfluss meldet sich mein Bruder am Telefon und unterbreitet, dass er einen Tag länger an Floridas Ostküste bleiben wird. Georg schwärmt in den höchsten Tönen und erzählt, dass er sich ins “Acqualina Resort” in Sunny Isles Beach einquartiert hat und sich dort pudelwohl fühlt. Als ich genauer nachfrage, vernehme ich, dass das fünf Sterne Luxushotel über weitläufige Suiten verfügt und ausserdem mit einer prima Wellness-Oase überzeugen kann – das ist ja allerhand.


Luxusurlaube kann ich mir nicht leisten

08.30 Uhr Missmutig beende ich das Telefonat und ärgere mich, weil ich mich dieser Reise nicht angeschlossen habe. Laut seufzend schwinge ich mich aus dem Bett und komme prompt zu dem Schluss, dass mir etwas Abwechslung auch sehr gut getan hätte. Trotz allen Nackenschlägen lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und ziehe mich ins Bad zurück, um lauwarmes Wasser in die Wirbelwanne laufen zu lassen. Nebenher rufe ich bei Edelbert an und lasse ihn wissen, dass ich gestern keine Einkäufe getätigt habe und gerne heute zum PUBLIX Supermarkt krusen möchte. Der schlaue Mann ist hellauf begeistert und entgegnet, dass er mir beim Schoppingvergnügen gerne Gesellschaft leisten würde – das hört man gerne.
09.30 Uhr Während Dixon im Garten spielt, nehme ich die wichtigste Mahlzeit des Tages ein und blättere in der Tageszeitung. Auf Seite 18 erfahre ich, dass sich auf dem Tamiami Trail ein verheerender Unfall mit zahlreichen Schwerverletzten ereignet hat. Wie nicht anders zu erwarten, hat ein erst 19jähriger Fahranfänger die Kontrolle über seinen SUV verloren und ist frontal in den Cadillac einer 98jährigen Seniorin gekracht – das ist ja allerhand.
10.15 Uhr Nach der Stärkung hüpfe ich in den Chevrolet und gleite zu prima WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radiomusik gen Süden davon. Um schneller voran zu kommen, bringe ich in regelmässigen Abständen die Lichthupe zum Einsatz und schrecke auch nicht davor zurück, stetig zu hupen – das macht Spass.


Der beste Radiosender weltweit

10.45 Uhr Kurz vor dem Elfuhrläuten erreiche ich mein Ziel und kann den Professor per Handschlag begrüssen. Danach machen wir einem verwirrten Tattergreis einen Einkaufswagen streitig und schicken uns an, Produkte des täglichen Bedarfs auszuwählen. Darüber hinaus berichtet mein Begleiter, dass er Morgen bei Familie Satesh zum Abendessen eingeladen ist. Ich nicke eifrig und ermutige meinen Bekannten, der indischen Familie als kleine Aufmerksamkeit eine Tüte Curry mitzubringen – immerhin ist dieses Gewürz in Asien sehr beliebt.
11.30 Uhr Nachdem sich ein stattlicher Haufen im Einkaufswagen angesammelt hat, begeben wir uns zur Kasse und vereinbaren, dass wir nach dem Bezahlvorgang ins benachbarte “Dairy Queen” (löblich: Molkerei Königin) Gasthaus einkehren und uns stärken sollten – das kulinarische Wohl darf nicht zu kurz kommen.
12.00 Uhr Pünktlich zum Mittagsläuten betreten wir das einladende Gasthaus und ordern an der Essensausgabe neben vitaminreichen BLT Sandwiches (löblich: Schinken, Käse und Tomaten Brote) auch durstlöschende 7Up (löblich: Sieben hinauf) Limonaden – schmeckt gar nicht schlecht.
12.30 Uhr Mit vollen Mägen verlassen wir die Schnellessgaststätte und verschaffen Dixon etwas Auslauf. Unterdessen berichte ich meinen Begleiter, dass Georg und Maria erst im Laufe des Freitags nach Naples zurück kommen werden. In diesem Zusammenhang verrate ich ausserdem, dass meine Verwandten Unsummen aus dem Fenster werfen und in einem der besten Hotelanlagen des Kontinents logieren. Der Professor macht grosse Augen und meint, dass wir uns solche Luxusurlaube leider nicht leisten können – wie wahr.


