21. November – Village on Venetian Bay

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08.00 Uhr Die 47. Woche bricht an und ich erinnere mich, dass am Donnerstag Thanksgiving (löblich: Erntedank) gefeiert wird. Ich reibe mir die Hände und lasse Dixon wissen, dass wir bereits am vergangenen Donnerstag Lebensmittel für das Fest besorgt haben. Der Vierbeiner macht grosse Augen und animiert mich, ihn in den Garten hinaus zu lassen – das ist doch eine Selbstverständlichkeit.
08.30 Uhr Nachdem ich die Morgengymnastik absolviert habe, kehre ich in die klimatisierte Stube zurück und rufe bei Prof. Kuhn an. Mein Bekannter legt beste Laune an den Tag und vertellt, dass er gleich Frau Brandie Cream zum Frühstück treffen wird. Als mich der gute Mann zu einer gemeinsamen Jause im “Cafe Luna” einlädt, winke ich prompt ab und merke an, dass ich heute einen ruhigen Tag in der kleinen Villa verbringen werde.

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Die kleine Villa in Naples, FL

09.00 Uhr Anschliessend eile ich ins Bad, um die Wanne mit Wasser aufzufüllen. Dummerweise bimmelt schon bald die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und ich habe die zweifelhafte Ehre, mit Frau Pontecorvo tratschen zu müssen. Die Alte von nebenan wünscht mir einen guten Morgen und setzt mich darüber in Kenntnis, dass das “Village on Venetian Bay” Einkaufszentrum derzeit mit unschlagbaren Weihnachtsrabatten lockt. Ferner kommt die kleine Frau auf meine Thanksgiving Einladung zu sprechen und meint, dass es angebracht wäre, eine herbstliche Tischdecke für wenig Geld einzukaufen – das ist eine hervorragende Idee.
10.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 10 zugeht, hüpfe ich aus der Wanne und brühe mit dem futuristischen DeLonghi Vollautomaten kräftigen Bohnenkaffee auf. Ausserdem verzehre ich gesunde KELLOGGS Maisflocken und vergesse auch nicht, Dixons Napf mit ROYAL CANIN Trockenfutter aufzufüllen – wie gut das duftet.
10.30 Uhr Redlichst gestärkt beende ich die Brotzeit und eile nach nebenan, um Frau Pontecorvo abzuholen. Meine Nachbarin kommt aus dem Plappern gar nicht mehr heraus und sagt, dass sie den Abstecher in das Einkaufsparadies nutzen wird, um eine neue Batterie in ihre Armbanduhr einsetzen zu lassen. Ich nicke eifrig und stelle klar, dass wir anschliessend in der “Bayside Seafood Grill & Bar” Wirtschaft zu Mittag essen könnten.
10.45 Uhr Wenige Minuten später sitzen wir im geräumigen Chevrolet und rasen zu stimmungsvoller WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radiomusik gen Westen davon – was kann es schöneres geben.
11.30 Uhr Nachdem wir uns fünfundvierzig Minuten lang durch den zähfliessenden Stadtverkehr gequält haben, erreichen wir endlich das Schoppingareal und können den SUV auf dem Kundenparkplatz abstellen. Völlig entnervt nehme ich den Vierbeiner an die Leine und folge Frau Pontecorvo in die überlaufene Mall. Natürlich lotst mich die Dame spornstreichs in einen “Tommy Bahama” Kleidermarkt und meint, dass mir ein neues Hemd gut zu Gesicht stehen würde. Ich schüttle entschieden den Kopf und erwidere, dass mir leider das nötige Kleingeld für eine neue Garderobe fehlt.
12.30 Uhr Um weiteren Diskussionen aus dem Weg zu gehen, mache ich kehrt und suche mit meiner Nachbarin ein Uhrengeschäft auf. Meine Begleiterin streift ihren Chronographen vom Handgelenk und bittet den Verkäufer, die Batterie auszutauschen. Bei dieser Gelegenheit nehme ich die feilgebotenen Uhren in Augenschein und habe das Vergnügen, das nagelneue “ROLEX Datejust 41” Modell in der Auslage zu sehen – sieht wirklich prima aus.

