4. Januar 2019 – Utah und die Mormonen

Sehr geehrte Damen und Herren,

just heute vor 125 Jahren wurde das Utah-Territorium zum 45. Bundesstaat der Vereinigten Staaten ernannt.

Wie jedes Kind weiss wurde das Gebiet bereits um das Jahr 1847 von Anhängern der “Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage” besiedelt. Ursprünglich wurde diese Glaubensgemeinschaft am 6. April 1830 vom 25jährigen Joseph Smith jr. in Fayette, NY gegründet. Der aus Vermont stammende Jungspund behauptete, im Frühjahr 1820 bei einem erquickenden Waldspaziergang Gott und Jesus Christus gesehen zu haben. Darüber hinaus gab er an, auch Kontakt zu einem himmlischen Wesen namens “Moroni” gehabt zu haben, der ihm den Auftrag gab, in einem Hügel Nahe der Ortschaft Manchester nach dem immerwährenden Evangelium zu suchen und es ins Englische zu übersetzen.


Joseph Smith Jr.

Durch die finanzielle Unterstützung seines Nachbarn Martin Harris, der unter Eid zu Protokoll gab, die Schriften Gottes mit eigenen Augen gesehen zu haben, wurde die Übersetzung in einer Auflage von 5.000 Exemplaren erstmals am 26. März 1830 der Öffentlichkeit vorgestellt. Der selbsternannte Prophet scharte daraufhin viele Menschen um sich und rief 1839 die unabhängige Gemeinde “Nauvoo” am Mississippi River in Illinois aus.

Weil die Mormonen immer wieder verhaftet und in die Gefängnisse gesteckt wurden, siedelten sich viele Mitglieder dieser Glaubensgemeinschaft im Mittleren Westen an der Ostküste des Grosses Salzsees an, um die Stadt Salt Lake City zu gründen. Darüber hinaus riefen die Siedler den sogenannten “Perpetual Emigrating Fund” (löblich: Ständiger Einwanderungsfond) ins Leben und ermöglichten es vielen noch an der Ostküste lebenden Mormonen, nach Salt Lake City zu reisen.

In den folgenden Jahren versuchten die Mormonen immer wieder, den Vereinigten Staaten beizutreten. Weil die Bundesregierung die von vielen Anhängern praktizierte Mehrfachehe ablehnte, gab es bis zum Jahre 1896 zahlreiche gerichtliche Auseinandersetzungen. Schlussendlich entschlossen sich die Kirchenoberen, die mormonische Polygamie mit sofortiger Wirkung abzuschaffen und die amerikanische Verfassung vom 17. September 1787 ohne Einschränkungen zu akzeptieren.

Heutzutage erstreckt sich Utah auf über 220.000 km² von den Rocky Mountains im Osten bis zur Basin and Range Province im Westen. Im “Beehive State” (löblich: Bienenkorb Staat) leben derzeit knapp 3 Millionen Bürger, von denen zirka 62 % der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage” angehören.

Hochachtungsvoll
Reinhard Pfaffenberg

3. Januar 2019 – Geburtstag

08.00 Uhr Ich werde durch eigenartige Geräusche geweckt und bemerke, dass sich irgendwer in meiner Küche zu schaffen macht. Um nicht von gemeingefährlichen Einbrechern überrumpelt zu werden, nehme ich das Schiesseisen zur Hand und zögere nicht, mit der GLOCK im Anschlag aus dem Schlafzimmer zu stürmen. Just als ich den Abzugbügel betätigen möchte, stellen sich mir Georg, Maria, Prof. Kuhn sowie Frau Pontecorvo in den Weg und stimmen “Happy Birthday To You” an. Völlig entnervt senke ich die Waffe und lasse die Gesellschaft wissen, dass sie mir einen Heidenschrecken eingejagt hat – gleich platzt mir der Kragen.


Happy Birthday To You

08.30 Uhr Nachdem mir alle zum Geburtstag gratuliert und eine stattliche Torte überreicht haben, bedanke ich mich artig und nehme mir das Recht heraus, mit dem futuristischen DeLonghi Vollautomaten Kaffee aufzubrühen. Unterdessen erfahre ich, dass Georg zur Feier des Tages einen Tisch im “Campiello” reserviert hat. Ich reibe mir die Wampe und entgegne, dass es eine Gaudi werden wird, hausgemachte Schmankerl zu fressen. Mein Bruder schlägt in die gleiche Kerbe und unterbreitet, dass das Italiengasthaus an der 3. Strasse zu den besten Adressen im ganzen County zählt – da kommt besonders grosse Freude auf.
09.15 Uhr Während wir gemütlich auf der schattigen Terrasse sitzen und Kuchen verzehren, präsentiert Edelbert plötzlich ein Kuvert und sagt, dass er mit Frau Pontecorvo und meinen Verwandten zusammengelegt und eine Jahresmitgliedschaft für das örtliche “Sun & Spa” Fitnessstudio erworben hat. Ich mache grosse Augen und lerne , dass man sich in besagtem Wohlfühlzentrum auch massieren lassen kann – das hört man gerne.


Mein wertvoller Chronograph

10.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 10 zugeht, fülle ich die Kaffeetassen mit brühfrischem Bohnentrunk auf und informiere, dass ich unmöglich ungewaschen ins Stadtzentrum krusen kann. Maria gibt mir Recht und meint, dass ich mir auch die Haare kämmen sollten. Während alle schallend lachen, ziehe ich mich in die Nasszelle zurück und genehmige mir ein erfrischendes Wirbelbad – das tut gut
10.45 Uhr Fünfundvierzig Minuten später kehre ich zu der Geburtstagsgesellschaft zurück und höre, dass während meiner Abwesenheit der Postbote geklingelt und ein weiteres Paket abgegeben hat. Obgleich ich gar nicht neugierig bin, reisse ich die Postlieferung spornstreichs auf und finde darin einen netten Brief sowie eine DVD vor. Ich überfliege die Zeilen wissbegierig und lese, dass mir Sandra beste Glückwünsche sowie die 70er Jahre Serie “Die Strasse” über den grossen Teich geschickt hat – wie aufmerksam.


Die Strasse auf DVD

11.30 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, der kleinen Villa Lebewohl zu sagen und zum “Campiello” zu rasen, Da wir im Chevrolet Suburban kaum Platz finden, fassen wir den Entschluss, mit drei Augen zur 3. Strasse zu rasen.
12.00 Uhr Pünktlich zum Mittagsläuten erreichen wir unser Ziel und werden von einer adretten Kellnerin Willkommen geheissen und zu einem Tisch auf der Sonnenterrasse geführt. Ferner tischt das Mädchen durstlöschendes Tafelwasser auf und animiert uns, den “Catch of the Day” (löblich: Fang des Tages) zu bestellen. Um nicht die Tageskarte studieren zu müssen, nehmen wir das Angebot an und geben dazu eine Flasche süffigen Chardonnay in Auftrag – schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.
12.45 Uhr Schlussendlich serviert das blondierte Kind panierte Seebrassen an würzigen Kartoffelspalten und Saisongemüse. Wir fackeln nicht lange und registrieren, dass der Scheffkoch ein Meister seines Faches ist. Auch Frau Pontecorvo schwärmt in den höchsten Tönen und unkt, dass wir bald wieder kommen und die hausgemachten Teigwaren kosten sollten – das hört sich verlockend an.
13.30 Uhr Weil Dixon langsam unruhig wird, schliessen wir das feine Essen mit Schokoladentorte und kräftigen Cappuccinos ab. Währenddessen bedanke ich mich noch einmal ausdrücklich bei Georg und mutmasse, dass die Rechnung ellenlang sein wird. Mein Bruder zuckt gelangweilt mit den Schultern und meint, dass es ihm eine Ehre war, mich an meinem Geburtstag einzuladen – wie schön.

14.00 Uhr Um dem Vierbeiner eine kleine Freude zu bereiten, vertreten wir uns nach der reichhaltigen Jause die Beine. Plaudernd schlendern wir zum “Naples Pier” und sehen uns genötigt, immer wieder rollschuhfahrenden Rotzlöffeln ausweichen zu müssen. Ich schimpfe wie ein Bierkutscher und erkläre dem Professor, dass die Polizei hart durchgreifen und die Lausebengel hinter schwedische Gardinen stecken sollte – wo kämen wir denn da hin.
15.00 Uhr Zurück am Auto schütteln wir Hände und wünschen einander schöne Abende. Danach halte ich meiner Nachbarin die Beifahrertüre auf und gleite entspannt in Richtung Wohngebiet zurück – das macht Spass.


Mein Zuhause unter Palmen

15.45 Uhr Endlich bin ich wieder dahoam und kann mich von den Strapazen des langen Tages erholen. Ich genehmige mir ein süffiges Budweiser und verfrachte die von Sandra zugeschickte DVD ins Abspielgerät. Alsbald flimmern bunte Bilder über die Mattscheibe und ich finde mich in der bayerischen Landeshauptstadt der 1970er Jahre wieder. Staunend tauche ich in das Leben gefährdeter Jugendliche ein, die am Rande der Grosstadt leben und kaum Perspektiven haben. Anstatt sich Lehrstellen zu suchen, treffen sich Edwin, Bulli, Cliff, Danni und Cordula in dunklen Seitengassen, um an ihren knatternden Mopeds herumzubasteln – wie schrecklich.

18.45 Uhr Nach drei Episoden spähe ich auf meine goldene Armbanduhr und stelle fest, dass es mittlerweile fast 19 Uhr geschlagen hat. Schnell betätige ich die PAUSE Taste auf der Fernbedienung und fülle Dixons Napf mit Trockenfutter auf. Ausserdem richte ich mir eine Wurstplatte an und entkorke eine Flasche Kristall Schaumwein.
19.00 Uhr Da im Fernsehen sowieso nur Mist läuft, fröne ich weiter der deutschen Fernsehserie “Die Strasse” und komme aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus.
21.00 Uhr Nach der sechsten Episode beende ich nachdenklich den Fernsehabend und begleite Dixon noch einmal in den Garten hinaus. Zu guter Letzt lösche ich sämtliche Lichter und falle gähnend ins Bett. Gute Nacht.

1. und 2. Januar 2019 – Es bumst an allen Ecken und Enden

Sehr geehrte Damen und Herren,

rund um Neujahr bumst und knallt es an allen Ecken und Enden. Strassen sind kaum sicher passierbar und vielen Menschen wird der Kirchgang oder der Besuch des Supermarktes durch die ungezügelte Knallerei unmöglich gemacht – wie furchtbar.

Kaum waren die besinnliche Weihnachtstage vorbei, wurden nicht nur in den deutschen, sondern auch in den amerikanischen Supermärkten Silvesterraketen, Böller und sogenannte Kanonenschläge feilgeboten. Besonders die garstigen Jugendlichen nahmen dieses Angebot dankbar an und machten es sich zur Aufgabe, Briefkästen zu sprengen, Mülltonnen in Brand zu setzen oder die Knallfrösche auf alles zu werfen, was sich bewegte – das ist ja allerhand.

Laut eines Berichts der “Deutschen Umwelthilfe” wurden in der Silvesternacht in ganz Deutschland durch Feuerwerke so viel Feinstaub freigesetzt, wie durch den bundesdeutschen Strassenverkehr in zwei Monaten. Ferner löst die Silvesterknallerei auch bei Wild- und Haustieren Panik aus – wie unlöblich.

Aus diesem Grund muss die Bundesregierung nun endlich tätig werden und der Knallerei zum Jahreswechsel einen Riegel vorschieben. Anstatt Milliarden Euros in gefährliche Raketen zu investieren, müssen die Bürger dazu ermutigt werden, gemeinnützige Organisationen wie “Rentner in Not” oder “Kuchen für Senioren” zu unterstützten.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg

30. und 31. Dezember 2018 – Prosit Neujahr

Liebe Heimseitenbesucher,

James, Amanda und David haben mittlerweile das Weite gesucht und ziehen es vor, den Jahreswechsel im fernen Texas zu erleben. Trotz alledem lassen wir uns die gute Laune nicht verderben und werden am Silvesterabend ordentlich in meiner kleinen Villa abfeiern. Neben alkoholischen Getränken, lustigen Knabbereien und einem spärlichen Feuerwerk pünktlich zu Mitternacht, werde ich meine Gäste ausserdem mit exquisiten asiatischen Essen verwöhnen – das wird eine Gaudi.

Zum Jahreswechsel tummeln sich im Rentnerparadies Florida besonders viele Touristen. Unter anderem locken die zahlreichen Spielkasinos, die man in den Indianerreservaten finden kann, mit besonders günstigen Übernachtungsmöglichkeiten. Darüber hinaus begrüsst auch das “Walt Disney World Resort” in Orlando sehr viele Gäste. Entlang der Prachtstrassen des 15.000 Hektar grossen Vergnügungsparks spielen Big Bands auf und zudem ist es den Besuchern möglich, zahlreiche Fahrgeschäfte zu nutzen und Photos von Micky Maus, Goofy und Donald Duck zu knipsen – da kommt besonders grosse Freude auf.

Die grösste Neujahr Feier wird in diesem Jahr natürlich wieder am weltbekannten Times Square im grossen Apfel (unlöblich: Big Apple) stattfinden. Dort wird bereits seit 1904 jährlich auf das neue Jahr angestossen und vom Dach des New Yorker Wolkenkratzers “One Times Square” eine grosse beleuchtete Kugel 43 Meter nach unter gelassen. Wie jedes Kind weiss, besteht dieser sogenannte Zeitball aus 500 Kristallen, die von nahezu 1.000 Glühbirnen beleuchtet wird und knapp eine halbe Tonne wiegt – wie aufgeregt.

Weil ich viel zu tun habe, möchte ich mich nun verabschieden und allen Lesern ein frohes und entspanntes Jahr 2019 wünschen.

Hochachtungsvoll
Reinhard Pfaffenberg

28. und 29. Dezember 2018 – It’s A Wonderful Life

Sehr geehrter Heimseitenbesucher,

in meiner alten Heimat gehören der tschechische Märchenfilm “Drei Haselnüsse für Aschenbrödel” aus dem Jahre 1973 sowie die englische Spielfilmproduktion “Little Lord Fauntleroy” (auf deutsch: Der kleine Lord) zur Adventszeit wie Glühwein auf den Christkindlmarkt. Das Erste Deutsche Fernsehen strahlt letztgenannten Film seit 1982 regelmässig aus und erzielt immer wieder Rekordeinschaltquoten – wie unlöblich.

Auch in den Vereinigten Staaten haben etliche Lichtspielhauserfolge längst Kultstatus erlangt. Unter anderem schmelzen die Herzen der stolzen Amerikaner bei “It’s A Wonderful Life” (auf deutsch: Ist das Leben nicht schön) regelrecht dahin.

Der schwarzweiss Film von Frank Capra basiert auf der Kurzgeschichte “The Greatest Gift” von Philip Van Doren Stern und handelt von George Bailey, der just am Weihnachtsabend den Wunsch äussert, nie geboren worden zu sein. Natürlich wird der Fall spornstreichs dem Himmel gemeldet und der diensthabende Engel Clarence schreibt es sich auf die Fahnen, George wieder neuen Lebensmut zu geben.

“It’s A Wonderful Life” feierte am 20. Dezember 1946 in der Weltmetropole New York seine Premiere. Viele Kritiker bezeichneten den Streifen als Sentimental und Realitätsfern und rieten den Kinogängern, dem Film fern zu bleiben. Erst viele Jahre später wurde das Werk wiederentdeckt und zählt längst zu den Klassikern der modernen Filmkunst. Unter anderem wählte das “American Film Institute” im Jahre 2002 den Film auf Platz 8 der 100 besten Liebesfilme aller Zeiten – wie aufregend.

Auch “A Christmas Story” (auf deutsch: Fröhliche Weihnachten) läuft in den USA auf vielen Kanälen. Die Komödie des Regisseurs Bob Clark erzählt aus dem Leben des kleinen Ralphie, der sich zu Weihnachten ein Luftgewehr wünscht. Wie auch “It’s A Wonderful Life” wurde dieser Spielfilm von den Kritikern zurückhaltend aufgenommen. Erst als “A Christmas Story” Ende der 1980er Jahre auf Videokassette veröffentlicht wurde, entwickelte er sich zu einem der beliebtesten Weihnachtsfilme überhaupt.

Ich werde mich nun im Kreise meiner Verwandten entspannen und mir “It’s A Wonderful Life” auf CBS anschauen.

Hochachtungsvoll
Reinhard Pfaffenberg