5. Dezember 2018 – Regen, nichts als Regen

08.00 Uhr Ich öffne die Augen und stelle beim Blick aus dem Fenster fest, dass ein Wolkenbruch niedergeht und den gepflegten Vorgarten in eine Sumpflandschaft verwandelt. Auch Hund Dixon steht mit grossen Augen vor der Terrassentüre und weigert sich standhaft, nach draussen zu laufen – das ist ja allerhand.


Dixon bleibt in der trockenen Stube

08.30 Uhr Nachdem ich die Morgengymnastik in der trocknen Stube absolviert habe, lasse ich die Seele bei einem lustigen Wirbelbad baumeln. Darüber hinaus telefoniere ich mit Prof. Kuhn und bringe heraus, dass mein Bekannter ebenfalls keinen Fuss vor die Türe setzen wird. Edelbert schimpft wie ein Rohrspatz und kündigt an, sich während der kommenden Stunden aufschlussreichen Dokumentationen auf NETFLIX hingeben zu wollen. Unter anderem lerne ich, dass sich Edelbert das Fernsehspiel “Food, Inc.” ansehen möchte, welches sich mit der Monopolisierung der Lebensmittelindustrie auseinandersetzt – das hört sich langweilig an.
09.30 Uhr Sechzig Minuten später beende ich die Morgenwäsche und ziehe es vor, mich modisch zu kleiden und trotz des Regens meiner Nachbarin einen Überraschungsbesuch abzustatten. Frau Pontecorvo öffnet badebemäntelt die Pforte und beteuert, dass sie etwas länger geschlafen hat. Ich winke demonstrativ ab und entgegne, dass ich grossen Hunger mitgebracht habe. Meine Nachbarin winkt mich gähnend herein und macht es sich zur Aufgabe, Kaffee aufzubrühen und mich mit einer stattlichen Portion Rühreier zu verwöhnen. Wie es sich gehört, greife ich spornstreichs zur Gabel und merke an, dass das Frühstück prima schmeckt. Meine Tischnachbarin nippt zufrieden am Kaffeehaferl und sagt, dass das regnerische Wetter dazu einlädt, sich aufs Kanapee zu legen und ein Buch zu lesen – jaja.


Meine Terrasse

10.15 Uhr Um Frau Pontecorvo nicht weiter zu stören, wünsche ich ihr einen schönen Nachmittag und fasse den Entschluss, nach Hause zu gehen. Ruckzuck kehre ich zur kleinen Villa und erkenne, dass der Vierbeiner in den Garten gelaufen ist, um ein Eichhörnchen zu jagen. Fluchend rufe ich nach Dixon und drohe, ihn noch heute ins Tierheim zu bringen – gleich platzt mir der Kragen.
10.45 Uhr Nachdem ich Dixons Fell trocken gerieben habe, schnappe ich mir ein Bier aus dem Eiskasten und mache es mir vor der Glotze bequem. Missmutig quäle ich mich durch die zahlreichen Programme, um nach kurzer Suche auf einem lokalen Sender hängen zu bleiben. Ein schlechtgekleideter Neger namens Phil plappert Unsinn und möchte von einer übergewichtigen Blondine wissen, ob sie mittlerweile alle Weihnachtsgeschenke eingekauft hat. Ich rolle entnervt mit den Augen und wechsle auf NETFLIX, um nach der von Edelbert empfohlenen Dokumentation zu suchen. Alsbald werde ich fündig und habe das Vergnügen, einen Einblick in die Lebensmittelindustrie zu bekommen. Ich staune nicht schlecht und lerne, dass es in den Vereinigten Staaten nur noch etwa 30 Schlachthöfe gibt, die für die amerikanische Fleischproduktion verantwortlich sind – wie schrecklich.

