11. Januar 2018 – Nach Islamorada

08.00 Uhr Ich hüpfe erfrischt aus dem Bett und bemerke beim Blick auf meinen Wandkalender, dass uns am kommenden Montag ein wichtiger Gedenktag ins Haus steht. Ich reguliere die Klimaanlage und lasse mein Haustier wissen, dass Martin Luther King Jr. ein Mann mit grosser Weitsicht war.


Ein Feiertag für Martin Luther King Jr.

08.30 Uhr Nach der Morgengymnastik lasse ich die Seele bei einem Wirbelbad baumeln und rufe ganz spontan bei meinen Verwandten an. Als sich Georg nach dem achtzehnten Klingeln endlich meldet, kommt er prompt auf den gestrigen Theaterbesuch zu sprechen und verdeutlicht, dass man das Stück “Charles Ives Take Me Home” im örtlichen Schauspielhaus gesehen haben muss. Ich gähne ausgiebig und entgegne, dass ich grossen Hunger habe und das Frühstück gerne auswärts einnehmen würde. Mein Bruder schlägt in die gleiche Kerbe und sagt, dass wir uns gegen 11 Uhr im renommierten “Breeze” Restaurant treffen könnten – das ist phantastisch.
09.30 Uhr Voller Vorfreude steige ich aus der Wirbelbadewanne und rufe Dixon ins Haus, um ihm klarzumachen, dass wir nun gen Süden krusen und meine Verwandten in einem schönen Restaurant treffen werden.
10.00 Uhr Um die lieben Leute nicht warten zu lassen, scheuche ich den Vierbeiner spornstreichs zum Chevrolet und schicke mich an, hupend vom Grundstück zu brettern. Wie es sich gehört, trete ich das Gaspedal bis zum Anschlag durch und beschleunige den SUV auf schwindelerregende 30 Meilen pro Stunde – das macht Spass.
10.45 Uhr Überpünktlich treffe ich am Ziel ein und stelle fest, dass Maria und Georg auch schon vor Ort sind. Ich renne ruckzuck in die Wirtschaft und wünsche den beiden einen guten Morgen. Prompt kommt ein hochnäsiger Kellner daher und zögert nicht, mir die Speisekarte zu überreichen. Ich fackle nicht lange und erkenne mit geschultem Auge, dass die Preise sehr gesalzen sind. Trotz aller Nackenschläge wähle ich ein grosses Frühstück aus und bitte den Knecht, eine Kanne Kaffee sowie Speck für den Vierbeiner aufzutischen.

11.30 Uhr Als ich zum Besteck greife, meldet sich Georg zu Wort und kündigt an, dass er gleich mit Maria einen Ausflug unternehmen wird. Ich werde augenblicklich hellhörig und vernehme, dass meine Verwandten die Florida Keys erkunden und den Samstagabend in Islamorada verbringen wollen. Ich nicke eifrig und bestätige, dass die besagte Gemeinde zu den schönsten Flecken in Florida zählt und bequem über den Highway 1 erreicht werden kann. Ferner merke ich an, dass man den örtlichen “Windley Key State Park” gesehen haben muss. Maria freut sich sehr und verspricht, dass sie spätestens am Montag zurück sein werden – das soll mir auch Recht sein.
12.15 Uhr Als der Kellner die Rechnung präsentiert, staunen wir Bauklötze und sehen uns genötigt, 77 Dollars bezahlen zu müssen. Georg zuckt mit den Schultern und macht es sich zur Aufgabe, seine praktische American Express Card (löblich: Amerikanische Schnellkarte) hervorzuholen und ein stattliches Trinkgeld zu geben.


Wir geben ein stattliches Trinkgeld

12.30 Uhr Im Anschluss vertreten wir uns die Beine und stapfen zum nahegelegenen Lakes Regional Park, um Dixon etwas Auslauf zu bescheren. Währenddessen werfe ich Steinchen in den trüben See und merke an, dass ich das Wochenende ruhig gestalten und keinen Finger krümmen werde. Georg schenkt mir ein Lächeln und verspricht, dass er mir eine schöne Muschel aus Islamorada mitbringen wird – wie aufregend.
13.30 Uhr Eine Stunde später stehen wir wieder an den Autos und schütteln Hände. Mein Bruder wünscht mir ein angenehmes Wochenende und streichelt Dixon über den Kopf – wie schön.
14.15 Uhr Endlich bin ich wieder daheim und kann im geschmackvoll eingerichteten Wohnzimmer die Beine hochlegen. Ich schlummere schnell ein und träume von meiner Forschungsreise nach Minneapolis – das waren noch bessere Zeiten.
15.15 Uhr Ich öffne die Augen und habe wenig Lust, mich um die Anschnurseelsorge zu kümmern. Stattdessen hole ich eine Dose Diät Cola sowie zwei lustige Donuts aus dem Eiskasten und mache es mir in der Hollywood Schaukel bequem. Um nicht komplett zu verblöden, schlage ich das grosse Kreuzworträtsel in der Tageszeitung auf und beantworte Fragen am laufenden Band – da kommt besonders grosse Freude auf.


Hund Dixon geht Gassi

16.00 Uhr Wenig später notiere ich das Lösungswort “PONNTHWER” und vermute, dass ein Ponnthwer womöglich eine exotische Tierart ist. Achselzuckend greife ich zur Leine und animiere Dixon, mich durchs Wohngebiet zu begleiten. Der Rüde lässt sich nicht zweimal bitten und folgt mir brav in Richtung “La Playa” Golfplatz. Nebenher tippe ich Marias Handtelefonnummer ins Tastenfeld der Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry) ein und bringe heraus, dass die zwei bereits Miami hinter sich gelassen haben.
17.00 Uhr Nun wird es aber langsam Zeit, das Abendessen vorzubereiten. Ich mache mich in der Küche nützlich und schwenke vitaminreiches Grillfleisch in einer Pfanne. Dazu backe ich Kartoffelspalten im Ofen heraus und vergesse auch nicht, Dixons Napf mit gesundem ROYAL CANIN Trockenfutter aufzufüllen – wie gut das duftet.
18.00 Uhr Redlichst gestärkt nehme ich die Spülmaschine in Betrieb und gehe dann zum gemütlichen Teil des Tages über. Ich lasse mich vor dem Farbfernsehgerät nieder und fröne den Abendnachrichten auf FOX.

19.00 Uhr Um etwas Abwechslung zu bekommen, gebe ich mich zur besten Sendezeit (unlöblich: Prime Time) dem neuen Serienformat “Burden of Truth” auf CBS hin. Das mehrteilige Fernsehspiel erzählt von einer jungen Anwältin, die in einer Grosstadt eine Karriere anstrebt – da kommt Spannung auf.
21.00 Uhr Nach der vierten Episode schalte ich die Glotze aus und lösche sämtliche Lichter. Anschliessend streichle ich Dixon über den Kopf und falle übermüdet ins Bett. Gute Nacht.