2. Dezember 2015 – Noch mehr Weihnachtspräsente

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08.00 Uhr Beschwingt durch prima George Strait Musik rolle ich mich aus dem Wasserbett und stelle mit grosser Sorge fest, dass es wie aus Eimern regnet. Weil man bei diesem Sauwetter nicht einmal einen Hund vor die Türe jagt, lasse ich die Terrassenpforte verschlossen und führe in der trocknen Stube die Morgengymnastik durch.
08.30 Uhr Anschliessend stecke ich dem Haustier einen Kauknochen ins Maul und gebe zu Protokoll, dass an ausgedehnte Spaziergänge nicht zu denken ist. Mit hängendem Kopf verabschiede ich mich in die Nasszelle und entspanne mich bei einem lustigen Wirbelbad – da kommt besonders grosse Freude auf.

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Dixon bekommt einen Kauknochen

09.30 Uhr Nachdem ich mir die Bartstoppeln abrasiert habe, beende ich das Badevergnügen und freue mich auf das Frühstück. Dummerweise wird die Ruhe just in diesem Moment durch ohrenbetäubendes Schellen unterbrochen. Zu allem Überfluss steht die Putzfrau vor dem Haus und setzt mich darüber in Kenntnis, dass sie Wäsche waschen und die Fenster auf Hochglanz bringen muss. Natürlich falle ich der mexikanischen Perle sogleich ins Wort und informiere, dass ich am Wochenende die Scheiben mit künstlichem Schnee eingesprüht habe.
10.15 Uhr Wenig später bimmelt es schon wieder an der Pforte und ich kann Prof. Kuhn herzlich willkommen heissen. Der Professor folgt mir ins Wohnzimmer und meint, dass er auch eine Mahlzeit vertragen könnte. Ich nicke eifrig und mache es mir zur Aufgabe, acht Eier in eine Pfanne zu schlagen und im Handumdrehen eine stattliche Portion Rühreier zu zaubern. Unterdessen komme ich auf Weihnachten zu sprechen und lege anschaulich dar, dass ich immer noch keine Geschenke eingekauft habe. Edelbert winkt demonstrativ ab und beteuert, dass er in diesem Jahr sämtliche Präsente im Internetz bestellen wird – das ist gar keine schlechte Idee.
11.00 Uhr Nach der Jause schenke ich meinem Bekannten echten Bohnenkaffee nach und animiere ihn, sich zu mir an den Heimrechner zu gesellen. Unter den skeptischen Blicken meiner Zugehfrau fahre ich das Betriebssystem hoch und segle auf Amazon.com. Edelbert schnäuzt in ein Stofftaschentuch und behauptet, dass der weltgrösste Internetzhändler mit sagenhaften Schnäppchen lockt. Bevor ich mich versehe, navigiert mein Nebenmann durch das Angebot und plappert, dass die Canon EOS 7E Kamera derzeit nur 170 Dollars kostet – wie schön.


Alexander Hamilton

11.30 Uhr Als erstes nehme ich die neuerschienenen Bücher in Augenschein und mutmasse, dass sich mein Bruder über einen repräsentativen Bildband sehr freuen würde. Edelbert legt seinen Kopf schief und meint, dass es schlauer wäre, Georg mit der spannenden Biografie „Alexander Hamilton“ zu überraschen. Als ich genauer nachfrage, verrät der schlaue Mann, dass der Pulitzerpreisgewinner Ron Chernow das Leben des Staatsmannes vor Kurzem zu Papier gebracht hat. Darüber hinaus lerne ich, dass Alexander Hamilton für viele Jahre George Washingtons Stab angehörte und anno 1784 die erste Bankfiliale auf amerikanischen Boden gründete.
12.00 Uhr Nachdem ich das besagte Buch in den Einkaufswagen verfrachtet habe, wende ich mich Frau Gomez zu und bitte sie, den Staubsauger auszustellen. Danach schoppe ich weiter ab und ringe mich dazu durch, für David ein 560teiliges 3D Puzzle einzukaufen. Der Professor schnalzt mit der Zunge und ist sich sicher, dass der Bube grossen Spass daran haben wird, das „Weisse Haus“ nachzubauen – wie wahr.