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Ich esse ein gesundes Schnitzel

13.00 Uhr Dreissig Minuten später finden wir uns im “Bayside” Gasthaus wieder und lassen uns an einem Tisch mit Ausblick auf die Inner Doctors Bucht nieder. Ein hochnäsiger Kellner lässt nicht lange auf sich warten und nimmt die Bestellung auf. Während sich meine Tischnachbarin für gedünstete Calamari (löblich: Tintenfische) entscheidet, ordere ich kurzerhand ein saftiges Porterhouse Steak mit Kartoffeln und Gemüse.
14.00 Uhr Als ich mit dem Besteck klappere, löchert mich Frau Pontecorvo mit Fragen und ich sehe mich genötigt, Einzelheiten bezüglich der Wohnmobilüberführung im Januar preiszugeben. Obgleich ich der kleinen Frau keine Rechenschaft schuldig bin, plaudere ich aus dem Nähkästchen und gebe bekannt, dass wir im neuen Jahr Georgs Campingbus von Toronto nach Naples überstellen müssen. Zudem verrate ich, dass ich mit Sandra und Edelbert im grossen Apfel (unlöblich: Big Apple) einen Zwischenstopp einlegen werde – das wird phantastisch.

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Bald bin ich im grossen Apfel

15.00 Uhr Nachdem wir die Mahlzeit mit Schaumkaffees abgerundet haben, schlendern wir weiter durch das Kaufhaus und kommen überein, dass wir in den angesagten Boutiquen keine preiswerte Tischdecke finden werden. Ich seufze laut und ziehe es vor, den Ausgang anzusteuern und Hund Dixon auf die Ladefläche des SUVs zu hieven.
15.45 Uhr Nachdem ich meine Nachbarin per Handkuss verabschiedet habe, stosse ich die Haustüre auf und falle erschöpft aufs Kanapee. Hund Dixon macht es sich währenddessen auf dem Orientteppich bequem und freut sich, mit einem Spielzeug quietschen zu können – gleich platzt mir der Kragen.
16.45 Uhr Ich erwache ausgeruht und schenke mir ein köstliches Weissbier ein. Danach mache ich mich in der Küche nützlich und backe eine leckere Thunfischpizza im Ofen auf – schon jetzt läuft mir das Wasser im Mund zusammen.

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Auch eine Pizza ist sehr vitaminreich

18.00 Uhr Nachdem ich die italienische Nationalspeise verzehrt und in der Küche für Ordnung gesorgt habe, lege ich in der guten Stube die Beine hoch. Wie es sich gehört, folge ich interessiert den FOX Nachrichten und mache mich über die politischen Geschehnisse im Lande schlau. Ausserdem telefoniere ich mit Edelbert und kündige an, dass ich ihn morgen in der Stadt besuchen werde.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit wechsle ich auf NETFLIX und erfreue mich an der Seifensendung “Unbreakable Kimmy Schmidt”. Das mehrteilige Fernsehspiel handelt von einer 29jährigen Dame, die 15 Jahre in den Fängen einer Sekte zubringen und in einem düsteren Bunker leben musste – wie unlöblich.
21.00 Uhr Nach vier Episoden schalte ich den neumodernen Farbfernseher kopfschüttelnd aus und ziehe mich gähnend ins Schlafzimmer zurück. Gute Nacht.

27. November 2015 – Black Friday

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08.00 Uhr Ich werde in aller Frühe durch aggressives Telefonläuten aus einem schönen Traum gerissen. Zu allem Überfluss meldet sich Edelbert und erinnert, dass der Freitag nach Thanksgiving (löblich: Erntedank) auch “Black Friday” (löblich: Schwarzer Freitag) genannt wird. Ich nicke eifrig und bringe weiter heraus, dass sich der Professor gemeinsam mit seinem Sohn ins Getümmel stürzen und im Stadtzentrum abschoppen möchte. Als mich der schlaue Mann zu einem Bummel entlang der 5th Avenue einlädt, winke ich ab und gebe zu Protokoll, dass ich heute keinen Schritt vor die Türe wagen werde – wo kämen wir denn da hin.

