15. Mai 2018 – Craft Beer

08.00 Uhr Pünktlich um Null-Acht-Hundert öffne ich meine Augen und rolle mich zufrieden aus dem Bett. Um auf Touren zu kommen, eile ich mit schnellen Schritten auf die Terrasse und stähle meine Muskeln mit dem Frühsport. Unterdessen spähe ich zum Nachbargrundstück und werde Zeuge, wie Herr Booth seinen in die Jahre gekommenen Rasenmäher aus der Garage schiebt – gleich platzt mir der Kragen.
08.30 Uhr Während der Tattergreis einen Höllenlärm veranstaltet, verabschiede ich mich in die Nasszelle und läute den Morgen mit einem erfrischenden Wirbelbad ein. Darüber hinaus navigiere ich mit dem iPad durchs Internetz und studiere einen Anschnurbericht über den NASA Satelliten “Tess”, der bei der Suche nach bewohnbaren Planeten helfen soll. Ich staune Bauklötze und lerne, dass der Satellit im April ins All befördert wurde und in den kommenden Jahren mehr als 200.000 Sterne nach Anzeichen für kreuzende Planeten absuchen soll – das ist ja allerhand.

09.30 Uhr Redlichst entspannt steige ich aus der Wanne und komme zu dem Schluss, dass ich den begehbaren Kleiderschrank ausmisten sollte. Weil viele Kleidungsstücke nicht mehr der aktuellen Mode entsprechen, klatsche ich in die Hände und mache es mir zur Aufgabe, ein lachsfarbenes Polohemd, diverse Stoffhosen, T Hemd mit LED ZEPPELIN Aufdruck sowie etliche Krawatten in ein Mülltüte zu stecken. Ferner hole ich ein Paar Turnschuhe aus dem Hause NIKE hervor und fasse den Entschluss, auch die alten Treter zu entsorgen – da kommt Freude auf.
10.00 Uhr Nach getaner Arbeit stelle ich die Kaffeemaschine ein und richte mir das Frühstück an. Dummerweise stösst alsbald meine Nachbarin die Terrassentüre auf und präsentiert einen selbstgebackenen Apfelkuchen. Die Dame von nebenan leckt sich die Lippen und behauptet, dass sie gestern lustige Äpfel gekauft und kurzerhand einen Kuchen gebacken hat. Ich schenke der Perle ein Lächeln und schlage augenblicklich Sahne auf.
10.30 Uhr Während wir kraftvoll zubeissen, plappert Frau Pontecorvo ohne Unterlass und kündigt an, dass sie sich am Nachmittag mit Freundinnen in einem angesagten Spa (löblich: Wohlfühleinrichtung) treffen wird. Ich nicke eifrig und entgegne, dass ich gleich zu Bob’s Liquor Store krusen und Getränke besorgen werde. Meine Nachbarin freut sich und meint, dass wir am Abend grillen könnten – das glaube ich kaum.
11.15 Uhr Nach der Jause verabschiede ich Frau Pontecorvo per Handkuss und scheuche Dixon zum Chevrolet. Voller Elan zwänge ich mich hinters Lenkrad und presche radiohörend aus der Garage. Unterdessen telefoniere ich mit Edelbert und frage nach, ob er mich im Alkoholgeschäft unseres Vertrauens treffen möchte. Leider erteilt mir der schlaue Mann eine Absage und beteuert, dass er wegen eines Arzttermins leider verhindert ist – wie schade.


