26. Mai 2017 – Qualmende Rocker

07.45 Uhr Ich werde durch das stetige Dröhnen eines Motorrades geweckt. Verärgert eile ich zum Küchenfenster und erblicke auf dem Nachbargrundstück den Bruder von Frau Connor. Ich staune nicht schlecht und bemerke, dass Herr Jeffrey auf einem nagelneuen Motorrad vorgefahren ist. Weil ich über alles informiert sein muss, laufe ich badebemäntelt nach nebenan und stelle den Rocker zur Rede. Herr Jeffrey steckt sich eine PARLIAMENT Zigarette an und berichtet, dass er sich in der vergangenen Woche ein PS-strotzendes „Roadster“ Modell geleistet hat. Ich nicke eifrig und bin mir ziemlich sicher, dass der Gammler die Maschine aus Drogenverkäufen finanziert hat.


Bitte nicht rauchen

08.15 Uhr Als ich das Motorrad naserümpfend umrunde, gesellen sich die vorlauten Nachbarskinder Emily und Francis zu uns und freuen sich, ihren Onkel begrüssen zu können. Um mit den Dreikäsehochs nicht reden zu müssen, mache ich schnell kehrt und ziehe mich kopfschüttend in die Nasszelle zurück.
09.15 Uhr Kurz nach dem Neunuhrläuten steige ich aus der Badewanne und bereite in der Küche die wichtigste Mahlzeit des Tages vor. Wenig später kommt Edelberts schneeweisser JEEP vor der kleinen Villa zum halten und ich nehme mir das Recht heraus, den schlauen Mann herzlich Willkommen zu heissen. Der Professor reibt sich die Hände und beteuert, dass er grossen Hunger mitgebracht hat – das hört man gerne.
09.45 Uhr Während ich Kaffee, Rühreier und lustige Donuts auftische, kommt Edelbert auf den kommenden Montag zu sprechen und erinnert, dass am 29. Mai der „Memorial Day“ gefeiert wird. Ich schnalze zufrieden mit der Zunge und stelle klar, dass wir nach Fort Myers krusen und dem örtlichen Veteranenumzug beiwohnen sollten. Mein Tischnachbar schlägt in die gleiche Kerbe und kann es kaum noch erwarten, eine farbenfrohe Parade mitzuerleben und Uniformen aus dem zweiten Weltkrieg zu bewundern – das wird eine Gaudi.
10.30 Uhr Im weiteren Verlauf des zünftigen Beisammenseins, bringt Edelbert den Sommer ins Spiel und schlägt vor, dass es angebracht wäre, die heisse Jahreszeit in kühleren Gefilden zu verbringen. Ich nippe zufrieden am Kaffeehaferl und vernehme weiter, dass mein Bekannter mit dem Gedanken spielt, nach Kanada auszufliegen, um mit der „Canadian Pacific Railway“ (löblich: Kanadische Pazifische Eisenbahnlinie) quer durchs Land zu fahren. Ich gebe mich jedoch skeptisch und merke an, dass ich nicht mehr der Jüngste bin und keine grosse Lust habe, eine tagelange Eisenbahnfahrt auf mich zu nehmen – wo kämen wir denn da hin.


Wir schlendern zum Golfplatz

11.00 Uhr Nachdem wir aufgegessen haben, brechen wir zu einem Spaziergang auf und schlendern mit Hund Dixon im Schlepptau zum „La Playa Golflatz“. Nebenbei berichte ich von meinem Treffen mit Herrn Jeffrey und unke, dass man dem zigaretterauchenden Ganoven nicht über den Weg trauen kann. Edelbert gibt mir Recht und gibt vor, dass alle Rocker etwas auf dem Kerbholz haben – dem ist nichts hinzuzufügen.
11.45 Uhr Just als wir vor dem Haupttor der Golfanlage eintreffen, fährt plötzlich Scherriff Bradforts Polizeiwagen vor. Der Ordnungshüter schwingt sich behäbig aus seinem Chevrolet Silverado und lotet aus, ob wir die Schläger auf dem satten Grün schwingen wollen. Wir schütteln einhellig die Köpfe und geben vor, lediglich Hund Dixon auszuführen. Herr Bradfort wischt sich über die verschwitze Stirn und entgegnet, dass er im Vereinsheim einen wichtigen Informanten treffen wird – wie aufregend.