Best of Blake Shelton

12.30 Uhr Schlussendlich landet das Blake Shelton „Best Of“ (löblich: Das Beste von) Album sowie ein schickes T-Hemd im elektronischen Einkaufswagen. Edelbert beglückwünscht mich für meinen guten Geschmack und sagt, dass James und Amanda Freudensprünge machen werden – das will ich doch hoffen.
13.30 Uhr Zu guter Letzt sende ich meine Bestellung ab und erfahre, dass die Lieferung spätestens am Wochenende eintreffen wird. Erleichtert gehe ich von der Leine und köpfe eine Flasche Schaumwein. Ausserdem schiebe ich zwei Pizzas ins Backrohr und bereite einen gemischten Salat zu.
14.15 Uhr Just als wir uns über das Mittagessen hermachen, legt Frau Gomez den Staubwedel beiseite und unterbreitet, dass sie nun das Weite suchen wird. Ich belobige die fleissige Mexikanerin und erinnere, dass wir uns am kommenden Mittwoch wiedersehen werden.

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Wir essen Pizza

15.00 Uhr Nach der Brotzeit spähe ich aus dem Fenster und stelle wohlwollend fest, dass der Regen nachgelassen hat. Da Dixon ganz unruhig ist, greife ich zur Leine und breche in Edelberts Gesellschaft zu einer Wanderung auf. Nebenher tratschen wir angeregt und vereinbaren, dass wir Morgen zum Einkaufen krusen sollten.
16.00 Uhr Wieder zurück in der kleinen Villa, verabschiede ich den Professor händeschüttelnd und gönne mir eine wohlverdiente Pause auf dem Kanapee. Ich döse schnell ein und sehe mich im Traum nach Atlantic City versetzt.

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Ich träume von Atlantic City

17.00 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und bemerke beim Blick auf die Wanduhr, dass es bereits 5 geschlagen hat. Voller Elan strebe ich in die Küche und hantiere mit dem Kochlöffel. Mit knurrendem Magen schwenke ich Zwiebeln in einer Pfanne und brate tiefgefrorene Hühnerleber an. Dixon weicht währenddessen nicht von meiner Seite und fordert mich auf, ihm ebenfalls etwas von den vitaminreichen Innereien abzugeben.
18.00 Uhr Ein nervenaufreibender Nachmittag neigt sich langsam seinem Ende zu. Ich verfrachte das schmutzige Geschirr in der Spüle und gehe dann zum gemütlichen Teil des langen Tages über. Um stets auf dem Laufenden zu bleiben, schaue ich mir die FOX Nachrichten an und vernehme, dass morgen die „Gaming Awards“ (löblich: Heimrechnerspiele Preise) in Los Angeles, CA verliehen werden – so ein Schmarrn.

19.00 Uhr Zur besten Sendezeit wechsle ich auf AMC und erfreue mich am abendfüllenden Spielfilm „Runaway Girl“, der von einem dreizehnjährigen Mädchen erzählt. Ich staune Bauklötze und werde Zeuge, wie die frühreife Luli ihrer Heimatstadt in Nebraska Lebewohl sagt und per Anhalter nach Las Vegas aufbricht – wie aufregend.
21.00 Uhr Nach zwei unterhaltsamen Stunden beende ich den Fernsehabend und rufe Dixon ins Haus. Danach lösche ich das Licht und lege mich schlafen. Gute Nacht.

13. Oktober 2015 – Weihnachten im Sonnenscheinstaat

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08.00 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und ärgere mich, weil mir die Reise nach Atlantic City noch immer in den Knochen steckt. Mit leichten Kreuzschmerzen eile ich in die Küche und stelle die DeLonghi Kaffeemaschine ein. Ausserdem nehme ich zwei ASPIRIN Tabletten ein und gebe dem Vierbeiner zu verstehen, dass ich am Sonntag Morgen den Atlantic City Boardwalk erkundet habe und von einem peitschenden Platzregen überrascht wurde.
08.30 Uhr Missmutig ziehe ich mich ins Bad zurück und entspanne mich bei einem heissen Wirbelbad. Nebenher telefoniere ich mit Edelbert und gebe zu Protokoll, dass nicht nur mein Rücken, sondern auch meine Knie schmerzen. Der Professor beruhigt mich und meint, dass ich mich wohl verkühlt habe. Ich nicke eifrig und kündige an, dass ich heute eine ruhige Kugel schieben und mich ausruhen werde – mir bleibt wirklich gar nichts erspart.

