7. September 2018 – Die Abschlussleiste

08.00 Uhr Auch am siebten Tag des Herbstmonats September hüpfe ich voller Tatendrang aus dem Bett und freue mich, einen weiteren Sonnentag im Rentnerparadies Florida erleben zu dürfen. Weil ich sehr sportlich bin, trete ich spornstreichs auf die Terrasse und führe die Morgengymnastik durch – wer rastet, der rostet.
08.30 Uhr Just als ich ins Haus zurückkehre, klingelt es an der Pforte und ich sehe mich mit dem Milchmann konfrontiert. Herr Forrest wünscht mir einen schönen Tag und setzt mich darüber in Kenntnis, dass ich seit Monaten keine Rechnung bezahlt habe. Ich kratze mich nachdenklich an der Schläfe und entgegne, dass ich unter enormen Stress stehe und mich schliesslich nicht um alles kümmern kann. Mein Gegenüber zeigt Verständnis und meint, dass ich ihm trotzdem 133 Dollars und 77 Cents schulde – wo soll das noch hinführen.


Das Ferienhaus meiner Verwandten

09.00 Uhr Nachdem ich Herrn Forrest ein Bündel grüner Scheine ausgehändigt habe, werfe ich die Haustüre ins Schloss und läute den jungen Morgen mit einem Wirbelbad ein. Ausserdem rufe ich bei meinen Verwandten im Lowbank Drive an und frage nach, ob wir einen Ausflug zum Strand unternehmen wollen. Georg erteilt mir leider eine Absage und kündigt an, dass er seine Frau zum Frisör begleiten wird – wie schade.
10.00 Uhr Pünktlich zum Zehnuhrläuten fülle ich Kaffeepulver in den futuristischen DeLonghi Vollautomaten. Danach schütte ich einen halben Liter Wasser in die Maschine und stelle mit grosser Sorge fest, dass sich die Abschlussleiste der Küchenarbeitsplatte von der Wand ablöst. Ich raufe mir die Haare und lasse Hund Dixon wissen, dass wir nach dem Frühstück zum HOME DEPOT Baumarkt krusen und eine Kartusche Silikon kaufen sollten. Der lustige Vierbeiner legt seinen Kopf schief und bricht in lautes Bellen aus – wie schön.
10.30 Uhr Bevor ich mich auf den Weg mache, verzehre ich ein opulentes Frühstück in Form von vitaminreichen Rühreiern mit Speck. Dazu gibt es sechs geröstete Weissbrotschnitten (unlöblich: Toast), mehrere Scheiben Capocollo sowie ein grosses Glas O-Saft – schmeckt gar nicht schlecht.


Capocollo schmeckt prima

11.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf 11 zugeht, klatsche ich in die Hände und lasse Dixon wissen, dass wir nun losfahren können. Der Rüde lässt sich nicht zweimal bitten und folgt mir brav zum Chevrolet Suburban. Wie es sich gehört, helfe ich den Vierbeiner auf die Ladefläche und gleite zügig von dannen.
11.45 Uhr Nach wenigen Minuten finde ich mich im Baumarkt meines Vertrauens wieder und werde am Informationsschalter vorstellig. In perfektem Englisch trage ich mein Problem vor und verdeutliche, dass ich die Abschlussleiste mit Silikon an die Wand kleben möchte. Der dunkelhäutige Knecht nickt eifrig und sagt, dass ich den benötigten Werkstoff in Gang Nummer 11 finden werde – das klappt wieder wie am Schnürchen.


Freundliche Mitarbeiter bei HOME DEPOT

12.30 Uhr Um nicht Wurzeln zu schlagen, beende ich den Einkauf und zücke an der Kasse meine prallgefüllte Geldbörse. Danach werfe ich die Silikonkartusche ins Auto und kehre mit meinem braven Haustier im Schlepptau in die benachbarte “Burger King” Gaststätte ein. Da mein Magen knurrt, fackle ich nicht lange und ordere vier “Chili Cheese Hot Dogs” (löblich: gegrillter Chilli Käse Heisser Hund) sowie einen grossen Becher Diät Cola – immerhin muss ich auf meine schlanke Linie achten.
13.00 Uhr Als ich kraftvoll zubeisse, bimmelt plötzlich das Telefon und Edelbert meldet sich im Rohr. Der schlaue Mann ist ganz aufgeregt und erzählt, dass er gerade einen aufschlussreichen Bericht über das Oktoberfest im Fernsehen verfolgt hat. Mein Bekannter rückt sogleich mit der ganzen Wahrheit heraus und meldet, dass die Stadt München in diesem Jahr noch mehr Geld in diverse Sicherheitsmassnahmen investieren wird. Ich rolle demonstrativ mit den Augen und entgegne, dass mir alles Wurst ist.