Wir treffen Sherriff Bradfort

12.30 Uhr Zurück im Willoughby Drive, verabschiede ich den Professor und freue mich auf ruhige Stunden. Bevor ich mir ein Päuschen gönne, fülle ich Dixons Napf mit Trockenfutter auf und fresse selbst ein Wurstbrot. Ausserdem schiele ich zu Frau Pontecorvos Zuhause und werde Zeuge, wie die Perle allerhand Freundinnen auf ihrer Terrasse bewirtet. Da ich keine Lust verspüre, mit den tratschenden Gänsen den Nachmittag zu verbringen, lasse ich die Rollos nach unten gleiten und falle dann aufs Kanapee – das tut gut.
13.30 Uhr Ich erwache ausgeruht und nutze die Nachmittagsstunden, um Anschnur zu gehen. Unter anderem arbeite ich Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher ab und lese zudem eine elektronische Depesche aus dem fernen Kanada. James hat auf meine Anfrage geantwortet und schreibt, dass er die Sommerferien nicht in Florida, sondern am Lake Simcoe verbringen wird – wie schade.


Die Kinder verbringen den Sommer am Lake Simcoe

14.30 Uhr Trotz aller Nackenschläge lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und geselle mich zum Vierbeiner in den Garten. Während ich ein süffiges Bier trinke, werfe ich den Rüden einen Tennisball zu und spiele mit der Idee, im Hochsommer nach Bayern auszufliegen, um Sandra sowie alte Kameraden wiederzusehen – das wäre schön.
15.15 Uhr Seufzend komme ich in die Gänge und mache es mir zur Aufgabe, die hochgewachsene Petersilie abzuernten. Während ich das Messer schwinge, kommt Frau Pontecorvo mit ihren tuschelnden Freundinnen daher und ermutigt mich, aus dem Doldengewächs ein leckeres Pesto zu zaubern. Darüber hinaus bringe ich in Erfahrung, dass die Weibsbilder am Abend ins Lichtspielhaus wandern werden – das soll mir auch Recht sein.
16.00 Uhr Nach getaner Arbeit kehre ich ins klimatisierte Haus zurück und nehme mir den Vorschlag meiner Nachbarin zu Herzen. Zungeschnalzend gebe ich die Petersilie mit Pinienkerne, Knoblauch und nativen Olivenöl in den Mixer und bereite im Handumdrehen eine lustige Pampe zu – wie gut das duftet.
17.00 Uhr Nachdem ich das feine Pesto in Einweckgläser abgefüllt habe, rufe ich Dixon ins Haus und koche unter den fordernden Blicken des Haustieres italienische Langnudeln auf. Schlussendlich verfeinere ich die Teigwaren mit der hausgemachten Sauce und lasse mir das Nachtmahl mit einem Glas Wein aus der Terrasse munden.


Prost

18.00 Uhr Als sich die Sonne hinter einer Palme verschwindet, räume ich den Tisch ab und nehme die Geschirrspülmaschine in Betrieb. Danach lege ich auf dem Sofa die Beine hoch und gebe mich den FOX Nachrichten hin.
19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit wähle ich das Programm von HBO aus und lasse beim abendfüllenden Spielfilm „Lost in Translation“ (löblich: Verloren in der Übersetzung) die Seele baumeln. Ich knabbere schmackhafte Kartoffelchips aus dem Hause Lay’s und tauche in das Leben eines Schauspielers ein, der in der japanischen Hauptstadt Pressetermine wahrnehmen muss.
21.00 Uhr Ein schöner Fernsehabend geht zu Ende und ich schalte die Glotze gähnend ab. Zu guter Letzt rufe ich Dixon ins Haus und lege mich schlafen. Gute Nacht.

30. Dezember 2016 – Feuerwerk

08.00 Uhr Pünktlich um Null-Acht-Hundert springt der Radiowecker an. Ich hüpfe juchzend aus dem Bett und freue mich, weil die Sonne durchs Fenster lacht. Als ich jedoch in den Garten spähe, stelle ich mit grosser Sorge fest, dass es während der Nacht erneut geschneit hat – wo soll das noch hinführen.


Der Radiowecker springt an

09.00 Uhr Nach der Morgenwäsche rutsche ich auf dem Treppengeländer nach unten und werde von Hund Dixon freudig begrüsst. Ausserdem treffe ich in der Küche nicht nur Georg und Maria, sondern auch Edelbert, Sandra sowie James, Amanda und den kleinen David an. Ich kneife meinen Grossneffen in die Backe und frage an, was heute auf dem Programm steht. Der Bube strahlt über das ganze Gesicht und ermutigt mich, mit ihm in die Stadt zu krusen und Silvesterraketen einzukaufen. Natürlich nicke ich eifrig und entgegne, dass wir in Chinatown bestimmt fündig werden. James kommt aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und kündigt an, dass ich nach dem Abschoppen pleite sein werde. Ich winke demonstrativ ab und mache mich über ein leckeres Frühstück in Form von gebackenen Speckstreifen, Rühreiern und köstlichen Pfannkuchen her – schmeckt nicht schlecht.
10.00 Uhr Als ich auf den Tisch poche und Edelbert aufrufe, in die Gänge zu kommen, windet er sich aus der Verantwortung und meint, dass er nicht mitkommen wird. Darüber hinaus erfahre ich, dass mein Bekannter mit Sandra den CN Turm besichtigen wird – das ist ja allerhand.


