2. März 2018 – Morgen ist es endlich so weit

08.00 Uhr Ich öffne die Augen und kann es kaum noch erwarten, morgen dem Sonnenscheinstaat Lebewohl zu sagen und nach Kanada auszufliegen. Weil es bis zur Abreise noch viel zu tun gibt, stehe ich augenblicklich auf und mache es mir zur Aufgabe, den Rollkoffer aus dem begehbaren Kleiderschrank zu holen. Danach scheuche ich Dixon auf die schattige Terrasse und stähle meine Glieder beim Frühsport – wer rastet, der rostet.


Morgen fliege ich nach Kanada aus

08.30 Uhr Bevor ich mein Reisegepäck mit Kleidung befülle, entspanne ich mich bei einem erfrischenden Wirbelbad. Ausserdem telefoniere ich mit dem Professor und bringe in Erfahrung, dass er seine Sachen bereits während des gestrigen Abends gepackt hat. Mein Bekannter legt beste Laune an den Tag und unterbreitet, dass er mittlerweile abreisefertig ist und auch schon amerikanische Dollars in kanadische Devisen umgetauscht hat. Ich lege meinen Kopf schief und entgegne, dass ich noch 400 kanadische Dollar in meinem Wandtresor deponiert habe. Der Professor freut sich und kündigt an, dass er mir zur Mittagszeit einen Besuch abstatten wird – wie schön.
09.30 Uhr Nach dem Badevergnügen beziehe ich das Bett mit einem frischen Laken und zögere nicht, drei wärmende Pullover, eine modische Windjacke mit Fellkragen, Unterwäsche, Wollsocken, Mondschuhe (unlöblich: Moonboots) sowie meine Zahnbürste in den DELSEY Koffer zu stecken. Darüber hinaus verfrachte ich diverse Kreditkarten, etwas Bargeld sowie den Reisepass in den praktischen Umhängebeutel und bemerke, dass ich auch noch eine Reisetasche nach Kanada mitnehmen muss – mir bleibt gar nichts erspart.


Lustiges kanadisches Geld

10.00 Uhr Nachdem ich Dixons Habseligkeiten in einer ADIDAS Sporttasche verstaut habe, stelle ich das Gepäck schnaufend im Gang ab und nehme den futuristische DeLonghi Volltautomaten in Betrieb. Anschliessend nehme ich am Küchentisch Platz und führe mir die wichtigste Mahlzeit des Tages zu Gemüte. Leider wird mein Müssiggang alsbald durch Frau Pontecorvos Geplapper gestört – wie schrecklich.
10.30 Uhr Die Perle von nebenan stösst die Terrassentüre auf und lotet aus, ob sie mir beim Frühstück Gesellschaft leisten kann. Natürlich nicke ich eifrig und halte die kleine Frau an, sich eine Tasse aus dem Küchenschrank zu schnappen und sich von den vitaminreichen Rühreiern zu bedienen. Meine Nachbarin lässt sich nicht zweimal bitten und beteuert, dass sie mich während der kommenden Wochen vermissen wird. Ich zucke mit den Schultern und stelle klar, dass ich spätestens am Monatsende im Rentnerparadies zurück sein werde.