12.15 Uhr Kurz nach dem Mittagsläuten flimmert der Abspann über die Mattscheibe und ich atme tief durch. Weil mir der Appetit vergangen ist, verzichte ich auf ein reichhaltiges Mittagessen und nehme mit einem Apfel Vorlieb. Darüber hinaus fresse ich einen Joghurt und schaue wehmütig in den Garten, um Hund Dixon wissen zu lassen, dass an einen Spaziergang nicht zu denken ist – wie schade.
12.45 Uhr Trotz aller Widrigkeiten lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und bette mich auf dem Sofa zur Ruhe. Schon bald döse ich ein und träume vom anstehenden Wiedersehen mit meiner Familie – das wird ein Spass.
13.45 Uhr Leider wird mein Müssiggang bald durch das fiepende Haustier gestört. Ich rolle mich vom Kanapee und stelle wohlwollend fest, dass der Regen mittlerweile nachgelassen hat. Um dem Rüden etwas Auslauf zu bescheren, öffne ich die Terrassentüre und scheuche ihn an die frische Luft.
14.15 Uhr Anschliessend nehme ich am Schreibtisch Platz und kümmere mich um Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher. Wie fast jeden Tag schufte ich auch heute hart und rate verzweifelten Eltern, mit den unflätigen Jugend hart ins Gericht zu gehen – alles darf man sich auch nicht gefallen lassen.
15.15 Uhr Zum Abschluss der Anschnursitzung studiere ich die Einträge im Gästebuch und ärgere mich, weil schon wieder unterbelichtete Dreikäsehochs beleidigende Einträge hinterlassen haben – wie unlöblich.
15.30 Uhr Weil Dixon noch immer nicht zurück ist, fahre ich das WINDOWS (löblich: Fenster) Betriebssystem mausdrückend herunter und eile nach draussen, um den Namen meines Haustieres zu rufen. Bereits nach wenigen Sekunden flitzt Dixon kläffend über das satte Grün und animiert mich, die Hundeleine zu schnappen und mit ihm Gassi zu gehen – das ist doch eine Selbstverständlichkeit.
16.30 Uhr Nachdem wir durchs Wohngebiet spaziert sind, stosse ich die Haustüre auf und kümmere mich um das Abendessen. Ich schwenke gesundes Butterschmalz in einer Pfanne und zaubere im Handumdrehen ein asiatisches Fertiggericht mit Reis, Gemüse und Hühnerfleisch – wie gut das duftet.


Ich informiere mich aus erster Hand

17.30 Uhr Nach der Hausarbeit nehme ich im Ohrensessel platz und freue mich auf einen gepflegten Fernsehabend. Als erstes fröne ich den Nachrichten auf FOX und lerne, dass es während der kommenden Tage schwülwarm und sehr sonnig werden wird – das hört man gerne.
18.30 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, schalte ich auf den HBO um und gebe mich dem Lichtspielerfolg “Interstellar” hin. Der preisgekrönte Zukunftsfilm handelt von einer Raumschiffmannschaft, die mit der Aufgabe betraut wird, jenseits dieser Galaxie nach Lebensräumen für die Menschheit zu suchen – wie aufregend.
21.00 Uhr Nach zweieinhalbstündiger Spitzenunterhaltung schalte ich die Glotze aus und begleite Dixon noch einmal in den Garten. Danach lösche ich das Licht und lege mich ins Bett. Gute Nacht.

18. und 19. August – Florida und OITNB

Hallo Leute,

Amanda, James und David urlauben derzeit in Florida.
Ich finde es richtig schade, dass ich Reinhards Verwandte während meines Aufenthalts nicht treffen konnte 🙁

Gestern hab’ ich aber mit Amanda telefoniert und wir haben vereinbart, dass ich im Januar 2019 nach Toronto fliegen und zwei Wochen den kanadischen Winter geniessen werde. Natürlich hab ich mich gleich auf Expedia.de schlau gemacht und mir einen geeignete und auch preiswerte Flugverbindung ausgesucht. Bald werde ich buchen und mindestens zwei Wochen in Kanadas grösster Metropole verbringen 🙂

Die Woche war richtig chillig.
Es war zu warm und viele Kollegen sind im Urlaub. Grund genug, um eine ruhige Kugel zu schieben und sich hinter dem PC-Bildschirm zu verstecken. Ausserdem habe ich die Ruhe genutzt, um mir während der Arbeitszeit auf NETFLIX die neue Staffel der Knastserie “Orange Is The New Black” komplett anzuschauen. Wie ihr sicher wisst, haben die taffen Ladies des Frauengefängnisses Lichtfield den Knast zum Ende der 5. Staffel komplett zerstört. Deswegen werden sie nun in ein neues Gefängnis verlegt. Dort wird es für die Frauen nicht gerade einfacher, denn im Hochsicherheitstrakt herrschen neue Regeln und vor allem neue Hierarchien …


