7. August 2017 – Ein Ausflug nach Barrie

08.00 Uhr Ich wische mir den Schlaf aus den Augen und habe beim Blick aus dem Fenster das Vergnügen, im nahegelegenen Wald ein grasendes Reh zu sehen. Wie es sich gehört, hüpfe ich augenblicklich aus dem Bett und läute den jungen Morgen mit dem Frühsport ein. Unterdessen flitzt Hund Dixon kläffend zum Lake Simcoe und badet seine Pfoten im kühlen Nass – da kommt grosse Freude auf.


Hund Dixon badet

09.00 Uhr Nachdem ich mich erfrischt habe, eile ich zum Haupthaus und treffe Edelbert sowie meine Familie beim Frühstück an. Ich setze mich augenblicklich dazu und mache mich über hausgemachte Pfannkuchen her. Nebenbei plaudere ich mit meinen Tischnachbarn und bringe heraus, dass Georg den Vormittag auf dem „Harbourview Golfplatz“ im Gilford verbringen wird. Ausserdem nimmt mich Maria skeptisch ins Visier und fordert mich auf, nach Barrie zu krusen und Lebensmittel einzukaufen. Als ich mich dem Professor zuwende, winkt er gelangweilt ab und meint, dass er vom heissen Wetter geschlaucht ist und mich nicht begleiten wird – das ist wieder typisch.
09.30 Uhr Weil auch Amanda und James keine Lust haben, die 130.000 Einwohner zählende Stadt zu besuchen, fasse ich den Entschluss, mich alleine auf den Weg zu machen. Mit hängendem Kopf leere ich mein Kaffeehaferl und lerne, dass ich neben Waren des täglichen Bedarfs auch Diät Cola, diverse Hochglanzmagazine, frisches Gemüse sowie DUNHILL Zigaretten für Amanda mitbringen muss – wie unlöblich.


Rauchen ist unlöblich

10.00 Uhr Wenig später setze ich mir die NY YANKEES Kappe auf und erhalte von James mehrere Dollarnoten mit dem Konterfei des kanadischen Politikers William Lyon Mackenzie King. Ich lasse das Geld in meiner Tschienstasche verschwinden und bitte David, mich zu begleiten. Zudem stelle ich dem 11jährigen ein Eis in Aussicht und gebe zu Protokoll, dass wir uns auch in einem Spielzeuggeschäft umsehen werden.
10.15 Uhr Nach kurzem Zögern folgt mit der Bube zum Wohnmobil und macht es sich auf dem Beifahrersitz bequem. Ich lasse schmunzelnd den Motor aufheulen und kruse hupend vom Hof. Um nicht durch die Kleinstadt Innisfil rasen zu müssen, folge ich der Gemeindestrasse 3 gen Westen und fahre zügig auf den Highway 400 auf, der uns im Handumdrehen nach Barrie bringt. Unterdessen weise ich auf die Tatsache hin, dass sich die Strasse auf knapp 350 Kilometern vom Huronsee bis nach Toronto erstreckt – wie schön.
11.00 Uhr Als erstes steuern wir den M&M Food Market an der Minet’s Point Road an und machen es uns zur Aufgabe, gesunde Fleisch- und Wurstwaren einzukaufen. Darüber hinaus nehme ich den von Amanda handschriftlich aufgesetzten Einkaufszettel in Augenschein und sehe mich ausserdem genötigt, zwielichtige Pflegeprodukte zu den anderen Waren zu legen – was muss ich denn noch alles ertragen.
12.00 Uhr Nach einer geschlagenen Stunde schleppen wir die Einkaufstüten zum Auto und kommen überein, dass wir als nächstes ein Delikatessgeschäft am Lakeshore Drive ansteuern müssen. David klatscht freudig in die Hände und lotst mich ruckzuck zur besagten Adresse.


Ich erwerbe gesunde Petersilie

12.45 Uhr Endlich treffen wir am Ziel ein und freuen uns, direkt neben Margarete’s Deli einen Tabakladen sowie eine Eisdiele zu entdecken. Verschwitzt laufen wir in den Feinkostladen und ordern vier Salatköpfe, Möhren, Petersilie sowie herzhaften Oka Cheese. Während die Verkäuferin die Produkte in Plastiktüten stopft, erzählt David, dass der Oka Käse in Quebec hergestellt wird und zu den beliebtesten Käsesorten Kanadas zählt – jaja.
13.30 Uhr Zu guter Letzt kaufen wir vier Schachteln DUNHILL Glimmstängel und kehren dann in die Eisdiele ein, um bei einer zuvorkommenden Kellnerin zwei grosse Eisbecher mit Sahne in Auftrag zu geben. Als ich zum Löffel greife, plappert David munter drauf los und verrät, dass er noch zwei Wochen am Lake Simcoe bleiben wird. Ich schlage in die gleiche Kerbe und verrate, dass ich ihm selbstverständlich Gesellschaft leisten werde. Mein Grossneffe ist begeistert und meint, dass wir in der kommenden Woche wieder nach Barrie fahren könnten.
14.15 Uhr Nachdem wir einen Spaziergang entlang des Lakeshore Drives unternommen und die an der Kempenfelt Bay vor Anker liegenden Motorboot beäugt haben, kehren wir zum WINNEBAGO zurück und treten die Heimfahrt an. Ich beschleunige das Wohnmobil auf schwindelerregende 40 Meilen pro Stunde und fröne während der Reise dem Qualitätsprogramm von KICX COUNTRY 106 – was kann es schöneres geben.


Es gibt Kuchen – wie schön

15.00 Uhr Pünktlich zum Dreiuhrläuten sind wir wieder in Gilford Beach und treffen Georg, Maria, James, Amanda und Edelbert beim Kaffeekränzchen an. Wir schleppen nörgelnd die Einkaufstüten ins Haus und setzen uns dann zu den anderen, um brühfrischen Bohnentrunk zu trinken. Maria versorgt uns lächelnd mit köstlichem Käsekuchen und beteuert, dass Morgen die McMullonds zum Mittagessen vorbeikommen werden – das ist mir Wurst.
16.00 Uhr Weil mir langsam die Augen zufallen, ziehe ich es vor, zum See zu schlendern und mich in einen Liegestuhl zu setzen. Dixon folgt meinem Beispiel und macht es sich vor meinen Füssen bequem – wie schön.
17.00 Uhr Nach einer Stunde weckt mich Edelbert und berichtet, dass Maria bald das Abendessen servieren wird. Ich lecke mir die Lippen und lasse es mir nicht nehmen, am Terrassentisch Platz zu nehmen. Meine Schwägerin lässt nicht lange auf sich warten und fährt reich belegte Wurstbrote auf – schmeckt gar nicht schlecht.

18.00 Uhr Nachdem wir die Geschirrspülmaschine in Betrieb gesetzt haben, legen wir im klimatisierten Wohnzimmer die Beine hoch und bedienen uns aus Georgs reichhaltiger Film- und Seriensammlung. James fischt lachend eine DVD aus dem Regal und sagt, dass wir uns den Abend mit dem 1980er Jahre Lichtspielhauserfolg „The Burbs“ (auf deutsch: Meine teuflischen Nachbarn) versüssen werden. Ich lehne mich neugierig zurück und tauche in die Welt von Familie Peterson ein, die sich mit sehr sonderbaren Nachbarn herumschlagen muss – wie lustig.
20.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung stelle ich das Bierglas beiseite und begleite Dixon noch einmal an den See. Anschliessend verabschiede ich mich ins Nebengebäude und bette mich gähnend zur Ruhe. Gute Nacht.