18. September 2018 – Morleys & Paul McCartney

08.00 Uhr Wie es sich für einen rüstigen Rentner gehört, stehe ich heute zeitig auf und scheuche den Vierbeiner nach draussen. Bei angenehmen Temperaturen lockere ich meine Glieder und habe das Vergnügen, einen farbenfrohen Pelikan zu sehen, der durch den künstlich angelegten Tümpel stolziert. Als das Federvieh seinen Schnabel in das trübe Wasser steckt, schnellt plötzlich die handzahme Echse Billy hervor – da kommt Freude auf.
08.30 Uhr Schmunzelnd beende ich die Morgengymnastik und kehre mit Dixon im Schlepptau ins Wohnhaus zurück. Während sich mein tierischer Begleiter über einen Kauknochen hermacht, ziehe ich mich ins Bad zurück und nehme mit einem erfrischenden Wirbelbad Vorlieb. Ausserdem telefoniere ich mit Prof. Kuhn und nehme mir das Recht heraus, ein gemeinsames Frühstück anzuregen. Der schlaue Mann freut sich sehr und meint, dass wir uns im “The Cafe” an der 5th Avenue treffen könnten – das hört man gerne.
09.30 Uhr Nachdem wir uns ausgeplaudert und ich mir die Haare gewaschen habe, steige ich aus der Wanne und vergesse auch nicht, meine Verwandten über das anstehende Treffen zu informieren. Georg ist hellauf begeistert und verspricht, gegen 11 Uhr mit seiner Frau in der besagten Gaststätte zu sein – wie aufregend.
10.00 Uhr Bevor ich mich auf den Weg mache, bürste ich Dixons krauses Fell und lege ihm das schöne Lederhalsband um. Anschliessend nehme ich den Autoschlüssel von der Ablage und schicke mich an, zu stimmungsvoller WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) Radiomusik in die Stadt zu krusen.


Katze Land – der weltbeste Radiosender

10.45 Uhr Überpünktlich erreiche ich mein Ziel und habe die grosse Ehre, Georg, Maria sowie Edelbert per Handschlag begrüssen zu können. Da unsere Mägen laut knurren, fackeln wir nicht lange und nehmen einen einladenden Tisch im Kaffeehaus unseres Vertrauens in Beschlag. Schon bald kommt ein gestriegelter Kellner daher und legt uns nahe, grosse Frühstücke mit Kaffee zu ordern – das hört sich verlockend an.
11.30 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, kommt Maria auf die Kinder zu sprechen und behauptet, dass sich Amanda eine Grippe eingefangen hat und seit dem Wochenende das Bett hüten muss. Natürlich schlage ich sogleich die Hände über dem Kopf zusammen und erkläre meiner Schwägerin, dass mit grippalen Infekten nicht zu Spassen ist. Edelbert schlägt in die gleiche Kerbe und meint, dass Kräutertees und/oder ein Zwiebelsaft gegen Husten stets helfen. Ich nicke eifrig und halte den Ober an, eine weitere Kanne Bohnentrunk aufzufahren.


Bitte nicht rauchen

12.30 Uhr Sechzig Minuten später verlassen wir die Wirtschaft und unternehmen einen Spaziergang durch das überlaufene Stadtzentrum. Während sich Georg eine zum Himmel stinkende Zigarette aus dem Hause “MORLEYS” ansteckt, werfe ich prüfende Blicke in die Schaufenster der Modeboutiquen und komme schnell zu dem Schluss, dass die Händler derzeit mit stattlichen Rabatten locken. Da ich jedoch keinen Goldesel im Vorgarten stehen habe, schreite ich unaufhaltsam weiter und gebe mich nicht dem Konsumwahnsinn hin – wo kämen wir denn da hin.
13.00 Uhr Leider lotst uns Maria alsbald in den gutbesuchten “Chico’s” Kleidermarkt und macht es sich zur Aufgabe, Blusen und Hosenanzüge in Augenschein zu nehmen. Augenrollend nehme ich neben Georg auf einer Bank platz und mutmasse, dass wir Stunden in diesem Saftladen zubringen werden. Mein Bruder seufzt laut und verspricht, dass er mich zu einem Eis einladen wird – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.
13.45 Uhr Nachdem sich Maria ein Strandkleid für 97 Dollars geleistet hat, steuern wir die benachbarte Eisdiele an und lassen den Verkäufer wissen, dass wir das Pistazieneis probieren wollen. Im Anschluss schlendern wir zu den Autos zurück und vereinbaren, dass wir uns Morgen in Julies Restaurant zum Frühstück treffen sollten.
14.45 Uhr Endlich bin ich wieder zu Hause und kann aus den Kuhjungenstiefeln (löblich: Cowboyboots) schlüpfen. Zudem lasse ich die Jalousien nach unten gleiten und lege im Wohnzimmer eine kleine Pause ein – das tut gut.


Ich nehme einen kräftigen Schluck

15.45 Uhr Kurz vor dem Vieruhrläuten schwinge ich mich vom Kanapee und genehmige mir ein eisgekühltes Budweiser aus dem Kühlschrank. Danach mache ich es mir mit der Tageszeitung in der Hollywoodschaukel bequem und werde Zeuge, wie Dixon mit dem Nachbarshund spielt – das macht Spass.
16.45 Uhr Weil das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, kehre ich bald in die Küche zurück und nehme den Elektroherd in Betrieb. Fachmännisch träufle ich natives Olivenöl in eine Pfanne mit Teflonbeschichtung und brate ein vitaminreiches T-Knochen Schnitzel (unlöblich: T Bone Steak) an – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nach dem reichhaltigen Nachtmahl gehe ich zum gemütlichen Teil des langen Tages über und schaue mir die Nachrichten auf FOX an. Unter anderem vernehme ich, dass sich ein Hurrikan der amerikanischen Ostküste nähert und in den nächsten Stunden über South Carolina fegen wird – wie schrecklich.


Paul McCartney – Egypt Station

19.00 Uhr Zur besten Sendezeit gebe ich mich auf HBO einer aufschlussreichen Dokumentation über den Sänger Paul McCartney hin. Ich mache grosse Augen und lerne, dass der Mitbegründer der “Beatles” vor wenigen Tagen ein nagelneues Studioalbum mit dem Titel “Egypt Station” (löblich: Ägyptischer Bahnhof) herausgebracht hat. Ferner bringe ich in Erfahrung, dass besagter Silberling weltweit die Hitparaden stürmt und dem Heini weitere Millionen bescheren wird – wie ungerecht.
21.00 Uhr Verärgert schalte ich die Glotze aus und unternehme mit Dixon einen kleinen Rundgang durch den Garten. Anschliessend lösche ich sämtliche Lichter und lege mich schlafen. Gute Nacht.