Bier ist sehr bekömmlich

11.45 Uhr Am Ziel angekommen, lasse ich den Motor laufen und gebe dem Vierbeiner zu verstehen, dass er im Auto warten muss. Im Anschluss strebe ich in den gutsortierten Getränkemarkt und lasse es mir nicht nehmen, vier Sechserpacks Budweiser, eine Kiste Erdinger Weissbier sowie vier Flaschen Weisswein in den Einkaufswagen zu legen. Ausserdem tratsche ich mit den Ladeninhaber und vernehme, dass er seit kurzem auch sogenanntes “Craft Beer” feilbietet. Ich werde sogleich hellhörig und bringe heraus, dass es sich hierbei um hochwertige Hopfensäfte handelt, die von unabhängigen Brauereien produziert werden. Herr Bob fackelt nicht lange und empfiehlt, das preisgekrönte Pale Ale aus der “Sierra Nevada” Brauerei zu kosten – das hört sich verlockend an.
12.30 Uhr Nachdem ich auf den Handel eingegangen bin und Herrn Bob ein kleines Vermögen überlassen habe, verlasse ich das Geschäft und schicke mich an, eine zweieinhalb Meilen entfernte McDonalds Schnellgaststätte anzusteuern. Ruckzuck rolle ich zum Drive Thru (löblich: Fahr hindurch) Schalter und ordere drei Quarter Pounder (löblich: Viertelpfünder), Kartoffelstäbe sowie einen McSundae Eisbecher – man gönnt sich ja sonst nichts.
13.30 Uhr Endlich bin ich wieder daheim und kann mich über das wohlverdiente Mittagessen hermachen. Zudem schraube ich den Kronkorken von einer Pale Ale Flasche und bemerke als Bierexperte, dass dieses Gebräu mit komplexen Aromen von Zitrusfrüchten überzeugen kann – das ist prima.
14.00 Uhr Nachdem ich das leckere Mittagessen verzehrt und ein zweites Bier getrunken habe, falle ich erschöpft aufs Kanapee und schliesse die Augen. Ruckzuck döse ich ein und träume von meiner Mexikoreise im Jahre 2012.
15.00 Uhr Um nicht einzurosten, stehe ich auf und komme meinen Pflichten als staatlich anerkannter Anschnurseelsorger nach. Ich arbeite Hilferufe besorgter Heimseitenbesucher ab und empfehle verzweifelten Eltern, hart mit der Jugend ins Gericht zu gehen.
16.00 Uhr Zum Abschluss der Beratungsstunde schalte ich die neuen Einträge im Gästebuch frei und gehe dann von der Leine, um noch eine Hopfenkaltschale zu trinken. Ausserdem fresse ich einen Schokoriegel und vergesse auch nicht, dem Vierbeiner einen Kauknochen ins Maul zu stecken – immerhin bin ich ein Tierfreund.
16.45 Uhr Nachdem ich mich in der Hollywoodschaukel entspannt habe, kehre ich in die kleine Villa zurück und bereite das Nachtmahl vor. Da ich vom Mittagessen noch immer gesättigt bin, nehme ich mir einer kleinen Portion Bratkartoffeln mit Spinat Vorlieb – schmeckt gar nicht schlecht.


Kartoffeln sind sehr gesund

17.45 Uhr Nachdem ich die Geschirrspülmaschine in Betrieb gesetzt habe, lege ich im Wohnzimmer die Beine hoch und gebe mich den Nachrichten auf FOX hin. Ich informiere mich aus erster Hand über die Geschehnisse in der Welt und höre, dass in zwei Wochen der “Memorial Day” gefeiert wird – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.
18.45 Uhr Kurz vor dem Siebenuhrläuten wechsle ich auf NETFLIX und werde auf eine neue Serie aufmerksam, die am 4. Mai 2018 ihre weltweite Premiere feierte. “The Rain” (löblich: Der Regen) zeigt das Schicksal einer Gruppe junger Menschen, die im postapokalyptischen Europa von einem Virus heimgesucht werden – so ein Schmarrn.
21.15 Uhr Nach drei mässig spannenden Episoden schalte ich das Farbfernsehgerät ab und begleite Dixon noch einmal an die frische Luft. Danach reguliere ich die Klimaanlage und ziehe mich gähnend ins Schlafzimmer zurück. Gute Nacht.

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