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Ich habe mich in Atlantic City, NJ verkühlt

09.30 Uhr Nach dem Badespass nehme ich am Küchentisch Platz und führe mir ein leckeres Frühstück zu Gemüte. Ausserdem blättere ich in der Tageszeitung und erfahre, dass Gesangsstern Tony Bennett (89) am 13. März 2016 in der örtlichen „Artis“ Konzerhalle auftreten wird – das ist phantastisch.
10.15 Uhr Kurz nach dem Zehnuhrläuten klingelt es an der Türe und ich kann Prof. Kuhn herzlich begrüssen. Mein Bekannter schiebt mich plappernd zur Seite und präsentiert eine Salbe, die mich von den Rückenschmerzen befreien soll. Edelbert redet ohne Unterlass auf mich ein und beteuert, dass ich meinen Rücken zwei Mal täglich eincremen sollte. Ferner rät der gute Mann, mein Kreuz warm zu halten und mich zu schonen. Ich stimme uneingeschränkt zu und frage den Professor, ob er einen Kaffee trinken möchte. Edelbert reibt sich die Hände und folgt mir in die gute Stube.
11.00 Uhr Während Dixon im Garten spielt, komme ich auf unseren geplanten Heimaturlaub zu sprechen und lege anschaulich dar, dass es eine Gaudi wäre, im Frühjahr nach Deutschland auszufliegen. Mein Tischnachbar schlägt in die gleiche Kerbe und meint, dass wir einen Termin im Mai ins Auge fassen sollten. Edelbert legt beste Laune an den Tag und erinnert daran, dass in einem Monat auch sein Sohn zu Besuch kommen und uns für zwei Wochen Gesellschaft leisten wird – wie schön.
11.30 Uhr Just als wir mit dem Gedanken spielen, uns vom DOMINOS Bringdienst zwei Pizzas in den Willoughby Drive liefern zu lassen, klingelt es besonders laut an der Pforte. Zu meiner Freude stehen Georg und Maria vor dem Haus und wünschen mir einen guten Tag. Mein Bruder händigt mir lächelnd eine Plastiktüte mit köstlichem Inhalt aus und unterbreitet, dass er indisches Essen mitgebracht hat.

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Wir feiern Weihnachten im Sonnenscheinstaat

12.00 Uhr Weil das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, hole ich augenblicklich das teure Porzellangeschirr aus dem Schrank und freue mich über duftenden Gemüsereis sowie würziges Fisch-Curry. Edelbert greift zungeschnalzend zum Besteck und informiert, dass wir gerade unseren bevorstehenden Heimaturlaub planen. Bei dieser Gelegenheit verweist Georg auf Weihnachten und stellt klar, dass er die sogenannte „staade Zeit“ in diesem Jahr im Rentnerparadies erleben will – das soll mir auch Recht sein.
13.00 Uhr Nach der Jause schleppe ich mich ins Bad und trage das Schmerzgel auf meinen Rücken auf. Danach bringe ich die Gäste zur Türe und wünsche ihnen einen schönen Nachmittag.
13.30 Uhr Nachdem endlich Ruhe und Frieden in der kleinen Villa Einzug gehalten haben, bette ich mich auf dem Wohnzimmerkanapee zur Ruhe und schliesse die Augen. Bereits nach wenigen Sekunden döse ich ein und träume von meinem spannenden Aufenthalt in Atlantic City – das war ein Vergnügen.
14.30 Uhr Ich öffne die Augen und bemerke beim Blick auf die Wanduhr, dass es mittlerweile halb Drei geschlagen hat. Nörgelnd stehe ich auf und nehme mir das Recht heraus, ein Bier zu trinken. Anschliessend setze ich mich an den Schreibtisch und komme meinen Pflichten als Anschnurseelsorger nach. Im elektronischen Posteingang stosse ich nicht nur auf Hilferufe besorgter Eltern, sondern auch auf eine Depesche meiner Mieterin. Sandra schreibt, dass gestern Abend marodierende Jugendliche durch den Waldweg gezogen sind und eine Zaunlatte entwendet haben. Ich dresche mit der Faust auf den Tisch und fordere die Maid in meinem Antwortschreiben auf, umgehend zum OBI Baumarkt zu krusen und für Ersatz zu sorgen.

