4. Dezember 2017 – Italienische Spezialitäten und Gartenarbeit

08.00 Uhr Die 49. Woche des Jahres beginnt und ich läute den sonnigen Morgen mit dem Frühsport auf der Terrasse ein. Während Hund Dixon mit einem Tennisball spielt, schlage ich ein Rad und vergesse auch nicht, meine Glieder mit dem Hampelmann zu lockern – was kann es schöneres geben.


Hund Dixon spielt mit einem Tennisball

08.30 Uhr Anschliessend entspanne ich mich bei einem Wirbelbad und nutze die Zeit, um Sandras Tagebucheinträge der letzten Tage zu studieren. Ich mache grosse Augen und bringe heraus, dass das unterbelichtete Kind gestern ein Konzert in der bayerischen Landeshauptstadt besucht hat. Weil ich den Interpreten nicht kenne, recherchiere ich spornstreichs im Internetz und lerne, dass Herr Little Steven (löblich: Kleiner Stefan) seit vielen Jahren Gitarre in Bruce Springsteins Begleitcombo spielt – wo soll das noch hinführen.
09.30 Uhr Nach dem Badespass setze ich mich kopfschüttelnd an den Frühstückstisch und lasse mir die wichtigste Mahlzeit des Tages schmecken. Ferner telefoniere ich mit Georg und vernehme, dass meine Verwandten gleich zum “Sun-N-Fun Lagoon” Spassbad krusen und schöne Stunden im örtlichen Wasserpark erleben werden. Als mich Maria aufruft, über meinen Schatten zu springen und kurzerhand mitzukommen, winke ich prompt ab und gebe vor, wichtigen Verpflichtungen in der Stadt nachkommen zu müssen – was muss ich denn noch alles ertragen.


Im Sun-N-Fun Park gibt es Wasserrutschen

10.00 Uhr Als der Stundenzeiger meines goldenen Chronographens auf 10 zugeht, stelle ich die gesalzene Butter in den Eiskasten zurück und freue mich, als der verrostete Kleinwagen meines Gärtners vorfährt. Wie es sich gehört, begrüsse ich Herrn Leonardo herzlich und erkundige mich, welchen Tätigkeiten er heute nachkommen wird. Der braungebrannte Knecht deutet in Richtung der hochgewachsenen Mangroven und beteuert, dass er zuerst die Sträucher stutzen und anschliessend den Rasen mähen wird. Ich nicke eifrig und entgegne, dass ich währenddessen die Erde im Petersilienbeet auflockern und Unkraut jäten werde – das wird ein Spass.
10.30 Uhr Bei 73°F (23°C) schwinge ich die Gartenkralle und sorge dafür, dass der Mutterboden gelockert wird. Zudem halte ich das Haustier an, brav zu sein und mit dem Tennisball am Teich zu spielen. Der Rüde folgt mir aufs Wort und flitzt mit der Filzkugel zum Wasser, um nach der handzahmen Echse Ausschau zu halten.
11.00 Uhr Wenig später gesellt sich Frau Pontecorvo zu uns und serviert brühfrischen Bohnentrunk sowie schmackhaften Marmorkuchen. Ich bedanke mich artig und frage nach, ob es zum Kuchen auch Sahne gibt. Meine Nachbarin wirft mir skeptische Blicke zu und erinnert , dass Schlagobers sehr ungesund ist. Trotz allem lasse ich mir die gute Laune nicht verderben und spüle meinen trocknen Hals mit kräftigen Schlucken durch – das tut gut.
11.30 Uhr Just als ich mich wieder an die Arbeit mache und mit dem Gartenwerkzeug einen Regenwurm malträtiere, kommt Edelberts schneeweisser JEEP mit quietschenden Bremsen vor der kleinen Villa zum halten. Ich wünsche dem Professor einen angenehmen Morgen und bemerke, dass er eine Tüte mit Spezialitäten aus der Satreales Metzgerei mitgebracht hat. Edelbert schenkt mir ein Lächeln und unterbreitet, dass er etliche mit Bendajola belegte Semmeln mitgebracht hat. Ich werde augenblicklich hellhörig und lade meinem Bekannten ein, mir auf der schattigen Terrasse Gesellschaft zu leisten – wie aufregend.


