23. Mai 2017 – Bonnie & Clyde

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Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Tagebuchleser,

heute vor 83 Jahren wurden in Bienville Parish im Bundesstaat Louisiana Bonnie Parker und Clyde Barrow erschossen.

Das als Bonnie & Clyde landesweit bekannte Gangsterpärchen verübte von 1930 bis 1934 zahlreiche Überfälle und Dutzende Morde. Frau Bonnie lernte Herrn Clyde im Januar 1930 ganz zufällig in der texanischen Kleinstadt Oak Cliff kennen. Da Clyde eine mehrmonatige Gefängnisstrafe antreten musste, entschloss sich die 20jährige Bonnie, ihrem Freund die Flucht aus dem Zuchthaus zu ermöglichen. Letztendlich wurde der Ganove wenige Tage später in Ohio wieder gefasst.

Nach seiner Entlassung im Jahre 1932 scharte das Pärchen Gleichgesinnte um sich und gründete die gefürchtete „Barrow Bande“. Die schiesswütige Gruppe zog mordend durchs Land und tötete bis 1933 neun Polizisten. Nachdem Bundesbeamte einige Mitglieder ausschalten konnten, flüchteten Bonnie und Clyde in einem PS-strotzenden FORD V8 Automobil.

In der Folgezeit überfielen Bonnie und Clyde immer wieder Banken und erbeuteten ein kleines Vermögen. Darüber hinaus gelang es dem Duo, in die „Eastham Prison Farm“ in Huntsville, TX einzubrechen und etliche Häftlinge zu befreien. Wenig später wurden die beiden jedoch auf dem Highway 154 nahe dem Black Lake in Louisiana in einen Hinterhalt gelockt und von schwerbewaffneten FBI Agenten zur Strecke gebracht. Einige Tage später wurden Bonnie Parker und Clyde Barrow auf zwei verschiedenen Friedhöfen in Dallas, TX beerdigt.

Obgleich zur damaligen Zeit die Nation geschlossen hinter dem Vorgehen der Polizei stand, entwickelten die Menschen in den späten 1940er Jahren Sympathien für die Schwerverbrecher. Es wurden etliche Filme gedreht und Bücher veröffentlicht, die das Treiben der Haderlumpen verharmlosten. Wieder einmal wurden Mörder zu Helden gemacht – wie unlöblich.

Mit freundlichen Grüssen
Reinhard Pfaffenberg

22. Mai 2017 – Zurück im Sonnenscheinstaat

08.00 Uhr Die Amazon ECHO Musiksäule springt an und ich rolle mich gähnend aus dem Wasserbett. Während ich mir die Augen reibe, schlendere ich mit Dixon an die frische Luft und nehme mir das Recht heraus, die Morgengymnastik zu absolvieren. Ferner erkläre ich dem Vierbeiner, dass ich froh bin, die nervenaufreibende Forschungsreise nach Kalifornien unbeschadet überstanden zu haben. Der Rüde legt seinen Kopf schief und flitzt ausgelassen zum Teich, um seine Pfoten im kühlen Nass zu baden – wie schön.


In Kalifornien war es sehr aufregend

08.30 Uhr Wenig später kommt Herr Booth daher und lotet aus, ob ich spannende Abenteuer in San Franzisko erlebt habe. Ich nicke zustimmend und gebe vor, die „University of California“ erkundet und ausserdem auf den Spuren des sagenumwobenen Zodiac Killers gewandert zu sein – das war ganz schön aufregend.
09.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, die Seele bei einem Wirbelbad baumeln zu lassen. Ich wünsche dem Tattergreis einen schönen Tag und ziehe mich in die Nasszelle zurück. Während meine Glieder vom Sprudelwasser massiert werden, rufe ich bei Edelbert an und lote aus, ob wir im Stadtzentrum frühstücken wollen. Mein Bekannter schlägt die Einladung jedoch aus und setzt mich darüber in Kenntnis, dass er den Vormittag ausnutzen wird, um Wäsche zu waschen und mit seinem Sohn zu telefonieren – wie schade.
10.00 Uhr Um nicht selbst die wichtigste Mahlzeit des Tages vorbereiten zu müssen, statte ich Frau Pontecorvo einen Besuch ab. Meine Nachbarin haucht mir ein schmatzendes Bussi auf die Wange und lädt mich ein, mit ihr vitaminreiche Pfannkuchen zu essen. Ich lecke mir die Lippen und lasse mich prompt am Küchentisch nieder.