Mein Zuhause unter Palmen

13.30 Uhr Zurück im Willoughby Drive, schlüpfe ich aus den Flip Flops und falle erschöpft aufs Kanapee. Bereits nach wenigen Augenblicken döse ich ein und sehe mich im Traum an die Niagara Fälle versetzt – das war prima
14.30 Uhr Ich erwache ausgeruht und nutze die Nachmittagsstunden, um Anschnur zu gehen. Während ich mich am Schreibtisch niederlasse und elektronische Briefe studiere, schlürfe ich Kaffe und nehme mir ausserdem das Recht heraus, mehrere Donuts aus dem Supermarkt zu fressen. Natürlich gebe ich auch hilfreiche Ratschläge ab und animiere eine alleinerziehende Dame (29) aus Münster, ihre Tochter Mathilda (5) ins Heim zu stecken.
15.30 Uhr Nach der schweisstreibenden Arbeit schalte ich den Heimrechner aus und genehmige mir ein kühles Budweiser aus dem Eiskasten. Ferner sehe ich im Garten nach dem Rechten und stelle mit grosser Sorge fest, dass Dixon schon wieder eine Grube im Garten der Nachbarn gebuddelt hat. Um von Herrn Booth in kein schlechtes Licht gerückt zu werden, eile ich zum Loch und befülle es ruckzuck mit Erde – gleich platzt mir der Kragen.


Ich beisse kraftvoll zu

16.30 Uhr Fix und foxi schlendere ich in die Küche zurück und mache mir Gedanken bezüglich des Nachtmahls. Um nicht stundenlang am heissen Herd stehen zu müssen, hole ich kurzerhand eine Tiefkühlpizza hervor und zaubere in Minutenschnelle ein prima Abendessen. Dazu gibt es einen farbenfrohen Beilagensalat sowie ein weiteres Bier.
18.00 Uhr Nachdem ich die leistungsstarke Geschirrspülmaschine knopfdrückend in Betrieb genommen habe, verabschiede ich mich in den verdienten Feierabend und fröne den Nachrichten auf FOX.
19.00 Uhr Zur Prime Time (löblich: Hauptfernsehzeit) wechsle ich auf den Filmkanal HBO und schaue mir den russischen Gruselfilm “Queen of Spades” an. Das krude Machwerk handelt von vier unterbelichteten Jugendlichen, die durch ein altes Ritual eine böse Hexe heraufbeschwören – wie aufregend.
21.00 Uhr Nach zweistündigem Nervenkitzel beende ich den Fernsehabend und ziehe mich gähnend ins Schlafzimmer zurück. Zu guter Letzt lösche ich das Licht und lege mich schlafen. Gute Nacht.

 

30. August 2018 – Im Vanderbilt Beach Resort

08.00 Uhr Ich werde durch ohrenbetäubendes Telefonläuten aus einem schönen Traum gerissen. Zu allem Überfluss meldet sich Maria in der Leitung und sagt, dass sie gerne mit mir und Amanda im Stadtzentrum frühstücken würde. Ich freue mich sehr und schlage vor, dass wir uns gegen halb Elf im “Bistro 821” treffen könnten. Die Perle ist einverstanden und beteuert, dass sie grossen Hunger mitbringen wird – wie aufregend.
08.15 Uhr Anschliessend rufe ich bei Prof. Kuhn an und gebe zu Protokoll, dass ich gleich ins Zentrum krusen und Amanda sowie Maria treffen werde. Der schlaue Mann wird sogleich hellhörig und sichert zu, zur besagten Zeit vor dem Frühstückslokal unseres Vertrauens zu sein – wie schön.
08.45 Uhr Nachdem ich den Hörer auf das Festnetztelefon gelegt habe, verabschiede ich mich in die Nasszelle, um mich frisch zu machen. Wie es sich gehört, hantiere ich mit dem Schwamm und fröne nebenher dem Qualitätsprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) – das macht besonders grossen Spass.