Ich nehme einen kräftigen Schluck

12.00 Uhr Pünktlich zur Mittagszeit kredenze ich eiskaltes Budweiser und lerne, dass es sich bei Bendajola um einen geräucherten Schinken handelt, der aus Schweinefleisch hergestellt und mit Wacholderbeeren, Muskat und Zucker gewürzt ist. Ich staune nicht schlecht und lasse es mir nicht nehmen, kraftvoll in eine Semmel zu beissen.
13.00 Uhr Nachdem sich der Gärtner verabschiedet hat, tippe ich auf meine wertvolle ROLEX und merke an, dass die Wurstsemmeln meinen Appetit angeregt haben. Edelbert schlägt in die gleiche Kerbe und macht es sich zur Aufgabe, beim “Dominos” Pizzabringdienst anzurufen – wie schön.
13.30 Uhr Dreissig Minuten später bimmelt es an der Pforte und ich finde auf der Einfahrt einen gelangweilt dreinblickenden “Domino’s” Mitarbeiter vor, der mir wortlos zwei Pizzakartons überreicht. Ferner hält mir der Depp eine Rechnung unter die Nase und fordert 22 Dollars heraus – was muss ich denn noch alles ertragen.


Wir beissen kraftvoll zu

14.00 Uhr Während wir uns das mit Pilzen und Schinken belegte Backbrot munden lassen, kommt Edelbert auf Weihnachten zu sprechen und informiert, dass er seinem Sohn in diesem Jahr ein “Spiegel” Jahresabo schenken wird. Ich winke entnervt ab und antworte, dass mir das nötige Kleingeld fehlt, um kostspielige Präsente zu ordern.
15.00 Uhr Schlussendlich wünscht mir Edelbert einen schönen Nachmittag und zieht es vor, die Heimfahrt ins Stadtzentrum anzutreten. Ich werfe die Pforte krachend ins Schloss und bette mich auf dem Kanapee zur Ruhe.
16.00 Uhr Weil es für das Abendessen noch zu früh ist, setze ich mich an den Schreibtisch und komme meinen Pflichten als Anschnurseelsorger nach. Im Posteingang stosse ich auf Dutzende Depeschen besorgter Heimseitenbesucher und sehe mich gezwungen, Ratschläge zum Umgang mit frechen Jugendlichen zu geben.
17.00 Uhr Nach der Arbeit gönne ich mir ein kühles Bier aus dem Hause Anheuser & Busch und bereite das Nachtmahl vor. Unter den stimmungsvollen Klängen einer Dean Martin Weihnachtskompaktscheibe koche ich italienische Bandnudeln auf und verfeinere die vitaminreichen Teigwaren mit Pesto auf dem Glas.


Da kommt Stimmung auf …

18.00 Uhr Redlichst gestärkt verabschiede ich mich in den Feierabend und fröne den Nachrichten auf FOX. Unter anderem lerne ich, dass am kommenden Freitag mit “Immaculate Conception” (löblich: Mariä Empfängnis) ein wichtiges Hochfest im diesjährigen Kirchenjahr ansteht – wie aufregend.
19.00 Uhr Zur Hauptfernsehzeit wechsle ich auf HBO, wo gerade der spannende Neuwestern “Hell Or High Water” (löblich: Hölle oder Hochwasser) anläuft. Ich kippe mir eine weitere Hopfenkaltschale hinter die Binde und werde Zeuge, wie zwei Ganoven im West-Texas Banken überfallen – da kommt Spannung auf.
21.00 Uhr Nach zwei nervenaufreibenden Stunden beende ich den Fernsehabend und trinke zum Abschluss des Tages einen rauchigen Bourbon. Zu guter Letzt rufe ich Dixon ins Haus und lege mich schlafen. Gute Nacht.

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