Meine schöne Küche

14.00 Uhr Wieder zurück im Willoughby Drive, spanne ich die Silikonkartusche in die Auspresspistole und klebe die Abschlussleiste gekonnt an die Wand. Dummerweise schmiere ich mir beim Versuch, die Kartusche aus der Pistole zu nehmen, etwas Silikon auf mein modische Hawaiiheld. Weil das synthetische Polymere kaum abwaschbar ist, sehe ich mich genötigt, das Hemd sofort zu wechseln – was muss ich denn noch alles ertragen.
15.00 Uhr Nach getaner Arbeit falle ich gähnend aufs Kanapee und entspanne mich von den Strapazen des Vormittags. Ich döse alsbald ein und sehe mich im Traum in die kanadische Millionenmetropole Toronto versetzt.
16.00 Uhr Schon bald leckt mir der Vierbeiner über die Hand und fordert mich auf, in die Gänge zu kommen und die Terrassentüre zu öffnen. Ich zögere keine Sekunde und mache es mir zur Aufgabe, mit dem Rüden etwas Ball zu spielen und den vertrockneten Rasen zu bewässern – das macht Spass.
17.00 Uhr Anschliessend bereite ich unter Dixons fordernden Blicken das Abendessen zu. Da abwechslungsreiche Kost sehr wichtig ist, schwenke ich gesundes Butterschmalz in einer Pfanne und brate Kartoffeln an. Dazu gibt es ein kleines T Knochen Schnitzel (unlöblich: T Bone Steak) sowie eine leckere Pilzsauce aus der Tüte – das duftet.

18.00 Uhr Zum Abschluss des langen Tages sorge ich in der Küche für Sauberkeit und Ordnung. Zu guter Letzt lege ich in der klimatisierten Stube die Beine hoch und gebe mich den Abendnachrichten auf FOX hin.
19.00 Uhr Zur besten Fernsehzeit erfreue ich mich an der Komödie “Silver Linings” aus dem Jahre 2012 und tauche in das Leben eines jungen Mannes ein, der sich nach acht Monaten in einer psychiatrischen Anstalt im Leben zurechtfinden muss. Ferner lernt er eine hübsche Dame kennen und verliebt sich Hals über Kopf – wie lächerlich.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung beende ich den Fernsehabend und lösche sämtliche Lichter. Danach ziehe ich mich ins Schlafzimmer zurück und lege mich schlafen. Gute Nacht.

12. Juni 2018 – Wir schuften im Garten

08.00 Uhr Ich öffne die Augen und fühle mich wegen des subtropischen Klimas wie gerädert. Trotz der grossen Hitze schwinge ich mich pflichtbewusst aus dem Bett und läute den Morgen mit dem Frühsport auf der Terrasse ein. Nebenher tratsche ich mit Herrn Booth und vernehme, dass seine Nichte Melody bald in Naples eintreffen und einige Wochen im Nachbarhaus wohnen wird. Der Vietnamveteran versorgt mich mit Fakten und erzählt, dass die 34jährige immer noch im “Grossen Apfel” (unlöblich: Big Apple) als Karikaturistin arbeitet und mittlerweile beim renommierten “Condé Nast Verlag” angestellt ist. Ich mache grosse Augen und erinnere mich, dass in besagtem Verlagshaus unter anderem das “New Yorker” Magazin erscheint – wie aufregend.
08.30 Uhr Weil mein Magen eigenartige Knurrlaute von sich gibt, kehre ich schnaufend in die kleine Villa zurück und nehme die futuristische DeLonghi Kaffeemaschine in Betrieb. Danach verschwinde ich im Bad und entspanne mich bei einem erfrischenden Wirbelbad – da kommt Freude auf.


Mein Zuhause unter Palmen

09.30 Uhr Just als ich mich abtrockne, klingelt es an der Türe und ich kann Georg und Maria herzlich Willkommen heissen. Meine Verwandten begrüssen mich überschwänglich und präsentieren eine prallgefüllte Gebäckschachtel aus der “Biscotti Farrugia” Bäckerei. Wie es sich gehört, winke ich die netten Menschen herein und lasse mir spornstreichs ein mit Sahne und Früchten gefülltes Cannoli schmecken.


Cannolis schmecken prima

10.00 Uhr Während wir die wichtigste Mahlzeit des Tages in der klimatisierten Stube einnehmen, kommt mein Bruder auf seinen morgendlichen Abstecher in den “Home Depot” Baumarkt zu sprechen und verrät, dass er sich eine nagelneue Heckenschere geleistet hat. Meine Schwägerin nickt eifrig und ermutigt mich, die Kletterrosen an der Hausfassade schleunigst zu stutzen. Bevor ich antworten kann, fällt mir Georg ins Wort und beteuert, dass er grosse Lust hätte, mir bei der Gartenarbeit zur Hand zu gehen – das hat gerade noch gefehlt.
11.00 Uhr Nach der Jause flitzt Georg wie vom Blitz getroffen zu seinem JEEP, um die Gartenschere hervorzuholen. Ich rolle demonstrativ mit den Augen und bemerke, dass das Schneidewerkzeug mit einer gehärteten Klinge sowie mit besonders stabilen Profilgriffen ausgestattet ist. Georg schenkt mir ein Lächeln und macht es sich zur Aufgabe, die abgestorbenen Triebe des Rosengewächs zu stutzen. Unterdessen drücke ich Maria einen Besen in die Hand und beauftrage sie, den Eingangsbereich zu kehren – immerhin kann ich mich nicht um alles kümmern.
11.30 Uhr Während meine Verwandten bei schweisstreibenden 90°F (31°C) hart schuften, genehmige ich mir ein Bier und statte Frau Pontecorvo einen Besuch ab. Ich treffe meine Nachbarin in der Küche an und werde Zeuge, wie sie eine vitaminreiche Eistorte aus dem Kühlschrank holt. Die Perle leckt sich die Lippen und meint, dass sie nun Kaffee aufbrühen und Georg sowie Maria zu einem geselligen Kränzchen einladen wird – das soll mir Recht sein.