Katze Land – der beste Radiosender

09.45 Uhr Nach Rosenblüten duftend, scheuche ich Hund Dixon zum Chevrolet und informiere, dass wir in Bälde eine reichhaltige Mahlzeit verzehren werden. Der Vierbeiner hüpft ausgelassen auf die Ladefläche und bricht in lautes Bellen aus, als sich mir plötzlich Frau Pontecorvo in den Weg stellt. Meine Nachbarin ist besonders neugierig und möchte wissen, ob ich die wichtigste Mahlzeit des Tages auswärts einnehmen werde. Natürlich schüttle ich entschieden den Kopf und entgegne, dass ich Zahnschmerzen habe und mich in ärztliche Behandlung begeben werde. Bevor die Perle Worte findet, klemme ich mich winkend hinters Lenkrad und presche mit quietschenden Pneus von dannen – immerhin kann ich mich nicht um alles kümmern.
10.30 Uhr Pünktlich auf die Minute betrete ich das Familienrestaurant an der 5th Avenue und treffe den Professor in Gesellschaft meiner Verwandten an. Da mein Magen eigenartige Knurrlaute von sich gibt, winke ich eine Kellnerin mit grosser Oberweite herbei und ordere eine Kanne Bohnenkaffee sowie ein grosses Frühstück.
11.00 Uhr Als ich mich über die stattliche Mahlzeit hermache, lässt Maria unseren gestrigen Abstecher zu den “Miromar Outlet Stores” (löblich: Miromar Auslassgeschäften) Revue passieren und sagt, dass auch die Geschäfte entlang der 5th Avenue den Sommerschlussverkauf (löblich: Summer Closing Sale) ausgerufen haben. Darüber hinaus zupft die kleine Frau an ihrem Ausschnitt und meint, dass ihr ein neuer Victoria’s Secret Büstenhalter gut zu Gesicht stehen würde. Amanda schlägt in die gleiche Kerbe und unterbreitet, dass wir nach dem Essen einen ausgedehnten Schoppingbummel unternehmen könnten – papperlapapp.
11.45 Uhr Nach der Jause wende ich mich dem Professor zu und gebe zu Protokoll, dass wir das schöne Wetter ausnutzen und zum Strand krusen sollten. Edelbert nickt eifrig und wünscht den Damen einen schönen Nachmittag. Ruckzuck lasse ich den Motor aufheulen und folge dem JEEP meines Bekannten in Richtung Golf.


Wir tschillen am Ozean

12.30 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, stellen wir die Autos auf einem gebührenpflichtigen Parkplatz ab. Danach streben wir mit bei schwülwarmen Temperaturen zum azurblauen Ozean und freuen uns, nur wenige Badegäste anzutreffen. Um nicht zu dehydrieren, kehren wir kurzerhand ins “Vanderbilt Beach Resort” ein und geben an der Strandbar einen Krug Budweiser in Auftrag. Ausserdem bitte ich den Schankkellner, eine Schüssel Wasser für meinen tierischen Begleiter sowie lustige Sandwiches (löblich: Wurstbrote) aufzufahren.
13.00 Uhr Während sich platinblonde Weibsbilder im benachbarten Schwimmbecken vergnügen, lasse ich Edelbert wissen, dass die Kinder in zwei Tagen nach Kanada ausfliegen werden. Ferner rege ich eine Abschiedsfeier an und lege anschaulich dar, dass es ein grosser Spass wäre, meine Verwandten am Freitag in meinem Garten mit gegrillten Köstlichkeiten und süffigem Bier zu verwöhnen. Der Professor reibt sich die Hände und verspricht, morgen “Bob’s Liquor Store” anzusteuern, um bayerisches Weissbier zu besorgen – das kann mir nur Recht sein.
14.00 Uhr Da Dixon langsam unruhig wird, brechen wir unsere Zelte in Naples bestem Hotel ab und unternehmen einen Spaziergang entlang des Boardwalks. Als ich dem Rüden Stöckchen zuwerfe, meldet sich Edelbert zu Wort und schlägt vor, dass wir den lieben Menschen gegrillten Seeteufel servieren könnten – das hört sich verlockend an.
15.00 Uhr Nach einer Stunde stehen wir wieder an den Autos und schütteln Hände. Anschliessend drücke ich das Gaspedal bis zum Anschlag durch und freue mich auf ruhige Stunden in meinem kultivierten Zuhause.


Mein Zuhause unter Palmen

15.45 Uhr Zurück in der kleinen Villa, stelle ich wohlwollend fest, dass während meiner Abwesenheit die Putzfrau vor Ort war. Ich gebe mich erleichtert und falle gähnend aufs Kanapee, um in Sekundenschnelle einzudösen.
16.45 Uhr Nach der wohlverdienten Pause mache ich mich in der Küche nützlich und koche italienische Tortellini auf. Zudem erhitze ich eine Tomatensauce aus dem Glas auf dem Cerankochfeld und verfeinere die Pampe mit einer Prise Pfeffer sowie Petersilie aus eigenem Anbau – wie gut das duftet.
17.45 Uhr Nach der feinen Mahlzeit nehme ich die Geschirrspülmaschine knopfdrückend in Betrieb und lasse den nervenaufreibenden Tag vor dem Farbfernsehgerät ausklingen. Unter anderem schaue ich mir die FOX Nachrichten an und lerne, dass die im grossen Apfel (unlöblich: Big Apple) beheimatete “Church of Satan” (löblich: Kirche des Teufels) landesweit immer mehr Zulauf erhält – wo soll das noch hinführen.
19.00 Uhr Zur Prime Time (löblich: besten Sendezeit) schalte ich auf AMC um und gebe mich dem Gruselfilm “Ghostland” (löblich: Geisterland) hin. Die zwielichtige Produktion aus dem Jahre 2017 handelt von einer jungen Maid, die das seit langem leerstehende Anwesen ihrer verstorbenen Tante erbt.
21.00 Uhr Nach 120minütigem Nervenkitzel unternehme ich mit Hund Dixon einen letzten Rundgang durch den Garten und stelle den Rasensprenger ein. Zu guter Letzt lösche ich sämtliche Lichter und falle erschöpft ins Bett. Gute Nacht.