Happy Birthday Frau Pontecorvo

Okay, jetzt muss ich mich aber schick machen. Heute geht es nämlich mit Cousin Bernd und Mitbewohnerin Bärbel zum Gäubodenvolksfest ins niederbayerische Straubing. Ausserdem muss ich noch in Florida anrufen und Frau Pontecorvo Geburtstagswünsche übermitteln …

Eure Sandra

31. August 2015 – Der letzte Augusttag

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08.00 Uhr Der letzte Augusttag beginnt und ich hüpfe gähnend aus dem Bett. Zu allem Überfluss stürmt der Vierbeiner ins Schlafzimmer und schleckt mir über das Gesicht. Ich komme aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und erkläre dem Rüden, dass in drei Wochen Robert Pfaffenberg zu Besuch kommen wird. Ferner erinnere ich daran, dass in zwei Wochen auch Georg und Maria nach Florida kommen werden.
08.30 Uhr Weil mich mein Bruder gebeten hat, in regelmässigen Abständen im Ferienhaus nach dem Rechten zu sehen, entschliesse ich mich, gleich nach dem Frühstück zum Lowbank Drive zu krusen. Zuvor stelle ich jedoch die Kaffeemaschine ein und vergesse auch nicht, Edelbert über mein Vorhaben in Kenntnis zu setzen. Mein Bekannter ist begeistert und verspricht, eine kleine Brotzeit zu besorgen und mich im Ferienhaus zu treffen.

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Meine praktische Schwarzbeere

09.00 Uhr Pfeifend verabschiede ich mich in die Nasszelle und entspanne mich bei einem prima Wirbelbad. Unterdessen tippe ich die Nummer meiner Liebsten in die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) ein und erfahre von meinem Bruder, dass in der kommenden Woche eine Fachfirma im Lowbank Drive anrücken wird, um den Pool zu reinigen – das soll mir auch Recht sein.
10.00 Uhr Nachdem ich mich in Schale geworfen und ein kleines Frühstück verzehrt habe, lotse ich Hund Dixon zum Chevrolet und schicke mich an, ohne Umwege zum Lowbank Drive zu rasen. Nebenher lausche ich den angesagten Schlägen (unlöblich: Hits) auf WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und vernehme, dass die Südstaatencombo “Alabama” am 18. September ein neues Studioalbum mit dem Titel “Southern Drawl” (löblich: Südliche Sprache) veröffentlichen wird – das ist phantastisch.


Alabama – Southern Drawl

10.45 Uhr Wenig später komme ich vor der Villa meines Bruder zum Stehen und freue mich, Edelbert und Herrn Wongler anzutreffen. Der Tattergreis heisst mich herzlich Willkommen und zögert nicht, uns zu einem kleinen Umtrunk in sein Zuhause einzuladen. Wir folgen dem alten Mann spornstreichs in die Villa und werden Zeugen, wie er eine Flasche Gin aus dem Eiskasten holt. Während Edelbert grosse Augen macht, erhebe ich Einspruch und stelle klar, dass ich vor dem Mittagsläuten keine hochprozentigen Getränke konsumieren werde. Herr Wongler blickt traurig drein und serviert stattdessen durstlöschendes Budweiser – wie schön.

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Wir trinken Budweiser – das tut gut

11.30 Uhr Während wir unsere trockenen Hälse durchspülen, komme ich auf meine Verwandten zu sprechen und verrate Herrn Wongler, dass Georg und Maria bald nach Naples kommen werden. Der hochdekorierte Vietnamveteran leckt sich den Bierschaum von der Oberlippe und animiert uns, doch einen Schluck Gin zu probieren – gleich platzt mir der Kragen.
12.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, nach nebenan zu gehen. Wir wünschen Herrn Wongler alles Gute und eilen dann zum Nachbarhaus. Während Edelbert die mitgebrachten Sandwiches auf einem Teller anrichtet, öffne ich die Terrassentüre und sehe, wie ein frecher Waschbär durch den Garten flitzt. Wildgestikulierend scheuche ich Dixon an die frische Luft und trage ihm auf, dem Petz den Gar auszumachen. Der Professor rückt seine MIAMI DOLPHINS Mütze zurecht und setzt mich darüber in Kenntnis, dass Waschbären messerscharfe Zähne haben. Ich lege meine Stirn in Falten und ziehe es vor, den Vierbeiner zurückzurufen und ganz schnell die Türe zu schliessen.
13.00 Uhr Nachdem ich den Rasensprenger eingestellt und die Klimaanlage reguliert habe, setze ich mich zu Edelbert in die Küche und lasse mir ein Wurstbrot schmecken. Währenddessen redet Edelbert ohne Unterlass auf mich ein und erzählt, dass der Waschbär nach dem nordamerikanischen Kontinent mittlerweile auch in grossen Teilen Asiens und in Europa Fuss gefasst hat. Der schlaue Mann ist bestens informiert und fährt fort, dass der sogenannte “Laurasiatheria” stets die Nähe zum Menschen sucht und meist nachtaktiv ist – das soll mir Recht sein.