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In der Innenstadt wird heute geschoppt

08.30 Uhr Just als ich auf die Terrasse trete und ein Rad schlage, kommt Frau Pontecorvo daher und macht mich darauf aufmerksam, dass viele Menschen den “Black Friday” als Brückentag nutzen, um Weihnachtseinkäufe zu tätigen. Ich zucke mit den Schultern und entgegne, dass ich aus genau diesem Grund zu Hause bleiben werde.
09.00 Uhr Nachdem meine Nachbarin das Weite gesucht hat, verabschiede ich mich in die Nasszelle. Während des Wirbelbades lausche ich dem Programm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und habe das zweifelhafte Vergnügen, penetranter Radiowerbung ausgesetzt zu sein. Der Moderator bringt ebenfalls den “Black Friday” ins Spiel und plappert davon, dass er gleich nach Sendeschluss in Fort Myers abschoppen wird – papperlapapp.
10.00 Uhr Missmutig steige ich aus der Wanne und ziehe es vor, Hund Dixon ins Haus zu rufen und im Wohnzimmer ein reichhaltiges Frühstück einzunehmen. Als ich meine staubtrockne Kehle mit brühfrischem Earl Grey (löblich: Graf Grau) Tee durchspüle, schalte ich die Glotze ein und komme in den Genuss, den Vorspann zum Weihnachtsfilm “National Lampoon’s Christmas Vacation” (auf Deutsch: Schöne Bescherung) zu sehen. Ich rolle demonstrativ mit den Augen und komme zu dem Ergebnis, dass es heutzutage gar nicht so leicht ist, sich dem Weihnachtstrubel zu entziehen.

10.45 Uhr Redlichst gestärkt stelle ich das Geschirr in die Spüle und mache es mir zur Aufgabe, den Karton mit der Weihnachtsdekoration aus der Garage zu holen. Im Anschluss schmücke ich unter den skeptischen Blicken meines Haustieres die gute Stube mit Weihnachtspyramiden aus dem Erzgebirge. Darüber hinaus sprühe ich künstlichen Schnee an die Fensterscheiben und bemerke, dass bei dieser Affenhitze kaum Weihnachtsstimmung aufkommen will – wie schade.
11.30 Uhr Schweissgebadet beende ich mein Werk und schenke mir ein süffiges Budweiser ein. Nebenher rufe ich bei Sandra an und höre, dass das unterbelichtete Mädchen für morgen einen Flohmarktbesuch ins Auge gefasst hat. HEUREKA – diesen Unsinn muss man gehört haben.
12.00 Uhr Pünktlich zur Mittagszeit wünsche ich dem Kind ein schönes Wochenende und knalle den Hörer auf die Gabel. Danach mache ich mich in der Küche nützlich und verfrachte eine Tiefkühlpizza in den Backofen.
12.45 Uhr Dummerweise wird die Ruhe zeitnah durch ohrenbetäubendes Klingeln unterbrochen. Als ich die Pforte schwungvoll öffne, sehe ich mich mit der Dame von nebenan konfrontiert. Frau Pontecorvo schiebt mich zur Seite und informiert, dass sie im Supermarkt Lebensmittel eingekauft hat und noch heute Weihnachtsplätzchen backen wird. Wie es sich gehört, lotse ich die Alte ins Wohnzimmer und spendiere ihr ein Tasse Kaffee. Ferner lasse ich mir die Pizza schmecken und stelle klar, dass ich in der Zwischenzeit die kleine Villa geschmückt habe.

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Pizza schmeckt prima

13.45 Uhr Nachdem endlich Ruhe im Eigenheim eingekehrt ist, gönne ich mir eine kleine Pause. Ich schliesse die Augen und schlummere bald ein, um von meiner letzten Forschungsreise nach Rom zu träumen.
14.45 Uhr Weil Dixon langsam unruhig wird, greife ich zur Hundeleine und breche mit dem Vierbeiner zu einem erquickenden Spaziergang auf. Mit einer schönen Melodie auf den Lippen überquere ich die stark befahrene Immokalee Road und stehe plötzlich vor der einladenden “Pelican Larry’s Raw Bar & Grill” Wirtschaft. Achselzuckend stosse ich die Türe auf und wünsche dem Wirt einen guten Tag. Herr Larry begrüsst mich herzlich und versorgt mich mit einem Pitcher (löblich: Krug) Miller Bier – wie schön.

