13. September 2017 – Spass im Kasino

08.00 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und mache es mir noch vor dem Aufstehen zur Aufgabe, bei meinen Verwandten anzurufen. Gekonnt tippe ich die Rufnummer meines Bruders in die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und freue mich, Georg nach dem dritten Tuten zu erreichen. Der gute Mann versorgt mich mit Infos und erzählt, dass er mittlerweile in Jacksonville eingetroffen ist. Ferner erfahre ich, dass sich die lieben Menschen am gestrigen Abend in Downtown vergnügt und auch die weltbekannte “Laura Street” besucht haben – wie schön.


Meine praktische Schwarzbeere

08.30 Uhr Nachdem ich Georg einen schönen Aufenthalt gewünscht habe, beende ich das Telefonat und ziehe es vor, dem Frühsport auf der schattigen Terrasse nachzukommen. Hund Dixon leistet mir währenddessen Gesellschaft und nimmt sich das Recht heraus, in den Garten zu flitzen und einen Ajaja zu verjagen – wie lustig.
09.00 Uhr Just als ich mich bei einem erfrischenden Wirbelbad entspannt, bimmelt das Telefon und ich habe das Vergnügen, mit dem Professor sprechen zu können. Edelbert legt beste Laune an den Tag und schlägt vor, dass wir zum “Seminole Casino” krusen könnten. Ich überlege nicht lange und gebe meinem Bekannten unmissverständlich zu verstehen, dass er mich gegen halb Elf Uhr abholen kann – da kommt Freude auf.
10.00 Uhr Da es mir nicht möglich sein wird, den Vierbeiner mit ins Spielcasino zu nehmen, greife ich zur Hundeleine und statte meiner Nachbarin einen Besuch ab. Ohne zu Zögern drücke ich der kleinen Frau die Leine in die Hand und merke an, dass ich einem wichtigen Termin nachkommen muss. Ferner unterbreite ich, dass ich mich ausser Stande sehe, mich bis zum Abend um meinen treuen Begleiter zu kümmern. Frau Pontecorvo nickt eifrig und verspricht, Dixon wie ihren Augapfel zu hüten – das klappt wieder wie am Schnürchen.


Katze Land – der beste Radiosender

10.30 Uhr Wenig später fährt Edelberts schneeweisser JEEP vor. Ich steige augenblicklich zu und gebe zu Protokoll, dass ich Hund Dixon bei meiner Nachbarin unterbringen konnte. Der schlaue Mann ist begeistert und tritt das Gaspedal bis zum Anschlag durch. Während der kurzweiligen Reise in die Nachbarsgemeinde Immokalee lauschen wir dem Radioprogramm von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) und kommen überein, dass wir zu aller erst ein reichhaltiges Frühstück einnehmen sollten – immerhin habe ich heute noch nichts gegessen.
11.30 Uhr Kurz vor dem Mittagsläuten erreichen wir unser Ziel und stellen wohlwollend fest, dass sich nur wenige Besucher im Casino tummeln. Um nicht noch mehr Zeit zu vertrödeln, laufen wir zur Kasse und wechseln Geldscheine in lustige 25 Cent Münzen. Danach lassen wir die blinkenden Spielautomaten aussen vor und steuern das “1st Street Deli” an, um vitaminreiche Pastrami Sandwiches zu ordern – das schmeckt.


