11. Juni 2018 – Georgs Reiseerlebnisse

08.00 Uhr Im aller Herrgottsfrühe schrillt das Festnetztelefon und ich habe das Vergnügen, mit Georg plaudern zu können. Mein Bruder wünscht mir einen schönen Morgen und sagt, dass er grossen Hunger hat und mich pünktlich um 10 Uhr in “Julies Restaurant” erwartet. Ich gähne wie ein Löwe und entgegne, dass ich zeitnah aufstehen und mich frisch machen werde – mir bleibt wirklich gar nichts erspart.


Das Telefon schrillt

08.30 Uhr Nach der Morgengymnastik stecke ich Dixon einen Büffelhautknochen ins Maul und informiere, dass wir alsbald Wirtin Julie einen Besuch abstatten und uns auf Georgs Kosten die Wampe vollschlagen werden.
09.30 Uhr Ich beende die Morgenwäsche und entschliesse mich, zur Feier des Tages legere Freizeitkleidung anzuziehen und dem Vierbeiner das schöne Lederhalsband anzulegen. Anschliessend lotse ich das Haustier zum PS-strotzenden SUV und gleite hupend vom Grundstück. Nebenher fröne ich dem Qualitätsradioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und gebe mich stimmungsvollen Kompositionen hin – wie schön.
10.00 Uhr Pünktlich wie ein Maurer erreiche ich mein Ziel und treffe Georg und Maria im Gasthaus meines Vertrauens an. Da mein Magen knurrt, setze ich mich spornstreichs dazu und halte Bedienung Peggy an, ein grosses Frühstück für mich, sowie etwas Schinken für Dixon aufzufahren. Ferner wende ich mich meinem Bruder zu und mache ihn auf den Umstand aufmerksam, dass seine Haut in den letzten Tagen sehr braun geworden ist. Georg nickt zustimmend und kündigt an, dass er heute die Abendsonne in vollen Zügen geniessen und mit Herrn Wang eine Partie Golf auf dem Gelände des “Tiburon Golf Clubs” spielen wird – wie aufregend.
10.30 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen und unsere ausgetrockneten Kehlen mit echtem Bohnenkaffee ölen, kommt mein Bruder abermals auf seinen Ausflug in der vergangenen Woche zu sprechen und legt mir nahe, ebenfalls den wunderschönen “Weeki Wachee Springs State Park” in Spring Hill sowie den “Apalachicola National Forest” anzusteuern. Meine Schwägerin schlägt in die gleiche Kerbe und beteuert, dass der Nationalforst im Nordwesten Floridas eine Fläche von knapp 24.000 km² umfasst – das ist ja kaum zu glauben.


Viel Geld für das Frühstück

11.15 Uhr Nachdem wir die wichtigste Mahlzeit des Tages mit hausgemachtem Käsekuchen abgerundet haben, präsentiert Wirtin Julie eine ellenlange Rechnung und knöpft uns 70 Dollars ab. Georg bezahlt die Zeche in Bar und ermutigt mich, zu einem Spaziergang entlang der Vanderbilt Beach Road mitzukommen. Ich lasse mich nicht zweimal bitten und schlendere an der Seite der lieben Leute an heruntergekommenen Reinigungsfirmen und koreanischen Feinkostläden vorbei. Unterdessen tratsche ich mit Maria und bringe heraus, dass sie ihren Ehemann am Abend nicht auf den Golfplatz begleiten, sondern ins Lichtspielhaus gehen wird – das soll mir auch Recht sein.
12.00 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, stehen wir vor “Julies Restaurant” und schüttelnd Hände. Ich wünsche meinen Verwandten einen ruhigen Nachmittag und hüpfe winkend ins Auto. Ruckzuck lasse ich den Wählhebel der Automatikschaltung in der “D” Stellung einrasten und rase hupend in Richtung Wohngebiet davon.
13.00 Uhr Wieder zurück im Willoughby Drive, versorge ich Dixon mit gesundem Trockenfutter und rufe bei Prof. Kuhn an, um ihn über das Frühstück in Kenntnis zu setzen. Mein Bekannter freut sich und entgegnet, dass er den Vormittag in einem Buchgeschäft verbracht und sich einen Roman des erst kürzlich verstorbenen Schriftstellers Philip Roth gekauft hat – das soll mir auch Recht sein.


Mein Zuhause unter Palmen

13.45 Uhr Nach dem Gespräch ziehe ich das verschwitzte T-Hemd aus und bette mich auf dem Wohnzimmersofa zur Ruhe. Schnell döse ich ein und träume von meiner unterbelichteten Mieterin, die mir in wenigen Tage einen Besuch abstatten wird – das kann ja heiter werden.
14.45 Uhr Um nicht den ganzen Nachmittag zu verschlafen, hüpfe ich vom Kanapee und komme meinen Pflichten als Anschnurseelsorger nach. Mit flinken Fingern navigiere ich durch das Internetz und studiere Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher – mir bleibt wirklich gar nichts erspart.
15.45 Uhr Zum Abschluss der Beratungsstunde schalte ich noch die neuen Einträge im Gästebuch frei und nehme meine persönliche Korrespondenz in Augenschein. Im Anschluss sehe ich mich im Garten um und spiele mit Dixon etwas Ball – da kommt besonders grosse Freude auf.
16.30 Uhr Wegen der unerträglichen Hitze ziehe ich mich in die klimatisierte Stube zurück und richte mir eine kalte Wurstplatte an. Ferner giesse ich mir ein Bier ein und studiere während des Abendessens die aktuelle Ausgabe des “TV GUIDE” (löblich: Fernsehratgeber) – immerhin muss man stets auf dem Laufenden bleiben.
17.30 Uhr Laut seufzend schalte ich die leistungsstarke Geschirrspülmaschine ein und vergesse auch nicht, den Küchenboden zu wischen – Sauberkeit ist mir nämlich besonders wichtig.

18.00 Uhr Mit letzter Kraft schleppe ich mich ins Wohnzimmer und lege die Beine hoch. Nebenher folge ich den FOX Nachrichten und erfahre, dass uns zur Wochenmitte eine Schlechtwetterfront heimsuchen und uns ergiebigen Regen bescheren wird – das hat gerade noch gefehlt.
19.00 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, wechsle ich auf den Filmkanal HBO, um mir die 1980er Jahre Filmkomödie “Mannequin” anzuschauen. Das lächerliche Machwerk erzähle die Geschichte einer verzauberten ägyptischen Prinzessin, die es in die heutige Zeit verschlagen hat – diesen Unsinn muss man gesehen haben.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Langeweile beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Im Anschluss lösche ich sämtliche Lichter und gehe ins Bett. Gute Nacht.

9. und 10. Juni 2018 – Maze Runner 3

Hallo Leute,

in der vergangenen Woche ist endlich der dritte und letzten Teil der Fantasyfilmreihe “Maze Runner” auf DVD und Blu-Ray erschienen. Ich bin ich grosser Fan dieser Serie und habe schon vor vielen Jahren die Buchvorlage von James Dashner mit grossem Vergnügen verschlungen.

Die dystropische Trilogie beschäftigt sich mit den Abenteuern einiger Jungs im Teenageralter, die in ein gefährliches Labyrinth verschleppt werden und von dort ausbrechen. Nach der Flucht finden sie sich in der sogenannten Brandwüste wieder und erfahren, dass die Welt von einer ominösen Organisation namens WCKD (Welt-Chaos-Katastrophen-Department) kontrolliert wird. Natürlich versuchen die Burschen mehr über die WCKD in Erfahrung zu bringen und für die Freiheit zu kämpfen …

Meiner Meinung nach ist der dritte Teil “Maze Runner – Die Auserwählten in der Todeszone” die schwächste Verfilmung dieser Trilogie. Trotzdem überzeugt die Regiearbeit von Wes Ball mit ausgefallener Action und grosser Spannung. Allen SciFi- und Fantasy-Fans kann ich nur raten, die am 7. Juni 2018 erschienene Blu-Ray zu kaufen und besonders Augenmerk auf das Bonusmaterial zu richten. Unter anderem findet man dort eine Dokumentation über die Entstehung des Films sowie einen interessanten Audiokommentar von Regisseur Wes Ball.

Mehr gibt es nicht zu berichten.
Ich wünsche allen Lesern ein spannendes Wochenende mit viel Fun und Sonne.
Eure Sandra

8. Juni 2018 – Andrew Jackson

andrewjackson

Sehr geehrter Tagebuchleser,

just heute vor 173 Jahren starb der siebte Präsident der Vereinigten Staaten und Gründer der Demokratischen Partei an Herzversagen.

Andrew Jackson wuchs in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in einfachsten Verhältnissen in North Carolina auf. Erstmals trat er im Britisch-Amerikanischen Krieg des Jahres 1812 als militärischer Befehlshaber in Erscheinung. Anno 1824 kandidierte er für das Präsidentenamt und erreichte die Stimmenmehrheit. Leider schaffte es der Staatsmann nicht, die absolute Mehrheit im Repräsentantenhaus zu bekommen und musste John Quincy Adams das höchste Amt des Landes überlassen. Bis 1828 widmete er sich dem Aufbau der neugegründeten Demokratischen Partei der USA. Er scharte viele Unterstützer um sich und konnte am 4. März 1829 als John Quincy Adams Nachfolger ins Weisse Haus einziehen und Geschichte schreiben.

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Das Zeichen der Demokratischen Partei

Unter seine Regierungszeit fiel ein weitreichender ökonomischer Wandel.
Andrew Jackson liess Strassen bauen und schrieb es sich auf die Fahnen, die Schifffahrt sowie die Eisenbahn zu fördern. Darüber hinaus liess er die Armee nach Florida einmarschieren und die dort lebenden Seminolen Indianer vertreiben. Ferner wurde im Jahre 1830 auch der sogenannte “Indian Removal Act” ins Leben gerufen, der es der Armee ermöglichte, aufmüpfige Indianer aus den Bundesstaaten östlich des Mississippi River auszuweisen.

Andrew Jackson legte sich auch mit der Nationalbank an und sorgte dafür, dass die “Bank of the United States” zerschlagen und die Goldreserven des Bundes auf diverse Banken der amerikanischen Bundesstaaten verteilt wurden. Dies hatte zur Folge, dass Bankhäuser den verarmten Landwirten günstigere Kredite anbieten konnten – wie schön.

Letztendlich entschloss sich Andrew Jackson im Jahre 1836, auf eine erneute Wiederwahl für eine dritte Amtszeit zu verzichten. Der gute Mann zog sich nach Tennessee zurück und blieb bis zu seinem Tod im Jahre 1845 ein wichtiger Stützpfeiler innerhalb der Demokratischen Partei. Unter anderem regte er an, Texas im Jahre 1845 als 28. Bundesstaat in die Vereinigten Staaten aufzunehmen – da kommt besonders grosse Freude auf.

Andrew Jackson war der erste Präsident, der aus einfachen Verhältnissen stammte und keine tragende Rolle beim amerikanischen Unabhängigkeitskrieg inne hatte. Noch heute wird er für seine Verdienste für die arme Bevölkerung verehrt und von allen hochgeschätzt.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg

7. Juni 2018 – Philly Cheesesteak im Blimpie

08.00 Uhr Auch heute werde ich durch wunderschöne Radiomusik geweckt. Zu den Klängen des weltbekannten Elvis Presley Gassenhauers “Lonesome Cowboy” hüpfe ich aus den Federn und erfahre beim Blick auf den Wandkalender, dass in einer Woche die Fussball Weltmeisterschaft in Russland beginnen wird. Ich rolle mit den Augen und erkläre Hund Dixon, dass mir dieses Grossereignis gestohlen bleiben kann.

08.30 Uhr Nachdem ich die Morgengymnastik absolviert und die Milchflasche hereingeholt habe, ziehe ich mich ins Badezimmer zurück. Weil Hygiene heutzutage sehr wichtig ist, lasse ich die Seele bei einem Wirbelbad baumeln und nehme mir das Recht heraus, mich mit dem Schwamm ordentlich abzuschrubben – da kommt Freude auf.
09.30 Uhr Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, beende ich das Badevergnügen und mache es mir zur Aufgabe, echten Bohnenkaffee aufzubrühen. Nebenher telefoniere ich mit Edelbert und vernehme, dass im Eiskasten meines Verwandten gähnende Leere vorherrscht. Weil es in meinem Kühlschrank nicht besser aussieht, bringe ich spornstreichs einen Schoppingausflug zum WINN DIXIE zur Sprache. Der Professor sagt prompt zu und verspricht, in 60 Minuten vor der Markthalle am Golden Gate Parkway zu sein – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.
10.00 Uhr Nach einer bescheidenen Brotzeit scheuche ich das Haustier zum Auto und schicke mich an, mit quietschenden Pneus zum Supermarkt meines Vertrauens zu rasen. Unterdessen drehe ich am Frequenzrad des Radios und habe das Vergnügen, auf WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) die schöne Jason Aldean Komposition “You Make It Easy” (löblich: Du machst es leicht) zu hören – wie aufregend.
10.30 Uhr Dreissig Minuten später erreiche ich mein Ziel und kann den PS-strotzenden SUV direkt neben Edelberts JEEP auf einem ausgewiesenen Behindertenparkplatz (unlöblich: Disabled parking space) abstellen. Anschliessend schlendern wir gutgelaunt in den klimatisierten Flachbau und der Professor unterbreitet, dass in den Vereinigten Staaten zirka 50 Millionen behinderte Menschen leben. Ich nicke eifrig und weise auf die Tatsache hin, dass die amerikanische Regierung im Jahre 1989 ein Gesetz zum Schutze Behinderter verabschiedet und alle Gewerbetreibenden angewiesen hat, Behindertenparkplätze einzurichten – das ist prima.


Ich parke auf einem Behindertenparkplatz

11.00 Uhr Schlussendlich machen wir einem störrischen Rentner (89) einen Einkaufsagen streitig und wählen allerhand Waren des täglichen Bedarfs aus. Unter anderem sehe ich mich in der Obst- und Gemüseabteilung ganz genau um und fasse den Entschluss, nicht nur einen Salatkopf, sondern auch etliche Äpfel in den Wagen zu verfrachten. Danach nehme ich eine Packung mit 10 Eier vom Regal und lasse meinen Begleiter wissen, dass ich am Abend köstliche Rühreier zubereiten werde – schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.
12.00 Uhr Pünktlich zur Mittagszeit werden wir an Kasse Nummer 7 vorstellig und erkunden uns, ob es für leidgeprüfte Rentner Rabatte gibt. Die übergewichtige Marktmitarbeiterin schüttelt jedoch den Kopf und fordert uns auf, kapp 80 Dollars herauszurücken. Obgleich ich keinen Goldesel im Vorgarten stehen habe, komme ich der Bitte anstandslos nach und merke an, dass ich alsbald im Schuldenturm landen werde – wo soll das noch hinführen.
12.30 Uhr Nachdem wir die schweren Tüten in den Autos verstaut haben, kehren wir mit Dixon im Schlepptau in die benachbarte “Blimpie” Schnellesswirtschaft ein. Ruckzuck drängen wir uns zur Essensausgabe vor und ordern lustige “Philly Cheesesteak” sowie durstlöschende Diät Cola – schmeckt gar nicht schlecht.


Prost

13.15 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, bimmelt plötzlich meine Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und Georg meldet sich in der Leitung. Mein Bruder ist ganz aus dem Häuschen und berichtet, dass er immer noch “on the Road” (löblich: Auf der Strasse) ist und nun doch erst am Samstag in Naples zurück sein wird. Als ich genauer nachfrage, rückt mein Verwandter mit der ganzen Wahrheit heraus und sagt, dass er die Nacht in St. Petersburg verbringen und am Abend das Baseballspiel “Tampa Bay Rays” gegen die “Seattle Mariners” im örtlichen Tropicana Stadion anschauen wird – gleich platzt mir der Kragen.
13.45 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, die Heimreise anzutreten. Wie es sich gehört, wische ich mir den Mund an einer Serviette ab und wünsche dann dem Professor einen ruhigen Nachmittag. Im Anschluss helfe ich dem Vierbeiner auf die Ladefläche des Chevrolets und gleite zufrieden nach Hause.
14.30 Uhr Im Willoughby Drive angekommen, räume ich die Lebensmittel in den Eiskasten und gönne mir in der guten Stube eine Pause. Schnell döse ich ein und träume von meiner Reise quer durch den Kontinent.
15.30 Uhr Ich öffne die Augen und ringe mich dazu durch, Dixon in den Garten zu folgen und etwas zu arbeiten. Trotz schweisstreibenden Temperaturen rupfe ich Unkraut aus dem Petersilienbeet und schneide die ausgewachsenen Triebe aufs rechte Mass zu – das macht Spass.


Die Petersilie wächst und gedeiht

16.30 Uhr Fix und foxi beende ich mein Werk und sorge in der Küche für ein reichhaltiges Abendessen. Pfeifend zaubere ich unter Hund Dixons fordernden Blicken köstliche Rühreier und vergesse auch nicht, die köstliche Jause mit Petersilie aus eigenem Anbau zu verfeinern – wie aufregend.
18.00 Uhr Nachdem ich die Geschirrspülmaschine eingestellt habe, lasse ich den nervenaufreibenden Tag im kühlen Wohnzimmer ausklingen. Als erstes fröne ich den FOX Nachrichten und lerne, dass in der kommenden Woche der “Flag Day” (löblich: Flaggentag) gefeiert wird – wie schön.
18.45 Uhr Nachdem ich mich auf den neuesten Stand gebracht habe, wechsle ich auf HBO und erfreue mich budweiserschlürfend am spannenden Western “Lawman” aus dem Jahre 1971. Regisseur Michael Winner erzählt in seinem Meisterwerk die Geschichte eines Gesetzeshüters, der alles daran setzt, die kriminellen Söhne eines reichen Grundbesitzers vor Gericht zu bringen – da kommt Spannung auf.
20.45 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt lösche ich sämtliche Lichter und lege mich schlafen. Gute Nacht.

6. Juni 2018 – Vermisst!

08.00 Uhr Der Radiowecker springt an und ich lausche einem Lied aus Trace Adkins Feder. Der WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radiomoderator versorgt mich mit wissenswerten Fakten und meldet, dass der aus Louisiana stammende Sangeskünstler derzeit mit Hochdruck an einem neuen Studiowerk feilt und seine Anhänger alsbald mit brandneuen Kompositionen verwöhnen wird – da kommt besonders grosse Freude auf.


Katze Land – der bestze Radiosender

08.45 Uhr Nachdem ich die Morgengymnastik absolviert und mit Frau Pontecorvo getratscht habe, gönne ich mir ein prima Wirbelbad und wasch mich ordentlich heraus. Ferner tippe ich die Nummer meines Bruders in die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) ein und stelle fest, dass Georgs Telefon nicht erreichbar ist – wie eigenartig.
09.45 Uhr Nach sechzig Minuten steige ich aus der Wanne und versuche meine Schwägerin zu erreichen. Weil die gute Seele das Gespräch auch nach dem achtzehnten Tuten nicht annimmt, drücke ich auf die Beenden-Taste und mache mir die grössten Sorgen. Spornstreichs kontaktiere ich Prof. Kuhn und erkläre dem schlauen Mann, dass meine Verwandten nicht erreichbar sind. In diesem Zusammenhang verrate ich ausserdem, dass die lieben Menschen gestern den “Apalachicola National Forest” besucht haben und seitdem verschollen sind. Anstatt sich Gedanken zu machen, wirkt Edelbert beruhigend auf mich ein und beteuert, dass ich tief durchatmen sollte.
10.30 Uhr Missmutig stapfe ich durch die kleine Villa und komme schnell zu dem Schluss, dass es schlauer wäre, Scherriff Bradfort über das ominöse Verschwinden meiner Verwandten zu informieren. Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, scheuche ich den Vierbeiner zum PS-strotzenden SUV und schicke mich an, mit eingeschalteter Warnblinkanlage zum Scherriffbüro am Tamiami Trail zu rasen. Unterdessen rufe ich erneut bei meinem Bruder an und vernehme die Ansage “The Person you have called is temporarily not available” (löblich: Die Person, die Sie angerufen haben, ist vorübergehend nicht verfügbar) – gleich platzt mir der Kragen.


Ich kann Georg nicht erreichen – wie schrecklich

11.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 11 zugeht, betrete ich die Polizeihauptdirektion des Collier Counties und habe das Vergnügen, den Leiter der hiesigen Polizeibehörde persönlich in der Schreibstube anzutreffen. Natürlich komme ich augenblicklich auf den Grund meines Kommens zu sprechen und lasse den donutverzehrenden Beamten wissen, dass meine Verwandten spurlos verschwunden sind. Darüber hinaus unke ich, dass Georg und Maria womöglich von unterbelichteten Hinterwäldlern entführt wurden. Scherriff Bradfort lacht laut und zögert nicht, mich in sein Büro zu bitten. Ich komme dem Aufruf anstandslos nach und berichte, dass die freundlichen Leute am 2. Juni mit dem Wohnmobil auf grosse Fahrt gegangen sind.
11.45 Uhr Während ich einen Kaffee trinke und weiter auf den Scherriff einrede, surrt plötzlich mein neumodernes Handtelefon und ich sehe auf der Anzeige die Rufnummer meines Bruders aufleuchten. Natürlich nehme ich das Telefonat ohne zu Zögern an und bringe auf Anfrage heraus, dass die Beiden die letzte Nacht in der Kleinstadt Saint Marks verbracht haben und erst morgen in Naples zurück sein werden – nun schlägt es aber Dreizehn.
12.15 Uhr Nachdem ich mich von Scherriff Bradfort verabschiedet habe, kehre ich kopfschüttelnd zum Chevrolet zurück und trete die Heimreise an. Da mein Bauch eigenartige Knurrlaute von sich gibt, fahre ich kurzerhand ein Denny’s Restaurant an und stärke mich mit einem deftigen “Bacon Gouda Burger” (löblich: Schinken Gouda Burger). Dazu gibt es rösche Kartoffelspalten sowie ein grosses Glas Eistee – das tut gut.
13.15 Uhr Mit vollem Magen setze ich die Heimfahrt fort und lausche schönen Liedern auf der Frequenz meines Lieblingsradiosenders. Zudem telefoniere ich mich dem Professor und informiere, dass Georg und Maria nun doch nicht entführt wurden.
14.00 Uhr Zurück in der kleinen Villa, schlüpfe ich aus den schweren Kuhjungenstiefeln (unlöblich: Cowboyboots) und falle erschöpft aufs Wohnzimmerkanapee. Bereits nach wenigen Atemzügen döse ich ein und träume von meiner aufregenden Reise an die amerikanische Westküste.


Ich träume von Berkeley

15.00 Uhr Um die Nachmittagsstunden nicht sinnlos verstreichen zu lassen, nehme ich nach der Pause am Schreibtisch Platz und rufe Depeschen besorgter Erziehungsberechtigter ab. Trotz aller Widrigkeiten schufte ich hart und registriere, dass bei der jungen Generation Hopfen und Malz verloren sind – wie traurig.
16.00 Uhr Nachdem ich einer alleinerziehenden Mutter (38) aus Dresden geraten habe, ihren frechen Sohn ins Erziehungsheim zu stecken, gehe ich von der Leine und unternehme mit dem Vierbeiner einen Spaziergang durchs Wohngebiet. Unter anderem schlendere ich am Zuhause der ehemaligen Olympiateilnehmerin Frau Crane vorbei und erzähle der Perle, dass mich das schwülwarme Wetter bald ins Grab bringen wird. Die lebenslustige Dame nickt zustimmend und rät, viel zu trinken und auf ausgewogene Ernährung zu achten – wie wahr.
17.00 Uhr Wieder zurück in meinem bescheidenen Heim, mache ich mich in der Küche nützlich und bereite vitaminreiche Bratkartoffeln mit Ei zu. Ausserdem versorge ich Dixon mit ROYAL CANIN Trockenfutter und H²O.
18.00 Uhr Endlich beginnt der ruhige Teil des langen Tages. Ich mache es mir weissweinschlürfend vor der Glotze bequem und informiere mich auf FOX über die politischen Geschehnisse in der Welt.

19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit nehme ich mit dem NETFLIX Programm Vorlieb und gebe mich dem achtteiligen Serienspiel “The Sinner” (löblich: Der Sünder) hin. Die Eigenproduktion erzählt die mysteriöse Lebensgeschichte einer Frau, die aus heiterem Himmel einen ihr völlig unbekannten Mann am Strand ersticht – wie schrecklich.
21.00 Uhr Als nach der dritten Episode der Abspann über den Flachbildschirm flimmert, schalte ich das Farbfernsehgerät ab und rufe Dixon ins Haus. Anschliessend lösche ich das Licht und gehe ins Bett. Gute Nacht.