16. August 2018 – Alpine Restaurant

08.00 Uhr Ich rolle mich aus dem Wasserbett und fühle mich prima. Während Dixon neben der Klimaanlage liegt und alle Viere von sich streckt, strebe ich mit schnellen Schritten auf die Terrasse und läute den sonnigen Morgen mit dem Frühsport ein. Ausserdem mache ich mir eigene Gedanken und komme zu dem Schluss, dass es angebracht wäre, den heutigen Tag auszunutzen, um für Frau Pontecorvo ein Geburtstagsgeschenk zu besorgen .
08.30 Uhr Als ich mich bei einem blubbernden Wirbelbad entspanne, bimmelt plötzlich das Telefon und mein Grossneffe meldet sich in der Leitung. David legt beste Laune an den Tag und lotet aus, ob ich mit an den Strand kommen möchte. Natürlich erteile ich dem Buben eine Absage und beteure, dass ich in die Stadt krusen und dort abschoppen werde. Der 12jährige wird augenblicklich hellhörig und meint, dass er gerne mitkommen würde – dagegen ist nichts einzuwenden.
09.30 Uhr Nachdem ich dem Zwerg versprochen habe, ihn gegen halb 11 abzuholen, beende ich den Badespass und schlüpfe in farbenfrohe Freizeitkleidung. Anschliessend kehre ich pfeifend in die Küche zurück und genehmige mir ein ordentliches Frühstück. Unterdessen blättere ich in der Tageszeitung und stosse auf eine Anzeige des “Best Gourmet” Teegeschäfts. Ich mache grosse Augen und lerne, dass das an der 5th Avenue ansässige Unternehmen derzeit Rabatte in Höhe von bis zu 25% gewährt.
10.15 Uhr Kurz nach dem Zehnuhrläuten verfrachte ich das schmutzige Geschirr in die Spüle und schicke mich an, den Vierbeiner zum Auto zu scheuchen. In einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt rase ich gen Westen davon und spiele mit der Idee, dem besagten Teefachgeschäft einen Besuch abzustatten.


Tee schmeckt einfach prima

11.00 Uhr Wenig später treffe ich im Lowbank Drive ein und sehe, wie Georg und Maria den JEEP mit allerhand Sachen beladen. Weil ich über alles informiert sein muss, stelle ich die Beiden zur Rede und erhalte die Auskunft, dass meine Verwandten dem “Lovers Key State Park” einen Besuch abstatten wollen. Georg schenkt mir ein Lächeln und sagt, dass wir uns gegen 17 Uhr im “Alpine Restaurant” treffen sollten – das soll mir Recht sein.
11.30 Uhr Nachdem ich Amanda und James begrüsst habe, halte ich David die Beifahrertüre auf und dränge zur sofortigen Abreise. Der Bube nickt eifrig und steigt ausgelassen in den PS-strotzenden SUV ein.
12.00 Uhr Wegen der grossen Hitze sind heute nur wenige Fahrzeuge unterwegs und wir haben das grosse Glück, nach nicht einmal dreissig Minuten einen Stellplatz an der 5th Avenue zu ergattern. Da ich meine Zeit nicht gestohlen habe, tippe ich auf meine wertvolle ROLEX und lasse meinen Begleiter wissen, dass wir nun einen feinen Tee für Frau Pontecorvo besorgen werden.
12.45 Uhr Nach einem kurzweiligen Fussmarsch betreten wir den Laden und ich bemerke, dass hier nicht nur exquisite englische Teesorten, sondern auch Gewürze feilgeboten werden. Während Dixon in einer Tour niesst, laufe ich an den gutbestückten Regalen vorbei und unterbreite mit erhobenem Zeigefinger, dass der sündteure Bohea Tee aus China stammt. David zuckt mit den Schultern und sagt, dass er Durst hat und ein Eis essen möchte. Trotz der Quengelei, lasse ich mich nicht aus der Ruhe bringen und fasse den Entschluss, eine Tüte “Coconut Oolong Tee” sowie ein Pfund Rose Sugar (löblich: Rosenzucker) einzukaufen. Der freundliche Herr an der Kasse lobt meinen hervorragenden Geschmack und weist auf die Tatsache hin, dass der Oolong Tee im Himalaya angebaut wird – das ist ja allerhand.


