30. November 2017 – Es weihnachtet sehr

08.00 Uhr Heute werde ich durch das kitschige Elton John Weihnachtslied “Calling it Christmas” (löblich: Nenne es Weihnachten) geweckt. Ich rolle mich entnervt aus dem Bett und erkläre meinem gähnenden Haustier, dass es keine Möglichkeit gibt, sich dem Weihnachtsklamauk zu entziehen – gleich platzt mir der Kragen.

08.30 Uhr Nachdem ich die Morgengymnastik bei angenehmen Temperaturen absolviert habe, eile ich badebemäntelt in die Garage und hole den Karton mit den Dekorationsartikeln hervor. Im Anschluss hänge ich silberne Weihnachtsgirlanden in die Fenster und stelle ausserdem die Drehpyramiden aus dem Erzgebirge in der guten Stube auf. Zu guter Letzt verfrachte ich die Elvis Presley Kompaktscheibe “Elvis’ Christmas” (löblich: Elvis Weihnachten) in die Musikanlage und verabschiede mich zu den Klängen von “Santa Claus Is Back In Town” (löblich: Der Weihnachtsmann ist zurück in der Stadt) in die Nasszelle.


Es weihnachtet sehr

09.00 Uhr Während ich mich auswasche und rasiere, bimmelt plötzlich die Schwarzbeere (unlöblich: Blackberry). Zu allem Überfluss meldet sich Maria im Rohr und lädt mich ein, ihr beim Schopping Gesellschaft zu leisten. Meine Schwägerin legt beste Laune an den Tag und plappert, dass sie Mehl, Rosinen, Puderzucker sowie Margarine besorgen muss. Als ich genauer nachfrage, verrät die Perle, dass sie am Nachmittag Vanillekipferl backen wird. Ich seufze laut und schlage vor, dass wir uns gegen 11 Uhr vor dem PUBLIX Supermarkt am Naples Plaza treffen könnten. Maria ist begeistert und verspricht, pünktlich vor Ort zu sein – das soll mir auch Recht sein.
10.00 Uhr Redlichst nach Rosenblüten duftend, beende ich den Badespass und nehme mir das Recht heraus, zu stimmungsvoller Elvis Presley Beschallung die wichtigste Mahlzeit des Tages zu verzehren. Nebenher blättere ich in der Zeitung und bringe heraus, dass Landmusiksuperstern Josh Turner am kommenden Sonntag in Fort Myers aufspielen und seine grössten Schläge zum Besten geben wird. Ich staune Bauklötze und erfahre weiter, dass mittlerweile sämtliche Eintrittskarten vergriffen sind – wie schade.
10.30 Uhr Um Maria nicht warten zu lassen, scheuche ich Dixon zum Auto und gleite entspannt zum 9 Meilen entfernten Naples Plaza. Während der kurzweiligen Reise entlang des Tamiami Trails, komme ich unter anderem in den Genuss, einen lustigen Coca Cola Weihnachtslastwagen zu sehen – da kommt besonders grosse Freude auf.


Wir schoppen hemmungslos ab

11.15 Uhr Mit kurzer Verspätung erreiche ich mein Ziel und wünsche meiner Schwägerin einen schönen Morgen. Während der Vierbeiner im Auto wartet, folge ich der Perle in die Markthalle und vernehme, dass sie heute Plätzchen backen und am Wochenende etliche Stollen zaubern wird. Meine Begleiterin redet ohne Punkt und Komma auf mich ein und verdeutlicht, dass wir unbedingt mehrere Tüten Backpulver, eine Flasche Rum, Muskat und Hefe besorgen müssen. Ich rolle demonstrativ mit den Augen und schiebe den Einkaufswagen zur Lebensmittelabteilung.
12.00 Uhr Nach einer dreiviertel Stunde haben wir alle benötigten Backutensilien gefunden. Zum Abschluss unseres Einkaufs werden wir am Alkoholregal vorstellig und registrieren, dass es in den Vereinigten Staaten keine 80%igen Rumerzeugnisse zu kaufen gibt. Ich lege meine Stirn in Falten und gebe zu Protokoll, dass ich Sandra anweisen sollte, mir ein Fläschchen Inländer-Rum aus dem Hause Stroh zuzuschicken. Maria nickt eifrig und wählt aus dem Sortiment einen Humpen “Prichard’s Fine Rum” für 40 Dollars aus.
12.30 Uhr Endlich stehen wir an der Kasse und sehen uns genötigt, für die Waren 240 Dollars bezahlen zu müssen. Ich komme aus dem Schmunzeln gar nicht mehr heraus und rechne vor, dass wir für diesen Batzen Geld gut und gerne einen ganzen Zentner Plätzchen im Feinkostladen hätten kaufen können. Meine Schwägerin wirft mir skeptische Blicke zu und informiert, dass das Backen das schönste am ganzen Weihnachtsfest ist – papperlapapp.


