8. Februar 2018 – Man kommt kaum zur Ruhe

08.00 Uhr Der Radiowecker geht an und ich rolle mich zufrieden aus dem Wasserbett. Weil Hund Dixon nicht in seinem Korb liegt, eile ich mit schnellen Schritten ins Wohnzimmer und stelle fest, dass es sich der Rüde mit einem vitaminreichen Kauknochen auf dem Kanapee bequem gemacht hat – wie schön.


Hund Dixon knabbert Kauknochen

08.30 Uhr Alsbald verabschiede ich mich in den Garten und zögere nicht, den sonnigen Morgen mit dem Frühsport zu beginnen. Nebenher schiele ich zum Nachbaranwesen und werde Zeuge, wie Herr Booth humpelnd den Rasenmäher aus der Garage schiebt. Weil ich über alles informiert sein muss, wünsche ich dem Heini einen schönen Morgen und lote aus, ob er sich am Fuss verletzt hat. Der hochdekorierte Vietnamveteran nickt eifrig und erzählt, dass er gestern beim Golfspielen gestürzt ist und sich eine Zerrung zugezogen hat. Achselzuckend beende ich den Frühsport und verabschiede mich in die Nasszelle, um mich bei einem lebensgeistererweckenden Wirbelbad zu entspannen – was kann es schöneres geben.
09.30 Uhr Gegen halb 10 beende ich den Badespass und werfe mich in Schale. Danach bereite ich das Frühstück vor und nehme mir das Recht heraus, mich mit gesunden KELLOGGS Flocken sowie einem grossen Haferl Bohnenkaffee zu stärken. Natürlich gesellt sich mein braves Haustier augenblicklich an meine Seite und fordert ebenfalls eine reichhaltige Mahlzeit heraus – was muss ich denn noch alles ertragen.


Meine praktische Schwarzbeere

10.00 Uhr Wenig später schellt die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) und ich sehe mich genötigt, mit Edelbert plaudern zu müssen. Mein Bekannter kommt auf den Wochenendeinkauf zu sprechen und meint, dass wir uns in einer Stunde vor dem PUBLIX treffen sollten – das hört sich verlockend an.
10.30 Uhr Nachdem ich die Geschirrspülmaschine in Betrieb gesetzt habe, lasse ich Dixon wissen, dass nun ein Supermarktbesuch ansteht. Der Rüde macht grosse Augen und folgt mir spornstreichs zum PS-strotzenden SUV.
11.15 Uhr Nach einer nervenaufreibenden Hochgeschwindigkeitsfahrt treffe ich am Ziel ein und parke das Auto unweit des Haupteingangs. Da Edelbert auch schon vor Ort ist, schütteln wir Hände und machen einem unterbelichteten Senior (79) am Krückstock einen Einkaufswagen streitig. Anschliessend schlendern wir entspannt durch die Markthalle und wählen Produkte des täglichen Bedarfs aus. Unter anderem werfe ich ein Netz Orangen in den Wagen und informiere, dass Brasilien einer der Hauptproduzenten dieser Zitrusfrucht ist. Wohlwollend nehme ich das Etikett in Augenschein und fahre fort, dass diese Navelorange jedoch im Nachbarstaat Georgia gewachsen ist und einen kurzen Lieferweg hatte – wie schön.


Orangen sind sehr gesund

12.00 Uhr Pünktlich zum Mittagsläuten schieben wir den vollbeladenen Einkaufswagen zur Kasse und sehen uns genötigt, der Kassiererin unsere praktischen Kreditkarten zu überreichen. Während die Perle ein kleines Vermögen von unseren Konten abbucht, wende ich mich dem Professor zu und gebe zu Protokoll, dass wir nun ins benachbarte “Starbucks” Gasthaus einkehren sollten. Edelbert ist hellauf begeistert und entgegnet, dass er die Spendierhosen angezogen hat und mich zu Speis und Trank einladen wird – das hört man gerne.
12.30 Uhr Während wir uns Sandwiches (löblich: Wurstsemmeln) schmecken lassen und Latte Macchiatos (löblich: italienische Milchkaffees) schlürfen, kommt Edelbert auf unsere anstehende Reise nach Kanada zu sprechen und beteuert, dass wir in 23 Tagen abfliegen werden. Ich schlage in die gleiche Kerbe und merke an, dass es eine Gaudi werden wird, mit Georg Geburtstag zu feiern und die Kinder wiederzusehen – darauf freue ich mich jetzt schon.
13.15 Uhr Weil etwas Bewegung nicht schaden kann, vertreten wir uns nach der Brotzeit die Beine. Wir folgen der Pine Ridge Road nach Westen und stehen bald vor dem “Regional Medical Center” (löblich: Regionales Medizinzentrum). Edelbert deutet in Richtung des Eingangs und kündigt an, dass er sich in der kommenden Woche in diesem Krankenhaus auf Herz und Nieren durchtschecken lassen wird – das soll mir Recht sein.
14.00 Uhr Zurück am Auto, reiche ich Edelbert die Hand und wünsche ihm einen ruhigen Nachmittag. Im Anschluss hüpfe ich winkend in den Chevrolet und rase hupend von dannen.
14.45 Uhr Endlich bin ich wieder dahoam und kann aus den Flip Flops schlüpfen und mich in der klimatisierten Stube zur Ruhe betten. Nach wenigen Augenblicken döse ich ein und träume von meinem Grossneffen David.


Mein Zuhause unter Palmen

15.45 Uhr Nach einer Stunde werde ich durch ohrenbetäubendes Klingeln geweckt und sehe mich an der Pforte mit frechen Jugendlichen konfrontiert. Die vorlauten Dreikäsehochs halten mir einen Bittbrief einer örtlichen Junior Highschool (löblich: Junioren Hochschule) vor die Nase und bitten mich, etwas Geld für eine zwielichtige Spendenaktion zu geben. Natürlich zeige ich den Ganoven den Vogel und werfe schnell die Türe ins Schloss. Danach setze ich mich an den Schreibtisch und rufe Depeschen besorgter Erziehungsberechtigter ab.
16.45 Uhr Nach der Anschnurseelsorge fahre ich den Heimrechner mausdrückend herunter und zögere nicht, Kaffee aufzubrühen und mir Gedanken bezüglich des Abendessens zu machen. Da ich nicht stundenlang am heissen Herd stehen möchte, ringe ich mich dazu durch, in Dixons Gesellschaft italienische Langnudeln (unlöblich: Spaghetti) mit köstlicher Pestosauce zu zaubern – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Nachdem ich zwei Portionen verdrückt habe, verabschiede ich mich in den wohlverdienten Feierabend. Ich lasse mich schnaufend im Wohnzimmer nieder und fröne den Nachrichten auf FOX – wie aufregend.


Ich beisse kraftvoll zu

19.00 Uhr Zur sogenannten “Prime Time” (löblich: besten Sendezeit) wechsle ich auf HBO und lasse die Seele beim Kriminalfilm “Berlin Syndrom” baumeln. Der Lichtspielhauserfolg aus “Down Unter” (löblich: Drunten unter) erzählt die Geschichte einer jungen Touristin, die in Berlin in die Fänge eines Geiselnehmers gerät – wie schrecklich.
21.00 Uhr Nach neunzigminütigem Nervenkitzel schalte ich die Glotze aus und drehe mit Dixon eine kleine Runde durch den Garten. Zu guter Letzt verschliesse ich die Haustüre und verabschiede mich ins Schlafzimmer. Gute Nacht.

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