Ich beisse kraftvoll zu

10.30 Uhr Just als ich kraftvoll zubeisse und am Kaffeehaferl nippe, fährt Georgs Wohnmobil vor. Neugierig eile ich zur Pforte und lasse meine Verwandten wissen, dass ich bei Frau Pontecorvo bin. Die netten Leute folgen mir plappernd in die Küche und erzählen, dass sie sich kurzfristig entschlossen haben, einen Ausflug nach Tallahassee zu unternehmen. Bevor ich Widerworte einlegen kann, schnappt sich Georg mein Haferl und gönnt sich einen kräftigen Schluck. Nebenher berichtet Maria, dass sie am Abend in Tampa eintreffen und Tags darauf an der Apalachee Bay übernachten werden. Ich seufze laut und entgegne, dass ich gestern von einer spannenden Forschungsreise zurückgekehrt bin und mich ausser Stande sehe, schon wieder zu verreisen. Mein Bruder lacht laut und sagt, dass ich mich unter keinen Umständen dieser Reise anschliessen werde – wie unlöblich.
11.15 Uhr Kurz nach dem Elfuhrläuten verabschieden sich die Beiden und beteuern, dass sie spätestens am Samstag in Naples zurück sein werden. Wie es sich gehört, begleite ich die lieben Menschen zum WINNEBAGO und rate, vorsichtig zu fahren. Anschliessend kehre ich in die klimatisierte Stube zurück und lasse mir von Frau Pontecorvo weitere Pfannkuchen auf meinen Teller laden – schmeckt gar nicht schlecht.
11.45 Uhr Da im Eiskasten gähnende Leere herrscht, fasse ich den Entschluss, mich herzlich für die feinen Speisen zu bedanken und zum Supermarkt zu krusen. Mit einem lustigen Lied auf den Lippen scheuche ich Dixon zum Chevrolet und lausche während der kurzweiligen Autofahrt dem Qualitätsprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) – was kann es schöneres geben.


Katze Land – der beste Radiosender

12.15 Uhr Am Ziel angekommen, mache ich einem glatzköpfigen Rentner einen Einkaufswagen streitig und strebe dann durch die breiten Gänge, um Waren aller Art auszuwählen. Unter anderem erwerbe ich zwei Tiefkühlpizzas aus dem Hause Tombstone, etliche Tüten Lay’s Kartoffelchips sowie gesunde Erdnussbutter im Glas.
13.15 Uhr Nach geschlagenen sechzig Minuten werde ich an der Kasse vorstellig und erfahre, dass ich knapp 70 Dollars bezahlen muss. Missmutig krame ich meine GOLDEN HEAD Geldbörse aus der Hosentasche und informiere die Kassiererin, dass ich bald im Armenhaus landen werde – was muss ich denn noch alles ertragen.
13.30 Uhr Im Anschluss begebe ich mich mit Hund Dixon in die benachbarte „Dairy Queen“ Gaststätte und ordere an der Essensausgabe zwei Cheeseburger (löblich: Käseburger) mit Kartoffelstäben – das tut gut.