Der CN Turm

10.30 Uhr Trotz alledem lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und eile mit Dixon im Schlepptau zu James TOYOTA. Mein löblicher Neffe reibt sich die Hände und plappert, dass sich der Vierbeiner die Rückbank mit David teilen muss. Ich stimme zu und vernehme ausserdem, dass Amanda bei Maria bleiben wird, um Vorbereitungen für die morgige Silvesterfeier zu treffen – wie schön.
10.45 Uhr Während wir bei -11°C auf der Yonge Street gen Süden preschen, nehme ich die Innenausstattung des PRIUS eingehend in Augenschein und komme zu dem Schluss, dass das Auto super ist. James lobt das KFZ ebenfalls über den Schellenkönig und beteuert, dass im Kofferraum genügend Stauraum vorhanden ist, um mehrere Gitarren sowie eine Verstärkereinheit zu transportieren. In diesem Zusammenhang kommt der Bube auf die NORTHSTAR Tournee zu sprechen und unterbreitet, dass seine Bande in diesem Jahr lediglich drei Dutzend Auftritte in Ontario sowie im amerikanischen Bundesstaat New York gespielt hat. Zudem lerne ich, dass er im kommenden Jahr viele Konzerte entlang der Ostküste bestreiten und womöglich auch in Miami pörformen wird.
11.30 Uhr Kurz vor dem Mittagsleuten schlittern wir durch Chinatown und haben das Glück, direkt vor dem „Chinatown Centre“ an der Cameron Strasse einen Parkplatz zu ergattern. Wir hüpfen ausgelassen aus dem Auto und schicken uns an, mit Hund Dixon nach Böller Ausschau zu halten.
12.00 Uhr im „Ming Mine Shop“ werden wir fündig und investieren ein kleines Vermögen in Bodenkreisel, Feuerwerkbatterien, Kugelkopfraketen, Feuerringe und Lanzenlichter. David ist ganz aus dem Häuschen und wirft ein, dass wir unbedingt ein Bleigiesset einkaufen sollten – das ist doch eine Selbstverständlichkeit.


Ich rücke mir die NY YANKEES Mütze zurecht

13.00 Uhr Nach einer Stunde stehen wir wieder auf der Strasse und James rechnet vor, dass ich für die Feuerwerksutensilien 250 Dollars ausgegeben habe. Ich rücke mir die NY YANKEES Mütze zurecht und informiere, dass ich genügend Geld habe und Gott sei Dank nicht auf den Taler achten muss. Meine Begleiter zucken mit den Schultern und sind einhellig der Meinung, dass ich sie jetzt in ein Chinarestaurant einladen könnte – wie unlöblich.
13.45 Uhr Missmutig lotse ich jungen Leute ins „Pho Ai My“ und erkläre einem Kellner, dass Dixon seit vielen Jahren mein treuer Blindenhund ist. Nach langem Hin und Her willigt der Knecht ein und weist uns einen Tisch mit Ausblick auf die Sullivan Strasse zu. Hungrig schlagen wir die Tageskarte auf und ordern kurzerhand Chicken Curry sowie durstlöschende Diät Colas.


Bald reise ich nach Florida

14.15 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, bringe ich meine Abreise in der kommenden Woche zur Sprache und stelle klar, dass es ein Spass werden wird, mit dem WINNEBAGO nach Florida zu krusen. James schlägt in die gleiche Kerbe und ermutigt mich, einige Tage in New York zu bleiben und Thomas Kronach zu besuchen – jaja.
14.45 Uhr Nun ist die Zeit gekommen, um nach Hause zu fahren. Ich winke den Kellner an den Tisch und begleiche die Rechnung mit bunten Scheinen. Anschliessend verlassen wir die Wirtschaft und laufen zum Auto zurück.
15.30 Uhr Im Stadtteil York angekommen, schleppen wir die Einkaufstüten ins Zuhause meines Bruders und lassen Maria und Amanda wissen, dass einem erquickenden Silvesterfeuerwerk nun nichts mehr im Wege steht. Meine Schwägerin schlägt die Hände über dem Kopf zusammen und erinnert, dass wir morgen einen waschechten Politiker sowie den stellvertretenden Scheff der „Toronto Transit Commission“ (löblich: Toronto Verkehrsausschuss) zu Gast haben werden – das ist mir Wurst.
16.15 Uhr Nachdem ich mit den Kindern Kaffee getrunken und Kuchen gegessen habe, falle ich erschöpft aufs Kanapee und schliesse die Augen. Ich döse bald ein und sehe mich im Traum an den Barefoot Beach (löblich: Barfuss Strand) nach Naples versetzt – da kommt besonders grosse Freude auf.


Ich träume von Naples

17.15 Uhr Leider ist mir die Ruhe nicht lange vergönnt. Als der Minutenzeiger meiner ROLEX auf Viertel nach 5 zugeht, weckt mich Sandra und teilt mir mit, dass es ein einmaliges Erlebnis war, von der Aussichtsplattform des CN Turms auf die Stadt zu blicken. Ich reibe mir den Schlaf aus den Augen und erwidere, dass ich währenddessen ordentlich abgeschoppt und ein extraordinäres Mittagessen in einem chinesischen Restaurant genossen habe.
17.45 Uhr Wenig später ruft uns Maria in die Küche und verwöhnt uns mit einem vegetarischen Nudelauflauf. Ich probiere vorsichtig und gebe meiner Schwägerin mit erhobenem Zeigefinger zu verstehen, dass der Jause die Fleischeinlage fehlt. Sandra rollt mit den Augen und belehrt, dass übermässiger Fleischgenuss zu Fettleibigkeit und Gehirnbrand führen kann – so ein Schmarrn.

18.30 Uhr Nachdem die Kinder das Weite gesucht haben, mache ich es mir neben Sandra auf dem Wohnzimmersofa bequem und vernehme, dass HBO heute den nervenaufreibenden Kriegsfilm „Eye in the Sky“ (löblich: Auge im Himmel) zeigen wird. Ich mache der Maid die Fernbedienung streitig und fröne als erstes den Nachrichten auf CBC.
19.15 Uhr Zur sogenannten Prime Time (löblich: Hauptfernsehzeit) leisten uns Maria, Georg und Edelbert Gesellschaft. Bei süffigem Rotwein und schmackhaftem Christstollen wechsle ich auf HBO und gebe mich den Abenteuern eines Drohnenpiloten hin, der mit der Aufgabe betraut wird, Terroristen im kenianischen Nairobi zur Strecke zu bringen – da kommt Spannung auf.
21.15 Uhr Nach einhundertzwanzigminütigem Nervenkitzel flimmert der Abspann über den Bildschirm. Ich atme tief durch und komme zu dem Ergebnis, dass ich selten einen spannenderen Film gesehen habe. Danach nippe ich ein letztes Mal am Weinglas und wünsche den anderen süsse Träume. Gute Nacht.

29. Dezember 2016 – Silvestervorbereitungen

08.00 Uhr Ich werde durch lautes Staubsaugerdröhnen geweckt. Weil es mir bei diesem Krach nicht möglich ist, noch etwas zu schlafen, rollen ich mich spornstreichs aus dem Bett. Zu allem Überfluss treffe ich meine Schwägerin in der Küche an und erfahre, dass ihr die Kaffeedose aus der Hand gefallen ist. Ich schlage die Hände über dem Kopf zusammen und ziehe es vor, schnell nach oben zu eilen und mich bei einem heissen Vollbad zu entspannen.
09.00 Uhr Eine Stunde später werde ich erneut in der weihnachtlich geschmückten Küche vorstellig und freue mich, Edelbert, Sandra, Georg und Hund Dixon begrüssen zu können. Um nicht Hunger leiden zu müssen, lasse ich mich an der Tafel nieder und mache mich über eine grosse Portion Rühreier mit Speck her. Nebenbei plaudere ich angeregt mit den anderen und bringe heraus, dass heute der Scheff einer Cateringfirma anrücken und mit Georg die bevorstehende Silvesterfeier planen wird. Mein Bruder nickt eifrig und beauftragt uns, währenddessen ins Zentrum zu krusen, um in Little Italy sowie im Stadtteil Swansea abzuschoppen. Bevor ich Einspruch einlegen kann, überreicht mir Georg seine American Express Card (löblich: Amerikanische Schnellkarte) und erzählt, dass wir ein Dutzend „Presidente“ Zigarren sowie Ziegenkäse besorgen müssen – das kann ja heiter werden.


Ich sage Nein zu Tabakerzeugnissen

10.00 Uhr Nach dem Frühstück steckt mit Maria eine Einkaufsliste zu und setzt uns darüber in Kenntnis, dass wir zuerst zum Correnti Zigarrenladen in der Spadina Avenue und anschliessend zur „Cheese Boutique“ an der Ripley Avenue fahren sollten. Darüber hinaus erhalten wir den Schlüssel für den JEEP und vernehmen, dass wir wegen der vereisten Strassen grösste Vorsicht an den Tag legen müssen.
10.30 Uhr Obgleich ich lieber zu Hause bleiben und im Fernsehen der lustigen Serie „Bob’s Burger“ frönen würde, komme ich in die Gänge und schlüpfe in meine modische JACK & JONES Jacke. Zu allem Überfluss streift sich auch Sandra ihren rosaroten Anorak über und kündigt an, dass sie uns in die Stadt begleiten wird – wie unlöblich.

11.15 Uhr Kurz nach dem Elfuhrläuten helfen wir Dixon auf die Ladefläche des Geländewagens und schicken uns an, zu stimmungsvollen Carpenters Klängen gen Süden zu rasen. Während der Reise passieren wir unter anderem das Herrenhaus „Casa Loma“ und Edelbert versorgt uns mit wissenswerten Infos. Der schlaue Mann erzählt, dass dieses Schloss zwischen 1911 und 1914 von Henry Pellatt erbaut wurde – das ist phantastisch.


Casa Loma um 1913

12.00 Uhr Nach einer dreiviertel Stunde finden wir uns im italienischen Viertel wieder. Ich drossle die Geschwindigkeit und komme wenig später vor Frank Correntis Tabakhandlung zum Stehen. Mit Dixon im Schlepptau schlendern wir in den Laden und bemerken, dass der Inhaber die Zigarren selbst aus feinsten Tabakblättern rollt. Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, zücke ich die Kreditkarte und bitte den Verkäufer, zwölf braune Sargnägel herauszurücken. Der Schnösel reibt sich die Hände und knüpft uns 700 Dollars ab – das ist ja allerhand.
12.45 Uhr Anschliessend unternehmen wir mit dem Vierbeiner einen Spaziergang und stehen bald vor einer stattlichen Markthalle an der Kensington Avenue. Weil das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, betreten wir das Gebäude und ordern bei einem „Fresco’s Fish & Chips“ Stand vitaminreiche „Haddock & Chips“ (löblich: Schellfisch und frittierten Kartoffelscheiben). Vegetarierin Sandra jammert jedoch in einer Tour und zieht es vor, den Fisch zu verschmähen und stattdessen mit einer Portion Kartoffelstäben Vorlieb zu nehmen.


Fisch und Schipps

13.30 Uhr Redlichst gestärkt laufen wir zum JEEP zurück und preschen auf dem Gardiner Expressway nach Westen davon. Unterdessen passieren wir den CN Tower und Sandra merkt an, dass sie eventuell morgen das höchste Gebäude Kanadas besuchen wird. Zudem kommt die Maid auf die Silvesterfeier im Stadthaus meines Bruders zu sprechen und sagt, dass sie die Einladung ausschlagen und lieber auf dem „Nathan Phillips Square“ ins neue Jahr hineinfeiern wird – das soll mir auch Recht sein.
14.15 Uhr Nach 10 Kilometern parken wir das KFZ vor der „Cheese Boutique“ und kommen aus dem Staunen gar nicht mehr heraus. Auch Dixon ist von der feinen Käseauswahl angetan und schreckt nicht davor zurück, am Verkaufstresen zu schnuppern. Ich fackle nicht lange und fordere eine übergewichtige Verkäuferin auf, 2 Kilo Telemea Käse in eine Tüte zu verfrachten. Zudem kläre ich Edelbert darüber auf, dass Maria zur Feier des Jahreswechsels Zucchiniröllchen mit Käsefüllung zubereiten wird.
15.00 Uhr Gegen halb Drei treffen wir fix und foxi zu Hause ein und freuen uns auf brühfrischen Bohnentrunk und Weihnachtsstollen. Während die Kerzen am Christbaum brennen, setze ich mich neben Georg und höre, dass er in zwei Tagen sechzehn Gäste bewirten wird. Maria schlägt in die gleiche Kerbe und sagt, dass wir am letzten Tag des Jahres gegrillten Hummer mit Jakobsmuscheln und Entensalat fressen werden – wie aufregend.
16.00 Uhr Da mir langsam die Augen zufallen, leere ich meinen Kaffeebecher und ziehe mich gähnend in die Bibliothek zurück, um mich auf dem Ledersofa zur Ruhe zu betten.


Zum Abendessen gibt es Wurstbrote

17.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und eile in die Küche, um Maria bezüglich des Abendessens auszufragen. Meine Schwägerin zuckt mit den Schultern und unterbreitet, dass am Abend der Ofen kalt bleibt. Die Gute holt die gesalzene Butter aus dem Eiskasten und sagt, dass sie Sandwiches (löblich: Wurstbrote) vorbereiten wird. Ich seufze laut und nehme mir das Recht heraus, mich in den Garten zu Edelbert, Sandra und Hund Dixon zu gesellen.
17.30 Uhr Während der Vierbeiner ausgelassen im Schnee spielt, wende ich mich Sandra zu und bringe heraus, dass das Kind am Abend mit Amanda ausgehen will – das ist wieder typisch.
18.00 Uhr Endlich ruft uns Maria zu Tisch. Wir stärken uns mit belegten Broten und süffigem Rotwein und plaudern während des Nachtmahls über Dies und Das. Georg nippt schmunzelnd am Weinglas und erinnert, dass ich in fünf Tagen mein Wiegenfest feiern werde. Ich stimme zu und entgegne, dass wir uns am 3. Januar verabschieden und mit dem Travato in Richtung Florida aufbrechen werden. Maria schüttelt jedoch den Kopf und behauptet, dass der Wetterdienst für die kommende Woche massive Schneefälle voraussagt. Ich blicke skeptisch drein und unke, dass wir unsere Abreise unter diesen Umständen womöglich um einige Tage verschieben müssen – wie schade.


Ein Schlückchen Bier tut gut

19.00 Uhr Nachdem Amanda an der Haustüre geschellt und Sandra abgeholt hat, gehen wir zum gemütlichen Teil des Tages über. Während das Labatt Blau Bier in Strömen fliesst, folgen wir der NETFLIX Eigenproduktion „The True Memoirs Of An International Assassin“ (auf deutsch: Die wahren Memoiren eines internationalen Killers“. Ich schüttle mich vor Lachen und labe mich während des Filmvergnügens an schmackhaften Weihnachtsplätzchen.
21.00 Uhr Als der Abspann über den Bildschirm flimmert, klatsche ich in die Hände und fasse den Entschluss, mich schlafen zu legen. Edelbert wünscht mir angenehme Träume und meint, dass er noch die Nachrichten anschauen wird. Ich winke gelangweilt ab und scheuche Dixon nach oben. Gute Nacht.

20. Dezember 2016 – Ein schöner Christbaum im Eaton Centre

08.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und friere wie ein Schneider. Zudem fällt mir auf, dass das Fenster vereist ist und mir der Blick nach draussen verwehrt bleibt. Nörgelnd werfe ich die Bettdecke beiseite und komme zu dem Schluss, dass es keine gute Idee war, das Jahresende im verschneiten Kanada zu verbringen.
08.45 Uhr Nachdem ich mich heiss abgeduscht habe, schlüpfe ich in Winterkleidung und vergesse auch nicht, die Mondstiefel anzuziehen. Danach schleppe ich mich ins Parterre und stelle fest, dass sich meine Verwandten mittlerweile in der weihnachtlich geschmückten Küche eingefunden haben. Ich begrüsse meinen Bruder sowie Schwägerin Maria herzlich und gebe zu Protokoll, dass das Wetter nicht nach meinem Geschmack ist. Georg klopft sich auf die Schenkel und entgegnet, dass Hund Dixon angesichts des Schneefalls ganz aus dem Häuschen war und mit Edelbert zu einem Spaziergang aufgebrochen ist. Ich zucke mit den Schultern und lasse mich am Tisch nieder, um genüsslich am Kaffeebecher zu nippen. Darüber hinaus serviert Haushälterin Grace ein landestypisches Frühstück aus Spiegeleiern und Backwaren.
09.30 Uhr Kurz nach dem Neunuhrläuten kommt der Professor von seinem Ausflug zurück. Der gute Mann klopft sich den Schnee von den Schuhen und plappert davon, dass er zur „Centerpoint Mall“ spaziert ist, um Krapfen einzukaufen. Ausserdem erfahre ich, dass Dixon unentwegt geschnüffelt und sogar Schnee gefressen hat – wie unlöblich.


Dixons Pfotenabdruck im Schnee

10.15 Uhr Während wir gemütlich beisammensitzen und kraftvoll in die Rosinenkrapfen beissen, berichtet Maria, dass dieses Schmalzgebäck auch „Beaver Tails“ (löblich: Biberschwänze) genannt wird. Ich nicke eifrig und antworte, dass die Süssspeise ganz vorzüglich mundet. Bei dieser Gelegenheit kommt Georg auf unsere heutigen Aktivitäten zu sprechen und erinnert, dass wir gegen 13 Uhr im „Eaton Centre“ mit James, Amanda und David verabredet sind.
10.45 Uhr Nach dem Essen bedanke ich mich bei Frau Grace für die feine Brotzeit und vernehme, dass die Perle nun den Abwasch erledigen und sich dann in den Weihnachtsurlaub verabschieden wird. Georg klopft der netten Negerin auf die Schulter und wünscht ihr ein besinnliches Fest im Kreise ihrer Liebsten – wie schön.
11.00 Uhr Anschliessend schlüpfen wir in unsere Mäntel und eilen ins Freie. Georg lässt den JEEP Autoschlüssel am Zeigefinger kreisen und unterbreitet, dass der Mercedes wegen der schlechten Witterung in der Garage bleiben muss. Stattdessen helfen wir dem Vierbeiner auf die Ladefläche des GRAND CHEROKEE und schicken uns an, stadteinwärts zu krusen. Während ich mir den Rücksitz mit dem Professor teile, schlittert Georg auf der vereisten Yonge Street gen Süden und erzählt, dass sich die Stadtoberen aus Umweltschutzgründen entschlossen haben, die Strassen nicht mehr mit Salz zu streuen. Ich mache grosse Augen und lerne, dass seit Kurzem nur noch rutschhemmender Splitt oder Asche zum Einsatz kommen – das soll mir auch Recht sein.

11.45 Uhr Nach einer kurzweiligen Reise finden wir uns in einem Parkhaus an der Dundas Strasse wieder und zögern nicht, das Auto im zweiten Obergeschoss abzustellen. Im Anschluss nehmen wir den Vierbeiner an die Leine und schlendern in das grösste Kaufhaus der Stadt. Edelbert knipst ein Photo vom stattlichen Christbaum in der Haupthalle und meint, dass dieser Baum gut und gerne 25 Meter hoch ist. Georg weiss es jedoch besser und vertellt, dass die Tanne 108 Feet (33 Meter) misst – das ist ja allerhand.
12.15 Uhr Beeindruckt flanieren wir durch das noble Einkaufszentrum und nehmen die Auslagen in den Schaufenstern in Augenschein. Ich rümpfe die Nase und lasse meinen Bruder wissen, dass ich zum Fest lediglich Kleinigkeiten verschenken werde. Georg strahlt jedoch über das ganze Gesicht und verrät, dass er seiner Ehefrau einen sündteuren Weissgoldring unter den Christbaum legen wird – das ist typisch.
13.00 Uhr Wenig später lotst uns Maria ins „Trattoria Mercatto“ Italiengasthaus und wir haben das Vergnügen, die Kinder begrüssen zu können. Wie es sich gehört, kneife ich David in die Backe und stelle klar, dass er in seinem Anzug besonders schnieke aussieht. Der 11jährige freut sich und sagt, dass am Abend in seiner Schule eine Weihnachtsfeier stattfindet – das ist phantastisch.

13.30 Uhr Um nicht vom Fleisch zu fallen, winken wir einen Kellner an den Tisch und ordern das „Lunch Menu“ (löblich: Mittagsmenü) für sieben Personen. Der Knecht versorgt uns zuvorkommend mit durstlöschendem Eistee und fährt als Vorspeise heisse Gemüsesuppe auf – wie gut das duftet.
14.00 Uhr Während wir uns über das Hauptgericht hermachen und uns gebratene Lammschnitzel schmecken lassen, bringt James den Mittwoch ins Spiel und schlägt vor, dass wir mit dem WINNEBAGO Wohnmobil nach Gilford Beach fahren könnten – das soll mir Recht sein.
14.30 Uhr Nachdem wir das Mittagessen mit einem Pudding abgeschlossen haben, präsentiert Georg seine American Express Card (löblich: Amerikanische Schnellkarte) und steckt dem Ober ein stattliches Trinkgeld zu. Schlussendlich verlassen wir redlichst gestärkt die Wirtschaft und vertreten uns im grössten Kaufhaus der Gemeinde die Beine. Natürlich führt uns David in einen Heimrechnerladen und setzt uns darüber in Kenntnis, dass er sich von Santa Claus ein nagelneues Netzbuch (unlöblich: Netbook) gewünscht hat – wie unlöblich.