Bald steht das Christkind vor der Türe

13.00 Uhr Nach dem Bezahlvorgang kehren wir mit Hund Dixon in die benachbarte “Rita’s” Eisdiele ein und fressen vitaminreiche Zimtschnecken. Während ich kraftvoll zubeisse und meine ausgetrocknete Kehle mit brühfrischem Bohnentrunk spüle, kommt Maria auf ihren Ehemann zu sprechen und beteuert, dass Georg mit Herrn Wang zum Golfplatz gefahren ist. Die kleine Frau nölt in einer Tour und ist sich sicher, dass die beiden nach der Golfpartie das eine oder andere Bier trinken werden – das hört man gerne.
13.45 Uhr Schlussendlich schütteln wir Hände und vereinbaren, dass wir uns Morgen in Julies Restaurant zum Frühstück treffen werden. Ich wünsche Maria einen ruhigen Nachmittag und ziehe es vor, winkend in den Chevrolet zu hüpfen und schnellstmöglich nach Hause zu krusen.
14.30 Uhr Im Willoughby Drive angekommen, stelle ich den SUV in der Garage ab und mache es mir zur Aufgabe, auf dem Kanapee die Beine auszustrecken und etwas zu dösen – immerhin bin ich nicht mehr der Jüngste.


Mein Zuhause unter Palmen

15.30 Uhr Um nicht den ganzen Nachmittag zu vertrödeln, komme ich in die Gänge und zögere nicht, mein beschauliches Zuhause mit weiteren Dekorationsartikeln zu verschönern. Unter anderem hänge ich Frau Pontecorvos Mistelzweig neben die Haustüre und vergesse auch nicht, künstlichen Schnee an die Wohnzimmerfenster zu sprühen – das macht Spass.
16.30 Uhr Nach der Arbeit werfe ich prüfende Blicke in den Kühlschrank und gönne mir ein süffiges Budweiser. Darüber hinaus fülle ich Trockenfutter in Dixons Napf mit nehme selbst mit mehreren Wurstbroten Vorlieb.

17.30 Uhr Nachdem ich die Geschirrspülmaschine in Betrieb genommen habe, telefoniere ich mit Edelbert und vernehme, dass er mit der Idee spielt, am Wochenende den Spielfilm “Bombshell: The Hedy Lamarr Story” im Lichtspielhaus anzuschauen. Ich werde sogleich hellhörig und erinnere mich, dass Hedy Lamarr nicht nur eine weltbekannte Schauspielerin, sondern auch eine begnadete Erfinderin war. Der Professor schlägt in die gleiche Kerbe und unterbreitet, dass die Österreicherin das Frequenzsprungverfahren entwickelt hat – wie aufregend.
18.30 Uhr Nachdem ich die FOX Nachrichten gesehen habe, schalte ich auf HBO um und fröne dem Drama “Voice from the Stone” (löblich: Stimmen aus dem Stein). Der langatmige Streifen handelt von einem Kindermädchen, das mit der Aufgabe betraut wird, sich um den 12jährigen Sohn eines steinreichen Witwers zu kümmern.
21.00 Uhr Als nach zwei Stunden der Abspann über die Mattscheibe flimmert, schalte ich die Glotze aus und rufe Dixon ins Haus. Zu guter Letzt reguliere ich die Klimaanlage und lege mich schlafen. Gute Nacht.

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