Ich investiere ein Vermögen

13.45 Uhr Um insgesamt 40 Dollars ärmer, verlassen wir den Laden und nehmen uns das Recht heraus, in die benachbarte Eisdiele einzukehren, um lustige Eisbecher mit Sahne zu ordern. Nebenher frage ich David bezüglich seiner schulischen Laufbahn aus und vernehme, dass er ausschliesslich gute Noten mit nach Hause bringt und zu den besten Schülern seines Jahrgangs zählt – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.
14.30 Uhr Um keine Wurzeln zu schlagen, setzen wir unseren Bummel fort und schlendern entspanne an den zahlreichen Boutiquen vorbei. David kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und nötigt mich, in ein Schuhgeschäft einzukehren. Bevor ich mich versehe, flitzt der Frechdachs zu den Sportschuhen und nimmt ein Paar ADIDAS Schuhe aus dem Regal. Ich rolle demonstrativ mit den Augen und entgegne, dass diese Treter 150 Dollars kosten – wo soll das noch hinführen.
15.15 Uhr Nachdem wir die neuen NIKE Turnschuhe bestaunt haben, stehen wir wieder auf der Strasse und gönnen uns ein weiteres Eis in der Waffel. Ausserdem statten wir dem “Cambier Park” einen Besuch ab und verschaffen Hund Dixon etwas Auslauf – was kann es schöneres geben.
16.00 Uhr Als der Stundenzeiger meines goldenen Chronographens auf 4 zugeht, steigen wir ins Auto ein und krusen zügig von dannen. Ruckzucken fahren wir auf den Tamiami Trail auf und freuen uns auf das Abendessen in einem der besten Restaurants der Stadt. David plappert ohne Unterlass und kündigt an, ein grosses Steak mit Kartoffeln essen zu wollen – das hört sich verlockend an.

16.45 Uhr Pünktlich erreichen wir unser Ziel und treffen James, Amanda, Maria und Georg an einem schönen Tisch an. Die Leute begrüssen uns herzlich und erkundigen sich, ob wir ein passendes Geschenk für Frau Pontecorvo gefunden haben. Ich stimme prompt zu und zögere nicht, die Tageskarte aufzuschlagen und bei Wirtin Eva eine Gulaschsuppe sowie ein vitaminreiches Schnitzel Sandwich zu ordern. Nebenbei erfahre ich von Georg, dass es sich dieses Restaurant auf die Fahnen geschrieben hat, europäische Gerichte feilzubieten – das ist prima.
17.45 Uhr Nachdem wir die opulente Mahlzeit mit Schaumkaffees abgerundet haben, zückt mein Bruder seine Kreditkarte und bezahlt die Zeche aus der eigenen Tasche. Unterdessen reibe ich mir den Bauch und lasse die Anderen wissen, dass ich im “Alpine Restaurant” bald wieder essen werde.
18.30 Uhr Endlich bin ich wieder zu Hause und kann den langen Tag vor der Glotze ausklingen lassen. Als erstes schaue ich mir die Nachrichten auf FOX an und mache mich über die tagesaktuellen Geschehnisse schlau.
20.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit wechsle ich auf PBS und fröne einer Dokumentation, die sich mit dem schottischen Kindardine Castle beschäftigt. Ich mache grosse Augen und lerne, dass das stattliche Anwesen in der Grafschaft Aberdeenshire von zwei Rentnern bewohnt wird – das ist ja kaum zu glauben.
21.00 Uhr Ein schöner Fernsehabend geht zu Ende und ich lösche sämtliche Lichter. Zu guter Letzt streichle ich Dixon über den Kopf und lege mich schlafen. Gute Nacht.

13. August 2018 – Ein Telefon für David

08.00 Uhr Die 33. Woche des Kalenderjahres beginnt und ich fühle mich wie gerädert. Mit starken Kopfschmerzen rolle ich mich aus dem Wasserbett und erinnere mich, dass ich David (12) versprochen habe, ihn zum WAL MART SUPERCENTER am Juliet Boulevard zu begleiten. Missmutig trinke ich ein Glas Milch und ärgere mich, gestern Abend zu tief ins Glas geschaut zu haben – wo soll das noch hinführen.
08.45 Uhr Nachdem ich Dixons Napf mit Trockenfutter aufgefüllt und die Morgengymnastik absolviert habe, trotte ich in die Nasszelle und lasse die Seele bei einem erfrischenden Wirbelbad baumeln. Ferner rufe ich bei Edelbert an und erkundige mich, ob er sich wohl fühlt. Der schlaue Mann klagt ebenfalls über hämmernde Kopfschmerzen und mutmasst, dass er ein schlechtes Bier erwischt hat. Ich nicke eifrig und stelle klar, dass uns James womöglich heimlich Schnaps in die Hopfenkaltschalen geschüttet hat – was muss ich denn noch alles ertragen.