Ich sage nein zu Bezahlkarten

15.30 Uhr Da die jungen Leute um 17 Uhr in Davids Schule sein müssen, schütteln wir Hände und vereinbaren, dass wir uns morgen wiedersehen werden. Winkend kehren wir zum GRAND CHEROKEE zurück und treten zu stimmungsvoller Paul McCartney Musik die Heimreise an – da kommt besonders grosse Freude auf.
16.00 Uhr Während wir uns in Schrittgeschwindigkeit durch das Zentrum quälen, blicke ich fasziniert zum CN Turm (unlöblich: CN Tower) und bringe in Erfahrung, dass auf dem benachbarten „Nathan Phillips Square“ zum Jahreswechsel eine grosse Silvesterfeier steigen wird.


Der CN Turm

17.00 Uhr Nach einer geschlagenen Stunde treffen wir endlich zu Hause ein. Als ich ins Haus gehen möchte, erhebt Maria den Zeigefinger und meint, dass wir erst in einer Stunde zu Abend essen werden. Ich lege meinen Zeigefinger an die Unterlippe und ringe mich dazu durch, bis dahin mit Dixon Gassi zu gehen. Edelbert schliesst sich dem Spaziergang kurzerhand an und sagt, dass er es kaum noch erwarten kann, aus den nassen Schuhen zu steigen und einen Whiskey in der holzvertäfelten Wohnstube zu trinken.
18.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 6 zugeht, stossen wir die Haustüre auf und freuen uns auf einen ruhigen Abend. Maria ruft uns spornstreichs zu Tisch und verwöhnt mit einem zünftigen Grillbraten und selbstzubereiteten Spätzle – schmeckt gar nicht schlecht.
19.00 Uhr Ein langer Tag neigt sich nun seinem Ende zu. Um endlich zur Ruhe zu kommen, machen wir es uns im Wohnzimmer bequem und schauen Fernsehen. Während wir den Nachrichten auf CBC folgen und Glühwein trinken, strecke Dixon vor dem knisternden Kamin die Beine aus und schnurrt wie ein Kätzchen – wie lustig.

 
Schmeckt nicht schlecht

20.00 Uhr Zur besten Sendezeit flimmert die amerikanische Komödie „Sisters“ (löblich: Schwestern) über die Mattscheibe. Wir lehnen uns plätzchenknabbernd zurück und werden Zeugen, wie zwei Schwestern im Zuhause ihrer Eltern ein rauschendes Fest veranstalten – da kommt Freude auf.
22.00 Uhr Als der Abspann läuft, klatsche ich in die Hände und fordere Dixon auf, mir ins Gästezimmer zu folgen. Der Rüde gähnt ausgiebig und freut sich, die kalte Nacht an meiner Seite verbringen zu dürfen. Letztendlich lösche ich das Licht und döse prompt ein. Gute Nacht.

19. Dezember 2016 – Von Fort Myers nach Toronto

Sehr geehrte Damen und Herren,

gegen 11:00 Uhr werde ich mit Edelbert eine lustige Boeing 737-800 besteigen und nach Toronto ausfliegen. Selbstverständlich habe ich bereits vorab im Internetz zwei schöne Sitzplätze in der Reihe 27 des Stahlvogels reserviert – wie aufregend.


Bald sind wir in Toronto – wie aufregend

Weil sämtliche Plätze mit hochauflösenden Bildschirmen ausgestattet sind, wird es uns möglich sein, während des dreistündigen West-Jet Direktflugs spannende Filme zu sehen. Leider ist dieser Luxus nur uns Menschen vorbehalten. Hund Dixon wird die Reise leider in einer beheizten Transportbox im Frachtraum erleben. Da mir das Wohl des Tieres sehr am Herzen liegt, habe ich heute Morgen einen ausgedehnten Spaziergang mit dem Lausbuben unternommen und ihm ausserdem ein grosses Stück Pansen serviert.

Westjet Boeing 737-700 (W) (7055257257)Foto: By BriYYZ from Toronto /  CC SA 2.0

Gegen 14:20 Uhr steht die Ankunft auf dem „Toronto Pearson International Airport“ auf dem Plan. Mein löblicher Neffe James hat versprochen, uns vom Flughafen abzuholen und zum Stadthaus meines Bruders zu kutschieren. Ferner haben meine Verwandten für den Abend eine kleine Willkommensfeier geplant. Haushälterin Grace hat gestern extra ein Kürbisbrot gebacken und wird uns heute mit einer hausgemachten Fleischpastete an Wildreis verwöhnen – schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.

Der Christbaum im Eaton Centre:

Für den Dienstag ist ein Abstecher ins Zentrum geplant.
An Marias, Georgs, Amandas, James und Davids Seite wollen wir letzte Einkäufe im „Eaton Centre“ tätigen und die weihnachtliche Atmosphäre im grössten Kaufhaus der Stadt geniessen.

Hochachtungsvoll
Reinhard Pfaffenberg