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Ich nehme einen kräftigen Schluck

15.30 Uhr Ich nehme einen kräftigen Schluck und erzähle, dass mich der Weihnachtstrubel bald in den Wahnsinn treibt. Der Gaststättenbetreiber schlägt in die gleiche Kerbe und nimmt sich das Recht heraus, mir einen Tequila auszugeben. Ausserdem vernehme ich, dass Herr Larry die Weihnachtszeit zum Anlass nehmen wird, um nach Colorado auszufliegen. Als ich genauer nachfrage, rückt der Bartträger mit der ganzen Wahrheit heraus und berichtet, dass er in Denver Verwandte besuchen und “Mules” (löblich: Maultierhirsche) jagen wird – wie aufregend.
16.00 Uhr Nach dem Umtrunk beschere ich dem Wirt ein stattliches Trinkgeld und mache mich auf den Heimweg. Pfeifend werfe ich dem Vierbeiner Stöckchen zu und animiere ihn, beim Überqueren der Immokalee Road grösste Vorsicht an den Tag zu legen – immerhin kann man jugendlichen Autofahrern nicht über den Weg trauen.
16.45 Uhr Zuhause angekommen, schlüpfe ich aus den schweren Kuhjungenstiefeln und mache es mir in der Hollywood Schaukel bequem, um in der Tageszeitung zu blättern.
17.30 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, das Abendessen vorzubereiten. Um auch Dixon etwas Gutes zu tun, fülle ich seinen Napf mit ROYAL CANIN Trockenfutter auf. Anschliessend nehme ich selbst mit einer kalten Wurstplatte und köstlichem Weissbrot Vorlieb.

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Ich lasse mir Wurstbrute schmecken

18.00 Uhr Nachdem ich in der Küche für Sauberkeit gesorgt habe, rufe ich noch einmal bei Edelbert an und erkundige mich nach dem Rechten. Mein Bekannter lässt seine Tageserlebnisse Revue passieren und setzt mich darüber in Kenntnis, dass die Geschäfte überlaufen waren. Zudem bringt der Professor die Abreise seines Sohnes am Sonntag zur Sprache und lotet aus, ob wir morgen eine Abschiedsfeier ausrichten wollen.
19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit gebe ich mich dem Qualitätsprogramm von HBO hin und fröne den letzten Folgen der preisgekrönten Kriminalserie “True Detectives”. Ich schaufle Lay’s Kartoffelchips in mich hinein und werde Zeuge, wie die Staatspolizisten Cohle und Hart einen gemeingefährlichen Serienmörder zur Strecke bringen.
21.00 Uhr Nach zwei nervenaufreibenden Stunden, betätige ich den “OFF” (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung und ziehe mich gähnend ins Schlafzimmer zurück. Gute Nacht.

26. November 2015 – Thanksgiving

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Sehr geehrte Damen und Herren,

wie jedes Kind weiss, ist “Thanksgiving” ein staatlicher Feiertag, der alljährlich am vierten Donnerstag im November begangen wird. Thanksgiving ist gleichzeitig das wichtigste Familienfest des Jahres und soll an die mutigen Menschen erinnern, die einst dieses wunderschöne Land besiedelten und von freundlichen Ureinwohnern mit Schmankerln aller Art versorgt wurden.

Zum traditionellen Thanksgiving Festschmaus gibt es Gerichte, die aus ursprünglichen amerikanischen Lebensmitteln hergestellt werden. Neben einem stattlichen Truthahn dürfen ein schmackhafter Kürbisauflauf, Süsskartoffeln und gebratene Maiskolben nicht fehlen – wie schön.

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Ein lustiger Maiskolben

Da ich ein Meisterkoch bin und es jederzeit mit Paul Bocuse und/oder den RTL 2 Kochprofis aufnehmen kann, habe ich mich entschlossen, zur Feier des Tages meine Bekannten in die kleine Villa einzuladen. Ich werde meine Freunde mit einem köstlichen Nudelgericht und einer vitaminreichen Vanillecreme überraschen

Den Abend werden wir standesgemäss im “Boston Beergarden” ausklingen lassen und auf einer Grossbildleinwand das Football (löblich: Fussball) Spitzenspiel “Chicago Bears” gegen die “Green Bay Packers” sehen – das wird ein Vergnügen.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Feiertag
Reinhard Pfaffenberg

28. November 2014 – Knödel zum Frühstück

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08.00 Uhr Ich läute den letzten Novemberfreitag mit der Morgengymnastik ein und freue mich, als sich plötzlich Frau Pontecorvo an meine Seite gesellt. Die Gute reibt sich den Bauch und behauptet, dass sie heute fasten und auf das Frühstück verzichten wird. Lachend deute ich zur Küche und erwähne, dass noch etwas Truthahn sowie Kartoffelknödel auf dem Herd stehen. Meine Nachbarin lehnt dankend ab und schlägt vor, dass ich die Reste zum Frühstück verzehren könnte – das ist gar keine schlechte Idee.
08.30 Uhr Nach der Plauderei entspanne ich mich bei einem Wirbelbad und erinnere mich, dass ich bereits in drei Wochen nach Kanada ausfliegen und meine Familie wiedersehen werde. Um nicht mit leeren Händen in Toronto anzukommen, lasse ich Dixon wissen, dass wir gleich im WAL MART Präsente kaufen werden – wie aufregend.

