18. September 2013 – Thomas Kronach, One World Trade Center und Rum House

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07.45 Uhr Ich öffne die Augen und habe keine Orientierung. Erst als ich aus dem Fenster spähe und auf der gegenüberliegenden Strassenseite ein Delikatessengeschäft erblicke, fällt mir ein, dass ich mich seit gestern im grossen Apfel (unlöblich: Big Apple) tummle. Ich hüpfe freudig aus dem Bett und lasse es mir nicht nehmen, Dixon zu streicheln. Danach verschwinde ich im Badezimmer und entspanne mich bei einem Vollbad.
08.45 Uhr Kurz vor dem Neunuhrläuten klopft Edelbert an die Zimmertüre und erinnert an unser Treffen mit Thomas Kronach. Ich steige spornstreichs in die schweren Kuhjungenstiefel und entgegne, dass wir meinen ehemaligen Studienkollegen in einer Stunde im “Pershing Square” Gasthaus an der 42nd Strasse treffen werden. Edelbert nickt eifrig und tippt demonstrativ auf seine TIMEX Armbanduhr.
09.15 Uhr Wenig später finden wir uns am Times Square wieder und staunen angesichts der Menschenmassen nicht schlecht. Der Professor deutet nach Südosten und behauptet, dass wir zu Fuss gehen und Dixon etwas Auslauf verschaffen könnten – das ist eine hervorragende Idee.

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Lichtreklame am Times Square

09.45 Uhr Während unserer Wanderung passieren wir den Bryant Park und Edelbert hält wissenswerte Infos bereit. Unter anderem erfahre ich, dass die Grünanlage, die zwischen der 5th und 6th Avenue gelegen ist, eine wichtige Sehenswürdigkeit darstellt. Ich knipse ein schönes Photo und lerne, dass der Park an die Public Library (löblich: öffentliche Bücherei) angrenzt und nach dem Schriftsteller William Cullen Bryant benannt wurde.
10.15 Uhr Mit kurzer Verspätung treffen wir im “Pershing Square” Restaurant ein und können Thomas Kronach herzlich begrüssen. Der Advokat mustert mich ganz genau und sagt, dass ich blendend aussehe. Ich stimme prompt zu und gebe zu Protokoll, dass ich mich täglich mit der Morgengymnastik in Form halte. Anschliessend setzen wir uns an einen einladenden Fenstertisch und ordern bei einer schokoladenbraunen Kellnerin köstliche Frühstücke sowie brühfrischen Bohnentrunk – das schmeckt.
10.45 Uhr Als wir kraftvoll zubeissen, kommt Thomas auf seine Arbeit zu sprechen und kündigt an, dass er gleich mit seinem nagelneuen MERCEDES SLS zum berüchtigten “Rikers Island” Gefängnis fahren muss, um einen Klienten aus der Untersuchungshaft zu holen. Ich mache grosse Augen und bringe heraus, dass dem 59jährigen Italoamerikaner vorgeworfen wird, der Mafia anzugehören. Mein Studienfreund lacht laut und sagt, dass es ihm nicht schwer fallen wird, dem zuständigen Staatsanwalt Verfahrensfehler nachzuweisen. Ich seufze laut und antworte, dass wir währenddessen zum “One World Trade Center” fahren werden.
11.45 Uhr Nachdem wir uns für morgen zum Mittagessen im “Sofia’s” Italiengasthaus verabredet haben, verlassen wir die Gaststätte und winken ein Taxi herbei. Nach wenigen Sekunden kommt eine gelbe Limousine neben uns zum Halten und wir sehen uns mit einem deutschsprachigen Heini konfrontiert. Der gute Mann gibt sich uns als waschechter Schweizer zu erkennen und plappert davon, dass er vor 30 Jahren nach Amerika ausgewandert ist. Wir steigen gutgelaunt zu und fordern den Eidgenossen auf, uns nach Lower Manhattan zu kutschieren.
12.30 Uhr Endlich erreichen wir unser Ziel und stehen vor dem vierthöchsten Gebäude der Welt. Ich schaue fasziniert nach oben und erkläre Dixon, dass an dieser Stelle einst das World Trade Center (löblich: Welthandelszentrum) zu finden war. Prof. Kuhn schlägt in die gleiche Kerbe und erinnert daran, dass strenggläubige Mohammedaner die beiden Türme am 11. September 2011 zum Einsturz gebracht haben. Darüber hinaus berichtet mein Begleiter, dass der amerikanische Architekt David Childs anno 2006 beauftragt wurde, ein Baukonzept von Daniel Libeskind zu überarbeiten und das “One World Trade Center” zu entwerfen.

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One World Trade Center

13.30 Uhr Um einen genaueren Überblick zu bekommen, umrunden wir das Areal und lesen auf einer Tafel, dass die feierliche Eröffnung des “One World Trade Center” für den kommenden Frühling geplant ist – wie aufregend.
14.15 Uhr Bevor wir ins Stadtzentrum zurückkehren, besuchen wir das “9/11 Memorial Museum” und kommen in den Genuss, nicht nur Photografien des schrecklichen Terroranschlags, sondern auch eine im Boden eingelassene Metallplatte zu sehen, in die die Namen sämtlicher Opfer eingraviert wurden.
15.15 Uhr Nach einer Stunde haben wir alles gesehen und nehmen einen kurzweiligen Fussmarsch zur Wall Street auf uns. Nebenher plaudere ich mit Edelbert und rege für den Abend eine Einkehr ins “Rum House” an. Der Professor ist hellauf begeistert und sagt, dass er mich zum einen oder anderen Whiskey einladen wird.
16.00 Uhr Als die Sonne den wolkenverhangenen Himmel durchbricht, passieren wir die “New York Stock Exchange” (löblich: New Yorker Wertpapierbörse). Ich knipse erneut ein Photo und lasse Edelbert wissen, dass in diesem beeindruckenden Gebäude täglich Wertpapiere für Millionen Dollars gehandelt werden.
17.00 Uhr Nachdem ich mir bei einem Strassenverkäufer ein Weicheis (unlöblich: Softeis) geleistet habe, steigen wir in ein Taxi ein und krusen zum “Edison Hotel”. Edelbert reibt sich den Bauch und sagt, dass er hungrig ist.
17.45 Uhr Weil das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, ziehen wir es vor, uns an der Hotelrezeption nach einem guten Restaurant zu erkundigen. Der Knecht versorgt uns mit Ratschlägen und empfiehlt das “Scarlatto” in der direkten Nachbarschaft – das soll mir Recht sein.
18.30 Uhr Bei süffigem Rotwein und schmackhaften Nudeln planen wir den morgigen Tag und verabreden, ein interessantes Museum zu besuchen. Ich gebe mich jedoch skeptisch und merke an, dass Hunde in Ausstellungshallen nicht gerne gesehen sind. Mein Tischnachbarn kommt aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus und meint, dass wir Dixon als meinen Blindenhund ausgeben könnten – wie wahr.

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Hund Dixon gefällt es im grossen Apfel

19.30 Uhr Ein langer Tag neigt sich seinem Ende zu. Um endlich zur Ruhe zu kommen, lassen wir den Abend im “Rum House” ausklingen. Während das Bier in Strömen fliesst und die Pianistin das bekannte Lied “New York State of Mine” klimpert, seufze ich laut und stelle mir vor, in Manhattan zu leben. Edelbert zuckt mit den Schultern und meint, dass wir uns solchen Luxus ganz bestimmt nicht leisten können.
20.30 Uhr Um insgesamt 80 Dollars erleichtert, verabschiede ich mich von Prof. Kuhn und freue mich aufs Bett. Hund Dixon schleppt sich mit letzter Kraft ins Zimmer und rollt sich schnaufend ein. Unterdessen schlüpfe ich aus den Kleidern und lasse die Seele bei einer Dusche baumeln.
21.00 Uhr Anschliessend lege ich mich ins Bett und schaue noch etwas fern. Obgleich die “Wendy Williams” Sprechsendung läuft, fallen mir bald die Augen zu. Gute Nacht.