Wir fressen Cannolis

11.15 Uhr Just als ich eine weitere Weissbrotscheibe mit köstlicher Erdnussbutter bestreiche, fährt plötzlich Edelberts JEEP vor. Selbstverständlich begrüsse ich den schlauen Mann herzlich und erkundige mich, ob er hungrig ist. Der Professor präsentiert eine prallgefüllte Tüte aus der Biscotti Farrugia Italienbäckerei und setzt mich darüber in Kenntnis, dass er Cannolis eingekauft hat. Ich lecke mir die Lippen und stibitze mir spornstreichs ein mit Sahne und Erdbeeren gefülltes Backwerk aus dem Beutel.
12.00 Uhr Während ich kraftvoll zubeisse, kommt Edelbert auf die Abreise zu sprechen und sagt, dass der Nonstop Flug um halb 7 abfliegen und uns innerhalb von 3 Stunden in den hohen Norden bringen wird. Zudem bitten wir Frau Pontecorvo, Morgen als Chauffeur zu fungieren und uns um 4:45 Uhr zum Flughafen zu bringen. Die gute Seele nickt eifrig und zeigt sich prompt Einverstanden – das klappt wieder wie am Schnürchen.
13.00 Uhr Nachdem sich Frau Pontecorvo verabschiedet hat, hole ich zwei Budweiser Flaschen aus dem Eiskasten und mache es mir mit Edelbert in der Hollywoodschaukel bequem. Während wir hin und her wippen, planen wir die kommenden Tage und sind uns einig, dass es eine Gaudi werden wird, den Geburtstag meines Bruders am Lake Simcoe zu feiern. Edelbert kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus und meint, dass er den Aufenthalt zum Anlass nehmen wird, um erquickende Wanderungen entlang des Seeufers zu unternehmen – jaja.
14.00 Uhr Da Edelbert noch Lesestoff in einer Barnes & Noble Buchhandlung besorgen möchte, begleite ich ihn kurzerhand zum Auto. Ausserdem schütteln wir Hände und kommen überein, dass wir uns morgen um 4:30 Uhr in der kleinen Villa treffen sollten. Schlussendlich wünsche ich dem Professor einen ruhigen Nachmittag und kehre dann in die klimatisierte Stube zurück, um mich gähnend aufs Kanapee zu legen – das tut gut.
15.00 Uhr Ich öffne die Augen und verspüre wegen der grossen Hitze wenig Lust, die Anschnurseelsorge zu erledigen. Stattdessen hole ich mir eine weitere Hopfenkaltschale aus dem Kühlschrank und setze mich ins Wohnzimmer, um das Kreuzworträtsel in der Zeitung zu lösen. Nebenbei streichle ich Hund Dixon durchs Fell und verspreche, dass ich am Abend gesunde T Knochen Schnitzel (unlöblich: T Bone Steaks) herausbraten werde.


Zum Abendessen gibt es Schnitzel

15.45 Uhr Nachdem ich auf das Lösungswort “DLNRDTRNW” gekommen bin, eile ich mit einem Messer in den Garten hinaus und ernte die Petersilie ab. Dummerweise gesellt sich alsbald Herr Booth an meine Seite und fragt nach, was ich mit dem Unkraut anstellen werde. Natürlich erhebe ich den Zeigefinger und weise auf die Tatsache hin, dass Petersilie eine Heil- und Gewürzpflanze ist, die im europäischen Mittelmeerraum beheimatet ist.
16.30 Uhr Nach dem Gespräch mache ich mich in der Küche nützlich und schwenke köstliches Grillfleisch in einer Pfanne mit Teflonbeschichtung. Zudem backe ich Kartoffelspalten im Ofen heraus und vergesse auch nicht, einen Beilagensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen zu zaubern.
17.30 Uhr Nach dem Abendessen nehme ich die leistungsstarke Geschirrspülmaschine in Betrieb und gehe zum gemütlichen Teil des Tages über. Wie es sich gehört, schaue ich mir die FOX Nachrichten an und informiere mich über die Machenschaften der amerikanischen Regierung.

19.00 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, wechsle ich zeitnah auf HBO und gebe mich der Komödie “The Edge of Seventeen” (auf deutsch: Das Jahr der Entscheidung) hin. Ich komme aus dem Lachen gar nicht mehr heraus und werde Zeuge, wie sich die beiden 17jährigen Aussenseiterinnen Nadine und Krista durch ihre Schulzeit schlagen müssen.
21.00 Uhr Nach zweistündiger Spitzenunterhaltung schalte ich den Flachbildschirm aus und lösche sämtliche Lichter. Anschliessend streichle ich Dixon über den Kopf und falle übermüdet ins Bett. Gute Nacht.