9. Mai 2018 – Papst und Mäusespeck

08.00 Uhr Ich hüpfe zu stimmungsvoller Radiomusik aus dem Bett und reibe mir den Schlaf aus den Augen. Weil meine Glieder eingerostet sind, begebe ich mich spornstreichs auf die Terrasse und mache es mir zur Aufgabe, den Frühsport zu absolvieren. Unterdessen stösst Frau Gomez die Haustüre auf und setzt mich darüber in Kenntnis, dass sie nun mein Zuhause auf Vordermann bringen wird. Ich stimme zu und bitte die Perle, auch die Wäsche zu waschen und den Terrassenboden zu kehren – immerhin kann ich mich nicht um alles kümmern.
08.30 Uhr Nachdem ich meine Muskulatur gestählt habe, ziehe ich mich in die Nasszelle zurück und entspanne mich bei einem Wirbelbad. Nebenher segle ich mit dem iPad auf die WINN DIXIE Heimseite und erfahre, dass gesundes Grillfleisch derzeit preiswert angeboten wird. Da mir das Wasser im Munde zusammenläuft, nehme ich schnell die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) zur Hand und lasse es mir nicht nehmen, bei Prof. Kuhn anzurufen. Selbstverständlich verkünde ich meinem Bekannten die frohe Botschaft und merke an, dass wir am Wochenende grillen sollten. Edelbert freut sich und wünscht mir einen entspannten Schoppingausflug – jaja.


Meine praktische Schwarzbeere

09.30 Uhr Nach einer Stunde beende ich den Badespass und registriere, dass Frau Gomez mittlerweile den Küchenboden gewischt und auch die Waschmaschine eingestellt hat. Um der Perle nicht im Weg zu stehen, setze ich mich an den Küchentisch und nehme die wichtigste Mahlzeit des Tages ein. Zudem blättere ich in der Tageszeitung und bringe heraus, dass im Juni eine abendfüllende Dokumentation über Papst Franziskus in die Lichtspielhäuser kommen wird. Ich staune nicht schlecht und lerne, dass der deutsche Filmschaffende Wim Wenders das Leben des aus Argentinien stammenden Geistlichen verfilmt hat – das hört sich spannend an.

10.00 Uhr Während meine Zugehfrau hart schuftet und aus dem Schnaufen kaum noch herauskommt, setze ich mir meine NY YANKEES Kappe auf und gebe zu Protokoll, dass ich nun zum WINN DIXIE Supermarkt rasen werde. Die Mexikanerin fällt mir prompt ins Wort und meint, dass ich Putzmittel mitbringen muss – papperlapapp.
10.30 Uhr Dreissig Minuten später treffe ich am Ziel ein und lasse den Rüden bei laufendem Motor im Auto zurück. Anschliessend mache ich einem tattrigen Rentner einen Einkaufswagen streitig und strebe unaufhaltsam in die klimatisierte Markthalle. Unter anderem werfe ich Gemüse und Obst, Süssigkeiten, einen Sack Holzkohle, diverse Reinigungsmittel, Zeitschriften sowie eine Tüte mit leckeren Marshmallows (löblich: Mäusespeck) in das klapprige Gefährt – da kommt besonders grosse Freude auf.


Mäusespeck schmeckt prima

11.15 Uhr Zu guter Letzt werde ich an der gutsortierten Fleischtheke vorstellig und entschliesse mich, vier Pfund Hackfleisch, vitaminreiche T-Bone Steaks (löblich: T Knochen Schnitzel) und Hühnerfinger (unlöblich: Chicken Wings) zu den anderen Waren zu legen – was das wieder kostet.
11.45 Uhr Just als ich die Kasse Nummer 7 ansteuere, stellt sich mir plötzlich Sherriff Bradfort in den Weg. Der Ordnungshüter klopft mir lachend auf die Schulter und beteuert, dass wir uns lange nicht gesehen haben. Ich schlage in die gleiche Kerbe und entgegne, dass ich ein vielbeschäftigter Rentner bin. Der Scherriff zeigt Verständnis und erzählt, dass seine Deputies gestern einen besonders heiklen Fall gelöst haben und er nun genötigt ist, seinen Angestellten Donuts zu spendieren – das ist die beste Nachricht des ganzen Tages.


Donuts für Scherriff Bradfort

12.30 Uhr Nach dem Bezahlvorgang kehre ich pfeifend zum Auto zurück und bemerke, dass mein Magen eigenartige Knurrlaute von sich gibt. Um nicht Hunger leiden zu müssen, verstaue ich die Einkaufstüten auf der Ladefläche des PS-strotzenden SUVs und kehre dann mit Hund Dixon in die benachbarte “Dairy Queen” (löblich: Molkerei Königin) Schnellgaststätte ein. Ich fackle nicht lange und bestelle mir ein grosses Glas SEVEN UP (löblich: Sieben hoch) sowie einen saftigen Käseburger mit Fritten – das schmeckt prima.
13.30 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, nach Hause zurückzukehren. Ich hüpfe gesättigt ins Auto und habe während der Reise das Vergnügen, ein schönes Lied der amerikanischen Landmusikcombo Brothers Osborne zu hören – was kann es schöneres geben.
14.15 Uhr Zurück im Willoughby Drive, falle ich erschöpft aufs Kanapee und lege die Beine hoch. Nach wenigen Augenblicken döse ich ein und träume von meiner Reise entlang der amerikanischen Ostküste – das war ein Spass.
15.15 Uhr Ich erwache ausgeschlafen und verspüre wegen der Hitze wenig Lust, die Anschnurseelsorge zu erledigen. Stattdessen kippe ich mir ein süffiges Budweiser hinter die Binde und schlendere in den Garten, um die hochgewachsene Petersilie in Augenschein zu nehmen. Weil das Doldengewächs eine stattliche Höhe erreicht hat, hole ich mir ein Messer aus der Küche und schneide etliche Stängel ab.


Die Petersilie ist hochgewachsen

16.00 Uhr Nachdem ich die Gewürzpflanze in Tupperdosen verstaut habe, genehmige ich mir ein weiteres Bier und tratsche angeregt mit Frau Pontecorvo. Meine Nachbarin legt beste Laune an den Tag und berichtet, dass sie heute im Stadtzentrum war und sich ein neues Kleid gekauft hat. Bevor ich Worte findet, macht die kleine Frau kehrt und präsentiert sich alsbald in einem farbenfrohen Fetzen – das soll mir auch Recht sein.
17.00 Uhr Nach der Plauderei mache ich mich in der Küche nützlich, um das Abendessen vorzubereiten. Da ausgewogene Ernährung sehr wichtig ist, nehme ich mit einem gemischten Salat und im Olivenöl herausgebratenen Fischfilet Vorlieb – schmeckt gar nicht schlecht.
18.00 Uhr Zum Ende des langen Tages schalte ich die Geschirrspülmaschine ein und verabschiede mich in den wohlverdienten Fernsehabend. Um auf den neuesten Stand zu kommen, fröne ich den FOX Nachrichten und mache mich über die aktuellen Geschehnisse in der Welt schlau.
19.00 Uhr Anschliessend fröne ich auf NETFLIX weiteren Folgen der sehenswerten Serie “Love” und amüsiere mich köstlich. Während Dixon wie ein Stubentiger schnurrt, schaufle ich Kartoffelchips in mich hinein und werde Zeuge, wie sich die Hauptdarsteller Mickey und Gus immer näher kommen und sich letztendlich ineinander verlieben.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung schalte ich die Glotze aus und lösche sämtliche Lichter. Anschliessend rufe ich Dixon ins Haus und lege mich schlafen. Gute Nacht.

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