3. August 2015 – Neue Filter für die Klimaanlage

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08.00 Uhr Ich läute die 32. Woche des Kalenderjahres mit dem Frühsport auf der schattigen Terrasse ein. Während ich meine rostigen Glieder lockere, spähe ich zum Radieschenbeet und komme zu dem Schluss, dass ich mich heute trotz der grossen Hitze im Garten nützlich machen muss – mir bleibt wirklich gar nichts erspart.
08.30 Uhr Nach der Morgengymnastik plaudere ich mit Frau Pontecorvo und gebe zu Protokoll, dass ich gleich zum “Home Depot” krusen und Filtereinsätze für die Zentralklimaanlage besorgen muss. Meine Nachbarin späht auf ihre Armbanduhr und meint, dass sie mich begleiten und Blumenerde einkaufen wird.
09.00 Uhr Verschwitzt verabschiede ich mich in die Nasszelle und erfrische mich bei einem lustigen Wirbelbad. Währenddessen telefoniere ich mit Edelbert und bringe in Erfahrung, dass mein Bekannter den Vormittag nutzen wird, um ein Antiquitätengeschäft in Fort Myers anzusteuern. Als ich genauer nachfrage, rückt der gute Mann mit der Wahrheit heraus und sagt, dass er nach einem Geburtstagsgeschenk für Frau Pontecorvo Ausschau halten wird. Ich kratze mich am Haaransatz und erinnere mich, dass die Dame in zwei Wochen ihr Wiegenfest feiert.

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Barack Obama feiert Morgen Geburtstag

10.00 Uhr Bevor ich zum Baumarkt fahre, nehme ich das Frühstück ein. Unterdessen blättere ich in der Zeitung und lerne, dass Barack Obama Morgen seinen 54. Geburtstag feiern wird. Ich nehme die Photografien argwöhnisch in Augenschein und freue mich, weil der Heini im kommenden Jahr aus dem Amt scheiden wird.
10.30 Uhr Wenig später schelle ich am Nachbarhaus und lasse Frau Pontecorvo wissen, dass wir nun losfahren können. Die Perle folgt mir plappernd zum PS-strotzenden SUV und informiert, dass das schwülwarme Klima sogar den stärksten Rentner aus der Bahn wirft. Ich winke demonstrativ ab und entgegne, dass ich mich bei Temperaturen jenseits der 100°F Grenze pudelwohl fühle.
11.00 Uhr Endlich fahre ich auf den Parkplatz auf und kann das Auto unter einer schattenspendenden Palme abstellen. Da Dixon im Fahrzeug warten muss, ringe ich mich dazu durch, den Motor laufen zu lassen. Im Anschluss schlendere ich mit Frau Pontecorvo in den Flachbau und sehe mich nach geeigneten Filtereinsätzen um. Nach wenigen Sekunden gesellt sich ein hochnäsiger Marktmitarbeiter an meine Seite und beteuert, dass die gängigen Klimaanlagenhersteller Standartfilter in der Grösse 11×11 ft. (löblich: 30×30 Zentimeter) verwenden. Ich nicke eifrig und entschliesse mich, ein Exemplar zum Preis von 45 Dollars und 70 Cent auszuwählen.

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Freundliche HOME DEPOT Mitarbeiter

11.30 Uhr Danach lotst mich Frau Pontecorvo in die Gartenabteilung und setzt mich darüber in Kenntnis, dass sie ihren hochgewachsenen Vicus Alii umtopfen wird. Ich gähne ausgiebig und animiere meine Begleiterin, einen Sack Gartenerde aus dem Hause “Miracle Gro” zu erwerben. Die kleine Frau schüttelt entschieden den Kopf und wirft ein, dass der Vicus Alii eine sehr empfindliche Grünpflanze ist. Letztendlich verfrachtet meine Nachbarin eine Tüte torffreie und atmungsaktive Bio-Blumenerde in den Einkaufswagen – gleich platzt mir der Kragen.
12.15 Uhr Nach dem Bezahlvorgang kehren wir zum Auto zurück und werden von Hund Dixon stürmisch begrüsst. Ich streichle dem Racker über den Kopf und ziehe es vor, schnell auf den Fahrersitz zu hüpfen und die Heimreise anzutreten. Um zu Hause nicht stundenlang am Herd stehen zu müssen, fahre ich kurzerhand eine McDonalds Schnellgaststätte an und ordere am Drive-Thru (löblich: Fahr hindurch) Schalter schmackhafte Burger, vitaminreiche Fritten (unlöblich: Fries) sowie einen köstlichen Smoothie – das gibt ein Festessen.

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Mein Zuhause unter Palmen

12.45 Uhr Zurück im Willoughby Drive, lade ich Frau Pontecorvo in die kleine Villa ein und frage nach, ob sie mir nach dem Mittagessen im Garten helfen möchte. Meine Bekannte beisst kraftvoll in einen Filet O Fish und meint, dass sie gegen halb Zwei einen Anruf von ihrer Freundin erwartet – das ist wieder typisch.
13.30 Uhr Nachdem sich meine Nachbarin verabschiedet hat, trinke ich einen Schluck Diät Cola aus der Flasche und mache es mir zur Aufgabe, die Gartenarbeit zu erledigen. Mit einem scharfen Messer ausgerüstet, eile ich nach draussen und ernte die Knospen des Kreuzblütlergewächs redlichst ab.

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Ich ernte Radieschen

14.15 Uhr Nach fünfundvierzig Minuten haben sich dreissig Knollen in einer praktischen Tupper Schale angesammelt. Ich wische mir den Schweiss von der Stirn und kehre zufrieden in die Villa zurück.
15.00 Uhr Fix und foxi falle ich aufs Kanapee und strecke die Beine aus. Bereits nach wenigen Augenblicken döse ich ein und sehe mich im Traum auf den Appalachian Trail in Vermont versetzt – das war eine Gaudi.
16.00 Uhr Ich öffne die Augen und habe eine ganz ausgetrocknete Kehle. Weil Flüssigkeitszufuhr besonders im hohen Alter sehr wichtig ist, giesse ich mir ein eiskaltes Budweiser ein. Anschliessend setze ich mich an den Schreibtisch und komme meinen Pflichten als staatlich anerkannter Seelsorger nach. Nebenbei öle ich meine ausgetrocknete Kehle und essen Radieschen am laufenden Band – das schmeckt.
17.00 Uhr Nachdem alles abgearbeitet ist, greife ich zum Telefon und rufe bei Edelbert an. Natürlich berichte ich von der schweisstreibenden Gartenarbeit und lasse den Professor wissen, dass die Radieschen vorzüglich munden.
17.30 Uhr Ich beende das Ortsgespräch und laufe spornstreichs in die Küche, um einen bunten Salat vorzubereiten. Ferner schiebe ich eine Thunfischpizza ins Rohr und genehmige mir ein Gläschen Schaumwein – wie das perlt.

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Thunfischpizza – schmeckt gar nicht schlecht

17.30 Uhr Ich lasse mir das Nachtmahl in der guten Stube schmecken. Ausserdem ringe ich mich dazu durch, den Klimaanlagenfilter erst morgen zu wechseln – immerhin kann ich mich nicht um alles kümmern.
18.15 Uhr Zum Abschluss des langen Tages lasse ich im Wohnzimmer die Seele baumeln und folge den Abendnachrichten auf FOX. Der Moderator berichtet über Barack Obamas anstehenden Geburtstag und mutmasst, dass der Präsident Morgen zu einer grossen Feier ins Weisse Haus einladen wird – wie aufregend.
19.00 Uhr Zur Prime Time (löblich: beste Fernsehzeit) schalte ich auf den “History Channel” (löblich: Geschichtskanal) um und gebe mich einer spannenden Dokumentation über den blutigen Koreakrieg hin.
21.00 Uhr Als der Abspann über die Mattscheibe flimmert, betätige ich den “OFF” (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung und scheuche Dixon noch einmal in den Garten. Danach lösche ich das Licht und lege mich schlafen. Gute Nacht.