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Mein altes Zuhause im Waldweg

15.30 Uhr Zu guter Letzt nehme ich die unzähligen Einträge im Gästebuch in Augenschein und ärgere mich über übermutige Rabauken, die mich wüst beschimpfen – wo soll das noch hinführen.
16.00 Uhr Trotz aller Widrigkeiten lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und breche zu einem Spaziergang auf. Dummerweise treffe ich vor meinem Zuhause auf Frau Pontecorvo und vernehme, dass die Dame nun in die Stadt fahren wird. Ich zucke mit den Schultern und gebe vor, dass ich mit Kreuzschmerzen zu kämpfen habe und nicht mitkommen werde. Bevor meine Nachbarin Widerworte findet, mache ich kehrt und pfeife die schöne Melodie von der „launischen Forelle“.
17.00 Uhr Nach einer Stunde treffe ich zu Hause ein und fühle mich prima. Wie es sich gehört, fülle ich Hund Dixons Napf mit Trockenfutter auf und bereite eine TOMBSTONE Fertigpizza im Ofen zu – wie gut das duftet.

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Heute gibt es Pizza

18.00 Uhr Nach dem reichhaltigen Nachtmahl gehe ich zum gemütlichen Teil des Tages über und lasse mich neben dem Haustier auf dem Sofa nieder. Um auf dem Laufenden zu bleiben, fröne ich den FOX Nachrichten und mache mich über den amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf schlau.

19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit (unlöblich: Prime Time) wähle ich den Premiumkanal FX aus und folge einigen Episoden der Serie „Fargo“, die im verschneiten Minnesota spielt – da kommt Spannung auf.
21.00 Uhr Nach der zweiten Folge schalte ich die Glotze aus und esse noch einige M&M’s. Anschliessend verriegle ich die Haustüre sorgsam und lege mich ins Bett. Gute Nacht.

11. Oktober 2015 – Regression und Frankie Valli

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Hi Fans,

gestern Abend war ich im Kino und habe den neuangelaufenen Thriller „Regression“ des spanischen Regiemeisters Alejandro Amenábar (Oscarprämiert für „Das Meer in mir“) gesehen.

Das spannende Krimidrama mit Ethan Hawke und Emma Watson erzählt aus dem Leben der 17jährigen Angela, die Opfer eines abscheulichen Verbrechens wurde. Das Mädchen wurde von einer satanischen Sekte entführt und vergewaltigt. Nach der Tat ist Angela davon überzeugt, dass ihr eigener Vater unter den Tätern war. Nun tritt der Polizist Bruce Kenner – gespielt von Ethan Hawke – auf den Plan, das schreckliche Verbrechen aufzuklären und Licht ins Dunkle zu bringen …

„Regression“ ist ohne Zweifel ein Highlight des diesjährigen Kinosommers.
Alejandro Amenábar verstand es, ein fesselndes Kriminaldrama mit Horrorelementen zu vermengen und den Zuseher das Fürchten zu lehren. Ausserdem spielten die Hauptdarsteller Emma Watson – bekannt aus den Harry Potter Filmen – und Ethan Hawke einfach vorzüglich.

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Reinhard Pfaffenberg besucht Atlantic City

Mit meinen Vermieter habe ich heute auch schon telefoniert.
Reinhard war ziemlich müde und hat erzählt, dass Frankie Valli gestern Abend erst gegen 21:30 Uhr aufgetreten ist und eine sensationelle zweieinhalb Stunden Show abgeliefert hat. Anschliessend haben die Rentner den Konzertabend in der Bar des „Borgata Hotels“ ausklingen lassen und einen über den Durst getrunken 🙂

Heute Abend wird Reinhard der Spielerstadt am Atlantik übrigens Lebewohl sagen und nach Naples zurückfliegen.

