24. Mai 2017 – Condoleezza Rice

08.00 Uhr Pünktlich zum Achtuhrläuten öffne ich die Augen und freue mich, einen weiteren Sonnentag im Rentnerparadies erleben zu dürfen – das ist prima.
08.30 Uhr Nach dem Frühsport fordere ich die AMAZON Lautsprechersäule auf, die kleine Villa mit prima Musik zu beschallen. ALEXA gehorcht mir aufs Wort und ich habe das Vergnügen, der aktuellen Kompaktscheibe des amerikanischen Ausnahmesängers John Moreland (31) zu lauschen. Während der Künstler seine Jugend in Oklahoma besingt, verabschiede ich mich ins Bad und lasse die Wirbelwanne mit Wasser volllaufen. Zudem rufe ich bei meinem Bruder an und erfahre, dass er die letzte Nacht auf einem wunderschönen Camping Ground (löblich: Wohnwagenplatz) an der Apalachee Bay verbracht hat. Georg ist begeistert und gibt mir zu verstehen, dass er gleich mit seiner Ehefrau nach Tallahassee kutschieren wird, um das alte Capitol (löblich: Rathaus) der Stadt zu besichtigen. Darüber hinaus vernehme ich, dass die lieben Leute am Nachmittag einen Spaziergang durch den weltbekannten „Alfred B. Maclay Garden“ unternehmen werden – das hört man gerne.


Meine Verwandten sind im Winnebago unterwegs

09.30 Uhr Nach Rosenöl duftend, hüpfe ich aus der Wanne und zögere nicht, mich ordentlich abzutrocknen und in Schale zu werfen. Anschliessend kontaktiere ich den Professor und kündige an, alsbald im Zentrum einzutreffen. Edelbert freut sich und sagt, dass er mich im Starbucks zum Frühstück erwarten wird – wie aufregend.
10.00 Uhr Just als Frau Gomez die Haustüre aufstösst, lasse ich den Autoschlüssel in meine Hosentasche wandern und rufe den Vierbeiner auf, mir nach draussen zu folgen. Meine Zugehfrau stellt sich mir jedoch in den Weg und unterbreitet, dass sie Waschpulver benötigt. Ich zucke mit den Schultern und entgegne, dass mir leider die Zeit fehlt, um im Supermarkt abzuschoppen. Um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen, schiebe ich die kleine Frau beiseite und laufe mit schnellen Schritten zum PS-strotzenden SUV.
10.45 Uhr Nach einer langen Parkplatzsuche kann ich den Chevrolet Suburban endlich vor dem besagten Kaffeehaus parken. Mit Dixon im Schlepptau eile ich in die Filiale und treffe Edelbert an einem Tisch mit Ausblick an. Weil mein Magen knurrt, fackle ich nicht lange und ordere zwei „Canadian Bacon & Egg Sandwiches“ (löblich: Kanadisches Schinken und Ei Brote) sowie einen grossen Becher „Veranda Blend“ Kaffee mit ganz viel Milch. Danach lasse mich neben dem Professor nieder und bringe heraus, dass er im Anschluss eine Buchhandlung aufsuchen möchte, um die neuerschienene Biografie „Democracy: Stories from the Long Road to Freedom“ aus Condoleezza Rices Feder zu kaufen. Ich mache grosse Augen und erinnere daran, dass die Negerin von 2005 bis 2009 Aussenministerin unter George W. Bush war und die Staaten Iran, Kuba, Myanmar, Nordkorea, Simbabwe und Weissrussland als „Vorposten der Tyrannei“ bezeichnet hat.


Frau Rice hat ein Buch geschrieben

11.45 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten stehen wir wieder auf der Strasse und statten dem Bookstore (löblich: Buchgeschäft) in der Nachbarschaft einen Besuch ab. Prompt werden wir fündig und vernehmen vom Geschäftseigentümer, dass der knapp 500 Seiten starke Wälzer mittlerweile die Bestsellerliste der „New York Times“ anführt. Ich überlege nicht lange und nehme mir ebenfalls ein Exemplar vom Regal.