Auch zur Mittagszeit beisse ich kraftvoll zu

14.15 Uhr Redlichst gestärkt trete ich die Heimfahrt an und singe zum neuen Chris Stapleton Lied „Broken Halos“ (löblich: Gebrochene Heiligenscheine) laut mit. Zudem lerne ich, dass der 39jährige Musikant vor wenigen Wochen sein zweites Studiowerk „From A Room“ veröffentlicht hat – das hört man gerne.
15.00 Uhr Zuhause angekommen, räume ich die Lebensmittel in den Kühlschrank und falle dann erschöpft aufs Kanapee. Ich döse schnell ein und sehe mich im Traum auf den Campus der Berkeley Universität versetzt.
16.00 Uhr Ich erwache ausgeruht und nutze den Nachmittag, um elektronische Briefe zu beantworten. Neben der Anschnurseelsorge, verfasse ich auch eine Depesche an James und frage nach, wann die Sommerferien beginnen werden. Darüber hinaus lade die jungen Leute ein, ihren Urlaub in Florida zu verbringen – das wäre eine Gaudi.
16.45 Uhr Nachdem ich die neuesten Gästebucheinträge überflogen habe, beende ich die Arbeit und breche mit Dixon zu einem Spaziergang durchs Wohngebiet auf. Ich werfe dem Lausbuben Stöckchen zu und ermutige ihn, die vorlauten Nachbarskinder Emily und Francis anzubellen – da kommt besonders grosse Freude auf.


Dixon geht Gassi

17.30 Uhr Völlig verschwitzt stosse ich die Haustüre auf und mache es mir zur Aufgabe, Dixons Napf mit Futter aufzufüllen. Anschliessend mache ich mich in der Küche nützlich und schiebe eine Fertigpizza ins Ofenrohr.
18.00 Uhr Ein stressiger Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Schnaufend räume ich das Geschirr in die Spülmaschine und verabschiede mich dann in den Feierabend. Wie es sich gehört, läute ich den Fernsehabend mit den FOX Nachrichten ein und informiere mich über die tagesaktuellen Geschehnisse in der Welt.
19.00 Uhr Zur Prime Time (löblich: Hauptfernsehzeit) nehme ich mit dem NETFLIX Programm Vorlieb und gebe mich dem Spielfilm „Handsome“ (löblich: Gut aussehend) hin. Die Kriminalkomödie erzählt von einem verwirrten Inspektor, der den heimtückischen Mord an einer Schauspielerin aufklären muss – wie aufregend.
20.30 Uhr Nach neunzig mässig spannenden Minuten flimmert der Abspann über die Mattscheibe. Ich betätige gelangweilt den „OFF“ (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung und rufe Dixon ins Haus. Danach reguliere ich die Klimaanlage und lege mich schlafen. Gute Nacht.

20. und 21 Mai 2017 – Reinhards Forschungsreise geht zu Ende

Hallo Freunde der Nacht,

mit grosser Freude habe ich die Tagebucheinträge meines Vermieters gelesen. Reinhard ist am vergangenen Wochenende nach San Francisco geflogen und besuchte mit Prof. Kuhn die Universität von Berkeley. Während ihres Aufenthalts durften die Rentner im Wohnheim einer Studentenvereinigung logieren und viele Fachbereiche besichtigen 🙂

Ausserdem hat mein Vermieter einige Tatorte des Zodiac Mörders in der Umgebung besucht. Während Edelbert einer Vorlesung beiwohnte, besuchte Reinhard die Kleinstadt Vallejo, in der der berüchtigte Serienmörder im Dezember 1968 seine ersten Opfer mit tödlichen Schüssen niederstreckte. Ausserdem ging es weiter zum „Blue Rock Springs Park“ und zum Lake Berryessa. Dort wurden vier weitere Menschen vom Zodiac Killer niedergemetzelt …


Wer war der Zodiac Killer?

Morgen müssen die alten Leute ihre Koffer packen und die Heimreise nach Miami antreten. Der AMERICAN AIRLINES Direktflug startet bereits um 13:10 Uhr Ortszeit. Kurz vor 20 Uhr wird Reinhard dann endlich Wiedersehen mit seinen Verwandten, Frau Pontecorvo und Hund Dixon feiern dürfen 😉


Hund Dixon musste in Naples bleiben

Ich freue mich riesig auf das Wochenende.
Morgen bin ich nämlich bei Simone im Nachbarshaus zum Grillen eingeladen. Natürlich werde ich eine Schüssel mit Nudelsalat sowie etliche Flaschen Wein zur Feier beisteuern. Heute steht ausserdem ein Kinobesuch auf dem Programm.

Wie ihr sicher wisst, ist am Donnerstag der neue Alien Film in den Kinos angelaufen. „Alien: Covenant“ ist die Fortsetzung des Prequels „Prometeus – Dunkle Zeichen“ und erzählt die Geschichte einer Astronautencrew, die auf einer Expedition auf einen scheinbar paradiesischen Planeten stösst …

Okay, ich wünsche euch nun ein chilliges Wochenende.
Eure Sandra

19. Mai 2017 – Lake Berryessa

08.00 Uhr Auch heute hüpfe ich voller Vorfreude aus dem Bett und kann es kaum noch erwarten, einen weiteren Rundgang über das Campusgelände der Berkeley Universität zu unternehmen. Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, öffne ich das Fenster und führe die Morgengymnastik durch – wer rastet, der rostet.
09.00 Uhr Nach dem Waschvergnügen schlüpfe ich in eine legere Tschienshose sowie ein schwarzes T-Hemd und lasse es mir nicht nehmen, Edelbert einen Besuch abzustatten. Mein Bekannter wünscht mir einen schönen Tag und plappert, dass wir jetzt frühstücken und anschliessend zur „Tolman Hall“ spazieren sollten. Als ich genauer nachfrage, erhebt der Professor den Zeigefinger und informiert, dass er in besagtem Gebäude jahrelang Vorlesungen abgehalten hat – wie aufregend.
09.45 Uhr Nachdem wir ein spärliches Frühstück in der Cafeteria der „Alpha Gamma Omega“ Studentenverbindung eingenommen haben, vertreten wir uns die Beine und passieren unter anderem die „Soda Hall“, in der neukluge Heimrechnerexperten ausgebildet werden. Edelbert schnalzt mit der Zunge und setzt mich darüber in Kenntnis, dass in dieser Einrichtung Herr Eric Brewer, der Erfinder der drahtlosen Netzwerke gearbeitet hat – jaja.


Auf dem Campus gibt es viel zu sehen

10.30 Uhr Schlussendlich betreten wir die „Tolman Hall“ und ich lerne, dass dieser vierstöckige Bau vom weltbekannten Architekten Le Corbusier entworfen wurde. Prof. Kuhn lotst mich zielsicher durch die Gänge und erzählt, dass sein ehemaliges Büro im zweiten Stock zu finden war. Darüber hinaus erfahre ich, dass der Professor während seiner Dozentur nicht auf dem Campus gelebt, sondern ein schickes Haus in North Berkeley bewohnt hat. Mein Bekannter seufzt laut und beteuert, dass seine Lehrzeit an der Universität von Kalifornien sehr spannend war.
11.15 Uhr Wenig später stehen wir wieder auf der Strasse und fassen den Entschluss, den Heimweg anzutreten. Um etwas Abwechslung zu bekommen, wandern wir durch den „Chancellor’s Garden“ und haben währenddessen das Vergnügen, hochgewachsene Pinien zu sehen. Mein Begleiter steckt sich seine Pfeife an und unterbreitet, dass er sich an diesem Ort sehr gerne auf seine Vorlesungen vorbereitet hat – das hört man gerne.


Im Chancellor’s Garden gibt es viele Pinien

11.45 Uhr Weil das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, kehren wir kurzerhand ins gutbesuchte „Pizzahhh“ Gasthaus ein, um hausgemachte Nudeln mit Fleischbällchen zu fressen. Nebenher komme ich auf unseren geplanten Abstecher zum Lake Berryessa zu sprechen und gebe zu Protokoll, dass wir bald losfahren sollten. Mein Tischnachbar nickt eifrig und schlürft genüsslich an seiner Diät Cola – da kommt Freude auf.
12.30 Uhr Als der Minutenzeiger meiner ROLEX auf halb Eins zugeht, schlendern wir zum Chevrolet Tahoe und vereinbaren, dass Edelbert die knapp siebzigminütige Reise auf sich nehmen wird. Ich nehme entspannt auf dem Beifahrersitz Platz und verrate dem Professor, dass der Zodiac Killer zwei Monate nach dem Überfall auf die Kellnerin Darlene Ferrin und ihrem Begleiter Michael Mageau an besagtem Stausee sein Unwesen getrieben hat.
13.15 Uhr Während Edelbert auf der Interstate 80 gen Norden krust, berichte ich ausserdem, dass der Meuchelmörder am Nachmittag des 27. September 1969 in einem langen Mantel mit Henkerskapuze die 22jährige Cecelia Shepard sowie den 20jährigen Bryan Hartnell mit Messerstichen malträtiert hat. Edelbert stimmt zu und erinnert, dass der Serienkiller zur gleichen Zeit diverse Briefe an den „San Francisco Chronicle“, der „Vallejo Times“ und dem hiesigen „Examiner“ verfasst hat – wie wahr.

Robert Graysmith schreibt in seinem Roman „Zodiac“ folgendes:

Die Kapuze reichte vorne und hinten bis fast zur Taille hinunter, während sie seitlich an den Schultern endete. Sie war oben flach und an den Rändern mit Ziernähten versehen. Auf der latzartigen Vorderseite war ein weißes Kreuz in einem Kreis zu sehen. Die Enden des Kreuzes ragten über den Kreis hinaus. Das Kreuz schimmerte orangefarben in der untergehenden Sonne und war sehr sauber angenäht.

13.45 Uhr Nachdem wir die Gemeinde Vallejo hinter uns gelassen haben, erreichen wir endlich den Lake Berryessa, der um das Jahr 1843 von den ersten europäischen Siedlern angelegt wurde. Wir parken das Mietauto auf dem Rastplatz und nehmen uns das Recht heraus, auf Schusters Rappen zum Ufer zu laufen.
14.15 Uhr Am Ziel angekommen deutet Edelbert zu einer vorgelagerten Insel und mutmasst, dass die Opfer hier ein Picknick abgehalten und vom Zodiac überrascht wurden. Ich schlage in die gleiche Kerbe und stelle klar, dass der Mörder nach der Tat nicht nur sein Erkennungszeichen, sondern auch die Daten der anderen Verbrechen in die Autotüre der Opfer geritzt hat – wo soll das noch hinführen.

15.00 Uhr Bei angenehmen Temperaturen machen wir kehrt und gönnen uns in einem Restaurant ein kleines Mittagessen. Als wir kraftvoll zubeissen, macht mich der Professor auf den Umstand aufmerksam, dass der Zodiac am 11. Oktober 1969 ein letztes Mal im Stadtteil Presidio Heights in San Franzisko in Erscheinung trat und einen Taxifahrer mit einem gezielten Kopfschuss niederstreckte. Ich stimme uneingeschränkt zu und erwähne, dass bis 1974 weitere Morde verübt wurden, die möglicherweise auch dem Zodiac zugeschrieben werden können.

Täterbeschreibung vom 11. Oktober 1969:

175 bis 180 Zentimeter gross und stämmig. Schwarze Jacke mit Reissverschluss, dunkle Hose, brauner Bürstenschnitt, fünfunddreissig bis fünfundvierzig Jahre alt; Brillenträger.

16.00 Uhr Redlichst gestärkt hüpfen wir ins Auto und rasen in Richtung Berkeley davon. Beiläufig recherchiere ich im Internetz und bringe in Erfahrung, dass sich der Journalist Robert Graysmith dem Fall annahm und gemeinsam mit dem Polizeibeamten Dave Toschi geheime Ermittlungen anstellte. Die beiden konnten den vorbestraften Hausmeister Arthur Leigh Allen mit einigen Morden in Verbindung bringen und drei Durchsuchungsbeschlüsse erwirken. Leider stimmte die DNA des Mörders nicht mit der von Allen überein – wie schade.