Okidoki, das solls für diese Woche gewesen sein.
Ich werde jetzt Fernsehschauen und Kaffee trinken.
Am kommenden Samstag lesen wir uns wieder.
Sandra

10. Oktober 2015 – Rentner in Atlantic City

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Hallo Freunde der Nacht,

ihr habt sicher gelesen, dass sich der Herr Villenbesitzer einen Kurzurlaub gönnt und gestern mit der Billigfluglinie SPIRIT nach Atlantic City geflogen ist. Natürlich hat er Frau Pontecorvo und Prof. Edelbert Kuhn mitgenommen und sich ins schicke „Borgata Hotel Casino & Spa“ eingemietet.

Das „Borgata“ zählt zu den besten Adressen der Stadt und grenzt direkt an das weltbekannte „Golden Nugget Hotel & Casino“ an. Gäste haben die Möglichkeit, im 15.000 qm² grossen Spielcasino abzuhängen, exklusive Shows im hauseigenen Event Center zu sehen oder in den Five-Star Restaurants „Bobby Flay Steak“ oder dem „Wolfgang Puck’s American Grille“ einen tollen Abend zu verbringen.

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Borgata Hotel / Bild:  Pilotbob CC BY-SA 3.0

Wie man sich denken kann, hat sich mein Vermieter am gestrigen Abend nicht lumpen lassen und seine Bekannten ins „American Grille“ eingeladen. Danach hat sich der Rentner die halbe Nacht im Spielcasino um die Ohren geschlagen und viel Geld in die Slot Machines geworfen. Aber ein Millionengewinn ist bis jetzt leider nicht herausgesprungen 😉

Heute wollen die drei Senioren das „Atlantic City Aquarium“ besuchen und einen Spaziergang entlang des Bordwalks unternehmen. Am Abend steht dann ein Konzert im „Borgata Event Center“ auf dem Plan. Mein Vermieter kommt in den Genuss, den ehemaligen Four Seasons Frontman Frankie Valli Live in Concert zu erleben. Wie ihr wisst, ist Reinhard ein grosser Frankie Valli Fan und hat bereits im März 2012 eine Show des mittlerweile 78jährigen Entertainers in Tampa, FL besucht.

Während Herr Pfaffenberg in Atlantic City abfeiert, werde ich nun den Garten auf Vordermann bringen und den Rasen mähen. Am Abend treffe ich dann meinen Cousin im Kino.

Ich wünsche euch allen ein schönes Wochenende
Sandra

9. Oktober 2015 – Atlantic City

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06.00 Uhr Ich hüpfe aus dem Bett und erkenne beim Blick auf den Radiowecker, dass ich in drei Stunden in einem Stahlvogel der SPIRIT Fluggesellschaft sitzen und nach Atlantic City ausfliegen werden. Weil die Zeit drängt, eile ich ins Badezimmer und dusche mich redlichst ab. Währenddessen pfeife ich die Melodie von der „launischen Forelle“ und denke daran, wie schön es doch werden wird, am Samstag Abend Frankie Valli auf der Bühne zu erleben.

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Frankie Valli und George W. Bush (2008)

06.45 Uhr Nachdem ich mich in Schale geworfen habe, leine ich Dixon an und nehme mir das Recht heraus, Frau Pontecorvo einen Besuch abzustatten. Die Alte präsentiert sich in legerer Freizeitkleidung und erkundigt sich, wann uns Georg abholen wird. Ich tippe auf meine ROLEX und entgegne, dass ich meinen Bruder für 7 Uhr in den Willoughby Drive bestellt habe. Weil der Vierbeiner leider nicht mitkommen kann, eile ich als nächstes zum Eigenheim von Familie Crane und betätige beherzt die Klingel. Die ehemalige Spitzensportlerin begrüsst mich herzlich und versichert, dass sie bis zum Sonntag auf mein Haustier aufpassen wird. Ich streichle dem Rüden zum Abschied über den Kopf und vergesse nicht, Frau Crane den Schlüssel zur kleinen Villa zu überreichen.
07.15 Uhr Wenig später kommt Georg vor meinem Häuschen zum Halten und animiert uns, zügig zuzusteigen. Wir kommen der Aufforderung anstandslos nach und freuen uns, Edelbert auf dem Rücksitz anzutreffen. Der Professor legt beste Laune an den Tag und sagt, dass der Abflug in nicht einmal zwei Stunden ansteht. Ich schlage in die gleiche Kerbe und fordere Georg unmissverständlich auf, das Gaspedal bis zum Anschlag durchzudrücken und uns schnellstmöglich zum „Southwest Florida Airport“ zu bringen.
08.00 Uhr Nach fünfundvierzig Minuten sind wird endlich am Ziel. Schnaufend hieve ich meine Reisetasche von der Ladefläche und erkläre meinem Bruder, dass wir uns schon am Sonntag wiedersehen werden. Danach renne ich wie der Blitz durch das Flughafengebäude und händige einer zuvorkommenden SPIRIT Mitarbeiterin meinen Flugschein aus. Edelbert und Frau Pontecorvo tun es mir gleich und bitten die Maid, schöne Plätze auszusuchen.
08.45 Uhr Nach überstandener Sicherheitsüberprüfung dürfen wir den Airbus A320 betreten und unsere Sitze im hinteren Teil der Maschine einnehmen. Ich atme tief durch und mache es mir zur Aufgabe, den Gurt zuzuziehen und die zwielichtigen Bartträger auf der anderen Seite des Gangs ins Visier zu nehmen. Natürlich mache ich Edelbert auf die Heinis aufmerksam und unke, dass die Ganoven womöglich das Flugzeug entführen werden. Der Professor winkt gelangweilt ab und meint, dass uns bestimmt nichts passieren wird – das will ich hoffen.
09.15 Uhr Mit kurzer Verspätung erhebt sich der Stahlkoloss in die Lüfte und dreht prompt nach Nordosten ab. Ich lehne mich zurück und nutze den dreistündigen Flug, um im „SPIRIT“ Magazin zu blättern. Unter anderem lerne ich, dass diese Fluglinie anno 1980 ins Leben gerufen wurde und es sich seitdem auf die Fahnen schreibt, besonders preiswerte Flüge anzubieten. Ich mache grosse Augen und bringe heraus, dass SPIRIT in Miramar, FL beheimatet ist und mit 75 Flugzeugen auch Destinationen in der Karibik und Mexiko ansteuert.

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Spirit fliegt auch nach Mexiko – wie aufregend

10.15 Uhr Da es keine Brotzeit gibt, lege ich die Lektüre weg und versuche etwas zu schlafen. Während Edelbert mit Frau Pontecorvo tratscht, schliesse ich die Augen und döse bald ein.
11.15 Uhr Nach einer Stunde werde ich von meiner Nachbarin geweckt und erfahre, dass wir in dreissig Minuten landen werden. Gähnend spähe ich aus dem Fenster und habe das Vergnügen, einen Blick auf den Staat Delaware sowie die südlichen Ausläufer von New Jersey zu erhaschen.
11.45 Uhr Einige Minuten später fährt der Pilot das Fahrwerk aus und setzt die vollbesetzte Maschine sicher auf der Landebahn auf. Weil die Zeit drängt, schnalle ich mich spornstreichs ab und renne mit der Reisetasche im Anschlag zum Ausgang. Dummerweise stellt sich mir eine garstige Flugbegleiterin namens Gloria (44) in den Weg und bittet mich, ruhig zu bleiben – wie unlöblich.
12.30 Uhr Kurz nach dem Mittagsläuten dürfen die Passagiere endlich aussteigen. Ich bahne mir meinen Weg durch das Ankunftsterminal und freue mich, den Sicherheitsbereich unbehelligt verlassen zu dürfen. Mit Edelbert und Frau Pontecorvo im Schlepptau schlendere ich zum erstbesten Taxi und erkundige mich, wie viel eine Fahrt zum „Borgata Casino“ kosten soll. Der unrasierte Fahrer wackelt mit dem Daumen und rechnet vor, dass die Reise mit 30 Dollars zu Buche schlagen wird. Obgleich ich keinen Goldesel im Vorgarten stehen habe, gehe ich auf den Handel ein und zwänge mich auf den Rücksitz des gelben FORD TAURUS.

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Borgata Hotel / Bild:  Pilotbob CC BY-SA 3.0

13.15 Uhr Nach einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt erreichen wir den Hotelkomplex am Borgata Way und staunen angesichts der schmucken Herberge nicht schlecht. Ruckzuck zahlen wir den Droschkenführer aus und eilen in das einladende Vier-Sterne Hotel, um am Empfang die Schlüsselkarten für unsere Zimmer im 26. Stock zu erhalten. Anschliessend fahren wir mit dem Lift nach oben und stellen wohlwollend fest, dass die Räumlichkeiten direkt nebeneinander liegen. Edelbert reibt sich die Hände und meint, dass wir nun eine kleine Pause einlegen und uns gegen 16 Uhr in der Lobby treffen sollten – das ist eine hervorragende Idee.
14.00 Uhr Nachdem ich mit Frau Crane telefoniert und mir zwei TWIX aus der Minibar stibitzt habe, schlüpfe ich aus den Stiefeln und falle erschöpft ins Bett. Ich schlummere prompt ein und sehe mich im Traum nach Naples versetzt.
15.00 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und ziehe es vor, ein heisses Vollbad zu nehmen. Darüber hinaus telefoniere ich mit Sandra und lasse meine Mieterin wissen, dass ich vor drei Stunden in Atlantic City angekommen bin. Das unterbelichtete Kind schwärmt in den höchsten Tönen und wünscht mir im Spielcasino viel Vergnügen.
16.00 Uhr Überpünktlich finde ich mich in der luxuriösen Lobby ein und bin überrascht, Frau Pontecorvo und Edelbert am Casinoeingang anzutreffen. Mein Bekannter strahlt wie ein Honigkuchenpferd und unterbreitet, dass er mittlerweile Geldscheine in praktische Münzen umgewechselt hat. Ich folge Edelberts Beispiel und zögere nicht, ein funkelndes 25 Cent Stück in den erstbesten Spielautomaten zu werfen – leider ohne Erfolg.

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Ich werfe einen Vierteldollar in die Spielautomaten

17.00 Uhr Nach einer Jause in der „Borgata Baking Company“ (löblich: Borgata Bäckerei Fabrik) inspizieren wir das Hotel und erfahren, dass die Herberge über 2.800 Zimmer verfügt und bis zu 5.000 Gästen Platz bietet. Ferner haben Besucher auch die Möglichkeit, sich in der 5.000 qm² grossen Wellness-Oase zu entspannen oder die Dienste von 5 Frisören in Anspruch zu nehmen – das ist phantastisch.
18.00 Uhr Nach dem Rundgang kehren wir in Wolfgang Puck’s „American Grille“ ein und freuen uns auf ein reichhaltiges Dinner. Ein hochnäsiger Ober führt uns zu einem Tisch und kredenzt lächelnd die Weinkarte. Ich fackle nicht lange und bitte den Knecht, einen trocknen Chianti aufzufahren und uns mit gegrilltem Atlantiklachs an Cannellini Bohnen zu verwöhnen.
18.45 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, lobt Edelbert das Essen über den grünen Klee und verdeutlicht, dass der Fisch hervorragend gewürzt ist. Ich stimmt zu und entgegne, dass die Preise ebenfalls sehr gesalzen sind. Frau Pontecorvo nippt genüsslich am Weinkelch und wirft ein, dass man sich so ein teures Essen nicht jeden Tag leisten kann – wie wahr.

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Das Bier fliesst in Strömen

19.30 Uhr Nachdem wir das Nachtmahl mit einer vitaminreichen Blaubeeren Creme abgerundet haben, stürzen wir uns ins Vergnügen und werfen Kleingeld am laufenden Band in die einarmigen Banditen. Nebenher fliesst das Bier in Strömen und ich habe sogar das grosse Glück, siebzehn Dollars zu gewinnen – da kommt Freude auf.
21.00 Uhr Schlussendlich stehe ich mit leeren Taschen am Casinoausgang und bringe einen Spaziergang zur benachbarten „State Marina“ zur Sprache. Missmutig lotse ich meine Begleiter an die frische Luft und gebe zu Protokoll, dass ich innerhalb der letzten Stunde knapp 170 Dollars verloren habe.
21.45 Uhr Wegen der kühlen Witterung finden wir uns bald wieder im Hotel ein und vereinbaren, dass wir uns morgen zum Frühstück wiedersehen werden. Ich fahre mit dem Lift wortlos nach oben und lasse die Zimmertüre krachend ins Schloss fallen. Im Anschluss schlüpfe ich aus den Klamotten und fasse den Entschluss, keinen Fuss mehr ins Casino zu setzen. Gute Nacht.