6. November 2017 – Gram Parsons

pfaffenbergkl

Sehr verehrte Damen und Herren,

heute möchte ich die Gelegenheit beim Schopfe packen und an den Musiker Gram Parsons erinnern, der gestern vor 71 Jahren in Winter Haven, FL geboren wurde.

Der gute Mann erblickte als Cecil Ingram Connor III das Licht der Welt und wuchs auf einer stattlichen Orangen- und Zitronenplantage im Polk County auf. Weil seine Eltern steinreich waren, erhielt er bereits mit neun Jahren Klavierunterricht. Ferner war es dem Buben möglich, eine Privatschule zu besuchen und Reisen in andere amerikanische Bundesstaaten zu unternehmen. Als sein Vater anno 1958 Selbstmord beging, heiratete seine Mutter den ebenfalls vermögenden Robert Ellis Parsons, der den 12jährigen Cecil kurzerhand adoptierte.

Nach seinem Schulabschluss ging Cecil nach Cambridge, um Theologie an der renommierten “Harvard University” zu studieren. Gleichzeitig heuerte er bei örtlichen Musikgruppen an und machte es sich zur Aufgabe, unter dem Namen Gram Parsons Gitarre zu spielen und Drogen am laufenden Band zu konsumieren. Die von ihm und John Nuese, Ian Dunlop sowie Mickey Gauvin gegründete “International Submarine Band” war so erfolgreich, dass Gram bald nach New York und Los Angeles eingeladen wurde. In Kalifornien angekommen, nahm er mit seinen Musikerfreunden und dem Produzenten Lee Hazlewood ein Studioalbum auf. Darüber hinaus freundete er sich mit Chris Hillman an und wurde von der Combo “The Byrds” prompt als Orgelspieler und Gitarrist engagiert. Wenig später überraschten die Byrds mit dem wegweisenden Studioalbum “Sweetheart of the Rodeo”, das massgeblich von Gram Parsons geprägt wurde.


The Byrds – Sweetheart at the Rodeo

In den folgenden Jahren arbeitete er auch mit den Rolling Stones, den Flying Burrito Brothers und der aufstrebenden Sängerin Emmylou Harris. Zeitgleich schrieb er Texte für ein eigenes Album und war sich sicher, mit dem Werk “Grievous Angels” zu einem der bekanntesten Interpreten der Welt aufzusteigen.

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Gram Parsons – Grievous Angels

Dummerweise machten ihm die Drogen einen Strich durch die Rechnung.
Während einer Konzertreise durch Kalifornien starb Gram Parsons am 19. September 1973 im Zimmer Nummer 8 des Joshua Tree Motels an einer Überdosis. Die Leiche wurde von seinem Begleiter Phil Kaufman entwendet und wenig später in der Mojave Wüste verbrannt. Die Polizei konnte den verkohlten Leichnam bergen und nach New Orleans.

Heutzutage wird Gram Parsons als Gründer des modernen Folk und der Alternativen Countrymusik angesehen. Seine Lieder beeinflussten die Rolling Stones, die Eagles, Emmylou Harris, Bob Dylan und viele andere.

Hochachtungsvoll
Reinhard Pfaffenberg

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27. Oktober 2017 – Das Luther Jahr

08.00 Uhr Ein neuer Tag bricht an und ich bemerke, dass der Weinmonat Oktober langsam aber sicher sein Ende findet. Beschwingt durch prima Jerrod Niemann Landmusik rolle ich mich aus dem Wasserbett und stimme den letzten Freitag des Monats mit der Morgengymnastik ein. Während ich mit den Armen rudere und meine Glieder mit dem Hampelmann lockere, erinnere ich mich, dass am kommenden Dienstag auch Halloween ansteht.
08.30 Uhr Während ich die Seele bei einem Wirbelbad baumeln lasse, rufe ich bei meiner unterbelichteten Mieterin an und fordere sie auf, am Halloweenabend nicht aus dem Haus zu gehen. Darüber hinaus gebe ich bekannt, dass sie sich mit dem Telefon in der Hand am Fenster postieren und sämtliche Klingelstreiche zur Anzeige bringen muss. Das Kind kommt aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und informiert, dass in der nächsten Woche gleich zwei gesetzliche Feiertage in Bayern anstehen. Ich mache grosse Augen und vernehme, dass nicht nur am 1. November, sondern auch am Reformationstag anlässlich des diesjährigen Luther-Jahres nicht gearbeitet wird – wie unlöblich.