James hat uns Schnaps ins Bier geschüttet

09.45 Uhr Obgleich mich mein Grossneffe um 10 Uhr erwartet, setze ich mich an den Küchentisch und nehme im Beisein meines braven Haustieres ein kleines Frühstück ein. Ausserdem schlürfe ich brühfrischen Kaffee und vergesse auch nicht, eine weitere ASPIRIN Tablette einzunehmen – das tut gut.
10.30 Uhr Wie nicht anders zu erwarten, bimmelt schon bald das Festnetztelefon und ich sehe mich genötigt, mit David sprechen zu müssen. Der brave Bube kommt auf unsere Verabredung zu sprechen und beteuert, dass ich hoch und heilig versprochen habe, ihm beim Kauf eines neuen Handtelefons zu unterstützen. Laut seufzend bitte ich David um Verzeihung und merke an, dass ich ein vielbeschäftigter Rentner bin, der sehr viel um die Ohren hat. Trotzdem sichere ich dem Knaben zu, in wenigen Minuten loszufahren und alsbald im Lowbank Drive einzutreffen.
11.15 Uhr Um den Stammhalter der Familie Pfaffenberg nicht zu verärgern, komme ich in die Gänge und scheuche den Vierbeiner zum Auto. Im Anschluss kruse ich entnervt von dannen und fröne dem Qualitätsprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) – was kann es schöneres geben.


Katze Land – der beste Radiosender

11.45 Uhr Wenig später treffe ich vor dem Feriendomizil ein und werde bereits von David erwartet. Der Heranwachsende nölt in einer Tour und ermutigt mich, unverzüglich loszufahren und ihn zum WAL MART zu bringen. Ich rolle demonstrativ mit den Augen und erkläre dem Buben, dass in der Ruhe die Kraft liegt. Trotz aller Widrigkeiten lasse ich den Wählhebel der Automatikschaltung in der D-Stellung einrasten und fahren davon.
12.30 Uhr Nach 7 zurückgelegten Meilen erreiche ich mein Ziel und gebe dem schwanzwedelnden Vierbeiner zu verstehen, dass er uns nicht in die Markthalle begleiten kann. Da es ziemlich heiss ist, lasse ich kurzerhand den Motor laufen und eile mit David im Schlepptau ins Kaufhaus, um in der gutsortierten Elektronikabteilung nach einem Handtelefon Ausschau zu halten. Während mein kleinwüchsiger Begleiter die sündteuren Apfel (unlöblich: Apple) Produkte ins Visier nimmt, deute ich in Richtung eines preiswerten Blackberry (löblich: Schwarzbeere) Modells und informiere, dass ich selbst ein Telefon aus diesem renommierten Hause mein Eigen nenne. David rümpft desinteressiert die Nase und entgegnet, dass er von seinem Opa 500 amerikanische Dollars erhalten hat und ein Apfel Telefon aus der 5er Reihe kaufen wird – wie unlöblich.


David möchte ein Apfel Telefon

13.00 Uhr Nachdem ich mir für 30 Minuten die Beine in den Bauch stehen musste, fällt der Bube eine Entscheidung und wählt ein schwarzes Handtelefon aus. Ich atme tief durch und begleite meinen Grossneffen zur Kasse, wo wir aufgefordert werden, entweder ein Bündel Geldscheine oder eine Kreditkarte vorzuzeigen.
13.30 Uhr Um nicht Hunger leiden zu müssen, kehren wir nach dem Schoppingvergnügen in das benachbarte “Bob Evans” Gasthaus ein, um köstliche Burger mit Kartoffelstäben zu fressen. Während wir kraftvoll zubeissen, reisst David die Produktverpackung auf und plappert, dass das iPhone 5 prima ist und ihm gute Dienste leisten wird. Ich zucke mit den Schultern und unterbreite, dass strahlende Handtelefone auf Dauer krank machen. Der 12jährige ist jedoch ganz anderer Meinung und wirft ein, dass er stets für seine Freunde erreichbar sein muss – jaja.
14.30 Uhr Schlussendlich begleiche ich die Zeche aus der eigenen Tasche und laufe schnurstracks zum Auto zurück. Nachdem wir Dixon auf die Ladefläche geholfen haben, trete ich das Gaspedal bis zum Anschlag durch und bringe David sicher in den Lowbank Drive zurück.


Mein Zuhause unter Palmen

15.15 Uhr Um nicht den Nachmittag alleine im Willoughby Drive zubringen zu müssen, lade ich mich bei meiner Familie kurzerhand zu Kaffee und Kuchen ein. Während James und David das neue iPhone bestaunen, sitze ich mit Amanda, Maria und Georg in der Küche und öle meine ausgetrocknete Kehle. Nebenbei schimpfe ich auf die junge Generation und lege anschaulich dar, dass die Jungspunde nur noch Handtelefone und Heimrechner im Kopf haben. Amanda lacht laut und sagt, dass die Zukunft nicht mehr aufzuhalten ist – gleich platzt mir der Kragen.
16.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, die Zelte im Ferienhaus abzubrechen. Wie es sich gehört, lüfte ich meine NY YANKEES Kappe und wünsche meinen Verwandten einen angenehmen Fernsehabend. Danach kruse ich zügig nach Hause und freue mich auf ruhige Stunden in meinem kultivierten Zuhause – was kann es schöneres geben.
16.45 Uhr Zurück in der kleinen Villa, stelle ich beim Blick auf die Wanduhr fest, dass es mittlerweile Viertel vor Fünf Uhr geschlagen hat. Ruckzuck strebe ich in die Küche, um Bandnudeln mit einem herzhaften Tomatensösschen zu zaubern. Dazu gibt es ein perfekt eingeschenktes Bier mit Schaumkrone – da kommt Freude auf.

18.00 Uhr Nach einem reichhaltigen Nachtmahl strecke ich im Wohnzimmer die Beine aus und erfreue mich auf AMC dem nagelneuen Fernsehspiel “Lodge 49”. Die von der Presse hochgelobte Eigenproduktion erzählt aus dem Leben eines jungen Mannes, der sich einer geheimen Bruderschaft anschliesst – wie unheimlich.
20.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung beende ich den Fernsehabend und begleite Hund Dixon noch einmal in den Garten. Anschliessend reguliere ich die Klimaanlage und falle erschöpft ins Bett. Gute Nacht.

7. August 2018 – Die Verwandten auf grosser Fahrt

08.00 Uhr Ich werde durch eine stimmungsvolle Komposition des aus Australien stammenden Landmusiksängers Adam Brand geweckt. Während der 48jährige das schöne Lied “Ready for Love” (löblich: Bereit für die Liebe) trällert, rolle ich mich aus dem Wasserbett und ertüchtige mich mit der Morgengymnastik – da kommt Freude auf.
08.30 Uhr Da ich von meiner Familie zum Frühstück erwartet werde, ziehe ich mich nach dem Frühsport ins Bad zurück und mache mich frisch. Nebenher telefoniere ich mit Edelbert und lote aus, ob er auch in den Lowbank Drive eingeladen wurde. Der schlaue Mann nickt eifrig und erinnert, dass uns Georg gegen 10 Uhr erwarten wird – jaja.


Hund Dixon ist brav

09.30 Uhr Nach der Morgenwäsche schnappe ich mir eine Flasche EVIAN aus dem Eiskasten und scheuche Hund Dixon zum frischaufpolierten SUV. Weil ich unter enormen Zeitdruck stehe, nehme ich mir ausnahmsweise das Recht heraus, den Chevrolet auf schwindelerregende 35 Meilen pro Stunde zu beschleunigen und zu waghalsigen Überholmanövern anzusetzen. Ferner bringe ich die Lichthupe zum Einsatz und dränge eine blauhaarige Cadillacfahrerin von der Fahrbahn – kaum zu glauben wie viele Sonntagsfahrer auf den Strassen unterwegs sind.
10.00 Uhr Pünktlich auf die Minute bringe ich das Auto vor dem Feriendomizil meiner Verwandten zum stehen. Um nicht Hunger leiden zu müssen, eile ich spornstreichs zum Haustüre und freue mich, von meiner Schwägerin herzlich Willkommen geheissen zu werden. Die Perle streichelt dem Rüden über den Kopf und beteuert, dass sie für mein Haustier auch eine Kleinigkeit vorbereitet hat. Ich schnalze demonstrativ mit der Zunge und zögere nicht, ins klimatisierte Wohnzimmer zu streben, um nicht nur die Kinder, sondern auch Edelbert sowie Herrn Wang zu begrüssen. Der Herr Motelbesitzer rückt mir einen Stuhl zurecht und erkundigt sich, ob ich auch einen Orangensaft trinken möchte. Ich stimme prompt zu und lasse mir dazu eine stattliche Portion Rühreier mit Speck, ein lustiges Bagel sowie echten Virginia Schinken schmecken – wie gut das duftet.