Georg und Herr Wang spielen Golf

12.30 Uhr Kurz nach dem Mittagsläuten winke ich die Beiden zum Nachbarshaus und merke an, dass wir am Nachmittag den Rasen mähen und abgefallene Palmwedel aufsammeln könnten. Georg schüttelt jedoch den Kopf und kündigt an, dass er gegen 15 Uhr mit Herrn Wang auf dem Golfplatz verabredet ist. Darüber hinaus redet Maria ohne Unterlass auf mich ein und verdeutlicht, dass morgen ein weiterer Ausflug ansteht. Ich spitze die Ohren und lerne, dass meine Verwandten ins Landesinnere krusen wollen – das ist mir Wurst.
13.45 Uhr Nachdem die netten Leute das Weite gesucht haben, wünsche ich Frau Pontecorvo einen geruhsamen Nachmittag und verabschiede mich nach nebenan. Gähnend bette ich mich auf dem Kanapee zur Ruhe und döse prompt ein, um von meinem Abstecher zur Berkeley Universität zu träumen – das war eine Gaudi.
14.45 Uhr Ich werde alsbald durch lautes Bellen geweckt und sehe mich genötigt, die Terrassentüre zu öffnen. Während Dixon behäbig in den Garten trabt, nehme ich kaffeeschlürfend am Schreibtisch Platz und nutze die Ruhe, um mich der wichtigen Anschnurseelsorge hinzugeben. Obgleich es unerträglich heiss ist, nehme ich die unzähligen elektronischen Briefe in Augenschein und helfe, wo ich nur kann.


Hund Dixon ist brav

15.45 Uhr Sechzig Minuten später beende ich die Anschnursitzung und breche mit dem Vierbeiner zu einem erquickenden Gassigang durchs Wohngebiet auf. Unter anderem passiere ich das heruntergekommene Zuhause von Familie Connor und werde Zeuge, wie der jüngste Spross der asozialen Familie Photos mit seinem Handtelefon knipst. Natürlich spreche ich Francis sogleich an und lasse ihn wissen, dass er weder mich, noch mein kultiviertes Eigenheim ablichten darf – wo kämen wir denn da hin.
16.45 Uhr Endlich bin ich wieder dahoam und mache mich in der Küche nützlich. Ich erwärme tiefgefrorenen Spinat und zaubere dazu köstliche Bratkartoffeln und Spiegeleier – wie das duftet.
17.45 Uhr Nach der Jause fülle ich ROYAL CANIN Trockenfutter in Dixons Napf und vergesse auch nicht, die Geschirrspülmaschine knopfdrückend in Betrieb zu setzen – Ordnung und Sauberkeit sind mir sehr wichtig.
18.15 Uhr Ein anstrengender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Da mein Rücken von der Gartenarbeit schmerzt, falle ich erschöpft aufs Wohnzimmerkanapee und schaue mir die Nachrichten an. Ferner telefoniere ich mit Edelbert und informiere, dass ich heute viel um die Ohren hatte. Der schlaue Mann zeigt Verständnis und schlägt vor, dass wir uns morgen zum Frühstück treffen könnten – das hört sich verlockend an.

19.00 Uhr Nachdem ich auf den neuesten Stand gebracht wurde, wechsle ich auf HBO und erfreue mich am Gruseldrama “Cargo”. Während das Bier in Strömen fliesst, tauche ich in die Welt von Andy und Kay ein, die mit ihrer Tochter nach einer Zombie-Apokalypse zurückgezogen auf einem Hausboot leben – das ist ja allerhand.
21.00 Uhr Nach zwei Stunden schalte ich die Glotze gähnend aus und führe Hund Dixon noch einmal durch den Garten. Anschliessend lösche ich das Licht und lege mich schlafen. Gute Nacht.

24. August 2017 – Wir machen das Ferienhaus winterfest

08.15 Uhr Ein neuer Tag beginnt und ich trete vor das Gästehaus, um bei strahlendem Sonnenschein die Morgengymnastik zu absolvieren. Alsbald sehe ich mich mit meinem Bruder konfrontiert und vernehme, dass er sich entschlossen hat, in der kommenden Woche ebenfalls seine Zelte am Lake Simcoe abzubrechen. Ausserdem deutet der gute Mann zum nahegelegenen Mischwald und setzt mich darüber in Kenntnis, dass sich die Blätter langsam braun verfärben. Ich nicke eifrig und entgegne, dass der Herbst nicht mehr lange auf sich warten lässt.


Der Herbst lässt nicht mehr lange auf sich warten

08.45 Uhr Nachdem ich erfahren habe, dass wir nach dem Frühstück das Motorboot an Land ziehen werden, verabschiede ich mich in die Nasszelle. Voller Elan wasche ich mich heraus und spiele mit der Idee, mich für den angenehmen Aufenthalt erkenntlich zu zeigen und am Wochenende eine Grillfeier zu veranstalten.
09.45 Uhr Nach Rosenöl duftend, trete ich aus der Nasszelle und bemerke, dass Edelbert auch schon auf den Beinen ist. Der schlaue Mann präsentiert sich in einer schicken Badehose und sagt, dass er nach der wichtigsten Mahlzeit des Tages im See baden und sich im Rückenschwimmen üben wird – das soll mir auch Recht sein.
10.15 Uhr Als wir das Frühstück einnehmen, plappert mein Bruder ohne Unterlass und beteuert, dass wir nicht nur das Motorboot einholen, sondern auch den Wasserhahn am hinteren Teil des Ferienhauses abmontieren müssen. Als ich genauer nachfrage, verweist Georg auf den harten Winter und informiert, dass sonst die Wasserleitung einfrieren und bersten könnte. Darüber hinaus höre ich, dass James und David während der Vormittagsstunden das Kaminrohr reinigen und die Drosselklappe auf ihre Funktion überprüfen werden.


James und David kümmern sich um den Kamin

11.00 Uhr Trotz alledem lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und folge Georg nach der Mahlzeit an den See. Mein Bruder löst das Tau vom Anlegesteg und macht es sich zur Aufgabe, den Bug des Schnellbootes in Richtung Ufer zu drehen. Währenddessen parkt James den JEEP vor die Scheune und zögert nicht, den Bootsanhänger zum Wasser zu ziehen – diesem Stress steht nicht einmal der stärkste Rentner stand.
11.30 Uhr Nachdem sämtliche Vorarbeiten abgeschlossen sind, verbindet Georg das Boot mit dem Geländewagen und gibt James den Auftrag, den Rückwärtsgang einzulegen und auf das Gaspedal zu treten. Unterdessen gehe ich Amanda zur Hand und sorge dafür, dass das Motorboot vorsichtig auf den Anhänger gezogen wird – wie aufregend.
12.00 Uhr Nach dreissig Minuten haben wir den Viersitzer in der Scheune untergestellt und Georg nimmt sich das Recht heraus, die Bordwand in Augenschein zu nehmen. Weil sich Algen angesetzt haben, holt mein Bruder seinen leistungsstarken Hochdruckreiniger hervor und sorgt im Handumdrehen für Ordnung und Sauberkeit – wie schön.
12.30 Uhr Als nächstes stellen wir einen Plastikeimer unter den 360 PS starken Aussenbordmotor und lassen das Motoröl sowie den Treibstoff ab. Georg erhebt neuklug den Zeigefinger und berichtet, dass die Schmierstoffe das Metall angreifen kann. Ich zucke mit den Schultern und erkundige mich, wann Maria das Mittagessen auftischen wird. Meine Schwägerin beruhigt mich redlichst und verspricht, nahrhafte Wurstbrote vorzubereiten – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.


Wir beissen kraftvoll zu

13.15 Uhr Während die Sonne vom Himmel brennt und für subtropische Temperaturen sorgt, lassen wir uns völlig erschöpft auf der Terrasse nieder und beissen kraftvoll zu. Georg wischt sich mit dem Handrücken über die nasse Stirn und erinnert, dass wir jetzt nur noch den Wasserhahn abmontieren müssen. Da ich handwerklich sehr geschickt bin, melde ich mich sogleich zu Wort und stelle klar, dass ich nach der Brotzeit zur Tat schreiten werde.
14.00 Uhr Nach der wohlverdienten Pause stibitze ich mir zwei Bierflaschen aus dem Eiskasten und fordere Edelbert auf, mir behilflich zu sein. Der Professor schnippt mir den Fingern und sagt, dass wir nichts überstürzen sollten. Ich schenke meinem Bekannten ein Lächeln und stapfe hinters Haus, um mich am Seeufer niederzulassen. Während ich Edelbert zuproste und meine ausgetrocknete Kehle spüle, kommt mein Bekannter auf die bevorstehende Abreise zu sprechen und meint, dass es ein Vergnügen werden wird, durch Detroit zu krusen und die schöne Stadt Nashville wieder zu sehen – das kann man laut sagen.


Wir blicken auf den Lake Simcoe

15.00 Uhr Als der Stundenzeiger meiner ROLEX auf 3 zugeht, kommt Georg dazu und lotet aus, ob wir den Hahn in der Zwischenzeit abgeschraubt haben. Ich schüttle den Kopf und weise auf die Tatsache hin, dass wir zuerst die Wasserzufuhr unterbrechen müssen. Mein Bruder rollt demonstrativ mit den Augen und stellt die Behauptung auf, dass ich zu nichts zu gebrauchen bin. Bevor ich Widerworte finde, macht mir der Heini die Pumpenzange streitig und sagt, dass er nun selbst Hand anlegen wird – was muss ich denn noch alles ertragen.
16.00 Uhr Endlich haben wir alles erledigt. Um eine kleine Abkühlung zu bekommen, verschwinde ich spornstreichs im Gästezimmer und schlüpfe in meine Badehose. Danach stürze ich mich juchzend ins kühle Nass und schwimme auf und ab. Hund Dixon folgt meinem Beispiel und erfrischt sich ebenfalls – da kommt besonders grosse Freude auf.
17.00 Uhr Wenig später ruft uns Maria ins Haus und tischt ein Zürcher Geschnetzeltes nach einem Rezept ihrer Oma auf. Mit nassen Haaren lasse ich mich am Esstisch nieder und bemerke, dass sich meine Schwägerin wieder einmal selbst übertroffen hat. Auch Edelbert überschüttet Maria mit Lob und unterbreitet, dass sie es jederzeit mit dem Jahrhundertkoch Paul Bocuse aufnehmen kann – wie wahr.
18.00 Uhr Ein nervenaufreibender Tag neigt sich langsam seinem Ende zu. Wie es sich für einen kultivierten Menschen gehört, lasse ich die Seele bei einem Duschbad baumeln und setze mich dann zu den anderen ins klimatisierte Wohnzimmer, um mir die Nachrichten anzuschauen. Ausserdem tratschen wir angeregt und kommen überein, dass wir am Samstag Abend eine grosse Grillfeier veranstalten sollten. Maria ist hellauf begeistert und sagt, dass sie auch die McMullond zu dieser Sause einladen wird – das soll mir auch Recht sein.

19.00 Uhr Nachdem sich David zu Ruhe gelegt hat, wechseln wir den Programmplatz und frönen auf HBO dem lächerlichen Abenteuerfilm “Logan”. Der zwielichtige Streifen ist in der Zukunft angesiedelt und erzählt die haarsträubende Geschichte eines Superheldens, der sich aufmacht, gegen das Böse zu kämpfen – so ein Schmarrn.
21.00 Uhr Nach 120 Minuten flimmert der Abspann über die Mattscheibe. Ich klopfe mir lachend auf die Schenkel und gebe zu Protokoll, dass ich selten einen grösseren Unsinn gesehen habe. Vogelzeigend erhebe ich mich vom Kanapee und ziehe es vor, mich schlafen zu legen. Gute Nacht.

30. Mai 2016 – Gartenarbeit und Asylanten

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08.00 Uhr Eine neue Woche beginnt und ich schwinge mich voller Tatendrang aus dem Bett. Weil ich Edelbert bei der Gartenarbeit helfen muss, verzichte ich auf die Morgengymnastik und verabschiede mich spornstreichs in die Nasszelle. Ich entspanne mich bei einem prima Brausebad und vergesse auch nicht, mir die Bartstoppeln abzurasieren – da kommt besonders grosse Freude auf.

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Ich rasiere mich redlichst

09.00 Uhr Pünktlich zum Neunuhrläuten rutsche ich auf dem Treppengeländer nach unten und finde die Küche verlassen vor. Missmutig sehe ich im Garten nach dem Rechten und bemerke, dass die Kinder ausgeflogen sind und die Haustüre offen gelassen haben – wie unlöblich.
09.30 Uhr Nachdem ich sichergestellt habe, dass sich keine Penner in die Villa geschlichen haben, setze ich mich an den Küchentisch und verzehre im Beisein meines Hundes und der Katzen vitaminreiche Honigbrote. Nebenher blättere ich in der Zeitung und ärgere mich, als das Telefon plötzlich klingelt. Zu allem Überfluss meldet sich der Professor und fordert mich auf, zeitnah in den Haselnussweg zu kommen und die Gartenwerkzeuge mitzubringen.
10.00 Uhr Redlichst gestärkt räume ich das Geschirr in die Spülmaschine und schlurfe dann in die Garage, um Harke, Besen, Sense, Schaufel, Strauchschere sowie den leistungsstarken Elektromäher in den Kofferraum des frisch aufpolierten JAGUARS zu verfrachten. Im Anschluss scheuche ich Dixon auf die Rückbank des Sportwagens und schicke mich an, mit durchdrehenden Pneus vom Grundstück zu rasen.


Edelberts Eigenheim

10.45 Uhr Wenig später komme ich hupend vor Edelberts Häuschen zum Stehen und begrüsse den schlauen Mann herzlich. Mein Bekannter nimmt den Rasenmäher aus dem Kofferraum und meint, dass wir zuerst dem hochgewachsenen Gestrüpp zu Leibe rücken sollten. Ich nicke eifrig und mache es mir zur Aufgabe, die Sense zu schwingen und die Brennnessel abzumähen. HEUREKA – das könnte nicht einmal ein Bauer besser.
11.30 Uhr Unterdessen sägt Edelbert einen überstehenden Ast des Apfelbaumes ab und beteuert, dass er morgen im Büro eines Maklers vorstellig werden wird. Ich schüttle den Kopf und erzähle, dass Sandras Arbeitskollegin eine Kammer im Münchner Problembezirk Neuperlach für knapp 1.800 Euros an eine syrische Grossfamilie vermietet hat. Prof. Kuhn wird sogleich hellhörig und meint, dass es gar keine schlechte Idee ist, an der Flüchtlingskrise mitzuverdienen. Ich stimme zu und ermutige Edelbert, im Landratsamt anzurufen und sich beraten zu lassen.

weissbier
Oans, zwoa, drei – g’suffa

12.30 Uhr Als die Sonne ihren Höchststand erreicht hat, stelle ich die Sense weg und komme zu dem Schluss, dass nun die Zeit gekommen ist, um ein Bier zu trinken. Edelbert folgt mir plappernd ins Haus und serviert ein perfekt eingeschenktes Erdinger Weissbier. Dazu gibt es mit Schinken und Käse belegte Wurstsemmeln sowie köstliche Gewürzgurken aus dem Glas. Ferner werde ich Zeuge, wie Edelbert das Telefonbuch aufschlägt und sich die Rufnummer des örtlichen Landratsamtes auf einem Zettel notiert. Ausserdem reibt sich mein Tischnachbar die Hände und meint, dass er dem Landratsamt für das 250 Quadratmeter grosse Anwesen mindestens 2.000 Euros pro Monat in Rechnung stellen wird. Ich zucke mit den Schultern und entgegne, dass der Staat händeringend nach Wohnfläche sucht und bestimmt jeden Preis bezahlen wird.
13.30 Uhr Nach der Pause kehre ich pfeifend in den Garten zurück und werfe den Rasenmäher an. Zufrieden drehe ich meine Runden und komme zu dem Schluss, dass ich als nächstes die Erde in den Blumenbeeten auflockern und den Rhododendron zustutzen sollte.
14.30 Uhr Just als ich die Gartenabfälle auf einem Haufen zusammentrage und mir den Schweiss von der Stirn wische, fährt Admiral a.D. Bürstenbinder auf seinem verrosteten Damenfahrrad vor. Der Seebär begrüsst mich winkend und setzt mich darüber in Kenntnis, dass er süffiges PAULANER Helles mitgebracht hat. Bevor ich antworten kann, schnallt der gute Mann die Bierkiste vom Gepäckträger und ermutigt mich, mir eine Halbe zu Gemüte zu führen – das lasse ich mir nicht zweimal sagen.
15.00 Uhr Da die Sonne vom Himmel brennt, kehren wir kurzerhand ins Haus zurück und werden Zeugen, wie Edelbert das Telefon zur Seite legt. Der schlaue Mann rückt seine MIAMI DOLPHINS Kappe zurecht und berichtet, dass er soeben mit einem Heini aus dem Landratsamt telefoniert und herausgebracht hat, dass die Asylbehörde das Einfamilienhaus im Haselnussweg gerne anmieten würde. Zudem erfahren wir, dass der Staatsdiener einen 2 Jahres Vertrag mit einer monatlichen Miete in Höhe von 1.950 Euros angeregt hat. Der Professor ist ganz aus dem Häuschen und merkt an, dass er für morgen einen Besichtigungstermin vereinbaren konnte – wie aufregend.

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Rhododendron / Bild: Dominicus Johannes Bergsma / CC

16.00 Uhr Nach der zweiten Halbe laufen wir in den Garten und wenden uns dem verwilderten Rhododendron zu. Unter den faszinierten Blicken meiner Bekannten lege ich die Schere an den Trieben an und sorge im Handumdrehen für einen perfekten Schnitt. Edelbert lobt mich über den Schellenkönig und meint, dass sein Garten nun wieder vorzeigbar ist – wie wahr.
16.45 Uhr Fix und foxi räume ich die Gartenwerkzeuge ins Auto und gebe zu Protokoll, dass ich nun den Heimweg antreten werde. Friedbert wünscht mir einen schönen Abend und kündigt an, dass er nun in den Wilden Esel einkehren und eine Brotzeit essen wird.
17.15 Uhr Endlich bin ich wieder zu Hause und treffe Sandra kochlöffelschwingend in der Küche an. Meine Mieterin wünscht mir einen guten Tag und sagt, dass sie gleich ein veganes Rissotto mit Pilzen auftischen wird. Ich lecke mir die Lippen und hole zur Feier des Tages das beste Geschirr aus dem Küchenschrank. Ausserdem öffne ich eine PET Packung Tavernello Wein und entzünde eine Kerze.
18.00 Uhr Während des romantischen Abendessens lasse ich meine Tageserlebnisse Revue passieren und erzähle, dass Edelbert den Entschluss gefasst hat, sein Haus an Flüchtlinge zu vermieten. Das Mädchen nippt genüsslich am Rebentrunk und antwortet, dass der Professor bald in Geld schwimmen wird.
19.00 Uhr Nachdem wir die Hausarbeit erledigt haben, mache ich es mir neben Sandra auf dem Wohnzimmerkanapee gemütlich. Um auf andere Gedanken zu kommen, wählen wir das Qualitätsprogramm von RTL 2 aus und geben uns dem Fernsehformat “Berlin – Tag und Nacht” hin. Ich folge der Handlung mit grosser Skepsis und stelle fest, dass viele der Schauspieler tätowiert sind – wie furchtbar.

20.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit wechselt Sandra auf den Frauensender SIXX und erfreut sich an der amerikanischen Serie “Sex and the City”. Um nicht ganz zu verblöden, schlage ich die Tageszeitung auf und löse das grosse Kreuzworträtsel auf der bunten Seite – das macht Spass.
21.00 Uhr Als der Zeiger der Wanduhr auf 9 zugeht, verabschiede ich mich von Sandra und ziehe mich ins Gästezimmer zurück. Gute Nacht.

 

27. Mai 2016 – Viel Arbeit im Waldweg

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08.00 Uhr Beschwingt hüpfe ich aus dem Bett und registriere, dass ich nun schon seit knapp drei Wochen in Bayern bin. Um meine Verwandten auf dem Laufenden zu halten, nehme ich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) zur Hand und rufe im Ferienhaus meiner Liebsten an. Bereits nach dem zweiten Tuten meldet sich mein Bruder und schimpft, weil es Mitten in der Nacht ist. Ferner vernehme ich, dass meine Verwandten am gestrigen Abend Frau Pontecorvo sowie Herr Wang im Lowbank Drive zu Gast hatten – das hört man gerne.

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Herr Wang ist im Lowbank Drive zu Gast

08.30 Uhr Nachdem ich erfahren habe, dass Georg und Maria noch bis Mitte Juni im Sonnenscheinstaat bleiben werden, beende ich das Telefonat und genehmige mir eine kalte Dusche – das tut richtig gut.
09.15 Uhr Kurz nach dem Neunuhrläuten werde ich in der Küche vorstellig und sehe mich mit Sandra konfrontiert. Meine Mieterin legt beste Laune an den Tag und erzählt, dass sie heute frei hat und nicht im Kreisverwaltungsreferat schuften muss. Ich schnalze mit der Zunge und gebe dem Kind zu verstehen, dass es mir beim Streichen des Garagentores zur Hand gehen kann. Die Maid zeigt sich prompt einverstanden und beteuert, dass im Garagenregal ein Topf mit brauner Farbe steht – das hört man gerne.
10.00 Uhr Nach dem Frühstück lasse ich Hund Dixon in den Garten hinaus und mache es mir zur Aufgabe, nach Sandpapier, Pinseln und der Farbe Ausschau zu halten. Prompt werde ich fündig und beginne damit, das von Regen, Wind und Sonneneinstrahlung in Mitleidenschaft gezogene Tor abzuschleifen. Sandra gesellt sich zeitnah an meine Seite und setzt mich darüber in Kenntnis, dass sie Morgen das Champions League Finale im Park Cafe anschauen wird. Ich nicke eifrig und erinnere, dass am Samstag Prof. Kuhn aus Berlin zurück kommen wird.

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Lustiges Sandpapier

10.45 Uhr Just als ich bekannt gebe, dass ich Edelbert vom Bahnhof abholen werde, kommt Frau Rudolph an den Gartenzaun und wünscht uns einen schönen Morgen. Wie es sich gehört, erwidere ich den Gruss und erkläre der hochnäsigen Nachbarin, dass man als Hausbesitzer kaum eine ruhige Minute findet. Frau Rudolph zuckt mit den Schultern und zieht es vor, ihren Restmüll fachgerecht zu trennen – gleich platzt mir der Kragen.
11.30 Uhr Während der schweisstreibenden Streicharbeit tratsche ich mit Sandra und rechne vor, dass ich in fünfzehn Tagen mein Ränzlein schnüren und nach Florida ausfliegen werde. Laut seufzend wische ich mir einen Farbklecks vom Arm und weise auf die Tatsache hin, dass ich Edelbert in der kommenden Woche bei der Gartenarbeit helfen werde. Sandra gibt mir Recht und sagt, dass Prof. Kuhns Eigenheim in diesem heruntergekommenen Zustand kaum vermietet werden kann. Darüber hinaus regt das Mädchen an, das Einfamilienhaus kurzerhand an Asylanten zu vermieten. Bevor ich Widerworte finde, kommt Sandra auf eine Arbeitskollegin zu sprechen und behauptet, dass die Dame eine düstere Ein-Zimmer-Wohnung im Münchner Problembezirk Neuperlach für knapp 1.000 Euros an eine syrische Grossfamilie vermietet hat. Meine Mieterin ist bestens informiert und belehrt, dass die Gemeinden händeringend nach Wohnungen suchen und in der Regel fast das Doppelte der marktüblichen Mieten bezahlen – das hört sich verlockend an.

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Ich trinke ein kühles Bier

12.30 Uhr Sechzig Minuten später haben wir unser Werk vollbracht. Während Sandra die Pinsel entsorgt, schleppe ich mich schnaufend auf die schattige Terrasse und lösche meinen Durst mit einem Löwenbräu Hellen. Wenig später fährt das Kind köstliche Käsebrote auf und verwöhnt mich ausserdem mit einem Glas Kir Royal.
13.00 Uhr Im Laufe der Brotzeit spreche ich erneut meine Heimreise an und lasse meine Tischnachbarin wissen, dass ich dem Leben in meiner alten Heimat gar nichts mehr abgewinnen kann. Unter anderem lasse ich kein gutes Haar an der Regierung und stelle klar, dass die Politiker von CDU und SPD in den letzten Jahren vieles Falsch gemacht haben. Sandra schlägt in die gleiche Kerbe und ist sich sicher, dass die Regierenden bei der Bundestagswahl im kommenden Jahr eine ordentliche Abreibung bekommen werden – wie wahr.
14.00 Uhr Kurze Zeit später fährt Admiral a.D. Bürstenbinder auf seinem verrosteten Fahrrad vor und nimmt sich das Recht heraus, sich zu uns zu setzen. Wie es sich gehört, serviere ich dem Seebären eine eiskalte Hopfenkaltschale und erkundige mich nach dem Rechten. Friedbert wischt sich die Schweissperlen von der Stirn und kündigt an, dass er gleich zum Konsumland radeln wird. Ich winke spornstreichs ab und gebe zu Protokoll, dass ich bereits am Mittwoch im Supermarkt war und ein kleines Vermögen ausgeben musste – wo soll das noch hinführen.
15.00 Uhr Nachdem der Seefahrer weitergezogen ist, kehre ich in die gute Stube zurück und bette mich auf dem Kanapee zur Ruhe.
16.00 Uhr Leider wird die himmlische Ruhe bald durch lautes Telefonschellen gestört. Zu meiner Freude meldet sich Elsbeth im Rohr und unterbreitet, dass sie am kommenden Mittwoch nach München ausfliegen und mir bis zum Sonntag einen Besuch abstatten wird. Ferner bittet mich meine Schwester, vom 1. bis zum 5. Juli ein Zimmer im Kastanienhof zu buchen – das ist doch eine Selbstverständlichkeit.

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Elsbeth kann nicht im Waldweg wohnen

16.30 Uhr Da Elsbeth nicht im Waldweg unterkommen kann, rufe ich als im besagten Hotel an und ordere vom kommenden Mittwoch bis einschliesslich Sonntag eine schöne Unterkunft zu je 99 Euros pro Nacht. Die Dame am Empfang notiert sich meine Angaben und versichert, dass sie meiner Schwester das schönste Zimmer reservieren wird – das hört man gerne.
17.15 Uhr Als der Stundenzeiger meiner wertvollen ROLEX auf Viertel nach Fünf zugeht, kommt Sandras Mitbewohnerin von der Arbeit zurück. Weil unsere Mägen knurren, machen wir uns augenblicklich in der Küche nützlich und zaubern im Handumdrehen einen gesunden Salat sowie Langnudeln mit Käsesauce.

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Wir lassen uns Langnudeln schmecken

18.00 Uhr Endlich können wir uns an den Terrassentisch setzen und zum Besteck greifen. Ich stopfe die Teigwaren hungrig in mich hinein und schlage vor, dass wir am Abend Fernsehschauen könnten. Leider schütteln die Frauenzimmer im Einklang die Köpfe und machen mich auf den Umstand aufmerksam, dass sie sich gleich mit Sandras Cousin im Lichtspielhaus treffen werden – wie schade.
19.00 Uhr Trotz aller Widrigkeiten lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und giesse mir ein Weissbier ein. Anschliessend mache ich es mir neben Hund Dixon auf dem Wohnzimmersofa bequem und schalte die Glotze ein. Um auf den neuesten Stand zu kommen, gebe ich mich den Nachrichten im ZDF hin und lerne, dass die Arbeitslosenzahlen schon wieder angestiegen sind – das ist wieder typisch.
20.00 Uhr Zur besten Sendezeit schalte ich auf PHOENIX um und schaue mir eine Dokumentation über Mohammed an. Schnell wir mir klar, dass der selbsternannte Religionsführer ein grausamer Tyrann war – wie furchtbar.
21.00 Uhr Ein aufschlussreicher Fernsehabend geht zu Ende und ich betätige gähnend den “OFF” (löblich: AUS) Knopf auf der Fernbedienung. Nachdem ich die Vorhänge zugezogen habe, eile ich mit Hund Dixon im Schlepptau nach oben und falle übermüdet ins Bett. Gute Nacht.