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Heute kruse ich zum WAL MART

09.30 Uhr Bevor ich mich auf den Weg zum Schoppingparadies mache, lasse ich mir etwas Truthahnbrust sowie zwei vitaminreiche Knödel schmecken. Nebenher telefoniere ich mit Edelbert und erfahre, dass meinem Bekannten das Thanksgiving Essen wie ein Stein in Bauch liegt. Der Professor gibt sich betrübt und kündigt an, zur Apotheke zu marschieren und sich Tabletten gegen Sodbrennen zu kaufen. HEUREKA – diesen Unsinn muss man gehört haben.
10.00 Uhr Im Anschluss scheuche ich den Rüden zum Auto. Wie es sich für einen Tierfreund gehört, helfe ich Dixon auf die Rückbank und kruse dann zum 10 Meilen entfernten WAL MART SUPERCENTER in East Naples (löblich: Ost Naples). Unterdessen fröne ich angesagten Schlägen (unlöblich: Hits) auf WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und lerne, dass das aktuelle Garth Brooks Meisterwerk “Man Against Machine” (löblich: Mann gegen Maschine) alle Rekorde bricht. Der Radiomoderator kommt aus dem Staunen gar nicht mehr heraus und rechnet vor, dass der Künstler im Laufe seiner Karriere knapp 70 Millionen Tonträger verkauften konnte – das ist phantastisch.
10.30 Uhr Endlich bin ich am Ziel und nehme Dixon an die Leine. Als ich das Kaufhaus betrete, stellt sich mir eine Marktmitarbeiterin in den Weg und erörtert, dass Haustiere keinen Zutritt haben. Ich seufze laut und flunkere, dass ich am “grauen Star” leide und auf meinen Blindenhund nicht verzichten kann. Die Dame schenkt mir ein Lächeln und entgegnet, dass ich unter diesen Umständen den Vierbeiner gerne mitnehmen kann – wie schön.

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Hund Dixon begleitet mich in den Supermarkt

11.00 Uhr Als erstes sehe ich mich in der Multimediaabteilung um und stosse auf den Kriegsfilm “The Dirty Dozen” (auf deutsch: Das dreckige Dutzend). Weil besagter Film im Jahre 1967 mit einem Oscar bedacht wurde, ringe ich mich dazu durch, ein Exemplar für David (9) zu erwerben – der Kleine wird vor Freude auf und ab hüpfen.


Ein spannender Kriegsfilm für David (9)

11.30 Uhr Obwohl ich keinen Goldesel im Vorgarten stehen habe, investiere ich weitere Scheine in eine George Strait Weihnachtskompaktscheibe, ein modisches Halstuch für Maria sowie den nagelneuen John Grisham Roman “Gray Mountain” (löblich: Grauberg).
12.00 Uhr Zu guter Letzt finde ich mich bei den Küchen- und Haushaltsgeräten ein und nehme mir das Recht heraus, eine Kartoffelschälmaschine für Amanda vom Regal zu nehmen. Ich präsentiere meinem tierischen Begleiter das technische Wunderwerk und erkläre, dass dieses Gerät Amanda viel Arbeit bei der Kartoffelstabherstellung abnehmen wird. Danach laufe ich zur Kasse und sehe mich genötigt, knapp 120 Dollars zu bezahlen – wo soll das noch hinführen.
12.30 Uhr Nach neunzig Minuten verlasse ich das Geschäft und kehre mit Dixon ins benachbarte “Chili’s” Grillgasthaus ein. Völlig erschöpft lasse ich mich an einem Tisch nieder und ordere bei einer Kellnerin “Buffalo Wings” (löblich: Buffaloflügel) sowie eine Portion “Classic Nachos” (löblich: Klassische Nachos). Ausserdem spüle ich meine ausgetrocknete Kehle mit hausgemachter Erdbeermilch durch – schmeckt gar nicht schlecht. 13.15 Uhr Nachdem ich mich im Waschraum erfrischt habe, schleppe ich mich zum SUV und fahre zügig in Richtung Willoughby Drive davon. Während ich das Auto auf schwindelerregende 40 Meilen beschleunige, lasse ich das Fenster nach unten gleiten und erfreue mich an der kühlen Brise.
14.00 Uhr Zuhause angekommen, steige ich aus den Kuhjungenstiefeln und bette mich in der klimatisierten Stube zur Ruhe. Ich döse prompt ein und sehe mich im Traum auf die verstaubten Pfade des Appalachian Trails versetzt.
15.00 Uhr Leider wird die Ruhe bald durch einen Anruf gestört. Ich nehme das Telefonat verschlafen an und bin überrascht, die Stimme meines Bruders zu hören. Georg begrüsst mich herzlich und erkundigt sich, wie ich Thanksgiving verbracht habe. Natürlich lasse ich meine Erlebnisse in allen Einzelheiten Revue passieren und erwähne, dass ich Gäste bekocht habe. Mein Bruder ist begeistert und sagt, dass er mit seiner Ehefrau und den Kindern einen Ausflug zu seiner Tochter Carol unternommen hat – das ist spitze.
15.45 Uhr Nach dem Gespräch brühe ich Bohnentrunk auf und setze mich an den Schreibtisch. Mit flinken Fingern navigiere ich durchs Internetz und studiere Hilferufe besorgter Eltern. Unter anderem rate ich einem Vater (59) aus Herne, seinem Sohn (7) kein strahlendes Handtelefon unter den Christbaum zu legen.


Neumoderne Handtelefone – Nein Danke

16.45 Uhr Kurz vor dem Fünfuhrläuten gehe ich von der Leine und rufe Dixon ins Haus. Anschliessend mache ich mich in der Küche nützlich und brate ein Steak (löblich: Schnitzel) im heissen Fett heraus. Zudem schwenke ich Buttergemüse in der Pfanne und zaubere im Handumdrehen eine nahrhafte Beilage – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nachdem ich die Geschirrspülmaschine in Betrieb genommen haben, mache ich es mir im Wohnzimmer gemütlich. Ich folge gespannt den FOX Nachrichten und fröne ausserdem einer Quizshow (löblich: Ratesendung) namens “Red Button” (löblich: Roter Knopf) – da kommt Freude auf.

19.00 Uhr Zur beste Fernsehzeit wechsle ich auf den Bezahlsender HBO, wo just im Augenblick der Vorspann zum abendfüllenden Spielfilm “L.A. Confidential” läuft. Ich genehmige mir ein Gläschen Rotwein und gebe mich der Geschichte einiger Polizeibeamter hin, die den Mord an drei Ganoven aufklären müssen.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung schalte ich die Glotze aus und ziehe mich ins Schlafzimmer zurück. Gute Nacht.

27. November 2014 – Thanksgiving

tg

Sehr geehrte Damen und Herren,

wie jedes Kind weiss, ist “Thanksgiving” ein staatlicher Feiertag, der alljährlich am vierten Donnerstag im November begangen wird. Thanksgiving ist gleichzeitig das wichtigste Familienfest des Jahres und soll an die mutigen Menschen erinnern, die einst dieses wunderschöne Land besiedelten und von freundlichen Ureinwohnern mit Schmankerln aller Art versorgt wurden.

Zum traditionellen Thanksgiving Festschmaus gibt es Gerichte, die aus ursprünglichen amerikanischen Lebensmitteln hergestellt werden. Neben einem stattlichen Truthahn dürfen ein schmackhafter Kürbisauflauf, Süsskartoffeln und gebratene Maiskolben nicht fehlen – wie schön.

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Ein lustiger Maiskolben

Da ich ein Meisterkoch bin und es jederzeit mit Paul Bocuse und/oder den RTL 2 Kochprofis aufnehmen kann, habe ich mich entschlossen, zur Feier des Tages meine Bekannten in die kleine Villa einzuladen. Ich werde meine Freunde mit einem köstlichen Truthahnbraten, bayerischen Kartoffelknödel, Süsskartoffeln und einer vitaminreichen Vanillecreme überrascht.

Den Abend werden wir standesgemäss im “Boston Beergarden” ausklingen lassen und auf einer Grossbildleinwand das Football (löblich: Fussball) Spitzenspiel “Seattle Seahawks” gegen die “San Francisco 49” sehen – das wird ein Vergnügen.

Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Feiertag
Reinhard Pfaffenberg