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Ein gefährlicher Waschbär

13.45 Uhr Nach der Brotzeit wische ich die Küchenplatte mit einem nassen Lappen ab und gebe zu Protokoll, dass ich nun nach Hause fahren werde. Mein Bekannter gibt mir Recht und lässt die Pforte ins Schloss fallen.
14.00 Uhr Nachdem ich Edelbert einen ruhigen Nachmittag gewünscht habe, helfe ich Dixon auf die Ladefläche des PS-strotzenden SUV und trete radiohörend die Heimfahrt an – da kommt Freude auf.
14.45 Uhr Zuhause angekommen, schlüpfe ich aus den modischen Flip Flips und fülle Dixons Fressnapf mit gesundem Trockenfutter auf. Danach lege ich die Beine im Wohnzimmer hoch und schlummere bald ein.
15.45 Uhr Ich erwache ausgeruht und registriere beim Blick auf meine goldene Armbanduhr, dass der Nachmittag schon fast vorüber ist. Trotzdem nehme ich am Schreibtisch Platz und komme meinen Pflichten als Anschnurseelsorger nach. Ich schufte hart und rate verzweifelten Erziehungsberechtigten, sich von der vorlauten Jugend nichts gefallen zu lassen – wo kämen wir denn da hin.
16.45 Uhr Kurz vor dem Fünfuhrläuten fahre ich den Heimrechner mausdrückend herunter und eile in die Küche, um das Abendessen vorzubereiten. Fachmännisch brate ich tiefgefrorene Kartoffelspalten in Butterschmalz heraus und zaubere ausserdem vitaminreiche Fischstäbe – wie das duftet.

18.00 Uhr Nach dem feinen Nachtmahl entkorke ich eine Flasche Rotwein und mache es mir neben Hund Dixon auf dem Kanapee bequem. Während ich den köstlichen Rebensaft schlürfe, fröne ich auf AMC dem Fernsehspiel “Halt and Catch Fire” und stelle wohlwollend fest, dass diese Eigenproduktion sehr spannend ist. Ich lehne mich zufrieden zurück und tauche in das Leben eines Menetschers ein, der zu Anfang der 1980er Jahre die Vision hat, einen mobilen Heimrechner in die Wohnstuben der Menschen zu bringen – da kommt Freude auf.
21.00 Uhr Nach vier Folgen beende ich den Fernsehabend und begleite Dixon noch einmal in den Garten. Im Anschluss lösche ich sämtliche Lichter und lege mich schlafen. Gute Nacht.

30. August 2015 – Orange Is The New Black

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Hallo Leute,

unser Volksfest hat am Freitag seine Tore geöffnet.
Gestern war ich mit Cousin Bernd und Freundin Marlene im Bierzelt und habe es ordentlich krachen lassen. Drei Mass Bier waren aber definitiv zu viel. Ausserdem hätte ich besser die Finger vom glasierten Apfel und einer grossen Portion Obatzt’n lassen sollen

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Ich habe zu viel Bier getrunken

Gegen Mitternacht bin ich fix und foxi ins Bett gefallen und habe bis 11 Uhr durchgeschlafen. Trotzdem fühle ich mich heute wie gerädert. Ich glaub’, ich werde mich jetzt aufs Sofa knallen und mir die tolle NETFLIX Serie “Orange is the New Black” anschauen.