Democracy von Condoleezza Rice

12.30 Uhr Nach dem Bezahlvorgang schlendern wir zum Auto und plaudern über dies und das. Prof. Kuhl reibt sich die Hände und meint, dass er sich nun die ersten Kapitel lesen wird. Ich schlage in die gleiche Kerbe und wünsche meinem Bekannten viel Vergnügen.
13.15 Uhr Zuhause angekommen, finde ich die kleine Villa redlichst herausgeputzt vor. Wie es sich gehört, fülle ich gesundes Trockenfutter in Dixons Napf und nehme mir das Recht heraus, eine Tiefkühlpizza im Ofen aufzubacken.
14.00 Uhr Ich lasse mir die Jause in der kühlen Wohnstube munden und blättere interessiert in Frau Rices Buch. Leider fallen mir schnell die Augen zu und ich sehe mich genötigt, die Beine auf dem Sofa hochzulegen.
15.00 Uhr Wenig später pocht Frau Pontecorvo an die Terrassentüre und erkundigt sich, ob sie mir beim Kaffeekränzchen Gesellschaft leisten darf. Ich nicke eifrig und mache mich augenblicklich am futuristischen DeLonghi Vollautomaten zu schaffen. Unterdessen wirft meine Nachbarin prüfende Blicke in die Memoiren der ehemaligen Aussenministerin und unkt, dass es mir schwer fallen muss, die englischen Fachbegriffe zu verstehen. Ich klopfe mir lachend auf die Schenkel und erwähne mit erhobenem Zeigefinger, dass mein Englisch perfekt ist.


Hund Dixon ist brav

16.00 Uhr Nachdem Frau Pontecorvo das Weite gesucht hat, breche ich mit dem Rüden zu einer Wanderung durch das Wohngebiet auf. Unter anderem schlendere ich am Haus von Herrn West vorbei und tratsche angeregt mit dem Ehemann der abgehalfterten Hollywooddiva Merryl Dench. Der Tattergreis lüftet seine Mütze und erzählt, dass seine Angetraute am Wochenende nach Los Angeles ausgeflogen ist – das soll mir auch Recht sein.
17.00 Uhr Wieder zurück in der kleinen Villa, schlüpfe ich aus den Flip Flops und gönne mir eine Hopfenkaltschale. Dazu gibt es ein mit Käse belegtes französisches Langbrot (unlöblich: Baguette) sowie köstliche Gurkenscheiben aus dem Glas – schmeckt gar nicht schlecht.


Ich schlüpfe aus den Flip Flops

18.00 Uhr Nach dem Nachtmahl mache ich es mir vor der Glotze bequem und schaue mir die Nachrichten an. Neben den üblichen Schreckensmeldungen aus dem alten Europa, lerne ich ausserdem, dass Morgen der „Ascension Day“ (löblich: Christi Himmelfahrt) gefeiert wird – wie schön.
19.00 Uhr Um auf andere Gedanken zu kommen, wechsle ich auf HBO und gebe mich dem Spielfilm „Complete Unknown“ (löblich: Komplett Unbekannt) hin. Ich staune Bauklötze und tauche in das Leben einer jungen Frau ein, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, ihre Mitmenschen Lügengeschichten aufzutischen – so ein Schmarrn.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Langeweile schalte ich den Flachbildschirm aus und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt lösche ich das Licht und falle übermüdet ins Bett. Gute Nacht.

10. Mai 2016 – J. Edgar Hoover

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Sehr verehrter Leser,

just heute vor 93 Jahren wurde J. Edgar Hoover offiziell zum Chef des von ihm ins Leben gerufenen „Federal Bureau of Investigation“ ernannt. Wie jedes Kind weiss, hat das FBI noch heute die wichtige Aufgabe inne, als Strafverfolgungsbehörde sowie Inlandsgeheimdienst der Vereinigten Staaten zu fungieren.

Ursprünglich wurde das „Bureau of Investigation“ im Juli 1908 mit 34 Mitarbeitern durch Justizminister Charles J. Bonaparte gegründet. Da das Bundesamt in den 1920er Jahren in viele Skandale verstrickt war, beauftragte man dessen Vizepräsidenten J. Edgar Hoover, das „BOI“ zu professionalisieren. Der 29jährige machte sich sogleich ans Werk und schaffte es ohne grössere Probleme, Befugnisse sowie Zuständigkeitsbereiche der Sicherheitsbehörde zu erweitern und das Ministerium zu einem wichtigen Dachorgan der Justiz auszubauen.