Martin Luther

09.30 Uhr Nachdem ich Sandra bezüglich ihrer Wochenendaktivitäten ausgehorcht habe, beende ich das Telefonat und eile in die Küche. Ruckzuck sorge ich für eine nahrhafte Mahlzeit und nehme mir ausserdem das Recht heraus, brühfrischen Kaffee zu schlürfen. Nebenher segle ich mit dem iPad auf Wikipedia und erfahre, dass der Reformationstag auf den aus Eisleben stammenden Mönch Martin Luther zurückgeht. Ferner lerne ich, dass der Geistliche am 31. Oktober 1517 einen 95 Thesen umfassenden Brandbrief an die Wittenberger Schlosskirche genagelt und damit die sogenannte Reformation einleitete hat – das soll mir auch Recht sein.
10.15 Uhr Just als ich etwas Bohnentrunk nachgiesse, kommt Edelberts schneeweisser JEEP mit quietschenden Bremsen vor meinem Zuhause zum stehen. Ich begrüsse meinen Bekannten herzlich und lasse es mir nicht nehmen, ihn zu einem Umtrunk auf der schattigen Terrasse einzuladen. Zungeschnalzend hole ich ein Sechserpack Budweiser aus dem Eiskasten und gebe dem Professor zu verstehen, dass Bier sehr gesund ist. Der schlaue Mann gibt mir Recht und spült seinen Hals mit kräftigen Schlucken durch. Zudem präsentiert Edelbert einen Roman mit dem Titel “Grant” und plappert, dass der Pulitzer Preis Gewinner Ron Chernow eine 1.000 Seiten starke Abhandlung über den 18. Präsidenten der Vereinigten Staaten veröffentlicht hat. Da ich mich sehr für die amerikanische Geschichte interessiere, nehme ich spornstreichs den Waschzettel in Augenschein und komme zu dem Schluss, dass ich mir diese spannende Biografie ebenfalls zulegen muss. Edelbert nickt eifrig und beteuert, dass Ron Chernow mit “Grant” ein literarisches Meisterwerk gelungen ist – das hört man gerne.


Ron Chernow – Grant (Roman)

11.15 Uhr Kurz vor der Mittagszeit stösst Frau Pontecorvo zu uns und mutmasst, dass wir einen über den Durst getrunken haben. Die Perle deutet in Richtung der leeren Bierflaschen und unterbreitet, dass es sich nicht gehört, vor dem Abend Alkohol zu trinken. Ich winke demonstrativ ab und gebe vor, dass Bier in unserer weissblauen Heimat als Grundnahrungsmittel angesehen wird. Edelbert schlägt in die gleiche Kerbe und fordert meine Nachbarin auf, sich zu uns zu setzen und sich eine Halbe zu genehmigen. Leider schlägt Frau Pontecorvo die Einladung aus und sagt, dass sie nun in die Stadt rasen und zum Frisör gehen wird – das ist wieder typisch.
12.00 Uhr Pünktlich zum Zwölfuhrläuten serviere ich gesunde Wurstbrote und lasse den Professor wissen, dass mein Bruder in der übernächsten Woche nach Florida ausfliegen und den Herbst unter Palmen verbringen wird. Mein Gegenüber wischt sich schmunzelnd über die nasse Stirn und meint, dass vom Herbst keine Rede sein kann.
13.00 Uhr Sechzig Minuten später erhebt sich Edelbert aus dem Liegestuhl und bedankt sich für Speis und Trank. Ich begleite den guten Mann zum Auto und stelle klar, dass wir uns Morgen zum Frühstück treffen sollten.


Das Ferienhaus meiner Verwandten

14.00 Uhr Nachdem endlich Ruhe und Frieden in der kleinen Villa Einzug gehalten haben, falle ich schnaufend aufs Kanapee und stecke zufrieden die Beine aus. Alsbald döse ich ein und träume vom anstehenden Wiedersehen mit meinen Liebsten – das wird ein Spass.
15.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und nehme am Schreibtisch Platz, um die Anschnurarbeit in Angriff zu nehmen. Während sich Dixon im Garten mit einem Tennisball vergnügt, helfe ich verzweifelten Eltern aus schier ausweglosen Situationen. Unter anderem animiere ich eine Mutter aus dem ostdeutschen Eberswalde, ihrem krecksüchtigen Sohn (16) das Taschengeld zu streichen – wo soll das noch hinführen.
16.00 Uhr Nach getaner Arbeit sehe ich im Garten nach dem Rechten und animiere den Vierbeiner, mit mir Gassi zu gehen. Mit einem schönen Lied auf den Lippen schlendern wir durch das beschauliche Wohngebiet und finden uns schnell vor dem Haupttor des “La Playa” Golfparcours wieder. Dixon spitzt augenblicklich seine Ohren und macht es sich zur Aufgabe, Golfbälle im hohen Gras zu suchen – wie lustig.


Dixon sucht Golfbälle

17.00 Uhr Wieder zurück im Willoughby Drive, beschalle ich die kleine Villa mit schöner Musik. Danach mache ich mich in der Küche nützlich und sorge im Handumdrehen für ein vitaminreiches Langnudelgericht mit Pesto aus dem Glas – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nachdem ich für Ordnung und Sauberkeit gesorgt habe, gehe ich zum gemütlichen Teil des langen Tages über und schaue fern. Ohne zu Zögern greife ich auf das NETFLIX Angebot zurück und gebe mich weiter den Abenteuern des kolumbianischen Drogenbarons Pablo Escobar hin, der in den 1980er Jahren zu einem der reichsten Menschen auf diesem Planeten aufstieg – wie furchtbar.
21.30 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung beende ich den Fernsehabend und rufe den Rüden ins Haus. Im Anschluss lösche ich die Lichter und falle übermüdet ins Bett. Gute Nacht.

20. Oktober 2017 – Otfried Preußler

pfaffenbergkl

Werte Damen und Herren,

heute möchte ich an den bekannten deutschen Schriftsteller Otfried Preußler erinnern.
Wie jeder wissen sollte, erblickte der gute Mann just heute vor 93 Jahren im tschechischen Reichenberg das Licht der Welt. Der Sohn eines Lehrers schrieb es sich bereits in jungen Jahren auf die Fahnen, gemeinsam mit seinen Eltern die böhmische Heimat zu erkunden und sich mit der Volkskunde vertraut zu machen. Ferner kraxelte er fröhlich durch das Isergebirge und liess sich von seinen Grosseltern Geschichten und uralte Sagen erzählen.

Unmittelbar nach seinem Abitur im Jahre 1942 wurde er zum Kriegsdienst eingezogen. Der 19jährige diente an der Ostfront und geriet zwei Jahre später in sowjetische Gefangenschaft. Er musste in der Tatarischen Republik für die Russen schuften und erkrankte sogar an Malaria. Erst 1949 wurde er aus der Gefangenschaft entlassen und traf im oberbayerischen Rosenheim seine heimatvertriebenen Angehörigen wieder. Herr Preußler wurde Lehrer und später Rektor an der Gemeindeschule in Stephanskirchen. Zeitgleich arbeitete er nebenberuflich als Schriftsteller und verfasste Hörspiele für den Rundfunk.

1956 erschien sein erster grosser Kinderroman unter dem Titel “Der kleine Wassermann”. Diese Erzählung war so erfolgreich, dass er in den Folgejahren seine Lehrertätigkeit aufgab und sich ganz dem Schreiben widmete. Seine Jugendromane “Die kleine Hexe”, “Kater Mikesch”, “Der Räuber Hotzenplotz” oder “Das kleine Gespenst” entwickelten sich zu Verkaufsschlagern und machten Otfried Preußler zu einem der wichtigsten deutschen Autoren der 1960er Jahre.

Aus der Reihe seiner unzähligen Bücher sticht besonders die im Jahre 1971 im Arena-Verlag erschienene Erzählung “Krabat” heraus. Die Geschichte basiert auf einer sorbischen Sage und erzählt von einem Jungen, der als Lehrling eines mächtigen Zauberers Schreckliches erlebt. Das Buch wurde mittlerweile in 31 Sprachen übersetzt und damals mit dem “Deutschen Jugendbuchpreis” ausgezeichnet. Ferner wurde “Krabat” anno 2008 vom deutschen Filmschaffenden Marco Kreuzpaintner verfilmt und als abendfüllender Spielfilm in die Lichtspielhäuser gebracht – wie aufregend.

Otfried Preußler starb am 18. Februar 2014 in Prien am Chiemsee und hinterliess einen stattlichen Nachlass. Seine Korrespondenz wurde der Berliner Staatsbibliothek übergeben und kann seitdem in einer Sonderausstellung begutachtet werden.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg

18. Oktober 2017 – Lucy Stone

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Sehr geehrte Damen und Herren,

heute möchte ich an die amerikanische Frauenrechtlerin und Publizistin Lucy Stone erinnern.

Frau Lucy kam als die dritte Tochter des reichen Landwirts Francis Stone im ländlichen West Brookfield in Massachusetts am 13. August 1818 zur Welt. Als Kind genoss sie eine strenge Erziehung und wurde von den Eltern gezwungen, bereits in jungen Jahren das Lesen und Schreiben zu erlernen.

Obgleich die Eltern dagegen waren, zog sie bald von zu Hause aus und schrieb es sich auf die Fahnen, als erste Frau überhaupt Theologie am College von Oberlin (Ohio) zu studieren. Gemeinsam mit ihrer Studienkollegin Antoinette Brown setze sie sich für ihr Recht ein, während der Lesungen nicht nur zuhören, sondern auch sprechen zu dürfen.

Anno 1856 heiratete sie Henry Blackwell und gab auf dem Standesamt an, ihren Geburtsnamen als Symbol für das Recht der Frau auf Individualität beibehalten zu wollen. Dieser Bitte wurde nach langem Hin und Her letztendlich stattgegeben.

Lucy Stone sagte:

“Was habe ich davon, wählen zu dürfen, Eigentum zu besitzen usw., wenn ich über meinen Körper und seine Funktionen nicht frei verfügen kann?”

Als der amerikanische Bürgerkrieg in den Jahren 1861 bis 1865 wütete, sprach sie sich für die sofortige Abschaffung der Sklaverei aus und gründete zudem die Frauenrechtsorganisation “National American Woman Suffrage Association”, die zum Ziel hatte, ein generelles Frauenwahlrecht einzuführen. Darüber hinaus trat sie als Herausgeberin des “Woman’s Journal” bis zu ihrem Tod in Erscheinung.

Lucy Stone starb just heute vor 123 Jahren – am 18. Oktober 1893 – im Alter von 75 Jahren in Boston, MA.

Hochachtungsvoll
Reinhard Pfaffenberg

29. September 2017 – Jerry Lee Lewis und Elsbeth

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Hochgeschätzte Internetzgemeinde,

der amerikanische Musikant Jerry Lee Lewis feiert heute seinen 82. Geburtstag.
Wie jedes Kind weiss, wuchs der aus Ferriday in Louisiana stammende Bube in sehr ärmlichen Verhältnissen auf. Trotzdem war es den Eltern möglich, etwas Geld abzuzweigen und den Jüngling auf eine Musikschule zu schicken. Dort erlernte der kleine Jerry das Klavierspielen und schrieb es sich auf die Fahnen, gemeinsam mit seinen Cousins Jimmy Lee Swaggert und Mickey Gilley eine Gospelkapelle zu gründen.

Mit 21 Jahren ging Jerry Lee nach Memphis, TN und schloss sich der örtlichen Musikszene an. Prompt bekam der begabte Klavierspieler eine Anstellung in einer Biertränke und knüpfte Kontakte zu anderen Musikern. Im Herbst 1956 stellte sich Jerry Lee Lewis bei der bekannten Plattenfirma “Sun Records” vor und gab zu Protokoll, dass er in Elvis Presleys Fussstapfen treten und ebenfalls berühmt werden wolle.

Wenige Wochen später wurde er vom “Sun Records” Besitzer Sam Phillips unter Vertrag genommen und feierte mit “Whole Lotta Shakin’ Goin’ On” und “Great Balls of Fire” seinen internationalen Durchbruch. Doch während einer umjubelten Tournee durch England im Jahre 1958 wurde bekannt, dass Jerry Lee Lewis seine erst dreizehnjährige Cousine Myra geheiratet hatte. Wegen dieses Skandals wurde die Musikreise durch Europa abgebrochen und seine Platten kurzerhand aus den Radioprogrammen genommen.

Erst in den 1960er Jahren kam seine Karriere wieder in Schwung und Jerry Lee Lewis stieg zu einem der bekanntesten Rock’n Roll Musiker seiner Zeit auf. Bis heute ist der gute Mann seiner Liebe zur Musik treu geblieben und veröffentlicht in regelmässigen Abständen hörenswerte Studioalben.

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Darüber hinaus feiert heute auch meine liebe Schwester Elsbeth ihr Wiegenfest.
Natürlich habe ich am heutigen Morgen in der Hansestadt Hamburg angerufen und der Perle die besten Glückwünsche übermittelt.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg