9. Juli 2018 – Ich kaufe keinen Räucherofen

08.00 Uhr Die 28. Woche des Jahren bricht an und ich fühle mich prima. Weil es in der kleinen Villa ungewöhnlich ruhig ist, schlüpfe ich in den Morgenmantel und lasse es mir nicht nehmen, laut schreiend ins Gästezimmer zu stürmen und Sandra zu wecken. Leider stelle ich fest, dass das unterbelichtete Kind bereits aufgestanden ist und mit Hund Dixon einen Dauerlauf durchs Wohngebiet unternimmt – wo soll das noch hinführen.


Mein braves Haustier

08.30 Uhr Wenig später trudelt die Maid mit dem hechelnden Haustier in meinem kultivierten Zuhause ein und wischt sich die Schweissperlen von der Stirn. Ich nippe schmunzelnd am Kaffeehaferl und lasse meinen Hausgast wissen, dass es nicht klug ist, bei dieser Affenhitze Sport zu treiben. Um Sandra etwas Gutes zu tun, schenke ich ihr ein Glas O-Saft ein und ermutige sie, einen kräftigen Schluck zu nehmen. Ferner lade ich meine Mieterin ein, mich nach der wichtigsten Mahlzeit des Tages zum Baumarkt zu begleiten und mir bei Kauf einiger Batterien zur Seite zu stehen. Um meinen Aussagen Nachdruck zu verleihen, deute ich in Richtung der Fernbedienung und informiere, dass ich unbedingt neue Batterien in das Steuergerät einsetzen muss. Nach kurzem Zögern willigt Sandra ein und macht es sich zur Aufgabe, sich eine Dose Cola aus dem Eiskasten zu stibitzen. Währenddessen verabschiede ich mich in die Nasszelle und entspanne mich bei einem erfrischenden Wirbelbad – das tut gut.
09.30 Uhr Nach einer Stunde kehre ich in die klimatisierte Wohnstube zurück und freue mich, Georg und Maria am festlich gedeckten Frühstückstisch anzutreffen. Wie es sich gehört, schütteln wir Hände und mein Bruder hält mir ein leckeres Cannoli aus der Biscotti Farrugia Bäckerei unter die Nase – wie aufmerksam.


Ich beisse kraftvoll zu

10.00 Uhr Während wir gemütlich zusammensitzen, erfahre ich, dass meine Verwandten erneut einen Ausflug unternehmen und mit dem Wohnmobil nach Jacksonville krusen wollen. Ausserdem vernehme ich, dass die lieben Leute vier Tage unterwegs sein und erst am Donnerstag zurück kommen werden – das ist ja allerhand.
11.00 Uhr Nachdem wir aufgegessen haben, klatscht Georg freudig in die Hände und meint, dass nun die Zeit gekommen ist, um Lebewohl zu sagen. Ich nicke eifrig und lasse es mir nicht nehmen, die netten Menschen zum WINNEBAGO zu begleiten und ihnen eine sichere Reise zu wünschen. Danach scheuche ich Hund Dixon und Sandra zum Chevrolet und erinnere, dass wir nun Batterien besorgen müssen. Mein Hausgast schnappt sich die Autoschlüssel und entgegnet, dass sie das Steuer übernehmen wird – das ist wieder typisch.
11.45 Uhr Nach 11 zurückgelegten Meilen parken wir den SUV vor der HOME DEPOT Filiale in East Naples und schicken uns an, den klimatisierten Flachbau zu betreten. Während ich zielsicher zur Elektronikabteilung strebe, hält meine Begleiterin plötzlich bei den feilgebotenen Holzofengrills inne und plappert, dass sie mit dem Gedanken spielt, einen sogenannten “Barbecue-Smoker” zu kaufen. Ich lege meinen Kopf schief und bringe heraus, dass es mit den holz- oder kohlebefeuerten Räucheröfen möglich ist, Speisen im heissen Rauch zu garen.


Freundliche Veräufer im HOME DEPOT Markt

12.30 Uhr Schlussendlich finde ich mich am Batterie Regal ein und wähle Akkumulatoren der AA-Klasse aus. Währenddessen redet Sandra weiter auf mich ein und schlägt vor, dass ich mir auch einen Smoker zulegen könnte. Selbstverständlich erhebe ich sofort Einspruch und merke an, dass ich ein armer Rentner bin und keine 1.000 Dollars ausgeben kann – wie traurig.
13.00 Uhr Zurück auf Auto, spähe ich auf meine ROLEX und erkenne mit geschultem Blick, dass die Mittagszeit längst begonnen hat. Weil das kulinarische Wohl nicht zu kurz kommen darf, bringe ich eine Einkehr in das benachbarte “Olympia Dining” zur Sprache. Sandra zeigt sich einverstanden und sichert zu, für Speis und Trank zu bezahlen. Da man einen geschenkten Gaul sprichwörtlich nicht ins Maul schauen sollte, fackle ich nicht lange und laufe mit schnellen Schritten in das griechische Wirtshaus, um einen Pitcher (löblich: Krug) Budweiser sowie ein ordentlich durchgebratenes Surf & Turf Steak zu ordern. Meine Begleiterin steckt ihre Nase in die Tageskarte und bestellt ein vegetarisches Nudelgericht – das soll mir auch Recht sein.
14.00 Uhr Nach der Stärkung präsentiert der Kellner die Rechnung und Sandra sieht sich genötigt, knapp 80 Dollars ausgeben zu müssen. Ich klopfe mir lachend auf die Schenkel und mutmasse, dass das “Olympia” nicht zu den günstigsten Adressen zählt. Das Kind wirft mir böse Blicke zu und drängt zur sofortiger Heimreise – wie lustig.
14.45 Uhr Zurück im Willoughby Drive, setze ich die Batterien in die Fernbedienung ein und falle dann erschöpft aufs Kanapee. Anstatt meinem Beispiel zu folgen, zwängt sich Sandra in ihren rosaroten Bikini und kündigt an, nun an den Strand rasen und Carol Wang treffen zu wollen – das soll mir auch Recht sein.


Der Hund spielt mit einem Tennisball

15.45 Uhr Ich erwache redlichst ausgeruht und nehme am Schreibtisch Platz, um die Anschnurarbeit in Angriff zu nehmen. Während sich Dixon im Garten mit einem Tennisball vergnügt, helfe ich verzweifelten Eltern aus schier ausweglosen Situationen.
16.45 Uhr Nach getaner Arbeit beschalle ich die kleine Villa mit schöner Musik und mache mich in der Küche nützlich. Im Handumdrehen bereits ich ein vitaminreiches Langnudelgericht mit Pesto aus dem Glas zu und freue mich auf einen perfekten Fernsehabend.
18.00 Uhr Mit vollem Magen sorge ich für Ordnung und gehe dann zum gemütlichen Teil des Tages über. Ich bette mich in der kühlen Wohnstube zur Ruhe und folge interessiert den Nachrichten auf FOX. Ausserdem überfliege ich die eingegangenen Depeschen auf der Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und lerne, dass Sandra den Abend mit Carol Wang in einem Strandlokal verbringen wird – wie unlöblich.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit greife ich auf das NETFLIX Angebot zurück und gebe mich den Abenteuern des kolumbianischen Drogenbarons Pablo Escobar hin – da kommt besonders grosse Spannung auf.
21.30 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung beende ich den nervenaufreibenden Fernsehabend und rufe den Rüden ins Haus. Im Anschluss lösche ich sämtliche Lichter und falle übermüdet ins Bett. Gute Nacht.