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FBI Marke und Waffe

J. Edgar Hoover erkannte früh die Bedeutung der Massenmedien und schrieb es sich auf die Fahnen, zu Festnahmen von bekannten Ganoven die Presse einzuladen. Darüber hinaus kämpfte er nach dem zweiten Weltkrieg vehement gegen den Kommunismus und lies unzählige Personen verhaften. Da ihm auch die Bürgerrechtsbewegung ein Dorn im Auge war, erlies er ausserdem zahlreiche Haftbefehle gegen die Rädelsführer und machte sogar aus seiner Abneigung gegen den schwarzen Baptistenpastor Martin Luther King keinen Hehl.

Schlussendlich verstarb J. Edgar Hoover nach 48 Dienstjahren am 2. Mai 1972 an einem Herzinfarkt. Dem langjährigen Direktor des FBI wurde die Ehre zuteil, im Capitol aufgebahrt und auf dem „Congressional Cemetery“ in der amerikanischen Hauptstadt Washington DC. beerdigt zu werden. Obgleich er zeitlebens die Öffentlichkeit polarisiert hat, zählt J. Edgar Hoover noch heute zu den beliebtesten und wichtigsten Persönlichkeiten der Vereinigten Staaten.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg

28. April 2017 – Arbor Day

Sehr verehrte Damen und Herren, liebe Tagebuchleser,

in den Vereinigten Staaten wird heute der „Arbor Day“ gefeiert. Dieser Aktionstag wurde vor vielen Jahrzehnten zum ersten Mal in Nebraska ausgerufen.

Damals zogen unerschrockene Siedler durch das weite Land und fanden im Mittleren Westen eine äusserst trostlose Landschaft vor. Julius Sterling Morton, seines Zeichens Pionier und Naturschützer, machte es sich zur Lebensaufgabe, sein stattliches Grundstück mit Sträuchern, Blumen und Bäumen zu bepflanzen. Viele folgten seinem Beispiel und sorgten dafür, dass die Steppe grün wurde und der Boden für die Landwirtschaft genutzt werden konnte – wie aufregend.

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Julius Sterling Morton

Herr Norton war ausserdem Journalist und Herausgeber von Nebraskas erster Wochenzeitung. In der „The Conservative“ (löblich: Der Konservative) berichtete er über die Baumpflanzungen und schlug der Regierung vor, einen landesweiten „Arbor Day“ einzuführen. Die Volksvertreter kamen dem Aufruf anno 1872 nach und stellten den Landwirten Finanzmittel zur Verfügung, um über 1.000.000 Bäume zu setzen.

In einem wahren Siegeszug eroberte der „Arbor Day“ auch andere Bundesstaaten. Noch heute wird dieser Aktionstag dazu genutzt, um die amerikanischen Innenstädte zu verschönern und/oder Naturschutzgebiete aufzuforsten – wie schön.

Am heutigen Festtag werde ich gemeinsam mit meinen Verwandten, Frau Pontecorvo und Prof. Edelbert Kuhn im Grünen verbringen. Wir wollen den Nachmittag ausnutzen, um die wunderschönen Mangrovenwälder im „Clam Pass Park“ zu erkunden – das wird ein Spass.

Ich wünsche allen Lesern einen frohen Arbor Day
Reinhard Pfaffenberg

26. April 2017 – John Audubon

Sehr geehrte Damen und Herren,

heute möchte ich an einen der bekanntesten amerikanischen Ornithologen und Zeichner erinnern.

John Audubon wurde am 26. April 1785 als Sohn eines französischen Schiffskapitäns und Plantagenbesitzers auf dem Inselstaat Haiti geboren. Weil seine Mutter kurz nach der Geburt starb, ging sein Vater nach Frankreich zurück und ermöglichte es dem Buben, seine Jugend im schönen Nantes zu verbringen.

Um dem Wehrdienst in der Armee Napoleons zu entgehen, entschloss sich der junge John, nach Amerika zu gehen und sich auf dem Familiengut Mill Grove nahe Philadelphia niederzulassen. Dort lebte der mittlerweile 20jährige als Jäger, Händler und Tierpräparator. Ausserdem heirate er die hübsche Lucy Bakewell und schrieb es sich auf die Fahnen, nach Henderson im Bundesstaat Kentucky zu gehen, um dort einen Krämerladen zu eröffnen. Zeitgleich führte der Tierliebhaber die vermutlich ersten Vogelberingungen auf dem nordamerikanischen Kontinent durch und fand heraus, dass Singvögel jedes Jahr zum gleichen Nistplatz zurückkehren – wie aufregend.

Während einer Geschäftsreise im Jahre 1810 traf er auf Alexander Wilson, der zu den grössten amerikanischen Vogelkundler seiner Zeit zählte. Die beiden Männer freundeten sich an und John Audubon entwickelte den ambitionierten Plan, alle Vogelarten Nordamerikas zu katalogisieren. Zusammen mit einem Assistenten fuhr er auf dem Mississippi River flussabwärts und schoss täglich bis zu 100 Vögel. Die Kadaver fixierte er anschliessend mit feinen Drähten und brachte sie als Zeichnung auf Papier. So entstanden in kürzester Zeit zirka 450 kolorierte Bildtafeln, die mehr als 1.000 Vogelarten zeigten.

John Audubon fand schnell einen Verleger und brachte wenig später das Buch „Birds of America“ (Die Vögel Amerikas) auf den Markt. Die Publikation war ein voller Erfolg und machte den Forscher weltbekannt.

Noch heute gilt sein Werk als Massstab zeichnerischen Könnens für Naturmaler. Darüber hinaus geniesst der gute Mann noch immer grösste Beliebtheit in den Vereinigten Staaten und Kanada. Nach seinem Ableben im Jahre 1851 wurden zahlreiche Brücken, Strassenzüge, Parkanlage und sogar Gebäude nach ihm benannt – wie schön.

Hochachtungsvoll
Reinhard Pfaffenberg

20. April 2017 – Rubin Carter

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Sehr verehrter Leser,

in meinem heutigen Tagebucheintrag möchte ich an den dunkelhäutigen Mittelgewichtsboxer Rubin Carter erinnern.

Wie jeder amerikanischer Staatsbürger weiss, erblickte der gute Mann am 6. Mai 1937 in der Kleinstadt Clifton in New Jersey das Licht der Welt. Zwischen 1961 und 1966 war er als Boxprofi aktiv und bestritt 40 Kämpfe, von denen er 27 gewinnen konnte. Anno 1964 stellte sich Herr Carter sogar einem Titelkampf gegen den WBA- und WBC Champion Joey Giardello und verlor knapp nach Punkten.

Zwei Jahre später wurde er von der Bundespolizei wegen Mordverdachts festgenommen und vor ein Gericht gestellt. Während der Verhandlung wurden er und sein Freund John Artis wegen Mordes an drei Weissen für schuldig befunden und von den Geschworenen zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt. Obgleich er in Revision ging, wurde der Schuldspruch in einem zweiten Prozess im Jahre 1976 bestätigt. Erst 1985 stellte das Bundesgericht fest, dass Herr Carter durch fragwürdige Zeugenaussagen verurteilt wurde. Da den Behörden ausserdem „grobe Verfahrensverstösse“ nachgewiesen werden konnten, wurde Rubin Carter mit sofortiger Wirkung aus der Haft entlassen.

Der Fall des Rubin Carter, der fast zwanzig Jahre unschuldig im Gefängnis sass, ging als einer der grössten Justizskandale in die amerikanische Geschichte ein. Daraufhin gründete Rubin Carter die „Association in Defense of the Wrongfully Convicted“ (löblich: „Vereinigung zur Verteidigung der zu Unrecht Verurteilten) und schrieb es sich auf die Fahnen, sich für zu Unrecht Verurteilte einzusetzen. In Folge dessen wurde ihm anno 1993 der Weltmeisterschaftsgürtel der WBC überreicht.

Natürlich wurde Rubin Carters Kampf gegen die amerikanische Justiz verfilmt.
Die im Jahre 1999 entstandene Filmbiografie „Hurricane“ erntete hervorragende Kritiken und wurde mit einem „Silbernen Bären“ sowie einem „Golden Globe“ ausgezeichnet.

Rubin Carter starb am 20. April 2014 im Alter von 76 Jahren an der Folgen einer heimtückischen Krebserkrankung.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg