12. September 2014 – La Futura und ein Wiedersehen mit Brandie Cream

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08.00 Uhr Ich rolle mich aus dem Wasserbett und freue mich, von Hund Dixon schwanzwedelnd begrüsst zu werden. Danach reibe ich mir den Schlaf aus den Augen und treffe im Wohnzimmer auf Sandra. Das Kind streckt sich ausgiebig und beteuert, dass es hervorragend geschlafen hat. Ich nicke eifrig und lasse die Maid wissen, dass wir uns heute im Garten nützlich machen könnten. Sandra zeigt mir jedoch den Vogel und sagt, dass sie ans Meer krusen wird – das ist wieder typisch.
08.45 Uhr Um mich nicht ärgern zu müssen, beende ich das Gespräch und verabschiede mich in die Nasszelle. Ich lasse die Seele bei einem Wirbelbad baumeln und nehme mir das Recht heraus, bei Admiral a.D. Bürstenbinder anzurufen. Der ehemalige Seefahrer meldet sich nach dem dritten Tuten und plappert davon, dass in zwei Tagen das Volksfest in unserer Heimatstadt zu Ende gehen wird. Friedbert ist begeistert und rechnet vor, dass er bisher an jedem Abend im Bierzelt war und insgesamt 37 Mass Bier getrunken, sechs halbe Enten, vier Steckerlfische, elf Hendl und sechzehn Tüten mit gebrannten Mandeln gegessen hat – wie schön.

mandeln
Sehr schmackhaft: gebrannte Mandeln

10.00 Uhr Pünktlich zum Zehnuhrläuten steige ich aus der Wirbelbadewanne und entschliesse mich, eine khakifarbene Hose sowie ein hellblaues T-Hemd mit “Florida Gulf Coast University” Aufdruck anzuziehen.
10.30 Uhr Im Anschluss setze ich mich zu Sandra an den Küchentisch und höre, dass mein Gast vor dem geplanten Strandbesuch die neue ZZ Top Kompaktscheibe “La Futura” kaufen möchte. Ich giesse mir etwas Kaffee ein und entgegne, dass ich währenddessen Edelbert besuchen und eine DVD für einen romantischen Fernsehabend besorgen werde. Sandra legt ihren Kopf schief und bittet mich, das Jim Jarmusch Meisterwerk “Only Lovers Left Alive” (löblich: Nur Liebende überleben) zu kaufen.


ZZ Top – La Futura

11.15 Uhr Wenig später scheuche ich Hund Dixon zum Chevrolet und schicke mich an, stadteinwärts zu fahren. Nebenher telefoniere ich mit Prof. Kuhn und höre, dass ich ihn im “Mangrove Cafe” treffen kann.
12.00 Uhr Völlig verschwitzt finde ich mich im besagten Gasthaus ein und registriere, dass Edelbert nicht alleine ist. Ich wünsche Frau Brandie Cream einen schönen Tag und zögere nicht, mich dazuzusetzen. Der Professor schenkt mir ein Lächeln und sagt, dass er Brandie ganz zufällig getroffen hat. Da es sehr heiss ist, winke ich der Kellnerin zu und ordere ein lustiges Himbeereis mit Sahne. Anschliessend wende ich mich dem hübschen Fräulein zu und erkundige mich, wie es ihr ergangen ist. Das ehemalige Oben-Ohne Modell strahlt über das ganze Gesicht und bestätigt, dass sie immer noch mit einem Zahnarzt liiert ist und an der St. Ann Catholic School (löblich: Sankt Anna Katholische Schule) als Kinderpflegerin arbeitet – das ist prima.
13.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, den lieben Leuten auf Wiedersehen zu sagen. Ich lüfte meine NY YANKEES Mütze und ziehe es vor, als nächstes zum “Tin City” (löblich: Zinnstadt) Einkaufsparadies zu rasen.
13.45 Uhr Weil ich unter enormen Zeitdruck stehe, stelle ich das KFZ kurzerhand vor dem Haupteingang ab. Im Anschluss laufe ich schnurstracks in einen DVD Laden, um nicht nur den von Sandra gewünschten Titel, sondern auch den Krimi “Non Stop” zu erwerben – was das wieder kostet.


Jim Jarmusch’s: Only Lovers Left Alive

14.30 Uhr Endlich bin ich wieder zu Hause und genehmige mir in der Küche ein vitaminreiches Wurstbrot sowie ein süffiges Budweiser. Ferner fülle ich Dixons Napf mit Wasser auf und lege mich dann aufs Kanapee.
15.30 Uhr Ich öffne die Augen und bemerke, dass Sandra immer noch nicht zurück ist. Da ich über alles informiert sein muss, tippe ich die Nummer meiner Mieterin in die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) ein und erhalte die Auskunft, dass das Kind gegen 17 Uhr nach Hause kommen wird. Sandra redet ohne Unterlass auf mich ein und sichert zu, ein reichhaltiges Abendessen zu organisieren.
16.00 Uhr Um die Nachmittagsstunden sinnvoll zu gestalten, setze ich mich an den Schreibtisch und komme meinen Pflichten als Anschnurseelsorger nach. Im Postkasten finde ich Depeschen besorgter Eltern vor und erfahre, dass Frau Lena F. aus Düsseldorf Probleme mit ihrem Sohn Kevin (16) hat. Anstatt brav zu sein, zieht es der Lausbube vor, sich in einem Jugendzentrum zu tummeln. Um schlimmeres Unheil abzuwenden, rate ich der Dame, dem Rüpel das Taschengeld zu streichen – so kann es jedenfalls nicht weitergehen.
17.00 Uhr Just als ich von der Leine gehe, kommt der FORD BRONCO Zweitwagen mit quietschenden Bremsen auf der Einfahrt zum stehen. Während ich skeptisch aus dem Fenster spähe, hievt Sandra mehrere Papiertüten von der Ladefläche und schnippt ihre Zigarette auf die Strasse – das ist ja allerhand.

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Nicht rauchen !!!

17.30 Uhr Nachdem das Mädchen ausführlich von ihrem Strandbesuch berichtet hat, können wir zu Abend essen. Ich decke den Tisch mit dem Porzellangeschirr ein und freue mich, gelbe Linsen, gebackene Teigtaschen sowie überbackene Fischfilets vorgesetzt zu bekommen. Als ich kraftvoll zubeisse, erzählt Sandra, dass sie die Speisen im “India Palace Restaurant” in Auftrag gegeben hat – schmeckt gar nicht schlecht.
18.30 Uhr Zu guter Letzt erledigen wir den Abwasch und machen es uns dann auf der Terrasse bequem. Ich nehme spornstreichs den neumodernen Filmprojektor in Betrieb und verfrachte die DVD “Only Lovers Left Alive” ins Abspielgerät. Anschliessend setze ich mich zu Sandra in die Hollywoodschaukel und gebe mich weinschlürfend der Geschichte eines Vampirs hin, der in Detroit ein einsames Leben führt – so ein Schmarrn.

20.30 Uhr Nach zwei Stunden flimmert der Abspann über die Leinwand. Ich komme aus dem Kopfschütteln gar nicht mehr heraus und gebe zu Protokoll, dass dieses Machwerk bestimmt keinen Oscar gewinnen wird. Sandra zuckt mit den Schultern und antwortet, dass der Streifen zu ihren Lieblingsfilmen zählt.
21.00 Uhr Nachdem ich die Fernbedienung an Sandra weitergereicht habe, ziehe ich mich gähnend ins Schlafzimmer zurück. Gute Nacht.