Mein Vermieter hat mich übrigens auf diese tolle NETFLIX Eigenproduktion gebracht.
“Orange is the New Black” erzählt von der jungen Piper, die bei einem Drogenschmuggel erwischt wird und für 15 Monate ins Gefängnis wandert. Dort muss sie sich mit komischen Mitgefangenen herumschlagen, die es faustdick hinter den Ohren haben. Zudem trifft Piper die hübsche Alex wieder, mit der sie vor vielen Jahren ein Verhältnis hatte.

“Orange Is the New Black” läuft seit 2014 sehr erfolgreich in den Vereinigten Staaten und wurde mit vielen TV-Preisen – zum Beispiel dem “Critics Choice Award” – und mehreren Emmys ausgezeichnet. Ausserdem ist die Serie bei den Zuschauern sehr beliebt und beschert dem Online-Streaming-Dienst NETFLIX hervorragende Quoten.

Jetzt habe ich aber genug geschrieben.
Ich wünsche euch viel Spass und hoffe, dass wir uns am kommenden Wochenende wieder lesen !!!
Sandra

24. Juli 2015 – Der vorletzte Tag …

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08.00 Uhr Der vorletzte Tag am Lake Simcoe beginnt und ich hüpfe ausgelassen aus dem Bett, um mit Hund Dixon die Morgengymnastik an der frischen Luft zu absolvieren. Währenddessen erzähle ich dem Vierbeiner, dass wir morgen nach Toronto fahren und am frühen Nachmittag einen Stahlvogel besteigen werden.

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Morgen fliegen wir von Toronto nach Naples, FL

08.30 Uhr Just als ich den Frühsport beende und mich schnaufend am Terrassentisch niederlasse, kommt Maria daher und sagt, dass Georg, Edelbert und David vor einer Stunde in See gestochen sind. Ich zucke mit den Schultern und entgegne, dass ich grossen Hunger habe. Meine Schwägerin deutet zum Wasser und meint, dass wir das Frühstück erst gegen halb Elf einnehmen werden – das hat gerade noch gefehlt.
09.00 Uhr Missmutig verabschiede ich mich in die Nasszelle und entspanne mich bei einem Vollbad mit Schaum. Nebenher tippe ich Frau Pontecorvos Nummer in die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und nehme mir das Recht heraus, mit meiner Nachbarin zu tratschen. Die Perle legt beste Laune an den Tag und beteuert, dass sie es kaum noch erwarten kann, mich endlich Wiederzusehen.

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Meine praktische Schwarzbeere

10.00 Uhr Nach dem Badespass werfe ich mich in Schale und frage Maria, wann Georg zurück sein wird. Meine Schwägerin drückt mir einen Becher Kaffee in die Hand und animiert mich, einen Spaziergang mit Dixon zu unternehmen – das ist gar keine schlechte Idee.
10.15 Uhr Mit knurrendem Magen vertrete ich mir die Beine und sauge die angenehm kühle Luft tief in meine Lungen ein. Ausserdem werfe ich dem Vierbeiner Stöckchen zu und denke daran, wie schön es doch werden wird, Morgen Abend endlich zurück im Rentnerparadies Florida zu sein.
11.00 Uhr Nach einer fünfundvierzigminütigen Wanderung entlang des westlichen Seeufers, kehre ich ins Ferienhaus zurück und werde Zeuge, wie Georg das Motorboot am Steg festbindet. Ich begrüsse meinen Bruder und erfahre, dass er mit Prof. Kuhn und David einen Ausflug zur sogenannten Schlangeninsel (unlöblich: Snake Island) unternommen hat. Georg kann sich ein Lachen nicht verkneifen und informiert, dass das Eiland nach dem Chippewas Indianer Joseph Snake benannt wurde und heutzutage ein Paradies für Angler ist – wie schön.
11.30 Uhr Kurz vor der Mittagszeit mache ich es mir am Terrassentisch bequem und lasse mir das verspätete Frühstück schmecken. Unterdessen kommt Georg auf unsere Schwestern zu sprechen und erkundigt sich, ob ich regelmässig in der alten Heimat anrufe. Ich nicke eifrig und antworte, dass ich jeden Sonntag mit Hildegard und Elsbeth telefoniere. Mein Bruder reibt sich die Hände und kündigt an, dass er im kommenden Jahr den Sprung über den grossen Teich wagen wird, um den Beiden einen Besuch abzustatten – wie aufregend.

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Ich schaue auf den Lake Simcoe

12.30 Uhr Nach der reichhaltigen Jause setze ich mich an den Bootssteg und bade meine Füsse im kühlen Wasser des Lake Simcoe. Ferner schaue ich wehmütig auf den See und komme zu dem Schluss, dass ich die kommende Woche etwas ruhiger gestalten werde – immerhin bin ich nicht mehr der Jüngste.
13.15 Uhr Wenig später gesellt sich Edelbert zu mir und stopft “Brigadier Black” Tabak in seine Pfeife. Als der schlaue Mann lustige Rauchringe fabriziert, verweise ich auf unsere Heimreise und gebe zu Protokoll, dass uns Frau Pontecorvo am Flughafen erwarten wird. Der Professor schnalzt mit der Zunge und sagt, dass ihm das Motorbootfahren grossen Spass bereitet. Darüber hinaus erfahre ich, dass mein Bekannter mit dem Gedanken spielt, sich in Florida eine kleine Jolle zuzulegen – wie unlöblich.
14.00 Uhr Während David mit Hund Dixon am Ufer spielt, ziehe ich mich in die klimatisierte Stube zurück und genehmige mir eine Pause auf dem Kanapee. Bereits nach wenigen Augenblicken schlummere ich ein und sehe mich im Traum auf die verstaubten Pfade des Appalachian Trails in Vermont versetzt.

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Ich träume von den Grünen Bergen

15.00 Uhr Ich erwache redlichst ausgeruht und mache es mir zur Aufgabe, meine Habseligkeiten in den Rucksack zu verfrachten. Bei dieser Gelegenheit fällt mir eine Werbebroschüre des “Swiss Inn” Hotels in Londonderry, VT in die Hände und ich rufe mir den schönen Aufenthalt in der besagten Pension noch einmal ins Gedächtnis.
15.45 Uhr Zu guter Letzt stecke ich meine Wanderschuhe in den Ranzen und kehre zu meinen Liebsten auf die Terrasse zurück. Weil meine Kehle staubtrocken ist, genehmige ich mir ein Labatt Bier und frage Maria, ob am Abend eine feuchtfröhliche Abschiedsfeier ansteht. Meine Schwägerin schenkt mir ein Lächeln und beteuert, dass sie zur Feier des Tages eine Kartoffelsuppe auftischen wird – das hört man gerne.
16.45 Uhr Als Maria pfeifend in der Küche verschwindet, wende ich mich dem kleinen David zu und vernehme, dass der Bube noch eine Woche am Lake Simcoe bleiben wird. Der Dreikäsehoch strahlt über das ganze Gesicht und sagt, dass am Montag sein Freund Jayden zu Besuch kommen wird – das ist prima.
17.30 Uhr Endlich ruft uns Maria zu Tisch und füllt die tiefen Teller mit einer köstlichen Brühe auf. Ich greife zungeschnalzend zum Löffel und stelle fest, dass die Suppe hervorragend mundet. David nölt jedoch ohne Unterlass und sagt, dass er lieber Hühnerklumpen (unlöblich: Chicken Wings) essen würde – papperlapapp.
18.30 Uhr Während wir den lauen Sommerabend auf der Terrasse ausklingen lassen, schmieden wir Pläne für unser nächstes Wiedersehen. Georg verweist auf das Weihnachtsfest und schlägt vor, dass es eine Gaudi wäre, das wichtigste Familienfest des Jahres in Florida zu erleben. David wird sogleich hellhörig und möchte wissen, ob “Santa Claus” die Geschenke auch an den Strand liefern wird. Wir kommen aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und versichern dem Buben, dass die Weihnachtselfen selbstverständlich auch nach Florida kommen werden.

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Frohe Weihnachten in Florida

19.30 Uhr Da wir morgen zeitig aufstehen müssen, beenden wir das Essen und schauen noch etwas fern. Unter anderem frönen wir den Nachrichten und lernen, dass in Westkanada verheerende Waldbrände ausgebrochen sind.
21.00 Uhr Nachdem wir auf “SpikeTV” die erste Episode der langweiligen Pharaonenserie “Tut” angeschaut haben, lege ich die Fernbedienung beiseite und ziehe mich ins Gästezimmer zurück. Edelbert folgt meinem Beispiel und macht mich darauf aufmerksam, dass wir morgen um 7 Uhr aufstehen müssen. Ich stimme eifrig nickend zu und falle übermüdet ins Bett. Gute Nacht.