9. Januar 2018 – Hellblaue Polohemden

08.00 Uhr Ich werde durch ein schönes Luke Bryant Lied geweckt. Um nicht einzurosten, hüpfe ich spornstreichs aus dem warmen Bett und stelle beim Blick in den Garten fest, dass es wie aus Kübeln schüttet. Ich kratze mich nachdenklich an der Schläfe und rufe augenblicklich bei meinen Verwandten an. Als ich mich zum Frühstück einladen möchte, entgegnet Maria, dass sie bereits gegessen hat und alsbald nach Fort Myers krusen wird. Natürlich werde ich prompt hellhörig und erfahre weiter, dass sich die lieben Leute die Langeweile im “Miromar Outlet Store” (löblich: Miromar Auslassgeschäft) vertreiben wollen – das hört sich verlockend an.
08.30 Uhr Nachdem ich meiner Schwägerin klargemacht habe, dass ich mich dem Ausflug anschliessen werde, ziehe ich mich in die Nasszelle zurück, um mich bei einem Wirbelbad zu entspannen. Nebenher telefoniere ich mit dem Professor und vernehme, dass mein Bekannter bei diesem Sauwetter nicht aus dem Haus gehen wird.


Die Miromar Outlet Stores

09.15 Uhr Kurz nach dem Neunuhrläuten beende ich das Badevergnügen und schlendere in die Küche, um in Gesellschaft meines braven Haustieres die wichtigste Mahlzeit des Tages einzunehmen. Unterdessen verrate ich dem bettelnden Rüden, dass wir in Kürze Georg und Maria begrüssen und sie nach Fort Myers begleiten werden. Ferner reibe ich mir die Hände und spiele mit der Idee, den Kaufhausbesuch zum Anlass zu nehmen, um mir neue Anziehsachen zu leisten – was das wieder kostet.
10.00 Uhr Wenig später fährt der frischaufpolierte JEEP meiner Verwandten vor. Ich nippe ein letztes Mal an der Kaffeetasse und eile dann nach draussen, um Georg und Maria herzlich zu begrüssen. Im Anschluss hieve ich Dixon auf den Rücksitz und dränge zur sofortigen Abreise – immerhin habe ich meine Zeit nicht gestohlen.
11.00 Uhr Nach sechzig Minuten können wir die Schnellstrasse endlich verlassen und auf der Corkscrew Road gen Norden weiterfahren. Während ich Dixon über den Kopf streichle, erzählt Georg, dass er unbedingt Schnürsenkel und Batterien einkaufen muss. Ich seufze laut und gebe zu Protokoll, dass ich die kommenden Stunden dazu nutzen werde, um nach preiswerter Mode Ausschau zu halten.
11.30 Uhr Trotz des immensen Kundenandrangs lassen wir uns die gute Laune nicht verderben und streben als erstes ins “Bloomingdale’s” Kaufhaus. Neugierig schlendern wir an den vollbeladenen Regalen vorbei und lernen, dass das im grossen Apfel (unlöblich: Big Apple) beheimatete Unternehmen, nicht nur modische Polohemden, Schuhe und Tschienshosen, sondern auch Kindermode in allen Grössen feilbietet. Natürlich fackle ich nicht lange und verschwinde mit zwei preisreduzierten Oberteilen in einer Umkleidekabine.


Jazz kann mir gestohlen bleiben

12.15 Uhr Nachdem ich zwei hellblaue Polohemd zu je 19 Dollars ausgesucht habe, verlassen wir den Laden und statten einem Musikgeschäft einen Besuch ab. Mein Bruder gibt sich den Neuerscheinungen hin und hält mir einen Silberling des dunkelhäutigen Trompetenspielers Miles Davis unter die Nase. Ferner lerne ich, dass Georg die Musik des Negers sehr zu schätzen weiss und sich dieses Album kaufen wird – das soll mir auch Recht sein.
13.00 Uhr Als nächstes finden wir uns in der “All American Grill” Gastwirtschaft wieder und bekommen von einer freundlichen Kellnerin einen einladenden Tisch zugewiesen. Zungeschnalzend schlagen wir die Speisekarte auf und ordern gut durchgebratene Schnitzel (unlöblich: Steaks) mit Bohnen und Petersilienkartoffeln. Dazu gibt es süffiges Coors Light (löblich: Licht) sowie durstlöschendes EVIAN Tafelwasser – schmeckt gar nicht schlecht.
13.00 Uhr Während ich mit Messer und Gabel hantiere, bringt Georg die übernächste Woche ins Spiel und erörtert, dass er am 24. Januar nach Toronto ausfliegen wird. Maria schlägt in die gleiche Kerbe und sagt, dass sie den Schnee vermisst und sich sehr darauf freut, mit David einen Schneemann zu bauen – gleich platzt mir der Kragen.
14.00 Uhr Nach dem Bezahlvorgang lotst uns Georg in ein Telefongeschäft und erkundigt sich beim Verkäufer, ob AAA Batterien vorrätig sind. Die zuvorkommende Tresenkraft (23) fackelt nicht lange und legt meinem Bruder nahe, 10 Akkus aus dem Hause “Energizer” für nur 12 Dollars zu erwerben – da kommt besonders grosse Freude auf.
14.45 Uhr Tütenbepackt kehren wir zum JEEP zurück und treten die Heimreise an. Während mein Bruder den PS-strotzenden Geländewagen auf 50 Meilen pro Stundebeschleunigt, reibe ich mir die Augen und merke an, dass ich mich vor Müdigkeit kaum noch auf den Beinen halten kann. Meine Schwägerin gibt mir Recht und erinnert, dass ich längst nicht mehr der Jüngste bin – papperlapapp.


Mein Zuhause unter Palmen

15.30 Uhr Nachdem mich die lieben Menschen im Willoughby Drive abgesetzt hat, werfe ich die Haustüre krachend ins Schloss und mache es mir zur Aufgabe, Dixons durchnässtes Fell trocken zu reiben. Danach steige ich aus den schweren Kuhjungenstiefeln und lege auf dem Wohnzimmerkanapee eine kleine Pause ein – das tut gut.
16.30 Uhr Ich öffne die Augen und registriere, dass es mittlerweile halb 5 geschlagen hat. Hektisch begebe ich mich in die Küche, um Trockenfutter in Dixons Napf zu schütten. Danach heize ich das Ofenrohr vor und backe in Minutenschnelle eine TOMBSTONE Tiefkühlpizza auf. Ausserdem bereits ich mir einen Tomatensalat mit perfekt aufgeschnittenen Zwiebelringen zu – schon jetzt läuft mir das Wasser im Munde zusammen.


Pizza schmeckt prima

17.30 Uhr Nach der reichhaltigen Brotzeit beginnt der ruhige Teil des nervenaufreibenden Tages. Da ich stets über alles informiert sein muss, schalte ich die Glotze ein und folge interessiert den Abendnachrichten auf FOX.
19.00 Uhr Zur besten Sendezeit schalte ich auf den Bezahlsender HBO um und erfreue mich am preisgekrönten Drama “Fences”. Der amerikanische Langfilm erzählt die Geschichte des Afroamerikaners Troy, der in Pittsburgh ein sehr hartes Leben führt. Um seine Familie über Wasser zu halten, ist der Heini genötigt, bei der Müllabfuhr zu arbeiten – das ist ja allerhand.


Ein Bourbon ölt die Kehle

21.30 Uhr Nach zweieinhalbstündiger Spitzenunterhaltung beende ich den Fernsehabend und trinke einen Schluck Bourbon. Zu guter Letzt lösche ich das Licht und falle übermüdet ins Bett. Gute Nacht.