Meine Verwandten wollen Disney World besuchen

10.30 Uhr Während ich kraftvoll zubeisse und meine ausgetrocknete Kehle öle, erfahre ich von Georg, dass er bald mit David (12) und Maria auf grosse Reise gehen wird. James schlägt in die gleiche Kerbe und plappert, dass sich sein Sohn in den nächsten Tagen im “Walt Disney World” Park vergnügen wird. Mein putziger Grossneffe ist ganz aus dem Häuschen und kündigt an, dass er auf alle Fälle die Modellstadt “EPCOT” sowie die “Hollywood Studios” besuchen wird – das hört sich verlockend an.
11.15 Uhr Just als ich mir ein Bagel von Edelberts Teller stibitze, meldet sich James zu Wort und sagt, dass er die Ruhe in vollen Zügen geniessen und mit Amanda etwas ausspannen wird. Ich spreche meinem löblichen Neffen gut zu und merke an, dass himmlische Ruhe zur Löblichkeit führt. Edelbert stimmt uneingeschränkt zu und meint, dass uns ein Urlaub auch nicht schaden würde – das kann man ruhig laut sagen.
12.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 12 zugeht, klatscht Georg freudig in seine Hände und wirft ein, dass nun die Zeit gekommen ist, um nach Orlando aufzubrechen. Um die lieben Menschen nicht aufzuhalten, nehme ich einen letzten Schluck Kaffee und wünsche David viel Vergnügen im “Walt Disney World Resort”. Im Anschluss verabschiede ich mich von den Anderen und ziehe es vor, entspannt die Heimreise anzutreten. Ruckzuck lasse ich den Motor meines PS-strotzenden SUV aufheulen und gleite zufrieden von dannen.


Mein Zuhause unter Palmen

12.45 Uhr Zurück im Willoughby Drive, fülle ich den Napf meines Haustieres mit Trockenfutter auf. Anschliessend bette ich mich auf dem Kanapee zur Ruhe, um von meinen Abenteuern auf den Appalachian Trail zu träumen.
14.00 Uhr Ich öffne die Augen und entschliesse mich, die Nachmittagsstunden im Garten zu verbringen. Ausgestattet mit einem Rechen und einer Giesskanne lotse ich Dixon an die frische Luft und mache es mir zur Aufgabe, die Erde im Petersilienbeet zu lockern.


Die Petersilie wächst

15.00 Uhr Leider kommt Frau Pontecorvo zeitnah an die Grundstücksgrenze und sagt, dass es bei dieser Hitze nicht angebracht ist, hart zu arbeiten. Ich wische mir die Schweissperlen von der Stirn und lasse die kleine Frau wissen, dass einem im Leben nichts geschenkt wird. Darüber hinaus verweise ich auf die Besucher aus Kanada und verrate, dass Georg mitsamt den Kindern nach Orlando aufgebrochen ist. Ich reibe den Daumen am Zeigefinger und stelle klar, dass ich mir solche kostspieligen Reisen unmöglich leisten kann. Meine Nachbarin blickt skeptisch drein und ermutigt mich, auf einen Kaffee nach nebenan zu kommen – das lasse ich mir nicht zweimal sagen.
16.00 Uhr Nach der Plauderei kehre ich in mein bescheidenes Zuhause zurück und genehmige ich mir ein kühles Bier aus den Eiskasten. Ferner schlage ich die Tageszeitung auf und lerne, dass im Stadtzentrum bis zum Wochenende mit Behinderungen zu rechnen sind. Ich komme aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus und lese weiter, dass ein renommierter amerikanischer Filmschaffender entlang der 5th Avenue Szenen für seinen neuen Spielfilm drehen wird – wie aufregend.


Fleisch ist sehr gesund

17.00 Uhr Redlichst informiert lege ich die Lektüre beiseite und begebe mich in die Küche. Unter den fordernden Blicken meines tierischen Mitbewohners brate ich ein T Bone Steak (löblich: T Knochen Schnitzel) im heissen Fett heraus und zaubere dazu farbenfrohes Mischgemüse.
17.45 Uhr Ein anstrengender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Ich verfrachte das schmutzige Geschirr in die Spüle und schalte dann die Glotze ein, um mich über die Geschehnisse in der Welt schlau zu machen.
19.00 Uhr Um auf andere Gedanken zu kommen, nehme ich zur Hauptfernsehzeit mit dem NETFLIX Angebot Vorlieb und fröne der erfolgreichen Knastserie “Orange Is The New Black” – das macht Spass.
21.00 Uhr Zwei Episoden später, beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt verschliesse ich die Haustüre und lege mich schlafen. Gute Nacht.