Das Zeichen des Zodiac Killers

17.00 Uhr Sechzig Minuten später finden wir uns wieder auf dem Campus der „University of California“ ein. Wir schleppen uns mit letzter Kraft ins Verbindungsheim und suchen Herrn Boetticher Büro auf. Der Wissenschaftler begrüsst uns herzlich und kredenzt lustige Sandwiches (löblich: Wurstbrote) sowie brühfrischen Kaffee. Wir greifen beherzt zu und lassen den Heini an unseren Tageserlebnissen teilhaben. Herr Boetticher folgt unseren Ausführungen mit grossem Interesse und meint, dass der Zodiac Killer die Menschen damals in Angst und Schrecken versetzte – das glaube ich gerne.


Wir beissen kraftvoll zu

18.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, Hände zu schütteln und uns auf die Zimmer zu verabschieden. Ich wünsche Edelbert eine ruhige Nacht und ziehe es vor, den Abend vor der Glotze ausklingen zu lassen. Zudem rufe ich bei meinen Verwandten in Florida an und erkundige mich nach Dixon. Meine Schwägerin steht mir artig Rede und Antwort und versichert, dass es dem Rüden an nichts fehlt – wie beruhigend.
19.00 Uhr Nach den Nachrichten wechsle ich auf den Spartenkanal KOFY-TV und fröne dem Fernsehformat „MacGyver“. Das Fernsehspiel aus den späten 1980er Jahren erzählt die Geschichte eines Geheimagenten, der es immer wieder schafft, sich aus ausweglosen Situationen zu befreien – das macht Spass.
20.00 Uhr Weil mir langsam die Augen zufallen, beende ich den Fernsehabend und lösche sämtliche Lichter. Anschliessend reguliere ich die Klimaanlage und döse prompt ein. Gute Nacht.

18. Mai 2017 – Observatory Hill und Zodiac

08.15 Uhr Ich hüpfe kurz nach 8 aus dem Bett und öffne das Fenster. Weil ich längst nicht zum alten Eisen zähle, sauge ich die kühle Luft tief in meine Lungen ein und absolviere die Morgengymnastik. Nebenbei spähe ich in Richtung des „Sather Tower“ und bemerke, dass das Bauwerk an den venetianischen Markusturm erinnert.
09.00 Uhr Nachdem ich mich eiskalt abgeduscht habe, statte ich Edelbert im Nebenzimmer einen Besuch ab und schlage vor, dass wir zum McLaughlin Staatspark fahren könnten. Mein Bekannter winkt jedoch ab und beteuert, dass er zum Frühstück bei einem befreundeten Professor eingeladen ist. Zudem vernehme ich, dass Edelbert anschliessend an einer philosophischen Lesung im Pimentel Hörsaal teilnehmen wird – wie langweilig.
09.30 Uhr Weil ich keine Lust habe, mit tattrigen Wissenschaftlern den Vormittag zu verbringen, setze ich mir meine NY YANKEES Kappe auf und lasse den Professor wissen, dass ich auf eigene Faust den Campus erkunden werde.
10.00 Uhr Als erstes folge ich der Hearst Avenue gen Westen und stehe bald vor einem unschönen Parkhaus. Ich wende mich kopfschüttelnd nach links und habe das Vergnügen, auf Schusters Rappen den „Observatory Hill“ (löblich: Beobachtungshügel) zu erklimmen, auf dem wissbegierige Studenten im 19. Jahrhundert Sterne und Planeten beobachtet haben. Darüber hinaus lichte ich das angrenzende Gebäude mit meiner Photokamera ab und bringe während eines Gesprächs mit einem rothaarigen Studenten (23) heraus, dass die unter Denkmalschutz stehende „Haviland Hall“ als Bibliothek genutzt wird – das hört man gerne.


Ich erkunde den Campus auf eigene Faust

11.00 Uhr Nachdem ich die „Memorial Glade“ Grünfläche überquert und mir ein Eis gekauft habe, erreiche ich den „Sather Tower“ und blicke fasziniert zum Glockenturm. Weil Besucher die Möglichkeit haben, den knapp 100 Meter hohen Turm zu besuchen, fackle ich nicht lange und fahre im Aufzug nach oben. Währenddessen lese ich auf einer Tafel, dass im obersten Stockwerk 61 Glocken angebracht sind, die drei Mal täglich läuten – das ist prima.
11.30 Uhr Oben angekommen, schaue ich beeindruckt nach Westen und kann in weiter Ferne nicht nur die San Francisco Bay, sondern auch die Golden Gate Brücke erkennen. Ich knipse ein Photo und lasse die anderen Besucher wissen, dass Berkeley stets eine Reise wert ist. Mein Nebenmann schlägt in die gleiche Kerbe und berichtet, dass sein Sohn an dieser renommierten Lehranstalt Optometrie studiert – das ist mir Wurst.


Der Sather Turm

12.15 Uhr Pünktlich zur Mittagszeit stehe ich wieder auf der Strasse und nehme mir das Recht heraus, in „Babettes Coffee Bar“ unweit der South Hall einzukehren. Da mein Magen knurrt, werde ich spornstreichs an der Essensausgabe vorstellig und order neben einem Kaffee auch drei reichbelegte Sandwiches.
12.45 Uhr Als ich kraftvoll zubeisse und einem Pärchen beim Schmusen zusehe, bimmelt plötzlich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry). Zu meiner Freude meldet sich Georg im Rohr und setzt mich darüber in Kenntnis, dass sich Hund Dixon eine Zecke eingefangen hat. Ich beruhige meinen Bruder redlichst und bitte ihn, den Parasiten vorsichtig mit einer Pinzette zu entfernen. Der gute Mann atmet tief durch und wirft ein, dass er zeitnah mit dem Rüden an den Strand krusen wird, um Möwen zu jagen – das ist phantastisch.

13.30 Uhr Ich beende die Brotzeit und registriere, dass es viel zu warm ist, um weiter den Campus zu erkunden. Stattdessen kehre ich fingerschnippend zur Wohnanlage zurück und fasse den Entschluss, kurzerhand in den Chevrolet Tahoe zu hüpfen und vom Universitätsgelände zu rasen. Während im Radio das schöne Lied „Hurdy Gurdy Man“ des schottischen Sängers Donovan läuft, gleite ich in nördliche Richtung davon und spiele mit der Idee, auf den Spuren des Zodiac Serienmörders zu wandern – da kommt Spannung auf.


Der Zodiac ermordete viele Menschen

14.00 Uhr Ruckzuck fahre ich rechts ran und bringe im Internetz heraus, dass der Meuchelmörder am 20. Dezember 1968 erstmals auf einem zirka 20 Meilen entfernten Parkplatz in Erscheinung trat. Ich speichere die Koordinaten auf dem Navigationsgerät ab und lerne, dass ich in dreissig Minuten vor Ort sein werde.
14.45 Uhr In einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt presche ich an der Grosstadt Richmond vorbei und habe ausserdem die Ehre, den reissenden Carqinez Fluss zu überqueren. Wenig später fordert mich das Navigationsgerät auf, bei der nächsten Möglichkeit rechts abzubiegen. Ich komme den Aufruf anstandslos nach und lese auf Wikipedia, dass an dieser Stelle vor 49 Jahren die damals 16jährige Betty Lou Jensen und ihr 17jähriger Freund David Faraday von einem Unbekannten niedergeschossen wurden – das ist ja allerhand.

Robert Graysmith schreibt in seinem Roman „Zodiac“ folgendes:

Er richtete seine Waffe auf das rechte hintere Fenster und feuerte eine Kugel ab, die das Glas zersplittern ließ. Dann trat er an die linke Seite des Wagens und schoss auf den Radkasten links hinten. Er wollte damit wohl die beiden jungen Leute dazu bewegen, das Auto durch die Beifahrertür zu verlassen … Betty Lou war bereits aus dem Wagen geflüchtet, als David auf den Beifahrersitz rutschte und ihr folgen wollte. In diesem Augenblick steckte der Mann die Pistole in das offene Fenster, setzte sie dem Jungen hinter dem linken Ohr an den Kopf und drückte ab … Betty Lou schrie auf und lief nach Norden. Der stämmige Mann folgte ihr augenblicklich mit der Pistole in der Hand. Als er keine drei Meter hinter ihr war, feuerte er fünf Kugeln auf Betty Lou ab.

15.30 Uhr Weil der nächste Tatort in unmittelbarer Nähe liegt, ringe ich mich dazu durch, auch den „Blue Rocks Springs Park“ am Columbus Parkway anzusteuern. Just als ich den Tahoe auf dreissig Meilen beschleunige, surrt das Telefon und ich sehe mich genötigt, mit Prof. Kuhn sprechen zu müssen. Edelbert legt beste Laune an den Tag und berichtet, dass er an einer lehrreichen Vorlesung teilgenommen hat und nun Essen möchte. Ich winde mich geschickt aus der Verantwortung und gebe vor, nicht auf dem Campus zu sein. Um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen, beende ich das Gespräch und fahre alsbald auf einen Rastplatz auf.

16.15 Uhr Auch diesmal schwinge ich mich aus dem Auto und mache mich auf Wikipedia über den dritten Mord des sogenannten Tierkreiszeichenmörders schlau. Nach dem Doppelmord an der Lake Herman Road schlug der Serienmörder am Unabhängigkeitstag des Jahres 1969 erneut zu und streckte die 22jährige Kellnerin Darlene Ferrin mit fünf Revolverschüssen nieder. Zudem verletzte er auch noch ihren Geliebten Mike Mageau (19) mit vier Schüssen aus kürzester Entfernung schwer – wie schrecklich.

Täterbeschreibung vom 4. Juli 1969:

Der Mann hatte ein breites Gesicht und trug keine Brille. Er schien sechsundzwanzig bis dreissig Jahre alt zu sein und hatte kurzes gewelltes hellbraunes Haar. Mike Mageau beschrieb den Mann als stämmig, korpulent, jedoch nicht fett. Er hatte einen leichten Bauchansatz und trug das Haar zu einer Tolle hochgekämmt.

17.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 5 zugeht, sitze ich wieder im Auto und kruse zügig nach Berkeley zurück. Nebenbei mache ich mir meine eigene Gedanken und stelle mir die Frage, warum die ermittelnden Polizeibeamten den Mörder trotz etlicher Bekennerschreiben und Telefonaten nie fassen konnte – wie eigenartig.
18.00 Uhr Endlich komme ich mit quietschenden Bremsen vor dem Wohngebäude der „Alpha Gamma Omega“ Studentenverbindung zum halten. Wie es sich gehört, ziehe ich kraftvoll an der Handbremse und schicke mich an, in den vierten Stock hoch zu laufen und Edelbert zum Essen einzuladen. Mein Bekannter strahlt über das ganze Gesicht und folgt mir plappernd in die benachbarte Pizzeria.
18.30 Uhr Während des Nachtmahls lasse ich meine Tageserlebnisse Revue passiere und erzähle, dass ich zwei Zodiac Tatorte im Norden besucht habe. Ich reibe mir die Hände und gebe zu Protokoll, dass wir morgen unbedingt zum Lake Berryessa krusen sollten. Edelbert legt den Zeigefinger ans Kinn und erinnert, dass sich dort der Zodiac Killer in einem Mantel mit Henkerskapuze präsentiert und zwei Menschen niedergemetzelt hat – wie wahr.
19.30 Uhr Nachdem wir das Abendessen mit Schaumkaffees und Käsekuchen abgerundet haben, kehren wir ins Wohnhaus zurück und lassen den Abend bei süffiger 7-Up Limonade in der Leseecke ausklingen. Unter anderem kommen wir mit Studenten von der Ostküste ins Gespräch und hören, dass am Samstag der „Armed Forces Day“ mit einer grossen Parade auf dem Universitätsgelände gefeiert werden wird – das soll uns auch Recht sein.


Ich spähe aus dem Fenster

20.30 Uhr Schlussendlich ziehe ich mich gähnend auf mein Zimmer zurück und lasse den langen Tag bei einer kalten Dusche ausklingen. Danach blicke ich noch einmal aus dem Fenster und ziehe es vor, bald ins Bett zu gehen. Gute Nacht.