Wir beissen kraftvoll zu

12.15 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, kommt mein Begleiter auf die Entstehungsgeschichte des Kasinos zu sprechen und unterbreitet, dass dieses Haus von Seminolen Indianer geleitet wird und im Jahre 1994 eröffnet wurde. Ich nicke zustimmend und informiere, dass die Seminolen ursprünglich in Alabama heimisch waren und erst im 19. Jahrhundert nach Florida kamen – wie aufregend.
13.00 Uhr Nach der Stärkung nehmen wir an den Slot Machines platz und werfen Kleingeld in die Schlitze. Während die Glücksräder ohne Unterlass rotieren, wende ich mich Edelbert zu und erkundige mich, ob wir ihm hauseigenen Chinalokal “Noodle House” das Mittagessen einnehmen wollen. Der Professor zuckt mit den Schultern und entgegnet, dass er zuerst den Automaten um ein stattliches Sümmchen bringen möchte – papperlapapp.
14.00 Uhr Sechzig Minuten später habe ich 18 Dollars verspielt und verspüre ein eigenartiges Kratzen in meiner Kehle. Um nicht zu dehydrieren, winke ich eine Kellnerin herbei und gebe ein süffiges Budweiser in Auftrag. Edelbert folgt meinem Beispiel und kramt weitere Münzen aus seiner Hosentasche – wo soll das noch hinführen.
14.30 Uhr Weil ich es Leid bin, dem ständigen Gepiepse der Automaten zu lauschen, klatsche ich in die Hände und bringe eine Einkehr in die Nudelwirtschaft zur Sprache. Prof. Kuhn seufzt laut und beteuert, dass und die Glücksgöttin Fortuna wirklich nicht hold ist – jaja.
15.00 Uhr Obgleich ich ein opulentes Mittagessen hatte, fackle ich nicht lange und bestelle eine Portion “Hong Kong Ente” sowie ein süffiges Tsingtao Bier. Während wir uns stärken, tratsche ich mit Edelbert und erinnere, dass das Münchner Oktoberfest in neun Tagen seine Pforten öffnen wird. Mein Tischnachbar kommt prompt ins Schwärmen und sagt, dass es eine grosse Gaudi wäre, kurzerhand eine Reise nach Bayern zu buchen und das weltgrösste Bierfest zu besuchen – das glaube ich kaum.


In 9 Tagen beginnt das Oktoberfest

16.00 Uhr Nachdem wir der Kellnerin ein stattliches Trinkgeld zugesteckt haben, spazieren wir erneut durch die Spielhalle und bemerken, dass mittlerweile alle Einarmige Banditen besetzt sind. Trotz alledem lassen wir uns die gute Laune nicht verderben und gönnen uns in der gutbesuchten “Zig Zag Lounge” ein kühles Bier. Ausserdem planen wir das Wochenende und kommen überein, dass wir am Samstag Frau Pontecorvo sowie meine Verwandten zum Grillvergnügen in den Willoughby Drive einladen sollten – das wird ein Spass.
16.30 Uhr Um Frau Pontecorvo nicht warten zu lassen, kehren wir zum Auto zurück und treten die Heimreise an. Wir krusen gemächlich durch den Collier County und haben währenddessen das Vergnügen, am Strassenrand einen gähnenden Schwarzbär von stattlicher Grösse zu sehen – das ist ja allerhand
17.15 Uhr Zurück in Naples werde ich von Dixon überschwänglich begrüsst. Während der Rüde auf und ab hüpft, bedanke ich mich bei meiner Nachbarin und unterbreite, dass ich am Samstag eine kleine Feier veranstalten und köstliches Grillfleisch auftischen werde. Die Perle freut sich sehr und sichert ihr Kommen zu.

18.00 Uhr Nachdem ich Dixon gesundes ROYAL CANIN Trockenfutter vorgesetzt habe, strecke ich im Wohnzimmer die Beine aus und fröne den FOX Abendnachrichten. Ich mache mich über die Geschehnisse in der Welt schlau und wechsle zeitnah auf HBO, wo just im Moment der abendfüllende Kriminalfilm “Suburbicon” anläuft. Da etwas Abwechslung nicht schaden kann, hole ich mir ein Sechserpack Budweiser aus dem Eiskasten und gebe mich der preisgekrönten Hollywoodproduktion aus dem Jahre 2017 hin – da kommt Spannung auf.
20.30 Uhr Nach zweieinhalbstündiger Spitzenunterhaltung beende ich den Fernsehabend und begleite Hund Dixon noch einmal in den Garten. Im Anschluss reguliere ich die Klimaanlage und falle erschöpft ins Bett. Gute Nacht.