20. August 2018 – Auch Beethoven war ein grosser Trinker

08.00 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und lausche auf der Frequenz von WCKT CAT COUNTRY (löblich: Katze Land) einer stimmungsvollen Komposition. Beschwingt rolle ich mich aus dem Wasserbett und freue mich, einen weiteren Sonnentag unter Palmen erleben zu dürfen. Wie es sich für einen rüstigen Rentner gehört, laufe ich nach draussen und absolviere bei schweisstreibenden Temperaturen den Frühsport – das macht Spass.
08.30 Uhr Just als ich den Rasensprenkler in Betrieb setze, kommt Frau Pontecorvo daher und gibt freudestrahlend zu Protokoll, dass sie sich heute schon einen Tee aufgebrüht hat. Ich nicke eifrig und komme zu dem Schluss, dass ich mit einem Geburtstagsgeschenk voll ins Schwarze getroffen habe – wie schön.


Alles Gute Frau Pontecorvo

09.00 Uhr Während ich mich bei einem erfrischenden Wirbelbad entspanne, telefoniere ich mit Amanda und frage nach, ob wir ans Meer krusen wollen. James Ehefrau sagt augenblicklich zu und verspricht, gegen 11 Uhr in den Willoughby Drive zu kommen – das hört man gerne.
10.00 Uhr Weil man nicht nüchtern aus dem Haus gehen sollte, setze ich mich nach dem Badespass an den Küchentisch und lasse mir im Beisein meines braven Haustieres vitaminreiche KELLOGGS Maisflocken mit frischer Muh schmeckten. Darüber blättere ich in der Tageszeitung und bringe heraus, dass eine Einbruchsserie das Sherriff Departement derzeit auf Trab hält. Ich mache grosse Augen und lese weiter, dass Diebe im Stadtteil Manor gut ein Dutzend Familien ausgeraubt haben – wo soll das noch hinführen.
10.45 Uhr Wenig später fährt der nachtschwarze JEEP meiner Verwandten vor. Ich eile spornstreichs an die frische Luft und wünsche James, Amanda, David sowie meiner Schwägerin einen wunderbaren Tag. Ausserdem erkundige ich mich nach Georg und höre, dass mein Bruder den Tag am Golfplatz verbringen wird – wie schade.
11.30 Uhr Trotz aller Widrigkeiten erreichen wir nach knapp 45 Minuten den “Barefoot Beach Park” (löblich: Barfuss Strand Park) im Norden der Stadt und schicken uns an, die Schuhe auszuziehen und dem Vierbeiner etwas Auslauf zu verschaffen. Als wir Dixon Stöckchen zuwerfen, wende ich mich James zu und erkundige mich, wie es mit dem Komponieren voran geht. Der gute Junge seufzt laut und sagt, dass er in der vergangenen Woche lediglich einen belanglosen Text zu Papier bringen konnte. Natürlich spreche ich James Trost zu und rate, zur Schnapsflasche zu greifen und sich einen Rausch anzusaufen. In diesem Zusammenhang weise ich auf die Tatsache hin, dass nicht nur Wolfgang Amadeus Mozart, sondern auch Ludwig van Beethoven grosse Trinker waren.


Beethoven war ein grosser Trinker

12.15 Uhr Während Dixon am Strand tobt und David mit seinem Apfel (unlöblich: Apple) Handtelefon beschäftigt ist, stösst mich plötzlich Maria in die Seite und beteuert, dass wir am kommenden Samstag nach Sarasota krusen und im örtlichen Opernhaus ein Konzert besuchen könnten. Meine Schwägerin ist bestens unterrichtet und informiert, dass dort international anerkannte Interpreten auftreten und Lieder des im Jahre 1985 verstorbenen Sangeskünstlers Ricky Nelson zum Besten geben werden – das werden wir erst noch sehen.


Bier ist sehr gesund

13.00 Uhr Da die Hitze kaum auszuhalten ist, lotse ich die lieben Leute in eine Strandgaststätte und bitte einen Kellner, einen Krug Leichtbier sowie eine Cola für David aufzutischen. Ferner nehmen wir die Speisekarte in Augenschein und entschliessen uns, vitaminreiche Fishburger (löblich: Fischburger) mit Fritten zu ordern.
13.30 Uhr Nach der Stärkung setzen wir unseren Spaziergang fort und nehmen alsbald unter einer schattenspendenden Königspalme Platz. Fix und Foxi wische ich mir mit einem Taschentuch über die nasse Stirn und merke an, dass mich das schwülwarme Wetter bald ins Grab bringen wird. James beruhigt mich sofort und wirft ein, dass ich mich glücklich schätzen kann, in Florida meinen Lebensabend verbringen zu dürfen – wie wahr.
14.30 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, die Segel zu streichen und die Heimfahrt anzutreten. Mit letzter Kraft schleppe ich mich zum Auto zurück und wünsche den anderen einen schönen Abend. Anschliessend lasse ich den Wählhebel der Automatikschaltung in der D-Stellung einrasten und gleite schnaufend nach Hause.
15.15 Uhr Endlich bin ich wieder dahoam und kann mich in der klimatisierten Stube von den Strapazen der letzten Stunden erholen. Ich strecke zufrieden die Beine aus und döse nach wenigen Augenblicken ein.
16.15 Uhr Leider bimmelt bald das Telefon und ich sehe mich genötigt, mit Edelbert sprechen zu müssen. Der Professor gibt sich deprimiert und erzählt, dass er am Vormittag wegen einer Warnmeldung eine ausgewiesene JEEP Fachwerkstatt ansteuern musste. Zudem erhalte ich die Auskunft, dass eine Bremsleitung durchgerostet ist und erneuert werden musste. Ich rolle demonstrativ mit den Augen und entgegne, dass man sich auf amerikanische Autos längst nicht mehr verlassen kann – das ist ja allerhand.


Ich beisse kraftvoll zu

17.00 Uhr Nach der Plauderei mache ich mich in der Küche nützlich und sorge für ein nahrhaftes Abendessen. Da mein Magen ohne Unterlass knurrt, koche ich italienische Langnudeln auf und zaubere dazu ein leckeres Tomatensösschen – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Redlichst gestärkt rufe ich Dixon ins Haus und vergnüge mich vor der Glotze. Unter anderem schaue ich mir die Nachrichten auf FOX an und lerne, dass am kommenden Sonntag der amerikanische “Women’s Equality Day” (löblich: Frauen Gleichstellungstag) ansteht – so ein Schmarrn.

19.00 Uhr Zur Prime Time (löblich: Hauptsendezeit) schalte ich auf HBO um und fröne dem sehenswerten Spielfilm “Baltic Storm”. Die englische Produktion aus dem Jahre 2003 erzählt vom Untergang der estnischen Fähre “Estonia”, bei der im Jahre 1994 knapp 900 Menschen ihr Leben lassen mussten – wie schrecklich.
21.00 Uhr Nach zwei nervenaufreibenden Stunden schalte ich den Flachbildschirm aus und verabschiede mich ins Schlafzimmer. Gute Nacht.